Oldie but Goldie:

Wir müssen noch ins Bett, Hase! Oder nicht? Das Thema Sex am Wochenende. In der Fernbeziehung oder auch so.

Diesen Artikel habe ich mit Ende zwanzig für die Zeitschrift Maxi geschrieben. Aber irgendwie ist das Thema zeitlos, finde ich. Es taucht in Fernbeziehungen auf, bei Verliebten nach der ersten wilden Phase, bei Eltern nach dem ersten Kind oder auch zweiten. Es ist da, das Ticken der Uhr und die Frage: Sollten wir nicht noch? Müssten wir nicht noch? 

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„WIR MÜSSEN NOCH INS BETT, HASE“

Fernbeziehungen und Sex sind eine gefährliche Kombination, findet Stefanie Luxat. Weil man jedes Wochenende übereinander herfallen müsste, aber genau dazu nicht immer Lust hat.

Ab und zu, da weigert sich meine Lust auf Sex, am Wochenende mit nach Berlin zu kommen, meinen Freund besuchen. An solchen Freitagen bringt sie mich zum Bahnhof, in Jogginghose und mit einer DVD unter dem Arm, winkt mir zu und ruft „Jetzt guck doch nicht so. Das wird bestimmt auch so schön. Mir ist heute eher nach Ruhe, die Woche war so anstrengend. Vielleicht komme ich ja morgen noch nach!“

Natürlich gab es solche Freitage ganz am Anfang meiner Beziehung nicht. Aber so nach drei Monaten, die wir ausschließlich zu zweit verbracht hatten, änderte sich das. Unsere Freunde und Verwandte meinten, sie hätten uns so lange alleingelassen, nun wären sie auch mal wieder dran. Genau, sagte auch der Fitnessclub. Also versuchten wir das, wofür andere Pärchen die ganze Woche haben, am Wochenende zu erledigen: Freitags feierten wir Geburtstage, samstags gingen wir zusammen zum Sport und kauften ein, um abends für Freunde zu kochen, sonntags empfingen wir die Familie zum Frühstück. Unsere Wochenende wurden zum Marathon, doch dabei blieben wir auf der Strecke.

Wir fanden kaum noch die Zeit, zueinander zu finden, Lust auf Sex zu bekommen. Und so hörten wir zum ersten Mal das Geräusch, vor dem sich alle WochenendbeziehungshaberInnen fürchten: das Ticken. Es sagt:

„Es ist Samstagmorgen, Sie haben noch keinen Sex gehabt. Alles in Ordnung?“

„Jetzt ist es sogar schon Samstagabend.“ „Es ist Sonntag!!“ Das Thema Sex wurde plötzlich ein blinkender Punkt auf unserer To-Do-Liste.

Früher trafen wir uns ganz selbstverständlich und voller Freude im Bett, jetzt wurde der Sex zum Pflichttermin, der bis allerspätestens am Sonntagabend abgehakt sein musste, so wie alle anderen eben auch. Und genau so fühlte sich der Sex jetzt nun auch an. Es war nicht mehr diese große, lange Reise ins Universum wie vorher, bei der wir von einem Planeten zum nächsten hüpften. Jetzt fühlte es sich an wie viel zu wenig Zeit in einer Stadt, in der es ganz viel Schönes zu sehen gibt. Unbefriedigend.

Irgendwann traute ich mich, diesen neuen Zustand anzusprechen, und Jan seufzte erleichtert, auch er fand es unerträglich. Wir setzten unsere Wochenenden auf Diät, verschlankten es um zwei Drittel Termine und blockten uns die Zeit für uns zwei. Seitdem kommt meine Lust spätestens samstagnachmittags nach, nach Berlin. Mit einem leisen, breiten Grinsen.

Text – Stefanie Luxat, Foto – Priscilla Du Preez

2 Comments

  1. Antworten carla 17. September 2018 um 10:34 Uhr

    Ohhhhh, der Text ist sehr zutreffend. Als ich noch mit meinem Fernbeziehungs-Jan zusammen war, da ging es mir genauso. Tiktoktiktok….

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