Emotional Detox:

Wie man rauskommt aus Angstsituationen. Im Flugzeug. Vor einem Vortrag – wo und wann auch immer. Psychologin Laura Ritthaler erklärt’s und verrät drei gute Tricks.

Starke negative Gefühle können wie ein Rausch wirken. Es fühlt sich an als wäre jetzt alles vorbei. Für immer. Das Herz rast, die ganze Aufmerksamkeit ist auf die Situation gerichtet wie ein Scheinwerfer auf den Star. Es fühlt sich an wie bei einem Horrorfilm, nur dass wir nicht einfach umschalten oder die Augen mal kurz schliessen können.

Dabei ist es doch eigentlich nur ein Streit, nur die U-Bahnfahrt, nur der Flug in den Urlaub, nur die Rede vor einem Publikum. Trotzdem reagieren wir dann manchmal, als stünden wir vor einem Abgrund oder als wären wir in Lebensgefahr. Wieso ist das eigentlich so?

Weil unser Gehirn bei starkem emotionalen Stress die Situation nicht mehr richtig einschätzen kann. Und dann, wenn das Fass zu voll ist, leicht überreagiert und auf Überlebensmodus schaltet. Als würde von dieser Situation unser Leben abhängen.

Welche Momente genau den extremen negativen Gefühlsrausch auslösen sind bei jedem andere.

Bei Manchen ist es ein Abgabetermin oder eine wichtige Entscheidung. Auch Konflikte und der Drang alles perfekt machen zu müssen können der Auslöser sein. Die Auswirkungen sind aber immer ähnlich. Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Und vor allem die Sorge, dass es nie mehr richtig gut wird, das Leben. Weil wir uns dann gefangen fühlen wie in einem Käfig der schlechten Gefühle. Eigentlich wissen wir, dass nur wir selbst den Schlüssel besitzen, um den Käfig wieder aufzusperren, aber in dem Moment haben wir ihn verlegt oder sogar vergessen, dass wir je einen Schlüssel besaßen.

Wenn wir es schaffen, den Schlüssel im richtigen Moment wiederzufinden, dann haben wir die Möglichkeit, uns selbst aus der Gefühlsgefangenschaft zu befreien.

3 Tricks, um die negativen Gefühle in gute zu verwandeln:

Trick eins: Atmung wie im Tiefschlaf.

In Angstsituationen verknappt sich die Atmung, wir atmen nicht mehr entspannt bis in den Bauch, sondern sie bleibt uns geradezu im Hals stecken. Wenn wir uns dagegen wehren und versuchen wie im Tiefschlaf zu atmen, signalisieren wir dem Körper blitzschnell: Alles ist sicher, es besteht keine wirkliche Lebensgefahr. 

Ganz toll eignet sich hier die 4-7-8 Atmung aus dem Yoga. Innerlich bis 4 zählen beim Einatmen. Atmung anhalten und bis 7 zählen. Ausatmen und bis 8 zählen. Das Ganze 4 Mal.

Trick zwei: Raus aus der Situation und Abstand gewinnen.

Wichtig: der Wechsel in eine andere Umgebung und eine andere Körperhaltung. Denn es fühlt sich nur so an als ob wir gefangen wären- wir sind es ja nicht wirklich und das zeigen wir uns selbst, wenn wir uns bewegen. Zum Beispiel ein schneller Spaziergang an der frischen Luft mit der Lieblingsmusik. Oder im Flugzeug, wenn möglich, aufstehen, den Gang entlanggehen. Wenn das nicht möglich ist: sich recken und strecken, die Sitzposition verändern ist ebenfalls ein Anfang.

Trick drei: So tun als ob man sein Idol wäre.

Wenn man sich selbst gerade nicht besonders mag, weil man nicht nur die Angst verspürt, sondern sich auch noch über sich selbst ärgert, dass man die Situation nicht im Griff hat, hilft es, sich zu fragen: Wie würde sich meine coole Freundin / mein cooler Freund oder mein Idol in der Situation jetzt verhalten? Und dann: das mutig ausprobieren! 

Wer schon mal in einem starken negativen Gefühlsrausch war, denkt jetzt vielleicht: diese einfachen Tricks sollen helfen? Tun sie. Gerade weil sie so einfach sind, kann man sich in solchen Momenten daran erinnern und sie anwenden. Einen Versuch ist es wert, oder? Es kann doch nur besser werden.

Nur Mut!

Laura Ritthaler

Laura Ritthaler ist Diplom-Psychologin, arbeitet seit 10 Jahren in eigener Praxis, gibt Seminare & Workshops zum Thema „Flow – Selbstbestimmt leben und arbeiten“ und hat das „Emotional Detox“-Konzept entwickelt. Dafür bietet sie unter anderem ein Wochenende mit psychologischer Beratung für ein individuelles Thema an – Steffis Erfahrungsbericht zum Emotional Detox-Wochenende findet ihr hier. Die Kolumnen und Tricks von Laura Ritthaler ersetzen natürlich keine Therapie, können aber Impulse geben und den Alltag erleichtern. Und deswegen schreibt sie hier monatlich eine Emotional-Detox-Kolumne zu Themen aus dem Alltag.

Text – Laura Ritthaler

4 Comments

  1. Antworten Lilli 4. Juli 2017 um 10:10

    Liebe Laura, danke für Deine Worte, es hilft zu wissen, dass viele von uns in bestimmten Situationen Angst haben und wir lernen müssen damit umzugehen. Mir selbst hilft das ändern der Körperhaltung dabei sehr und es hilft mir ebenfalls vorab eine innerliche Grenze zu ziehen, bis dahin lasse ich die Angst oder das negative Gefühl an mich heran, aber eben nicht weiter. Danke für Deine Tipps, die Yoga Atmung werde ich testen, für heute ein gutes Gefühl für uns alle und einen schönen Tag besonders für Dich, danke, Lilli

  2. Antworten Laura Ritthaler 4. Juli 2017 um 13:29

    Liebe Lilli, vielen Dank für den Beitrag und ja das ist noch ein ganz ganz toller Tipp , das mit der Grenze ziehen. Damit kreierst Du Dir Dein eigenes Schutzschild. Bin sehr gespannt wie die anderen Tricks wirken.

    Und vielen Dank, ich nehm die Wünsche direkt mit in meinen Tag!
    Herzlich, Laura

  3. Antworten Pia@rosa-rot.info 6. Juli 2017 um 22:32

    Danke Laura!!! Ich werde direkt morgen deine Tipps ausprobieren, es sei denn, ich habe perfektes Flugwetter und brauche keine Angst vor dicken Wolken oder Gewitter haben. Die Sache mit dem Vorbild nehmen an einer Freundin o.ä. finde ich ganz interessant und wird auch getestet. Ich habe nämlich so eine tolle Freundin, die mich mit ihren Sichtweisen immer wieder rausholt aus so Wiederholungsschleifen. Bin auch deine weiteren Texte sehr gespannt. Ganz herzliche Grüße Pia

    • Antworten Laura Ritthaler 7. Juli 2017 um 11:11

      Liebe Pia,
      Danke für die tolle Rückmeldung. Klingt nach einer ganz tollen Freundin die Du da hast!
      Ps wenn es mir persönlich übriges zu holprig wird im Flugzeug dann stelle ich mir immer vor, dass ich mit einer Freundin im Jeep durch ein ganz holpriges Gelände düse. Das wirkt bei mir persönlich total gut.
      Ganz herzlich, Laura

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