Wonach ist dir heute?

Wenn du diesen Artikel liest, hast du schon viel geschafft: Du stellst dich deiner Scham, doch nicht so viel zum Thema Rassismus zu wissen, wie du immer dachtest. Das habe ich auch hinter mir. Und damit tun wir etwas, das schon längst fällig gewesen wäre, aber immerhin jetzt geschieht.

Jetzt wird’s aber noch mal unangenehm: Wenn ich eins in den letzten Woche begriffen habe, dann – wir müssen uns als weiße, privilegierte Menschen endlich unsere Abwehrmechanismen zum Thema Rassismus anschauen. Die Scham und das schlechte Gewissen aushalten und unsere Kartons packen, um endlich aus unserem Happyland auszuziehen. Den Ort verlassen, an dem wir wohnen, bevor wir uns wirklich bewusst mit Rassismus beschäftigen. Und keine Sorge, das heißt nicht, dass wir für den Rest unseres Lebens unhappy sein müssen. Aber es heißt, dass wir uns unangenehmen Hausaufgaben stellen müssen:

Der Begriff Happyland stammt von einem Teilnehmer aus einem Workshop der Antidiskriminierungstrainerin und „Excit Racism“-Autorin Tupoka Ogette: „Frau Ogette, ich habe das Gefühl, vierzig Jahre meines Lebens im ‚Happyland‘ gelebt zu haben“, sagte der Manager eines großen Kommunikationsunternehmens am Ende ihres Workshops. „Und Sie haben mich jetzt da rausgeschubst. Es fühlt sich an, als wäre ein Tornado durch meinen Kopf geweht.“

 

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Wer anfängt, sich wirklich mit dem Thema Rassismus zu beschäftigen und seine Selbstverteidigung („Ich bin kein Rassist!“, „Ich hab doch Schwarze Freunde/Verwandte“, „Ich stell nicht so bekloppte Fragen wie ‚Woher kommst du?‘ etc.) zur Seite legt, wird verschiedene emotionale Phasen durchlaufen. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Tupoka Ogette stellt in ihrem Buch „Excit Racism“ fünf Phasen vor, durch die alle gehen, die wirklich nachhaltig rassismuskritisch denken lernen wollen. Die Sätze in Klammern haben mir gezeigt, auch bei mir gibt es noch Umzugskartons zu packen:

  1. Das Happyland („Dir ist es viel wichtiger, als nicht rassistisch angesehen zu werden, als dich tatsächlich auf ein Gespräch über Rassismus einzulassen.“)
  2. Die Abwehr („Du hast überhaupt nicht das Gefühl, dass Rassismus irgendetwas mit dir zu tun hat, deine Ablehnung von Rassismus muss reichen.“)
  3. Die Scham („Du hast ein schlechtes Gewissen, weil du erkennst, dass du bestimmte Situationen, Zustände, Dinge nicht mitbekommen hast.)
  4. Die Schuld („Du erinnerst dich an Momente und Situationen, in denen du rassistisch agiert hast oder Rassismus nicht sehen wolltest, und du fühlst dich dafür schuldig.“)
  5. Die Anerkennung („Du hast erkannt, an welchen Stellen Rassismus ein System und keine individuelle schlechte Tat ist und dass die Anerkennung dieses Systems und deiner Positionierung innerhalb dieses Systems ein wichtiger Teil und dein Beitrag dafür sind, Rassismus als System zu dekonstruieren.“)

Tupoka Ogettes Buch ist im Juli 2019 im Unrast-Verlag erschienen und mein schlechtes Gewissen und ich können uns nicht erklären, warum ich es nicht sofort nach Erscheinen gelesen habe, sondern erst jetzt. Für mich ist es ein Buch, das einem erklärt, dass es nicht um Vorwürfe geht, sondern darum: endlich zu verstehen. Es gibt einen strukturellen Rassismus weltweit, nicht nur in Amerika, auch in Deutschland, auf der ganzen Welt und den können wir nur gemeinsam aufbrechen. Oder wie Meghan Markle es vergangene Woche in ihrer Rede an die Absolventen der Immaculate Heart High School sagte: „I am so sorry that you have to grow up in a world where this is still present. (…) That we have not gotten the world to the place that you deserve it to be. (…) We are going to rebuild and rebuild and rebuild until it is rebuilt.“


Eine schwarze Kachel im Instagram-Feed am #blackouttuesday nach der Ermordung von George Floyd durch amerikanische Polizisten gepostet zu haben ist ein Anfang, wenn es nicht nur ein „Sure shot für likes“ war, wie Jasmina Kuhnke es in ihrem Instagram-Kanal quattromilf nannte und deshalb keinen postete. Büchertipps zum Thema Rassismus weitergegeben zu haben oder Empfehlungen, welchen Aktivisten man jetzt folgen sollte – ja, auch gut, habe ich auch gemacht, aber wir müssen die Bücher auch selbst lesen und noch wichtiger: umsetzen, was darin steht, und nachhaltig umdenken.

Wir müssen nicht nur aus dem Happyland ausziehen, sondern draußen in der neuen Welt unsere Hausaufgaben machen. Nicht auf Schwarze Menschen und People of Colour die Bildungsarbeit abwälzen, sondern so schnell wie möglich nachholen, was wir verpasst haben, auf unsere Sprache achten (Lesetipp: Kübra Gümüsays Buch „Sprache und Sein“), Begriffe parat haben (hier gibt’s eine Übersicht von Tarik Tesfu), uns kontinuierlich informieren und denen, die diskriminiert werden, zur Seite stehen. Und, wenn nötig und von ihnen gewollt, uns sogar vor sie stellen.

 

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Ich schreibe extra „wir“, weil auch ich wie erwähnt mich überprüfen und viel dazulernen muss, und ich weiß, dass dieses Thema nicht nur dich und mich, sondern auch viele meiner Freunde, meine Familie – einfach sehr viele Menschen betrifft. Vor allem die, die denken: „Ich? Rassist? Niemals!“ Auch die, die wie wir Schwarze Freunde oder auch POC-Familienangehörige haben. „Ich weiß noch, wie deine Cousine N. aus Venezuela als Zweijährige zu Besuch war, sie bei uns im Dorf angestarrt wurde und mich alle paar Meter jemand fragte, ob man sie mal anfassen dürfe“, erzählte mir meine Mutter gestern. Was meine Mutter natürlich lautstark verneinte und das verängstigte Kind nach Hause brachte. Das war Anfang der Achtziger. Nur zwei Jahrzehnte früher, genauer im Jahr 1958, gab es aber tatsächlich genau das noch: einen Human Zoo auf der Messe in Brüssel. Es wurden Menschen aus dem Kongo ausgestellt in Gehegen, damit Weiße sie sich anschauen konnten. Das war keine Seltenheit im Westen, schreibt der Guardian, noch etwas früher gab es das Gleiche in London, Paris, Oslo und, da wird mir noch mal extraübel: in Hamburg.

Warum habe ich mich, obwohl mir das Thema sogar familiär so nah ist, nicht noch detaillierter damit beschäftigt? Warum muss ich gerade – wie viele andere auch – peinlich berührt dazulernen, dass wir (ungewollt) Rassismus reproduzieren mit Sätzen wie „Ich mache keine Unterschiede, für mich sind alle Menschen gleich“. Das ist vielleicht nett gemeint, wird aber vollkommen zu Recht wahrgenommen als Leugnen von Rassismus. Als würden wir nicht sehen wollen, den Alltagsrassismus, die Lebensrealität der Betroffenen.

„Solche Aussagen zeigen, was für ein Privileg es ist, als weißer Mensch durchs Leben zu hüpfen“,

schreibt Tarik Tesfu auf Vogue.de. Und weiter: „Wenn ich in einem Zug als einzige Person von Polizist*innen nach meinem Ausweis gefragt werde, dann ist das Racial Profiling (eigentlich in Deutschland verboten) und eine Form von strukturellem Rassismus. Weil ich eben nicht kontrolliert werde, weil ich mich daneben benommen habe, denn meistens schaue ich vorher einfach nur aus dem Fenster, sondern weil davon ausgegangen wird (und das von einer staatlichen Instanz), dass ich aufgrund meiner Hautfarbe illegal in Deutschland bin oder Drogen im Portemonnaie haben könnte. Was man halt so macht, wenn man Schwarz ist.“

 

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„Wir brauchen eure Unterstützung“, sagt die Aktivistin und Grünen-Politikerin Aminata Touré in ihren Instagram-Storys diese Woche. „Ihr müsst euch, auch wenn ihr nicht von Rassismus betroffen seid, verdammt noch mal positionieren. Auch in den Situationen, in denen keine People of Colour-Person anwesend ist, aber der Onkel oder eine Kollegin was raushaut. (…) Damit wir die Arbeit nicht alleine machen müssen.“

Was mir auch jetzt noch mal richtig bewusst geworden ist: Egal wie müde wir aktuell von unserem eigenen Leben sind. K.o. von den letzten Wochen, der zusätzlichen Belastung in der Coronakrise – was auch immer. Es gibt keine Ausreden, sich jetzt nicht zu positionieren und zu überlegen, wie wir nachhaltig etwas verändern können. In unseren eigenen Familien, Freundeskreisen, dem großen Ganzen. Weil: Natürlich haben wir unseren gefühlt eh schon so vollen und anstrengenden Alltag und unsere eigenen großen Themen, aber unser Alltag ist immer noch um einiges einfacher dank weißer Privilegien, weil wir nicht wie Aminata Touré, Tupoka Ogette, Tarik Tesfu und so viele andere täglich von Andersdenkenden beschimpft und bedroht werden. Weil wir uns nicht um unsere Sicherheit und die unserer Kinder fürchten müssen, weil wir nicht unter Alltagsrassismus und Traumata zu dem Thema leiden – unter Racial-Stress. Unsere Kinder müssen nicht wie der Sohn von Tsepo Bollwinkel, der genau wie mein Sohn in Deutschland geboren ist und Deutsch als Muttersprache spricht, einen „Deutsch als Zweitsprache“-Test machen, wie ich in „Exit Racism“ lernte. Das ist, so lautet auch die familieninterne Bewertung bei Bollwinkels: „Rassistische Kackscheiße“.

Zu Recht gibt es Buchtitel wie „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters und „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ von Reni Eddo-Lodge. Weil sie müde sind, unsere Erklärbären zu sein.

Unsere Erwartung kann nicht sein, alles mundgerecht angereicht zu bekommen.

Es ist alles da, wir können es uns selbst raussuchen, lesen und verstehen. Es sind jetzt unsere Hausaufgaben, die wir uns eigenständig anschauen und erledigen müssen. Das habe ich jetzt auch noch mal richtig begriffen.

Auch unser Redaktionsteam für OhhhMhhh.de ist in einem großen Lernprozess aktuell, obwohl wir bereits regelmäßig Schwarze Frauen und Männer und People of Colour vorstellen, sei es der Podcast mit Aminata Belli im Abo Mitte 2019, Chris Glass bei Endlich Om Anfang 2019, die Tipps von Alice Hasters im Abo, Aminata Touré aufm Blog und bei Instagram , „When they see us“-Regisseurin Ava DuVernay, die Bücher von Chimamanda Ngozi und viele weitere Geschichten. Doch das reicht noch nicht. Es gibt noch mehr zu tun als das. Das haben mir die letzten zwei Wochen deutlich gezeigt.

Zum einen möchte und muss ich unser eigenes Redaktionsteam noch deutlich diverser gestalten, wie ich es bereits Ende 2019 in einem Blogpost als eins meiner Ziele für 2020 definiert hatte, zum anderen auch noch deutlicher in der Öffentlichkeit für Diversität und Antidiskriminierung stehen. Da gibt es für mich viel nachzuholen.

 

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Ein Beitrag geteilt von THIS IS JANE WAYNE (@thisisjanewayne) am


Ich finde, Thisisjanewayne.com macht das seit längerem fantastisch mit der großartigen Autorin Fabienne Sand, genau wie Vogue Online, seitdem Alexandra Bondi de Antoni verantwortlich ist und für mehr Diversität sorgt. Da können wir uns noch viel abgucken und vor allem werde ich mich aktiv auf die Suche nach einer so starken Stimme machen für OhhhMhhh.de und mich gleichzeitig selbstkritisch fragen, warum sie sich bei unseren offenen Stellen bisher noch nicht beworben hat. Habe ich mich doch früher als Redakteurin bei diversen Zeitschriften über meine Chefs aufgeregt, die Schwarzen Frauen keine Titelstorys geben wollten, weil sich das nicht verkaufen würde. Über genau das Thema habe ich auch mit Aminata Belli im Podcast gesprochen, die in Redaktionen genau das Gleiche erlebte. Ich habe Magazine und Marken belächelt, die sich sogenannte Token (Quotenschwarze für die Wannabe-Diversity) ins Team geholt haben, und beschlossen: So will ich das nicht, habe aber dann irgendwie verpennt, für OhhhMhhh.de eine andere Lösung zu finden. Was mir sehr unangenehm ist.

Ich bin jetzt dran, wir sind dran und genau deshalb war es hier diese Woche so ruhig: Ich wollte endlich anfangen zu verstehen, was in meiner eigenen Denke und bei so vielen schiefläuft und wie wir das schnellstmöglich begradigen können. Ich habe den internationalen Aufruf „Still and muted“, den Ansatz, zuzuhören, sich eigenständig weiterzubilden, ernst genommen. Wir haben viel gelesen, von Rassismus betroffene Freunde und Verwandte angerufen und noch mehr solcher Geschichten gehört. Unsere Abonnentin und Maries Nachbarin Sofia Hiestermann erzählte: „Ich war auf einer Hochzeit eingeladen und die Tante der Braut meinte zu mir: ‚Oh, wo kommt so etwas Schönes wie du bloß her? Von einem Flüchtlingsboot?‘ Das hat sie zu mir vor vielen anderen Leuten gesagt. Ich war geschockt in diesem Moment und so perplex, dass ich nichts antworten konnte. Ich würde mir wünschen, dass andere dann auch aufstehen, wenn sie solche rassistischen Äußerungen wahrnehmen. Das müssen wir als Gesellschaft tun und für einander einstehen.“

 

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Ein Beitrag geteilt von Stefanie Luxat OhhhMhhh.de (@ohhhmhhh) am


Wer sich fragt: Wie kann ich in solchen Momenten lernen zu widersprechen und andere zu unterstützen – dazu habe ich dieses Jahr, nur zur Erinnerung, mit „Anleitung zum Widerspruch“-Autorin Franzi von Kempis eine Podcastfolge aufgenommen. Mit dem Philosophen Philipp Hübl habe ich im Endlich Om-Podcast auch über das Thema, dass in allen von uns Rassismus steckt, gesprochen. Doch war das noch nicht on point genug.

Die diskriminierenden Geschichten von Sofia, Aminata Belli, Chris Glass, von meiner Cousine – es gibt unendlich viele dieser Art, die nicht irgendwo weit weg passieren, sondern hier in Deutschland, auch noch im Jahr 2020. Eigentlich sollte das Thema der ARD eine Brennpunkt-Folge wert sein, verkündete Comedian Carolin Kebekus diese Woche. Da aber keine stattfand, nahm sie einfach selbst einen Beitrag auf mit diversen Betroffenen – im „ersten deutschen Weißen Fernsehen“. Sehr sehenswert.

Weil die TV-Sendung „Maischberger“ zuerst eine Diskussionsrunde über Rassismus plante ohne eine einzige Schwarze oder POC-Person aus Deutschland als Gast (und im letzten Moment noch Germanistik-Professorin Priscilla Layne aus Amerika zuschaltete), gründeten die beiden Moderatorinnen Aminata Belli und Hadnet Tesfai ihre eigene Instagram-Sendung namens „Sitzplatzreservierung“ und hatten bereits beachtliche Einschaltquoten.

 

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Ein Beitrag geteilt von Aminata Belli (@aminatabelli) am


Es ist alles da. Unter anderem auf Thisisjanewayne.com findet ihr Zusammenfassungen vieler wichtiger Artikel zum Thema, Aktivistinnen, denen man folgen sollte, Bücher, die man lesen sollte als Erwachsene, für Kinder. Jetzt ist es an uns, uns damit detailliert zu beschäftigen.

Dieser Artikel ist für mich erst der Anfang. Ich bin dran, meine langfristigen Vorsätze umzusetzen. Ich werde Fehler machen, ich habe schon vorher Fehler gemacht, für die ich mich schäme, und ganz bestimmt sitzt, obwohl ich mir große Mühe gebe, auch nicht jede Formulierung und Wortwahl in diesem Artikel. Wir alle werden Fehler machen, während wir dazulernen, aber das sagte Meghan Markle auch so gut: „The only wrong thing to say is to say nothing. (…) Always remember to put others needs above your own fears.“

Und auch wenn wir uns auf OhhhMhhh.de in den nächsten Tagen jetzt neben dem Rassismusthema auch wieder anderen Themen widmen, heißt das nicht, dass wir alle Vorsätze vergessen haben, die bleiben uns ab jetzt stets im Kopf. Wir überprüfen unsere Arbeit jetzt täglich noch stärker auf Diversität und bleiben dran an unseren Zielen. Wir werden beweisen, dass wir es ernst meinen.

2020 ist das Jahr des Dazulernens in ganz vielen Bereichen. Das macht müde, das ist anstrengend, das nervt, aber eins kann ich jetzt schon versprechen: Es wird sich lohnen. Und wie immer werden wir, wenn wir uns schambehafteten Themen stellen, am Ende mit einem guten Gefühl der Klärung und eigenem Wachstum belohnt. Was aber noch viel wichtiger ist: Wir werden endlich verstanden mit dem, was wir wirklich sagen und wer wir sein wollen. Es ist (wieder) klar, wofür wir stehen. Sicher werden wir nie ganz verstehen, was Schwarze und People of Colour – alle, die diskriminiert werden – durchmachen, aber das darf nicht heißen, dass wir nicht versuchen, es zu verstehen und ihnen gut informiert beizustehen.

Ich muss ganz oft an das Plakat einer Wienerin bei der Demo am 4. Juni 2020 denken, darauf stand: I understand, that I’ll never understand, but I stand.

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Nicole 6. Juni 2020 um 13:44 Uhr

    Danke Steffi, für die Auseinandersetzung mit diesem Thema und den Willen, etwas zu tun. Ich bin dabei, genau so… Weiterbilden, fragen, zuhören, sich mit den eigenen Privilegien auseinandersetzen und einstehen gegen Rassismus. Denn wie habe ich letztens gelesen. »Es geht nicht um Schuld, es geht um Verantwortung.«

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  3. Tine 6. Juni 2020 um 13:45 Uhr

    Das ist das Grossartigste, was ich in den vergangenen Wochen gelesen habe. Da steckt so viel Klugheit, so viel Professionalität und so viel Abschminken, Offenbaren drin – davon kann ich so viel lernen. Schon tausend Mal gesagt aber heute noch mal ganz besonders laut: Es ist unfassbar gut, was Ihr hier macht.

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    • Steffi 6. Juni 2020 um 14:20 Uhr

      @Tine: Herzlichen Dank liebe Tine. Ich gebe nur weiter, was ich auch gerade erst gelernt habe, so lernen wir alle gemeinsam. Ganz lieben Dank für deine lieben Worte und das Anfeuern! Herzlich, Steffi

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  4. Maren 6. Juni 2020 um 14:45 Uhr

    Liebe Steffi,

    vielen Dank für diese Worte.
    Ich finde, das war von allem, was ich von Euch bisher gelesen habe, der beste und wertvollste Beitrag. Ich freue mich darauf, Euch bei Eurer Entwicklung und Umsetzung Eurer Ziele als Leser/Zuhörer zu begleiten und mit Euch zu lernen.

    Liebe Grüße und einen dicken Daumen hoch! Maren

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  5. Constanze 6. Juni 2020 um 14:54 Uhr

    Ja,Du hast so Recht-wir müssen unsere Hausaufgaben machen und uns aktiv zum Thema Rassismus informieren und positionieren!Danke für Dein klaren Auftrag und Deine Ehrlichkeit.Ich denke ,dass sich viele in Deiner Beschreibung wieder erkennen!

    Antworten
  6. Eva-Maria 6. Juni 2020 um 15:05 Uhr

    Liebe Steffi
    Danke für deine klugen Gedanken und die Zusammenstellung wichtiger Links. Ich denke, wir alle müssen unsere Reichweite, so klein sie auch sein mag, nutzen, um auf Rassismus aufmerksam zu machen: im Alltag, als Mutter und Lehrerin möchte ich nicht wegschauen, wo es weh tut und meine Stimme erheben. Und vor allem will ich bei mir selbst, meinem Denken und Handeln ansetzen und mich aus der Komfortzone schubsen. Ich weiss, dass ich noch viel zu wenig weiss. Dank dir liegen nun Bücher von Cleo Wade und Kübra Gümüşay bereit. Auf dass irgendwann keine schwarzen Kacheln im Internet mehr nötig sein werden!
    Herzlich Eva-Maria

    Antworten
    • Steffi 6. Juni 2020 um 21:32 Uhr

      @Eva-Maria: Liebe Eva-Maria, absolut. Erst müssen wir unsere Hausaufgaben machen und dann anderen dabei helfen. Ich wünsch dir eine gute Zeit mit Cleo und Kübra! Herzlich, Steffi

      Antworten
  7. Steffi 6. Juni 2020 um 15:05 Uhr

    Hoffe, dass meine Kinder und ich dann bald keine dieser Pseudotipis in den stylischen Kinderzimmern der Nation mehr sehen müssen!

    Antworten
    • Emilia 7. Juni 2020 um 13:08 Uhr

      jetzt aber schnell das stylische Tipi, was den bürgerlichen Schrebergarten so hip aufwertet, wieder für die Fotos abbauen und den Kindern erklären warum das wieder weg muss. Schwere Kiste dieses Allyship…

      Antworten
      • Steffi 7. Juni 2020 um 13:23 Uhr

        @Emilia: Liebe Emilia, ich würde mich so freuen, wenn wir uns über Menschen, die Fehler machen und den Willen zur Besserung zeigen, nicht lächerlich machen würden, sondern ihnen dabei helfen. Das ist zumindest mein Ansatz, von dem ich glaube, dass er uns alle weiterbringt. Ich nehme Steffis Hinweis ernst, bin dankbar dafür und weiß: auch da muss ich mich noch schlau machen und was dazulernen. Liebe Grüße, Steffi

      • RM 7. Juni 2020 um 13:36 Uhr

        An die beiden Vorrednerinnen:
        Wir alle lernen stetig dazu, darum gehts doch bei diesem Text. Warum diese latente Feindlichkeit?

        Wer vor zwei Jahren unbedarft ein “Tipi” für seine Kids gekauft hat, würde es heute vielleicht nicht mehr tun! Selbes gilt für Traumfänger überm Bett, afrkanisch/polynesisch/indianisch anmutende Masken oder auch die populären “Tribal”-Tattoos. Auch über Prints im Keffiyeh-Look wurde im Hinblick aufs Thema Cultural Appropriation schon oft diskutiert.

        Mit wachsendem Hintergrundwissen verstehen zum Glück immer mehr Menschen bestimmte Zusammenhänge und entscheiden sich dementsprechend. Wir sollten einander nicht abwerten, sondern uns gegenseitig informieren.

      • Steffi 8. Juni 2020 um 10:21 Uhr

        Liebe Vorrednerinnen,
        Ich habe leider nicht verstanden warum das Tipi ein Problem ist. Das Buch über die traurige Geschichte der Indianer ist da, warum nicht Teile anderer Kulturen Für sich (Überdacht) übernehmen? Warum darf man das nicht?
        Wir haben uns ausführlich mit unserer eigenen Geschichte befasst, sind immer vorne dabei wenn es um selbst reflection geht.
        Ich denke vor allem UK und USA müssen Ihre Geschichte aufarbeiten, darum geht es. Und jeder muss für Sich natürlich auch immer wieder überprüfen wie man auf Andersartigkeit zu geht. Mit dem Herzen sieht man besser. Und ist gibt tolle und komische Leute in allen Formen und Farben.
        Viele Grüße
        Steffi

      • Thali 9. Juni 2020 um 10:17 Uhr

        Liebe Steffi, bitte befasse dich ausführlich mit dem Konzept cultural appropriation. Es gibt da wirklich tolle kostenlose Bildungsarbeit von so vielen Accounts dazu. LG Thali

    • Steffi 7. Juni 2020 um 13:18 Uhr

      @Steffi: Liebe Steffi, ich ahne, um welches Thema es da geht und muss dazu unbedingt noch mehr recherchieren, weil ich zu wenig weiß. Danke für den Hinweis! Wenn du Lust hast, mir mehr dazu zu erklären, warum es für dich verletzend ist das zu sehen, freu ich mich. Aber du musst natürlich nicht mein Erklärbär sein. Ich werde selbst auch recherchieren. Lieben Dank für den Hinweis und herzliche Grüße, Steffi

      Antworten
      • Steffi 8. Juni 2020 um 20:44 Uhr

        Vielen Dank fürs Nachfragen! Ist nicht selbstverständlich, nicht gleich als überempfindlich Spinnerin abgetan zu werden, was auch wieder Teil des Problems ist.
        Das ungute Gefühl bei den Tipis und anderer “Deko” ist, dass sich die Wenigsten mit Ursprung, Geschichte und Sinn dahinter auseinander setzen. So wird aus der äußerst kargen Behausung einiger Native Americans ein pastelliges Spielobjekt für weiße Kinder. Und man ist nah dran an den “kuriosen Menschenschauen” des vorigen Jahrhunderts. Niemand käme hoffentlich auf die Idee , seine Kinder “Jude” im KZ spielen zu lassen. Oder Davidsterne als Wohnzimmerdeko zu nutzen.
        Mir wäre es lieber, Grenzen in den Köpfen dadurch zu überwinden, seine Kinder tatsächlich genau in die Kitas und auf die Schulen zu schicken, die von vielen Nationalitäten, Kulturen und Kindern verschiedenster Hautfarben und “sozialen Schichten” besucht werden. Dann brauchts vielleicht keine verletzende Deko mehr.
        Beste Grüße
        PS: um hier kommentieren zu können, muss man eine Rechenaufgabe lösen. Auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, gibt es nicht Wenige, die damit überfordert wären. Auch dadurch kann man ungewollt diskriminieren…

      • Steffi 9. Juni 2020 um 11:45 Uhr

        Wenn du recherchieren willst, schau mal bei Ringelmiez zu kultureller Aneignung. Da ist es gut beschrieben, was ich meine.

  8. Sophie 6. Juni 2020 um 15:34 Uhr

    Liebe. Steffi,

    irgendwie habe ich gewusst, dass Du Dich zurückgezogen hast, um Dich mit so einem Text zurückzumelden.
    Sehr gut!
    Ich bin auch am Lernen…

    Viele Grüße
    Sophie

    Antworten
  9. Kerstin 6. Juni 2020 um 15:58 Uhr

    Liebe Steffi,

    danke für diesen Artikel, den ich meinen deutschen Freunden und Verwandten and Herz legen werde. Ich lebe zur Zeit mit meiner Familie in den USA und es nimmt mich sehr mit, was hier in letzter Zeit los ist. Aber mehr noch nimmt mich mit, dass ich nicht früher verstanden habe, wie wichtig es ist, mich zu informieren zu dem Thema. Und dass es nicht reicht, nicht rassistisch zu sein (wenn das denn überhaupt geht als Weißer). Sondern dass wir uns aktiv gegen Rassismus einsetzen müssen. Du hast das sehr gut zusammengefasst. Ich nehme deine Einladung an!
    Kerstin

    Antworten
    • Steffi 7. Juni 2020 um 13:29 Uhr

      @Kerstin: Liebe Kerstin, das freut mich. Mir geht’s wie dir. Das Gute ist: jetzt, wo wir wissen, was wir endlich wissen, werden wir vieles ändern. Herzlich, Steffi

      Antworten
  10. Melissa Michel 6. Juni 2020 um 15:58 Uhr

    Ich war vor einiger Zeit auf einem Workshop. Wir saßen auf Stühlen im Kreis. Eine der Rednerinnen, sie saß neben mir, fragt den Mann, PoC, gegenüber: “Woher kommt denn so eine schöne Farbe?” Ich fand die Frage so peinlich, dafür seine Antwort umso cooler. In glasklarem Hochdeutsch antwortete er: “Meinen Sie meinen Pullover?”

    Antworten
    • Steffi 6. Juni 2020 um 19:30 Uhr

      @Melissa Michel: Es ist der Wahnsinn. Ich schwanke immer, ob man mit Humor die Situation lösen sollte oder einfach deutlich sagen, dass die Aussage rassistisch ist und ein ehrliches Gespräch auszulösen. Ich verstehe aber total, dass Betroffene das einfach über und keine Energie dafür haben. Vielleicht ist das der Moment, wo wir ihnen beistehen sollten und für sie übernehmen.

      Antworten
  11. Sabine 6. Juni 2020 um 16:22 Uhr

    So gut Steffi! Ich freue mich, auf all das, was da kommt von dir und deinem Team. Sehr echt, sehr nachvollziehbar. ❤️

    Antworten
  12. Mumbai 6. Juni 2020 um 17:59 Uhr

    Antirassismus ist eine Intelligenzfrage und es ist auch eine Charakter-u.Herzensbildung.Leider gibt es zu wenig entsprechende Erziehung an Schulen und in Familien.(Vorbilder z.B.)
    Bei den Millionen von Demonstraten aber hab ich das Gefuehl,
    dass es fuer diese mehr “Volkssport” ist, so wie es auch bei den
    Klimademos war. Man nimmt es nicht ernst genug weil oben erwaehnte Bildung fehlt.

    Antworten
    • Steffi 6. Juni 2020 um 20:59 Uhr

      @Mumbai: Hi, als LehrerInnen-Schwester weiß ich, dass auf jeden Fall heute viel an Schulen zum Thema Rassismus gemacht wird, als noch zu meiner Schulzeit. Aber ganz bestimmt könnte man da noch mehr machen. Da bin ich bei dir. Bei der Pauschalisierung zu den Demonstranten bin ich aber nicht bei dir. Jetzt einfach pauschal eine Gruppe an Menschen als dumm zu bezeichnen und ihnen zu unterstellen, dass sie es nicht ernst meinen, fühlt sich für mich sehr falsch an.

      Antworten
  13. Silvia 6. Juni 2020 um 21:52 Uhr

    Danke Steffi, für diesen sehr guten Text, die Tipps und ja, ich habe mich dies ganze Woche gefragt, warum Du so leise bist…jetzt hab ich dies hier als Entschädigung bekommen, es ist eine große Belohnung. Und in meinem Kopf ist es plötzlich ganz laut! Das Thema ist so wichtig, da können wir alle dazu lernen. Und das Du Dich so eingehend damit beschäftigst, zeigt einmal mehr, warum ich hier so gerne bin, hier wird Vielfalt gelebt. Danke dafür, lg, Lilli

    Antworten
  14. Nadja Bayraktar 6. Juni 2020 um 22:19 Uhr

    Ach Steffi, was soll ich sagen…ein guter Artikel, der mich hoffnungsvoll stimmt, aber mir auch mal wieder zeigt, wieviel es noch zu tun gibt.

    Ich bin Tochter eines marokkanische Vaters und einer deutschen Mutter. Getauft, Konfirmiert, Mitglied im Kirchenvorstand gewesen. Nun verheiratet mit einem Türken, und somit haben meine Kinder drei Pässe und sind eher „dunklerer Erscheinungstyp“.

    Ich habe Abi gemacht, Politikwissenschaft studiert, bin erfolgreich in meinem Beruf und lebe ein total „langweiliges angepasstes“ Leben…trotzdem erfahre ich regelmäßig sogenannten Alltagsrassismus. Im Beruf, im Privatleben, mit meinen Kindern!

    Das sind so beiläufige Sätze wie „Ihr Deutsch ist aber gut“, „Wo kommen Sie her? – Aus Frankfurt – Nein, ich meine, wo kommen Sie ursprünglich her?!“ Das sind Polizeikontrollen mit Durchsuchungen des Autos nach Drogen, weil man noch nen Moment auf dem Parkplatz gesessen und Radio gehört hat.

    Im Berufsleben kommt dann manchmal noch Sexismus mit hinzu und man spricht von der „hinreißenden Exotin“ oder dem „dunklen Glück“.

    Als mein Mann und ich ein Haus gesucht haben, habe ich das mit dem Mädchennamen meiner Mutter gemacht, damit wir überhaupt zur Besichtigung eingeladen werden. Beim Einschulungstest meiner Tochter mussten wir eine „Sprachkompetenz“-Testung machen. Meine Nachbarn mussten den nicht machen.

    Dinge, die ich in meinem 41jährigen Dasein weggelächelt oder workarounds entwickelt habe, damit mir/uns keine Nachteile entstehen.

    Als Mensch mit Migrationshintergrund musst man meist ein bißchen bemühter, engagierter und angepasster sein.

    Mein Chef ist Perser und sagt, dass er hier lebt wie ein Norweger, der die CSU wählt. Das trifft es ziemlich gut.

    Aber in diesen Tagen wacht der „Tiger“ in mir auf. Ich will das nicht mehr! Ich will nicht, dass meine Töchter den gleichen Shit erleben müssen.

    Ich will nicht, dass man sie aufgrund ihres Aussehens oder ihres Namens in eine Schublade steckt. Du hast recht, es wird wahrscheinlich unbequem.

    We will overcome…

    Antworten
  15. Petra von FrauGenial 7. Juni 2020 um 01:00 Uhr

    Immer wieder erschreckend, dass das Thema Rassismus, Diskriminierung schon immer da wahr, man darüber Bescheid wusste, aber am Ende eigentlich nur das Äußere so wahrnehmen konnte, und eigentlich nicht richtig das Innere greifen konnte. So ging es mir. Immer, und immer wieder. Denn eine Sache ist es, von sich aus das auszumalen, aber eine andere, wenn man tatsächlich selbst in der Haut steckt. Selbst kleine Sachen, die wir im Vorbeilaufen sagen, könnten dem Gegenüber weitaus mehr schaden als wir gedacht haben. Ich konsumiere bewusster Artikel, nutze meine Zeit um auch zu verstehen, was nicht ich hören möchte, sondern was die Autorin damit sagen will. Danke für die Buch Empfehlungen dazu!

    Antworten
  16. Stefanie 7. Juni 2020 um 08:18 Uhr

    Was du da schreibst, gilt nicht nur für schwarze Menschen. Als Sozialpädagogin habe ich viel mit Menschen zu tun, die eben nicht aus der weißen Mehrheitsmittelschicht kommen. Und das sieht man ihnen an. Das hört man wenn sie sprechen.
    Es ist einfach unfair zu behaupten, dass wir alle die gleichen Chancen haben in Leben. Das macht mich oft wütend und demütig. Ganz viel meines guten Lebens habe ich nicht durch Leistung erhalten sondern durch Glück. Glück der Geburt an die “richtige” Stelle unserer Gesellschaft. Der Gedanke ist vielen Menschen unangehm, denn wenn ich mein Glück nicht verdient habe, dann müsste ich es teilen-eigentlich.

    Antworten
    • Caro 8. Juni 2020 um 06:47 Uhr

      Erst diesen sehr sehr schlauen Text und dann die reflektierten, ermutigenden, erschreckenden Kommentare gelesen – und bei deinem hat’s mich dann ganz gepackt. Danke für die schlauen Worte! Caro

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  17. Birthe 7. Juni 2020 um 09:07 Uhr

    Danke für diesen tollen Artikel! Bei der Erwähnung von Polizeikontrollen erinnerte ich mich, wie ich letztes Jahr mit meinem Freund mit dem Zug von Hamburg nach Kopenhagen und später nach Göteborg gefahren bin. Ich war damals völlig entsetzt gewesen, dass der Zug kurz vor der dänischen Grenze an einem kleinen Bahnhof anhielt und dänische Polizisten alle Ausweise der Passagiere kontrollierten. Ein paar Tage später sind wir mit dem Zug von Dänemark nach Göteburg gefahren und dort war es wieder der gleiche Ablauf. Dabei hielten wir an einem großen Bahnhof an. Das Gleis war eingezäunt und wurde von bewaffneten Polizisten bewacht. Ich empfand dies alles als absurd und empfand trotz meiner Liebe zu allen skandinavischen Ländern und deren Kultur auf einmal eine Enttäuschung, denn ich fragte mich „wo sind die offenen Grenzen geblieben? Und warum habt ihr so Angst vor Flüchtlingen?“
    Ein paar Tage später sind wir mit dem Zug wieder zurück nach Hamburg gefahren. Dabei fuhren wir die gleiche Strecke wieder zurück und es fiel auf, dass es an keiner Grenze mehr Kontrollen gab – außer an der deutsch-dänischen Grenze. Und das habe ich auch nur per Zufall mitbekommen, denn es gab keine Grenzwälle oder ein hohes Polizeiaufgebot. Und wir wurden ja auch nicht kontrolliert – denn wir waren ja weiß! Denn die Polizisten, die am Bahnsteig standen, haben die aussteigenden Passagiere aufgrund ihres Aussehens, ihrer Hautfarbe bewertet und diejenigen herausgepickt, die für sie nicht „weiß“ waren. Ich war so entsetzt – denn was ist denn nun schlimmer? Die riesigen Grenzkontrollen an der dänischen oder schwedischen Grenze wo ALLE Passagiere ihre Ausweise zeigen müssen oder die kleinen unscheinbaren Zufallskontrollen in Deutschland, wo Leute aufgrund ihres Aussehens ihren Ausweis zeigen müssen? Also wenn man schon meint, dass man an den Grenzen kontrollieren möchte – dann kontrolliert doch bitte ALLE.

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  18. Lotta Stracke 7. Juni 2020 um 09:28 Uhr

    Wie gut, ja wie gut…ich will da auch mitgehen, mich hinterfragen,lernen, besser machen. Danke für die vielen Hinweise und Anpickser- ich finde da zeigt sich der Mehrwert Eurer Arbeit: nicht oberflächlich und zu leichten Themen. Nein ich lese immer wieder wirklich wichtige Dinge bei Euch und manchmal fühle ich mich ertappt, herausgefordert oder angespornt. Vielen Dank dafür und macht bloß weiter so!!! Alles liebe Lotta

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    • Steffi 7. Juni 2020 um 10:27 Uhr

      @Lotta Stracke: Liebe Lotta, so schön, dass du es so empfindest. Vielen Dank für deine lieben Worte & aber hallo machen wir so weiter, vielleicht sogar noch ein bisschen besser als vorher, wenn unser Plan aufgeht. Herzliche Grüße, Steffi

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  19. Sabine Gemmrig-Kniely 7. Juni 2020 um 11:52 Uhr

    Seit Tagen dreht sich alles in meinem Kopf.

    Ich dachte immer ich stehe für andere ein. Ich bin nicht leise. Ich verstehe.
    Doch jetzt weiß ich, dass ich nichts weiß. Es wohl niemals verstehen kann.
    Es gibt so viel zu tun. So vieles zu lernen. So vieles zu verstehen.

    Ich DANKE Euch von Herzen für diesen Beitrag
    Sabine

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  20. Vanessa 7. Juni 2020 um 13:25 Uhr

    Danke liebe Steffi für deinen ehrlichen Beitrag! Auch ich mache mir seit Tagen Gedanken und teile sie hier einfach mal. Zum Thema: Rassismus und Vorurteile

    Historisch betrachtet gab und gibt es weltweit Vorurteile ggü. „anderen/fremden“ Menschen, welche nicht zum unmittelbar eigenen Umkreis gehörten.

    Nachbardörfer rivalisieren sich, die Vorurteile ggü. den Menschen aus Ost-/Westdeutschland uvm. – all das findet auch in Deutschland noch immer statt und es ist nicht unter dem Begriff Rassismus zu deklarieren. Jedoch für viele Menschen deutlich präsenter bzw. verständlicher. Möchte man das System aufbrechen, muss man hier anfangen. Bei Themen, die für die „Weißen“ in Deutschland greifbarer sind. Von hier kann der Weg beginnen… JEDER Mensch hat Vorurteile! Das müssen wir akzeptieren und damit umgehen lernen – lernen zu reflektieren. Es ist schwierig das alles in Worte zu fassen, aber ich glaube, wir müssen noch viel „kleiner“ anfangen als mit dem großen Begriff „Rassismus“. Er ist historisch so negativ konnotiert und teils schwer greifbar.

    Auch ich bin nicht frei von Vorurteilen. Berufsbedingt habe ich viel Kontakt mit POCs und leider, leider, erlebe ich viele Vorurteile. Aber ich reflektiere sie und arbeite dran. Und ja, es wird ein langer Weg sein. Vielleicht wird es immer ein Thema sein auf der Welt. Nur sind Vorurteile direkt rassistisch? Lassen sich diese überhaupt jemals aufbrechen? Wir müssen es wollen und versuchen!

    Nein, wir sind nicht alle gleich. Das war so, das ist so und das wird so bleiben. Das ist theoretisches Wunschdenken. Wir sind mehr: jeder Mensch ist einzigartig und individuell. Gemeinsam sind wir: Mensch!

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  21. Julia 8. Juni 2020 um 07:32 Uhr

    Als jetzt 50jährige Deutsche mit dunkler Hautfarbe bin ich sehr dankbar für die Aufbruchstimmung in der deutschen Gesellschaft der vergangenen Woche! Das gibt mir Mut!

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  22. Mirjam 8. Juni 2020 um 09:05 Uhr

    Ich hab mich total auf diesen Artikel gefreut, weil ich deine Herangehensweise an Themen so unglaublich hilfreich und inspirieren finde, und ihn gestern sogar zusammen mit meinem Mann gelesen, weil ich nach den positiven Reaktionen auf Instagram dachte, das wird bestimmt DER Artikel zu dem Thema, den wir gelesen haben müssen und der uns wieder ein Stückchen weiter bringt. Leider lese ich in dem Artikel hauptsächlich nur deine Positionierung und den Aufruf Bücher zu lesen. Beides wichtig, aber ich wünsche mir mehr Artikel die zu dem Thema wirklich aufklären und erklären. Woher kommt denn Rassismus eigentlich? Welche Prägung haben wir? Was ist der Unterschied zu Vorurteilen gegenüber anderen Personenkreisen? Oder der Faszination mit anderen besonderen äußerlichen Merkmalen? Woher kommt die Gewalt? Vielleicht müssen Beispiele wie nach dem Herkunftsort fragen oder dunkle Hautfarbe schön finden – die kleinsten Themen – mal wirklich aufgedröselt werden. Wie kann das verletzend sein? Was ist daran falsch? Wie zeigt sich darin die Haltung als Weiße* überlegen zu sein?
    Sonst bleiben wir immer auf einer ” Oh natürlich ist Rassismus schlimm aber ich bin natürlich nicht rassistisch” Oberfläche, weil wir es nicht wirklich in der Wurzel begreifen.

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    • Alina 10. Juni 2020 um 13:56 Uhr

      Hey Mirjam,
      ich habe oben sehr lang was gepostet, weil es mir darum ging, eine Information hinzuzufügen. Du kritisierst hier, dass der Artikel deines Erachtens nicht genug Aufklärung bietet, sondern nur Literaturhinweise. Ich verstehe was du meinst. Aber ich denke, es ist nicht die Aufgabe eines Lifestyleblogs, über dieses große Thema weitreichend aufzuklären. Ich denke, es geht hier ums kollektive Lernen. Dazu kann jeder beitragen! Wenn du Lücken siehst, dann erlaube dir selbst, sie zu füllen!
      Lieben Gruß von Alina

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  23. Marion 9. Juni 2020 um 09:26 Uhr

    Mir hilft immer wieder der Gedanke, dass ich mir nicht ausgesucht habe in welchen familiären und gesellschaftlichen Kontext ich hinein geboren wurde. Das macht meinen Blick auf die Welt gnädiger und lässt mich einen guten Umgang mit meinen Mitmenschen finden.
    Worte können verletzen und rassistisch sein, ich finde aber auch, dass es an der Zeit ist unsere Verhaltensweisen mal auf Rassismus abzuchecken. Was ist mit unserem Konsumverhalten?
    Ich finde es in letzter Konsequenz rassistisch eine Kreuzfahrt zu machen und Massen an fast Fashion zu kaufen, um nur mal 2 Beispiele zu nennen.
    Die Frage ‚woher kommst du?‘ muss nicht in jedem Kontext rassistisch sein. Wenn ich z.B. einen schwarzen Patienten habe mit Fieber, dann ist es schon angebracht zu fragen, ob er grade erst vor 4 Wochen sein Herkunftsland verlassen hat oder schon immer in Deutschland lebt. Weil man so eher drauf kommt, ob er vielleicht Malaria oder eine andere ‚Tropenkrankheit‘ hat.
    Am Ende geht es doch darum: Respekt, echtes Interesse, Achtung vor jedem Lebewesen. Da will ich hin. 1

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  24. Marion 9. Juni 2020 um 09:30 Uhr

    P.s. das mit dem Abchecken der Verhaltensweisen macht ohhhmhhh schon lange sehr toll. Dafür u.a. liebe ich das Magazin sehr!

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  25. Alina 10. Juni 2020 um 13:45 Uhr

    Oben war an dieser Stelle kein Antwort-Button, darum gehe ich hier am Ende des Threads den Faden auf:

    Du schriebst kam 8. Juni um 10:21
    “Liebe Vorrednerinnen,
    Ich habe leider nicht verstanden warum das Tipi ein Problem ist. Das Buch über die traurige Geschichte der Indianer ist da, warum nicht Teile anderer Kulturen Für sich (Überdacht) übernehmen? Warum darf man das nicht? Wir haben uns ausführlich mit unserer eigenen Geschichte befasst, sind immer vorne dabei wenn es um selbst reflection geht. Ich denke vor allem UK und USA müssen Ihre Geschichte aufarbeiten, darum geht es.”

    Ich teile nun meine Gedanken zu deinen Worten ohne meinen Hinweis als Angriff zu meinen, werd aber etwas ausholen, sorry, not sorry: Wenn du findest, dass wir uns ausführlich mit der eigenen Geschichte befasst haben, meinst du wahrscheinlich die Weltkriege und vor allem die NS-Zeit. Anders kann ich den Einwand nicht interpretieren.

    Doch nicht nur England oder die USA (und Holland, Italien, Spanien, Portugal….) müssen sich mit der eigenen Kolonial-Geschichte befassen. Auch wir in Deutschland haben eine düstere Historie, die nicht nur den 2. WK betrifft. Du lebst in Hamburg, so wie ich seit einiger Zeit. Das ist eine deutsche Stadt, deren Reichtum historisch gesehen ganz besonders auf der Ausbeutung ferner Völker und ihrer natürlichen Schätze fußt. Überall in der Stadt finden sich noch heute Monumente des deutschen Kolonialismus. Eine Reflektion darüber hat bei den meisten Menschen noch nicht stattgefunden, das zeigt ja auch deine obige Bemerkung. Der Hafen wird noch immer als “Tor zur Welt” gefeiert und in der Popkultur ikonisiert.

    Ich weiß nicht, ob du geborene Hamburgerin bist, ob deine Familie möglicherweise seit Generationen direkt oder indirekt vom Hafen profitiert, weil er Wohlstand ermöglichte oder Lohn und Brot sicherte? Ich selbst komme aus Bremen, auch eine Stadt, die durch die Ausbeutung afrikanischer Gebiete prosperierte. Lange bevor Hitler in Europa Konzentrationslager errichtete, gab es ähnliche Lager unter “deutscher Leitung” bereits auf dem afrikanischen Kontinent. Wer damals unmittelbar einen Nutzen zog, das waren die Kaufleute in deutschen Hafenstädten und damit indirekt alle Bürger Deutschlands, die plötzlich “Südfrüchte”, Tee oder Kaffee genießen konnten oder zB Kautschuk zur Verfügung hatten. Später kam das zB auch das Öl dazu. Wir sind zwar “nur” die Urur-Enkelinnen , dennoch sind wir bis heute Profiteurinnen des Wohlstands, der mittels imperialistischen Handelns durch die Häfen nach Deutschland kam – und bis heute kommt. Ich empfehle eine alternative Hafenrundfahrt, hinterher ist man schlauer.

    Um nun die Brücke zum Thema Tee Pee im Kinderzimmer zu schlagen: Ich glaube kaum, dass wir den Kindern eine afrikanisch anmutende Bast-Rundhütte als niedliches Spielhaus in den Garten stellen würden, das würden einige von uns sofort als rassistisch empfinden, direkt oder als diffuses Unbehagen. Und nur weil die Deutschen nicht die treibende Kraft waren, als die Ureinwohner Amerikas angegriffen und vertrieben wurden, so gibt es in unserer Kultur dennoch einen Profit an dem Völkermord in Nordamerika. Daher ist die hierzulande ungebrochene Begeisterung für “Cowboy gegen Indianer”-Spiele milde gesagt befremdlich. Wenn wiederholt argumentiert wird, dass zB bei Karl May der Handlungsstrang stets “Pro-Indianer” läuft, ist die stereotype Darstellung in den Karl May-Büchern/Filmen mindestens ein Affront.

    Mit Tee Pees, die sichtbar indianisch-anmutende Symbole/Muster tragen, werden Kindern zu bestimmten Rollenspielen animiert. Wenn Kinder jedoch WIRKLICH wüssten, welcher Schrecken sich wirklich hinter “Cowboy/weißer Siedler trifft Indianer” verbirgt, hätten die wenigsten von ihnen Lust auf ein klassisches Cowbow-Indianer-Spiel. Zum Glück kann und wird jedes Kind in einem neutralen Spitzzelt alle möglichen Spiele und Rollenspiele spielen. Kinder lieben ja bekanntlich Höhlen. Wir können ihnen Hilfsmittel zum Höhlenbau oder auch fertige Spielbehausungen anbieten, die optisch neutral sind. Es gibt Spitzzelte, die nicht indianisch anmuten. Man kann sie blitzschnell auch selbst errichten.

    Soooo. Das war lang, wofür ich mich nicht entschuldige, denn kürzer gings grad nicht.

    Ich trinke nun einen Kaffee und das mit dem Bewusstsein, dass dieser Genuss mit einer blutigen Geschichte zusammenhängt und dass ich HEUTZUTAGE durch biozertifizierte Fairtrade-Bohnen dazu beitragen kann, die Dinge ein ganz klein wenig gerechter zu gestalten 🙂

    Viele nachdenkliche Grüße
    Alina

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  26. Susanne Bek 12. Juni 2020 um 09:55 Uhr

    Hallo Steffi,
    vielen Dank für Deinen Artikel. Ein sehr wichtiges Thema! Auch mit den Produkten, die wir kaufen, treffen wir Entscheidungen, ob dafür Menschen in anderen Ländern leiden müssen. Ich engagiere mich bei den SOS Kinderndörfern. Hier gab es heute im Newsletter den Artikel “Kinderarbeit in Produkten: Darauf sollten Sie beim Einkaufen achten”. Wir müssen bewusstere Kaufentscheidungen treffen, um uns gegen Rassismus einzusetzen.
    Liebe Grüße
    Susanne

    https://www.sos-kinderdoerfer.de/informieren/wie-wir-helfen/kinderrechte/kinderarbeit/ratgeber-kinderarbeit-in-produkten-vermeiden?utm_campaign=nl_sonder_200612&utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_content=Gr2

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