Wonach ist dir heute?

Dies lieber gleich vorweg: Von Zero Waste bin ich noch weit entfernt. Sehr weit. Wahrscheinlich werde ich dort auch niemals ankommen, aber, aber, aber: ich habe mich auf den Weg gemacht, nachhaltiger zu leben. Und das ist doch schon mal ein Anfang. Denn wenn ich eins in den letzten Monaten gemerkt habe, dann ist es: Das Anfangen zählt. Dann kommt der Domino-Effekt ganz von alleine. Was mir nämlich neu war: Man wird dafür mit Glücksgefühlen belohnt. Um es jetzt mal sehr egoistisch zu betrachten, neben der Rettung unseres Planeten und dem besseren Leben für unsere Kinder, Enkel und deren Enkel.

Wenn man anfängt, nachhaltiger zu leben, darauf zu achten, wie viel und was man wegschmeißt, wie man einkauft und wie einfach sich dabei Müll vermeiden lässt, dann sieht man schnell, wie simpel es doch ist, einen Unterschied zu machen. Und wie schnell es geht, andere damit anzustecken. Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich einer anderen Mama von meinem neuen Einkaufsverhalten erzählte. Dass wir zum Brötchen holen zum Beispiel einfach immer einen Leinenbeutel neuerdings mitnehmen und so die Papiertüte einsparen. Ein paar Tage später erzählte sie mir ganz stolz, dass sie dies nun auch tun würde.

Lynn Hoefer erklärte mir an einem unserer gemeinsamen Büro-Tage, wie simpel es ist, eine Menstruationstasse statt Binden und Tampons zu benutzen und ich merkte, wie ich durch das endlich Verstehen meine Scheu davor ablegte, mir eine bestellte und seitdem nichts anderes mehr benutze. Und fast vor Stolz platze, wieviel Müll ich dadurch einspare.

Oder vergangenes Wochenende: Da entdeckte ich per Zufall in der Hamburger Osterstraße den Biomarkt Bio Lose. Seit Monaten wollte ich endlich mal in einen der Unverpackt-Läden in Hamburg Altona, aber schaffte es dort immer nicht hin. Plötzlich sehe ich Bio Lose bei uns in der Nachbarschaft und merke, dass die auch schon eine Unverpackt-Ecke haben und viele Produkte, die ich endlich mal ausprobieren wollte. Wie zum Beispiel die Abschminktücher, die man waschen und 300 Mal benutzen kann, statt Wattebauschen. Die haben dort auch sehr leckere frisch gemachte Fruchtsäfte, die ich mir mit meinem neuen Mehrwegpfand-Recup-Becher (gibt’s auch dort) jetzt öfter holen werde.

Freunde erzählten auch, dass sie ihr Take-Away-Essen jetzt immer direkt in ihre Tupperdosen füllen lassen würden und wie gut sich das anfühle. Das habe ich auch ausprobiert. Klappt in manchen Läden sensationell gut, da geben sie einem sogar Rabatt, weil sie ja die teure Verpackung einsparen. Andere Läden sind noch sehr überfordert damit. Ich schaffe es auch nicht immer, weil man dafür sein Tupper-Equipment immer dabei haben muss. Beziehungsweise Edelstahlboxen, weil so manche alte Tupperware beim Erhitzen Weichmacher abgibt.

Den größten Anstoß zum Umdenken hat mir tatsächlich ein Buch gegeben, das von Milena Glimbovski Ohne Wenn und Abfall – Wie ich dem Verpackungswahn entkam (*Affiliate Link) Das Buch ist irre schlau geschrieben und erklärt einem Schritt für Schritt durch den Haushalt, das Bad, das Einkaufen, einfach das Leben, wie man mit kleinen Tricks große Mengen an Müll einsparen kann.

Es gibt keinen Druck, jetzt plötzlich alles sofort und für immer perfekt machen zu müssen.

Keine Zeigefinger, aber viele einleuchtende Beispiele und Ideen.

Ich habe seitdem einen Coffee-to-go-Becher (diesen aus Steingut von Nordliebe), aber natürlich schaffe ich es auch nicht immer, den dabei zu haben. Weil es natürlich immer noch die Hürde gibt, ihn nach dem Benutzen wieder mit in die Wohnung zu nehmen, zu säubern und beim nächsten Mal dabei zu haben. Woran ich auch noch arbeite sind die Edelstahltrinkflaschen für meine ganze Familie. Ich weiß genau, welche wir brauchen, muss sie nur dringend noch mal kaufen. Damit das unterwegs hier und da Einwegsachen kaufen ein Ende hat.

Ich sage auf Events und in Restaurants Nein zu Strohhalmen, bin für meine Verhältnisse diesen Sommer viel Rad gefahren und gebe mir wieder mehr Mühe bei der Müllentsorgung, nachdem ich über den Besuch von Milena auf der Müllkippe gelesen habe. Und was es für einen Unterschied doch macht, den Müll zu sortieren und der “Es wird am Ende doch eh alles wieder zusammen geschüttet”-Gedanke leider Quatsch ist. Ich denke manchmal sogar über eine Wurmkompostkiste nach. Aber da fehlt mir noch etwas der letzte Kick, auch wenn Milena sagt, ist doch spannend für die Kinder mit den Würmern als Haustieren.

Wir kochen auch viel organisierter, schmeißen so kaum noch was weg. Versuchen den Kindern beizubringen, sich nur so viel zu nehmen, wie sie auch wirklich essen. Es sind kleine Schritte, aber schon die machen auch einen Unterschied.

Vielleicht habt ihr mich bei InstaStorie schon oft mit meinem großen goldenen Handtaschen-Sack von Closed gesehen, der hilft mir auch sehr beim Plastiktaschen einsparen. Da kommt einfach alles ohne Plastiktüte rein. Direkt das, was ich gekauft habe. Am besten ohne ausgedruckten Kassenbon, darauf verzichte ich auch, wenn es irgendwie geht. Ich hab jetzt auch überall immer noch Jutebeutel und Gläser mit Deckeln dabei. Und im Auto Körbe und Kästen ohne Ende. Weniger Auto zu fahren übe ich noch, das ist ein Zeit-Ding für mich. Und natürlich muss ich manchmal beruflich noch fliegen und wir werden es auch für Urlaube noch tun. Plus: das mit dem New York-Flug steht auch noch auf meiner Liste. Ist eine CO2-Katastrophe, aber wie gesagt – lieber mit kleinen Schritten anfangen als gar nicht.

Auch weiß ich: Dass es Kosmetikprodukte gibt, auf die ich nicht verzichten möchte. Genau so wie Modemarken, die noch (!) keine Helden im Bereich Fair Fashion sind, ich sie aber trotzdem liebe. Ich glaube, dass in dem Bereich noch viel passieren wird und bin jetzt schon sehr froh über das stetig wachsende Angebot.

 

Weil ich ein wirklich großer Fan von Milena Glimbovski bin, habe ich sie in Berlin besucht und mit ihr eine Folge für meinen neuenPodcast “Endlich Om – Der Podcast für Spätzünder in Sachen gesunder Ernährung, Selbstliebe & Nachhaltigkeit” aufgenommen zu dem Thema “Wie retten wir unsere Umwelt und uns vor dem Burnout?”. Hörbar über Itunes, Spotify und Soundcloud (in diesem Beitrag erkläre ich Schritt für Schritt wie man Podcasts hören kann).

Milena hat nämlich nicht nur dieses sehr schlaue Buch geschrieben, sondern auch den ersten Original Unverpackt-Laden in Deutschland eröffnet. Dort kann man wie der Name schon sagt, Lebensmittel unverpackt kaufen. Weiter hat sie Ein guter Verlag gegründet und bringt sehr schöne Ein guter Plan-Kalender mit achtsamen Tipps und Tricks heraus und vieles mehr.

Wir sprechen aber in der Podcast-Folge auch über den Moment, in dem Milena alles zu viel wurde und sie ein Burnout vorübergehend stoppte. Wir haben beide Erfahrung mit Panikattacken und sprechen in dieser Folge sehr offen darüber. Und: dass aus Scheiße meist etwas Schönes entsteht. Das meinen wir nicht nur im Bezug auf Kompost!

Ich bin gespannt, wie ihr die Folge findet! Und würde mich sehr freuen zu hören, wie ihr versucht nachhaltiger zu leben. Oder was euch noch daran hindert.

Herzlich,

Steffi

*Über diesem Beitrag steht nur “Enthält Werbung”, weil Personen oder Firmen verlinkt werden, ich wurde aber von niemanden dafür bezahlt.

Bild eins – Soragrit Wongsa, Bild zwei – Sylvie Tittel, Bild drei – Milena Glimbovski

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Carolin 14. September 2018 um 12:29 Uhr

    Das hört sich super und eigentlich für jeden machbar an. Kennst du das Buch „Fast nackt“ von Leo Hickman? Ist recht lustig geschrieben und das Thema Wurmkiste wird recht ausführlich beschrieben. Weil er da auch so seine Probleme mit hatte. Daran musste ich gerade denken.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

    Antworten
  3. Schani 14. September 2018 um 13:48 Uhr

    Liebe Steffi,
    wie wäre es denn mit einem Beitrag zu fair Fashion? Ich halte es da nämlich ähnlich wie du und kaufe doch immer wieder bei meinen Favoriten. Ich glaube aber, dass es da mittlerweile so viele schöne Alternativen gibt, wenn man sich nur ein bisschen umschaut. Vielleicht hast du ja ein paar Tipps für uns? Liebste Grüße,
    Schani

    Antworten
  4. Levke 14. September 2018 um 15:31 Uhr

    Hej, ich konnte die ersten beiden Podcast-Folgen über die App podcast-addict hören. Die 3.Folge taucht nicht auf. Woran liegt das? Ich nutze die anderen Portale nicht. Viele Grüße, Levke

    Antworten
    • Steffi 14. September 2018 um 16:11 Uhr

      Oh keine Ahnung! Ich guck nachher in HH bei meinem Mann, der benutzt die auch! Herzlich, Steffi

      Antworten
      • Levke 17. September 2018 um 17:14 Uhr

        Kann ich noch auf die 3. Folge auf podcast-addict hoffen ? Würde mich freuen 🙂
        Herzlich, Levke

        Antworten
        • Steffi 18. September 2018 um 09:32 Uhr

          @Levke: Liebe Levke, ich habe gerade bei meinem Mann aufs Handy geschaut, der benutzt ja auch Podcast-Addict und da ist die Folge zu sehen. Hast du noch mal geschaut/aktualisiert? Wenn du den Podcast abonnierst, erscheint dort jede Folge automatisch. Ansonsten kannst du ihn ja auch über Itunes, Spotify oder Soundcloud hören. Sag Bescheid, wenn ich noch helfen kann! Herzliche Grüße, Steffi

          Antworten
      • Levke 18. September 2018 um 19:59 Uhr

        Liebe Steffi,
        lieben Dank für die Info. Das hat mich motiviert weiter mit der Technik zu kämpfen und nachdem ich die app nochmal deinstalliert habe, scheint es nun zu funktionieren 🙂 Danke! Levke

        Antworten
  5. Raphaela 14. September 2018 um 16:04 Uhr

    Du hast so recht, dass es schon schon fast süchtig macht – das mit dem nachhaltig sein. Wenn man einmal damit anfängt und genauer hinguckt, merkt man, an wie vielen Ecken und Enden man an kleinen Schrauben drehen kann, um sein Müll- und Konsumverhalten zu verbessern.
    Ein paar Tipps von mir sind noch Alufolie nie wieder zu kaufen (ein wirklich schädliches Einmalprodukt), Abschminken tue ich mich mit den kleinen weißen Mikrofaserhandschuhen von DM (funktionieren super für Augenmakeup), eine Dauerbackfolie aus Silikon, komplettes Putz- und Waschmittelsortiment auf ‘Öko’ umstellen (oder Essig,Natron+Zitronensäure funktionieren oft auch hervorragend).
    Ein weiteres Wagnis wird das Wickeln mit Stoffwindeln von unserem ersten Kind sein. Die Auswahl und verschiedenen Systeme überfordern anfangs sehr, aber nach ein paar YouTube Videos hat man den Durchblick. Ich bin gespannt…

    Liebe Grüße und weiter so, ich lese dich sehr gerne.

    Raphaela

    Antworten
  6. Hildegard 14. September 2018 um 16:12 Uhr

    Liebe Steffi, danke, dass Du mich auf die „podcäst‘s“ aufmerksam gemacht hast. Nun bin ich ganz gespannt auf den dritten podcast.
    Die ersten zwei haben mir sehr gut gefallen. Da gibt es viel zum Nachdenken und Nachspüren für mich.

    Antworten
  7. Kristine Adam 14. September 2018 um 20:55 Uhr

    Das mit den Strohhalmen ist echt gut. Meine Kinder (so alt wie Deine) lieben Strohhalme, nicht nur am Geburtstag… Also habe wir jetzt Silikon Strohhalme (bpa frei) und die kommen nach dem trinken in die Spülmaschine und dann wieder in den Schrank (oder gleich wieder ins Glas). Die Strohhalme sind auch wunderbar bunt, also kann man sich jeder seinen Favoriten aussuchen!
    Mit kleinen Schritten anfangen kann so viel Spass machen!

    Antworten
  8. Heidy 14. September 2018 um 23:06 Uhr

    Hallo Steffi, vielen Dank, dass du so ein wichtiges Thema im Blog behandelst. Bei der Geburt meiner ersten Tochter ( vor 11Jahren) habe ich “fast nackt” gelesen, ein britischer Journalist, der vom Putzschrank bis zu seiner Druckerpatrone den ganzen Haushalt in Frage stellt. Eine Kompostbox mit Würmern hat er auch. Seither lese ich solche Bücher mit Begeisterung (zuletzt “einfach Öko”), gefriere Suppen und Apfelmus im großen Schraubglas ein, kaufe gar gar nix mehr aus Melamin, lehne Plastiktüten und Strohalme konsequent ab – und habe aber auch gelernt, das Glas im Transport deutlich schwerer und sperriger ist, also im Verhältnis mehr Lastwagenfuhren verursacht und somit mehr CO2 verursacht. Alles sehr komplex und gut sich regelmäßig Mut zu machen. Ein Bioladen mit losen Lebensmitteln ist genial. Bei uns ist im Edeka sogar ein Schild an der Wursttheke, dass man die eigene Tupperbox gerne mitbringen darf, dann wird die Salami dort hineingewogen. Hurra, auch außerhalb der Ökoszene tut sich was. Ein schönes Wochenende, Gruß aus dem Süden, H.

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  9. Sabine 2. Oktober 2018 um 11:29 Uhr

    Liebe Steffi,

    Ein kleiner Tipp: Too Good to go – Gegen den Foodwaste aus Bäckereien und Restaurants… Klappt super, man selbst spart Geld und entdeckt neue Dinge … und es wird weniger weggeschmissen.

    Mette Lykke als repräsentativer Kopf an dieser Stelle ist zudem eine super nette inspirierende (Geschäfts-)Frau 🙂

    LG
    Sabine

    Antworten
  10. Tina 3. Oktober 2018 um 09:18 Uhr

    Hallo liebe Steffi!
    Erstmal ganz großes Kompliment zu deinem neuen “Experiment” Podcast! Ich muss gestehen, ich bin weder eine große Blog-Leserin (außer deinem) noch höre ich Podcasts. Deine habe ich aber gehört und zwar alle!!! Und du hast mir einen Schubs gegeben, endlich habe ich die nötige Motivation um auf Süßes und Alkohol zu verzichten und meinem Körper Gutes zu tun und über mehr Nachhaltigkeit nachzudenken. Gerade als Mutter macht man sich darüber doch nun viel öfter Gedanken, was man an unnötigen Müll für die Nachwelt produziert. Also vielen Dank dafür!!!!
    Was mich aber nun auch noch in Zukunft total interessieren würde zu diesem Thema wären deine Gedanken und Erfahrungen in Sachen Kosmetik und Kleidung in Bezug auf Umwelt und Nachhaltigkeit (Stichwort Mikroplastik in Kosmetikprodukten sowie fair produzierte Klamotten). Ich fände es super wenn es hierzu vielleicht auch noch weitere Podcasts oder Artikel geben würde, denn das finde ich echt schwierig…. Welche Produkte und Firmen kann man denn mit gutem Gewissen benutzen und tragen??? Und dabei trotzdem gut aussehen? 🙂 😉 🙂
    Vielen Dank für deine Recherche und Inspiration! Weiter so!
    Liebste Grüße
    Tina

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