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LOVE SHUI:

Kann man seine wahre Liebe in 27 Tagen finden? Autorin Susanne Kaloff probiert es aus – und trifft dabei auf Kranichpärchen und Mehlmotten.

Eigentlich sollte es mein Geheimnis bleiben, ich wollte es mit niemandem teilen, weil das, was ich grad tue womöglich ein wenig plemplem wirkt. Auch befürchte ich, dass der Zauber nicht wirkt, wenn ich darüber spreche, denn so eine Energiearbeit ist sicher recht störanfällig. Aber es muss raus, weil es einfach zu gut ist, um es für mich zu behalten. Also, ich mache grad so einen Kurs auf DailyOM, nicht lachen, aber er heißt wirklich: „Find true love in 27 days“. Kommt noch besser, der Untertitel: Winning The One.

Wie ich auf diese Schnapsidee kam? Ach, meine Freundin Mone meinte vor ein paar Wochen, ich müsse das dringend ausprobieren, nachdem sie nach Ablauf der 27 Tage ihre wahre Liebe fand. Sie ist fest davon überzeugt, dass es an dem Kurs lag. Ich bin ja immer die erste, die schreit, ich will auf keinen Fall, dass ein Typ mit seiner Plattensammlung bei mir einzieht, auch ist im Traum nicht daran zu denken, dass ich meine Vintage-Kleidersammlung verkleinere, damit ein Mann seine Sneaker in meinen Schrank stopft, und bei mir übernachten darf schon gleich gar keiner.

All das stimmt, was aber auch stimmt ist, dass ich kürzlich bei Denns einem verliebten Paar beinahe vors Schienbein getreten hätte vor Neid. Sie standen vor der Tiefkühltruhe und schwelgten in den fucking vegan Eissorten, als seien es Sextoys. Ich kaufte vor Wut das gleiche Eis wie sie, 500ml Kokosnusseis, radelte ohne Gefriertasche bei 30 Grad heim, aß das geschmolzene Eis restlos auf und war scheiße traurig, alleine zu sein. Plus müde von den Pfeifen auf Tinder.

Kurz: Ich bin heute schon bei Tag 10 des Kurses angelangt und liebe es! Auf  DailyOM gibt es auch Kurse zu anderen Themen, zum Beispiel schwankte ich erst, ob ich nicht lieber Conscious Dating wählen sollte, aber das erschien mir ein wenig überstürzt. Also entschied ich mich kurzerhand für die True Love, und für 35 Dollar. Es ist nämlich üblich, für jeden Kurs den Betrag zu zahlen, der einem angemessen erscheint, entweder 15, 35 oder 50 Dollar. Mal ehrlich, wenn mir mein Soulmate nur so viel Wert ist wie drei Matcha Latte, kann das doch alles nix werden.

Ich las die Regeln, zum Beispiel sei es wichtig, die täglichen Affirmationen immer mit rotem Stift zu schreiben, und in seiner eigenen Handschrift („by and in your own hand“), nicht etwa auf dem Computer. Außerdem dürfe man keinen Tag ausfallen lassen, falls doch: Zurück auf Los.

Vor Aufregung über den ganzen Prozess hatte ich allerdings die Sache mit der eigenen Handschrift prompt vergessen und überflog nur die Anweisung für Day1: Write this affirmation in your own hand. Also schrieb ich in meine linke Hand mit meinem roten Stift:  “I AM one with my undivided love.” Danach sollte ich fortfahren mit den körperlichen Charakteristiken meines perfekten Partners. Es folgte eine Kurzgeschichte, wie er aussehen sollte. All das schrieb ich in meine eigene Hand.

Der Voodoo ging weiter mit dem Verrücken des Betts. Ich stemmte mich mit dem Rücken gegen den Schrank und bewegte mit meiner Beinkraft das tonnenschwere Bett einen halben Meter Richtung Fenster, damit mein zukünftiger Freund mehr Platz hat. Außerdem galt es das gerade erst frischbezogene Bett frisch zu beziehen und die Matratze von allen Seiten mit etwas Sandelholz zu räuchern, um all die Verflossenen zu vertreiben. Wird ja sonst bisschen eng in der Kiste.

Am zweiten Tag schmierte ich wieder meine Hand voll, es kam mir schon spanisch vor, wie klein man schreiben muss, damit die detaillierte Personenbeschreibung meines zukünftigen Gatten in eine Handfläche geht, ich fragte mich auch, ob meine Hand vielleicht einfach zu klein ist für den angebotenen Kurs. Am dritten Tag lachte Mone laut. „In your own hand“ heißt nicht in deine eigene Hand. Von da an kritzelte ich meine Affirmationen in ein Heftchen.

Außerdem stand ein Sud aus Basilikum, Dill, Zimt und Honig auf dem Programm, den ich zubereiten sollte, um darin zu baden. Er solle Selbstzweifel den Abfluss runterspülen und mich zu einem Magnet für die Liebe machen. Leider habe ich keine Badewanne. Also rieb ich mich mit der braunen Brühe weit nach Mitternacht in der Dusche ab, weil ich erst abwarten musste bis mein Rommee Club aus der Tür war.

 

Ich legte mich klebrig quer in mein geräuchertes Bett, roch wie ein Spekulatius und war heilfroh, alleine zu schlafen.

Am Tag drauf folgte das Austauschen der Glühbirne im Schlafzimmer gegen eine mit höchster Wattzahl, ein helleres Licht würde die Romantik anturnen. Also nicht auf der Matratze rumturnen, sondern im Sinne von Turn On, nur damit es hier nicht zu Missverständnissen kommt. Wenn es so weitergeht, brennen mir ohnehin bald die Sicherungen durch. Unter meinem Bett liegt bereits eine Karte mit einer Schlange drauf, das soll das passende Tier sein im chinesischen Horoskop, ich bin Hahn.

Außerdem sollte ich ein Kranichpärchen in meine „Romance and Relationship Area“ platzieren. Es gab drei Probleme, und es war nicht mal 10 Uhr: Ich hatte kein Kranichpärchen zur Hand, mein Drucker funktionierte nicht, um ein Kranichpärchenbild auszudrucken, und ich hatte keinen blassen Schimmer, wo sich meine Romance and Relationship Area befindet. Ich bin also neuerdings Stammkundin am Fotodrucker bei Budni.

Bevor meine True Love in mein Leben kommt, rechne ich allerdings fest mit dem Eintreffen von Mehlmotten: An Tag 7 hieß es, ich solle Salz mit Reis mischen, gegen den Uhrzeigersinn alles so viele Male mit dem Finger durchmischen wie ich alt bin, plus eins. Ich rührte also einundfünfzig Mal das Steinsalz durch, kam mir steinalt vor und verstreute es wie angewiesen in alle (!) Ecken der gesamten Wohnung. Das soll die negativen Gefühle irgendwie verjagen.

Ich fühlte mich primär wie eine Geisteskranke, murmelte dennoch wie angewiesen beim Verstreuen leise vor mich hin “And we live happily ever after together.” Exakt 24 Stunden musste man die Häufchen in der Butze liegen lassen, und ich bangte, meinen Kranichmann schon vor Ablauf der Zeit zu treffen und überstürzt im Eifer des Gefechts direkt mit nachhause unter meine Neonröhre zu schleifen.

Wie sollte ich ihm die Häufchen erklären? Am nächsten Morgen musste die Mischung fachgerecht entsorgt und aus dem Haus geschafft werden. Der Staubsauger war also keine Option, ich fegte auf allen Vieren jede Ritze und dachte darüber nach, was mein perfekter Partner gerne isst, was er gerne hört, worüber er lacht und wie seine Kindheit war. All das steht nun in meinem Heftchen.

Auch wenn es so klingt, als würde ich mich darüber lustig machen, ich glaube fest dran, und werde in spätestens drei Wochen berichten, wie es weiterging. Hier schon mal das „Save the Date“ für die Traumhochzeit Zwozwanzig. #Justsayin’

 

7 Comments

  1. Antworten Micha 4. September 2019 um 09:05 Uhr

    Liebe Susanne,

    ich kann nur eins sagen: großartig! Nicht nur der Artikel, sondern auch deine Sorgfalt und dein Durchhaltevermögen bei der Umsetzung. Ich wäre schon beim Bett verschieben und Sandelholz räuchern raus gewesen, weil zu umständlich :-D. Und 53 mal Salz zerreiben hätte mich depressiv an die Ginflasche getrieben.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass der Zauber funktioniert und deine wahre Liebe pünktlich erscheint und ihr happily ever after together lebt. Hach, was für ein bezaubernd schöner Gedanke. Die Tinderpfeifen kann ich dir sehr nachfühlen, die habe ich auch im letzten Jahr hinter mich gebracht. Das hat deutliche Spuren und ein noch deutlicheres “Nie wieder!” hinterlassen.
    Bitte, bitte halt uns auf dem Laufenden und lass uns wieder an Romantik und vor allen Dingen an die Liebe glauben.
    Ich bin zwar jetzt nicht so der OM-Typ aber ich schicke dir ganz viel positive Energie und hoffe, es hilft ein bisschen und verleiht deiner true love etwas Rückenwind auf dem Weg zu dir.

    Ganz, ganz viel Glück und liebe Grüße,
    Micha

  2. Antworten Anna 4. September 2019 um 09:28 Uhr

    Hahahahahaha..!! Im Auto gelesen, musste aber kurz halten, weil ich vor Lachtränen nichts mehr sehen konnte..! Ich drück die Daumen für den Kranichmann. Der kann ja dann nur noch jubeln vor Glück, dass Du ihn gefunden hast.

  3. Antworten Katja 4. September 2019 um 10:19 Uhr

    Respekt für Deinen Mut, Deinen Humor und Deine Ehrlichkeit. Ich kann mich einfühlen….drücke Dir alle Daumen und bin gespannt, was passiert. Sollte es klappen, ziehe ich nach. Von ganzem Herzen alles Gute, und in herzlicher Verbundenheit, ganz liebe Grüße von Katja

  4. Antworten Julia 4. September 2019 um 10:29 Uhr

    die armen single-Frauen, die diesen esoterischen Quatsch ausprobieren :/
    Was ist das für ein merkwürdiger Artikel – total unverständlich, wenn man das Niveau des Blogs kennt …

  5. Antworten Eva 4. September 2019 um 12:24 Uhr

    So witzig!!!! :))
    Danke für diesen Artikel, schaue gleich mal bei dailyom nach …..
    Ich bin echt gespannt, wie es bei dir weitergeht!
    Hoffe, es klappt alles wie bestellt!
    Liebe Grüße
    Eva

  6. Antworten Petra von FrauGenial 7. September 2019 um 10:51 Uhr

    So herrlich geschrieben,
    und Respekt das du es durchziehst! Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

  7. Antworten Tina 12. September 2019 um 12:44 Uhr

    Liebe Suse ,
    ganz viel Erfolg beim finden Deiner wahren Liebe . Wie immer super geschrieben , i love it 🙂 , bin sehr gespannt wie die Story weiter geht …drücke feste die Daumen . Alles Liebe Tina

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