Wonach ist dir heute?

Seit ungefähr einem halben Jahr habe ich mir keine neuen Klamotten mehr gekauft. Weder im Laden noch online. Selbst mein Freund meinte schon zu mir „Lange kein Paket mehr für dich angekommen. Was ist denn da los?“ Die Modeindustrie, die ist los. 

Je mehr ich mich mit dem Thema Fast Fashion beschäftige, Artikel zu miserablen Arbeitsbedingungen in Herstellungsländern lese oder Dokumentationen anschaue über absurde Produktionszahlen- und zyklen der großen Mode-Marken, desto weniger bringe ich es übers Herz, solche zu kaufen, von denen ich nicht weiß, wo oder wie sie produziert wurden. Und selbst, wenn mir ein Teil der vielen tollen Fair Fashion Label, die es mittlerweile gibt, gefällt, zögere ich zu bestellen. Denn gibt es nicht eigentlich schon genug Kleidung auf der Welt? Muss wirklich noch Neues produziert werden? 

Manchmal werde ich dann aber doch Fashion-wehmütig, wenn ich vor meinem Kleiderschrank stehe und gefühlt jeden Tag das gleiche anziehe. Mir fehlen die Abwechslung und neue Teile, um mich modisch zumindest ein bisschen austoben zu können. Die Lösung bisher: Auf Flohmärkten oder in Second Hand-Läden nach neuen Schätzen suchen. Das funktioniert ganz gut, kostet aber auch jeden Menge Zeit, bis man wirklich Schönes findet. Mittlerweile gibt es aber noch eine weitere Möglichkeit: Kleidung leihen! Das ermöglicht nicht nur, neue Kleidungsstücke zu tragen (und auch mal Teile zu probieren, die man sich sonst nicht kaufen würde, weil du teuer oder zu extravagant), sondern bringt bestehende Kleidung in eine langlebigere Kreislaufkette.

Aber wie gut funktioniert das? Bekommt man auf Leih-Plattformen wirklich coole Kleidung? Und ist es nicht irgendwie komisch, schon so oft Getragenes im Schrank zu haben? Um das rauszufinden, habe ich zwei Anbieter getestet: RE-NT und UNOWN.

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Individuelle Outfits für jeden Stil.

„Meine Fast-Fashion Kaufsucht musste ein Ende haben! Ich habe seit meiner Teenie-Zeit wirklich ziemlich impulsiv geshoppt. Dieses Verhalten hat nicht nur einfach meine Wohnung vollgemüllt, sondern hat mir irgendwann echt weh getan“, erzählt RE-NT Gründerin Robina von Stein. Und so startet sie im Oktober 2018 einen Leih-Testlauf im Bikini Berlin mit Mänteln und Winterjacken. „Dort haben wir schnell gemerkt, dass Kunden ziemlich begeistert sind von der Idee, Kleidung zu erleben und nicht unbedingt jedes Kleidungsstück besitzen wollen“, erzählt Robina. Deshalb macht das Team weiter, vergrößert sich und die Auswahl an Produkten.

Die Leih-Modelle:

1.) Ein Kleidungsstück für sieben Tage mieten. Hierbei hängt der Mietpreis vom Kaufpreis ab. Die Option ist vor allem für besondere Anlässe – wie Silvester oder eine Hochzeit – eine gute Möglichkeit, sich beispielsweise ein aufregendes Kleid zu leihen.

2.) Für 35 € ein Kleidungsstück oder für 55 € drei Kleidungsstücke für einen Monat mieten. Ich hab letztere Variante gewählt und war erstaunt, dass man mit drei neuen Kleidungsstücken im Monat seine Standard-Outfits schon ziemlich gut pimpen kann!

Und so funktioniert’s:

Bei RE-NT meldet man sich über die Webseite an und muss dann über einen Online-Fragebogen oder ein 10-minütiges Telefonat seine Wünsche, Größen und Stil-Vorlieben beschreiben. Anschließend bekam ich eine Mail mit drei Vorschlägen, konnte noch mal ein Kleidungsstück, das mir nicht gefällt, austauschen und dann bestellen.

RE-NT arbeitet hauptsächlich mit Marken wie Samsøe & Samsøe, Lala Berlin, Maje, Kenzo, The Kooples, Ganni, A.P.C., Reformation und Acne Studios zusammen. Es gibt aber auch günstigere Marken im Angebot wie & Oher Stories und Edited sowie ausgewählte Vintage Designerstücke von Stella McCartney, Prada, Chloe, Chanel, Celine und Comme des Garçons.

Das hat mir besonders gefallen:

Die individualisierte Auswahl der Kleidungsstücke! Schon der erste Outfit-Vorschlag passte genau auf meine Wünsche, entsprach meinem Stil und war trotzdem trendy: Ein karierter Herbstmantel von 2ndday, Ein langes, hellblaues Kleid von Ivy&Oak sowie ein hellblauer Cashmere Pullover von H&M. Mit großer Vorfreude erwartete ich meine Kleidungsstücke, die nachhaltigerweise nicht in einem Karton, sondern in einer wiederverwertbaren Versandtasche geliefert wurden. Beim Auspacken erwartete mich schon die nächste Überraschung: Der Knaller-Geruch der Produkte. Nichts von Second Hand Laden-Muff!

Und RE-NT tut noch mehr als nur das Leihen anzubieten: Das Team schaut bei allen Produkten darauf, aus welchen Materialien die Produkte gemacht sind, und ob diese Materialien auch zur Weiterverarbeitung und zum Recycling brauchbar sind, um ein komplettes Closing-the-loop System zu entwickeln.

Fair Fashion Trend-Teile leasen. 

„Nachhaltiger Konsum sollte sich nicht mehr wie Arbeit anfühlen“, sagen die beiden Gründerinnen des Mode-Leasing-Services UNOWN Linda Ahrens und Tina Spießmacher. Und: „Man sollte nicht nicht zwischen Style und Nachhaltigkeit entscheiden müssen.“ Auf der UNOWN-Webseite kann man sich deshalb ausschließlich durch Kleidung von nachhaltigen Marken klicken, die dem Anspruch der beiden aus ökologischer und modischer Sicht entsprechen.

Die Leih-Modelle:

1.) Für 12-66 Euro im Monat – je nach Wert des Kleidungsstücks – Einzelteile mieten. Dabei kann man so viele Kleidungsstücke leihen, wie man mag und aussuchen, wie lange man diese behalten möchte.

2.) Für 69 Euro im Monat vier Teile bekommen (drei aussuchen, eins wird beigelegt). Nach einem Monat wird man dann von UNOWN kontaktiert und kann drei neue Stücke wählen, sie länger behalten oder Lieblingsteile kaufen. Kleiner Tipp: Gerade gibt es online eine Aktion, bei der in den ersten zwei Monaten des Abos nur 34.50 Euro fällig werden.

Und so funktioniert’s:

Ganz einfach und übersichtlich wie ein normaler Online-Shop! Auf mehreren Seiten kann man sich durch die Styles klicken und Favoriten in seiner Größe in den Warenkorb legen. Ich bestellte ein Kimono-Kleid von Jan n’ June, eine Culotte-Hose von Kings of Indigo, eine weiße Bluse von Tome sowie einen Pulli von Knowtow. 

Der Versand erfolgte innerhalb weniger Tage, die Produkte waren liebevoll verpackt und ich bekam zum Testen sogar noch eine Probe mit nachhaltigem Waschmittel zugeschickt. 

Das hat mir besonders gefallen:

Die tolle saisonal angepasste Auswahl! Als ich mir meine vier Teile zum Testen aussuchen wollte, konnte ich mich kaum entscheiden, welchen kuscheligen Winterpulli ich nehmen soll. Außerdem gibt es bei UNOWN viele Produkte von Fair-Fashion-Marken, die ich vorher noch nicht kannte, wie Byem aus Skandinavien oder Lanius aus Köln. Außerdem bietet die Plattform auch Accessoires wie Ohrringe und Taschen sowie eine Auswahl an Plussize Produkte an.

Seit Ende Oktober hat UNOWN zudem ein eigenes Declutter-Programm gestartet, bei dem man die Möglichkeit hat, nicht mehr getragene Kleidung gegen eine Gutschrift oder eine Spende für einen guten Zweck zu tauschen.

Für den Alltag (und die Fotos!) habe ich die Kleidungsstücke von RE-NT und UNOWN übrigens einfach kombiniert und mit Teilen, die ich sowieso schon im Kleiderschrank hatte, zusammen gestylt. 

Beim Zurücksenden nach dem Miet-Monat kam ein wenig Traurigkeit auf… Aber: Die Aussicht auf neue Kleider im nächsten Monat, hat diese ganz schnell verfliegen lassen!

Viel Spaß beim Ausprobieren,

 

P.S.: Dies ist keine bezahlte Kooperation mit den genannten Firmen, wir müssen aber aus rechtlichen Gründen trotzdem Werbung darüberschreiben. 

 

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Julia 6. November 2019 um 10:13 Uhr

    Das ist echt ein cooles Konzept! Ich bin mittlerweile überzeugt auch von Kleiderkreisel /Mamikreisel. Es gibt auch viel Mist da natürlich, aber wenn man seine Filter gut eingestellt hat, kann man da auch super Stücke finden, besonders auch, wenn man gezielt etwas sucht/ braucht, finde ich. Und ich verkaufe da auch immer wieder etwas….

    Antworten
  3. Juliane 6. November 2019 um 10:59 Uhr

    Danke für’s Vorstellen! So eine gute Alternative zum Neukaufen und dann wenig Anziehen.
    Fast Fashion war nie so meins, trotzdem meldet sich alle drei Monate eine kleine Stimme die sagt: Du brauchst ein neues Teil um den Rest des Kleiderschranks wieder aufzupeppen… Steffi’s Trick, eine Kleiderschrank-Inventur durchzuführen hilft gut, braucht aber mehr Zeit als einfach zu shoppen. Und gibt nicht den sofortigen Dopamin-Kick…

    Antworten
  4. Maria 8. November 2019 um 09:42 Uhr

    Schönes Modell! Mich würde noch interessieren, was mit den Kleidern dann passiert, wenn man sie zurückgibt. Wie werden sie in Schuss gehalten? Wie lange machen sie das mit?

    Antworten
    • Lesley 8. November 2019 um 10:16 Uhr

      Liebe Maria, danke für dein Feedback! Bei beiden Anbietern wird die Kleidung schonend gereinigt und wenn nötig repariert. Bei RE-NT wird außerdem, wie im Text geschrieben, angestrebt, ein komplettes Closing-the-loop System aufzubauen. Das heißt, es wird bei jeder Marke darauf geschaut, aus welchen Materialien die Produkte gemacht sind und ob diese Materialien auch zur Weiterverarbeitung und zum Recycling brauchbar sind. Ziel ist es, die Ware, wenn sie nicht mehr tragbar ist, recyceln zu lassen, sodass daraus etwas Neues entstehen kann. Viele Grüße, Lesley

      Antworten
  5. Mel 8. November 2019 um 18:20 Uhr

    Liebes Ohhhhmhh-Team, das ist eine coole Sache. Ich würde gerne auch einmal die tollen Einkaufs- bzw. Miet-Tipps für Bekleidung nutzen, die ihr auf eurer Seite immer vorstellt. Aber ich gehöre zu der Mehrheit der deutschen Frauen – und trage deshalb Größe 44 bzw größer. Ich würde mich freuen, wenn ihr auch einmal über Marken und Einkaufstipps berichten würdet, bei denen nicht bei Größe 42 Schluß ist. Viele Grüße!

    Antworten
    • Steffi 8. November 2019 um 20:41 Uhr

      @Mel: Liebe Mel, hast du schon geheiratet? 🙂 Da hatten wir ja gerade erst die tolle Geschichte über die Brautmodenrevolutioniererinnen, da gibt es alle Größen! Aber Danke für den Hinweis, wir achten noch mehr drauf! Herzlich, Steffi

      Antworten
  6. Mel 9. November 2019 um 09:00 Uhr

    Liebe Steffi, ja, schade wg. der tollen Kleider, aber verheiratet bin ich schon lange Ich bin gespannt, was ihr für tolle Tipps ausgraben werdet. Liebe Grüße!

    Antworten
  7. Sophie 11. November 2019 um 21:36 Uhr

    Also, bei Unown gibts auch die Kategorie Plussize, habe ich gerade gesehen.
    Liebe Grüße
    Sophie

    Antworten
  8. Sandra 14. November 2019 um 10:35 Uhr

    Was ich mich bei diesen Angeboten oft frage: Was ist denn, wenn mir die Sachen an mir nicht gefallen oder passen? Kann ich die umtauschen? Zahle ich trotzdem?

    Antworten

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