Wonach ist dir heute?

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NaIch habe für die Zeitschrift Flair Anfang des Jahres eine Kolumne geschrieben mit dem Titel “Wie sag ich es meinem Mann?”, über das Zusammenleben mit der Spezies Mann. Leider wurde die Zeitschrift vom Markt genommen (die es jetzt gibt hat eine andere Redaktion), starb so nach nur drei Ausgaben meine Kolumne. Aber weil ich sie sehr vermisst habe und glaube, dass dies ein Thema ist, das viele interessiert und über das es Spaß macht zu diskutieren, führe ich die Kolumne hier weiter. Beziehungsweise zeige euch in den nächsten Wochen die ersten drei und dann ganz neue, damit wir alle auf dem gleichen Stand sind. Hier könnt ihr Kolumne eins über das Thema, wie man seine nicht so schönen Möbel aus der Wohnung bekommt nachlesen. Und hier Kolumne Nummer zwei, über das Thema: Mein Mann macht Häufchen. Und hier kommt meine Meinung zum Thema Lümmelsofas, die im Mai diesen Jahres in der Flair erschienen ist:

Der Tiefpunkt war erreicht als die Arrabiata-Nudel einen Kopfsprung von der Gabel auf die weiße Couch machte. Und ich nicht „Oh mein Gott!“ rief, sondern nur ein leises „Ups“ von mir gab. Und nicht sofort das Putzzeug holte. In diesem Moment waren wir offiziell verlottert. Man kann auch sagen: verlümmelt! Seit Monaten fand unser Leben im Wohnzimmer statt, auf zwei Lümmelsofas. Es wurden auf diesen Sofas ganze Dreigängemenüs gegessen, mit dem Teller in der Hand, Freunde gesellten sich im Schneidersitz dazu um den Couchtisch – fünf Meter von dort vereinsamte ein Zweimeterzwanzig mal Einmeterfünfzig Esstisch im Nebenraum. Es hatte sich klammheimlich ein Ritual entwickelt: Nach der Arbeit Jogginghose an, Nudeln auf den Herd, Flasche Wein, Süßigkeiten für später, alles auf ein Versorgungstablett für den Rest des Abends – und bis auf den Besuch im Bad war’s das an Bewegung. An guten Abenden wurde gesprochen oder gelesen, an schwierigen einfach nur gezappt oder nebenbei noch am Computer gearbeitet, an schlimmen: geschnarcht.

Als eines der Sofas an meinem Geburtstag unter Freunden zusammenkrachte, brach auch ich zusammen. Vom Boden aus flehte ich meinen Mann an: „Wir brauchen mehr Haltung!“ Und so machten wir uns auf die Suche nach einem neuen Sofa. Ich hatte vergessen, wie schwierig es ist, das richtige zu finden. Das eine kratzte, das andere sah aus wie ein verkapptes Bett, das nächste kostete so viel wie ein Kleinwagen. Und dann war da plötzlich Madison von Bolia: ein Zweieinhalbsitzer im 60er-Jahre-Stil mit Samtbezug in Petrol. Samt! Petrol! Ich mochte diese Farbe noch nie, Samt auch nicht, aber ich war verliebt. Der Verkäufer sagte: „Wenn Sie Kinder wollen, kaufen Sie es bloß nicht in Samt!“ – „Ach, Kinder, die kann man doch auch auf dem Balkon stillen.“ sagte ich. Und mein Mann guckte irgendwie irritiert. „Ist das nicht furchtbar unbequem?“ fragte er und setzte sich betont unentspannt auf Madison. Es gibt ungefähr 20 Gründe, dieses Sofa nicht zu kaufen: Ich werde es wahrscheinlich ähnlich tänzelnd bewachen wie Oliver Kahn damals sein Tor, wenn sich Gegner nähern. Ich muss mir in der Drogerie eine Fusselbürste dafür besorgen und es regelmäßig damit bearbeiten. Es kostet so viel wie ein Kleinwagen. Aber: es ist Liebe, echte Liebe und die ist doch so selten. Und jedes Sofa, jede neue Beziehung ist doch wie ein Versprechen. Und dieses verspricht zwar ein bisschen weniger Gemütlichkeit, aber dafür geben wir uns vielleicht auch wieder mehr Mühe, als nur die Tüte Chips zu holen, die man auf dem Versorgungstablett vergessen hat. Es wird uns zurück befördern an den Esstisch, wo wir uns gesünder ernähren werden als vorm Fernseher auf der Couch: es ist die Anti-Lümmelsofa-Diät. Es gibt doch einen Grund, warum Wohnungen nicht nur aus Küche, Badezimmer und Couch bestehen.

„Wir werden wieder in Form kommen, zum Sport gehen, fantastische Gespräche führen beim Essen, sensationell aussehen am Strand…“ schwärmte ich meinem Mann vor. „Aber da kann man sich ja gar nicht richtig drauf lümmeln!“ stellte er noch mal fest. „Aber Schatz, wir kaufen doch diesen hübschen Riesenhocker noch dazu – den kannst du dir heranziehen und dich darauf ausstrecken“ bot ich an. „Du weißt schon, dass du noch nie eine Diät gemacht oder so etwas ähnliches durchgehalten hast, oder?“ fragte der Lümmel. „Um was geht es bei Diäten, Schatz? Genau, Hoffnung!“. Nächste Woche wird Madison geliefert, ich habe gerade noch mal online nachgeschaut. Und dabei ein Video der Designer Glismand & Rüdiger entdeckt. Der Rüdiger tänzelt darin und boxt in die Luft –  ich sag’s doch, wir werden Sportler!

Na, kommt euch da was bekannt vor?

Steffi

Und in der nächsten Kolumne: Warum sich Männer keine zwei Meter was merken können. Oder sollten wir sagen: “möchten”?

 

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Lisa 19. November 2013 um 13:06 Uhr

    Ohhhh, wie wahr, wie wahr! Ich freu mich jetzt schon auf die nächste Kolumne!!!
    Liebe Grüße, Lisa

    Antworten
  3. Sabina @Styleblog So nur in Frankfurt 13. November 2013 um 18:17 Uhr

    Was für eine feine Idee, nur muss ich bei diesem Thema passen. Ich lümmel selbst viel zu gern. Wobei das eine, das andere ja nicht ausschließt. 🙂
    Bin schon aufs nächste Mal gespannt! LG Sabina

    Antworten
  4. Vera 13. November 2013 um 14:19 Uhr

    …Ich lümmel so gerne…. Also das mit dem Haltungssofa wird bei uns wohl noch etwas dauern 😉 Vermutlich noch ein paar Jahre, bis die Kinder größer sind und ich vor lauter Schlafmangel nicht mehr ständig abends auf der Couch einschlafe! 🙂 Zu meiner Verteidigung: Unser Lümmelsofa trifft aber auch visuell genau meinen Geschmack!

    PS: Ich liebe Deine Kolumne!

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  5. sarah 13. November 2013 um 01:02 Uhr

    ich hab das sofa gerade gegoogelt .
    das ist ja ein traum .!!!! wobei ich’s in
    grau bevorzugen würde 🙂
    echt wunderschön . wie geht’s dem sofa
    heute .? ist es eh nicht wieder zum lümmel-
    sofa geworden .? 😉

    liebe grüße

    Antworten
  6. Tanja 12. November 2013 um 16:33 Uhr

    Hallo Steffi,
    tolle Kolumne, ich musste SEHR lachen! Und ja, ich habe da etwas wiedererkannt… Freue mich auf mehr Texte von Dir!
    Liebe Grüße
    Tanja
    http://www.mxliving.de

    Antworten
  7. Susanne 12. November 2013 um 14:44 Uhr

    Harhar, köstlich! Und wunderbar geschrieben!

    Wir sind dabei, uns nach 11 anstrengenden Jahren von Charles (B&B Italia) zu trennen. Und wünschen uns nichts sehnlicher, als ein Lümmelsofa ;). Charles musste unglaublich viel einstecken, irgendwann half auch keine Spezialreinigung mehr. Die Kinder haben ihr Bäuerchen drauf gemacht, die Breifinger drangeschmiert und sind im Sommer mit schwarzen Füßen direkt vom Garten auf’s Sofa gesprungen. Alles Verteidigen half nichts, wir gaben uns irgendwann geschlagen. Als zu guter Letzt auch noch der Hund den hellgraumeillierten Wollwalkbezug mit seinen eigenen Fusseln eroberte, war’s aus und vorbei. Und jetzt träumen wir von einem neuen Sofa. Am besten aus Leder (abwischbar), so tief, dass man keinen Fußhocker braucht (und sich nicht um die kleine Ottomane streiten muss, Abend für Abend), mit vielen weichen, knautschigen Kissen und noch mehr Platz für weitere knautschige Kissen. Für ultimative Gemütlichkeit am Abend. Denn die haben wir uns redlich verdient ;)).

    Liebe Grüße,
    Susanne

    Antworten
  8. Joella 12. November 2013 um 13:24 Uhr

    So süß geschrieben ^^ bin schon sehr gespannt auf ein Foto 😀

    Grüße Joella von http://www.joellas-day.de

    Antworten
  9. FrauKim 12. November 2013 um 12:26 Uhr

    Liebe Steffi,
    zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich aufgeben habe und unser Sofa sein Lummeldasein mit uns weiter ausleben darf. Irgendwie scheine ich machtlos gegenüber seiner Anziehungskraft und der Gemütlichkeit meiner bessern Hälfte zu sein, auch wenn ich es ettliche Male versucht habe und auch von mir so Sätze kamen: “Schatz, wir müssen uns endlich mal wieder an den Esstisch setzen (jupp, wir haben einen, allerdings steht der in der Diele, denn auch auf 150qm hat Frau Platzprobleme ;o), ein Glas Wein dabei (dabei trinke ich den gar nicht, aber ER und immerhin diente es dazu, mein Überredungsmanöver etwas netter auszuschmücken), eine Partie Schach (öhem, jetzt übertreibe ich aber)……ok ok, zumindest möchte ich mal wieder in relativ aufrechter Haltung meine Mahlzeiten einnehemen und ICH koche dann lecker (ok, ER kennt mich, also besser nicht übertreiben)…….äh was gesundes für uns.”

    Das Ende vom Lied ist, wir saßen so oft am Esstisch, dass ich das noch immer an beiden Händen abzählen kann und wir wohnen nicht erst eine Schrecksekunde in unserer Hütte. Ich werde mich also mal bei dem Hersteller unserer Lümmelwiese beschweren, warum zum Teufel dit Teil so bequem ist und auch noch mehr Kissen dabei waren, als angeben und wir bezahlt hatten. DIE werden schon wissen, warum! ;o)
    Außerdem kommt gleich eine Klage wegen Figurbeschädigung hinzu, denn ich habe diese Sofakuhle (dat Ding hat auch noch einen Ottomanen dran) in Verdacht, dass sich quasi allein schon dadurch eine Plautze bildet, weil mein Hintern viel tiefer im Sofa versinkt, als meine Beine. So zusammengeschoben kann das für einen flachen Bauch nicht förderlich sein. Und die Naschihersteller verklag ich auch (bin grad so schön in Fahrt), was die immer wieder für verlockende Versuchungen auf den Markt schmeissen, die mittlerweile auch noch derart dekorativ verpackt werden, dass Frau gar nicht anders kann, als diese Schächtelchen zu kaufen (ich sach nur DIVA ……wer ist da noch am Inhalt interessiert?……..ok ich *seufz* ;o)

    Deine Kolumne ist göttlich und ich werde sie meinem Schatz gleich weiterleiten, mal gucken, ob wir uns nicht auch mal wieder am Esstisch lümmeln können. Das geht ja auch in halbwegs aufrechter Position ;o)

    Liebe Grüße….
    Kim

    Antworten
  10. Ni Luka [ Firlefax ] 12. November 2013 um 11:58 Uhr

    Ganze drei Gänge Menues auf dem Sofa….>>>> ohhh jaaaa….das kenne ich !!!
    Weiss ist es auch noch dazu…das Sofa…nur UNSER FLECK ist Schokolade von leckeren Nachtisch…;)))
    Ich liebe es wie Du schreibst liebe Steffi & freue mich auf MEHR
    Nicola

    Antworten
  11. Anika 12. November 2013 um 11:52 Uhr

    Du triffst es genau! Ich musste so lachen das ich deinen Text gleich an mehrere Freundinninen verschickt habe! Herrlich..und auch bei uns Zuhause gibt es das Versorgungstablett plus rumlümmel Sofa in extra breit.. 😀

    Antworten
  12. Angela - designhaus no.9 12. November 2013 um 11:41 Uhr

    Also, bei uns ist die Hoffnung bereits gestorben. Wir haben ein schickes “Haltungs”-Sofa, doch unser “Versorgungstablett” ist immer noch im Einsatz. Geht auch nicht anders, da unser Esstisch als Ablage dient. 😀

    Antworten
  13. Martina 12. November 2013 um 11:39 Uhr

    Das trifft mal wieder ins Schwarze 🙂 Das kenne ich nur all zu gut. “Schatz, ein Sofa muss funktionall sein und man muss sich drauf wohlfühlen können.” Also nicht nach dem äusseren kaufen und es dann schützend bewachen.
    “Aber… man kann ja auch in der Küche essen und sich die Hände nach dem Essen waschen und aufpassen und und und…” hauptsache es sieht toll aus. Natürlich soll es auch gemütlich sein! Und was schön ist, kostet dann manchmal wie ein Kleinwagen. Da gehört dann auch noch eine gute Portion Überredungskunst dazu, warum man genau dieses Sofa kaufen sollte. Ich habe mich auch in so ein Sofa verliebt, iIn Kleinwagenpreisklasse. Mein Freund hat es Probe gesessen und zumindest gesagt, es sei gemütlich 😀

    Weiter so mit der Kollumne. Freue mich schon auf die nächste.

    LG
    Martina

    Antworten
  14. Alexandra 12. November 2013 um 11:27 Uhr

    Genial! Das ist das wahre Leben mit Mann! Ich freu mich schon auf die nächsten Kolumnen. Herzliche Grüße, Alexandra

    Antworten
  15. Stefanie 12. November 2013 um 10:45 Uhr

    Liebe Steffi,

    ich bin ja so froh, dass du deinen Kolumne nun weiterführst. Ich habe Sie so gerne gelesen (auch wenn es nur 3 Ausgaben waren) und mich jedes mal köstlich amüsiert. Du triffst es wirklich immer auf den Punkt. Deshalb freue ich mich nun auf weiter wunderschöne und lustige Texte von dir. Grüße

    Antworten

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