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Lernen von den Best(i)en:

Kann die Masterclass mit Vogue-Chefin Anna Wintour was? Alexa von Heyden hat sie sich angeschaut und sogar drei Dinge von der angeblich schlimmsten Chefin der Welt gelernt.

Text – Alexa von Heyden

Seit “Der Teufel trägt Prada” glauben wir alle zu wissen, was hinter den Kulissen der amerikanischen Vogue abgeht. Dort sorgt “Nuclear Wintour” für Angst und Schrecken – und jede Menge Tränen.

Unvergesslich ist die Szene in dem Buch, in der die Protagonistin Andy den neuen Harry Potter noch vor der offiziellen Veröffentlichung für die Kinder ihrer Chefin Miranda Priestly aka Anna Wintour besorgen soll. Es ist nur eines der täglich vielen utopischen To-dos, welche die junge Frau von ihrer Vorgesetzten auf den Tisch bekommt. Das Buch endet damit, dass sie sich irgendwann endlich mit “Fuck you, Miranda. Fuck you” wehrt und gefeuert wird. Als Leserin und damals junge Moderedakteurin wünschte ich mir, dass auch ich nur einmal in meinem Leben den Panzer aus Pflichtgefühl und Zukunftsangst zugunsten meiner Würde mit so einem Bumms gesprengt hätte.

Und nun soll ausgerechnet Anna Wintour, die Schreckschraube mit dem Power Bob, ein Guru in Sachen Kreativität und Leadership sein? Das zumindest suggeriert der Online-Kurs “The Masterclass: Anna Wintour”, eine Reihe, bei der schon Fotografin Annie Leibovitz oder Schriftstellerin Margaret Atwood ihr Know-how teilten.

100 Euro kostet der Einblick in den Kopf der laut Wirtschaftsmagazin Forbes “Mächtigsten Frau in den Medien und Entertainment”. Meine Kreditkarte für den All-Access-Zugang war schnell gezückt, denn diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen. Anna Wintour ist seit über 30 Jahren Chefredakteurin der wichtigsten Modezeitschrift der Welt. Ein Business, das vorne glitzert und glamourt und hinter den Kulissen brutal ist, was die Bezahlung, Arbeitsstunden, Karriereaussichten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrifft. Ich weiß, wovon ich rede.

Tatsächlich kommentiere eine Frau unter der Masterclass-Werbung auf Instagram, dass man Tyrannei nicht mit Leadership verwechseln dürfe. Annas Führungsstil sei “achtziger”. Genau so habe ich auch gedacht. Bis ich ein Interview mit Elaine Welteroth las. Die ehemalige Chefredakteurin der Teen Vogue, und erst zweite schwarze Führungskraft in dem über 100 Jahre alten Condé Nast Verlag, zeichnete ein differenziertes Bild. Sie bezeichnete Anna Wintour als die entschlossenste Frau, für die sie je gearbeitet habe. Wie jetzt?

Nach einem 15-minütigen Meeting mit ihr wisse man genau, was man zu tun habe, berichtet die Journalistin und Bestseller-Autorin von More Than Enough: Claiming Space for Who You Are (No Matter What They Say). Anna Wintour sei eine aufgeschlossene Frau, die Talent fördert und darauf achtet, dass nicht nur sie, sondern das gesamte Team ein Stück vom Kuchen abbekommt. Ach so?

Elaine Welteroth stellte auch fest, dass in Hinblick auf die weibliche Führungskraft ein Wandel stattgefunden habe: Die Fähigkeiten, die Frauen früher auf den Chefsessel brachten, sind heute nicht mehr die gleichen, die sie brauchen, um diese Position zu halten.

Ich versuchte mir diese schlauen Sätze zu merken, hatte ich mir in meiner Laufbahn doch immer genau so eine Vorgesetzte gewünscht: Eine, die mich fordert und fördert. Was Anna Wintour längst kapiert hat:

Nichts ist produktiver, als ein zufriedener Mitarbeiter.

Und so fühlen sich die 12 Lektionen ihrer Masterclass nicht nur wie ein Crashkurs in Sachen Führungsstil und Team Building an, sondern wie ein Appell an ein uneingeschränktes Selbstvertrauen und die eigenen Instinkte.

3 Dinge, die ich von Anna Wintour gelernt habe:

1. Sei dir deiner Entscheidungskraft sicher (“Own your decisions”)

Eine Führungskraft oder überhaupt ein Mensch mit einer Vision zu sein, bedeutet die richtigen, aber auch in den Augen anderer Leute “falschen” Entscheidungen zu treffen. Anna Wintour zeigte Madonna erstmals auf dem Cover eines Magazins und löste damit eine Kontroverse aus. Sie ließ sich ebenso von ihrem Instinkt leiten, als sie Hillary Clinton mitten in der Lewinsky-Affäre aufs Titelblatt holte und Reality-TV-Star Kim Kardashian im Hochzeitskleid auf dem prestigereichen Cover zeigte. So lange man der eigenen Vision folgt und die Ohren auf den Schienen der Zeit legt, macht man laut Anna alles richtig. “Du führst. Du folgst nicht”, erinnert Anna Wintour. Wer möchte, kann sich das gerne aufs Kopfkissen sticken.

2. Ohne dein Team bist du nichts. Nichts! (“You are nothing – nothing! – without a good team”)

Es gibt laut Anna Wintour nichts Wichtigeres, als in ein gutes Team zu investieren. Das Feedback an ihre Mitarbeiter ist deshalb immer prompt, eindeutig und direkt. So will sie jeden ihrer Mitarbeiter zu eigenverantwortlichen Entscheidungen ermächtigen. “Ich glaube nicht an Mikromanagement”, sagt Anna Wintour. Das bedeutet, dass sie nicht jede Bildunterschrift abnehmen oder bei jedem Shooting dabei muss. Auch wenn das Ergebnis anderes ausfällt, als sie es sich vorgestellt hat. “Ich habe gelernt Überraschungen zu lieben.” Welche Chefin kann das von sich behaupten?

3. Wenn’s scheiße läuft, musst du erst recht Gas geben (“When things feel dark, don’t retreat”)

Das ist jetzt sehr salopp geschrieben, zumal Anna Wintour dieses Kapitel mit den Terroranschlägen des 11. September beginnt. Nachdem die Türme des World Trade Centers gefallen waren, befand sich die Welt in einem Schockzustand. Die New Yorker Fashion Week wurde sofort abgesagt. Auch in der Vogue-Redaktion wusste niemand, wie es weiter geht. Ein Rückzug war für Anna keine Option. Sie überlegte, wie sie ihr Team mobilisieren konnte. Mit dem CFDA/Vogue Fashion Fund sicherte sie die Zukunft der amerikanischen Modeszene. Das Signal damals: “Jetzt erst recht!”

 

Mein Fazit: Man sollte nie versäumen, sich selbst eine Meinung über jemanden zu bilden. Vor allem über die angeblichen Arschlöcher. Ich kenne Anna Wintour zwar nicht persönlich, aber in der Masterclass teilt sie nicht nur ihr Know-how, sondern beweist Empathie und Humor. (Journalist fragt: “Was erwarten Sie von ihrer Assistentin?” – Wintour antwortet: “Das sie kein Buch über mich schreibt!”)

Anna Wintour begann ihre Karriere in Zeiten, in denen das Patriarchat noch gemütlich furzend im Chefsessel saß und die “Männer in Anzügen” sie aufgrund möglicherweise schlechter Verkaufszahlen daran hindern wollten, eine schwarze Frau auf dem Cover der Vogue zu zeigen. Das war 1989 und die schwarze Frau hieß Naomi Campbell. Anna Wintour, Tochter eines britischen Journalisten, kickte alle Steine, die man versuchte ihr in den Weg zu legen, mit ihren Prada-Pumps zur Seite. Naomi kam aufs Titelblatt.

Wir können also nicht das Empowerment feiern und dabei eine der erfolgreichsten Frauen der Welt und Wegbereiterin für viele andere hochtalentierte Frauen und Männer verdammen, weil vor 15 Jahren ein Buch auf den Markt kam, in dem steht, dass sie angeblich eine Bitch ist. Ihre Karriere ist beispiellos und ein Meilenstein in der Geschichte der weiblichen Führungskultur. Es liegt an uns: Wir können uns vieles von Anna Wintour abschauen – und einiges sicher noch besser machen.

 

 

Über diesem Artikel steht Werbung, weil wir Masterclass nennen. Dies ist keine Kooperation, wir haben den Kurszugang selbst gekauft und bezahlt. 

Text – Alexa von Heyden

10 Comments

  1. Antworten Heike 16. September 2019 um 09:30 Uhr

    Liebe Alexa,
    das klingt für mich trotz deines wirklich schönen Schreibstils nach einer guten PR-Masche bzw. neuer Erlösquelle für den geschwächten Condé Nast Verlag. Wenn die Erkenntnis des Webinars lediglich der ist, seiner Vision (???) beinhart zu folgen, ist das doch nur eine gelungene Image-Green washing-Aktion für Anna Wintour, sonst nix. Aber allein Deine Headline “ Lernen von den Best(i)en” war’s wert.. und Danke, dass ich mir 100€ gespart habe. Montags-Sonnengrüße, Heike Eva

    • Antworten Alexa von Heyden 16. September 2019 um 11:44 Uhr

      Liebe Heike, danke für dein Kommentar. Klar, so eine Reihe hat viel mit Eigen-PR zu tun. Aber 15 Jahre nach “Der Teufel trägt Prada” finde ich es legitim, dass auch Anna Wintour mal zu Wort kommt. Auf professioneller Ebene habe ich viel von ihr gelernt, denn ich kannte bisher vor allem nur meine Vorurteile gegen sie. Ihre kreative Vision (von Vogue, CFDA Awards und der Met Gala) und ihre Arbeitsweise haben mich beeindruckt. Ist doch schön, wenn sich eine Bestie eigentlich als ganz okay entpuppt.

  2. Antworten Angela - designhaus no.9 16. September 2019 um 10:58 Uhr

    Danke für’s Testen. Mir ist die Ankündigung zur Masterclass ständig auf Insta erschienen. Und ich habe mich oft gefragt, ob das was ist. Mich würde allerdings der Kurs von Annie Leibovitz interessieren, da ich das Fotografieren liebe. Vielleicht mache ich das noch, sobald ich die verdammte Zeit dazu finde. 🙂 Die suche ich noch!

  3. Antworten Marina Zubrod 16. September 2019 um 13:45 Uhr

    Großartig – danke für den Artikel als Anregung es mir ebenfalls anzusehen. Wir brauchen weibliche Vorbilder, die laut ihre Geschichte erzählen – und jede*r kann sich selber raus picken, welche Tipps man annehmen will und welche nicht.

  4. Antworten Katrin 16. September 2019 um 19:24 Uhr

    Hear hear!
    Danke, finde ich einen tollen Artikel. Wir sollten alle den Mut haben unsere eigenen Vorurteile über andere zu hinterfragen und unseren Blick auf die Dinge zu lenken, von denen wir lernen können.

  5. Antworten Katrin 17. September 2019 um 07:16 Uhr

    Ich stimme Dir wirklich in allem zu. Super geschrieben, super aufbereitet!

  6. Antworten Sandra 19. September 2019 um 14:22 Uhr

    Ich war mir auch unsicher, ob ich das Geld für das Seminar investieren soll und bin froh hier die Zusammenfassung zu lesen.

    Leider beweisst gerade dieser Artikel, der mich interessiert, warum ich immer seltener hier mitlese. Schreckschraube mit Powerbob?? Really? Muss man so über jemanden reden? Wenn man die Doku September Issue gesehen hat, dann weiss man dass das nicht stimmt. Sie mag eine strenge Chefin sein. Aber eben Chefin.
    Ständig wird bei OhhhMhhh gepredigt zusammenzuhalten, uplifting und empowering zu sein und dann sowas…schade. Und leider nicht das erste Mal.

    • Antworten Steffi 19. September 2019 um 16:34 Uhr

      @Sandra: Liebe Sandra, ich glaube, du nimmst da was aus dem Zusammenhang. Alexa nennt Anna Wintour ja nicht selbst eine Schreckschraube mit Powerbob, sondern bezieht sich darauf, dass sie angeblich so furchtbar ist, laut dem “Der Teufel trägt Prada”-Buch. Alexa schreibt doch selbst, dass man niemanden vorverurteilen sollte und jeder eine zweite Chance verdient und sie von Anna Wintour viel gelernt hat. Hier auf OhhhMhhh.de gibt es genau wie du es beschreibst, den Aufruf zur gegenseitigen Unterstützung seit mittlerweile zehn Jahren. Das wird auch immer so bleiben. Herzliche Grüße, Steffi

  7. Antworten Petra von FrauGenial 19. September 2019 um 19:23 Uhr

    Bin erst letztes über YouTube auf die Masterclass umWintour aufmerksam geworden. Ich finde, wenn man einzelne Interviews liest, dann ist sie durchaus eine Frau, die weiß, wie der Hase läuft, denn Verantwortung kann sie alle mal tragen. Und steht dafür ein. Manche Chefs würden glatt von Ihr noch etwas lernen können.

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  • spoon Werbung
    Zuckerschnuerl
    Lillibell
    Nordliebe
  • Kann die Masterclass mit Vogue-Chefin Anna Wintour was? Alexa von Heyden hat sie sich angeschaut und sogar drei Dinge von der angeblich schlimmsten Chefin der Welt gelernt.

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