Wonach ist dir heute?

Eigentlich gehöre ich zu Team Ja. Vom Prinzip her, von der Grundeinstellung. Ja zu spontanen Ideen, Ja zu wir schaffen das, egal was es ist. Ja, let’s do it! Shonda Rhimes Buch “Year of Yes” habe ich begeistert gelesen und gespannt beobachtet, was sie alles Positives erlebte, als sie aufhörte, ständig Nein zu sagen.

Nur braucht es manchmal Neins, um Platz zu schaffen für die guten Jas. Weil es gibt auch viele schwierige Jas. Ja, ich mache das, obwohl mir mein Bauchgefühl/siebter Sinn/wer auch immer schon laut zuruft: “Keine gute Idee!!! Wirst du bereuen!!!” Manchmal bereut man es dann auch nicht, meist aber leider doch.

Heute, wo wir permanent alles liken, gut finden und mitmachen sollen, ist ein Nein vielleicht schwieriger zu sagen oder schreiben. Kommt es manchmal hart rüber, obwohl es eigentlich ein Geschenk ist. Es zeugt doch von Respekt sich selbst und anderen gegenüber eine klare, gut durchdachte Entscheidung zu treffen. Oft macht es einen sogar noch attraktiver für andere (auch Kunden), lässt es einen selbstbewusster wirken, was ja auch der Fall ist. Man ist sich selbst bewusst über eigene Grenzen. Wege, die man nicht mitgehen möchte.

Sagt jemand Ja, obwohl er Nein meint, aus Angst vor Ablehnung zum Beispiel, merkt das Gegenüber es irgendwann. Kann mitunter das Gefühl entstehen, mit einer tickenden Zeitbombe zusammen zu arbeiten. Sagt jemand Nein gepaart mit einem guten Argument, wirkt das hingegen sehr souverän. So hat man die Chance, zu einer sich für alle gut anfühlenden gemeinsamen Lösung zu kommen.

Ich fühle mich oft wie der Bodyguard oder auch Türsteher meines Kalenders.

Nein, du kommst hier nicht rein, du Termin du! Wenn ich dich jetzt hier durchlasse, entsteht auf der Tanzfläche gleich ein riesiges Gerangel und am Ende haben alle blaue Augen. Ich sage also sehr viele Anfragen ab. Zum einen, um mein Zeitmanagement als Berufstätige und Mama zu beschützen, zum anderen, weil ich ehrlich sein möchte zu mir selbst und anderen. Eben nur das tun möchte, wohinter ich wirklich stehe.

Wenn ich manchmal so wilde Phasen habe, dass ich gar nicht mehr genau weiß, was ich eigentlich möchte, mir selbst hinterher hechle, mache ich kurz genau das Gegenteil, was mir meine To-Do-Liste vorschreibt: Ich sage Nein zu ihr und gehe Donnerstagsfrüh zum Yoga. Ich zeige meinem Zeitmanagement den Mittelfinger und investiere eineinhalb Stunden, meinen Kopf zu sortieren. Klappt jedes Mal sensationell. Am Ende bin ich klarer im Kopf, fokussierter auf das, was jetzt wirklich zu tun ist und mache weiter mit Superkräften.

Ein paar Tricks und schlaue Gedanken habe ich mir auch bei Matze Hienschler und Philip Siefer abgehört, in ihrem “Gut drauf”-Podcast. Im Januar beschlossen die beiden, einen Monat eine Nein-Challenge durchzuziehen. Sie legten eine Excel-Tabelle an und notierten fleißig ihre Neins. Philip schaffte es an 20 von 28 Tagen Nein zu sagen, Matze sammelte nur 10 Neins. In dieser Ausgabe berichten sie darüber:

Die Nein-Challenge von Matze Hienschler & Philip Siefer.

Was ich mir gemerkt habe:

  • Ein Ja geht leichter über die Lippen als ein Nein.
  • Neins müssen weh tun, dann sind sie richtige Neins.
  • Zu Neins gehört Ehrlichkeit. Sich selbst gegenüber und anderen.
  • Man sollte die Folgen eines Jas immer gut durchdenken. Das Ego raus lassen, nur die Fakten aufschreiben und so entscheiden. So trifft man bessere Entscheidungen, als wenn man sich emotional leiten lässt. Matzes Learning: In Zukunft mehr Zeit nehmen für Entscheidungen.
  • Philip hat sich vorgenommen, sich mehr aufzuhalten in Erfolgen. Sich vor Augen zu führen, was man schon alles Tolles erlebt oder gemacht hat. Statt das Gefühl zu nähren, trotz 12-Stunden-Tagen nie genug zu schaffen. Und Matze fragt seinen Sohn abends: “Was ist das Beste, das dir heute passiert ist?”
  • Matze hat sich eine Absage-Antwort-Email vorgeschrieben und die jeweils etwas angepasst. Sheryl Sandberg hat wohl sogar eine automatische Antwortmail eingerichtet, dass es gerade nicht ihre Priorität ist, neue Freunde oder Businesskontakte kennenzulernen, da ihr schon die Zeit für die eigene Familie und Freunde fehlt.
  • Den Stress macht man sich selber. Niemand sonst. Man kann zu (fast) allem Nein sagen. Zu allen, mit denen man nicht verwandt ist, kann man Nein sagen, sagt Philip.

 

Der Button.

Vergangenes Jahr war ich bei einer sehr großen Werbeproduktion für Boden in London. Irre viele Menschen kamen in einem schönen Studio zusammen, doch nur eine blieb mir wirklich in Erinnerung. Eine Art Direktorin, die einen kleinen Button mit dem Wort “No” darauf trug. Ich musste sehr lachen und hatte gleichzeitig den größten Respekt vor ihr. Weil: damit war alles gesagt. Damit war klar: Behaltet euren Bullshit für euch. Wenn es wirklich wichtig ist, sprecht mich an, sonst bitte nicht.

Für diese Geschichte habe ich mir auch einen No-Button anfertigen lassen und habe ihn sofort an diverse Jacken und Shirts gepinnt. Die Reaktionen waren lustig. Viele fragten: “Zu welcher Bewegung gehört das? Meetoo? Frauenquote?” und ich so mit ernster Miene: “Das ist die No-Bullshit-Kampagne!” Diverse Freundinnen wollten auch gleich einen. Falls ihr auch einen möchtet, sagt Bescheid, dann stellen wir die bei DaWanda rein.

UPDATE: Weil viele schrieben bei Instagram, dass sie gern einen Button kaufen möchten, habe ich sie jetzt online gestellt bei Dawanda. Hier könnt ihr einen ordern. Seid bitte schnell, wir haben nicht so viele, nur die vom Foto.

 

Und drei schlaue Zitate zum Thema.

“Der Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und sehr erfolgreichen Menschen ist, dass sehr erfolgreiche Menschen zu fast allem ‘Nein’ sagen”, sagte Investorenlegende Warren Buffet.

“Was du nicht machst, bestimmt das, was du machst”, sagte Autor und Podcaster Tim Ferris.

“Die Menschen glauben, dass wahrer Fokus bedeutet, zu einer Sache ‘Ja’ zu sagen und sich ihr völlig zu verschreiben. Innovation bedeutet, zu 1000 anderen Ideen ‘Nein’ zu sagen”, sagte Apple-Gründer Steve Jobs.

Aus dem Huffington Post-Artikel “Warum es für eine erfolgreiche Karriere so wichtig ist, das Wort Nein sagen zu können“.

 

 

Na, biste motiviert Nein zu sagen? Und hast du vielleicht auch einen guten Trick?

Ich bin gespannt!

Herzlich,

Steffi

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Heike 18. Mai 2018 um 07:50 Uhr

    Liebe Steffi,
    über diesen Beitrag habe ich mich wahnsinnig gefreut, weil es MEIN Thema seit Jahren ist.
    Ich musste so mühsam lernen NEIN zu sagen und bin noch immer nicht da, wo ich gerne sein möchte.
    Doch es wird immer besser und leichter, wenn gleich es auch oft noch so ist, dass ich mit der Reaktion meines Gegenübers nicht gut klar komme und mich das sehr aufwühlt.
    Trotzdem bei meiner Entscheidung bleiben? Mich nicht 1000mal rechtfertigen?
    Mich nicht egoistisch dabei fühlen? Bei mir bleiben?
    Eine große Herausforderung. Immer wieder und doch ist ein (fast) jedes Nein genau das wert und meine Lebensqualität soviel besser. Ich fühle mich viel authentischer, wie befreit.
    Danke dir noch mal für die vielen Tipps!
    Ein wunderschönes Wochenende wünscht dir Heike.

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  3. Anette 2. Dezember 2019 um 13:31 Uhr

    Liebe Steffi, ich habe am Samstag Nein gesagt. Mein Bruder war mit meinem Neffen zu Besuch bei meiner Mutter . Er wohnt sonst in Poznan. Am Samstag Abend stand er dann vor unserer Tür. Wenige Minuten später, fragt mein Neffe ob er bei uns schlafen kann und wir haben Nein gesagt. Wir haben zwei sehr anstrengen Wochen hinter uns, da unser Hund operiert wurde, die Wunde wieder aufgegangen ist… Einzelheiten erspare ich dir jetzt. Nachts habe ich nicht geschlafen. Mein Mann ist ins Gastezimmer gezogen, weil er dort n Ruhe schlafen konnte. Ich habe mch auch nachts um den Hund gekümmert. Das hbe ich meinem Bruder auch so erklärt. Leider hatte er dafür kein Verständnis und ist nach 5 Mnuten wieder bei uns raus. Seither heerscht Funkstille .

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