BEZAHLTE PARTNERSCHAFT

Aha aha:

Was ich über das Thema Female Empowerment denke. Und die Frage: Müssen wir Frauen immer lieb zueinander sein?

Wenn ich an Female Empowerment denke, habe ich kein besonders schickes Büro vor Augen, sondern einen schlichten Kreißsaal. Die Geburt eines Kindes hat mir viel beigebracht über die Unterstützung von Frauen. Darüber wie stark wir sind, wenn wir einfach an uns glauben und alles geben. Darüber wie wenig es braucht, um sich gegenseitig zu stärken.

Bei einer Geburt treffen sich meist im Kreißsaal zwei Frauen, die sich noch nie zuvor gesehen haben. Die eine, die Schwangere, ist in Not, hat Schmerzen, Angst, weiß nicht, was die Zukunft bringt. Die andere, die Hebamme, ist sehr wahrscheinlich schwer beschäftigt, hat gar nicht nur Augen und Ohren für die Frau, muss sich noch parallel um andere kümmern. Und dennoch bleibt sie ganz ruhig, gibt der Schwangeren das Gefühl, in Sicherheit zu sein. So sein zu dürfen wie sie ist. Dass sie es schaffen wird, was vor ihr liegt. Ermutigt sie, auf sich zu hören. Sie wisse genau, was zu tun ist. So wächst die Gebärende über sich hinaus. Schafft das Unvorstellbare und spürt danach großen Stolz.

Wenn es gut läuft. Muss es nicht immer. Es gibt auch ruppige Hebammen. Aber dazu gleich mehr.

Das hatte mir niemand erzählt, in den Geburtsvorbereitungskursen oder beim Abladen der vielen guten Tipps zum Thema Mutter werden – wie unglaublich stolz man sein würde nach der Geburt. Auf sich. Aber auch auf Frauen im Allgemeinen. Ich fand (die meisten) Frauen per se schon immer cool, aber nachdem ich unser erstes Kind auf die Welt gebracht hatte, hielt ich sie für die größten Rockstars aller Zeiten. Nicht nur, weil wir im Stande sind, Kinder zu empfangen, auszutragen und rauszupressen. Ich war auch begeistert, wie fremde Frauen im Kreißsaal oder auch im OP beim Kaiserschnitt einem in der Extremsituation mit kleinsten Gesten, Worten, Berührungen gefühlt das Leben retten können, während man selbst etwas Unvorstellbares schafft.

Ich fragte mich, warum wir Frauen nicht viel stolzer durchs Leben gingen. Uns ständig dafür feiernd, wie großartig wir sind.

Statt uns mit Selbstzweifeln auszupeitschen und leider auch oft gegenseitig.

Ich sah meine kleine frisch geborene Tochter an und wusste, sie ist schon jetzt eine Heldin. Und dennoch werde ich niemals ein „The Future is Female“-T-Shirt tragen. Ich käme mir meinem zweiten Kind gegenüber, meinem Sohn, vor wie eine Verräterin. Auch meinem Mann gegenüber, der mich ständig empowert, fände ich es nicht fair.

Ich bin dankbar für alle Rechte, die uns unsere Vorgängerinnen erkämpft haben. Ich weiß, dass es für uns Frauen noch viel zu tun gibt. Dass es noch nicht lange her ist, dass wir nicht wählen, keine eigenen Bankkonten eröffnen durften, unser Gehalt immer noch oft geringer ist als das vieler Männer, es gläserne Decken beim Erklimmen bestimmter Jobpositionen gibt. Und ich kämpfe gern mit, tue was ich kann, dass wir Frauen es in vielen Bereichen noch einfacher haben werden.

Nur degradiere ich dafür keinen Mann. Und ich tue auch nicht so, als gäbe es nur nette Frauen.

Ich wurde von wunderbaren Männern beruflich gefördert. Auf herrlich unaufgeregte Art und Weise. Genau so gab es Männer, die sich mir in den Weg stellten, als sie Konkurrenz rochen oder sich nicht von ihren verstaubten Rollenbildern im Kopf trennen konnten.

Ich wurde auch von großartigen Frauen gefördert auf meinem Berufsweg. Sie sahen Talente in mir, von denen ich nichts ahnte, trauten mir mehr zu als ich mir selbst. Ich wurde aber auch schon von Frauen vom Weg abgebracht. Sie legten mir Steine vor die Füße, bauten daraus unüberklimmbare Mauern. Es waren Frauen, die sich öffentlich für die Frauenquote stark machen. Die sogar Initiativen für Female Empowerment im Unternehmen gründeten. Nur spielte man nicht nach ihren Regeln, war man genauso schnell raus aus ihrem Schutzbereich wie als Frau angeblich allein unter Männern.

„So ist das Leben.“ sagt meine Mutter gern.

Ich hasste den Satz lange mit voller Kraft. „Kann man nicht alles ändern, wenn man es nur unbedingt will?“ fragte mein jugendliches Herz und gab alles.

Mittlerweile weiß ich: So ist das Leben. Es gibt Menschen, die tun einem gut und denen tut man gern Gutes. Und es gibt das Gegenteil. Beide Seiten erkenne ich mittlerweile schneller, komme den einen nah und halte mich bei den anderen fern.

Vielleicht ist es ganz gesund, das als Frau zu verstehen. Wollen wir doch so gern gemocht werden. Vielen helfen. Vergessen uns dabei nur leider oft selbst.

Es braucht etwas Egoismus, um empowern zu können. Sonst ist es, als würde man an eine Tankstelle fahren, die keinen Sprit mehr hat. Ich bin für Empowerment. Für Frauen und Männer. Für so viele wie irgend möglich. Im Großen und Kleinen. Nur muss man eben genau schauen, wem man seine Energie schenkt. „Wie kalkuliert! Wie unsympathisch! Wie unsolidarisch!“, brüllt da mein jüngeres Ich. Und mein älteres lächelt milde und denkt an die vielen Frauen, denen ich geholfen habe und immer noch helfe und die dabei über sich hinauswachsen und wissen, wie wertvoll so eine Unterstützung ist. Und dann denke ich an die, die top im Nehmen sind. Die einen aussaugen, leer gepumpt zurück lassen und keines Blickes mehr würdigen.

Wir müssen uns nicht alle mögen. Wir müssen uns auch nicht alle helfen. Wir müssen nicht immer lieb sein.

Wir stehen nicht mehr auf dem Schulhof, überfordert von Gruppenzwängen. Wir sind jetzt groß und dürfen uns aussuchen, mit wem wir spielen wollen. Das durften wir schon immer. Wir wussten es damals im Zweifel noch nicht.

Wir dürfen der Hebamme, die mit uns zu ruppig umgeht im Kreißsaal sagen, dass wir das nicht wollen. Das wir so und so behandelt werden möchten. Wir dürfen einen Aufstand machen, bis wir uns wohlfühlen. Bis jemand da ist, der uns unterstützt.

Es hilft aber auch, daran zu denken, dass wir es im Zweifel sogar alleine schaffen, egal, was wir uns vornehmen. Weil wir Heldinnen sind. Alle. Echt jetzt. Die ein oder andere weiß es nur eben noch nicht und reißt deshalb an unserem Superheldinnenumhang herum. Statt sich einfach mal selbst anzuschauen und zu merken: ich hab ja auch einen ganz geilen.

 

 

Die Kosmetik-Firma L.O.V hatte mich gefragt, ob ich ihnen für ihre Lov-Stories-Site einen Text zum Thema Female Empowerment schreibe. So ist dieser Text entstanden, den ihr leicht gekürzt jetzt auch auf der L.O.V-Seite findet.

Text – Stefanie Luxat

Fotos –Marlene Sørensen

29 Comments

  1. Antworten Lisa 23. Januar 2018 um 07:54 Uhr

    Liebe Steffi, ganz kurz aus der morgendlichen Hektik heraus: Danke!! Ich mag deinen Text sehr. Es tut gut, reflektierte Gedanken zu dem Thema zu lesen. Wie oft war ich schon entsetzt, von ach so empowernden Frauen, die mich für mein (selbstgewähltes!!) Hausfrauendasein schief angesehen, verbal angegriffen haben. You go girl! Lisa

    • Antworten Steffi 23. Januar 2018 um 09:23 Uhr

      @Lisa: Liebe Lisa, so, so gern geschehen! Es freut mich riesig, dass du den Text magst. Und mir fällt gerade nach einer durchwachten Nacht mit Kind nicht exakt der Wortlaut ein, aber es gibt doch diesen Spruch, dass wenn andere so extrem auf etwas bei anderen reagieren, das Thema eigentlich ihr eigenes ist. Weißt du was ich meine? Wenn eine Frau so extrem auf mich reagiert, frag ich mich mittlerweile: “Hat das nicht viel mehr mit dir zu tun als mir?” You go too girl!! 😉 Herzlich, Steffi

  2. Antworten Nina 23. Januar 2018 um 08:51 Uhr

    Liebe Steffi, wunderbar! Vielen Dank für diesen großartigen Artikel. Ich lese ihn nun zum dritten Mal und nicke immer noch dauerhaft mit dem Kopf – bei jedem Satz. Ich bin mir sicher, du hilfst mit diesem Beitrag mehr Frauen als so manche laut aufschreiende und polarisierende Initiative. Danke für dein Equal Empowerment und diesen großartigen Blog! Nina

    • Antworten Steffi 23. Januar 2018 um 09:26 Uhr

      @Nina: Liebe Nina, wie mich das freut!! Das wäre schön, wenn der Text hilft. Ich glaub, ich hätte damals, als ich im Büro saß und geschockt war von so mancher Situation, so etwas auch gern gelesen. Alles Liebe, Steffi

  3. Antworten Eva 23. Januar 2018 um 09:09 Uhr

    Ja! ja ja und nochmals ja!
    Ich erlebe es gerade im akademischen Bereich. Stellen im Mittelbau und auch Lehrstühle werden mit Frauen besetzt, nicht nur aber vor allem weil sie Frauen sind. Man sieht zu und hat so ambivalente Gefühle: einerseits ist die Uni vor allem im professoralen Bereich (auch in den vermeintlich so weiblichen Geisteswissenschaften) immer noch männlich dominiert und es ist dringend notwendig, das zu ändern, allein schon, um weibliche Vorbilder für Studentinnen zu schaffen. Andererseits darf es doch nicht sein, dass Männer benachteiligt sind, nur weil sie Männer sind.
    Was auch mit reinspielt: die eigene (weibliche) Hoffnung, so doch eine der so raren Stellen zu ergattern. Aber das dann nur auf Kosten eines männlichen Mitbewerbers? Und möglicherweise sogar ungerechtfertigt? Will ich mir das den Rest meines Lebens vor Augen halten müssen?
    Puh!

    • Antworten Steffi 23. Januar 2018 um 09:37 Uhr

      @Eva: Liebe Eva, ich weiß genau, was du meinst. Das frag ich mich auch oft. Deswegen hadere ich auch oft mit der Frauenquote. Ich versteh das Argument, dass es wohlmöglich nötig ist, ersteinmal Frauen mit so etwas in solchen Positionen zu verankern, damit sie überhaupt dahin kommen, Vorbilder sein können und der Weg zur Normalität geebnet wird. Ich möchte es für mich nicht, finde es aber wichtig, dass Frauen, die das gern wollen, geholfen wird dahin zu kommen. Und genau, Männer sollten dabei nicht benachteiligt werden. Das ist der schwierige Spagat. Wie gut es wäre, wenn alle eine faire Chance hätten. Und das ist ja leider noch nicht überall so, dass Frauen einfach mit in Betracht gezogen werden ganz natürlich. Wenn also die Bewerberauswahl schon mal gleichberechtigt ist, wäre es doch fairer und dann muss die Person, die den Job bekommt auch niemals an den Gründen zweifeln. Herzlich, Steffi

    • Antworten Sarah 23. Januar 2018 um 10:16 Uhr

      Naja, die Stellenvergabe an Universitäten ist aber schon eine ganz spezielle Sache. Da bleiben Frauen allein schon aufgrund der biologischen Gegebenheit, dass trotz aller Gleichberechtigung das Kinderkriegen (und meistens auch mindestens das erste Jahr der Kinderbetreuung) Sache der Frauen ist, auf der Strecke, weil sie in der Kinderzeit in der Regel nicht so viel/so schnell publizieren können wie Männer. Außerdem hatten Männer da jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertelang das Monopol bei den Professuren; auch in den Geisteswissenschaften, wo ja schon seit geraumer Zeit der weibliche Anteil der Studierenden/Doktorandinnen/Habilitandinnen sehr hoch ist. Dass heute bei der Stellenvergabe nicht nur auf Qualifikation (die ja meistens ohnehin vergleichbar ist), sondern auch auf das Geschlecht geschaut wird, finde ich nicht nur nachvollziehbar, sondern sehr wichtig.

      • Jennifer 23. Januar 2018 um 12:46 Uhr

        Liebe Steffi,
        wie immer ein toller Text. Ich möchte mich aber meiner Vorrednerin anschließen, dass es dennoch einen feministischen Blick braucht, damit wir in vielleicht 60 Jahren (von dieser Hochrechnung habe ich heute gelesen) eine echte Gleichberechtigung haben. Natürlich muss es fair bleiben. Aber für alle! <3

      • Steffi 23. Januar 2018 um 12:47 Uhr

        @Jennifer: Liebe Jennifer, seh ich genau so! Herzlich, Steffi

  4. Antworten Lilli 23. Januar 2018 um 09:36 Uhr

    Liebe Steffi, thanks for empowering. Ein Super-Text, den ich gleich ein paar mal lesen musste. Hatte gerade gestern eine Diskussion mit einer Kollegin darüber und das Thema ist aktueller denn je. Ich finde es gut, wie ehrlich Du damit umgehst. Danke für die Einsicht in Deine Ansicht – hat mir sehr geholfen, schöne Woche!

  5. Antworten Constanze 23. Januar 2018 um 09:42 Uhr

    Was für ein großartiger Text! Dankeschön dafür, liebe Steffi!

  6. Antworten Steffi 23. Januar 2018 um 09:47 Uhr

    ❤️
    Aus der Seele, aus dem Leben! Danke! Damit starte ich gleich noch besser in mein zweites Jahr Elternzeit, das so viele in meinem Job nicht verstehen (können / wollen).

  7. Antworten Maggie 23. Januar 2018 um 09:56 Uhr

    Hi Steffi, danke für deinen tollen Text!

    Erst am Wochenende habe ich einen super Vortrag von Julia Korbik gehört, wo sie unter anderem darauf eingegangen ist, was der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Feminismus ist.
    Klar verstehe ich deine Argumentation, dass es den Männern gegenüber ungerecht sei eine “female future” zu fordern.
    Aber leider ist es doch immer noch so, dass Frauen in vielen Bereichen nicht gleichgestellt sind (Beispiele wie das Gehalt führst du ja selber im Text an). Deshalb ist es wichtig, dass weiterhin ein feministisch-kritisches Auge auf solche Missstände geworfen wird.

    Und ja, jede*r tut was er/sie kann. Bin dir immer noch enorm dankbar für deine Unterstützung rund um mein Baby-Business! Das ist absolutes Empowerment gewesen!

    Lieber Gruß
    Maggie

  8. Antworten Angela - designhaus no.9 23. Januar 2018 um 09:57 Uhr

    Liebe Steffi,
    was spricht mir dieser Artikel aus der Seele. Ich denke, wir alle haben das genauso auch erlebt. Im Beruflichen, wie auch Privaten. Meinen Weg säumten ein paar sehr nett und hilfsbereite Frauen, wie auch Männer. Einige gar nicht und das waren in der Mehrheit Frauen. Leider! Denn dafür gibt es gar keinen Grund. Man ist nicht besser oder erfolgreicher, wenn man anderen ein Bein stellt. Das Schöne ist: mit dem Alter wird man wirklich gelassener und lächelt nur noch milde. 😉 Man kann auch gelassen bleiben, denn da draußen gibt es noch eine Menge netter Frauen und Männer. Ganz liebe Grüße, Angela

  9. Antworten Verena 23. Januar 2018 um 10:05 Uhr

    Ein schöner Blick auf die gegenwärtige Situation, den ich sehr mag. In dem sich meine Gedanken zu diesem Thema wiederfinden…
    Habe neulich mit guten Freundinnen über dieses Thema philosophiert und wir sind irgendwann auch zu dem Punkt gekommen, dass es eigentlich um Menschen – nicht immer nur um Frau oder Mann geht – die einen empowern mit und ohne viel Tamtam, weil sie so sind oder so sein wollen. Und dann gibt es Menschen, die das nur unter bestimmten Voraussetzungen tun und wollen, weil es eben doch viel mehr nur um sie geHt. Das fühlt sich dann oftmals unfair, ungerecht, falsch oder einfach nicht gut an…
    Oh jeh, eigentlich müsste ich jetzt noch viel weiter ausholen, um meine Worte zu erklären… Hoffe, Du verstehst, trotzdem was ich meine.

    Heute bist Du auf jeden Fall meine Superheldin. Für diesen ehrlichen, tollen Text.
    Hab‘ einen wunderbaren Tag!

  10. Antworten Claudia 23. Januar 2018 um 10:13 Uhr

    Obwohl ich supergerne deinen Blog lese, bin ich sonst nicht die große Kommentare-Schreiberin, aber hier muss ich doch mal sagen: du sprichst mir aus der Seele! Wirklich ein sehr guter Artikel!

  11. Antworten Lynna 23. Januar 2018 um 10:36 Uhr

    Liebe Steffi,
    danke dir, für diesen wunderbaren Text, der mir heute morgen passenderweise direkt einen kleinen Push gegeben hat. In den letzten Wochen, ach, Monaten, habe ich mir viele Gedanken über mich, meine Freundschaften und mein Können gemacht. Ich habe viele Entscheidungen getroffen, auf die ich eigentlich sehr stolz bin – dennoch kommen immer wieder kleine Zweifel hoch, ob es nicht doch zu abrupt, zu egoistisch oder zu hart war. Dabei habe ich einfach mal aussortiert und vieles, das mich unglücklich und ausgesaugt hat, einfach mal zurückgelassen.

    Danke dafür und für den tollen Text, der mir so aus der Seele spricht.

    Liebe Grüße aus Berlin, Lynna

  12. Antworten annton 23. Januar 2018 um 12:26 Uhr

    Ein wunderbarer Text, in dem ich tasächlich jedes einzelne Wort unterschreibe.

  13. Antworten Tine 23. Januar 2018 um 13:36 Uhr

    Ach Steffi… laut gelacht über Deinen “The Future is female”-Shirt-Gedanken. Genau das denke ich auch. Vielleicht ist die Unterstützung, die ich von den Männern in meinem Leben erhalte, eine andere, als die von meinen Mädels. Aber genauso wertvoll. Und ja, man kann vieles alleine schaffen, aber nur halb so viel ohne Freunde.

  14. Antworten Pamela 23. Januar 2018 um 14:14 Uhr

    Liebe Steffi,

    toll, dass du mit der Geburt deiner Kinder, deine Kraft und Stärke gesehen und wahrgenommen hast!
    Noch viel besser wäre es, wenn Mädchen und Frauen von Anfang an mit diesem Bewusstsein aufwachsen. Die Töchter unserer Generation werden dies vielleicht tun. Das wünsche ich ihnen und uns.
    “Nur degradiere ich dafür keinen Mann. Und ich tue auch nicht so, als gäbe es nur nette Frauen.” Diesen Satz finde ich unglücklich, da es genau darum ja auch nicht geht. Es soll kein Mann degradiert werden, sondern Frauen die gleichen Chancen haben, wie Männer. Und Frauen müssen sich auch nicht alle lieb haben.

    Die offensichtlichen verstaubten Rollenbilder haben wir vielleicht überwunden. Frauenfeindliche Strukturen und vor allem Glaubenssätze noch lange nicht. Und die gilt es ebenfalls zu erkennen und zu überwinden. Das gelingt nur gemeinsam, Männer und Frauen.

    Ich sehe in unserer aufgeklärten Generation einiges noch nicht erreicht. Gerade mit der Geburt von Kindern, fallen Frauen in alte Rollenbilder zurück. Mütter die Teilzeit arbeiten und zusätzlich noch die ganze Care-Arbeit Zuhause wuppen und daran fast zugrunde gehen. Ich möchte damit nicht das Arbeiten der Mütter kritisieren. Nein. Hier müssen sich Mutter und Vater zusammensetzen und gemeinsam entscheiden, wie die Arbeit mit Kindern und Haushalt am besten erledigt werden kann. Viel zu oft (und da musste ich mich auch selbst an die Nase fassen) sehen Frauen Haushalt und Kinder als ihre Verantwortung an. Weil sie es oft von ihren Eltern so vorgelebt bekommen haben. Stichwort Vorbilder.
    Ich fühlte mich als Versager, weil ich manches im Haushalt nicht mehr schaffte. Bis ich zu der bahnbrechenden Erkenntnis kam, dass ja nicht nur ich dafür verantwortlich bin, wenn ich mit Partner zusammen lebe. Es war ein kleiner Kampf diese Einsicht auch meinem Partner zu vermitteln. (Wieso sag mir doch, wenn ich dir helfen kann). Und so langsam funktioniert das, dass jeder seine Aufgaben verantwortlich übernimmt! Die Rollenbilder hatten sich auf beiden Seiten verfestigt.

    In einer gleichberechtigten Welt können Männer und Frauen frei entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten und haben dafür die gleichen Möglichkeiten und Chancen. Frei von alten Konventionen und Glaubenssätzen.
    In solch einer Welt ist es im übrigen auch möglich, dass einer der beiden Partner zuhause bleibt und sich um den Haushalt kümmert. Wenn dies eine bewusste und wertschätzende Entscheidung beider ist, die sich auch finanziell z.B. in einem entsprechenden Rentenausgleich des nichtarbeitenden durch den arbeitenden Partners widerspiegelt.

    Oft höre und lese ich auch, dass es für den Mann leider nicht möglich ist Elternzeit zu nehmen oder Arbeitszeit zu reduzieren. Sie würden damit ihrer Karriere schaden. Dass dies doch genauso den Frauen geht, wird dabei übersehen. In meiner gleichberechtigten Welt, ist es völlig normal, dass auch Männer Elternzeit nehmen und/oder ihre Arbeitszeit reduzieren. Dann ist das auch völlig selbstverständlich für Frauen ohne Karriereeinbußen möglich.

    Unsere Generation wird noch nicht alles überwinden. Wir können aber die nächsten darauf vorbereiten und unterstützen. Das gelingt nur, wenn wir Feminismus nicht als Kampf gegen Männer begreifen und damit herabwürdigen.

    Liebe Grüße
    Pamela

    • Antworten Steffi 23. Januar 2018 um 14:37 Uhr

      @Pamela: Liebe Pamela, ich glaub wir sind da in unserer Meinung ganz nah beieinander. Dies noch als Zusatz-Erklärung wie ich das mit dem degradieren meinte: mir geht es darum in Gleichberechtigung für die Gleichberechtigung zu kämpfen. Ich finde es unnötig bei dem Kämpf jemanden zu degradieren. Zum Beispiel Männer. Im Gegenteil: ich finde, wenn wir Frauen schlau sind, beziehen wir sie mit ein. So wie du deinem Mann Stück für Stück beigebracht hast, wie er dich noch mehr unterstützen kann. Trauen sich nicht alle Frauen, ist aber so, so lohnenswert und zeigt wo der Feminismus beginnt und zu was er vom Kleinen ins Große führen kann. Es gibt unzählige Definitionen des Feminismus, meine ist die Gleichberechtigung für alle. Ich glaub, da sind wir uns einig. Herzlich, Steffi

  15. Antworten Andrea 23. Januar 2018 um 15:19 Uhr

    Genau so sehe ich es auch. Mir geht das sogar ziemlich auf den Senkel , wenn FF eigentlich nur für Selbstvermarktung genutzt wird.

    Gleichberechtigung ist das Thema und wir versuchen unseren Sohn (12) auch so zu erziehen. Wir arbeiten beide (gern), beackern auch beide gleichberechtigt den Haushalt. Mein Freund ist auch so aufgewachsen und wir hoffen das unser Sohn das alles auch so als selbstverständlich übernimmt. Das Dinge einfach gemeinsam erledigt werden und kein Reizthema sind.

    Und erfreulicherweise ist seine erste Freundin (ja mit 12… ) selbstbewußt und gar nicht glitzipink.

    Ich habe zwei tolle Männer an meiner Seite und bin sehr stolz darauf und dankbar dafür!

    Viele Grüße von Andrea

  16. Antworten Nadja 23. Januar 2018 um 15:31 Uhr

    Ich danke Dir für diesen großartigen Text! Deine herrlich offene und auch pragmatische Sicht auf dieses Thema tut gerade heutzutage einfach nur gut! Danke! ♥️

  17. Antworten Mumbai 23. Januar 2018 um 15:34 Uhr

    einer der besten Texte ueber female empowerment. So objektiv betrachtet. Als ich die
    Themenankuendigung las wollte ich nicht weiterlesen, weil ich annahm es wird mal wieder ueber die
    boesen sexgeilen Maenner geschrieben (metoo) und das kann und will ich nicht mehr hoeren. Aber nein, ein sensibler und ehrlicher Beitrag uebertraf meine Erwartung.

  18. Antworten ChrissyVictor 23. Januar 2018 um 17:51 Uhr

    Danke für diesen tollen Artikel. Es stimmt schon, wir müssen uns viel öfter selber und auch anderen Frauen sagen, dass wir Superheldinnen sind.
    Ich habe heute morgen direkt meine Cape aus dem Schrank genommen und ausnahmsweise den Powerlippenstift aufgetragen und den Tag gerockt!

  19. Antworten Daniela 23. Januar 2018 um 19:55 Uhr

    So ein schöner Text! Leider gibt es die verstaubten Rollenbilder tatsächlich noch aber sie werden scheinbar weniger, wenn man ihnen manchmal begegnet, ist das so als würde man in eine frühere Zeit versetzt werden. Mit etwas Humor gesehen ist es zuweilen lustig, bringt mich zum Staunen oder macht mich teilweise fassungslos. Aber es gibt ganz ganz viele Menschen die einfach nur gut tun, mit denen jeder Tag ein Vergnügen wird, mit denen ich gerne zusammen bin, gerne arbeite, streite, lache… und sehr gerne deren Blogbeträge lese… immer zu richtigen Zeit…danke.

  20. Antworten SonjainGiesensdorf 29. Januar 2018 um 11:21 Uhr

    Hallo Steffi,
    ganz lieben Dank für Deinen fantastischen Text!
    Ich möchte ein, zwei Gedanken dazu loswerden. Und zwar gebe ich Dir vollkommen recht, Frauen sind Heldinnen und wir machen uns leider so so oft das Leben gegenseitig schwer in dem wir untereinander härter verfahren als mit Männern/Vorgesetzten etc, anstatt uns zu unterstützen wo es nur geht. Als ob für die eine nichts übrig bliebe, wenn die andere was bekommt.
    Gleichzeitig halte ich eine Frauenquote für eine Übergangszeit für notwendig bzw. hilfreich. Ich arbeite in der Energiewirtschaft in einer Führungsposition und sehe halt wie wenig Frauen es dort gibt. Dabei habe ich das Gefühl, dass es mir fast einfacher gemacht wird als Frau in einer Männerbranche. Schließlich sitzen alle lieber in einer gemischten Runde als in einer drögen Altherrenkombi 😉 Aber viel wird abgeblockt bezüglich Teilzeit und Vereinbarkeit mit Familie, daher nur sehr selten Führung und Verantwortung möglich. Da würde meiner Meinung nach eine Frauenquote helfen. Bei der Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben ist man ganz vorne mit dabei, hahaha!
    Natürlich möchte ich keine Männer benachteiligen, bin sehr für Gleichberechtigung anstatt Frauenübervorteilung, aber ich bin vor 5 Jahren aus Hamburg raus aufs (nur 50km entfernte) Land gezogen und habe seitdem eine etwas andere Brille auf bezüglich (leider) konservativeren Lebensmodellen. Hier ist es – ein bißchen als ob wir 20 Jahre zurücklägen – tatsächlich noch so dass der Großteil der Frauen in schlecht bezahlten Jobs in Teilzeit arbeitet, wenn überhaupt und die Männer wenig unterstützen beim Familienjob. Mein Mann und ich leben das Ganze etwas anders, aber auch wir stoßen immer wieder an Grenzen. Das meiste liegt bei mir, trotz Arbeit. Und das nicht zuletzt weil Rollenvorbilder fehlen. Hier sieht man keinen Mann mit der Manduca vor der Brust. Und da könnte ETWAS mehr Female Empowerment echt helfen!

    Zu #metoo.: auch wenn sicher gerade der ein oder andere übers Ziel hinaus schießt, bin ich froh, dankbar und erleichtert, dass diese Diskussion endlich stattfindet. Ich kenne keine Freundin die nicht in der ein oder anderen schlimmen Art und Weise sexuell genötigt worden ist, gerade auch auf scheinbar “harmlose” Art und Weise im Alltag. Es ist unglaublich wichtig, dass endlich darauf hingewiesen wird, wo und wie oft dies geschieht – und als wie normal wir es empfinden. Selbst ich ertappe mich dabei zu denken, ach komm, ist doch nicht so schlimm, vielleicht nur nett gemeinter Flirt etc. Es gab vor einiger Zeit mal ein französisches Video indem ein Mann mit einem Kinderwagen umherlief und den ganzen Tag von Frauen “belästigt” wurde – und die Kommentare dazu lauteten eigentlich alle, dass das ja VÖLLIG an der Realität der Frauen vorbeiginge. Wirklich?!
    https://www.youtube.com/watch?v=kpfaza-Mw4I

    Liebe Grüße,
    Sonja

  21. Antworten Eva 5. Februar 2018 um 15:55 Uhr

    Ja, ja, JA! So gut in Worte gefasst, was ich auch denke.
    Liebste Grüße
    Eva

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