Wonach ist dir heute?

Zusammen mit zwanzig LeserInnen durften wir vergangene Woche vorab den Kinofilm “Little Women” in Berlin sehen. Es ist eine weitere Verfilmung des Historiendramas auf Grundlage des Romans von Louisa May Alcott. Vier Schwestern meistern ihr Leben nach dem Bürgerkrieg auf unterschiedliche Weise und eine davon… – das verraten wir natürlich nicht! Wir haben beim Anschauen des Films geweint, gelacht und vieles sehr genossen. Warum man diesen Film, der heute am 30.1.2020 deutschlandweit in die Kinos kommt, unbedingt sehen sollte – hier kommen unsere fünf Gründe und ‘ne Menge Gossip:

1.) Diese Version ist die bisher beste. Und feministischste.

Naaaaatürlich haben wir “Betty und ihre Schwestern” ebenfalls geliebt und beim Anschauen ordentlich geweint. Für Mitte der Neunziger Jahre war die Romanadaption auch wirklich gut gemacht. Unsere damaligen Schauspiel-Heldinnen Winona Ryder, Claire Danes, Kirsten Dunst – alle  haben großartig gespielt und wir hätten sonst was dafür getan, ihre Schwestern sein zu dürfen. Nur hat die Regisseurin und Drehbuchautorin Greta Gerwig in der “Little Women”-Version noch mehr herausgearbeitet, worum es in dem Original schon ging: Das Thema Feminismus.

Die Darstellerinnen wirken noch selbstbewusster, schlauer im Sinne von mündig, ihre eigenen Entscheidungen treffen zu können. Und der männliche Hauptdarsteller ist nicht wie in “Betty und ihre Schwestern” das Klischee eines großen, starken Beschützer-und-ich-lös-alle-Probleme-für-dich-Mannes à la Christiane Bale, sondern wird dargestellt von dem zerbrechlich wirkenden, viele Emotionen zeigendem Timothée Chalamet. Der schon in dem Film “Call Me by Your Name” beeindruckend spielte – als 17-jähriger verliebt in einen älteren Mann.

Bravo Greta, Bravo, Bravo, Bravo!

 

2.) Greta Gerwig tritt bei den Oscars gegen ihren Ehemann an.

In sechs (!) verschiedenen Kategorien ist “Little Women” bei den diesjährigen Oscars nominiert. Unter anderem als “Bestes Drehbuch” und “Bester Film”, in zwei der Königsdisziplinen also. Das Lustige: Gerwigs Mann Noah Baumbach geht dafür mit seinem Film “Marriage Story” ebenso ins Rennen! In insgesamt vier Kategorien treten sie gegeneinander an.

Was allerdings gar nicht lustig ist: Der begehrteste Preis des Abends – der Oscar für die beste Regie – wird auf jeden Fall an einen Mann gehen, es ist keine einzige Regisseurin im Jahr 2020 nominiert. So ist es schon das zweite Jahr in Folge. Wie sagte Schauspielerin Olivia Wilde so schön:

“Denken die, Little Women hat sich von allein gedreht?”

Falls jetzt noch irgendwer denkt: “Warum ist die bloß so verliebt in diese Greta?!” Habt ihr Lady Bird gesehen? Hat sie auch geschrieben und gedreht – der wahrscheinlich beste Mutter-Tochter-Film aller Zeiten. Oder sie als Schauspielerin in Frances Ha? Ach, ich lieb sie einfach sehr! Auch dafür, dass sie einfach weiter einen großartigen Film nach dem anderen dreht, bis sogar in Hollywood Gleichberechtigung herrscht.

 

3.) Meryl Streep! Laura Deern! Emma Watson! Saoirse Ronan!

In den ersten paar Sekunden von “Little Women” weiß man gar nicht, wo man als erstes hinschauen soll. Der Film ist so hochkarätig besetzt, dass man kurz denkt, sich auf eine Hollywood-Party verlaufen zu haben: Emma Watson spielt eine der vier Schwestern. Meryl Streep ist die Großmutter (brilliant wie immer), Laura Dern gibt die liebevolle Mutter (und ist auch noch nominiert als beste Nebendarstellerin in “Marriage Story”), doch mein persönliches Highlight ist die irisch-amerikanische Schauspielerin Saoirse Ronan, die die Schriftstellerin Jo March spielt. Was heißt spielen – sie ist es einfach. Keine Sekunde zweifelt man als Zuschauerin daran.

Was ich auch liebe: Saoirse Ronan hat Greta Gerwig, mit der sie bei Lady Bird gearbeitet hat, einfach direkt gesagt, dass sie die Rolle in Little Women wolle und sich von ihrer Zurückhaltung nicht entmutigen lassen. Jetzt ist sie als “Beste Hauptdarstellerin” bei den Oscars nominiert.

Meryl Streep wollte in den Drehpausen übrigens einfach nur Pommes. Und ich dachte, ich könnte sie nicht noch mehr lieben.

 

 

4.) Greta Gerwig war bei den Dreharbeiten heimlich schwanger. 

Während der Dreharbeiten zu „Little Women“ 2018 im kleinen Städtchen Concord Massachusetts war Greta bereits mit ihrem Sohn Herold schwanger. Das sollte zu diesem Zeitpunkt nur keiner wissen, weshalb die Regisseurin die News streng für sich behielt. Die anderen Schauspieler haben nichts gemerkt, sich nur immer darüber gewundert, dass Greta nach den Dreharbeiten direkt nach Hause flitzte, um sich die Instagram-Videos der Rapperin Cardi B anzuschauen. Die erwartete zu diesem Zeitpunkt nämlich auch ein Kind und verriet online ihre Schwangerschafts-Tipps.

Ihren Sohn Herold brachten Greta und Noah übrigens auch gerade ins Bett, als die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben wurden. Greta scherzte in diesem Interview bei TV-Host James Corden, dass sie Noahs Handy aufgeregt blinken sah und noch dachte: “Okay, der hat auf jeden Fall gute News”. Sich selbst aber nicht traute nachzuschauen. Auch, weil die zwei keinen Plan hatten, was passiert, wenn nur einer von beiden nominiert wird.

Jetzt hat little Herold nach dem 9. Februar, wenn es nicht mit dem Teufel zugeht, auf jeden Fall ein schönes, neues Spielzeug – die goldene Figur namens Oscar. Die Frage ist nur, von wem er sie überreicht bekommt.

 

5.) Nach dem Film möchte man die Schwester anrufen und/oder ein richtig gutes Buch schreiben.

Wie es unter Schwestern so üblich ist, wird sich bekriegt und geliebt. Doch am Ende, wenn die Wut übereinander verflogen ist und es um die wirklich wichtigen Dinge geht, ist man unendlich dankbar, sich zu haben. So wird es auch in “Little Women” gezeigt und ohne zu spoilern, wetten wir, dass ihr es nicht schaffen werdet, trockenen Auges das Kino zu verlassen und eure Schwester anrufen möchtet. Ihr habt gar keine? Na dann schreibt ihr eben ein Buch, darauf bekommt man nämlich ebenfalls Lust. Sicher ist: Der Film wird etwas mit euch machen. Wir sind gespannt was!

Viel Spaß im Kino!

Herzlich,

Fotos & Trailer: © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wilson Webb

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Michelle 30. Januar 2020 um 19:15 Uhr

    Hallo Steffi,
    Ich habe dieses Wochenende Kinderfrei, mein Mann fährt mit unseren Kindern zu den Großeltern *Sektkorken knallen Emoji*
    Am Samstag gehe ich ganz alleine in die Mittagsvorstellung in diesen Film und jetzt freue ich mich darüber noch ein bißchen mehr!

    Liebe Grüße
    Michelle

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    • Steffi 30. Januar 2020 um 20:31 Uhr

      @Michelle: Liebe Michelle, wow, das klingt nach einem traumhaften Date! Nicht zu vergessen: Du musst mit NIEMANDEM das Popcorn teilen! 🙂 Wünsch dir ganz viel Spaß & pack Taschentücher ein! Herzlich, Steffi

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  3. Annett 30. Januar 2020 um 20:10 Uhr

    Ich freu mich auch auf den Film und würde ihn am liebsten mit meinen beiden Töchtern (7 und 11) anschauen… Weil ihr ihn ja schon gesehen habt, geht das oder sind sie zu jung dafür? LG ☺️

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    • Steffi 30. Januar 2020 um 20:33 Uhr

      @Annett: Liebe Annett, Sekunde, ich geh noch mal alles im Kopf durch – müsste gehen. Also, dass eine der Schwestern stirbt ist ja kein Geheimnis, deshalb ist das Thema Tod natürlich auch drin enthalten, aber auf sehr liebevolle Weise. Der Rest ist wirklich harmlos. So manches wird deinen Töchtern sicher bekannt vorkommen – das sich streiten und wieder versöhnen. Und es könnte sein, dass sie anschließend Zuhause eine Theatergruppe eröffnen möchten. Aber das wäre ja auch nicht schlimm, oder? 🙂 Herzlich, Steffi

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  4. Kristin 30. Januar 2020 um 20:59 Uhr

    Oh liebe Steffi,
    liege mit Fieber im Bett, ausquartiert von mir selbst ins Wohnzimmer, damit wir alle ruhiger schlafen können. War so einsam, da hab ich an meine Schwester und eine gute Mama Freundin gedacht und das geliebte Ohhhmhhh…Auch Du hattest was in Petto für mich. Und so einen Knaller! Nachdem ich Arlow in Hamburg absagen musste für mein Checkup nach einem Jahr Mamasein, bin ich nun noch glücklicher über das ‚ohhhmhhh Luxat Gefühl‘ das mir Dein Arikel vermittelt.
    Ich war schon so vorfreudig auf Little Women, ohne zu wissen, wann er genau in die Kinos kommt. Bin bisschen verliebt in Saoirse Ronan und Timothée Chalamet und auch in Concord, dieses beschauliche Dörfchen hat es in sich! Jetzt spaziere ich eben am Walden Pond und träume von einer Nacht im Grand Budapest zusammen mit Timothée. Alles dank Dir, Steffi. Der Luxat Effekt eben.

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    • Steffi 30. Januar 2020 um 21:08 Uhr

      @Kristin: Ohhhhh Kristin, erstmal: Gute Besserung!!! Und: ich bin Morgen bei Arlow und mach ne Runde für dich mit! Muckel dich schön ein mit Timonthée & Saoirse! Alles Liebe, Steffi

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  5. Steffi 31. Januar 2020 um 08:07 Uhr

    @Kristin
    Der Luxat Effekt ♥ hach, den kenne ich auch. LG

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  6. Petra von FrauGenial 2. Februar 2020 um 15:12 Uhr

    Der Film hört sich wirklich sehr interessant an. Werde ihn mir glaube ich sogar heute im Kino anschauen…und zwar mit keiner geringeren als meine jüngere Schwester mit der ich morgen auch nach Palm fliege..mal sehen wie der Film unsere Reise beeinflusst 😉

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