Wonach ist dir heute?
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Unser Haus, Baujahr 1967, haben wir im Januar 2018 gekauft und mit einem hohen Anteil an Eigenleistung kernsaniert. Eingezogen sind wir neun Monate später. „Und? War es anstrengend?“ Diese Frage kommt oft und ich gebe immer die gleiche Antwort: „Einen Monat länger und es wäre definitiv nur einer hier eingezogen. Fragt sich nur wer?“

Die Zeit war intensiv, anstrengend und auch eine Belastung für die Beziehung. Man arbeitet auf diesen einen Punkt hin: den Einzug ins neue Glück. Und dann? Wir sind erst mal in ein kleines Loch gefallen, denn das erhoffte Glücksgefühl setzte nicht sofort ein. Die neuen vier Wände waren doch irgendwie fremd. Die Abläufe im Alltag mussten sich erst neu einspielen und es dauerte einfach einige Zeit, bis wir uns an die neue Wohnsituation gewöhnt hatten. Perfekt und fertig war zum Zeitpunkt des Einzuges eh alles noch nicht.

Doch nach und nach – durch viele kleine und große Erlebnisse – wurde das Haus zu unserem Zuhause. Ähnlich wie bei der Geburt unserer Tochter hatten wir schnell alle negativen Erinnerungen wieder verdrängt. Dachte ich doch noch im Kreißsaal: „Was für ein Scheeiiiiiiiiß! Das mache ich nie wieder und das Kind bleibt Einzelkind.“ Hätte mir in dem Moment der Geburt einer ein Skalpell in die Hand gedrückt, hätte ich die Vasektomie bei meinem Mann persönlich vollzogen. Mittlerweile ist unsere Tochter stolze große Schwester eines kleinen Bruders, wir sind immer noch verliebt in unser Zuhause und haben sogar schon das nächste Projekt geplant und umsetzen lassen.

Los ging es mit der weiteren Baustelle im Haus vor ein paar Monaten. Meine Mutter zog der Liebe wegen 220 Kilometer von uns weg, vorher wohnte sie ums Eck und wir haben uns täglich gesehen. Da meine Tochter ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Oma und ich zu meiner Mama habe, musste eine Lösung her, wie sie uns so oft wie möglich besuchen kommen und dann auch ihr eigenes Reich bei uns haben kann. Eine Wohnung hätte zu oft leer gestanden und natürlich auch aus finanzieller Sicht keinen Sinn gemacht. Unser Haus hat zwar mit 200 Quadratmetern genug Platz, doch jedes Zimmer hat bereits eine Verwendung und es gab kein zusätzliches Gästezimmer, nur ein Arbeitszimmer im Anbau.

In diesem Arbeitszimmer befand sich ein Schreibtisch, unsere Ordner lagerten im Schrank und meist stand auch der vollgepackte Wäscheständer drin. Während des ersten Lockdowns war mein Mann, Architekt, im Homeoffice und hat dort oft mit Fleecejacke und dicken Puschen gesessen. Das Problem an diesem Zimmer war nämlich: Es war nicht gedämmt und daher im Herbst und Winter sehr kalt. Und dann kam uns die Idee, dass sich dieses Zimmer mit direktem Gartenzugang perfekt als Gästezimmer/Büro eignen würde.

Unsere Herausforderung war, dass es nur 15 Quadratmeter hatte und nach wie vor noch Arbeitszimmer bleiben muss. In meiner Vorstellung wollte ich ein Gästezimmer zum Wohlfühlen, es sollte ein bisschen wie im Hotel sein. Unsere Familie liebt Mallorca und wir waren oft dort zusammen. Mediterrane Elemente sollten auch in die Gestaltung mit einfließen. Unser Familienbad mit Dusche und Badewanne befindet sich im ersten Obergeschoss, daher stand schnell fest, dass das Zimmer noch ein kleines Bad benötigt.

Also ein Hotelzimmer mit Malle-Flair, integriertem Arbeitsplatz, Stauraum für jede Menge Ordner, Ablage und den ganzen anderen Krempel, den man nicht ständig sehen will.

Schnell wurde klar: Das wird keine kleine Zimmerrenovierung. Das wird wieder eine größere, dreckige und laute Geschichte.

Von außen musste das Zimmer gedämmt werden und ein Raum für das Badezimmer sollte zusätzlich entstehen.

Die Planung hat meinem Mann und mir unglaublich viel Spaß gemacht. Statt vor Netflix saßen wir abends am Esstisch und haben überlegt, wie wir die Ideen in unserem Kopf mit den bestehenden Begebenheiten vereinbaren können. Da der Raum durch das Bett schon gut ausgefüllt sein würde, ist uns die Idee gekommen, nicht nur Ordner, sondern gleich den ganzen Arbeitsplatz hinter Schranktüren verschwinden zu lassen. Der Schreibtisch sollte auch gar nicht riesig sein, sondern Platz für den Laptop, Stifte und einen Block haben.

Bei unserer Haussanierung machten wir viel selbst, doch diesmal haben wir ausschließlich Handwerker engagiert, die unsere Ideen umgesetzt haben. Nach den ersten Entwürfen tauschten wir uns mit dem Tischler unseres Vertrauens aus und dann ging es auch schon los.

Hier ein paar Dinge, die uns besonders wichtig waren und euch vielleicht helfen, wenn ihr die Idee umsetzen möchtet.

  • Steckdose im Schrank, damit der Drucker auch hinter den Türen verschwinden kann.
  • Stromanschluss am Arbeitsplatz für Lampe und Aufladegerät.
  • Leiste unter der Arbeitsplatte, um den Kabelsalat verschwinden lassen zu können.
  • Unterteilung der Schränke auf Ordnerhöhe.
  • Kleiderschrank mit Kleiderstange.
  • Türen, die sich bis zu 180 Grad öffnen lassen, damit sie nicht im Weg rumstehen.
  • Halbrunder Ausschnitt der Arbeitsplatte, damit der Stuhl bei geschlossenen Türen stehen bleiben kann.
  • TV mit Schwenkarm, damit Mutti aus dem Bett Krimis schauen kann.
  • Schwarze Rückwand, damit der Fernseher nicht so auffällt.

Günstig ist die Lösung mit dem maßgeschneiderten Schrank leider nicht. Daher wäre es für mich in einer Mietwohnung wahrscheinlich eher keine Option gewesen. Aber es lässt sich bestimmt auch etwas Ähnliches mit fertigen Schranksystemen umsetzen. Steffi hatte, als sie unsere Idee sah, sofort den Einfall, es mit Pax-Schränken vom Schweden umzusetzen, einfach die Böden im unteren Teil rauszunehmen und oben nur zwei Böden einzusetzen.

Natürlich hat das ganze Unterfangen wieder viel länger gedauert als gedacht, wurde teurer als geplant, hat Dreck gemacht wie Sau und Nerven gekostet. Aber jetzt ist es fertig. Meine Mutter hat ihre ersten Nächte dort verbracht und wir nutzen den Raum noch viel öfter, als wir es uns vorgestellt haben. Für mich ist er sogar mein persönlicher kleiner Rückzugsort geworden, denn hier ist alles hell, immer ordentlich und ruhig. Wenn mich das Leben mit den Kindern und Mann nervt und die Bude im Chaos versinkt, ziehe ich mich hierhin zurück, schließe die Tür, lege mich aufs immer gemachte Bett und träume mich kurz nach Mallorca.

Oder schaue aus dem Fenster in den Garten. Und sehe die Terrasse. Ohne Bedachung … und denke, ob man für den nächsten Sommer da nicht doch mal etwas dran ändern sollte. Das nächste Projekt wartet also schon.

 

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  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Claudia 13. Januar 2021 um 10:29 Uhr

    Wundervoll! Respekt vor so viel Bereitschaft zum Aufwand und Dreck für ein ganz tolles Ergebnis.
    Wir liebäugeln hier auch sehr mit umfassenden Einbauten vom Tischler. Kannst Du, Anna, uns verraten, was das in diesem Raum gekostet hat und wie man einen Tischler findet, der sowas so schön umsetzt? Danke!

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    • Anna 13. Januar 2021 um 11:18 Uhr

      Hallo liebe Claudia! Danke für die Komplimente 🙂
      Der komplette Einbauschrank hat um die 4‘000€ gekostet… wie gesagt, kein Schnäppchen. Aber da hatte Steffi ja auch eine gute Idee als Alternative vom Schweden …

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  3. Sophie 13. Januar 2021 um 15:35 Uhr

    Sehr coole Idee, das mit dem Schrank!
    Liebe Grüße
    Sophie

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  4. Petra von FrauGenial 13. Januar 2021 um 17:09 Uhr

    Unglaublich schön! Ich kann mir ganz genau vorstellen, was es für ein Kraftakt war. Ich kenne es von einer guten Freundin, dass meistens Max Lösungen sich neue Probleme ergeben, und daraus wieder neue Lösungen entstehen und dafür das Ergebnis am Ende aber dafür einfach der Wahnsinn ist!

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  5. Nicola Winkelmann 15. Januar 2021 um 08:37 Uhr

    Findet man Anna auch auf Instagram? Total inspirierend!

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  6. Annika 15. Januar 2021 um 12:55 Uhr

    Ein Traum! Danke für die tolle Inspiration (zum perfekten Zeitpunkt)! <3

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  7. Andrea 15. Januar 2021 um 13:41 Uhr

    Sehr schöne Ideen, sieht klasse aus und ist praktisch, richtig zum Wohlfühlen. Tolle Inspiration.

    Noch eine Frage: ist die Bank vor dem Bett ein Unikat oder habt ihr hierfür eine Bezugsquelle?

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