Kurz die Welt retten:

Meine drei Tricks, die helfen, wenn alles zu viel wird.

Text – Stefanie Luxat

Am Ende kommt immer alles zusammen. Immer dann, wenn man es gar nicht braucht. Alte Binsenweisheit. Kommt aber leider nicht aus der Mode. Passiert immer wieder und dann guckste. Dann guckste und denkst: Echt jetzt? Ich hatte doch alles top geplant, alles sensationell organisiert, alle Bälle in der Luft. Na gut, einen sah ich schon leicht absinken. Den anderen auch und klatsch, da lagen sie auf dem Boden.

Ist grad ein bisschen viel, sagt man dann oft. Also so Frauen wie ich, die gern viel wagen und eher nach dem Motto leben: Wird schon alles gut gehen. Tut’s ja meistens auch. Nur was tun, wenn es das nicht tut?

Diese drei Tricks wende ich immer an, wenn plötzlich alles von allen Seiten zusammenkracht. Abgabetermine vorgezogen werden, Aushilfen absagen, die Mitarbeiterin/Kollegin im Urlaub – es einfach so viel wird, dass man weiß: Das kann ich eigentlich nicht schaffen.

1.) Du wirst es schaffen. Nur nicht alles auf ein Mal. Deshalb reduziere alles auf die heißen drei! 

Wenn die To-Do-Liste wie ein Tsunami angerollt kommt und einen zu überspülen versucht, hilft es auf die Stop-Taste im eigenen Film zu drücken. Genau, es ist nämlich nur ein Film – in unserem Kopf. Es kommt da doch gar kein Tsunami, oder? Na also. Es ist nur ein Gefühl des zu viels. Und das ist gut und das ist wichtig, es ist nur doof, wenn es keine wirkliche Alternative gibt. Man die Arbeit nicht delegieren kann, sie getan werden und man irgendwie da durch muss.

Ich drücke also auf Stop.

Und dann rupf ich die Riesenwelle an To-Do’s auseinander.

Stück für Stück. Bis nur noch die drei Dinge übrig bleiben, die am allerwichtigsten sind und wirklich noch heute gemacht werden müssen. Die schreibe ich mir auf einen großen weißen Zettel und lege sie mir neben den Computer. Alles andere weg. Nur der Zettel und ich.

Schweifen die Gedanken ab, kommen die Fragen schon wieder angerannt: “Wie soll ich das alles schaffen?!”, “Warum eigentlich?!” starre ich auf den weißen Zettel, blende alles aus und mache weiter. Nur das. Nichts Neues anfangen, Nichts, das nicht bei den heißen drei steht. Nur das. Eins nach dem anderen abhaken. Und dann – ganz, ganz wichtig in solchen Phasen – Feierabend. Auf die Couch, ins Bett, zum Yoga – was auch immer gut tut. Oder noch so ansteht im Alltag – zum Beispiel Kinder ins Bett bringen. Nur nicht mehr Arbeiten, auch wenn die drei Dinge schneller abgehakt waren als gedacht. Pausen sind jetzt noch wichtiger als sonst. Das ist wie beim Hochleistungssport. Ich denk dann gern an die Weltmeisterschaft, wie die deutsche Mannschaft nach den Spielen ins Eiswasser ging oder massiert und mit saugutem Essen versorgt wurde. Sei dir auch selbst ein Jogi Löw.

 

2.) Denk daran, was du schon alles geschafft hast. Schreib es dir am besten auf!

In Momenten des Zweifels oder der Überforderung fällt einem so einfach ein, was man schon alles verkackt hat. Was man schon alles nicht hinbekommen hat.

Was einem in solchen Momenten nicht einfällt: Was man schon alles geschafft hat.

Deshalb schreibe ich es mir gern auf. In ein kleines Büchlein, das immer in meiner Handtasche mit dabei ist. Das kann man zur Not mal schnell auf Klo durchblättern und sich selbst anfeuern. Oder man macht dort einfach kurz die Augen zu und geht den Tag noch ein Mal von Anfang an durch und lobt sich für noch so kleine Dinge wie: Ich bin aufgestanden. Ich habe mich angezogen. Ich habe geduscht, die Zähne geputzt. Alle Kinder fertiggemacht. Dem Mann einen Kuss gegeben. Die Nachbarin gegrüsst. Einer Fremden den Weg erklärt. Eingekauft. Eine gute Email an einen Kunden geschickt. Was auch immer. Wir wuppen täglich so, so, so viel mehr, als das wir verkacken. Don’t forget!

 

3.) Bitte um Hilfe. Es ist hart, aber ähm, es hilft.

Manchmal habe ich dieses Bild im Kopf: Eine Frau versinkt im Schlick. Bis vor noch nicht allzu langer Zeit wäre ich mindestens bis zum Kinn eingesunken in dem Schlick, bevor ich mal ganz leise angefangen hätte zu sagen – Hilfe! Hallo? Ist da jemand, der vielleicht ganz kurz Zeit hätte mich vorm ähm erschlicken zu retten? Aber nur, wenn es keine Umstände macht. Ich möchte jetzt nicht stören, also wirklich nicht. Nein, rauchen Sie dahinten noch gern kurz auf, so schnell sterb’ ich bestimmt nicht.

Heute überlege ich mir schon, wer mir helfen könnte, wenn ich den Schlick aus weiter Entfernung sehe. Weil darin erstmal einzusinken ist so viel zeitaufwendiger und blöder für alle, als dass ich früh genug sage: Könntest du mir kurz helfen? Das wäre großartig! Das schafft man nicht von heute auf Morgen. Menschen, die lieber selber helfen als um Hilfe zu bitten, müssen das üben. So wie Fahrrad fahren.

Es wird nämlich gern geholfen, das Schwierige ist, darum zu bitten.

Natürlich kann man alles organisieren, den Schlick schon Wochen vorher erspähen und sich Superhilfen noch und nöcher organisieren – und trotzdem kracht dann mitunter wieder alles zusammen. Doch dann fangen wir einfach wieder bei Punkt eins an. Doch vorher feiern wir uns noch kurz für alles, was wir bis dahin schon Tolles geschafft haben.

Oder, noch besser: Wir atmen mal kurz ganz in Ruhe ein und wieder aus und wieder ein und wieder aus, halten unser Gesicht in die Sonne, machen uns etwas Leckeres zu essen und zu trinken und dann schnappen wir sie uns, die heißen drei!

Oder genießen einfach, dass mal alles läuft.

 

Herzlich,

Steffi

 

Text – Stefanie Luxat

Fotos – Abbie Bernet & Alejandro Alvarez

17 Comments

  1. Antworten Thurid 25. April 2019 um 18:26 Uhr

    Ich sitze hier gerade am Küchentisch und muss ein Paar Tränen der Überforderung wegblinzeln. Es ist einer dieser Tage an denen einfach zu viel getan werden muss und ich stecke eher bis zur Hüfte als bis zum Knöchel im Schlick (ein großartiges Bild übrigens). Aber dein Artikel hat mir gerade geholfen, wie eine Umarmung plus Schubs aus dem Schlick. Einfach danke❤️
    Nach Hilfe fragen zu lernen steht bei mir momentan gaaaaanz oben auf der „to do Liste“.
    Liebe Grüße
    Thurid

    • Antworten Steffi 25. April 2019 um 18:40 Uhr

      @Thurid: Liebe Thurid, was ja auch hilft: Einfach mal heulen. Es rauslassen. Sich auch mal selbst leid tun. Wir sind immer alle so tapfer. Warum eigentlich? Wenn ich meine Kinder sehe, wie die mit ihren Gefühlen umgehen. Die stampfen, wüten, schreien, weinen und dann ist alles wieder gut. Also: Lass es raus, das zieht einen auch aus dem Schlick. Und vielleicht gibt es ja jemanden, den du fragen kannst, ob er mit dir was essen/trinken geht und dir zuhört heute Abend? Du machst das schon! Ich drück dich! Herzlich, Steffi

  2. Antworten Iris 25. April 2019 um 18:40 Uhr

    Du bist so toll! Danke Dir von Herzen! Der Beitrag kommt wie gerufen!
    Herzlichst Iris

  3. Antworten Kristin 25. April 2019 um 19:15 Uhr

    Steffi, manchmal habe ich das Gefühl, du hörst über das Handy mit (so ähnlich wie du es mal in einer Endlich Om Folge beschrieben hast)…das Thema passt schon wieder so gut! Oder ist es einfach so, dass du nach und nach die Dinge ansprichst, die uns alle bewegen oder auch unseren Alltag erschüttern. Wie dem auch sei, ich freue mich so sehr über den Artikel heute, auch wenn du über Handylautsprecher lauschen solltest 😉
    Und an alle LeserInnen: lasst uns zusammen heulen und dann den Schlick abputzen, wir schaffen das. Wir sind toll.
    Danke, Steffi. Herzchenaugen in deine Richtung. Alles Liebe, Kristin.

    • Antworten Steffi 26. April 2019 um 07:43 Uhr

      @Kristin: Haha! Oh Gott, das wär’s! Gott sei Dank, muss ich mir nur selbst zuhören und schon merk ich wieder – so viele von uns haben die gleichen Sorgen und Sehnsüchte. Was sehr beruhigend ist! Große Herzchenaugen an dich zurück! Herzlich, Steffi

  4. Antworten Jana 25. April 2019 um 21:11 Uhr

    Liebe Kristin, Du sprichst mir so aus der Seele..

    Super lieb geschrieben!!

    Steffi nicht nur Du machst uns Mut, sondern auch deine Leserinnen!!

    Alles Liebe
    Jana

  5. Antworten Binnur Tari 25. April 2019 um 22:17 Uhr

    Liebe Steffi, heute um 20.00 Uhr nach Hause gekommen, bin trotzdem nicht fertig geworden, das Kind sitzt alleine am Abends Brottisch und isst ihre selbst bestellte Pizza, das schlechte Gewissen zerrt an mir, die Einkäufe hängen an mir…Deine Beitrag kommt genau richtig => morgen werde ich mir eine Liste machen, mit den wichtigsten 3! Danke dafür, Binnur
    p.s. meine Belohnung heute: GNTM 🙂

    • Antworten Steffi 26. April 2019 um 07:41 Uhr

      @Binnur Tari: Liebe Binnur, heut ist ein neuer Tag und es kann doch auch etwas Schönes ein, einfach Pizza zusammen zu bestellen und sie zu vernaschen. Vielleicht setzt du dich nächstes Mal einfach dazu und lässt alles andere mal kurz warten? Du machst das schon! Du machst das toll! Und grüß mir Heidi! 😉 Herzlich, Steffi

  6. Antworten Martina 26. April 2019 um 00:33 Uhr

    Liebe Steffi!
    Ich danke dir für deinen Artikel heute ( oder eigentlich gestern) … ich hab zwar keine Kinder zu versorgen, wir stecken aber grade mitten im Endspurt für unsere Hochzeit… die to dos werden mir von allen Seiten nur so zugeworfen und ich stecke mittlerweile bis zur Nasenspitze im Schlick… DANKE für deine Worte!
    Alles liebe aus Salzburg

    • Antworten Steffi 26. April 2019 um 07:39 Uhr

      @Martina: Liebe Martina, oh, da erinnere ich mich auch noch dran. An den Hochzeitswahnsinn! Da ist es wirklich wichtig, zu schauen, ob man sich irgendwie Hilfe leisten kann (Weddingplannerin) oder Freunde um Hilfe bittet. Sonst sitzt man nachher so fix und fertig auf der eigenen Hochzeit, dass man es gar nicht genießen kann. Und das darf doch nicht das Ziel sein. Es soll doch euer Tag werden. Ich drück dir alle Daumen fürs To Do zurückwerfen! Du schaffst das! 🙂 Herzlich aus Hamburg, Steffi

  7. Antworten Tina 26. April 2019 um 14:16 Uhr

    Ich liebe deinen Blog und deinen Podcast!

  8. Antworten Frauke 26. April 2019 um 19:19 Uhr

    Ach Steffi,
    wenn ich in meinem langen Leben im Schlick (nicht Sumpf!) zu versinken drohte, kam höchstens auf meine Hilferufe eine Lachmöve vorbei. Also versuchte ich es, wie seinerzeit der Baron Münchhausen, mich am eigenen Schopf herauszuziehen – gottseidank gelang es immer, ist aber doch eine recht harte Methode.
    Frauke

  9. Antworten Yvonne 27. April 2019 um 04:50 Uhr

    You made my day! Habe jetzt im Fall der Fälle das Bild von dir auf dem Klo im Kopf, wie du im Büchlein blätterst! Wunderbar! Danke für deinen Humor !!!! Herzliche Grüße, Yvonne

  10. Antworten Dresden Mutti 30. April 2019 um 09:26 Uhr

    Das Schlimme an der Überforderung ist halt, dass der Berg morgen noch unendlicher ausschaut, wenn ich heute nicht alle To-Dos schaffe… Das rächt sich ja leider. Für normale Tage finde ich die Tipps aber super. Gerade nach der Arbeit (ich arbeite 40 Stunden) und dem Nachmittag mit den Kindern reichen 3 To-Dos. Am Wochenende kann man ja wieder mehr schaffen. Steuererklärung und so…. oder auch einfach chillen. Ja, chillen klingt gut.^^

    • Antworten Steffi 30. April 2019 um 10:44 Uhr

      @Dresden Mutti: Hey du, ich weiß genau, was du meinst. Meine To-Do-Liste ist auch oft endlos und gibt mir das Gefühl, wenn ich das jetzt nicht alles heute wuppe, dann fliegt mir am nächsten Tag alles um die Ohren. Ich hab aber die Erfahrung gemacht, dass nicht alles davon wirklich lebensnotwendig ist und durchaus noch geschoben werden kann (sogar Abgabefristen bei Kunden, sogar gegen eine Gebühr die Steuererklärung). Weil sonst rächt sich der Körper irgendwann, kippen wir komplett um, wenn wir uns keine Pausen gönnen. Probier es mal aus mit den heißen Drei. Am besten vorm Abholen der Kids. Dann kann man sich komplett auf die konzentrieren, tut auch sehr gut. Herzlich, Steffi

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