Wonach ist dir heute?

Früher dachte ich immer: „Wie viel muss man samstags saufen, dass man montags nicht wieder arbeiten kann?“ Wenn ich sah, dass Kollegen sich krank meldeten.

Heute weiß ich: Eigentlich braucht man nur kleine Kinder. Die können einen noch besser zerlegen als jeder Drink. Wenn ich sehe, wie k.o. wir und viele Eltern Montagsmorgens aussehen.

Früher bekam man Sonntagsabends nach dem Tatort den Blues, weil der Montag nahte.

Heute mit zwei kleinen Kindern steigt oft Sonntagabends die Vorfreude auf Montags.

Sekunde – wenn das jetzt jemand liest, der hier eher selten ist, kommt das vielleicht rüber, als würde ich meine Kinder und die Zeit mit ihnen nicht lieben, gar meine Mutterschaft bereuen. Iwo! Nicht mal ansatzweise. Ich wollte immer Mutter werden und ich liebe es. Aber ich liebe auch Ehrlichkeit. Vor allem unter Eltern.

Ich liebe auch viele der Wochenenden mit der gesamten Familie. Freitags bin ich oft voller Vorfreude: (Kuschel-) Zeit mit den Kindern aufholen, in Schlafanzügen abhängen, lustige Sachen machen, es ruhiger angehen als unter der Woche.

Nur ist eben jedes Wochenende ein Überraschungs-Ei. Was sich darin versteckt und wer damit Spaß haben wird, ist nicht immer klar.

So kann es sein, dass man Sonntagsabend denkt: „Wie? Schon Sonntag?“. Oder aber schon Samstagmorgens: „Wie? Erst Samstag?“

Dafür kann die Gesundheit und Stimmung bei Kleinkindern zu schnell kippen. Auch bei Eltern. Wenn man eh die letzten Meter schon vor Erschöpfung aus der Arbeitswoche (oder dem Urlaub) ins Wochenende kriecht und kurz vor der Ziellinie einen ein Kind mit einem Turbo-Trotzanfall begrüßt, flüstert man eher „Yay, it’s Friday“ als es zu schreien. Wenn das gleiche Kind einem zehn Minuten später die süßen Babyspeckarme um den Hals legt und sich ganz fest an einen drückt, ist dann eh schon wieder alles besser.

Montage sind also meine Samstage von früher, egal wie das Wochenende war. Dann erhol ich mich etwas im Büro. Dann sitze ich einfach so auf meinem Schreibtischstuhl und arbeite. Dann trinke ich in Ruhe einen Kaffee und arbeite. Dann habe ich mehrere klare, vielleicht sogar schlaue Gedanken nacheinander und arbeite. Dann erledige ich in kürzester Zeit, wozu ich unter anderen Umständen Stunden bräuchte.

Ich ziehe mir etwas Hübsches an, das jetzt mindestens ein paar Stunden sauber bleibt, kaufe mir schöne Blumen in der Mittagspause, pamper mich mit einem besonders guten Mittagessen oder treffe eine Freundin ohne jegliche Absprachen oder Babysitter organisieren. Vielleicht schwänz ich morgens sogar eine Stunde, schiebe einen Arzttermin vor und schreibe mir selbst eine Entschuldigung.

Das klappt nicht immer, aber wenn, dann ist es der Hit.

Einfach mal den Streberkram lassen, alles immer richtig zu machen, so wie es erwartet wird, von wem auch immer. Selbst auch mal ein bisschen ungezogen sein, das haben wir doch schließlich das ganze Wochenende toleriert. Warum jetzt also nicht mal kurz für uns einfordern?

Und Montagnachmittag, wenn ich mit den Kindern auf den Spielplatz ziehe, bin ich dann schon wieder fitter und motiviert für die Woche und den normalen Wahnsinn als Familie. Ich brauche gar nicht mehr wie früher zwei Tage zur Regeneration, auch, wenn ich mit meinem Mann natürlich heimlich davon träume. Ein paar Stunden reichen ja schon. Und dieses gute Gefühl, etwas Ungezogenes getan zu haben. Voll verrückt.

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Kerstin 8. September 2017 um 15:39 Uhr

    Hi Steffi,
    danke, dass ich mich gerade voll verstanden fühle . Ich sage manchmal so halb im Scherz zu meinem Mann, dass Montag mein absoluter Lieblingswochentag ist. Beide Liebsten sind wieder aus dem Haus und ich habe meinen freien Tag. Und manchmal muss dann der ganze Kram erstmal liegenbleiben, weil ich auf Instagram oder sonst wo rumsurfe . I like!

    Aber jetzt erstmal ein schönes Wochenende! Meist mag ich das dann doch noch mehr als den Montag .

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  3. See.botschaft 8. September 2017 um 23:02 Uhr

    Ein Wort, vier Buchstaben: GEIL!

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  4. Katharina 9. September 2017 um 12:27 Uhr

    😀 Das kann ich gut nachvollziehen. Da ich gerade in Elternzeit zuhause bin, freue ich mich immer sehr aufs Wochenende, damit mein Mann auch mal das Baby bespaßen kann 😀

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    • Steffi 9. September 2017 um 14:43 Uhr

      @Katharina: Oh das glaub ich! Kennst du das 17 Uhr-Gefühl? Da hatte ich gerade bei 10-Dinge drüber geschrieben. Rike Drust hat es in ihrem ersten Buch beschrieben, dass man ab 17 Uhr oft auf die Uhr guckt, bis der Mann kommt. 😉 Herzliche Grüße & schönes Wochenende dir!! Steffi

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  5. Dorthe 10. September 2017 um 09:14 Uhr

    Sehr sehr gut, liebe Steffi! Mein Mann sagte neulich am letzten Urlaubstag auch: Morgen muss ich mich auf der Arbeit erst mal vom Urlaub erholen 😉
    Liebe Grüße von Dorthe (die den Sonntag eigentlich ganz gern hat ;-))

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