Wonach ist dir heute?

Ich sitze im Bett.

Ich habe eine Mütze auf.

Eine Wärmflasche glüht von unten so stark an meine Oberschenkel, dass die Hautärztin beim jährlichen Check gerade wieder festgestellt hat, nachdem sie mir gezeigt hatte wie man eine Gesichtsmaske korrekt trägt (das! muss! enger! an! der! Nase!): „Ah, sie haben dieses Gittermuster an den Beinen von zu heißen Wärmflaschen – wollen Sie nichts gegen machen, oder?“ Und ich: „Nö.“ Ich habe mir irgendwann mal ausgerechnet: Das ganze Jahr den Genuss einer heißen Wärmflasche versus perfekte Beine zum Herzeigen für ein paar Wochen im Sommer.

Wo war ich?

Ah: Ich sitze im Bett. Mit Mütze auf. Wärmflasche. Neben mir mein Lieblingsbecher mit schwarzem Tee, etwas Zucker und Milch. So wie damals, als ich im Sprachurlaub in Broadstairs war. Verliebt in meinen Lehrer (er war Student!). Die Sonne schien und in der Pause bekamen wir diesen köstlichen Tee und es gab einen Teller mit Schokokeksen (extra dicke Glasur).

Zwei Jahrzehnte ist das her. Seit Corona spult mein Gehirn verstärkt durch Erinnerungen. Wie ein alter Kassettenrekorder wird gespult, gestoppt, vor und zurück. Besonders nachts. Ex-Freunde, Ex-Schwärmereien, Ex-Chefs – alle lagen sie noch mal mit mir im Bett. Es ist als wüsste mein Gehirn im Moment manchmal nicht so genau, wohin die Reise gehen soll. Vor? Zurück? Wann und wo war ich denn noch mal besonders glücklich? Oder unglücklich? Lässt sich daraus vielleicht etwas ablesen, wie es weitergehen soll?

Wie geht’s jetzt eigentlich genau weiter?

Ich hab’ die Konfettikanone verpasst. Ich hab’ sogar die Party verpasst.

Ich habe aber doofer Weise den Kater. War da nicht ein Versprechen, dass, wenn wir alle ganz brav sind während der Isolation, die Zähne zusammenbeißen bei der Doppel-/Dreifach-Belastung oder auch beim (Fast-) Bankrott, dass es dann ganz am Ende, wenn die Gefahr gebannt sei, eine fette Belohnung gäbe?

Gibt’s leider nicht. Corona hat (noch) kein Ablaufdatum. Es ist wie mit Freunden, die irgendwann „nur“ standesamtlich heiraten und hochundheilig versprechen: Es wird später noch eine ganz große Party mit allen geben. Gibt’s nicht. Das war’s jetzt schon.

Wobei: Vielleicht ist die Belohnung, dass es weniger Beerdigungen als in anderen Ländern gab. Wie eine Freundin aus Spanien zu meiner Freundin Lexi sagte: „Hier sind die Menschen wie die Fliegen weggestorben – warum freut ihr euch nicht mehr über euer Glück?“

Tun wir. Wir sind nicht undankbar, auch wenn es so klingt. Viele von uns halten sich sogar weiter an die Regeln. Auch wenn die mittlerweile schwieriger zu googeln sind als die neue Bleibe von Meghan und Harry in Los Angeles (OMG! Habt ihr sie gesehen? Das sind doch hoffentlich Fake News!).

Wo war ich?

Entschuldigung. Ich bin so müde. So müde von mehr als zweieinhalb Monaten Ausnahmezustand, beruflich und privat, und dem Gefühl, es ginge jetzt (einfach) weiter wie davor. Nur irgendwie ganz anders. Wer hat noch mal den Plan? Keiner? Oh.

Es gibt, wenn man jetzt sehr tief hineingoogelt ins Internet, immerhin eine Info für Eltern mit kleinen Kindern, wie das mit der Betreuung weitergeht. Sogar für Hamburg. Guck an, können wir aufhören die Biergarten- und Fußballer-Witze zu reißen (der gängiste: „Setz ich meine Kinder eben zum Fußball gucken in den Biergarten“). Ich weiß, die Pointe zündet nicht so richtig. Es sei denn, es käme die zweite Welle. Dann ist ja klar, wer schuld ist: Die, die beim Friseur waren. Besonders die Kinder.

Während sich wie wild verabredet wird zum Grillen, Eis essen, endlich wieder treffen, denke ich nur: Ich bin noch nicht so weit. Ich hab’ Kater. Früher half bei einem Kater was Fieses zu essen, zu schlafen und ach ja, sich im Selbstmitleid zu suhlen. Sogar Selbstmitleid hat Corona uns versucht zu versauen. Oder war das Spiegel Online?

Ich weiß zwischendurch nicht, wohin mit mir.

Das, wofür ich die Großstadt einst liebte, unkompliziert hier etwas Kultur, Freunde treffen und da etwas Besonderes zu essen, sagte meine Kollegin Lesley so schön, ist weg. Beziehungsweise gerade nicht so einfach erreichbar. Wer weiß, wann wieder. Was mach ich dann noch hier?

Ich sehne mich nach Einsamkeit. Nach dem Gefühl, alle zu vermissen. Nur mich selbst nicht mehr. Ein Hotelzimmer, Room-Service, schlafen. Sinnloses tun. Zeit vertrödeln. Mich erholen. Ich habe sogar angefangen „Ein Zimmer für sich allein“ von Virgina Woolf zu lesen.

„Let her sleep“ sagt US-Olympionikin Abby Wambach zu ihren Kindern, als die ihre Mutter, Abbys Frau, die Autorin Glennon Doyle wecken wollten nach stundenlangem schlafen. „Wenn sie wach ist, wird etwas Wunderbares passieren.“

Doyles Buch „Untamed“ habe ich am Wochenende gelesen. Im Bett. Mit Wärmflasche, Tee, Mütze auf und einem Keks in der Hand. Als ich dachte, ich müsste tun, was andere von mir wollen, mich verabreden, obwohl alles in mir rief „Ich kann gerade nicht mehr“, las ich: „Every time you’re given a choice between disappointing someone else and disappointing yourself, your duty is to disappoint that someone else.“

Es ist ein sehr weises Buch über das Leben, das Infragestellen von allem, an das wir glauben oder uns glauben gemacht wurde. Zum Beispiel, dass man als Mutter auch Märtyerin zu sein hat. Selbstviktimisierung hat Berufsberaterin Katrin Wilkens es gerade bezeichnet, sich in die 50er-Jahre-Rolle zurückdrängen zu lassen von Corona. Doyle schreibt zu der Märtyerinnen-Rolle: „Mothers have martyred themselves in their children’s name since the beginning of time. We have lived as if she who disappears the most, loves the most. We have been conditioned to prove our love by slowly ceasing to exist. What a terrible burden for children to bear – to know that they are the reason their mother stopped living. What a terrible burden for our daughters to bear – to know that if they choose to become mothers, this will be their fate, too.“

Ich sitze im Bett. Mit einer Mütze auf. Einer Wärmflasche. Einem Tee. Einem Keks. Weil ich weiß, das hilft. Beim Nachdenken. Beim Luftholen. Beim nicht sofort einen Plan haben, aber bald wieder. Beim Auskatern. Beim Vorbereiten von etwas Wunderbarem.

Let her sleep.

 

Mehr Gedanken zur aktuellen Situation und einfach Lustiges aus unserem Leben gibt es in unserem neuen Podcast „Lexis & Luxis Lagebericht“ im Endlich Ich-Abo. Wir erzählen ganz ehrlich aus unserem Leben, um eures zu erheitern. Morgen gibt es eine neue, die zweite, Folge des Podcasts im Endlich Ich-Abo.

 

Foto: Tracey Hocking/Unsplash

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Annika 12. Mai 2020 um 09:23 Uhr

    Ohh, das trifft es einfach so gut! Ich will auch ins Bett! Und dieses Gittermuster hab ich auch, hab schon Schiss, dass die Ärztin schimpft und es schädlich sein könnte. Gut, damit nicht allein zu sein 🙂
    Danke, Steffi!!!

    Antworten
  3. Annegret Kerschis 12. Mai 2020 um 09:27 Uhr

    Liebe Steffi,

    Dein Text trifft gerade sehr meinen Nerv…vielen Dank für’s Aufschreiben dieser Gedanken. Irgendwie fühle ich mich auch noch nicht so richtig bereit für das “alte” Leben, ich gehe nur mit Babysteps dahin zurück. Und ich glaube dass es sehr vielen so geht. Zum Thema Frauenleben: es kostet unglaublich viel Kraft und Mut dieses eigene Leben einzufordern und ich denke dass man auch auf einiges verzichten muss – das machen die Männer schließlich auch, meistens ganz selbstverständlich. Dafür wird man aber belohnt und alle werden es wohl überleben. Ich selbst stehe auch ganz kurz davor, mit Wechsel zu Vollzeit und 3 Tage Abwesenheit von zu Hause. Ich habe Angst aber ich glaube fest daran dass es gut werden wird.

    Antworten
  4. Ina Kramer 12. Mai 2020 um 09:39 Uhr

    Liebe Steffi, du sprichst mir aus dem Herzen. Ich bin auch noch nicht soweit für die Normalität nach Corona. Habe mich gewundert, warum ich so schlechte Laune habe, obwohl doch jetzt alles wieder lockerer wird. Ich will kein “altnormal”, ich will “neunormal”, aber weiß nicht richtig, wie es geht. Ist ein bisschen so, wie wenn plötzlich eine alte Beziehung zerbricht, du feststellst, so schlimm ist das nicht und sogar merkst, es tut dir gut, was Neues zu erleben. Lernst dich und dann jemanden neues kennen und denkst, jetzt wird alles anders. Um dann festzustellen, dass es sich doch wieder wie in der alten Beziehung anfühlt. Oh ne. Ich brauch noch ein bisschen Zeit und nehme sie mir jetzt einfach.

    Antworten
  5. Yvonne 12. Mai 2020 um 09:51 Uhr

    Liebe Steffi, danke für diese Worte.
    Mir geht es ähnlich. Oder wie Du so schön sagst: “Ich bin noch nicht so weit. Ich hab’ Kater. “

    Antworten
  6. Eva 12. Mai 2020 um 10:13 Uhr

    Ach Steffi, der Text ist großartig und spricht mir so auf dem Herzen. Danke. Lass dir eine dicke Umarmung hier.
    Alles Liebe aus Wien,
    Eva

    Antworten
  7. Dorthe 12. Mai 2020 um 10:43 Uhr

    Liebe Steffi,
    danke für diesen Text. Ich wünsche mir so sehr, dass alles gleich morgen wieder gut ist. Eine Zeitmaschine hätte ich gern. Ich bin so sehr Gewohnheitsbraucherin … das alles überfordert mich. Wir sind auch noch immer sehr vorsichtig, was die Lockerungen angeht.
    Und gerade sind die Gedanken wieder so laut. Die, die immer wieder sagen, dass Hamburg einfach nichts für mich ist. Einfach weg. Aber wo will ich hin?
    Danke also für deine Gedanken dazu!
    Liebe Grüße
    Dorthe

    Antworten
  8. Saskia 12. Mai 2020 um 10:50 Uhr

    Liebe Steffi, was für ein wunderbarer Text! Danke dafür.

    P.S.: Ich war vor 10 Jahren auch im Sprachurlaub in Broadstairs – traumhaft 🙂

    Antworten
  9. Jenny 12. Mai 2020 um 11:07 Uhr

    Toller Artikel! Wie immer, super geschrieben.
    Nur der Ausschnitt von Doyle hat mich traurig gestimmt. Ist es wirklich so, dass Frauen die sich verstärkt um ihre Kinder kümmern, aufhören zu existieren ?!? und ihren Kindern eines Tages Vorwürfe machen werden, dass sie Jahre an sie verschenkt hat? Das fände ich sehr schade.!
    Ich bin eine dieser Stay at home-mums und was soll ich sagen? Ich liebe es. Meine Kinder sind ein Geschenk für mich. Ich werde es nie bereuen ihnen meine volle Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Ich werde nur jammern weil diese Jahre so schnell vergehen und ich eines Tages ohne sie sein muss. Klar ist es immer auch anstrengend mit Kindern aber eben auch so wunderschön. Sie verzaubern mich immer wieder mit ihrem Lachen, ihrer Kreativität und ihrer Stärke. Also hier mal eine andere Perspektive wie man Kinder auch sehen kann. Nicht als Bürde und Last sondern als Geschenk des Himmels.
    Mein Lieblingsmoment des Tages ist das gemeinsame Vorlesen/Lesen im Bett am Abend. Eingemummelt und aneinandergekuschelt. Es gibt nichts Schöneres für mich.

    Antworten
  10. Claudia 12. Mai 2020 um 11:13 Uhr

    Danke!!! Ich habe keine Kinder (und bin sehr zufriedener Single), aber das gleiche Gefühl. Ich bin seit einer Weile in der Neustrukturierung meines Businesses und habe das peitschende Gefühl, ich muss, muss, muss …
    Was dein Hotelzimmer ist, ist mein Häuschen am See. Bis mir jetzt am Sonntag auf einmal die Einsamkeit mitten ins Gesicht geschlagen hat, so dass ich sofort abreisen musste. Seitdem habe ich auch dieses massive Kater-Gefühl, denn einsam war ich bisher noch nie. Nie. Dank deinem Artikel konnte ich das „muss, muss, muss“ gerade etwas beruhigen. Vielleicht schaffe ich es ja zu einem „wird schon“.

    Liebe Grüße, Claudia

    Antworten
  11. Christina 12. Mai 2020 um 11:17 Uhr

    Hallo Steffi,

    Danke für diesen absolut treffenden Text, genauso fühle ich mich auch! Und ansonsten träume ich mehr oder weniger ununterbrochen von 2-3 Tagen alleine in einem Hotelzimmer, nur ich, was für eine unfassbar tolle Vorstellung, oder!

    Liebe Grüße und ganz viel Kraft
    Christina

    Antworten
  12. Susanne 12. Mai 2020 um 11:30 Uhr

    Ich hatte gestern Nachmittag Kinderfrei und nix vor, außer “in der Stadt” ein paar Besorgungen zu machen. Was hab ich mich gefreut. In Ruhe nen Kaffee trinken(seid gestern wieder im Café möglich), durch ein paar Läden bummeln… Aber es hat sich so falsch angefühlt dort. Es war zu viel, so als würden mir beim Kater die Haare weh tun, da ist was das stört, aber es ist nicht greifbar. Ich wollte einfach nur nach Hause. Zu den Kindern die mich die letzten Wochen so furchtbar genervt haben manchmal. Im Garten harken und nicht über anderes nachdenken müssen. @jamiebeck.co hat da heute auch sehr schön auf Instagram drüber geschrieben. Wie es ihr mit den neuen Lockerungen in Frankreich geht, da war der Lockdown ja noch viel krasser.
    Gut zu wissen dass es vielen so geht: Verkatert.

    Liebe Grüße, Susanne

    Antworten
  13. Ursula 12. Mai 2020 um 11:35 Uhr

    Liebe Steffi,
    Ein Danke aus vollem Herzen, wie schön, dass du so in Wort fassen kannst, was ich als diffusen Druck in mir spüre und als Ernüchterung derzeit… es hilft gegen das Gefühl der Einsamkeit. Danke dafür

    Antworten
  14. Ann-Cathrin 12. Mai 2020 um 11:57 Uhr

    Liebe Steffi,

    du sprichst (schreibst) mir aus der Seele! Ich weiß seit Wochen nicht wohin mit mir, planlos und müde zwischen Home-Schooling, Job, drei Mahlzeiten am Tag zu Hause zubereiten und allem anderen. Mein Mann und ich klatschen uns zwar irgendwie immer ab und doch rennen wir bis abends nur noch aneinander vorbei vom Skype-Call zur Teams-Videokonferenz, ich kurz ins Büro, er schnell an den Herd bevor dann nachmittags die Kinder ihre Online-Sitzungen von Klavier bis Hockey haben. Ab Montag darf eins unserer Kinder für 120 Minuten in die Schule gehen. Aber wenn möglich sollte es dort bitte nicht das Klo aufsuchen. Mundschutz wäre in den 120 Minuten wünschenswert. Sollte sich das Kind verletzen können die Lehrer “nicht helfen”, rufen aber den Notarzt und die Eltern an. Darum bitte in den 120 Minuten in der Nähe der Schule aufhalten. Da ist es doch fast schöner zu Hause zu bleiben!

    Herzliche Grüße nach Hamburg, Ann-Cathrin

    Antworten
  15. Sonja 12. Mai 2020 um 12:00 Uhr

    Liebe Steffi,
    ein wunderbarer Text, bei dem ich in jeder Zeile immer nur “Jajaja!” rufen möchte. Genauso fühlt es sich an, eine Art Schwebezustand zwischen zwei Welten. Der Welt vor und der Welt nach Corona. Wie diese Welt “danach” aussieht weiß keiner und mir persönlich fehlt dafür auch jegliche Phantasie. Oder Energie. Motivation. Lust. Vorherrschendes Katergefühl eben. Das Gute: jeder Kater geht vorbei!
    In diesem Sinne alles Liebe und gutes Durchhalten!
    Herzlichst, Sonja

    Antworten
  16. Andrea 12. Mai 2020 um 12:32 Uhr

    Das trifft es so gut. Bin auch nicht bereit und finde es eher abschreckend, wie die Leute plötzlich alles vergessen und sich an nix mehr halten. Ich will dann nur noch nach Hause.
    Bin so müde und erschöpft. Schlafe schlecht und zu wenig, wache zu früh auf.
    Nichts worüber oder worauf ich mich gerade wirklich freue. So viel zu tun und doch nicht wissen wohin mit sich. Immer so dazwischen. Manchmal kurz vorm heulen, einfach so.
    Ich wünsche mir so sehr unbeschwertes Lachen und Leichtigkeit.

    Antworten
  17. Jenny Müller 12. Mai 2020 um 12:56 Uhr

    Liebe Steffi,

    wie wunderbar beruhigend, dass es dir und scheinbar vielen anderen wie mir geht. Ist das nicht verrückt…wochenlang zwischen Homeoffice, Homeschool, drei Kindern und ein Freund der Tochter, unzähligen Mahlzeiten und 98575 Waschmaschinenladungen schwelgte ich in Erinnerung an den Alltag…und jetzt ist er da, oder eben nicht. Alles fühlt sich Banane an, überall viel zu viele Menschen und das Bedürfnis nur heim zu den Wäschebergen und Garten zu wollen. Kurz habe ich überlegt, ob wir desozialisiert sind…aber vielleicht haben wir uns einfach auf das Wesentliche fokussiert und entschleunigt?
    Was auch immer es ist, vielleicht braucht es einfach noch Zeit um den Kater auszuheilen und den neuen Alltag lieb zu gewinnen. Und bis dahin kuscheln wir uns in unsere Wäscheberge und trinken Tee♥️

    Liebe Grüße Jenny

    Antworten
  18. Renée 12. Mai 2020 um 13:02 Uhr

    Oh krass, ich dachte ich wäre die einzige, die sich über “normal” nicht so ganz freuen kann.
    Das Kinderthema hab ich nicht, aber verloren und verkatert fühl ich mich.

    Ironischerweise ging es mir (wenn ich das mal ganz anonym sagen darf) während des Lockdowns super. Ich arbeite selbstständig und unabhängig und meine Branche war Gott sei dank von größeren Ausfällen nicht betroffen.

    Aber jetzt? Es ist genau diese Frage: kaffee trinken gehen? in die Stadt gehen? bummeln? Was soll ich denn da?
    Ich habe kaum noch Lust raus zugehen, weil sich die meisten Menschen nicht über die “neu gewonnene Freiheit” freuen, sondern nur frustriert sind und es an den Mitmenschen auslassen.

    Kurz: ich will nicht das Alte zurück. Ich will ein achtsameres, langsameres Neu. Wird es das geben? Ich glaube nicht.

    ….eeeek, die Gittermuster hab ich auch!

    Antworten
  19. Martina 12. Mai 2020 um 13:21 Uhr

    Liebe Steffi, der Text ist so so so toll! Und spricht mir – wie meinen “Vorschreiberinnen” direkt aus dem Herzen. Nach 8 Wochen Corona hat sich zwischenzeitlich der Corona-Blues immer mal wieder eingeschlichen. Obwohl wir alles noch wirklich gut wuppen, fühle ich mich seit 2 Wochen ausgelaugt, müde, habe keine Lust mehr auf 3x am Tag kochen, homeschooling und homeoffice. Ich träume – wie Du – wilde Dinge aus meinem “vorherigen Leben”. Woher kommt das? Unser Sohn schlägt sich tapfer – er darf zum ersten Mal morgen wieder in die Schule. Fünf Stunden – mit Abstands- und Hygieneregeln. Es wird nicht so sein “wie früher” – aber er freut sich riesig! Alles besser als nichts. Freunde sehen, sprechen – ein bißchen Struktur. Ich glaube das ist es, was uns fehlt. Nicht “die Struktur” wie vor Corona – immer schneller – immer höher – immer weiter. Aber ein bißchen “Gleichmässigkeit. Ach – ich weiß es auch nicht. Wir halten uns weiterhin wacker und versuchen das Beste aus der Lage zu machen. Anders geht’s glaub’ ich gerade nicht…
    Liebe Grüße!
    Martina

    Antworten
  20. Cristina 12. Mai 2020 um 13:52 Uhr

    Waw, super Text, super geschrieben! Ich fühle mich auch so…

    LG,
    Cristina

    Antworten
  21. Ju 12. Mai 2020 um 14:11 Uhr

    Liebe Steffi, schön zu lesen dass es dir & anderen auch so geht. Erschreckend viele Parallelen: Das vor und zurück, die Exfreunde, das frühere Leben. Wo führt das alles nur hin? Nur einen Tag Pause wäre sooooooo schön und ich muss Beruf und Kind nicht vereinen wegen Kurzarbeit. Darf ich mich dann überhaupt beschweren? Müde bin ich trotzdem, nur einen Tag die Pause Taste finden und alles so machen wie ich möchte, haaaaach! LG Julia

    Antworten
  22. Kat 12. Mai 2020 um 14:48 Uhr

    Ooooh Steffi,

    wunderbar zusammengefasst – I feel you. Alles fühlt sich komisch an…dieses neue Normal, und die Sorge vor einer zweiten Welle und einem möglichen nächsten Lockdown ist immer mit dabei. Wir hatten am Wochenende endlich mal wieder Freunde zu Besuch – ganz vorsichtig, draußen im Garten, ohne anfassen oder umarmen – seltsam.

    Meine Tochter hat heute Geburtstag, ihre Freunde wünschen alles Gute und dass sie kein Corona bekommt.

    Wir hoffen auf unsere PauseTaste in den Pfingstferien…da gehts nach Brandenburg und wir winken der Lexi vom Hausboot aus zu. Versprochen! 😉

    Und vielen Dank für die Auffrischung meiner Erinnerung – ich war auch auf Sprachreise in Broadstairs…etwas mehr als 20 Jahre her und auch da war der Teacher ein verdammt cooler Typ.

    Liebe Grüße in die Kleiderkammer.
    Kat

    Antworten
  23. Diana M. 12. Mai 2020 um 14:58 Uhr

    Witzig, dass es nicht nur mir so geht, dass ich mit den Lockerungen und so einem „dazwischen“ nicht klarkomme. Habe schon einige Diskussionen mit Freundinnen (über sms, whats App) gehabt, weil dieses falsche Signal der Lockerungen sie dazu getrieben hat, sich mit mehreren Leuten zu treffen, ihre Kinder mit anderen Kindern zusammenzubringen usw. Ich kann das nicht! Obwohl es mir das Herz zerreißt, dass meine Kids ihre Freunde schon ? Wochen nicht mehr getroffen haben ….

    Antworten
  24. Tine 12. Mai 2020 um 15:29 Uhr

    So schön zu lesen, dass es soooooo vielen gerade so geht. Ich habe mich auch gefragt als die Spielplätze öffneten, welcher Mensch über 18 denn jetzt bitteschön freiwillig auf einem Spielplatz rumhängen will. Und dann fahre ich an einem vorbei, denke nur so, oh bitte, bitte, hält jetzt jemand meinen Kindern die Augen zu, und der ist überfüllt. Überfüllt. Nächste Woche öffnen die Yoga- und Fitnessstudios – was hab ich mich darauf gefreut, wenn ich als Yogalehrerin wieder live unterrichten darf. Und nun denk’ ich: Äh? Hm. Ich weiß gerade gar nicht, ob ich das will. Und noch mal, so finde ich es schön zu lesen, dass es eine ganze Menge Leute gibt, die genau wie ich auch denken: Es ist eben kein normaler Sommer.

    Antworten
  25. Chantal 12. Mai 2020 um 15:50 Uhr

    Der Text ist wunderbar und so passend! Danke, dass du es in Worte fasst.

    Antworten
  26. KatjaKaba 12. Mai 2020 um 17:19 Uhr

    Schön, dass es dir genauso geht, mit der Müdigkeit und dem „komischen Gefühl“.
    Ich hab das Muttertags Wochenende genutzt und gesagt: jetzt dürft ihr mich mal „ummuttern“ und ganz viel geschlafen. Der Mann hat Essen geholt und Sohnemann ein Tiramisu selber als Nachtisch gemacht. Die Tochter hat das Abendessen zubereitet. Nach zwei Tagen rumlümmeln ging es mir schon besser und die Corona-Zeit zeigt mir, wie wichtig mir meine Familie ist und dass das sinnvoll investierte Zeit ist, wo man später im Alter vielleicht auch etwas zurückbekommt. Und shoppen bringt mir gar nichts mehr.
    Liebe Grüße

    Antworten
  27. Lydia 12. Mai 2020 um 18:56 Uhr

    Ist jetzt vielleicht etwas banal, aber kennst du die tollen Wärmfalschen von Troy? Die werden nicht so heiß und bleiben dafür länger warm. Da geht dann beides: warme UND schöne Beine

    Antworten
  28. Karen 12. Mai 2020 um 22:26 Uhr

    Genauso!!! Danke

    Antworten
  29. Claudia 12. Mai 2020 um 23:01 Uhr

    Liebe Steffi, danke, dass du deine Gedanken dazu teils! Ich hab auch das Gefühl, noch nicht so weit zu sein. Der Schritt zurück ins „alte“ normale Leben fällt mir gerade noch schwer. Vielleicht werde ich nächste Woche mit Schulbeginn zurück gezwungen – aber ganz ehrlich: wir (also meine Familie und ich) hatten die letzten Monate auch eine echt gute Zeit. Stressig, laut, chaotisch, aber auch sehr schön!

    Antworten
  30. Natalie 13. Mai 2020 um 07:37 Uhr

    Liebe Steffi,
    Es ist schön zu lesen,dass es vielen so geht wie mir.Vielleicht freuen wir uns in Deutschland auch nicht so, weil wir Mitgefühl mit anderen Menschen haben, die zwar auch in Europa leben, das aber diesmal nicht hilft. Wir sind es leider gewohnt, dass “irgendwo” Krieg herrscht, dass es “irgendwo” kein Wasser gibt, dass “irgendwo” hygienische Massnahmen abwesend sind. Wenn wir Fernreisen machen, lassen wir uns Impfen, Reisen in Europa machen niemandem Sorgen, hier hat alles einen gewissen Standard. Diese Glaubenssätze wurden dieses Mal auf den Kopf gestellt, wir fühlen uns machtlos und selbst betroffen von dem Leid der anderer bzw. von dem Leid das einige von uns auch ereilt hat.
    Ich bin im Herzen bei allen, die schwere Zeiten durchmachen und wünsche,dass wir gemeinsam irgendwann wieder unbeschwert sein können.

    Lieben Gruß Natalie

    Antworten
  31. Nadine Berger 13. Mai 2020 um 08:15 Uhr

    Von Herzen Danke für diesen Artikel…fühle mich sehr ertappt…und gesehen und Danke!

    Antworten
  32. Kerstin Sap 13. Mai 2020 um 08:32 Uhr

    Liebe Steffi,
    was für ein wunderbarer ter Text!! Ich habe auch so große Sehnsucht einfach nur mit mir allein zu sein, ich brauche dringend Ruhe, aber die ist leider nicht in Aussicht. Da passiert grad einfach zu viel. Und ich habe auch ein Gittermuster an den Beinen!!! Das nehme ich auch gerne e in Kauf, denn dss wohlige Gefühl möchte ich nicht missen. Sehr beruhigend, dass es noch mehr Frauen gibt, die das haben. So verschieden sind wir alle im Grunde gar nicht
    Ganz liebe Grüße
    Kerstin

    Antworten
  33. Maike 13. Mai 2020 um 13:38 Uhr

    Auch von mir vielen Dank, liebe Steffi, für den Artikel und an alle Kommentare, die mir zeigen, dass ich nicht allein bin mit diesen zwiespältigen Gefühlen.

    Wir hätten uns sicher alle gewünscht, dass die Lockerungen kommen, weil die Gefahr gebannt ist. Aber sie kommen, weil (dank der bisherigen Erfolge) die Verantwortung ein stückweit an den Bürger zurückgegeben wird. Wir dürfen/müssen wieder raus ins Leben. Das ist ein kleines bisschen Freiheit MITTEN in einer Pandemie.

    Aber es bedeutet auch, dass es weniger Klarheit gibt, denn offenbar sind die Auslegungsspannen der Regeln ziemlich individuell (da reicht schon ein Blick in unseren Freundeskreis).

    Wir sind also auf die Rücksicht der anderen Menschen angewiesen, um uns (und damit auch wieder andere Menschen) zu schützen. Ich sehe aber immer vollere Straßen, immer weniger Abstand und immer geringeren Respekt vor der Situation. Deshalb fühlt es sich für mich in unserem geschützten Raum zur Zeit noch besser an, als in der Stadt, in Meetings, oder in überfüllten Geschäften.

    Und irgendwann, wenn wir tatsächlich das Virus im Griff haben, dann bin ich mir sicher, dass auch wieder die Erleichterung und Freude spürbar wird. Wir sollten uns vielleicht einfach noch ein bisschen Zeit und weniger Strenge mit uns selbst gönnen. Dazu gehören auch zu heiße Wärmflaschen und die Decke über dem Kopf, wenn man sie braucht.

    Liebe Grüße,
    Maike

    Antworten
  34. Verena Pisall 13. Mai 2020 um 13:41 Uhr

    Liebe Steffi
    Kein Gittermuster, aber sonst fühle ich in allem mit dir (ausser, dass ich mir auch noch meine Lieblingstasse zerschlagen habe und mich eigentlich in eine neue verliebt hätte, aber die Lieferkosten in die Schweiz unverschämt hoch sind, wofür die Töpferin aber nichts kann.) Und ich hab mir jetzt endlich Untamed gekauft, das schon länger auf meiner Leseliste stand. Danke für die Erinnerung!
    Liebe Grüsse aus der Schweiz, wo es auch einfach nur seltsam ist.
    Verena

    Antworten
  35. Kerstin 14. Mai 2020 um 08:21 Uhr

    Ach Steffi, Du sprichst mir so aus dem Herzen! Danke für diesen ehrlichen Text!!!
    Ich verstehe nicht wie manche so tun als wäre nie was gewesen, what?! Bin ich die Einzige die denkt, es ist sowas wie eine neue Zeitrechnung?!! Ich möchte nicht raus mich treffen, ich möchte leise weinend im Bett sitzen, Tee trinken und den Hund kuscheln! Nur dann wird das alles irgendwann besser……Dieses Fucking Corona !
    Liebe Grüße & gesund bleiben

    Antworten
  36. Anne 14. Mai 2020 um 14:42 Uhr

    Danke, Steffi, für diesen Text. Du hast so recht. Und vor allem der Part mit dem “im-Leben-vor-und-zurückspulen” passt hier auch gerade. Hängt vielleicht auch damit zusammen in letzter Zeit soviel sortiert zu haben. Und sogar meine Mutter bekam einen Flash den Dachboden aufzuräumen und ich musste meinen “alten Kram” abholen. War so vieles Gutes, Lustiges, Interessantes dabei, aber eben auch Schulsachen aus der Oberstufe, arrgh, die wollte ich eigentlich nie wieder sehen.
    Viele Grüße!

    Antworten
  37. Birgit 14. Mai 2020 um 21:52 Uhr

    Einfach nur Liebe!! Für dich, fürs hier echt sein, für so viel Schönes hier auf dieser Seite, im Abo, für dein tolles Team, für Podcasts, für Insta(Stories)…

    Boah Steffi, ich liege gerade sogar mit einem Doppelpack Wärmflaschen im Bett! Bin schon viele Jahre hier dabei, eher so der stille Typ, aber ganz ehrlich, was du hier so rockst ist der Wahnsinn, du & ihr werdet immer besser, aber bitte gebt alle auf euch acht! Und ich würde euch jetzt gerne mal mind. 1 Woche frei geben, denn echt, was du & dein Team hier leistet ist kaum in Worte zu fassen.
    Danke dafür!

    Antworten
  38. Julia 16. Mai 2020 um 08:07 Uhr

    Liebe Steffi!

    Danke, du triffst mal wieder den Nagel auf den Kopf! Es geht hier am Ende auch meiner Meinung nach nicht um Frau oder Mann, Mutter oder nicht.

    Ich muss dabei an die Worte von Betty Draper in MadMen an ihre Tochter denken:

    „Only boring people get bored“.

    Ist es nicht genauso so und nicht anders? Es gibt eben die Menschen, die immer Action und andere Leute um sich haben müssen, weil sie mit sich allein nicht klar kommen würden, wenig eigene Interessen haben, oder in ein tiefes Loch fallen, weil sie mit sich selbst nicht wirklich im reinen leben. Für die waren die letzten Wochen der blanke Horror oder haben alles einfach ignoriert.

    Ja, und dann gibt es eben Menschen wie du und ich, die gar nicht wissen wohin mit der Zeit – so viele Dinge die uns interessieren, Bücher die man schon immer lesen wollte, vergessene Hobbys, spazieren gehen im Wald, endlich wieder ehrliches Zuhören und tiefe Gespräche (Telefon statt Whatapp) mit Menschen, die einem gut tun, aber im Alltag untergehen. Oder eben einfach nur mal „vor sich hinblicken“ im Hier und Jetzt ohne irgendeine Beschallung. Muss Bullerbü schön sein! Und ja, warum leb ich eigentlich noch mitten in der Stadt, wenn mir die Natur so gut tut und ich hinzu noch richtig Geld spare. Mmhhh.

    Ich verurteile niemanden, jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen, aber umgekehrt möchte ich auch nicht für mein Verhalten Spitzen abbekommen. Ich fand die letzten Wochen einfach richtig geil!

    Corona ist nicht weg und doch hat es uns allen einen frisch polierten Spiegel vorgehalten. Ich musste weinen, als ich zuletzt das Video von Tom Foolery sah. Ich finde, es ist Zeit, dass wir unser Happy End selbst in die Hand nehmen.

    Doyle liegt im Warenkorb und der Wasserkocher glüht.

    Julia

    Antworten
  39. SU 16. Mai 2020 um 11:38 Uhr

    EIN TOLLER TEXT, JULIA!
    ICH FINDE, DASS WIR GENAU DIESE CHANCE IN DER KRISE ERKENNEN SOLLTEN.
    MICH MACHT SIE DANKBARER, DEMÜTIGER, LIEBEVOLLER. (BEGRIFFE, DIE ICH FRÜHER KITSCHIG FAND). ES KONNTE DOCH SO HIER NICHT WEITER GEHEN. IMMER SCHNELLER, HÖHER, WEITER!
    DAS VIRUS IST (IN MEINEN AUGEN) GEFÄHRLICH GENUG, UM DIE GANZE WELT IN ATEM ZU HALTEN UND ANDERERSEITS FAST HARMLOS, MILDE, UM UNS EINE CHANCE ZU GEBEN, ES BESSER ZU MACHEN. AB JETZT. MENSCHLICHER, SOLIDARISCHER, GERECHTER, UMWELTFREUNDLICHER…….

    <3

    Antworten
  40. Verena 22. Mai 2020 um 08:55 Uhr

    Und jetzt noch: Danke, danke, danke für den Buchtipp. Hab gestern mit “Untamed” begonnen und finde es grossartig. Das richtige Buch zur richtigen Zeit.
    Liebe Grüsse
    Verena

    Antworten
  41. Anna-Lena 23. Mai 2020 um 13:04 Uhr

    Der Wahnsinn, Steffi, wie du es auf den Punkt bringst…und die Kommentare von all den anderen Leserinnen find ich sehr beruhigend-dass nimmt die Einsamkeit aus der sozial isolierten Coroana-Situation…danke euch!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
* Erforderliche Felder sind markiert