Wonach ist dir heute?

Mehr Stolz, weniger Selbstzweifel.

Wer sind eigentlich oft meine Zeiträuber? Darüber habe ich in den Weihnachtsferien viel nachgedacht. Ich verfeinere immer mehr mein Ordnungssystem, so dass Aufräumen sehr fix geht und ich nicht ständig nach Dingen suchen muss. Trick eins: Alles hat seinen festen Platz und alle kennen ihn (oder tun zumindest so). Trick zwei: Weniger besitzen, behält man besser den Überblick.

Die zwei großen Zeiträuber aber heißen: Selbstzweifel und Perfektionsanspruch. Es steht nicht ohne Grund auf meinem Kalender für 2019 „Be proud“ in großen goldenen Buchstaben.

Das muss ich nämlich noch üben: Noch stolzer auf das zu sein, was ich tue.

Natürlich ginge alles immer noch besser – aber so wie ich es mache, ist es gut genug. Mehr als das. Das möchte ich mir 2019 endlich mal selbst glauben. Und die Zeit, die ich sonst in manchen Bereichen mit Selbstzweifeln vertrödele, für neue Ideen nutzen. Bei Psychologin Miriam Junge, die ihr in der Endlich Om-Podcast-Folge zu Weihnachten kennengelernt habt, habe ich ein Coaching unter anderem zu dem Thema gebucht. Ein Tipp von ihr, der gleich hängenblieb:

Selbstzweifel minimiert man, in dem man weniger schaut, was andere tun, sich auch nicht groß bei jemanden absichert, sondern sich selbst einfach sagt – “Ich mach das jetzt. Das wird schon. Ich vertrau’ mir”.

Wer macht mit?

Ich mag auch sehr, was Brené Brown zum Thema Perfektion hier geschrieben hat.

 

Mehr tiefergehende Gespräche, weniger Oberflächlichkeit.

Vor kurzem saß ich mit drei spannenden Müttern auf einem Kindergeburtstag. Die Kinder spielten friedlich, wir hatten Zeit zum Reden. Wir sind nicht alle Freundinnen, sehen uns nur gelegentlich, weil unsere Kinder befreundet sind. Es war nett, es war total nett. Nur surften wir alle vorsichtig an der Oberfläche, keine von uns traute sich tiefer einzutauchen. Obwohl wir fast alle im gleichen Alter sind, alle zwei Kinder, alle ähnliche Gedanken/Sorgen/ (geplatzte) Träume. Auf dem Heimweg sagte meine Freundin: „So, das hätten wir geschafft – abgehakt!“ Und ich dachte:

Ich will nicht mehr abhaken.

Ich möchte meine Zeit nicht mehr vertrödeln. Ich möchte sie maximal auskosten. Ich hätte so gern gehört, worüber die Frauen wirklich nachdenken. Bestimmt wäre auch eins meiner Themen dabei gewesen. Nur irgendwas hielt auch mich zurück. Beim Gehen, beim Schuhe anziehen, rückte die Gastgeberin plötzlich mit einem großen, sie sehr bewegenden Thema raus. Eigentlich hätten wir umdrehen, Essen bestellen, den Kindern ein Schlaflager machen und uns beraten sollen. Stattdessen sprachen wir ihr ein bisschen Mitleid aus, Mut zu und jeder ging für sich alleine Heim. Weiter Häkchen machen. Wie bekloppt. Als wäre das das echte Leben.

 

Mehr einfach drüber lachen, weniger Dinge ernst nehmen.

Quatsch machen nennen unsere Kinder und wir das. Nicht groß nachdenken, sondern einfach etwas machen, dass vielleicht nicht viel Sinn ergibt, aber lustig ist. Beim Spielen funktioniert das super, es macht tierisch viel Spaß und entspannt zugleich. Im Jobleben kann man damit manchmal Leute herrlich aus dem Konzept bringen und somit ganz viel Raum für Neues schaffen. Den Trick wendet auch der britische Komiker Jack Whitehall an. In seiner Travel-Doku “Jack Whitehall: Travels with my father” (über Netflix) geht er mit seinem Vater, der so ganz anders tickt als er, auf Reisen. Beim Anschauen von Staffel eins haben wir ernsthaft Tränen gelacht. Guckt es euch bitte an, vor allem, wenn ihr plant demnächst nach Asien zu reisen. Oder eure Eltern (oder euch als Eltern) einfach manchmal viel zu ernst nehmt.

 

Mehr Pflanzliches, weniger tierische Produkte.

Wahrscheinlich werde ich jetzt endlich Vegetarierin. Wenn nicht sogar Veganerin.  Ich weiß, ich kann es selbst auch noch nicht glauben. Vielleicht wird es auch eine Mischform. Vielleicht dauert es auch noch länger bis ich es wirklich schaffe. Ich möchte mich nur mit dem Thema unbedingt mehr beschäftigen, da ich wirklich geschockt war, was ich in dem Film “Hope for all”(via Amazon Prime, Leserin Nina hat mich darauf gestoßen) sah zum Thema Massentierhaltung und die damit zusammenhängende Abrodung der Regenwälder, den Fütterungswahnsinn, den Teufelskreis in dem wir uns zu befinden scheinen als Fleisch- statt Pflanzenesser.

Ich komme vom Land, mit vielen Bauern und Kühen.

Meine Oma hatte eine (Getreide-) Mühle. Viele Freunde betreiben Höfe. Als Kinder schlichen wir uns manchmal als Mutprobe in die Schlachterei bei uns in der Nähe. Ich bin ganz bestimmt nicht naiv, was Tierhaltung und Fleisch essen angeht, aber ich scheine die Explosion des Marktes und damit die Folgen für unser aller Gesundheit und die Umwelt bisher irgendwie nicht ganz durchgeholt zu haben. Wie viele leider. Ich lese jetzt viel zu dem Thema, auch wie man kleinbäuerlichen Betrieben helfen kann, wenn man gern weiter Fleisch und Milchprodukte konsumieren möchte, nur eben maximal fair und gesund produziert. Parallel versuche ich aber auch zu verstehen, wie ich als Käseliebhaberin jemals ohne Milchprodukte leben könnte.

„Es geht nicht darum, alle Produkte eins zu eins zu ersetzen,“ erklärte mir Lynn Hoefer bei meinem leicht panischen Anruf nach dem Film. „Es geht darum, Mahlzeiten und Gerichte neu für sich zu definieren. Alternative Gerichte zu finden: Statt dem klassischen Käsebrot zum Beispiel Hummus auf Süßkartoffeln oder auch mit Crackern zu essen.“ Das tun wir eh schon viel und es schmeckt toll. Ich nähere mich dem Thema jetzt Stück für Stück.

 

Mehr in Ruhe Reisen, statt schnellen Konsum.

Mehr Urlaub. Mehr gemeinsame schöne Erlebnisse mit unseren Kindern. Das war unsere Moral von der Geschicht’ nach wirklich sehr entspannten, schönen Weihnachten. Davon wollen wir mehr. Damit wir uns das leisten können, sparen wir gerade an anderen Stellen. Sortieren weiter aus, verkaufen fleißig bei Ebay und über Kleiderkreisel und sind noch kritischer bei Neuanschaffungen.

Der erste Urlaub ist bereits gebucht. Im Februar, über meinen vierzigsten Geburtstag und den dritten unseres Sohnes. An einem Ort, in einem Hotel, wo ich seit Jahren mal hinwollte, aber immer zu knauserig war, weil es wirklich sauteuer ist. Aber, so sagen viele Freunde, dafür auch wunderschön. Ein Buch, in dem es darum geht so zu tun, als hätte man nur noch ein Jahr zu leben und mit dem Gedanken das nächste Jahr zu planen und Entscheidungen zu treffen hat mich dazu gebracht, es jetzt zu buchen. Mehr erfahrt ihr zu dem Thema in der Podcastfolge am 1.2.19, dann treffe ich die Autorin.

Und obwohl der Ort, an den wir fahren sehr, sehr, sehr instagrammable ist, werde ich die Woche wieder offline sein, um es maximal genießen zu können. Dafür habe ich unseren Kindern schon beim letzten digital Detox einen Trick beigebracht. Sie sollen rufen: „Finger weg vom Handy!“, wenn sie mich oder meinen Mann damit sehen! Nicht nur im Urlaub. Damit kann man sich herrlich selbst austricksen.

 

Und wovon wünscht ihr euch weniger und mehr für 2019?

Ich bin gespannt & sehr glücklich, wieder hier zu sein! Das wird eine sehr spannende Woche: Mittwoch zeigt euch Lynn nicht nur ein köstliches Rezept, sondern erzählt etwas dazu, welche Themen 2019 ernährungstechnisch wichtig werden und Freitag kommt eine neue Endlich Om-Podcastfolge mit einer sehr bewegenden Lebensgeschichte.

Ich freu mich auf 2019 mit euch!

Herzlich,

Steffi

Fotos der Reihenfolge nach – Holly Mandarich, Nathan Anderson, Hybrid, Lloyd Dirks, Simon Migaj via Unsplash.

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Julia B.-L. 21. Januar 2019 um 11:21 Uhr

    Liebe Steffi,

    das Thema „oberflächliche Gespräche“ unter Müttern kann ich nur zu gut verstehen. Jeder lästert ein bisschen über den Partner und gibt zu, dass die Kinder einen manchmal an den Rand des Wahnsinns bringen und alle lachen und stimmen zu. Aber was ist mit anderen wichtigen Themen? Was, wenn die Ehe fast zerbricht? Oder man zugeben möchte, dass man eigentlich kein Kind wollte und es auch nicht noch einmal machen würde? Wenn der Partner, die Verlobung gelöst hat oder einen nach der Geburt der Kinder nicht mehr sexy findet?
    Bei einem Brunch mit Laufpartnerinnen, die man eigentlich gar nicht so gut kennt, kamen einmal die richtig schwierigen Themen auf den Tisch und es hat allen so gut getan. Geteiltes Leid ist eben oft halbes Leid. Und das sollten wir Frauen vielen öfters nutzen.
    Ich plädiere dafür, diesen Gesprächen mehr Tiefe und Offenheit zu geben.

    Liebe Grüße,
    Julia

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