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Nach dem Weg gefragt:

Können wir alles haben, Verena Pausder? Den Job, den wir lieben, Kinder & Zeit für uns? Mein Portrait der Powerfrau.

Text – Stefanie Luxat

Kannst du bitte noch mal deinen Text über Verena Pausder hier veröffentlichen? Eigentlich mache ich ja gerade Kannste mal-Pause, aber diese Frage bekomme ich so oft gestellt, dass ich dachte: Naaaaa gut.

Im Herbst 2018 traf ich für den She’s Mercedes Verena Pausder in Berlin. Die mittlerweile 40-Jährige spielt in der Top-Liga der digitalen Pioniere, ist dreifache Mama, erfolgreiche Unternehmerin – wer jetzt schon denkt: Na toll, wieder so eine Wonderwoman, was hat das mit meinem Leben zu tun?! Erstmal lesen. Verena ist nämlich auch nicht alles so zugeflogen, ganz im Gegenteil: Als sie eine neue Führungsposition antritt, dafür zwischen Berlin und Hamburg pendelt, gerade Kind zwei bekommen hat, verlässt sie plötzlich ihr erster Mann. Von jetzt auf gleich. Es kommt immer das Leben dazwischen, bei allem, was man tut. Die Frage ist, ob man sich davon aufhalten lässt. Verena Pausder hat es nicht.

Dieser Text von mir ist zuerst im She’s Mercedes-Newsletter erschienen. Zusammen mit  Jessica Weiß von Journelles, Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert schreibe ich regelmäßig für den Newsletter, treffe ich besondere Frauen, die ihre Geschichten und besten Tipps erzählen. Wenn ihr euch für den kostenlosen Newsletter registrieren möchtet, einfach hier klicken und anmelden.

Und jetzt: Viel Freude mit Verena Pausders Geschichte.

Es geht gleich zur Sache. „Können wir alles haben als Mütter und Berufstätige?“ ist meine erste Frage, als Verena Pausder und ich uns in ihrem Berliner Büro zum Interview treffen. Die 39-Jährige spielt beruflich in der Top-Liga der digitalen Pioniere. Ihr Steckenpferd ist die digitale Weiterbildung von Kindern. Mit ihrem Unternehmen Fox & Sheep entwickelt sie Apps für Kinder und hat es für mehrere Millionen Euro an den Spielzeughersteller HABA verkauft. Ihre Bildungsstätten die HABA Digitalwerkstätten gibt es mittlerweile deutschlandweit, aktuell arbeitet sie mit ihrem Team am weiteren Ausbau dieser Idee. Sie hat drei leibliche Kinder (1 ½, 8 & 10), ein Bonuskind (6) und ist in zweiter Ehe glücklich verheiratet. Ist es also doch möglich, alles zu haben? Verena Pausder lacht. „Die Frage stelle ich mir auch oft! Ich habe begriffen, dass mein Beruf in die Kategorie Zeit für mich fallen muss. Weil davon bleibt darüber hinaus nicht viel. Ich liebe meinen Beruf und kann die Zeit daher sehr genießen.“

Das war nicht immer so. Als Verena Pausder gerade ihren zweiten Sohn bekommen hat und beruflich für eine Führungsposition zwischen Hamburg und Berlin pendelt, verlässt sie plötzlich ihr erster Ehemann. Eines abends steht er vor ihr und verkündet, er würde jetzt sofort nach München ziehen zu seiner neuen Freundin. Ohne Vorwarnung. Es ist Freitagabend. Verena Pausder schreibt trotz Schock übers Wochenende eine Rede an ihre 60 Mitarbeiter in Berlin und versucht sie Montagfrüh zu halten. Doch außer sehr vielen Tränen und Herz zerreißendem Schluchzen bekommt sie nicht viel raus. Bis auf: „Wenn ihr mir helfen wollt, ich euch leid tue, dann macht euren Job gerade bitte einfach extra gut.“

Ihre damaligen Chefs, Szene-Größen wie Oliver Samwer, fragen sie, wie sie helfen können. Verenas Antwort: „Ich brauche zwei Monate, um alles neu zu organisieren“. Die bekommt sie.

Zum ersten Mal bittet sie Freunde und Verwandte um Hilfe.

Bei der Kinderbetreuung und dem Umzug nach Berlin. Als im Groben alles organisiert ist, geht sie eine Woche alleine in die Berge nach Südtirol, um sich selbst Zeit zum Verstehen und neu ausrichten zu geben.

Ein Jahr später lernt sie ihren heutigen Mann kennen, fünf Jahre später bekommen sie ein gemeinsames Kind und zum ersten Mal gönnt sie sich eine Elternzeit für sechs Monate. „Bei meinen ersten zwei Kindern, meinen Söhnen, bin ich noch alle vier Stunden zum Stillen nach Hause gerannt. Klingt harmlos, war aber wirklich tough.“

Nach dem Verkauf von Fox & Sheeps für mehrere Millionen Euro hätte Verena Pausder eigentlich aufhören können zu arbeiten. Eigentlich. Wäre da nicht ein ganz anderer Anspruch, der sie antreibt, abseits vom Geld: „Ich will, dass auf jedem deutschen Schulhof eine Digitalwerkstatt steht, vorher höre ich nicht auf. Ich habe noch so viel vor, es wäre eine Verschwendung, hier einfach nur rumzusitzen!“

Ihre Kinder gehen morgens früh in die Schule und Kita, nachmittags kümmern sich die Nannies, in Krankheitsfällen übernimmt gleich eine von ihnen morgens. Sie kümmern sich auch um Besorgungen, beziehen die Betten neu, machen die Wäsche, erledigen mit den Kindern die Hausaufgaben. Verena Pausder verlässt um Punkt 17.55 Uhr ihr Büro, damit sie kurz nach sechs zum Abendbrot Zuhause sein kann: „Das ist mir heilig. Das mache ich, weil ich es möchte, nicht, weil ich es muss.“

Hat sie manchmal ein schlechtes Gewissen? „Nein, hab ich tatsächlich nicht. Mein Selbstbild ist auch null, dass ich meine Kinder nicht sehe. Ich bin morgens mit ihnen zwei Stunden zusammen und abends noch mal drei Stunden, das finde ich ganz schön viel.“

Die Nannies wohnen nicht mit im Haus, morgens und auch am Wochenende oder im Urlaub sind sie nicht dabei: „Das wollen wir einfach alleine schaffen. Natürlich würden wir uns freuen, wenn Samstag jemand käme und fragen würde: „Wollt ihr mal kurz Luft holen und nichts tun?“, aber das würde zu sehr an unserem Selbstverständnis als Eltern kratzen.“

Ob sie manchmal angefeindet wird von anderen Müttern für ihr Lebensmodell, möchte ich gern von ihr wissen. „Nicht ins Gesicht, aber hintenherum bestimmt. Es trifft mich aber nicht, weil ich weiß, dass ich das für mich Richtige tue.

Ich hätte auch gar kein Problem damit, mich für eine Podiumsdiskussion zum Thema Rabenmütter auf eine Bühne zu setzen.

Mich könnte da kein Argument treffen. Ich sehe meine Kinder und bin so zufrieden damit, wie gut es ihnen geht.“

Wir treffen uns zwei Mal für dieses Gespräch und einen Videodreh. Sie zeigt mir ihr Büro – sie sitzt mit ihrem Team zusammen in einem Raum, alle haben die gleichen Tische. Großes, eigenes Angeberbüro? Fehlanzeige. Wir springen zusammen Trampolin bei ihr Zuhause im Garten – sie Pirouetten, ich versuche nur nicht runter zu fallen. Ich treffe eine ihrer Nannies, sehe wie sie das Abendbrot schon mal für die Kinder vorbereitet und wie ordentlich die ganze Wohnung ist. In der Ecke sehe ich die Fitness-Hilfsmittel für die Sporteinheiten mit dem Trainer zwei Mal die Woche. Auf einem Regal Fotos von ihr und ihrem Mann – beide sehr hübsch und strahlend. Ich muss an das Portrait über Gwyneth Paltrow in der New York Times vor kurzem denken, das international Wellen schlug. Eine Redakteurin war zu Besuch in Gwyneth vermeintlich perfekten Welt und schrieb einen humorvollen Abgleich zu ihrer. Es wäre jetzt ganz einfach, Verena Pausder in eine Schublade zu stecken und damit die hochkommenden neidischen Gefühle wegzuschieben. Oder, und das halte ich für tausend Mal schlauer, einfach zu schauen, wie man das, was einem an ihrem Lebensstil fasziniert ins eigene Leben überträgt. In dem Maß, das sich für einen selbst gut anfühlt. Und wenn man ein anderes Lebenskonzept verfolgt, das von ihr vielleicht nicht nachvollziehen kann, es nicht zu verurteilen. Sondern sie und sich selbst sein zu lassen.

Beim unserem zweiten Treffen erzähle ich Verena, dass mich unser Gespräch sehr inspiriert hat und ich mich neu aufstellen werde im Job und in der Kinderbetreuung. Sie erzählt, es habe sie fasziniert, dass ich so voll anwesend bin bei dem, was ich tue. Dass ich ihr das Gefühl gegeben hätte, es wäre nichts anderes gerade wichtig gewesen als unser Gespräch. Davon würde sie sich gern eine Scheibe abschneiden.

Am Ende des Tages sitzen wir zusammen im Auto, Verena fährt, wir sammeln ihre Familie ein, es entsteht etwas Zeitdruck und ich merke: Egal wie viel Geld man hat oder wie viele Nannies – wir kommen doch alle in die gleichen Situationen. Verenas Söhne wollen übers Wochenende nach Hamburg, ihren Patenonkel besuchen und müssen pünktlich zum Bahnhof. Ihre kleine Tochter quengelt, wenn sie nicht parallel entertaint wird, der Gatte ist mürrisch, weil ihn im Job etwas nervt, wir müssen noch mal nach Hause, weil sie den Buggy vergessen hat und dann ruft der Patenonkel auch noch an, das etwas schief geht mit dem Wochenende. Verena lacht mich an und sagt: „Der normale Wahnsinn.“ Der ganz normale Wahnsinn, wie wir ihn alle kennen.

 

3 Tipps von Verena Pausder, wie man das Mutter sein und Karriere machen unter einen Hut bekommt:

  1. Suche dir eine sehr gute Vertretung. Es ist total hilfreich, wenn man weiß, dass Zuhause jemand die Kinder betreut, der das gleiche Wertesystem hat, der einen sehr gut kennt und interessiert ist an einer langen Beziehung. Dann kann man mit einem sehr guten Gefühl ins Büro gehen. Ich selbst bin mit Au-Pairs aufgewachsen. Das war ein ständiger Wechsel, was gut war, wenn ich jemanden nicht mochte, aber furchtbar, wenn ich jemanden lieb gewonnen hatte.
  2. Finde klare Lösungen, setze nicht auf Flickenteppiche. Damit meine ich: nimm nicht eine Babysitterin, die nur mittwochs kann, dann noch für donnerstags die Nachbarin und Freitag hat noch eine Freundin Zeit. So ein Flickenteppich an Betreuung fliegt einem auf Dauer um die Ohren. Setz dich lieber ein Mal hin, überlege dir: wie will ich arbeiten und gebe für die Kinderbetreuung Geld aus. Das ist ja nicht für immer nötig, nur für die ersten Jahre.
  3. Gehe Vollzeit zurück in deinen Job. Die meisten Teilzeit-Mütter arbeiten wie eine Vollzeit-Kraft, werden nur nicht dafür bezahlt. Das möchte ich unbedingt ändern. Sonst haben die Frauen natürlich kein Geld für Kinderbetreuung und der Hund beißt sich in den Schwanz. Wenn nur Teilzeit möglich ist, investiere dein Gehalt trotzdem in Kinderbetreuung, damit du im Job am Ball bleiben kannst. Es wird sich später auszahlen.

 

Text – Stefanie Luxat

Fotos – Dennis Dirksen

30 Comments

  1. Antworten su 4. Juni 2019 um 09:55 Uhr

    Guten Morgen, alle zusammen! HAB ICH DA RICHTIG GELESEN:„Ich will, dass auf jedem deutschen Schulhof eine Digitalwerkstatt steht”??????? : o

    Ehrlich gesagt, würden mir da gaaaanz andere Dinge einfallen, die unsere Kids viel dringender brauchen, als ‘ne Digitalwerkstatt auf dem Schulhof! Wie wär’s mit einem FRÜHSTÜCK für alle (nicht selbstverständlich- bin Lehrerin…….) ! , LIEBEVOLLER Begleitung (und eher WENIGER Handy, ALEXA, Digital-Mist & Co). Wir springen da alle unkritisch auf den Zug auf…. : ( Ich plädiere für MEHR echte, zwischenmenschliche Kontakte. Digital lernen die KIDS nebenher…………………….. Schönen Tag!

    • Antworten Steffi 4. Juni 2019 um 11:00 Uhr

      @su: Guten Morgen liebe Su! Na, du bist ja on fire! 🙂 Ja, genau: Verenas Ziel ist es, dass jeder Schulhof eine Digitalwerkstatt bekommt und damit die Kinder an digitale Themen herangeführt werden. Ich bin ganz bei dir, dass die Grundbedürfnisse wie Essen, Schulmaterial etc. natürlich auch geklärt werden müssen. Ich bin aber auch sehr dafür, dass Kinder an das Thema Digital herangeführt werden. Auf genau dem hohen Niveau mit dem Verenas Team es macht. Schau dir das mal an, da geht es null darum einfach nur am Handy sinnlos rumzudaddeln. Sie lernen sich Ideen auszudenken in dem Bereich, bauen selbst kleine Roboter und bringen denen was bei, programmieren ihre eigenen Spiele. Es ist wirklich super vielfältig und spannend. Das Thema wird für unsere Kinder noch so viel wichtiger in der Zukunft. Warum sie nicht spielerisch da heranführen und ihnen zeigen, was das alles möglich macht? Du bist doch heute auch selbstverständlich im Internet auf Blogs unterwegs – vor nur zehn Jahren haben mich alle angeschaut, als ich sagte “Ich schreib ein Blog”, als sei das das absurdeste der Welt. Das war auch beim Wechsel vom Festnetztelefon aufs Handy so, das ist bei allem, was Zukunft heißt. Ich glaube, wir tun uns allen einen großen Gefallen damit, wenn wir die unterstützen, die verantwortungsbewusst visionär denken. Und genau das tut Verena Pausder. Herzliche Grüße, Steffi

  2. Antworten Frauke 4. Juni 2019 um 10:52 Uhr

    Wie kann man nur sooo giftig sein, nur weil jemand erfolgreich Geld verdient und auch noch das Leben meistert.
    “Frühstück für Alle” – was für eine Alternative – alles Gutmenschen, oder was?

    • Antworten Steffi 4. Juni 2019 um 11:02 Uhr

      @Frauke: Liebe Frauke, ich glaub Su geht es um das Wohl der Kinder. Und es gibt ja wirklich viel Quatsch im digitalen Bereich. Nur ist das, was Verena Pausder Kindern beibringt mit ihrer Digitalwerkstatt wirklich sehr schlau und pädagogisch wertvoll gemacht. Herzliche Grüße, Steffi

  3. Antworten Nina 4. Juni 2019 um 11:52 Uhr

    Ich finde es klasse was Verena beruflich macht. Das Thema ist sinnvoll und es ist super, dass sie sich so ambitioniert dafür einsetzt. Ich finde Ihre Tipps, die ganz zuletzt folgen jedoch etwas befremdlich. Und zum Glück tickt wirklich nicht jeder so wie Verena Pausder. Denn dann wären alle Kinder 90% der Zeit fremdbetreut und man fragt sich doch auch ein wenig – warum habe ich denn Kinder wenn ich die Zeit viel lieber in meinem Job verbringe? Gerade die ersten Jahre sind doch sooo etwas besonderes, da möchte ich als Eltern doch dabei sein. Die Kinder haben vermutlich einen intensiveren Kontakt zur Nanny/Au-Pair. Ich persönlich finde so etwas total schade und auch etwas traurig. Daher ist es umso besser, dass es viele Mama´s und Papa´s gibt, die vermutlich nur einen 0815-Job haben und das auch akzeptieren wenn die Kinder klein sind. Daher ist es super, wenn die Karriere eben mal einen Moment warten muss und man die Prioritäten anders setzt. Daher ist es auch super, dass es Teilzeit gibt und man selber das Kind um 14h u nicht erst um 17h aus der Kita abholen kann. Man muss meiner Meinung nach keiner Karriere hinterhecheln wenn das Kind 2,3,4,5 Jahre ist. Das bringt einen doch nur dauerhaft in Konflikt und man hat ein permanent schlechtes Gewissen, weil ich weder Kind noch Job so richtig gerecht werden kann. Daher sollte man sich gut überlegen – wen oder was liebe ich mehr (und die Antwort ist sicherlich in den meisten Fällen eindeutig) und so meine Prioritäten setzen. Und Vollzeit in Job mit kleinem Kind geht gar nicht…. (wenn man nicht muss).

    • Antworten Steffi 4. Juni 2019 um 12:25 Uhr

      @Nina: Liebe Nina, ich glaube Eltern sein lässt sich nicht pauschalisieren. Du bist mit deinem Modell glücklich, Verena ist es mit ihrem. Keins davon ist richtig oder falsch. Für mich liegt die Kunst darin, alle so leben zu lassen, wie sie es persönlich für gut empfinden. Es gibt keine Generallösung für alle. Das wäre ja auch öde! 🙂 Die drei Tipps am Ende der Geschichte sind nur Ideen für Frauen, die gern leben würden wie Verena. Oder sich ein bisschen was daraus ziehen. Sie sagt nicht: Arbeitet alle in Vollzeit. Sie sagt: Lasst euch in Vollzeit bezahlen, auch wenn ihr nur Teilzeit arbeitet. Herzliche Grüße, Steffi

  4. Antworten su 4. Juni 2019 um 12:32 Uhr

    OH, SCHÖN! DA KOMMT EINE DISKUSSION IN GANG!
    ICH GUCK MIR DAS MAL GENAUER AN, VERSPROCHEN!!!!!
    Sollte gar nicht giftig sein, nur kritisch.

    Aber: schaut euch mal in den Schulen um! Die Kids brauchen in den Pausen unbedingt mehr BEWEGUNG (das hatte ich vorhin ganz vergessen…) Sie sitzen den ganzen Tag. Ich würde wirklich gern mal berichten aus der Praxis (22 Jahre als Lehrerin an Gymnasium und Stadtteilschule und Waldorfschule – ich liebe meinen Job, aber es dringt zu wenig WAHRES aus den Schulen nach “draußen”. Ich sehe es jetzt an meiner eigenen Tochter (Gym/6.Kl), wie wichtig es ist, dass sich die Kinder bewegen und nicht nur an den Geräten sitzen) und das sie wirklich vernünftige Angebote bekommen….

  5. Antworten Steffi 4. Juni 2019 um 12:55 Uhr

    Leider wirken einige Aussagen im Interview mit Fr. Pausder nicht ganz aufrichtig und der Lebensstil dadurch unglaubwürdig. Sie berichtet z.B. davon, dass sie ihre Kinder 5 Stunden täglich sieht. Dabei macht sie morgens Sport bis sieben, wenn die Kinder noch schlafen. Wenn sie eine Schule besuchen, werden die Kinder wohl um halb acht das Haus verlassen. Das wär dann eine halbe Stunde morgens, statt wie behauptet 2. Und abends kommt sie um sechs nach Hause. Gehen die Kinder wirklich erst um neun ins Bett? Wenn sie und ihr Mann, der ja auch die Bindungsleistung übernehmen könnte, ihre Arbeit über die Beziehung zu den Kleinkindern stellen, dann sollen sie auch dazu stehen und sich die Sache nicht schön reden. So riecht es doch ein bisschen nach schlechtem Gewissen. Die Nannylösung ist bindungstheoretisch gut. So haben die Kinder wenigstens einen festen Anker. Schade, dass die Eltern nicht für wenigstens drei Jahre dieser Anker sein wollen.

  6. Antworten KK 4. Juni 2019 um 13:23 Uhr

    …und ich finde das Interview wirklich inspirierend! Schade, dass man so leicht das Lebensmodell von anderen einfach so kritisiert, nur, weil man selbst was Anderes macht! Ich kann sagen, dass in Frankreich es durchaus sehr üblich ist, dass die Mutter nach einer sogar kürzeren Babypause (oft 3 bis 6 Monate) wieder Vollzeit ins Berufsleben zurückkehrt und es ist ja eine Nation, die jetzt sagen wir so, auch nach so eine Kindheit mit Fremdbetreuung durchaus sozial fähig ist und Frauen deutlich emanzipierter und unabhängiger sind!

    • Antworten Steffi 4. Juni 2019 um 14:00 Uhr

      @KK: Liebe KK, ich bin da ganz bei dir. Ich verstehe auch nicht, warum wir Frauen uns immer so gegenseitig zerfleischen müssen für die unterschiedlichen Lebensmodelle. Warum darf denn nicht jede einfach glücklich sein mit ihrem? Es heißt doch nicht automatisch, dass es auch unseres sein muss. Oder unseres falsch ist. Was man mit all der Energie tolles bewegen könnte – irre! Herzliche Grüße, Steffi

  7. Antworten Nina 4. Juni 2019 um 13:25 Uhr

    … sie sagt “gehe in Vollzeit in deinen Job zurück”. In Vollzeit bezahlen lassen und nur Teilzeit arbeiten sagt sie nicht, das geht doch gar nicht? Du hast doch einen Arbeitsvertrag der dich dann verpflichtet von 08-17h zu arbeiten, da kannst du doch nicht einfach um 14h abbauen ;))) wo geht das denn?! Natürlich muss jeder seinen Weg finden… Aber jeder empfindet doch hoffentlich ganz viel Liebe für seine Kinder, da sollte man doch am Anfang tatsächlich einmal die Prioritäten hinterfragen. Meine Meinung.

    • Antworten Steffi 4. Juni 2019 um 14:04 Uhr

      @Nina: Liebe Nina, sie sagt: “Die meisten Teilzeit-Mütter arbeiten wie eine Vollzeit-Kraft, werden nur nicht dafür bezahlt. Das möchte ich unbedingt ändern.” Das heißt: Sie möchte, dass Teilzeitkräfte in Vollzeit bezahlt werden. Weil sie in der wenigen Zeit einen Vollzeitjob machen. Das ist doch ein großartiger Ansatz, den man angehen könnte. Oder gibt es da irgendein gutes Argument dagegen? Jedem seine Meinung, ich finde es nur so schade, dass sie hier teilweise so aggressiv vorgetragen wird. Dazu gibt es doch gar keinen Grund. Es geht doch darum, verschiedene Lebensmodelle aufzuzeigen, aber mit keiner Silbe heißt es, dass dies das richtige oder falsche ist. Wie toll wäre es, wenn wir diese Energie eher nutzen würden, etwas zu verändern als Frauen anzugehen, die für zB bessere Bezahlung von anderen Frauen kämpfen möchten?

  8. Antworten Lisa 4. Juni 2019 um 13:56 Uhr

    Liebe Leute,

    Verena hat Ihren Weg gefunden. Sie ist glücklich. Das ist für ihre Kinder mit Sicherheit das wichtigste: Eine zufriedene Mama, die ihnen vorlebt dass sie ihren ganz eigenen Weg finden können, dürfen und sollen.
    Warum können wir Mamas uns nicht einfach unvoreingenommen unterstützen?
    Egal wie wir es machen, wir werden zur Rechtfertigung gezwungen – von uns gegenseitig.

    Die kritische, inhaltliche Diskussion zum Thema Kinder und Medien finde ich toll und wichtig und spannend.
    Aber bitte: Lasst doch jede es so machen, wie sie mag. Ich ziehe viel aus diesem Interview, nämlich den Mut den eigenen Weg zu gehen.

    Zum Thema Teilzeit arbeiten Vollzeit bezahlen lassen: Ich denke, dass ist tatsächlich nicht in jeder Branche möglich. Der Punkt ist auch eher: Sei dir deines Wertes bewusst!!

  9. Antworten Marion Stukenbrock 4. Juni 2019 um 14:00 Uhr

    1950 haben wir darum gekämpft, ohne die Erlaubnis des Ehemannes arbeiten zu gehen und heute sind
    wir immer noch nicht so weit, uns solidarisch zu benehmen. Karrieremütter müssen sich als Rabenmütter beschimpfen lassen und Mütter, dir arbeiten müssen, werden mitleidig angeschaut. So lange Beides nicht selbstverständlich ist, werden wir Frauen nicht gleichberechtigt behandelt werden. Vielen Dank, liebe Steffi, das du beiden Seiten Gelegenheit gibst, hier ihren Alltag mit Arbeit und Kindern zu berichten.
    Liebe Grüße Marion
    PS.: Ich bin 68 Jahre alt, habe 3 Kinder und bin 35 Jahre selbständig

  10. Antworten Sonya 4. Juni 2019 um 14:33 Uhr

    Danke für diesen Bericht aus Verenas (Berufs-)Leben. Sehr spannend und inspirierend, auch und gerade, weil ich persönlich ein anderes (Teilzeit-)Modell lebe. Bei ihren drei Tipps am Ende war mir beim Lesen auch nicht klar, dass diese vor allem für Frauen gelten sollen, die Verenas Lebens- und Berufsmodell anstreben und fand es beim ersten Durchlesen auch etwas irritierend, den Tipp zu bekommen in Vollzeit zu arbeiten. Ich finde es toll, wenn Frauen das machen und bin auch überzeugt davon, dass unsere Gesellschaft Voll-Berufstätige Mütter braucht aber auch Teilzeit-Mütter oder, gerade bei kleinen Kindern, nicht arbeitende Mütter. Ich lese bei Dir Steffi, auch gerne jedes Mal die Beispielwochen von Frauen, fände es aber auch mal spannend, neben den Wochen der Super-Power-Working Mums zu lesen, wie eine Woche bei einer Mutter aussieht, die die Kinderbetreuung nicht abgeben möchte, Haushalt, Einkauf und Essenszubereitung selbst in der Hand hat.

  11. Antworten Insa 4. Juni 2019 um 14:55 Uhr

    Liebe Verena, liebe Steffi,
    Das ist das tollste und inspirierendste was ich seit langem gelesen habe. Endlich nicht so ein: klar ist alles easy interview und auch keins bei dem die Berufswelt verteufelt wird. Ganz toll! Ich bin gerade nach dem zweiten Kind zurück in die Corporate Welt, als Abteilungsleiterin in Teilzeit. Das Interview tat gut!
    Liebe Grüße Insa

  12. Antworten Mareike 4. Juni 2019 um 15:03 Uhr

    Ich lese sehr gerne etwas über die Lebensrealitäten von Frauen, die etwa im gleichen Alter sind wie ich; gerade auch dann, wenn deren Leben ziemlich anders ist als meines. Deshalb habe ich mich über diesen Artikel sehr gefreut.

    Mich stört allerdings die Frage, ob man „alles haben kann“. Nein, natürlich nicht; und warum sollte man auch? Es mag perfekte Momente geben, nicht aber das perfekte Leben. Vor allem für die vielen Frauen, die in ganz normalen Berufen mehr oder weniger durchschnittlich verdienen und Familie haben, lautet die Frage doch viel eher: „Wie bekomme ich unter Berücksichtigung aller Faktoren eine für mich und meine Familie einigermaßen stimmige Lösung hin, hinter der ich trotz einiger Kompromisse gut stehen kann?“

    Richtig, Frauen sollten sich gegenseitig unterstützen. Deshalb finde ich es auch schwierig, wenn Frau Pausder hier aus ihrer subjektiven Perspektive heraus Ratschläge gibt. Für sie und ihr Familienmodell mögen sich diese Vorgehensweisen bewährt haben – für viele andere Frauen sind sie aber eben vielleicht nicht umsetzbar, finanzierbar oder mit den persönlichen Wertvorstellungen vereinbar.

  13. Antworten Verena 4. Juni 2019 um 15:28 Uhr

    Liebe Steffi,

    wie schön, dass ich auf deinem Blog zu Gast sein darf! Es war so ein besonderer Tag, den ich mit dir verbringen durfte und deine warme, interessierte, neidfreie, ehrliche und herzliche Art wirkt bis heute nach. Immer wenn ich irgendwo irgendwas über oder von dir lese bin ich glücklich und stolz dich zu kennen.
    Unser Interview ist ja schon fast ein halbes Jahr her und so habe ich es eben nochmal gelesen. Es ist sehr ehrlich und persönlich und natürlich mache ich mich angreifbar, wenn ich andere Menschen an meinem Leben teilhaben lasse, die mich gar nicht kennen. Aber nur dann entsteht auch Reibung, Diskussion, Zustimmung, Ablehnung und Menschen bilden sich eine Meinung und äußern diese im Idealfall auch. Ich liebe es wenn solche Diskussionen entstehen. Denn aus meiner Sicht ist es so, wie Steffi schreibt. Es gibt kein richtig und falsch, ob Mütter mit Kindern Vollzeit, Teilzeit oder gar nicht arbeiten sollten, nicht “das Modell” wie man Kinder und Beruf verbindet oder den Tipp wie man es machen sollte. Zum Glück nicht! Und es heißt auch nicht, dass wenn man einen Weg geht, man den nie mehr ändern oder verlassen darf. Das macht die Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebensmodellen für mich so spannend.
    Und deswegen ist mein Weg kein Aufruf es mir nachzumachen, sondern die Beschreibung und Erfahrung eines möglichen Weges. In der Hoffnung, dass junge Frauen, die einen ähnlichen Weg gehen wollen, Mut fassen, dass er möglich ist. Das ist meine Motivation meine Geschichte zu teilen.
    Lieben Gruß, Verena

  14. Antworten Ines 4. Juni 2019 um 17:48 Uhr

    Liebe Verena… (u Steffi natürlich)
    danke dass du dies tust und danke für deinen Mut…und danke dass du Steffis wiederholende Plädoyers unterstützt.
    Wirklich schade, dass manchmal einer nicht erkennt, dass du eben NIEMAND rätst es so zu tun wie du, sondern Vorschläge machst. Andererseits aber genau die nicht- oder wenig- arbeitenden Mütter ihren Weg als den richtigen sehen und oft sofort Mitleid (?) mit den armen Kindern der anderen entwickeln.
    Kann man den Grad des Glücklichseins oder womöglich sogar etwa die spätere “Lebensleistung” eines Kindes an der Anzahl der Stunden, die die Mutter arbeitet, messen? Definitiv nicht… Ich gehöre nämlich zu keiner von beiden Gruppen aber auch ich habe schon sehr viele Kinder in meinen Klassenzimmern kennengelernt (… ohje noch eine;-)

  15. Antworten Katharina 4. Juni 2019 um 19:31 Uhr

    Ich finde die Geschichten über verschiedene Lebensmodelle wunderbar und nehme immer etwas daraus mit. Ich kann verstehen, dass Verenas Lebensmodell bei manchen vielleicht auf Unverständnis stößt – zumindest liest man das aus einigen Kommentaren ein wenig heraus. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es einfach so unglaublich viele Möglichkeiten gibt, was Familienleben und Vereinbarkeit angeht. Das hängt von den Berufen ab, von den Betreuungsmöglichkeiten, von den Wünschen und Bedürfnissen der Eltern und Kinder, von den Finanzen. Ich habe vor der Geburt meiner beiden Kinder Eltern nicht verstanden, die ihre Kinder mit einem Jahr in die Betreuung geben (Fremdbetreuung finde ich übrigens einen sehr negativen Begriff. Die Tagesmütter und Erzieher sind ja sehr enge Bezugspersonen der Kinder und keine Fremden). Mittlerweile sehe ich das etwas anders – nicht etwa, weil meine Kinder so schlimm sind, sondern weil ich einfach nicht glücklich war, nur in der Mutterrolle. Ich liebe meine Arbeit und bin so viel entspannter und ausgeglichener in der Zeit mit meinen Kindern. Oh Mann, ja, das klingt so platt und haben auch schon so viele gesagt. Aber es ist so!
    Aber eine noch wichtigere Erkenntnis ist: Das muss nicht bei jedem so sein! Jedes Leben ist anders. Und Umstände und Situationen ändern sich. Manchmal fühlt es sich richtig an, nach dem ersten Kind zwei Jahre Elternzeit zu nehmen, nach dem zweiten möchte man dann vielleicht schnell wieder zurück ins Berufsleben. Lasst uns doch alle das für uns beste Modell leben. Lasst uns von anderen lernen und unsere Kinder mit so viel Liebe wie möglich aufwachsen.

  16. Antworten Tine 4. Juni 2019 um 19:36 Uhr

    Vielen lieben Dank für das motivierende, ehrliche Interview! Es ist ein schönes Beispiel für einen von vielen möglichen Wegen. Es hat mich sehr zum Nachdenken angeregt, danke!

  17. Antworten ChristinaInAustralien 5. Juni 2019 um 04:22 Uhr

    Wow, hier ist ja was los. Als Uni-Dozentin kann ich sagen: es ist wirklich wichtig, jungen Menschen den Umgang mit der digitalen Welt beizubringen und gefährlich zu vermuten, das würde sich so nebenbei regeln. Wieso sollte es? Wir nehmen uns doch auch bewusst Zeit zum Vorlesen und Geschichtenerzählen, anstatt darauf zu warten, dass der Nachwuchs sich irgendwann ganz von allein einen Bibliotheksausweis wünscht oder den Goethe aus der Schrankwand holt.

    Wir hatten noch nie soviele Informationen zur Verfügung wie heute, und noch nie war es so leicht, diese zu manipulieren oder mit Lügen und Halbwissen durchzukommen (Hallo, Herr Trump!). Was haben die Engländer nach der Brexit Entscheidung am meisten gegoogelt? EU. Unsere Historiker bekommen regelmässig Aufsätze von Studierenden, die es einfach nicht merken, wenn sie ihre Informationen zum 2. Weltkrieg von einer rechts-radikalen Seite bezogen haben. Dem digitalen Analphabetentum ist also schonmal was entgegenzusetzen, und der gesunde Umgang mit dem, was da auf den verschiedenen Bildschirmen so rumflackert (inkl. anderer Lebenswelten!), ist doch superwichtig.

  18. Antworten lea 5. Juni 2019 um 10:54 Uhr

    Danke für das tolle Interview; was mich nur mehr als traurig und wütend stimmt, sind viele der Kommentare: warum müssen wir als Frauen immer verurteilen und andere Wege negativ be- und vor allem verurteilen? Warum können wir untereinander nicht toleranter sein? Im Übrigen: kein Mann müsste sich dafür rechtfertigen, wenn er “nur” den Vormittag und ab 18 Uhr Zeit mit seinen Kindern verbringt. Viel wichtiger als alles andere: eine liebende, zufriedene Mama. Und genauso wirkt Verena Pausder auf mich: glücklich und strahlend.

  19. Antworten Ulrike 5. Juni 2019 um 21:17 Uhr

    Danke für das inspirierende Interview! Es ist toll und wichtig, über verschiedene Lebensmodelle zu lesen, es zeigt eben, dass jede Frau, jede Mutter, jede Familie anders ist und eine andere Definition von einem zufriedenen Leben hat. Ich bewundere Verenas Kraft und Ausstrahlung und werde gerne einiges aus dem Text als Denkanstoß nehmen! Ich finde, es gibt eine tolle Mischung an sehr verschiedenen Lebensentwürfen auf Deinen Blog, Steffi, gerne mehr davon!

  20. Antworten Silvia 6. Juni 2019 um 12:05 Uhr

    Können wir alles haben? Nein, das ist rein tatsächlich nicht möglich. Wir können aber mehr haben als wir uns vorstellen, wenn wir uns trauen und uns nicht um die Urteile der lieben Mitmenschen scheren. Insofern finde ich das Interview bereichernd, auch wenn ich persönlich nicht tauschen würde.

  21. Antworten Ulrike 11. Juni 2019 um 09:55 Uhr

    Verena ist eine schlaue und umtriebige Frau, die Deutschland garantiert weiterbringt und immer wieder zum Nachdenken anregt. Sie ist aber auch ihre eigene Chefin und hat mehr Freiheiten, was die “Regeln” betrifft.
    Liebe Steffi: Wir sind ja für mehr wirkliche Realität. Ich würde mich über Portraits von Frauen / Familien freuen, in welchen ich mich als “Normalo” wiederfinde – ohne das Geld eines Exits für Nannies und Putzfrauen – so im ganz normalen Wahnsinn. Ich mag mein zu Hause auch nicht mit einem Au Pair teilen etc. Ich arbeite 30h/h Woche, habe 2 tolle Kinder, mein Mann hilft, wir verdienen beide genug – trotzdem erschlägt uns der Alltag und meine / Paar-Interessen fallen immer hinten runter. Ich brauchen Inspirationen, wie andere Frauen das machen: sagt man Elternabende einfach ab? Nimmt man monatliche “Haushaltstage” . Was sind die life-hacks anderer Frauen der, sagen wir mal, 2.Reihe – die Mitarbeiterinnen von Verena oder Lea Sophie, gern in Führungsrollen aber eben nicht ganz oben. Weisst du was ich meine? Liebe Grüße aus Berlin

  22. Antworten Cornelia 12. Juni 2019 um 20:25 Uhr

    Liebe Ulrike, das fände ich auch wunderbar. Ich arbeite ebenso wie mein Mann Teilzeit, wir versuche wirklich alles fifty fifty zu teilen aber als Logopädin fehlen mir schlicht die finanziellen Möglichkeiten eine Nanny einzustellen, in Eigentum zu investieren oder mein Geld für mich arbeiten zu lassen. (Hände hoch wer 150 Euro zahlen würde für die beste Logopädin der Welt! Vielleicht entgeht mir da ja was?!?) Wie geht es all den “Normalos” da draußen, kracht euch auch manchmal die Decke auf den Kopf? Habt ihr Angst vor der Zukunft? Schüchtert euch der Wille zum Erfolg, die Idee alles haben zu können, ja zu müssen gar, auch manchmal ein? Ich danke dir Steffi für diesen tollen Ort, die vielen Inspirationen und den Tritt in den Hintern ab und an. Manchmal bin ich unsicher ob “normal” sein ausreicht, ob man sich einfach nur mehr anstrengen muss? Oder ob es einfach manchmal zu viel sein darf!

  23. Antworten Soo-Hyun 17. Juni 2019 um 00:03 Uhr

    Danke, Steffi, dass Du so offen darüber schreibst, wie auch Du beim Anblick eines von außen hin so perfekten Lebens mit Neidgefühlen ringst und wie Du damit umgehst. Ich habe irgendwo mal gehört, dass uns Eifersucht und Neid den Weg weisen können, wovon wir gerne mehr hätten. Manchmal glaube ich aber, dass wir uns erst einmal darüber klar werden müssen, was genau in uns diese Emotionen auslöst. Ist es der Wohlstand, die großartige Unterstützung im Alltag, das unfassbare Glück einen solch tollen Job zu haben, die Belohnung für die harte Arbeit, die dahinter steht, der Luxus Vollzeit zu arbeiten, die Anerkennung und die eigene persönliche Erfüllung durch ein solch facettenreiches Leben, diese bewundernswerte Zufriedenheit mit den eigenen Lebensentscheidungen, … Dann ist Neid vielleicht nur ein erster Sensor dafür, dass wir in unserem eigenen Leben nach etwas suchen, das wir noch nicht gefunden haben. Und der Weg dorthin ist sehr wahrscheinlich schwerer, als nur ein anderes Lebensmodell zu kritisieren, sondern erfordert ehrliche, harte Arbeit in uns selbst. Wenn wir uns dann klarer darüber sind, was wir möchten und was wir brauchen, fällt es uns vielleicht auch leichter, uns gegenseitig zu unterstützen und uns über die Erfolge der anderen zu freuen, denn sie sind alle Meilensteine auf dem Weg zu einer Zukunft, in der wir Frauen auch wirklich das haben können, was wir möchten, ohne uns von irgend jemandem vorschreiben zu lassen, wie dies aussehen soll.
    Wie schön, dass Verena diese Klarheit schon erreicht hat, auch wenn ich mich frage, mit welchen Hürden oder Zweifeln sie heute vielleicht noch zu kämpfen hat. Ich finde es jedenfalls wunderbar, dass sie mit sich so im Reinen ist, echt toll.

  24. Antworten Birte Falch 4. September 2019 um 17:07 Uhr

    Dieser Beitrag ist zwar schon eine Weile her, trotzdem würde ich gerne dazu kommentieren.
    Ich habe lange über die Tipps von Verena Pausder nachgedacht und kann sie eigentlich auch alle so bestätigen, bzw. lebe sie selber zum Teil so. Dennoch finde ich es schade, dass sie notwendig sind.
    Als Head of Diversity eines internationalen Energieunternehmens habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt und habe festgestellt, dass die Deutsche Gesellschaft und Unternehmenskultur weitestgehend verlangt, dass Mütter, oder auch Väter so arbeiten, als wäre in den Familien noch eine klassische Rollenverteilung vorhanden. Das heißt, dass einer im Hintergrund ist, der dem anderen den Rücken frei hält. Meistens sind dies die Frauen, die daher beruflich kürzer treten. In den Fällen, wo Mütter „Karriere machen“, habe ich oft gesehen, dass diese Männer hatten die dann beruflich mehr Rücksicht auf die Familie nehmen konnten. Und wenn in beiden Fällen, also Mutter und Vater, Karriere machen, dann werden Haushaltshilfen und Kindermädchen angestellt wo finanziell möglich, oder Familien in den Burnout getrieben.

    Verena Pausder hat recht, wenn beide Vollzeit arbeiten, und man als Familie nicht zusammenbrechen will, ist eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung unerlässlich. Jemand der mitbekommt was in Kita oder Schule los ist, die Kinder im Krankheitsfall liebevoll betreut, erziehen kann und überhaupt so „arbeitet“ wie sich die Eltern das vorstellen. Aber das kostet nicht gerade wenig Geld. Und hier kommt der erste Punkt, den ich an dem Konzept schwierig finde.

    Die wenigsten Familien können sich die notwendige Familienunterstützung finanziell leisten, besonders da gerade am Anfang und in der Mitte einer Karriere von Unternehmen der volle Einsatz verlangt wird. Denn den muss man ja erstmal bringen, bevor man in die notwendige Gehaltsklasse aufsteigen kann. Wenn man also mal kritisch schaut, welche Mütter beeindruckende Karrieren trotz mehrerer Kinder schaffen, dann sind es meist die, die schon von Haus aus finanziell gut dastehen. In der Zeit war neulich ein Artikel veröffentlicht (den Link muss ich nochmal suchen), der Statistiken aufzeigte wie zunehmend Familien in Deutschland Geld ausgeben, um ihr volles Leben handeln zu können. Dazu zählt die Putzfrau, das Kindermädchen, der Gärtner, der Paketzusteller, der Essenslieferant usw. Der Artikel wies darauf hin, dass dies zur Spaltung der Gesellschaft und sozialer Ungleichheit beiträgt. Es gibt die, die sich diese Hilfe leisten können, die die ohne auskommen müssen und die, bedenklich anwachsende Zahl von Menschen, die diese Dienstleistungen anbieten.

    Es kann kein nachhaltiges Model sein, dass Mütter nur in verantwortungsvolle Entscheiderpositionen gelangen, wenn sie die finanziellen Ressourcen aufbringen, um ihre Familie unter der Woche weitestgehend „outzusourcen“. Damit fördert eine Gesellschaft ein Entscheiderschicht der Elite.

    Der zweite Punkt, den ich hier kritisch sehe und auch dieser wurde in dem besagten Zeit Artikel beleuchtet – Umfragen haben gezeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen lieber weniger verdienen würde und sich dafür mehr selber um ihre Familien kümmern würde.
    Wir werden nicht die notwendige Vielfalt in unseren Unternehmen und in der Politik erreichen (jetzt mal vorausgesetzt, dass wir alle davon überzeugt sind, dass Vielfalt einen Mehrwert schafft), wenn wir diesen Trend nicht erkennen. Selbst jetzt gibt es große Unternehmen wie Siemens und SAP, die ihre klassische Führungskultur überdenken wollen, da sie gemerkt haben, dass sie nicht nur ein Problem haben Frauen für Führungskarrieren zu gewinnen, sondern die jüngeren Generationen allgemein. Und letztlich geht es doch darum, dass man die besten Talente für sein Unternehmen und sein Management gewinnen will und nicht nur die, die sich die klassische Präsenz im Unternehmen leisten können und wollen.

    Meiner Meinung nach brauchen wir eine Gesellschaft und eine Unternehmenswirklichkeit die mehr Raum für Familie lässt, zB in dem eine gleichwertigere Aufgabenverteilung zwischen Eltern gefördert wird, aber auch Unternehmen eine größere Akzeptanz für Familienbelange zeigen, zb. in dem Meetings nach 16 Uhr Ausnahmen sind (Beispiel Norwegen) oder home office auch von Führungskräften vorgelebt wird. Viele Unternehmen sind hier zumindest in ihrer Kommunikation nach außen auf dem richtigen Weg, angespornt vom „hunt for talents“.

    Was ich mir aber wirklich sehr wünschen würde, ist dass Frauen wie Verena Pausder, die in der Deutschen Wirtschaft eine Stimme und eine besondere Rolle als Vorbild haben, ihre Stellung nutzen, um ein Umdenken in der Deutschen Unternehmenskultur zu bewirken.

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  • Können wir alles haben, Verena Pausder? Den Job, den wir lieben, Kinder & Zeit für uns? Mein Portrait der Powerfrau.

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