Emotional Detox:

Wie man sich innerlich so stärkt, dass einen weder der Schnupfen noch die schlechte Laune von anderen ansteckt. Psychologin Laura Ritthaler erklärt, wie man das schafft.

Im Büro, in der Bahn, auf dem Spielplatz, im Supermarkt – wir treffen täglich so viele Menschen und selten sind alle in der gleichen Stimmung. Oder sagen wir es so: in der Stimmung, die wir uns in dem Moment wünschen. Da kann es einem gut passieren, dass man statt guter Laune einen Husten abkriegt. Manchmal so von der Seite mit vorgehaltener Hand, manchmal aber auch direkt mitten ins Gesicht.

Oft fliegt einem in dem Moment ein fetter Virus entgegen, genau so oft aber auch einfach nur eine Riesenportion schlechte Laune des Gegenüber. Oder Zukunftsängste. Oder Hilflosigkeit – wenn die Person einfach entkräftet ist und gar nicht merkt, dass sie gerade wie wild schlechte Stimmung verbreitet.

Wenn es draussen kalt, nass und dunkel wird, dann brauchen wir eine extra dicke Haut und vor allem ansteckende gute Gefühle. Um unsere eigenen Herausforderungen zu wuppen und uns den Tag nicht vermiesen zu lassen. Wir brauchen eine Art emotionale Sonnenbank, unter der wir uns immer wieder aufwärmen können. Weil:

Positive Emotionen sind nicht nur für unsere gute Laune, sondern auch für unsere Gesundheit wichtig. Das beweist Richard Davidson von der Universität Wisconsin. Er fand heraus:

Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen positiven Gefühlen und der Immunabwehr.

Dass die emotionale Stimmung richtig ansteckend sein kann, merken wir, wenn wir Zeit mit jemanden verbringen, der zufrieden und voller Leichtigkeit ist. Oder aber eben mit jemanden, der sich  unzufrieden und voller Schwere fühlt. Das kann dann leicht abfärben, zum besseren oder schlechteren. Da kann man sich mit schlechter Laune anstecken, wenn das eigene psychologische Immunsystem nicht richtig fit ist.

Und wenn es draussen taffer wird, sind alle Anderen selbst auch anfälliger. So stecken wir uns dann gegenseitig mit Muffeligkeit an. Die Stimmung schlägt sich im Körper nieder und der körperliche Zustand beeinflusst unsere Stimmung.

Da ist es wichtig, dass wir uns räumlich abgrenzen zu Menschen, die emotionale Viren schleudern oder, wenn das gerade nicht funktioniert, dann mental Zäune ziehen. Damit wir uns selbst, wie mit einem Schutzschild, beschützen können und das bekommen wir folgendermaßen hin:

3 Schutzschilder, um das psychologische Immunsystem zu aktivieren:

1.) Lachen ist die Hühnerbrühe der Psyche. Eine Minute Lachen ist so wirksam wie 45 Minuten Entspannungstraining! Es werden dadurch automatisch entsprechende Glückshormone ausgeschüttet. Die Welt wird für uns wieder bunter und unsere Glücksgefühle werden wachgerüttelt. Also bringen Sie sich irgendwie (!) zum Lachen oder zumindest zum Lächeln. Mit Ihrer Lieblingscomedyserie, einem bekloppten You-Tube-Video, was auch immer sie zum Lachen bringt. Hier lohnt es sich auch in der Vergangenheit zu kramen: Was hat mich früher dazu gebracht, dass die Gesichtsmuskeln strapaziert wurden? Welche Streiche haben Sie früher womöglich so angestellt? 

2.) Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Schutzschild aus Panzerglas um sich herum und alles was Ihnen nicht gut tut, perlt einfach daran daran ab. Manchmal macht es auch Sinn, sich vorzustellen, dass das Negative nicht nur abperlt, sondern direkt wieder an den Empfänger zurückgegeben wird. So à la: „Hier bitte, das nehme ich nicht an, es ist Dein Päckchen!“. Das im Blick zu haben hilft, weil man sich dann nochmal klar macht, dass es das Päckchen des Anderen ist.

3.) Sich ruhige Wohlfühl-Oasen für ein tägliches Power-Napping suchen. Eine Portion kuscheliger Rückzug zwischendurch, zum Beispiel auf dem Sofa oder Bett, kann Wunder wirken. Am besten für 20-30 Minuten. Handy auf Flugmodus stellen und die Stille genießen oder ganz leise Entspannungsmusik. Die Gedanken schweifen lassen oder kurz einnicken. In diesen Muße-Zeiten erholt sich unsere Psyche und unser Körper extrem gut, die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit wird sofort wieder erhöht. Und das ohne unser bewusstes Zutun. Einfach nur durch ein hingebungsvolles Loslassen und Entspannen. Okay, Sie haben einen Bürojob und denken jetzt “Wie soll ich denn das jetzt bitte umsetzen als Festangestellte?” – Sekunde. Sie haben doch eine Toilette im Büro, oder? Wenn das die einzige Rückzugsmöglichkeit ist: basteln Sie sich für dort ein Ritual. Zum Beispiel: dorthin zurückziehen, Handy mitnehmen, darauf das absolute Lieblingslied einstellen, Augen schließen und die drei, vier Minuten, die es dauert nur daran denken und dabei lächeln, lächeln, lächeln.

 

Nur Mut!

Laura Ritthaler

 

Laura Ritthaler ist Diplom-Psychologin, arbeitet seit 10 Jahren in eigener Praxis, gibt Seminare & Workshops zum Thema „Flow – Selbstbestimmt leben und arbeiten“ und hat das “Emotional Detox”-Konzept entwickelt. Dafür bietet sie unter anderem ein Wochenende mit psychologischer Beratung für ein individuelles Thema an – Steffis Erfahrungsbericht zum Emotional Detox-Wochenende findet ihr hier. Die Kolumnen und Tricks von Laura Ritthaler ersetzen natürlich keine Therapie, können aber Impulse geben und den Alltag erleichtern. Und deswegen schreibt sie hier monatlich eine Emotional-Detox-Kolumne zu Themen aus dem Alltag.

Text – Laura Ritthaler

14 Comments

  1. Antworten Lilli 30. Oktober 2017 um 08:49 Uhr

    Danke für die Tipps, habe gestern bei dem Gruselsturmwetter schon damit angefangen, mir kleine Oasen zu suchen: Lieblingsmusik, Lieblingstee, Lieblingskuscheljacke…wenn wir das alle so machen, kommen wir irgendwie über den Winter. Für mich ist der Blog hier auch eine kleine positive Auszeit, also danke Dir und Steffi, Ihr wirkt Euch positiv auf meine Gesundheit aus 🙂 Eine fröhliche Woche mit einem geschenkten Feiertag wünscht Lilli

    • Antworten Laura Ritthaler 30. Oktober 2017 um 10:38 Uhr

      Liebe Lilli,

      vielen lieben Dank für Deine Nachricht, die freut mich sehr!
      Es klingt toll, dass Du Deine Sinne schon in einen gemütlichen Ruhe-Modus gebracht hast. Deine Lieblingsmusik hören, den Lieblingstee schmecken, die Kuscheljacke fühlen. Und genau wie Du sagst: wenn wir das Alle so machen dann kommen wir über den Winter und stecken manch Andere mit unserer guten Laune an!
      Herzlich, Deine Laura

  2. Antworten Heike 30. Oktober 2017 um 09:28 Uhr

    Hey, wie cool! Seit Kurzem überlege ich schon für mich, wie ich mit meinem Tief im November besser klar komme! Und dann erscheint dieser Blogpost hier! Wunderbar!

    • Antworten Laura Ritthaler 30. Oktober 2017 um 10:42 Uhr

      Hallo Heike,

      super, dann rein ins November-Hoch auf Ihre ganz eigene Art und Weise.
      ps bei ganz vielen wirken auch Duftöle & Duftkerzen extrem gut, da unser Geruchsinn direkt unsere Emotionen beeinflusst.
      Herzlich,
      Ihre Laura Ritthaler

  3. Antworten Pia 30. Oktober 2017 um 14:44 Uhr

    Großartiger Text! Ehrlich gesagt, war mir das gar nicht so richtig bewusst – aber es ist ja, leider, genau so. Die Vorstellung von einem Schutzschild aus Panzerglas ist genial und wird umgehend umgesetzt 🙂 Zufriedene und positive Grüße von Pia

  4. Antworten Mumbai 30. Oktober 2017 um 16:13 Uhr

    Gerade lese ich ein Buch wo die Zusammenhaenge zwischen Psyche und koerperl.Kondition wissen-
    schaftlich erklaert und bewiesen werden und es ist faszinierend welch grossen Einfluss auch seine
    Umgebung hat. Positives Denken und Lachen sind wahrhaft die beste Medizin um nicht nur Erkaeltung, sonstige Krankheiten sondern auch Stress abzuwehren.

    • Antworten Laura Ritthaler 30. Oktober 2017 um 16:46 Uhr

      So spannend oder?! Ich bin auch richtig happy, dass endlich wissenschaftliche Untersuchungen veröffentlicht werden und es somit auch ein Bewusstsein für den grossen Einfluss der positive Gefühle in der Öffentlichkeit gibt.
      Einen schönen Sonntag.
      Herzlich, Laura

  5. Antworten Romy 30. Oktober 2017 um 17:03 Uhr

    Spannendes Thema – um meine Umwelt etwas zu “entlasten” probiere ich es momentan meine Stimmung mit Sonnenlichtlampe, einem schönem Kaffee, Lesestoff sowie ab und an einem heissen Bad aufzuhellen. Gerne zukünftig mehr Tipps in diese Richtung!

    • Antworten Laura Ritthaler 30. Oktober 2017 um 20:22 Uhr

      Hallo Romy,
      Wenn es richtig grau zugeht könnte man auch das heiße Bad, die Lektüre, ein Getränk und die Lichtdusche zusammennehmen. Dann die Augen schliessen und sich an einen schönen warmen Ort träumen…
      Herzlich, Ihre Laura Ritthaler

  6. Antworten Kathrin Schönberg 30. Oktober 2017 um 18:23 Uhr

    Liebe Laura, vielen Dank für diese Tipps. Ich habe zwar das Glück zur Zeit im sonnigen Kalifornien zu leben, aber emotionaler Detox klingt dennoch gut! Ich habe mir einige Meditations-Apps runtergeladen. Mit 10 min. täglich beginne ich meinen Tag, aber man kann sie super für eine kleine Atempause zwischendurch nutzen. Manche Atem-Übungen sind nur 2-3 Minuten land. Lachen hilft auch auf jeden Fall! Ich sehe gerne late night comedy shows, die lassen mich manchen trüben Gedanken vergessen. Bei Nr. 2 kommt es ein bisschen auf das Päckchen an. Es gibt mir auch ein gutes Gefühl, wenn ich meiner Freundin oder meinem Partner ein bisschen von ihren “Päckchen” abnehmen kann. Liebe Grüße von Kathrin!

    • Antworten Laura Ritthaler 30. Oktober 2017 um 20:39 Uhr

      Liebe Kathrin,
      wie schön zu hören, dass Du Dich so gut um Dich kümmerst!
      Und ja völlig richtig: Anderen unterstützend unter die Arme zu greifen ist ein wunderschönes Gefühl-aber nur wenn man gerade kräftemäßig im Überschuss ist!
      Dann macht es glücklich Anderen etwas Gutes zu tun.
      Deshalb erst Kraftbrühe löffeln (durch Nahrung und Lachen) und danach helfen was das Zeug geht.
      Herzliche Grüße in die Sonne,
      Laura

  7. Antworten Astrid S. 30. Oktober 2017 um 19:58 Uhr

    Ihr Lieben,
    dieser Text hat mir so so gut getan! Und kam wie von Zauberhand genau zum richtigen Zeitpunkt. Man darf einfach nicht zulassen, dass andere einem den Tag vermasseln. Man muss es sich selbst so schön machen, dass es glitzert!

    Habt einen schönen Herbstabend!
    Astrid

    • Antworten Laura Ritthaler 30. Oktober 2017 um 20:43 Uhr

      Liebe Astrid,

      “es sich selbst so schön machen das es glitzert” – wow das klingt so unglaublich schön.
      Danke Dir für diesen superguten Satz, dieser wird bestimmt viele Leserinnen inspirieren.
      Mich auf jeden Fall!
      Herzlich,
      Deine Laura

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