Wonach ist dir heute?
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„Besser das Babyphone mit Kamera!“ „Die Wärmelampe ist unverzichtbar!“ „Isst du da gerade rohen Fisch??!“ Wer schwanger ist, kennt das: Von allen Seiten darf man sich – vor allem als Erstgebärende – vermeintlich liebevoll gemeinte Hinweise für die Zukunft mit Kind anhören. Am liebsten erinnere ich mich immer noch an den Spruch: „Schlaf so viel du kannst, wenn das Kind erstmal da ist, geht gar nichts mehr.“ Ich habe mich jedes Mal, wenn ich den gehört habe, gefühlt wie ein kleiner Rottweiler (nichts gegen Rottweiler!), der zuschnappend zurückbrüllt: „Ich würde gerne schlafen! Aber falls es dir entgangen ist, hier ist ein Bauch! Ich kann nicht mal mehr laufen! Geschweige denn liegen, ohne dass mir alles abgequetscht wird, das für einem tiefen Schlaf zuträglich wäre.“

Dabei gab und gibt es Dinge, die ich wirklich gern früher gewusst hätte.

Oder über die ich mich schon im Vorfeld hätte austauschen können, um dann nicht so überrascht zu sein, wenn sie mich überrollen. Wohin wir schauen, sehen wir das romantische Bild glücklicher Familien. Angefangen bei glückseligen Geburtsberichten, die mit dem ersehnten Schnappschuss enden, auf dem das Kind auf der erschöpften, aber rundum glücklichen Mutter liegt, der Vater weint und im Hintergrund läuft der gemeinsame Song, weißt du noch?! Weiter über all die Eltern ohne Augenringe, aber dafür mit aufgeräumten Wohnungen und blitzeblanken Küchenarbeitsplatten auf Instagram. Bis hin zu den perfekten Kinder, die aber nun wirklich alles ganz perfekt machen und niemals schreiend in der Öffentlichkeit zusammenbrechen, weil gerade ein Blatt, das vom Winde verweht, kurz über den Asphalt geschwebt ist, den Weg versperrt hat.

Uns werden im Vorfeld so viele romantische Narrative verkauft. Narrative, an die man sich – und dass weiß ich aus eigener Erfahrung – klammert, weil man ja nicht weiß, was auf eine zukommt. Weil man sich Dinge, die man zum ersten Mal machen wird eben nur so vorstellen kann, wie sie einem erzählt werden. Und weil niemand schwangeren Leuten ein Horrorszenario mit auf den Weg geben will. Aber ein bisschen mehr Ehrlichkeit, wäre das vielleicht was?

Wenn ich von Schwangeren gefragt werde, was sich für mich geändert hat, dann antworte ich „alles“.

Das stimmt natürlich. Aber es gibt der anderen Person nichts mit auf den Weg. Ich sage nicht: „Naja, ich pinkele mich jetzt öfter ein, also denk an deine Liebeskugeln, richtig gutes Training für den Beckenboden.“ Ich sage: „Alles.“ Und bleibe dabei so unkonkret, dass sich niemand, der oder die es selbst noch nicht erlebt hat, eben nicht vorstellen kann, wie es sich anfühlt, wenn man beim Niesen plötzlich inkontinent ist.

Meine romantische Vorstellung vom Elterndasein wurde schon mit der Geburt komplett auf den Kopf gestellt. Nach Not-Kaiserschnitt, Wiederbelebung und zwei Wochen Intensivstation für das Kind hatte ich gefühlstechnisch alles durch, aber wusste immer noch nicht, wie man sich eigentlich nach dem Kraftakt der Wehen fühlt oder was zu einem gemütlichen Wochenbett dazugehört. Als das Kind dann zuhause war, schrie es. Jeden Nachmittag pünktlich ab 16:30 Uhr bis es drei Stunden später komplett erschöpft einschlief. Ich fühlte mich furchtbar und unfähig (und müde, sehr, sehr müde). Es dauerte Wochen bis ich irgendwo las, dass das normal sei. Dass es vorbeigeht. Und man einfach begleiten solle. Bis zu dem Zeitpunkt sind wir beim Osteopathen gewesen, haben Schlafprotokolle geführt, alle möglichen Beruhigsgriffe und naturbasierten Tropfen ausprobiert und nichts, wirklich nichts hatte geholfen. Um mich herum lagen alle Babys immer nur fröhlich herum oder schliefen. Gefühlt war meines das einzige, das mit seinem eigenen Dasein nicht besonders zufrieden zu sein schien. Bis ich begann, darüber zu sprechen und plötzlich von allen Seiten hörte: „So ging es uns auch!“ Oder: „Gott sei Dank, wir sind nicht allein damit!“

Manchmal geben vor allem Frauen in meiner Instagram-Bubble kleinlaut zu, nicht gerne auf Spielplätze zu gehen.

Als wäre es mutig zu sagen: „Leute, mir geht dieses Angeschubse komplett auf die Nerven!“ Wer macht das schon gerne? Niemand freut sich darüber, den ganzen scheiß Sommer halbe Sandkästen in der Wohnung zu züchten. Aber, weil alle so tun, als sei die Aufopferung an der Schaukel das Beste, was man als Elternteil bieten kann, wundern sie sich dann, dass sie nicht die einzigen sind, die lieber woanders als am Sandkasten sitzen würden. Dass sie nicht die einzigen sind, denen schon bei dem Wort Rollenspiele die Augen in den Hinterkopf rollen. Dass sie nicht die einzigen sind, die sich wundern, dass die Aufteilung der Care Arbeit ganz neue Ausmaße annimmt, sobald man Eltern geworden ist und Verantwortung doch neu jonglieren muss. Dass sie nicht die einzigen sind, die sich im Job als Eltern diskriminiert fühlen. Und dass sie, ganz allgemein, nicht die einzigen sind, bei denen das romantische Bild des Eltern-Daseins zusammenfällt, wie die Burg aus Holzklötzchen, die man gerade – „Schau doch jetzt mal, Mama!“ – mühselig aufgebaut hat.

Und weil ich schon immer gerne nicht nur den Finger, sondern mit Freude auch die ganze Hand in die Wunde gelegt habe, hier meine ganz persönlichen Tipps an Erstgebärende und ihre Partner*innen. Ganz ohne Romantik oder Horror – versprochen!

Also, das mit dem Pinkeln, ne?! Nach jedem Schwangerschaftsyogakurs bin ich – die Beine zusammenklemmend – auf die Toilette geschlichen, um mein Höschen auszutauschen. Ich habe gedacht, irgendwas stimme nicht mit mir. Ich habe nicht einmal gemerkt, wann ich mich eingepinkelt hatte – es war einfach nach der Stunde immer da. Heute weiß ich: Ich war nicht die Einzige. Aber weil ein feuchtes Höschen in dem Zusammenhang nicht zu den Dingen gehört, von denen man in der Umkleide direkt erzählt, wusste ich das lange nicht.

Heute weiß ich: Beckenbodentraining ist der Shit.

Beim Zähneputzen immer schön so tun, als müsste man das Pipi aufhalten – exzellente Übung. Schon genannt: Liebeskugeln. Und all die anderen Übungen, die ihr schnell finden werdet, wenn ihr euch auf die Suche danach macht. Es lohnt sich. Nicht nur für trockene Höschen. Denn ein guter Beckenboden ist auch zuträglich für die Orgasmusfähigkeit und da muss ich ja wohl keine mehr weiter überzeugen.

In all der Vorfreude solltet ihr euch selbst nicht vergessen. Vor allem nicht euer zukünftiges Ich, das irgendwann mit strähnig-fettigem Haar erschöpft auf dem Sofa hocken und sich fragen wird, wann es eigentlich das letzte Mal für drei Sekunden alleine war. Ich habe etwa drei Jahre gebraucht bis ich auf der Toilette saß und plötzlich überrascht war, weil sonst niemand anders im Raum anwesend war. Nehmt euch Auszeiten vor. Macht euch schon in der Schwangerschaft einen Friseurtermin in der Zeit nach der Geburt. Reserviert euch regelmäßig das Badezimmer für eine kleine Metime. Oder schleicht euch mit einem neuen Buch für eine halbe Stunde ins Café. Was immer euch gut tut, um Kraft zu schöpfen – denn die braucht ihr in jedem Fall.

Und wer passt dann auf das Kind auf? Das leitet mich über zum nächsten Tipp: Baut euch ein Dorf.

Auch, wenn ich mir meine Eltern nicht unbedingt als direkte Nachbarn vorstellen kann, so bin ich trotzdem immer unfassbar neidisch auf die Leute, die mal eben vom Meeting aus telefonieren und sowas sagen wie: „Kannst du ihn fix abholen? Ich komme später rum.“ Der Rest unserer Familie wohnt nicht in der gleichen Stadt, teilweise nicht im gleichen Bundesland wie wir. Deshalb haben wir uns ein Netzwerk aus Unterstützer*innen und Vertrauenspersonen gebaut. Und wenn ich ein Wort wirklich nicht mehr hören kann, dann ist es Fremdbetreuung. Ich habe acht Wochen nach der Geburt meines Kindes wieder angefangen zu arbeiten und seitdem wurde es noch nicht eine Sekunde von Fremden betreut, sondern ausschließlich von liebevollen Menschen, denen ich die Verantwortung gerne für einen gewissen Zeitraum übertrage. Wie auch immer ihr eure berufliche Zukunft plant – sich so früh wie möglich Unterstützung und Betreuungsmöglichkeiten zu suchen, ist vielleicht der wichtigste Tipp von allen. Nicht nur, um wieder arbeiten zu gehen – das wollen ja gar nicht alle – sondern, um die Möglichkeit zu haben für sich zu sein. Und wenn es nur für den schnellen Einkauf ohne Jammerei am Schokoladenregal ist.

Meine Schwiegermutter schenkte uns zur Geburt, dass sie einmal im Monat kommt, um am Wochenende auf das Kind aufzupassen und uns so eine regelmäßige Datenight zu bescheren. Mit Corona-Unterbrechung gehen wir jetzt, seitdem das Kind vier Monate alt ist, monatlich aus. Anfangs haben wir ständig auf das Handy gestarrt und nur über all die süßen Dinge geredet, die das Kind so macht (das Schreien haben wir in den Gesprächen ignoriert), aber nach kurzer Zeit konnten wir uns an diesen Samstagabenden wieder uns selbst und unserer Beziehung widmen. Ohne nur darüber zu sprechen, was als nächstes renoviert oder eingekauft werden muss und wann wer wen von Kindergarten abholen soll.

Ein weiterer Tipp, nur um es gesagt zu haben: Klärt die Finanzen. Beschäftigt euch mit dem Thema Mutterschutz und Elterngeld (vor allem, wenn ihr selbstständig seid – solidarische Grüße!). Wenn ihr zu Zweit seid: Rechnet, wer in Zukunft wie viel zum Haushaltseinkommen beitragen kann. Und findet einen Ausgleich, wenn eine Person lange nicht vorsorgen und in die Rentenkasse einzahlen kann.

Diese Predigt endet mit zwei wichtigen Grundsätzen, die man – schwanger oder nicht – nicht oft genug wiederholen kann:

Fragt nach Hilfe. Und: Bietet Hilfe an.

Ihr müsst nicht alles schaffen, vor allem nicht alleine. Niemand schafft alles. Ich habe diese Kolumne geschrieben, aber fragt mich mal, wie mein Wohnzimmer dafür aussieht (nein, bitte fragt mich nicht). Sich schwach zu fühlen (oder inkontinent), ist keine Schande. Wer ist schon stark angesichts einer Geburt, wenig Schlaf, Stillhormonen und einer Pandemie? Und rechnet damit, dass all eure Pläne und guten Vorsätze sowieso im Nirgendwo von „Alles nur eine Phase“ verschwinden. Es ist wirklich völlig egal, ob ihr eine Wärmelampe für den Wickeltisch kauft oder nicht. Ja, es ist sogar egal, ob ihr einen Wickeltisch habt oder nicht. Es ist wurscht, welcher der angesagteste Kinderwagen ist. Ob euer Kind mit fünf, sechs, sieben Monaten oder gar nicht krabbelt. Und ob ihr schon wieder eine Trommel Kochwäsche mit euren Unterhosen waschen müsst. Alles komplett egal, wirklich. So lange ihr euch dabei selbst nicht vergesst und Hilfe annehmt. Baut euch euer eigenes Dorf. Und hört nicht auf, über eure Sorgen und Ängste zu sprechen. Denn versprochen: Ihr seid nie die einzigen, denen es so geht.

Und auch, wenn ich jetzt ein paar Leuten die Seifenblasen mit den Vorstellungen zum Elternsein kaputtgemacht oder davongepustet habe – es macht Spaß. Wirklich. Es macht Spaß, neue Freundinnen auf dem verhassten Spielplatz zu finden (und heimlich mit Wein- oder Apfelsaftschorle anzustoßen). Es macht Spaß, beim Schwangerschaftsyoga einfach mal bewusst atmend herumzuliegen (kann man übrigens auch nach der Schwangerschaft noch gut machen). Dann packt man eben zwei frische Höschen ein. Es macht Spaß, mitanzusehen, wie das Kind zu verschiedenen Menschen Vertrauen aufbaut und so viel unterschiedlichen Input bekommen kann. Und selbst übers Geld zu reden, kann Spaß machen – wenn man dabei ehrlich und respektvoll bleibt. Manchmal erinnere ich mich an die Anfangsphase mit meinem Kind und an den Satz, der mich damals das gerettet hat: Beim ersten Kind machen wir alle das zum ersten Mal – das Kind und die Eltern. Also seid ein bisschen nachsichtig zu euch selbst. Verzeiht euch Dinge, verzeiht anderen. Verzeiht mir für die altklugen Tipps – aber sie sind wirklich gut. Ihr werdet sehen.

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Yvonne 21. November 2021 um 07:59 Uhr

    Nina,
    großartiger Text
    Den hätte ich gerne gelesen bei meinem ersten Kind. Ich bin voll eingestiegen in die Internetseifenblase mit all ihren Tipps und Must dos … ich habe mich im Pekip Kurs sehr gequält…all die Mütter um mich rum, die alles besser gemacht haben als ich…sowieso war ich gefühlt , die die immer alles Falsch gemacht habe , obwohl ich mich sooooo angestrengt habe alles richtig zu machen ….
    Zum Glück habe ich irgendwann Mamas gefunden, die zu mir gepasst haben und mit denen ich eine tolle unterstützende Zeit hatte. Ich habe tatsächlich aufgehört Blogs und Co zu lesen , die mich triggern in meinem du bist nicht gut genug denken. Das überprüfe ich heute auch noch von Zeit zur Zeit. Ich finde den Text kann frau sowieso gut auch auf weitere Lebenslagen übertragen. Egal ob mit Kind oder ohne 😉
    Danke an Nina und herzliche virituelle Umarmung an alle .
    Viele Grüße Yvonne

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    • Yvonne 21. November 2021 um 08:34 Uhr

      Ein Nachtrag noch zum Beckenboden und Co.
      Ich hatte extrem lange mit einer starken Rectusdiestase zu tun (diese Bauchspalte) und habe sehr lange recherchiert. Trotz toller Beckenbodenphysio , guter Frauenarzt und Co, hatte ich oft das Gefühl, dass keine wirklich Ahnung in dem Bereich hatte Ich bin dann auf “Stabile Mitte” aus Hamburg gestoßen. Diese Physiotherapeutin bietet online Kurse zur Rectusdiestase und Beckenboden an. Tatsächlich fühlte ich mich das erste mal professionell und kompetent angesprochen mit meinem Problem. Na klar habe ich nicht immer meinen Schweinehund überwunden, aber es war die Hockwende für meine Bauchgesundheit .
      Wirklich sehr zu empfehlen. Ich glaube, dass es hier im alten Ohhmhh schon mal vorgestellt wurde. Natürlich ist das hier ein Tipp und keine Werbung 😉

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      • Juliane 23. November 2021 um 00:20 Uhr

        Der Beitrag oben ist super, dieser Kommentar ebenfalls. Ich hab das Problem mit der Rectusdiastase und bin sofort dem Tipp mit “Stabile Mitte” gefolgt. Kurs wird gekauft! Dankeschön dafür 🙂

        Antworten
  3. Joanna 20. November 2021 um 18:05 Uhr

    Liebe Ninia,
    vielen, vielen Dank für diesen tollen, ehrlichen und zutreffenden Text! Du sprichst mir aus der Seele!
    Die ersten Wochen mit meinem Baby waren für mich wirklich, wirklich schwer und weit entfernt von der – auch von dir genannten – romantisierten Bilderbuchidylle, die durch Medien & Co in meiner Vorstellung und Erwartung eingebrannt waren.
    Unser Kind hat viel geweint, das Stillen funktionierte am Anfang nicht und die komplette Umstellung des Lebens war für mich und meinen Partner ein heftiger Schock.
    Ich spreche ehrlich mit Freund*innen und anderen Eltern darüber, dass vieles eben auch nicht schön und sehr gewöhnungsbedürftig ist und wünsche mir viele weitere Texte und ehrliche Testimonials von Müttern und Eltern, die über Tabus wie Inkontinenz, Genervtsein vom eigenen Kind, Überforderung und auch Trauern um das alte Leben sprechen.
    Deine Tipps finde ich toll – ein Hoch auf Nachsichtigkeit, Anstoßen auf dem Spielplatz und Ja-sagen zu Hilfe und Date-Nights! <3

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  4. eve 19. November 2021 um 10:24 Uhr

    Vielleicht ein kleiner Trost für familienferne Eltern:
    Wir hatten als Frühchen-Zwillingseltern viel Hilfe vor Ort, aber dafür 1,5 Jahre keinen Tag ohne “Gäste/Hilfe” im Haus. Ich weiß, jammern auf hohem Niveau. Aber oft sieht “Hilfe” so aus: Person X hält Baby im Arm und Elternteil bereitet alles vor und nach: pumpen oder mischen, Fläschchen temperieren, sterilisieren, etc). Dann reicht man es dieser Person gemäß deren Vorstellung und Präferenz. Hei, aber immerhin gibt dies 10-20 min Freiheit im Bad oder am Handy (ja ich gestehe) und man hat selber nur ein statt zwei Babys auf dem Arm.
    Nicht zu verachten: Tipps, Blicke, Kommentare und Geschichten von Früher on repeat – lächeln und durch :-). Aber ernsthaft, iIch weiß die spontane Hilfestellung auch heute noch (frisch eingeschulte Zwillinge mit unterschiedlichen Stundenplänen) jeden Tag zu schätzen.
    Ich teile hier auch hierzu gerne ein bisschen Realität für Erstgebärende.

    Antworten
  5. Eva 13. November 2021 um 10:47 Uhr

    Vielen Dank für den tollen Text – wie wahr!!

    Physio-professionell-deformiert kann ich mir den Kommentar nicht verkneifen: versucht beim Beckenbodentraining euch eher vorzustellen, ihr möchtet einen Furz unterdrücken – das aktiviert den ganzen Beckenboden, während “Pipi anhalten” nur den vorderen Teil des Beckenbodens anpeilt.

    Auch aus der Berufspraxis – zum Teil ist der Beckenboden auch zu aktiv, oder immer angespannt; Überaktivität kann auch zu nassen Höschen führen, weil dann keine Kapazität mehr für extra Arbeit zB. beim Heben von Gewichten oder Hüpfen vorhanden ist. Falls ihr also Probleme habt (common but not normal) – sucht euch auf den Beckenboden spezialisierte Physios, da kann man was machen.

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  6. Sophie 12. November 2021 um 21:25 Uhr

    Danke, liebe Ninia, für diesen ehrlichen Text. Davon brauchen wir mehr!
    Ich hatte auch so ein Baby, das nachmittags – man konnte die Uhr danach stellen – angefangen hat zu schreien und erst nach drei Stunden aufhörte – egal was wir gemacht haben, nichts half. Und keine/r sonst kannte diese Schreiphasen… (außer meine Mama, war vielleicht was Erbliches ;-)!)
    Dass der Beckenboden nach der Schwangerschaft nie mehr sein wird wie vorher, darauf bereitete uns allerdings die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs vor. Wie oft ich an ihre Aussage später noch gedacht habe…bis heute :-)!

    Liebe Grüße
    Sophie

    Antworten
  7. Katharina 11. November 2021 um 15:19 Uhr

    Liebe Ninia,
    ich schließe mich dem großen Lob für Deinen Text an. Danke für Deine ehrlichen und liebevollen Worte.
    Ich habe erst mit einem stundenlang schreienden Baby verstanden, warum die „Werbung“ der Schreibabyambulanz, man solle sein Kind auf gar keinen Fall schütteln, absolut keine Übertreibung ist. Und bin noch heute dankbar für die Hilfe, die ich bei der Berliner Schreibabyambulanz bekommen habe.
    Herzliche Grüße!

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  8. Alexandra 10. November 2021 um 16:33 Uhr

    Danke für den tollen Text!

    Antworten
  9. Silvi 9. November 2021 um 21:39 Uhr

    Aaahhh, toller Text! Ich kann vieles im Text aber sowas von unterschreiben, leider hören die ungefragten Erziehungstipps auch nach Schwangerschaft und Geburt nicht auf. Als frischgebackene Mama hat mich das immer mega verunsichert, man fühlt sich permanent beobachtet und benotet, v.a. weil man ja sowieso denkt, dass man wohl alles falsch macht… oder warum schreit denn sonst das Kind die ganze Zeit und schläft gefühlt nie?
    Heute ein paar Jährchen weiter und nach Kind 2 geht mir das alles am A… vorbei und ich kann sowas souverän ignorieren
    Nach der ersten Geburt gab’s kein Bild fürs Familienalbum, da konnte ich die Frage der Hebamme, wie das Kind heißen soll, nur mit einem “ist mir grad scheißegal” erwidern, nach der zweiten gab’s tatsächlich den happyhappymamababy-snapshot.
    Man weiß nicht, was man kriegt und wie es läuft, aber eins stimmt auf jeden Fall: es wird ALLES anders!
    Und ich muss auch zugeben: ich hasse Spielplätze! Zum pekip bin ich nur, um andere Menschen zu sehen (wart ihr auch so einsam?) und nicht weil ich das für irgendwie wichtig fürs Kind erachte und ich bin immer noch von Neid zerfressen, wenn andere eine allzeit bereite, kochende, babysittende Oma auf Kurzwahl haben… tja, aber wenn es einfach wäre, könnte es ja jede, oder?

    Antworten
  10. F. 9. November 2021 um 20:20 Uhr

    Meine Geburten waren geradezu lächerlich einfach, aber wenn das Kind da ist, ist die Geburt nicht vorbei.
    Nachgeburt paasiert auch noch.
    Und dann evtl. nähen.
    Und irgendwann nach der Geburt muss man aufs Klo. Bei mir war der erste Stuhlgang beängstigender als die Geburt. Und schmerzhafter.
    Hormone. Wenn die freundlichen Schwangerschaftshormone weg sind, kommen die Arschlochhormone. Und mit Baby im Arm heulend bei der Adventsmusik im Krankenhaus zu stehen, kann noch romantisch klingen. Nicht nach Hause zu wollen, weil da die Angst größer wird, ist es nicht mehr. Und vielleicht rutscht man ohne Schlaf schneller in die Wochenbettdepression. Reden! zB mit der Hebamme!
    Und ich geh auch lieber arbeiten als in die Sandkiste. Und ich hasse Einkaufsladen spielen.

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    • Anke 10. November 2021 um 09:51 Uhr

      … auf den Wochenfluss bereitet einen auch niemand vor… Das hat mich total entsetzt 😀

      Der Babyblues hat mich auch total erwischt und das erste Mal aufstehen nach dem Kaiserschnitt war furchtbar… Als würden einem die Eingeweide durch den Bauchraum purzeln.

      So romantisch.

      Antworten
  11. Anna 9. November 2021 um 15:18 Uhr

    Wieso sind hier nur so wenig Kommentare????
    Du hast in ALLEM so recht!! Und das sage ich, mit Verlaub, dreifache Mutter, Hebamme und Stillberaterin!!
    Was mich( immer noch, auch nach 13,5 Jahre Muttersein) maximal triggert ist der Spruch: „Unser Alltag ist ihre Kindheit!“
    Was für ein Druck wird da bitte ausgeübt auf junge Eltern??
    Wovon auch nie, nie, nie jemand spricht ist, dass man sich an sein Kind erstmal gewöhnen muss und diese krasse Liebe sich erst nach und nach einschleicht..! Ich hätte alle meine Kinder eventuell noch 10 Tage nach der Geburt abgegeben, weil ich das Leben vor jedem einzelnen auch ganz okay fand…!
    Give yourself all some fuckin credit! Das ist mein Tip für alle Neu-Eltern.
    Over and out.

    Antworten
    • Ninia 9. November 2021 um 20:38 Uhr

      Oh Anna, all of this!! Danke dir!
      Und deinen Tipp finde ich grandios :D.

      Antworten
    • Franziska 9. November 2021 um 20:59 Uhr

      Anna, ich feiere dich für diesen Kommentar. Ich habe die erste Zeit nach der Geburt immer nach dem Retourenlabel gesucht und gefragt (und mich dafür geschämt)! Bis mir meine Heilpraktikerin sagte, dass es normal ist, sein Kind nicht direkt zu lieben, sondern sich das aufbaut. Und es stimmt! Aber ich wusste es nicht und bin schier verzweifelt, weil ich es alles furchtbar fand. Danke danke danke für deinen Kommentar! Mögen ihn viele Schwangere lesen!

      Antworten
  12. Juliane 9. November 2021 um 12:29 Uhr

    Danke Ninia, ich liebe deine ehrliche Ansage! Mir ging’s bei Kind 1 auch so und jetzt in der Schwangerschaft mit Kind 2 treiben mich so einige Gedanken um. Vor allem rund um die Geburt und wie ich das nachher mit einer 2-jaehrigen noch mal alles schaffen soll. Aber wir werden es schaffen, gemeinsam und mit Hilfe von aussen. Ich finde es so so wichtig darueber zu reden. Danke!

    Antworten
    • Ninia 9. November 2021 um 20:40 Uhr

      Ich hab ja nur eins, also habe ich hier nicht mal gute Tipps auf Lager :D. Aber ich wünsche euch viel Power und gute Nerven und vor allem ein hilfsbereites und fröhliches Umfeld <3!

      Antworten
      • Dorothee 10. November 2021 um 12:55 Uhr

        Super geschrieben!
        Ich hätte gerne gewusst, dass viele Frauen zu Beginn Stillprobleme haben. Bei mir hat es beim ersten Kind gar nicht geklappt und erst im Nachhinein habe ich von vielen erfahren , dass es bei ihnen auch so war. Beim zweiten ging es dann super. Aber die Schmerzen beim Andocken sind unerträglich- na ja, wenn man dabei in ein Kissen beißt, geht’s

        Antworten
  13. Lilith 9. November 2021 um 11:45 Uhr

    Mein Tipp: hast du die Idee dein Kind schreit viel? Und es weinen alle schon beim Haus verlassen? Einfach nicht zum babyschwimmen gehen. Es kann aus jedem Kind auch was werden OHNE babyschwimmen!

    Antworten

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