Wonach ist dir heute?
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Wenn mir etwas passiert, gehe ich meist davon aus, dass mir das Leben etwas beibringen möchte, es also gut für mich sorgt. Vielleicht lässt sich so manches besser ertragen. Vor allem die Tatsache, dass unsere Existenz eigentlich nur ein winziger Kackhaufen im Universum ist.

Entschuldigung, ich möchte nicht lebensmüde klingen. Meine Kinder stellen nur gerade sehr viele Fragen zum Thema Tod. Wer kann es ihnen verübeln in Coronazeiten. Ich lasse den Gedanken jetzt aber mal drin, weil er manchmal hilft, wenn wir uns über (eher unwichtige) Dinge viel zu viele (eher unnötige) Gedanken machen. Ob es auf dem Sterbebett wirklich noch wichtig ist, dass Christine dies gesagt oder Nicole das getan hat?

Ich hör ja schon auf.

Wo waren wir? Ach ja.

Wenn mir also etwas passiert, denke ich, wenn ich gut drauf bin: „Aha, mal sehen, wohin mich das führt.“ An schlechten Tagen denke ich nur: „WHAT THE FUCK?!“ Totenkopf-Emoji, Heul-Emoji, Hand-vor-den-Augen-Emoji. Bomben-Emoji.

Im Moment passiert viel. Meine astrobegeisterten Freundinnen sagen: „Vollmond in Fische – Neuausrichtung/Veränderung, alles anstrengend gerade.“ Meine Mutter sagt: „So ist das Leben.“

Vergangenes Wochenende habe ich zum Beispiel einen Vertrag für eine Wohnung unterschrieben und währenddessen gedacht: „Neeeeeein! Tue es nicht!!!! Du tust das Falsche!!!!“ Und es trotzdem getan. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Vertrag unterschrieben, den ich nicht einhalten wollte. Noch nie. Großes Ehrenwort. Es klang wie eine gute Lösung für unsere anstrengende Wohnsituation (hauchdünne Altbauwände und wenig empathische Nachbarn).

Es war wirklich die falsche Entscheidung, was mir draußen vor der Wohnung richtig bewusst wurde, mit unterschriebenem Vertrag in der Hand. Ich wollte nur noch eins: weinen. Ich schämte mich für meine Unzurechnungsfähigkeit, war verzweifelt, weil ich keine Lösung parat hatte. Es hatte sich so gut angefühlt, mir vorzugaukeln, dass ich eine hätte.

Doch Schummeln ist dieses Jahr irgendwie nicht erlaubt, zumindest nicht in meinem Leben.

Versuche ich etwas unter den Teppich zu kehren, stolpere ich kurz darauf im großen Bogen über den Hügel auf dem Boden und stürze. Es ist, als würde aus meiner kleinen Schummelei ein Riesendino heranwachsen, der sich erst verabschiedet, wenn ich ihm zuhöre, um was es wirklich geht.

Was war also mit der Wohnung geschehen? Warum hatte ich unterschrieben? Ich hatte nicht auf mich gehört. Ich hatte kein Vertrauen zu mir. „Das sind doch die Hormone“, dachte ich. Die tricksen dich doch oft aus („Ich find dich so scheiße!“, „Schatz, ich lieb dich so!“). Bestimmt auch jetzt. Bei der ersten Besichtigung war doch noch alles gut.

Es sind wilde Zeiten. Sie waren schon immer wild, aber Corona hat auch der letzten Person deutlich gemacht: Wir können so viel planen, wie wir wollen, es kommt wahrscheinlich eh anders. Kontrolle hat in Wahrheit niemand so richtig. Jetzt geht’s darum, das auszuhalten. Nicht irre zu werden, bei Verstand zu bleiben, wie Cynthia Nixon so schön im aktuellen Zeit-Magazin antwortete auf die Frage, was ihre größte Leistung bisher im Leben gewesen sei.

Im August habe ich sehr viele Frauen (und ein paar Männer) zu Vorstellungsgesprächen getroffen. Und noch viel, viel mehr Bewerbungen gelesen. Ich musste spontan und in kürzester Zeit eine Nachfolgerin für eine sehr gute Kollegin finden, die während meines Urlaubs abgeworben worden war. I know: drei Heul-Emojis.

Ich habe vergangenes Jahr ebenfalls viele Gespräche geführt, als ich meine ersten zwei Mitarbeiter*innen fest einstellte. Doch dieses Jahr war etwas anders. Ich hörte ganz oft den Satz „Ich möchte ganz ehrlich mit dir sein“. Eine Bewerberin sagte sogar: „Ich möchte mich als ganzer Mensch bei dir bewerben.“

Es wirkte, als hätten diese Frauen ebenfalls keine Lust mehr, Dinge unter den Teppich zu kehren.

Ich fand ihre Ehrlichkeit wahnsinnig attraktiv. Eine Bewerberin sagte im letzten Drittel des Gespräches, ich hatte längst entschieden, dass ich genau sie gern einstellen würde: „Ich möchte ganz ehrlich mit dir sein“, und da wusste ich, jetzt kommt’s. Sie würde gern bald schwanger werden, erzählte sie, und hätte Angst, mich dann als Arbeitgeberin zu enttäuschen. Wer in kleinen Unternehmen gearbeitet hat, weiß: Jedes Teammitglied ist entscheidend und die Arbeit lässt sich nur bedingt auf andere schultern. Ich tue jetzt also nicht so, als hätte ich sofort begeistert geschrien: „Gaaaaaar kein Problem! Komm sofort zu uns!“ Ich kann aber sagen: Ihre Ehrlichkeit machte sie noch attraktiver für mich. Ich hatte das Gefühl, eine Frau vor mir zu haben, die wusste, was sie wollte und mir nichts vormachte. Ich bot ihr den Job an. Sie lehnte später schweren Herzens ab. Sie wolle ihren aktuellen Arbeitgeber jetzt nicht im Stich lassen, hatte dort gerade erst angefangen und – nicht, dass das nachher jemand aus der Firma liest, ich mach hier mal einen Punkt. Nur das noch: Dass sie sich Gedanken um ihre Arbeitgeber macht, machte sie ebenfalls noch attraktiver. Im Gegensatz zu denen, die über ihre alten schlecht sprachen.

Vielleicht war der Job bei uns in dem Moment aber auch für sie das Gleiche wie für mich die Wohnung, die ich dann doch nicht wollte. Sagte ihr Dino laut und deutlich: „Jetzt bekomm du doch erstmal ein Kind.“

Einen Job zu vergeben oder einen anzunehmen, ist ein bisschen wie tindern. Es werden, wenn man nicht gerade bei Netflix arbeitet, wo es bis zu zehn Auswahlgespräche gibt, schnelle Entscheidungen getroffen und ob man wirklich zusammenpasst, erfährt man erst nach mehreren Dates in der Realität. Ich stellte zwei Frauen ein. Mit der einen läuft die Einarbeitung wunderbar, es ruckelt sich alles gut zurecht, so wie das eben ist, wenn man sich kennenlernt. Mit der anderen ist schon wieder Schluss.

Dann ist das jetzt so.

Was mich sehr freut: Die abgeworbene Kollegin bleibt uns noch treu. Nicht mehr in Vollzeit, aber wenigstens als regelmäßige Beraterin. Es kann also zu ungeahnten Lösungen kommen, wenn man es schafft, die (Gedanken-/Ideen-)Lücke auszuhalten. Darauf: zehn Happy-Emojis. Und nur einen dicken Kackhaufen für den Abwerber. Zwinker, zwinker.

Der August wimmelte nur so von „Dann ist das jetzt so“. Wir probierten eine neue Videographin aus für ein aufwändiges Beautyvideo, das eine Vollkatastrophe wurde. Am Ende nahm unsere neue Abo-Beautykolumnistin einfach selbst ein Video mit dem iPhone auf und es ist eine der meistgeklickten Geschichten in der aktuellen Ausgabe.

Ich weiß nicht bei allem, was gerade ganz anders läuft als gedacht, sofort die Lösung. Manchmal versuch ich Zeit zu gewinnen und mich selbst zu beruhigen mit einem „Dann ist das jetzt so“.

Das heißt nicht, dass die Situation so bleibt, wie sie ist. Es kam jetzt leider noch niemand um die Ecke und hat gesagt: „So, für deinen Mut, diese großartige, maklercourtagefreie Wohnung abzusagen, weil du begriffen hast, dass du den Traum vom eigenen Haus noch nicht aufgeben kannst, belohnen wir dich jetzt mal kurz mit einem Wunder!“ Aber: Ich hab mich darangemacht, mir wieder mehr zu vertrauen und der Zukunft. Das schon alles irgendwie wird. Ich habe mich sogar mit meiner Coachfrau und Therapeutin, die ich mir letztes Jahr buchte, als hätte ich geahnt, dass 2020 ein wildes Jahr wird, darüber unterhalten. Wir haben einen „Gedanken to go“ aufgenommen, eine Minifolge meines Endlich Om-Podcasts (gibt’s jetzt hier kostenlos). Es geht darum, wie wir uns Vertrauen zurückholen für uns selbst, andere und die Zukunft.

Bei sich bleiben ist ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg zurück zum Vertrauen. Mir fällt das leichter mit Pausen, Ruhe, Yoga, einer Meditation. Doch oft fehlt die Zeit dafür, müssen die Kinder versorgt und der Lebensunterhalt verdient werden. Nur hat mir die Aktion mit der Wohnung gezeigt: Sorge ich nicht gut für mich, fühl ich mich nicht fit genug, Entscheidungen treffen zu können. Dann brüllt mich mein Dino an und wenn ich dann immer noch nicht verstehe, was los ist, entsteht Chaos. Also höre ich meinem Dino ruhig zu und habe auch einfach mal Mitgefühl mit mir.

Mein Mann fragte nämlich völlig zu Recht: „Warum schämst du dich denn so sehr, dass du wegen der Wohnung die falsche Entscheidung getroffen hast und sie jetzt rückgängig machen musst?“ – „Warum darf ich keine Fehler machen?“, fragte ich mich und meine Coachfrau. Wir kramten ein bisschen in meiner Kindheit, hoben einen alten Glaubenssatz auf, ich sagte oft „verrückt“ und nicht, dass ich jetzt ständig vermeintliche Fehler machen möchte, aber ich übe, sie nicht mehr so beängstigend zu finden.

Ich schrieb der Wohnungsbesitzerin eine E-Mail: „Ich möchte ganz ehrlich mit dir sein …“ Sie verstand die Situation und wir lösten den Vertrag auf. Ich hatte einen Fehler gemacht.

Dann ist das jetzt so.

 

Wenn ihr noch mehr dazu lesen oder hören möchtet: In unserem Endlich Ich-Abo haben wir zum Thema Fehler machen und Bewerbungen Podcasts, Therapie-Quickies, sehr gute Artikel und natürlich ganz viel Entspannung. Hier geht’s zum Abo.

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Eva 9. September 2020 um 10:51 Uhr

    Boah ja, genau, dann ist das jetzt so. Bei mir gab’s das Wunder. Für ein Haus unterschrieben, gemerkt nee nee das ist es nicht und überhaupt, da ist so viel verrutscht in den letzten Jahren, da müssen wir mal ran jetzt. Und dann boom, schwanger, einfach so nach 5 Jahren Kinderwunsch und allem drum und dran. Jetzt wäre das Haus doch eigentlich ganz nett gewesen, im Nachhinein. Aber jetzt ist es so und musste auch so, sonst hätte es niemals diesen kleinen Buben gegeben. Vielleicht, vielleicht auch nicht, wer weiß das schon. “So ist das Leben” dieser Spruch, so einfach aber so wahr

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    • Steffi 9. September 2020 um 12:02 Uhr

      @Eva: Liebe Eva, Wahnsinn, was auch bei euch los ist! Kamst du bei der Hausnummer auch so wieder raus? Und woran hast du gemerkt, ist es doch nicht. Nur, falls ich da jetzt auch reinrutschen sollte. 😉 Und HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zur Schwangerschaft, wie aufregend!! Alles Liebe, Steffi

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  3. Sandra 9. September 2020 um 13:50 Uhr

    Ganz große Liebe für diesen Text! “Das kriegen wir auch noch irgendwie hin” ist mein Mantra in diesem wilden Jahr mit erst irre viel Arbeit als Freelancerin und dann plötzlich sehr wenig (und entsprechendem Loch auf dem Konto), mit zwei Kindern im Homeschooling, der schweren Demenz meiner Mutter, dem gebrochenen Arm beim großen Kind (gerade, als alles wieder in etwas geordnetere Bahnen kam)… wenn die Wellen richtig hoch schwappen, dann bleibt mir manchmal kurz die Luft weg und die Panik kommt hoch, wie das alles werden soll. Aber meistens schaffen wir es als Familie, das beste daraus zu machen und haben dieses Jahr trotz aller Widrigkeiten wirklich viele schöne und lustige Momente miteinander gehabt. Und wir alle haben es geschafft, unsere Nische zu finden und sie auch den anderen zu lassen.

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    • Steffi 9. September 2020 um 14:00 Uhr

      @Sandra: Holy shit. Und ich weiß, was du meinst: Ich hab auch das Gefühl, meine kleine Familie, wir vier, halten immer zusammen und haben uns das “Eule findet den Beat”-Lied “Gemeinschaft macht stark” zur Hymne gemacht. Herzlich, Steffi

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  4. Ola 9. September 2020 um 13:57 Uhr

    Oh I can relate to that!
    Seit 2-3 Jahren suchen wir in HH eine Immobilie. Wir sind beide Anfang/Mitte 30, verdienen ganz gut, haben nur leider keine Mio auf dem Konto. Und Lord, die braucht man aber, wenn man etwas einigermaßen schönes in einer guten Lage hier kaufen möchte. Am Ende waren wir einfach nur frustriert, Müde von der Sucherei UND dann kam da die eine Wohnung, die im Gegensatz zu den anderen besichtigten Immobilien auch mal ganz nett war. Und dann ging alles sehr schnell, bei dem ganzen Prozess hab ich gemerkt, dass ich nicht für diese Wohnung brenne, aber ich hatte auch keine Kraft gehabt diesen Prozess zu stoppen. Irgendwann waren wi beim Notar, haben unterschrieben und danach begann die absolute Hölle für mich, weil ich alles erst danach realisiert habe. Scheiße, wir haben etwas gekauft, dass nicht gerade ideal ist für uns als Familie. So einfach kommt man aus der Nummer allerdings nicht raus. Wir werden einziehenden der Wohnung eine Chance geben. Mein Mann sagt auch zurecht: „Es ist nicht das Ende der Welt. Wir können immer noch verkaufen, vermieten oder was auch immer, aber wir machen erstmal das beste draus“! Life is not easy und aktuell ist alles etwas schwerfällig.

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  5. Sonja 9. September 2020 um 14:32 Uhr

    Hey Steffi,
    Ja, dieses astro-läuft-gerade-rückwärts-Ding hat auch bei mir zugeschlagen. Ich sitze nach einer Frühen Fehlgeburt und Not op eines Eierstock Tumors nun im Krankenhaus, hab meine beiden Söhne seit 4 Tagen nicht gesehen. Man musste mir den einen Eierstock entfernen, aber es war alles Glück im Unglück: der Spezialist vor Ort, schnelle Reaktion, selbst der vorhergegangene Abgang, denn sonst wäre der Tumor wahrscheinlich nicht gefunden worden. Eine Schwangerschaft hätte ich nicht austragen können. Aber ich bin 41. So ist es nun. Ich danke dir für deinen Text.
    Was geht im schlimmsten Fall schon schief?! Es gibt immer eine Lösung.
    Viele Grüße Sonja

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    • Steffi 9. September 2020 um 14:35 Uhr

      @Sonja: Oh man Sonja, das ist aber viel auf ein Mal. Herzliches Beileid zu deiner Fehlgeburt. Ich würde dir gern eine Freude machen, damit du nicht so allein bist im Krankenhaus mit all dem – hast du schon unser Abo? Sonst würden wir dir das mal fix einrichten als Geschenk. Herzlich, Steffi

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      • Mareike Burghardt 12. September 2020 um 13:26 Uhr

        Wow, Steffi! Das ist eine großartige Geste von dir! Das berührt mich sehr ! <3
        Liebe Sonja, ich denke an dich, auch wenn ich dich nicht kenne und wünsche dir ganz viel Kraft!
        Liebst, Mareike

  6. Kristina 9. September 2020 um 15:10 Uhr

    Hi Steffi,

    diese Ehrlichkeit ist zwar ein großer Zug, aber es braucht auch immer ein Gegenüber, dem man vertrauen kann.
    Du scheinst also etwas in den Menschen zu wecken, dass sie so ehrlich und reflektiert sein können und dürfen!

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  7. Katja 9. September 2020 um 15:14 Uhr

    Liebe Steffi, ja, so ist das jetzt. Wir sind im Lockdown umgezogen. Ich hatte die Wohnung vorher nicht gesehen; zur Besichtigung lag ich gerade im Krankenhaus nach Ohnmacht in der 23. Schwangerschaftswoche. Ich hatte mich auf die Wohnung gefreut, aber kurz nach der Geburt merkte ich, nee, das ist es nicht. Jetzt gucken wir nach etwas Eigenem. Ich fühl mich hier nicht zuhause.

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  8. Ruth 9. September 2020 um 15:20 Uhr

    „We can do hard things!“ Glennon Doyle

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  9. Rike 9. September 2020 um 15:43 Uhr

    Ich danke dir, dass du es auch so pragmatisch siehst wir haben mal ein Haus gekauft, zweieinhalb Steinwürfe vor den Toren der Stadt, alles super. Guter Grundriss, Garten mit altem Baumbestand, Grundschule in der Nähe, Familien mit Kindern links und rechts. Wir waren seelig. Bis wir eingezogen sind. Ich habe schon nach drei Wochen gemerkt: es fehlt mir, fußläufig einkaufen zu können, es fehlt mir, mit einem Kaffeebecher um den Block gehen zu gehn, ohne dass man mich komisch angeguckt. Es fehlte mir, dass es im Radius nur ein griechisches Restaurant und eine müde Pizzeria gab, aber keinen guten Bäcker. Es fehlten mir vor allem Menschen, die nicht nur „nett und freundlich“ waren, sondern auch meine(!) Wellenlänge hatten. Und es nervte mich, dass einer von uns Eltern pro Tag 70-90 Minuten im Auto saß, um in der Stadt zu arbeiten. Meine Güte, wie viel Lebenszeit damals verloren ging, die wir als Familie oder als Paar plötzlich nicht mehr hatten! Obwohl wir viel Platz plus einen Garten hatten, fühlte es sich an, als hätte ich keine Lebensqualität mehr. Ein Jahr lang haben wir gehadert. Und dann haben wir das Haus verkauft und sind in die Stadt zurück gezogen, zuerst in eine Mietwohnung, inzwischen haben wir eine Wohnung gekauft. Wir haben deutlich weniger Platz (Das Haus hatte fast 150m², jetzt sind es knapp 100) und keinen wirklichen Garten… aaaaber ich habe genau die Art von Lebensqualität, die zu mir und uns passt.
    Das ist mein Beitrag zum Thema „man kann jeden Vertrag rückgängig machen“.

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    • Steffi 9. September 2020 um 20:09 Uhr

      @Rike: Liebe Rike – Danke. Diese Art Geschichte höre ich gerade ständig. Nina hat sie ja auch schon bei uns im Abo genau so erzählt. Aber wahrscheinlich können es einem ganz viele erzählen, irgendwie muss man die Erfahrung dann doch selbst machen. Schön, dass du deinen Weg gefunden hast. Herzlich, Steffi

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  10. Kerstin 9. September 2020 um 15:49 Uhr

    Liebe Steffi, ich finde, Kierkegaard sagt es sehr treffend: Man kann das Leben nur rückwärts verstehe , aber leben muss man es vorwärts.
    Wir wollten letztes Jahr ein hübsches, vernünftiges Neubau-Reihenhaus kaufen. Beim Notartermin, zwei Wochen nach der Geburt von Kind Nr.3, habe ich festgestellt, dass es aber einfach nicht zu uns passt. Bin selbst überrascht, dass mich mein Mann nach der Nummer nicht verlassen hat… Der Rückzieher hatte zwar seinen Preis, aber ein paar Monate später haben wir dafür unser Haus gefunden. Renovierungsbedürftig, riesiger verwilderter Garten, eine Menge Arbeit. Und die beste Entscheidung (neben Mann und Kindern)! Viel Glück und bleibt euch treu!

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  11. Anna 9. September 2020 um 15:53 Uhr

    So ein toller Text. Wir haben gerade ein Haus gekauft (dank vergezogner Erbschaft) und ich dachte jetzt kann es losgehen. Ich hochschwanger wollte endlich ein Nest bauen und die Schwangerschaft genießen. Dann 3 Tage nach Übergabe haben wir entdeckt, dass das Haus einen Wasserschaden hat. Die Verkäufer wussten davon haben aber nichts gesagt. Jetzt verbringe ich die letzten Tage meiner Schwangerschaft damit mit Anwälten zu telefonieren. Naja, mal wieder die beste Lehre ehrlich mit mir zu sein und egal was los ist nicht auf das später zu warten, sondern es mir im hier und jetzt fein zu machen.

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    • Steffi 9. September 2020 um 20:14 Uhr

      @Anna: Ein Hoch auf vorgezogene Erbschaften, ich wünschte, die käme bei uns auch von irgendwoher (Heul-Emoji). Das mit dem Wasserschaden wuppste und dann wird’s ein Supernest. Alles Liebe für die letzten Tage deiner Schwangerschaft & die Geburt! Herzlich, Steffi

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  12. Anya 9. September 2020 um 17:03 Uhr

    Liebe Steffi,

    so ein großartiger Text… und auch noch zur richtigen Zeit! Wenn diese wilden, emotionalen Zeiten etwas “Gutes” an sich haben, dann vielleicht wirklich, dass wir alle ein Stückchen mehr auf unseren “inneren Dino” hören sollten. Oder, falls wir ihm nicht gleich zuhören können, zumindest uns selbst mit einem wohlwollendem “Dann ist das jetzt so!” entgegenzutreten und annehmen, was jetzt eben (Sache) ist.

    Mitten in der Corona-Krise habe ich meinen festen Job gekündigt. Bereuen tue ich diesen Schritt bisher keineswegs, auch wenn damit natürlich jetzt viel Ungewissheit verbunden ist. Ein klein wenig bereue ich nur, diesen Schritt nicht viel früher gewagt und auf mein Bauchgefühl – den Dino in mir – gehört zu haben.

    Gerade jetzt in diesen Zeiten muss ich auch immer wieder an die weisen Worte von der wunderbaren Glennon Doyle denken: “Life is brutal. But it’s also beautiful. Brutiful, I call it. Life’s brutal and beautiful are woven together so tightly that they can’t be separated. Reject the brutal, reject the beauty. So now I embrace both, and I live well and hard and real. My job is to wake up every day, say yes to life’s invitation, and let millions of women watch me get up off the floor, walk, stumble, and get back up again”.

    Stolpern, hinfallen, vielleicht sogar daraus lernen und weitergehen. Und sich sagen: “Genau, dann ist das jetzt so!”

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    • Steffi 9. September 2020 um 20:16 Uhr

      @Anya: Unsere Glennon, hach. Weißt du, dass ich mich gerade um eine Podcastaufnahme mit ihr bewerbe? Drück die Daumen, das wäre der Wahnsinn! Wahrscheinlich würde ich währenddessen in Ohnmacht fallen, aber dann ist das so. 😉 Hahahah!

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  13. Sophie 9. September 2020 um 17:12 Uhr

    Danke! für diesen heilsamen Artikel! … ganz im Sinne der Emojis

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  14. Anya 9. September 2020 um 18:21 Uhr

    Liebe Steffi, ich kann deine neue Haltung sehr gut nachvollziehen. Mir geht es ähnlich. Corona hat mich an meine Grenzen des Möglichen gebracht, das musste ich mir schmerzlich eingestehen. Da gab es sie, die tolle Stelle- unbefristet, inhaltlich anspruchsvoll, unbefristet, Teilzeit. Zur Bewerbungszeit war noch alles super organisiert – 3 Kinder 3 mal Betreuung. Was im März in Familien los war, weißt du selbst. Ende Mai dann das langersehnte Vorstellungsgespräch- immer noch 3 Kinder zu Hause. Ich hab’s verkackt, war, unkonzentriert, total erschöpft. Ich hätte ehrlicher mit mir und dem Arbeitgeber sein müssen. Sagen müssen, was zu Hause gerade los ist und was ich gerade wuppe. Hab ich nicht. Dann ist das eben so. Ich kann nicht alles. Ich kann es nicht ändern, aber daraus lernen. Liebe Grüße Anya

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    • Steffi 9. September 2020 um 20:07 Uhr

      @Anya: Sagen was ist, ist so wichtig. Dann kann einem geholfen werden. Aber weißte was: dann haste eben diese eine Sache verkackt – dann ist das jetzt so. Nächstes Mal machste es anders und immer schön alles aufzählen, was du alles richtig, richtig gut machst. Klingt nach einer Menge bei dir. Herzlich, Steffi

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  15. Imke Bloem 9. September 2020 um 18:22 Uhr

    Steffi !
    Du findest dein Haus!! Ganz bestimmt!
    Das war eine sehr schöne Geschichte!
    Hätte dich gern gedrückt, als es dir wegen der Wohnung nicht gut ging!

    Antworten
  16. Madame Bix 9. September 2020 um 19:21 Uhr

    Liebe Steffi,
    schöner Text! Dann ist das eben jetzt so…wenn ich schlaflos im Bett liege, weil ich an mir und meinen Fähigkeiten zweifle…wenn ich ein Haus kaufe, das mir wie eine Vernunftehe erscheint (viele Vorteile, aber das Gefühl fehlt), nach Jahren aber dann mich auch ein Hoch auf Vernunftehen singen lässt…wenn ich etwas verkaufen möchte, der potentielle Käufer Hunderte km anreist, und ich dann vom Verkauf zurücktrete, weil ich es nicht über mich bringe, mich von dem (geliebten) Gegenstand zu trennen…oberpeinlich und auch teuer, da ich natürlich Kosten dafür übernehme…ja, vielleicht ist auch all dies der viel gerühmte und von Leonard Cohen besungene “crack in everything” …that´s where the light get´s in…
    Ja, eigentlich wollte ich Dir mal ein Dankeschön senden, habe schon viel hier gelesen, aber dieser Text ist besonders.

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  17. Barbara 9. September 2020 um 19:22 Uhr

    Liebe Steffi
    Danke für diesen wunderbaren Text! Es geht mir ähnlich – diese Zeit hat mich voll auf mich zurückgeworfen & ich habe endlich Zeit und Raum, um auf mich zu hören. Ich spüre, wie eine Klarheit & Ehrlichkeit in mir aufsteigt und wie ich besser für mich einstehen und Grenzen setzen kann. Ich will mich beruflich verändern und merke, wie ich z. B. einfach keine Kompromisse mehr eingehen KANN, die mir nicht gut tun. Ein wenig macht es mir Angst, aber vor allem freue ich mich und bin gespannt, was kommen wird.
    Alles Liebe von Barbara

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  18. Nina 9. September 2020 um 20:47 Uhr

    Liebe Steffi,
    vielen lieben Dank für diesen Text, der mir sehr aus dem Herzen spricht.

    Wir haben auch lange ein Haus gesucht. Nicht zu weit draußen, nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Vor allem aber bezahlbar. Wir haben uns, wie Du, für die falsche Wohnung entschieden, sind jedoch eingezogen – und haben das als Antrieb genommen weiter zu suchen. 3 Jahre. Dann haben wir in Februar etwas angeschaut, das perfekt war und noch bei der Besichtigung zugesagt. Wir haben unterschrieben – zwei Wochen vor dem Lock down – und dann Wochen nicht geschlafen. Noch nie waren wir so verschuldet. Behalten wir unsere Jobs, können wir uns das Haus dann noch leisten … Was uns geholfen hat, war das Agreement, dass wir die Rolle rückwärts machen, wenn wir merken, dass uns die Angst auffrisst oder wir es nicht stemmen können. Die Angst hat sich gelegt und im November ziehen wir endlich ein.

    Darum großartig, dass Du die Whg abgesagt hast. Die Unbequemlichkeit wird dafür sorgen, dass Du nicht aufhörst zu suchen. Und iwo da draußen ist auch das perfekte Haus für Euch. Da bin ich ganz sicher. Es klopft nur nicht an Deiner Tür.

    Die Daumen sind sehr fest gedrückt.
    Alles Liebe für Euch!

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  19. Astrid 9. September 2020 um 23:32 Uhr

    Und immer immer wieder: Wenn wir auf unser Bauchgefühl hören, auf die innere Stimme, die Intuition, dann wuppen wir das alles so viel besser als wir uns anfangs zutrauen. Wir können das – vertrauen, loslegen, innehalten, Richtung wechseln, neu auspendeln.

    Danke für diesen wunderbar warmherzigen Text!

    Astrid

    Antworten
  20. Petra von FrauGenial 10. September 2020 um 13:03 Uhr

    Ich glaube ich habe noch nie so häufig lachen müssen in einem Artikel..losgeschrien, Kopfkino…und im warsten Sinne des Wortes, wirklich gefühlt wie der Dino auf einen liegt..schwer, und statt einfach dagegen anzugehen, habe ich beschlossen, den Dino mal sein Ding machen zu lassen..und nachdem der Dino mich wirklich platt gesessen hat…da geht es einem mal gar nicht sooo schlecht. Ist halt jetzt so..habe auch schon etliches bereut..aber inzwischen…lache ich darüber…wir sind ja alle nur Menschen.

    Antworten
  21. Nora 10. September 2020 um 13:26 Uhr

    Ach was für ein toller Artikel! Sowas von auf den Punkt. Er hat mir die Augen geöffnet. Mein Mann zieht mich momentan immer damit auf, dass ich meine Sätze ständig mit „ganz ehrlich…“ beginne und meint das müsse ich mir dringend wieder abgewöhnen er würde das schon übernehmen. Aber ganz ehrlich nö mache ich nicht …und das ist jetzt so und wem es nicht passt der….
    Danke

    Antworten
  22. Dany 10. September 2020 um 19:20 Uhr

    Oh Steffi, was für ein fabelhafter Blogbeitrag! Mehr als einmal habe ich gedanklich laut AMEN gebrüllt! Danke dafür.
    Auch mein Dino ist 2020 so laut wie selten zuvor und ich erarbeite mir mit einer ganz wunderbaren Frau als Coach gerade neues Wissen über mich selbst und hatte schon so viele Aha-Momente bezüglich persönlicher Verstrickungen, die sich jetzt, da sie erkannt sind, Stück für Stück zu lösen beginnen. Alles sooo so spannend.
    Dann ist das jetzt so!

    Antworten
  23. Sonja Meyer 15. September 2020 um 09:16 Uhr

    Liebe Steffi, dank Dir sehr für Dein Angebot mit dem Abo. Ich bin zum Glück jetzt wieder zuhause und zu beschäftigt 😉 Hatte es schon zweimal abonniert und komm dann doch nicht zum Lesen. Wird aber sicher auch mal wieder ein drittes Mal geben 😉
    Du findest Dein Haus! Ziehen nicht gerade nach Corona eh alle aufs Land?! In Manhatten sind die Preise auch schon um ein Drittel gesunken 🙂
    Ich wünsche Dir alles Gute!
    Sonja

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