Wonach ist dir heute?


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Letzte Woche hat meine Freundin und Yogalehrerin Annika Isterling euch hier erzählt, wie sie und ich gerade versuchen, immer mehr schöne Pausen in unsere Leben einzubauen und warum das so wichtig ist. Euer Feedback war so herzlich, so viele liebe Kommentare und dankbare Emails und ich hatte das Gefühl, dass euch Annikas Worte genau so gut taten wie mir, weshalb ich sie gebeten habe, hier über noch ein Thema zu schreiben, dass uns beide gerade beschäftigt: Chaos! Wie geht man damit um, wenn Sachen schief gehen? Wie kann man weitermachen, statt in sich zusammen zu sacken? Gerade wenn man sich neue Dinge traut, gibt es ja diverse Stolpersteine auf dem Weg zu ganz vielen Glücksgefühlen. Hier kommen ihre klugen Worte, schönen Ideen und zwei Yogaübungen zu diesem Thema. Viel Spaß! Herzlich, Steffi

Bereit fürs Chaos?

Letzte Woche hat es gleich 2 meiner Freundinnen erwischt. Alles lief schief. Persönliche und berufliche Ziele schienen zu zerplatzen. Eine Katastrophe nach der nächsten. Hast du das auch schon erlebt?

Im Kopf versuchen wir zu analysieren wieso es bloß dazu kommen konnte und gleichzeitig malen wir uns auch schon das schrecklichste Ende aus das passieren könnte. Die meisten unserer Gedanken handeln tatsächlich meist von der Vergangenheit oder der Zukunft. Dabei vergessen wir das was JETZT eigentlich wirklich gerade Fakt ist. Wenn wir das Chaos auf diesen Moment reduzieren können ohne Spekulation und ohne „Ach, hätte ich es doch so und so gemacht“ liegt die Lösung oder Akzeptanz meistens schon viel näher. Was mir in solchen Situationen besonders hilft ist der Atem. Hast du schon bemerkt wie man in Stresssituationen oder im absoluten Chaos aufhört zu atmen? Ich meine wie man die Luft anhält oder nur so oberflächlich im oberen Brustkorb atmet?

Um dich selbst in so einer Chaos-Situation zu entspannen, kannst du erst mal versuchen den Atem zu vertiefen, in dem du bis in den unteren Bauch atmest. Wenn du dir nicht sicher bist, wie das funktioniert mit der tiefen Bauchatmung, dann leg dich mit deinem Rücken auf den Boden. Nimm dir ein schweres Kissen und leg es auf deinen unteren Bauch. Mit der Einatmung atmest du gegen das Kissen und wiederholst das einige Male. Versuche im zweiten Schritt erst in den Bauch zu atmen und im weiteren Verlauf der Einatmung auch den seitlichen Brustkorb zu weiten und den Atem höher zu führen bis dein Brustbein sich hebt. Du fühlst denn Atem jetzt vielleicht wie eine Welle, die unten beginnt und bis zu deinem oberen Brustkorb verläuft. Ausatmend fließt der Atem den gleichen Weg zurück den er gekommen ist. Das ganze kannst du nun auch ohne Kissen einmal ausprobieren.

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Das wunderbare am Atem ist, dass er immer nur in eine Richtung fließt: von oben nach unten oder von unten nach oben. Das hat so etwas ungemein beruhigendes. Wenn man bedenkt wie unsere Gedanken kreuz und quer, vor und zurück im Kopf herumschießen, dann ist diese Gradlinigkeit genau das, woran man sich gerade festhalten möchte.

Yoga gegen Katastrophen! Gibt es so was überhaupt? Irgendwie schon, denn die Idee warum wir Yoga praktizieren ist, um mehr Flexibilität zu bekommen. Das passiert auf der Matte mit der Rückseite unserer Beine, aber auch in unseren Köpfen. Da entsteht auch immer mehr Flexibilität, Denkstrukturen können sich verändern… Eine meiner liebsten Erkenntnisse ist, dass es nur eine Sache im Leben gibt auf die du dich 100% verlassen kannst: Es kommt nie so wie du glaubst! Eigentlich ganz einfach, wenn ich das mehr oder weniger verinnerliche, dann kann mir nicht mehr so viel passieren. Enttäuschung entsteht immer nur aus deiner eigenen Erwartung oder den Erwartungen der anderen. Wenn ich mir also die Erwartung nehme und ganz offen dem Leben begegne, bin ich bereit für alle Herausforderungen, die das Leben bringt.

Ich war vor kurzem bei einem Lehrer der immer laut „Svaha“ rief, wenn irgendetwas mal nicht geklappt hat. Es bedeutet so viel wie „Lass es gut sein“ Oder „Schwamm drüber“ und beinhaltet, dass man die Situation freien Herzens gehen lassen kann. Wunderbar befreiend. Versuch es doch mal.

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Im Hinduismus gibt es 330 Millionen Götter. Verrückt, oder? Viele davon stehen für eine Charaktereigenschaft oder ein Potential in uns. Eine Gottheit, die ich besonders gerne mag ist der dickbäuchige Ganesha mit dem Elefantenkopf. Er ist der Gott zur Überwindung von Hindernissen. ABER er ist auch der Setzer von Hindernissen. Wieso soll das nun gut sein, fragst du dich bestimmt. Die Idee dahinter ist, dass wenn Ganesha dich in der Mitte auf der befahrensten Kreuzung aussetzt, dann wirst du versuchen eine Lösung zu finden und an dieser Herausforderung wachsen. Wenn es keine Hindernisse zu überwinden gäbe, würden wir uns immer im Kreis drehen und nicht voran kommen. Jede Herausforderung ist die Chance zu wachsen und die Vorbereitung auf das, was das Leben als nächstes mit sich bringt.

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Yoga-Twists sind eine tolle Möglichkeit, um sich den Wendungen und Drehungen des Lebens anzunehmen. Hier geht es mal nach rechts mal nach links immer um die eigene Achse herum.  Der Fokus liegt darin stabil in der eigenen Mitte zu bleiben, während du dich nach allen Seiten öffnest und weitest.

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Gedrehter Ausfallschritt

Komm in einen großen Ausfallschritt. Der rechte Fuß ist vorne. Füße bleiben hüftbreit auseinander.

Beug das vordere linke Bein 90 ° und streck das hintere Bein.

Dein Becken ist parallel zu den langen Seiten der Matte.

Fingerspitzen sind auf den Boden zu beiden Seiten der Matte. Dreh dann den Oberkörper auf nach links und streck den linken Arm gerade über den Kopf zur Decke.

Dein Blick folgt der oberen Hand.

(Wiederhole die andere Seite)

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Drehsitz

Komm zum Sitzen.

Streck die Beine lang nach vorne.

Stell deinen linken Fuß neben dem rechten Bein auf.

Führ den rechten Arm um das linke Knie und  die linke Hand hinter dir. Dreh und öffne nun den Oberkörper nach links.

Atme in den Rücken hinein und versuche dich von der Rückseite aus  weiter zu drehen.

(Wiederhole die andere Seite)

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Was machst du in der absoluten Krise? Hast du auch einen Geheimtipp für uns? Ich bin gespannt von dir zu hören.

Liebe Grüße und Namasté

Annika

P.S.: Annika unterrichtet in Hamburg in diversen Studios Yoga, gibt Privatstunden, bildet Yogalehrer aus und veranstaltet großartige Retreats – im Oktober und Dezember an der Ostsee, im Mai 2014 auf Ibiza und viele mehr. Es lohnt sich sehr, ihren Newsletter zu abonnieren. 

 

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Angela - designhaus no.9 16. September 2013 um 12:34 Uhr

    Ich kenne absolute Anspannung, wenn ein Projekt nicht so recht klappen will. Wenn nichts mehr geht und man am liebsten schreien möchte. Dann habe ich gelernt: sofort alles loslassen. Nach hinten lehnen und tief durchatmen. Genau das hilft mir erst mal. Guter Post! Namasté

    Antworten
  3. MiME 16. September 2013 um 14:11 Uhr

    “Das Leben ist nicht zu Ende, nur weil ein Traum nicht in Erfüllung geht. Es hat nur einen Weg versperrt, damit man einen anderen sucht.” Wenn etwas nicht so klappt wie ich gerne möchte oder auch mal etwas so richtig schief geht, dann halte ich mich immer an diese chinesische Weisheit. Loslassen hilft! Danke für den wunderschönen Post und die Yoga-Anregung!!!! …MiME
    Posted on Juni 22, 2013

    Antworten
  4. Lea 16. September 2013 um 17:30 Uhr

    Hallo Annika! Ich finde deinen Blogeintrag unglaublich toll! Ich bin gerade erst von der Schule gekommen und mein Augenlied hat vor Anstrengung die ganze Zeit gezuckt. Und jetzt, als du das mit der Atmung erzählt hast, hab ich das gleich mal ausprobiert und es hat geholfen! Mein Auge zuck nicht mehr! 😀

    Antworten
  5. Rike 16. September 2013 um 19:01 Uhr

    Hallo Annika! Vielen Dank für diesen tollen Post. Ich habe mich schon beim Lesen entspannt und werde sehr gerne deine Übungen ausprobieren. Eine Frage kommt mir da in den Sinn: wie schnell oder besser gesagt langsam soll ich denn die Übungen am besten machen?Ich als absolute Yoga-Anfängerin würde mich über eine “Zeit-Angabe” sehr freuen! Herzlichst, Rike

    Antworten
    • annika isterling 17. September 2013 um 11:11 Uhr

      Hi Rike, ich freu mich, dass du die Übungen ausprobieren möchtest. Fang am besten mit 5 langsamen Atemzügen pro Seite an. Wenn du Kraft und Ausdauer aufgebaut hast, kannst du auf bis zu 10 Atemzüge erhöhen. Bei der ersten Übung kannst du als Anfängerin auch gerne dein hinteres Knie auf dem Boden lassen. Viel Spaß beim Praktizieren!

      Antworten
  6. Ulrike 17. September 2013 um 12:50 Uhr

    Hallo Annika,
    ich mache erst seit ein paar Wochen Yoga. Mir fällt die Übung mit der Wechselatmung schwer. Zum einen habe ich Dauerheuschnupfen und zum anderen immer das Gefühl, ich muss sofort den Mund aufmachen, wenn beide Nasenlöcher verschlossen werden, um die Luft anzuhalten. Ich kann das irgendwie überhaupt nicht und statt Entspannung verkrampfe ich dann total bei der Übung. Gibt es eine Alternative?

    Bist du übrigens auch auf der Yoga-Messe in Hamburg?

    Antworten
    • annika isterling 17. September 2013 um 17:11 Uhr

      Hi Ulrike, Mr. Iyengar beschreibt Nadi Shodana (Wechselatmung) als die schwierigste Atemtechnik, falls du dich nicht wohl fühlst bei der Übung würde ich sie lieber weg lassen. Wenn du einen entspannenden Effekt wünscht, und du dich unwohl fühlst, wenn ein Nasenloch zugehalten oder verengt wird, empfehle ich dir folgendes auszuprobieren: Setz dich in einen angenehmen Sitz. Atme durch beide Nasenlöcher ein und aus. Zähle deinen Atem und versuche 6 Schläge für die Einatmung zu zählen und 8 Schläge für die Ausatmung. Das Verlängern deiner Ausatmung wirkt erdend, beruhigend und entspannt dein Nervensystem,
      Auf der Yoga-Messe HH bin ich dieses WE nicht, aber ein Besuch lohnt sich bestimmt!

      Antworten
  7. Vanessa 17. September 2013 um 13:44 Uhr

    Hallo Annika!
    Ein sehr schöner Post! Ich mache selber seit ein paar Jahren Yoga und merke immer wieder, wie gut es tut, gerade, wenn ich sehr viel um die Ohren habe…Wenn es mir ganz schlecht geht, irgendetwas richtig schief gelaufen ist, helfen die Atemübungen immer…auch gut: einen heißenTee ganz achtsam trinken…und raus gehen an die frische Luft und da auch mal bewusst alle Geräusche, Düfte usw wahrnehmen…Achtsamkeitsübungen helfen mir auch immer gut, wenn der Stress mich zu hochfahren lässt!
    Ich wünsche dir und Steffi noch einen schönen Tag
    Vanessa

    Antworten
  8. annika isterling 17. September 2013 um 17:13 Uhr

    Vanessa, danke für deinen schönen Beitrag! Eine leckere Tasse Tee hilft bei mir auch immer sensationell. Dir auch noch einen schönen Tag!

    Antworten
  9. Anna 19. September 2013 um 14:31 Uhr

    Danke für die beiden tollen Beiträge. Ich habe da noch einen tollen Buchtipp: Praxisyoga – So macht Arbeiten mehr Spass.
    Außerdem würde ich mich freuen, öfter was von Annika hier zu lesen.
    Anna

    Antworten
  10. Juliane 19. September 2013 um 22:20 Uhr

    Toller Beitrag! Zurücklehnen und durchatmen ist auch meine Taktik. Einmal drüber schlafen, wenn es zeitlich reicht. Dann ist vieles nur halb so wild.
    Aber die Tips hier klingen auch toll.
    Herzlichst Juliane

    Antworten
  11. annika isterling 20. September 2013 um 09:27 Uhr

    Stimmt total Juliane, wenn das Schlaf-Komitee erstmal dran gearbeitet hat, ist es wirklich nur noch halb so wild.

    Antworten

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