Wonach ist dir heute?

WiesagichesmeinemMannHäufchen

Ich habe für die Zeitschrift Flair Anfang des Jahres eine Kolumne geschrieben mit dem Titel “Wie sag ich es meinem Mann?”, über das Zusammenleben mit der Spezies Mann. Leider wurde die Zeitschrift vom Markt genommen (die es jetzt gibt hat eine andere Redaktion), starb so nach nur drei Ausgaben meine Kolumne. Aber weil ich sie sehr vermisst habe und glaube, dass dies ein Thema ist, das viele interessiert und über das es Spaß macht zu diskutieren, führe ich die Kolumne hier weiter. Beziehungsweise zeige euch in den nächsten Wochen die ersten drei und dann ganz neue, damit wir alle auf dem gleichen Stand sind. Letzte Woche gab es Kolumne eins über das Thema, wie man seine nicht so schönen Möbel aus der Wohnung bekommt. Und hier kommt Kolumne Nummer zwei, die im April in der Flair erschienen ist:

Vor kurzem kam eine Bekannte auf mich zu und fragte ganz leise und so getarnt als wolle sie mir Drogen verkaufen: „Ist es wirklich so schlimm mit deinem Mann zusammen zu wohnen?“ Ich fragte sehr, sehr laut und entsetzt: „Bitte was?!“.  Sie hatte diese Kolumne gelesen und ich glaub’, etwas missverstanden.

Es ist ein großer Spaß mit meinem Mann zusammen zu wohnen, ich liebe es! Es ist toll, dass er nicht zu allem sofort ja sagt. Einem „Mach wie du meinst, Schatz!“-Typen wäre ich schon längst davon gerannt. Meinem Mann musste ich zum Beispiel erst lang und breit erklären, warum unser Flur puderfarben gestrichen werden sollte. Ich hatte nämlich ein selbstklebendes Kupfer-Konfetti für die Wand entworfen, das perfekt dazu aussehen würde. Ich arbeitete mich an seinem Dagegenhalten ab, überprüfte, ob die Wandfarbe wirklich ein guter Einfall war. Um dann mit ihm in dem gestrichenen Flur zu stehen und einen Lachkrampf zu bekommen, weil es doch irgendwie gewöhnungsbedürftig aussieht. Aber das Konfetti findet er toll, immerhin. In diesen Momenten der Selbstironie und Mist-ich-weiß-doch-nicht-immer-alles-besser-als-du liebe ich meinen Mann und unsere Ehe besonders, wird der Tank der positiven Gefühle so aufgefüllt, dass es überhaupt kein Problem ist, ihn anzuzapfen, sich im nächsten Moment wieder über etwas zu wundern. Zum Beispiel darüber, dass mein Mann Häufchen macht. Er hinterlässt überall in der Wohnung kleine Häufchen. Im Wohnzimmer gern eins aus Kicker-Ausgaben. Im Schlafzimmer aus Klamotten. Im Schrank aus Papierkram. In der Waschmaschine aus nasser Wäsche, die lieber auf einen Wäscheständer gehängt werden würde, als darin so zu zerknautschen, dass man sie am besten gleich noch mal wäscht!

Ich dachte, wenn ich den Grund für dieses Verhalten finde und verstehe, kann ich mir eine Lösung ausdenken, und versuchte es à la Lanz: legte den Zeigefinger quer über den Mund, setzte dieses irre nachdenkliche Gesicht auf, beugte mich vor und sagte sehr, sehr eindringlich „Christian“. Schweigesekunde. „Christian, warum hinterlässt du überall Häufchen?“ „Bitte was?!“ fragte er entsetzt. Ich erklärte ihm, was er in meinen Augen tat und er hatte sehr schnell eine Antwort parat: „Ich habe ja nichts, wo ich die Sachen ablegen könnte!“ „Du hast einen Couchtisch, den du beim Ablegen des Kickers knapp verfehlst. Im Schlafzimmer steht eine hübsche Holzleiter, die gerade zu um deine Klamotten bettelt und der Wäscheständer hat mich schon gefragt, ob du hier noch wohnst, weil er dich so lange nicht mehr gesehen hat!“ Mein Mann mag Markus Lanz nicht besonders. Er findet, der will immer nur fragen, den interessieren die Antworten gar nicht. Also änderte ich die Taktik und gab ihm Antworten zum Abnicken vor: „Du möchtest mit den Häufchen dein Revier markieren. Weil dir unsere Wohnung langsam zu weiblich wird.“. Er: „Die Haufen stören mich einfach nicht!“. „Die Häufchen sind ein Schrei nach Aufmerksamkeit, du möchtest, dass ich mich mehr um dich kümmere, öfter den Weg vom Schreibtisch zu dir auf die Couch finde, deshalb hinterlässt du Häufchen so wie Hänsel und Gretel Brotkrumen.“ Er: „Schatz, nimmst du Drogen? Ich sammel die Sachen einfach nur an einem Punkt, damit ich weiß, wo sie sind und ich sie immer wieder finde.“. „Aber dafür hat Ikea doch Pax erfunden!“ Ihm fehlt einfach das Ich-mach-es-direkt-weg-Gen. Das Schlimme ist: sein Verhalten ist ansteckend. Erst protestiere ich noch und schon lass ich auch Sachen liegen, bilden sich Riesenhaufen. Vorgestern bin ich über so einen gestolpert und habe beschlossen: Finito. Als mein Mann nach Hause kam und seine Häufchen suchte, sagte ich: „Ich habe alles entsorgt. Und so werde ich es auch in Zukunft mit allem machen, was länger als 24 Stunden auf dem Boden liegt!“ Bisher funktioniert es einwandfrei. Wahrscheinlich ist mein Mann noch in der Schockstarre.  Vielleicht verrate ich ihm Morgen zur Belohnung, dass ich die Sachen gar nicht entsorgt habe, sondern sie vor sich hinmüffeln, ganz hinten in seinem Schrank.

In der nächsten Kolumne geht es um das Thema: Wir brauchen mehr Haltung! Das Lümmelsofa muss weg! 

Und? Kommt euch da was bekannt vor?

Steffi

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Erika 14. Februar 2014 um 23:00 Uhr

    Hallihallo,
    also bei meinem Freund sind es auch eher große Ansammlungen von irgendwas aus Häufchen. Klamottenhaufen im Schlafzimmer sind seine Spezilität. Mittlerweile habe ich die Regel eingeführt, was nicht im Wäschekorb ist, wasche ich nicht. Das klappt einigermaßen gut.
    Ich habe allerdings auch beobachtet, dass diese Häufchenmacherei abfärbt. Ich gebe zu ich war noch nie ein Ordnungsfreak, aber ich versuche immer die Wohnung in einem passablen Zustand zu halten, aber vor allemin Stresssituationen neige ich auch zur Häufchenbildung. Aber es wird langsam besser. 🙂

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  3. Kerstin 15. Februar 2014 um 08:34 Uhr

    Liebe Steffi,
    ich mußte wieder sooo lachen!
    Bei mir liegen die Häufchen in der Küche auf dem Buffet! Handy! I-Pad! Zeitung! Zigaretten! Dabei hat der Herr GG ein Büro das nur 7 Meter von der Küche entfernt liegt :O) Ich habe dann einfach meine Schminksachen, Schlüssel, Handy, Schal und Handschuhe immer bei ihm im Büro auf den Schreibtisch gelegt (grins)! Jetzt sind die Dinge in der Küche versschwunden :O) Geht doch!!!!

    Liebe Grüße
    Kerstin

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