Wonach ist dir heute?
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“Ich will keine Kinder”. Diesen Satz sagte ich zum ersten Mal mit 17 Jahren. So ganz bewusst, so ganz im ernst, so gar nicht als Spaß. Inzwischen bin ich 40 und noch immer fühlt sich dieser Satz für mich richtig an. Was? Warum? Wieso? Ja, ich kenne diese vielen ungläubigen, ja fast schon erschrockenen, Gesichter – gerade bei Frauen und vor allem bei Frauen in meinem Alter. Dann fängt das erklären an, oftmals muss ich mich sogar dafür rechtfertigen. Dann wundere ich mich darüber, dass ich das immer wieder tun muss – schließlich muss sich eine Frau, die gern Kinder hätte auch nicht andauernd erklären. Ist doch seltsam, oder?

Ich versuche es also meistens so:

Stell dir vor, du hast einfach keine Lust auf Bungee-Jumping. Genau so geht es mir mit Kindern.

Tatsächlich ist es so, dass ich nie einen Kinderwunsch verspürt habe – ich kenne das Gefühl nicht, Mama sein zu wollen. Ist nicht in mir drin, gibt’s nicht, kann ich mich noch so sehr anstrengen und bemühen, die Uhr fängt einfach nicht an zu ticken. Es gab Zeiten, da dachte ich, mit mir stimmt etwas nicht, dass kann doch gar nicht sein, komm schon, du willst es doch irgendwie, musst dich nur anstrengen. Aber so einfach funktioniert das halt nicht. Als mit Mitte dreißig die große Babywelle in meinem Freundeskreis aufkam, dachte ich mir: “Naja wenn alle das jetzt so machen, vielleicht will ich es dann auch, vielleicht macht es ja dann tick tack tick tack tick tack”. Aber nichts passierte, es blieb einfach still. Ich wollte es nicht. Die Vorstellung war einfach unvorstellbar.

Ich wähle bewusst eine andere Form der Lebensgestaltung und bin sehr zufrieden damit. Noch besser würde es mir gehen, wenn (zukünftige) Mamas damit auch zufrieden wären und nicht die große Wertungskeule auspacken würden. Ein Beispiel: Ich war mit einer Freundin beim Essen, sie ist Zweifach-Mama. Und plötzlich fällt er, dieser eine Satz, der einfach so auf den Tisch gelegt wird, so ins Brotkörbchen hinein:

„Ich wünschte du könntest dieses Glück erfahren, wie es ist, Kinder zu haben“.

Boing! Genau in solchen Momenten fällt mir nichts mehr ein. Ich bin es nämlich leid zum 100.000 Mal zu versichern, dass ich wirklich auch glücklich mit meinem Leben bin. Mir fehlt nichts. Ich will es genau so! Dass ich mir ihr Leben auf keinen Fall für mich vorstellen kann, sage ich ihr nicht. Aber solche Sätze entzweien und leider sind einige Freundschaften gerade deswegen auch schon zerbrochen. Viele meiner Freundinnen sagten zwar vor der Schwangerschaft: “Zwischen uns wird sich aber dadurch nichts ändern.” Doch leider stimmt das nicht, denn es ändert sich tatsächlich alles. Ohne Kinder ist man nämlich erstmal so ein bisschen raus aus der Sache. Erkannt habe ich das immer an dem Satz: “Wir machen jetzt oft was mit XY, die haben halt auch Kinder im selben Alter“. Das tut schon weh, aber inzwischen weiß ich, dass jeder fürs erste seinen Weg gehen muss. Ich meinen und meine Freundinnen den ihren. Irgendwann trifft man sich wieder, nicht mit allen, aber mit einigen ganz sicher.

Das Lustige an der Sache ist, dass Kinder größtenteils mein Leben bestimmen. Ich arbeite als Sozialpädagogin täglich acht Stunden mit kleinen entwicklungsverzögerten Kindern und ihren Familien zusammen. Ich mag Kinder wirklich richtig gern – auch wenn mir als Kinderlose oft unterstellt wird, dass dem nicht so ist.

Bewusst keine Kinder kriegen zu wollen, hat viel mit einer großen Freiheits-Liebe zu tun.

Ich habe mich gegen diese riesengroße Verantwortung entschieden und das erleichtert mich sehr. Beim Gedanken daran atme ich tief durch, denn ich bin nur für mich verantwortlich, muss nur mich irgendwie durchs Leben kriegen und jeder weiß, schon das ist gar nicht so leicht. Von daher bewundere ich alle Mamas enorm! Ich könnte und möchte es nicht. Die Frage nach der späten Reue, ja die wird auch oft gestellt und ich kann sie nicht beantworten. Wenn die Tür in zehn Jahren endgültig zufällt, ist sie zu – und vielleicht ist das dann auch gut so.

In Beziehungen war dieses Thema bisher noch kein Problem. Zu Beginn sage ich klar, dass ich eine Frau bin, die keine Kinder möchte. Wenn es für den potentiellen Partner zum Leben dazugehören soll, dann werden sich unsere Wege auch hier schon gleich wieder trennen. Von Anfang an ehrlich zu sein, ist besonders wichtig und tatsächlich war dieses Thema bei mir auch nie ein Trennungsgrund.

Sich klar zu positionieren, wenn es um das Thema Kinderplanung geht, fällt vielen Frauen schwer. Vor kurzer Zeit unterhielt ich mich zufällig mit einer Bekannten, 39 Jahre alt und kinderlos. Sie erzählte mir: “Weißt du, ich finde es so mutig von dir, dass du offen sagst, dass du keine Kinder willst. Ich möchte diesen Satz eigentlich auch ganz klar und deutlich aussprechen, aber ich traue mich nicht. Alle erwarten von mir, dass ich ein Baby haben will – meine Mutter, meine Freundinnen, ja sogar mein Freund. Der Druck ist so groß, dass er mich erdrückt und lähmt.”

Genau deshalb wünsche ich mir so sehr, dass gerade wir Frauen uns gegenseitig unterstützen – ganz egal, welche Lebensform wir wählen. Nicht zu bewerten, sondern zu akzeptieren und zu respektieren, kann allen helfen. Wir sollten zusammenhalten und uns nicht argwöhnisch beäugen und zusätzlichen Druck machen. Frauen, die bewusst kinderlos sind, genießen und feiern ihr Leben exakt genau so wie Frauen mit Kindern. Sie haben Ängste und Sorgen, lachen, weinen und lieben genau wie Eltern auch. Lasst uns lieber daran denken, was uns alles vereint und nicht daran, was uns entzweit.

Ach ja, der verletzende Satz meiner Freundin liegt immer noch auf dem Tisch in diesem Brotkörbchen und ist schon ganz schön hart geworden. Ich entsorge ich ihn für uns beide und räume auf. Das ist ein sehr gutes Gefühl.

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Anne 23. April 2020 um 07:22 Uhr

    Liebe Ina, mir geht es genauso. Ich möchte keine Kinder, auch ich hab dies sehr früh gesagt. Sehr dankbar lebe ich seit fast 14 Jahren mit einen Mann an meiner Seite den es genauso geht.
    Mir geht es ähnlich wie Dir, dass ich nicht verstehe das Frauen sich bis heute dafür rechtfertigen müssen. Ich habe Glück, das ich in einen Umfeld lebe und Arbeite das sehr Männerdominiert ist und es sehr selten ein Thema war.
    Und ja ich gebe dir recht auch ich mag Kinder, aber noch viel mehr mag ich es wenn sie wieder gehen und ich wieder Zeit für mich, uns habe.
    Werd ich es irgendwann bereuen? Ich denke nicht, weil es eine bewusste Entscheidung ist. Es ist halt einfach nur für ein anderes Leben.

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  3. Alexandra 23. April 2020 um 08:34 Uhr

    Bist du verheiratet? Ja! Hast du Kinder? Nein! Ach? Ich möchte keine! Aha?? Was macht dein Mann beruflich? Meine Frau ist….. ! Ach so du bist einer Frau zusammen, na dann verstehe ich das du keine Kinder hast!! Ok? alles klar!
    Oft war ich mit diesem Gesprächsverlauf durch mit dem, warum möchtest du keine Kinder Thema.
    Auch wenn eine Frau keine Kinder möchte, finde ich es trotzdem schön sich kümmern zu können um etwas oder um jemanden. Den Partner, das Haustier, meinen Wunsch, das dieses Jahr meine ersten selbstbezogenen Gemüse Pflanzen Ertrag bin usw. aber Kinder möchte ich deswegen trotzdem keine. Ich liebe unser Leben genau so wie es ist. Ja und vielleicht wäre es anders gekommen, wenn ich mit einem Mann zusammen gekommen wäre und vielleicht wäre das genauso toll gewesen, wenn ich Kinder gehabt hätte…… aber so fühlt es sich sowas von richtig und gut an.

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  4. Petra von FrauGenial 23. April 2020 um 08:36 Uhr

    Ich muss gestehen, dass ich anfangs auch immer diese Fragen gestellt habe, immer total unbewusst was es bei der einen Freundin ausgelöst hat. Das hat sich aber vor Jahren geändert , als ich mit einer Freundin in Wuppertal mir einen Film angeschaut habe, worum es ging nicht Mutter sein zu wollen. Das hat mich zum ersten Mal wirklich wachgerüttelt und seitdem freue ich mich wahnsinnig für Alle, die so empfinden, und bringt neue Gesprächsthemen im Gegensatz zu anderen Müttern. Und seit unsere Tochter ausgezogen ist, genieße ich auch die etwas andere Form des Nicht Mutter Seins.

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  5. Lynna 23. April 2020 um 09:28 Uhr

    Liebe Ina,

    Schön, dass du es so frei aussprechen kannst. Ich habe viele Freundinnen, die keine Kinder haben. Einige bewusst, bei anderen ist es bisher einfach so gekommen, aber sie sind alle glücklich. Ich finde es schade, dass Frauen sich immer noch für ihre Entscheidungen rechtfertigen müssen. Zu wenig Kinder, zu viele Kinder, gar keine Kinder… das geht doch überall so. Es wäre doch so schön, wenn das endlich aufhörte!

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  6. Christiane 23. April 2020 um 09:33 Uhr

    Also ich kann es sehr gut verstehen, dass Frau keine Kinder möchte und finde auch, dass das jeder selbst entscheiden sollte.
    Ich bin selbst Mutter einer vierjährigen Tochter, die ich über alles liebe. Weitere Kinder möchte ich jedoch nicht, da ich nach der Geburt gelinde gesagt doch geschockt war, WIE sehr die persönliche Freiheit leidet. Vielleicht war ich naiv, aber so krass habe ich es einfach nicht erwartet. Seit einiger Zeit bekomme ich ein wenig Freiheit zurück, und das wird ja auch immer besser, je älter und selbstständiger Kinder werden. Aber keinesfalls fange ich damit nochmal von vorne an. Das verwundert auch immer viele, grade Mehrfachmütter, die mir dann mit dem Argument “Aber die spielen dann irgendwann soooo schön miteinander” kommen. Nein danke 😉
    Was ich aber eigentlich noch sagen wollte, dieses Treffen mit Leuten mit Kindern in ähnlichem Alter geschieht aus reinem Egoismus – denn wenn das eigene Kind wen zu spielen hat, kann man auch selbst mal ein paar Minuten durchatmen und den Kaffee auch mal warm trinken. Treffe ich mich mit meinen kinderlosen Freunden (und das tue ich), ist es für mich aber deutlich anstrengender. Da muss dann ausreichend Spielzeug und Ablenkung eingepackt werden, trotzdem ist man als Eltern dann natürlich ständig beim Kind gefragt und wird angesprochen, wenn keine anderen Kinder da sind. Quatschen, essen, nett was trinken ist dann eben einfach unentspannter. Geht aber natürlich auch. Ich persönlich habe aber auch immer etwas Sorge, meine kinderlosen Freunde mit zuviel Kinderblabla zu langweilen. Ja, ich habe auch noch andere Themen, aber es ist nun mal ein sehr großer Teil meines Lebens.
    Ausserdem ist natürlich abends was trinken zu gehen oder Essen im Restaurant mit Kind nicht mehr so absolut schön und leicht zu händeln, sondern da trifft man sich lieber auf nen Kaffee auf dem Spielplatz oder bei wem zuhause, natürlich tagsüber.
    Naja und so kommt es, dass man Freunde mit Kindern bzw. neue Freunde mit Kindern irgendwie öfter trifft als die Kinderlosen.
    Dies mal so als Lanze für die Eltern unter uns, die das meist gar nicht böse meinen, wenn der Kontakt etwas einschläft.

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  7. Jana 23. April 2020 um 10:15 Uhr

    Mir geht’s absolut genau so, nur mit dreijährigem Sohn. Nochmal möchte ich das nicht alles “durchmachen” und freue mich trotzdem für jeden, der mehr als ein Kind hat und damit glücklich ist. Und wenn man kein Kind haben möchte-alles gut. Nichts ist doch besser als wenn Menschen für sich sagen können, was ihnen gut tut und was nicht und danach auch leben. Da brauch ich nicht nachbohren und schon mal gar nicht meinen Lebensentwurf als den richtigeren propagieren. Viel Liebe für den Text und für alle Menschen da draußen. In welcher Konstellation sie auch immer leben!

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  8. Rike 23. April 2020 um 11:33 Uhr

    Vielen Dank für den tollen (wenn auch sehr kurzen) Text!! Ich und mein Mann überlegen seit einigen Jahren immer mal wieder, ob wir die „K-Frage“ jetzt angehen sollten oder nicht. Und nachdem die 30-er Mitte nun deutlich erreicht ist, diskutieren wir öfter – zum Glück haben wir immer dieselbe Einstellung dazu! Eigentlich will ich an unserem tollen Leben nichts ändern, meine Unabhängigkeit nicht aufgeben. Mir fehlt nichts und von alleine käme ich sicher nicht auf die Idee, einen weiteren Menschen in die Welt zu setzen.
    Da aber der allgemeine Narrativ in Medien und Freundeskreis sehr einseitig ist, was mich immer wieder verunsichert, entspannt mich diese andere Perspektive ungemein – da finde ich mich nämlich sehr wieder! Übrigens bin ich genauso glücklich, wenn ich mal sehr ehrliche Erfahrungen von Eltern höre. Also solche, die nicht nur erzählen, wie goldig alles ist und dass man ja keine Ahnung hat, wieviel Liebe man empfinden kann; muss ja nicht gleich „regretting motherhood“ sein! Aber Ehrlichkeit auch in solchen Lebensthemen ist gegenseitiges Empowerment unter Frauen…
    Danke, you made my day♥️

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  9. Mary 23. April 2020 um 12:44 Uhr

    Ach schön, der Text hätte von mir kommen können – nicht so toll geschrieben natürlich :), aber es trifft meine Einstellung auf den Punkt. Ich habe zumindest manche Kinder gern, habe z.B. ein ganz liebes Stiefkind und eine wunderbare Nichte. Nun gehe ich aber sogar einen Schritt weiter und es ist mir relativ egal, wie das jetzt ankommt 😉 – dauerhaft finde ich Kinder für mich wirklich anstrengend und ja, sie nähmen mir meine Freiheiten. Ich habe mir über die letzten Jahre eine tolle Work-Life-Balance aufgebaut, reise viel und habe eine wunderbare Beziehung. An meinem letzten Geburtstag hat eine Freundin ganz treffend gesagt, dass man mir ja nichts wünschen muss, da ich ja wunschlos glücklich bin. Und das stimmt! Trotzdem habe ich lange gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen und zwischendrin altersbedingt gedacht, jetzt müsste ich doch mal loslegen… nein, eigentlich war es zwar irgendwie im Hinterkopf, das Bild von Familie irgendwann, aber eigentlich war es gar nicht MEIN Bild.

    Danke auch an Steffi, dass Du diesem Thema hier einen Raum gibst. Es wird wirklich wenig drüber gesprochen – meistens geht das Thema “Kinderlosigkeit” tatsächlich mit “ungewollter Kinderlosigkeit” einher, das ist so sensibel und daher fällt es mir oft erst recht schwer zu erklären dass ich einfach nicht will ohne andere zu verletzten.

    Liebe Grüße!

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  10. Kerstin Staritz 23. April 2020 um 12:46 Uhr

    Hallo liebe Ina,
    wie schön, dass Du diesen Text geschrieben hast!
    Ich habe auch keine Kinder.
    Am Anfang meiner Ehe wollte ich gerne, dachte ich, weil es ja auch dazu gehört und ich Kinder immer gerne mochte und sie mich, aber je mehr ich/wir darüber nachgedacht haben um so mehr kristallisierte sich heraus, das diese Gefühl „wir wollen aus vollem Herzen und voller Überzeugung“ Kinder nicht da war! Ich war so erleichtert, mir darüber klar zu sein! Es ist ausreichend für mich selbst und auch für meinen Partner bzw unser Leben Verantwortung zu haben, das kostet genug Kraft, mehr muss es nicht sein.
    Ich liebe Kinder, habe ein Patenkind mit dem ich regelmäßig Zeit verbringe, es ist aber auch sehr schön sie dann nach einem gemeinsamen Nachmittag wieder nach Hause zu bringen!
    Wir sollten einfach Alle so leben können wie wir gerne möchten, ohne von Anderen be-/verurteilt zu werden!
    Liebe Grüße Kerstin

    Antworten
  11. Rike 23. April 2020 um 12:57 Uhr

    Danke für den tollen Text. Es ist doch total bescheuert sich für den eigenen Lebensentwurf rechtfertigen zu müssen. Aber ich habe das Gefühl, dass das fast ausschließlich Frauen betrifft. Beidseitig! Man stelle sich nur mal den Dialog zwischen zwei Männern vor:
    “Hast du Kinder?”
    “Nein.”
    “Ach krass, warum denn nicht? ”
    Das ist doch undenkbar! Warum machen wir Frauen uns das Leben gegenseitig so schwer?

    Antworten
  12. Sophie 23. April 2020 um 13:54 Uhr

    Liebe Ina,
    ein toller Text! Dein Vergleich mit dem Bungee Jumping hat mir sehr geholfen. Ich konnte das Gefühl keine Kinder haben zu wollen nie selbst nachvollziehen. Durch deinen Vergleich hat es das aufeinmal für mich persönlich total verständlich gemacht.
    Grundsätzlich finde ich diese Fragen nach Familienplanung/Kindern total übergriffig. Jede sollte das doch selbst bzw mit dem/der Partnerin entscheiden. Dieser blöde Druck der da von aussen aufgebaut wird, nervt ja sogar total, wenn man es sich grundsätzlich vorstellen kann, Kinder zu bekommen.
    Danke für deine ehrlichen Worte!
    Sophie

    Antworten
  13. Stephanie 23. April 2020 um 15:42 Uhr

    Liebe Ina,
    same here! Ich benutze sogar den Begriff “kinderfrei” statt “kinderlos”. Wenn ich das so sage, stutzen viele Leute gleich und riechen den Braten – es ist nämlich meine und meines Partners freie Entscheidung, keine Kinder zu haben, und hat mit können nichts zu tun, oder gar damit, dass wir Kinder nicht leiden könnten. Wie Dir war mir das auch schon sehr früh im Leben klar. Mittlerweile hat sich mein Umfeld dran gewöhnt, dass ich Gebärverweigerin bin. Aber meine armen Eltern werden in ihrem Dorf ordentlich in die Zange genommen, wie das denn ist mit Enkeln?! Da wird dann auch so richtig nachgebohrt, gerade jetzt, wo ich die Mitte 40 gerissen habe und der biologische Zug abgefahren ist. Tschakka. Na, ich denke mal, es wird demnächst von alleine aufhören … Ich finde es schön, wenn Menschen Kinder lieben, selber welche haben möchten und sie mit Liebe großziehen, aber ich will’s eben nicht.
    Schöne Grüße!
    Stephanie

    Antworten
  14. Nadine 23. April 2020 um 21:44 Uhr

    Danke liebe Kerstin St.,
    dieses “Wir aus wollem Herzen und voller Überzeugung” das trifft mich gerade sehr im positiven Sinne – genau das beschreibt mein Gefühl, warum ich kein zweites Kind möchte. Ich fühle mich fast dazu gezwungen, es zu wollen, familiär und gesellschaftlich.
    Und es fällt mir selbst schwer zu mir zu stehen, und ja zu mir selbst zu sagen (es gibt u.a. auch die Erfahrung einer sehr schmerzhaften Zeit in der Schwangerschaft (extreme Rückenschmerzen)), und es ist aber genau das, ich will es einfach nicht aus vollem Herzen – im Gegensatz bei der Entscheidung fürs erste Kind, war es genauso. Das Kind wollte ich auf jeden Fall.
    Danke auch an all die anderen Kommentare, habe sie sehr gerne gelesen!

    Antworten
  15. Katharina 23. April 2020 um 22:59 Uhr

    Lieben Dank für diesen Text.
    Auch ich habe den Satz, dass ich keine Kinder haben will, schon im Teenie Alter bewusst oder unbewusst gesagt.

    Ich bin jetzt Mitte 30 Jahre und damit voll im Babyboom Alter. Trotzdem hat mein Körper oder Geist bis jetzt keine anderen Signale gesendet. Seit einigen Jahren ist gefühlt jede neue oder auch alte Begegnung von der Frage nach Kindern geprägt und ich bin währenddessen durch diverse Gefühlsstadien und Antwortmöglichkeiten gelaufen.

    Oft hat mich die Frage verunsichert und ich habe umso intensiver in mich hinein gehorcht. Und die Angst davor, dass ich vielleicht doch eine kleine Stimme in mir überhört habe und ich das irgendwann bereuen werde, taucht immer mal wieder auf. Aber dennoch ist das Gefühl nur für mich selbst verantwortlich bleiben zu wollen, immer stärker gewesen.

    Eine gute Antwort habe ich nun auch parat: Ich sage einfach, dass es von Mutter Natur bei mir nicht so gewollt sei. Das lässt viel Interpretationsraum offen, und die meisten verstummen um nicht weiter nachhaken zu müssen.
    Ein paar Schlupflöcher muss man sich ja schaffen:)
    Liebste Grüsse, Katharina

    Antworten
  16. Sophie 24. April 2020 um 09:23 Uhr

    Liebe Ina, ich kann alles so sehr nachvollziehen und obwohl ich zwei Kinder habe, habe ich noch nie verstanden warum Eltern sagen, es sei das größte Glück und die Vollkommenheit. Ich nehme das vielen nicht ab. Ich nehme es als ein Glück…als mein persönliches Glück und manchmal eben auch als mein Unglück, weil mir nämlich einfach die Freiheit auch häufig wahnsinnig fehlt. Aber ich finde es schlimm Menschen von etwas sie auszugrenzen, sie zu beleidigen oder sie von einer Sache überzeugen zu wollen, die einfach nicht für jeden Glück bedeutet … Ich habe Freundinnen, die keine Kinder wollen und ich kann es total nachvollziehen. Ich habe nur eher andersherum Angst sie als Freunde zu verlieren, weil ich häufig nicht 100% aufmerksam Telefongesprächen zuhören kann, weil die Kinder irgendetwas machen wo ich unterbrechen muss oder ich es nicht geschafft habe mit Schritt zu halten, wobei ich es so gerne machen würde. Und ich manchmal doch ein beklopptes Kinderfoto schicken möchte, weil ich darüber gerade lache, aber unsicher bin, ob ich sie wieder mit einem Kinderfoto nerve, was ich auch nachvollziehen kann.
    Zusammengefasst gehe deinen Weg und die, die zu Dir gehören sind an deiner Seite oder kommen wieder. Liebe Grüße

    Antworten
  17. Olja 24. April 2020 um 09:24 Uhr

    Liebe Ina,

    vom Herzen ein großes Danke schön!
    Meine Lage sieht anders aus. Ich wollte nicht wirklich Kinder, habe meine Freiheit geliebt. Und dann bamm – kam die Diagnose – Endometriose. Ich könne die Kinder nur mit künstlicher Befruchtung bekommen. Seitdem hat sich bei mir alles gedreht. Ich will beweisen, nein, ich bin kein Wrack. Mein Körper kann es. Ein kleines Kind wäre schön. Und dann ein paar Tage später. Wozu die Kinder. Ich liebes es in Ruhe zu frühstückend 2 Stunden im Bad zu liegen. Und es wechselt sich ständig. Es nervt. Meine Gefühleahcterbahn nervt mich. Ist doch eigentlich komisch. Wüsste ich nichts von der Diagnose, wäre es eine bewusste Entscheidung keine Kinder haben zu wollen. Und jetzt fühle ich mich dazu verdammt. Chaos im Kopf. Im Körper.
    Daher tat es gut dein Artikel zu lesen, Ina. Ich versuche es mal wieder so: Scheis auf Endo. Du wolltest eh keine Kinder. Überlass es deinen Freunden. Endo ist sozusagen deine Pille. Beruhig dich …

    Antworten
  18. Eva 24. April 2020 um 09:42 Uhr

    Liebe Ina,

    ganz herzlichen Dank für deinen Text! Ich habe mich darin sehr wiedergefunden.

    Spannend finde ich auch immer, wenn mir – meist nur entfernt bekannte Menschen – erklären, dass ich meine Entscheidung, keine Kinder zu bekommen, später sehr wahrscheinlich bereuen werde. Leider sei es ja dann zu spät.

    Früher habe ich mich über ein so anmaßendes Verhalten geärgert, heute gehe ich gar nicht mehr darauf ein. Ausnahme: Wenn enge Freunde mich darauf ansprechen; denen geht es dann nämlich wirklich um mich. Oder sie sind selbst unsicher, ob sie jetzt ein Kind oder ein zweites Kind oder auch ein Kind mit diesem Partner bekommen möchten.

    Bei grundsätzlichen Kinderwünschen wird nämlich meiner Meinung nach manchmal vergessen, dass man ja mit der Mutter/dem Vater des Kindes für den Rest seines Lebens verbunden sein wird. Und dass das Kind 50% seiner Gene von diesem Partner erben wird – und halt vielleicht auch die Eigenarten, die man weniger gut leiden kann.

    Daher finde ich es bewundernswert, wenn Menschen bereit sind, diese “Lebensaufgabe Kind” im Bewusstsein sämtlicher Herausforderungen anzunehmen. Ich entscheide mich in vollem Bewusstsein dagegen.

    Liebe Grüße
    Eva

    P.S. Vielen Dank, Stephanie, für den Begriff “kinderfrei”! Den finde ich großartig, wird sofort übernommen. 🙂

    Antworten
  19. Sina 24. April 2020 um 10:38 Uhr

    Ein sehr schöner Beitrag – danke dafür!

    @Stephanie: Den Begriff “kinderfrei” finde ich einfach toll :-). Das klingt sehr positiv und nach einer freien Entscheidung, die es ja im besten Fall ist.

    Antworten
  20. Silja 24. April 2020 um 11:35 Uhr

    „Irgendwann trifft man sich wieder“…total schöner, total wahrer Satz, und so wichtig!
    Mit drei Kindern kurz hintereinander war ich einige Jahre in der BabyKleinkindblase abgetaucht. Ich habe mich bemüht, Kontakt zu den kinderlosen Freundinnen zu halten, aber es ist schwierig in Zeiten, in denen die Lebensphasen so unterschiedlich sind. Ich habe versucht, bei Treffen das „K!!“-Thema zu vermeiden, so gut es ging, aber es kam mir dann auch gezwungen und falsch vor. Herrgott, drei Kleinkinder; das WAR für einige Jahre nunmal mein Lebensmittelpunkt, um den sich alles drehte. Mittlerweile sind die Kinder größer, die individuellen Freiheiten werden mehr – und ich bin so dankbar und glücklich über die kinderlosen Freundinnen, die die „Blase“-Zeit mit durchgehalten haben und mit denen ich nun wieder einen sehr ähnlichen Lebensabschnitt respektive eine Nähe „wie früher!“ teile. Vielleicht ist das das Entscheidende in Freundschaften generell, nicht nur beim „K“-Thema: es wird immer mal Zeiten geben, in denen man sich näher oder fremder ist. Das und den daraus resultierenden Abstand einen gewissen Zeitraum zu akzeptieren und anzunehmen – in der Gewissheit, dass eine gute, wichtige Freundschaft das erträgt.

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  21. Sarah Panten 24. April 2020 um 14:38 Uhr

    Hallo Alle,
    Liebe Olja,
    Was Du beschreibst, habe ich genauso auch durchgemacht. Und weißt Du was? Die Psyche trickst Dich aus: Vorher hast Du das Gefühl gehabt, die Kontrolle zu haben und selber entscheiden zu können, ob Du Kinder willst oder nicht. Durch die Endo wurde uns die Entscheidung genommen – na klar fallen wir dann in die Rebellion und denken uns „jetzt erst Recht!“. Das ist das innere Kind in uns, das beleidigt ist wenn die Eltern sagen „gibt‘s nicht!“. Einzige Lösung: Lass los, hake es ab. Es ist wie es ist. Jedes „wenn und aber“ raubt Dir Zeit, um Dein Leben glücklich zu leben. Schau nach vorne und genieß Dein Leben, jeden wunderbaren Moment. Wie Ina‘s Bericht und alle Kommentare hier zeigen: Glücklich sein können wir mit und ohne Kinder <3

    So toll, all die Frauenpower hier zu lesen – und Danke für diese Plattform, Steffy & Team!

    Habt ein tolles Wochenende,
    Sarah

    Antworten
  22. Liz 24. April 2020 um 17:28 Uhr

    Vielen lieben Dank für diesen Artikel!
    Ich hatte auch schon daran gedacht, Steffi zu schreiben und anzubieten, einen Text über “bewusst kinderlos” zu schreiben… grade weil ich es schön finde, zu erfahren, wie andere Menschen sich entscheiden und leben. Ich mag Geschichten über Frauen, die ihren Job wuppen, und Frauen, die Kinder wuppen, und die Frauen, die Job und Kinder wuppen, und auch die Frauen, die ihre Eltern pflegen …. es ist so vielfältig und könnte auch alles so normal sein!

    Jetzt bin ich erleichtert, dass ich nicht die einzige Frau bin, die sich bewusst gegen Kind/er entscheidet (das war natürlich eigentlich klar), und auch nicht die einzige, die sich immer wieder wundert, dass sie sich rechtfertigen muss.
    Und dabei geht es so: Erstmal brauch’s dann irgendwie ne Erklärung/Rechtfertigung, warum ich kein Kind will und dann (jaaa, es kommt noch krasser!) brauch’s auch noch Erklärung, warum ich nicht all mein Tun in eine Wahnsinns-Karriere lege … “Na, wenn du doch schon keine Kinder willst, dann willst du bestimmt Karriere machen…?!?” Ähm, nö. Tut mir leid, ist hart jetzt, aber: irgendwie reicht es mir, einfach so … zu leben. Ich mach meinen Job – ich glaube auch, dass ich den meistens ganz anständig mache (hörte ich…), aber ich brauch auch ihn nicht als einzigste Daseins-Quelle, mit ständiger Wachstumsoption…
    In solchen Situationen habe ich den Eindruck, dass viele – sowohl Männchen wie Weibchen – echt noch in alten Rollenmustern denken…

    Und was die Kids angeht – ich werd bestimmt so ne schrullige (Paten-)Tante, die den Kindern in ihrer Umgebung die Welt erklärt und auch mal Unsinn beibringt … das wird ein Heidenspaß!!

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  23. Andrea 24. April 2020 um 22:13 Uhr

    Ich habe auch mit ca. 19 entschieden kinderlos (kinderfrei) zu leben und habe es nie bereut. Auch ich bin Sozialpädagogin und arbeite im Kinder- und Jugendbereich. Meine Nichten und Neffen kommen regelmäßig zu mir (Auszeit von den Eltern) und einmal im Jahr fahren ich mit ihnen in den Urlaub. Sogar mein mittlerweile 27 jähriger ältester Neffe fährt noch mit (verblüfft mich selber). Früher hörte ich immer wieder Bemerkungen, du kommst so gut mit Kindern und Teenagern zurecht, wie wäre es mit eigenen. Heute mit 57 werde ich gefragt, ob ich es bereue keine eigenen Kinder zu haben. Ich bereue es nicht und frage zurück, ob die Fragenden es bereuen Kinder zu haben. Diese Rückfrage irritiert, aber ich habe dann Ruhe und muss mich nicht mehr rechtfertigen. Kinder sind Klasse, ein Leben ohne Kinder aber auch.

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  24. Heidi 24. April 2020 um 23:13 Uhr

    Ich frag mich oft – muss ich eine Entscheidung treffen? Ich bin 38, in keiner Beziehung. Ich mag Kinder total gern, gleichzeitig ist da kein Drang in mir, momentan eins zu kriegen oder das zu planen. In den letzten Jahren hab ich gelernt, viel mehr mit meinem Baumgefühl zu entscheiden. Und mich nicht so unter Druck zu setzen, anderen Ansprüchen zu genügen. Grundsätzlich hätte ich gern Kinder. Aber ich hab mich entschieden, beruflich noch einmal ganz was anderes zu machen. Das ist super, aber kostet Kraft. Und ich mag mein Leben, wie es ist und bin zufrieden. Werde ich bereuen, wenn ich kein social egg freezing mache? Möglich. Aber noch ist der Impuls nicht da. Und mehr bereue ich, so viel LebensZeit mit verblendeter Selbstoptimierung vergeudet zu haben. Ein Chef hat sogar mal in einem Entwicklungsgespräch auf seiner mindmap gefragt, wann ich das Kinderkriegen einplane. Damals war ich Mitte 20 und habe mich eher dafür interessiert, wie ich meine Backpackingtour zwischen einen Jobwechsel kriege. Oder wie ich an einem Standort lande, der nicht am Arsch der Datingwelt liegt. Nicht um jeden Preis Entscheidungen und Weichen forcieren. So mach ich das grad. Und aufmerksam und offen zuhören, wenn sich der Wunsch meldet.

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  25. Heidi 24. April 2020 um 23:20 Uhr

    Und was mir gerade noch einfällt: Klar, irgendwann heisst es rien ne va plus. Und das ist vermutlich schmerzhaft, wenn das Timing mies ist. Manchmal frage ich mich aber: ist vielleicht Akzeptanz das letzte Tabu in unserer Gesellschaft? Nicht nur Akzeptanz, wenn sich jemand wie im Artikel gegen Kinder entscheidet, sondern auch wenn das Leben eine Entscheidung für uns getroffen hat.

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  26. Rike 25. April 2020 um 13:17 Uhr

    Liebe Alle, einfach nochmal danke für den Austausch hier. Wie u.a. Nadine lese auch ich die Kommentare hier unheimlich gerne und interessiert. Total schön, wie wir alle den Artikel noch anreichern mit unseren eigenen Erfahrungen und Perspektiven. Habt ein wunderbares, sonniges Wochenende!

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  27. Michele 26. April 2020 um 08:50 Uhr

    Ein sehr gut geschriebener Artikel!
    Für mich war immer klar, dass Kinder zu meinem Leben dazu gehören (sollen) und habe 2 großartige Töchter, die mich gerne mal in den Wahnsinn treiben. Das ist bzw. war meine persönliche Entscheidung.
    Aber ich kann auch gut verstehen, wenn jemand das für sich anders möchte. Wir Menschen sind doch auch in anderen Lebensbereichen nicht alle gleich. Ich habe große Hochachtung für all jene, die sich bewusst dagegen entscheiden. Gerade auch, weil mir klar ist, dass es ihnen nicht immer leicht gemacht wird.
    Ich kenne das nämlich auch anders, Leute, die Kinder haben, weil man das halt so hat. Manchmal auch nach dem Motto „Mein Haus, mein Auto, meine Kinder“. Und dann aber die ganze Zeit nur jammert, wie sehr die Kinder nerven. Damit tut man niemandem einen Gefallen, auch den Kindern nicht, die zwar da sind, denen aber ständig das Gefühl vermittelt wird, dass sie lästig sind. Und dem Umfeld ist es dann am Ende egal. Es ist einfach ein Fehler, das eigene Leben nach den Erwartungen des Umfelds zu gestalten, da kann man es ja eh nicht allen recht machen.

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  28. Luna 26. April 2020 um 22:04 Uhr

    Spannender Text & spannendes Thema!
    Ein Punkt, der glaube ich noch nicht fiel ist der, dass viele “im Prinzip” Kinder wollen, aber nicht der richtige Zeitpunkt ist oder sie unsicher sind, ob sie es wirklich wollen/schaffen/können. Da scheint der Grad zur gewollten Kinderlosigkeit – kinderfrei – zu sein manchmal schmaler, als er vielleicht tatsächlich ist.
    Eine Freundin sagt, sie hat keine eigenen Kinder, um deutlich zu machen, dass sie Kinder gerne mag und sich mit ihnen umgibt, aber eben nicht mit ihren eigenen. Eine andere ist nun mit einem älteren Mann zusammen, sie hatte Sorge, was ich darüber denke, aber sie ist glücklich und er ein Schatz, also freue ich mich natürlich für sie! Überhaupt versuche ich mich bewusst von Schubladen zu befreien und immer alle Beziehungskonstruktionen verstehen zu wollen. So spreche ich auf dem Spielplatz von “dem Kind” und “dem Erwachsenen” und vermeide “Mädchen”/”Junge” v.a. bei den kleineren, aber auch “Mama”/”Papa” und “Oma”/”Opa”. So oft sind es Freunde, Onkel, Babysitter oder andere Leute!
    Als zweifache Mutter bin ich manchmal bei Kinderlosen unsicher, wenn ich nicht weiß was der Hintergrund ist, d.h. ob es gewollt ist. Und Fragen finde ich indiskret!
    Bei einigen kinderlosen Freundinnen erlebe ich eine gewisse Trauer, wenn der Zug abgefahren ist, aber oft ist sie eher abstrakt oder bezieht sich auch darauf, dass es anstrengend ist, das eigene Lebensmodell ständig verteidigen oder erklären zu müssen.
    Zu Deiner Freundin: Du erlebst nicht die Freude, die das eigene Kinder haben bedeutet, aber eben auch nicht die Einschränkungen, Sorgen, Verantwortung, Frust, Schlaflosigkeit, das sollte man nicht vergessen!
    Ein Kind ist schon eine lange und tiefe Verpflichtung und man sollte es unbedingt abwägen und sich nicht dafür entscheiden, nur um den Weg des geringsten Widerstands zu gehen!
    Was die Treffen mit kinderlosen Freundinnen angeht merke ich aber auch, dass sich Tagesablauf und Rhythmus total ändern und andere Eltern, v.a. mit Kindern im gleichen Alter eben leichter gemeinsam von Cafe zu Spielplatz zu Eiscafé (ach Corona) ziehen, wenn Bewegungsdrang, Hunger, Mittagsschlaf rufen, während kinderlose – oder auch Eltern mit größeren Kindern in längeren Zeitabschnitten denken und nicht nachvollziehen können, dass sie bei einer halbe Stunde Verspätung je nach Alter des Kindes den besten/wachen Punkt schon wieder verpasst haben. Und die Energie, die ein Kneipenabend mit Kindern kostet, noch dazu ein feucht-fröhlicher!

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  29. Stella 11. Mai 2020 um 14:13 Uhr

    Danke für den Artikel und die vielen Kommentare.
    Auch ich bin eine zufrieden kinderfreie Enddreißigerin. In jüngeren Jahren dachte ich noch dass Kinder bekommen doch zum Leben dazu gehört und ich bestimmt mal eine späte Mutter werde wie meine eigene. Dann bekamen meine Freundinnen nach und nach Kinder und ich habe deutlich gemerkt dass ich ein solches Leben nicht führen möchte.
    Ehrlich gesagt kann ich mit Kindern auch einfach nichts anfangen. Ich bin sehr introvertiert und ruhebedürftig, fühle mich durch Lärm und Unruhe ganz schnell furchtbar gestresst. Gerade Kleinkinder die rund um die Uhr bespaßt werden wollen finde ich extrem anstrengend.
    Mir ist in letzter Zeit verstärkt aufgefallen dass “solche wie wir” in den Medien und dem öffentlichen Bewusstsein einfach nicht existieren. Jeder Film, jede Serie, jedes Buch dreht sich um Menschen mit Kindern. Tauchen Kinderlose auf entpuppt sich das im Laufe der Handlung immer als problembelastet. Meistens stellt sich heraus dass es nicht geklappt hat und die Leute schrecklich mit ihrer Situation hadern. Glücklich Kinderfreie sind Fehlanzeige.
    Karriere ist übrigens auch nicht mein Ding, ich genieße einfach meine selbstbestimmte Freizeit. Vor allem liebe ich seit vielen Jahren das Reisen kreuz und quer durch Europa, das in der Form mit Kindern nicht möglich wäre. Leider gerade durch Corona komplett ausgebremst, hoffe ich inständig dass es bald wieder losgehen kann. Ich habe noch so unendlich viele Ziele im Kopf.

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  30. Marina 12. Mai 2020 um 14:49 Uhr

    Liebe Steffi,
    Liebe Ina,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
    Ich war bis Anfang 2018 in einer laaaaangjährigen Beziehung, die im September in einer Hochzeit ihren Höhepunkt erreichen sollte, und in der dann wahrscheinlich 9 Monate später das erste Baby hätte kommen sollen.
    Tja, ich hab dann wohl, wie man so schön sagt, kalte Füße bekommen, und die Beziehung, das Leben, das Haus, die Freunde (nach einer Trennung merkt man erst, wer Freund ist und wer es wohl nie war) und alles weitere aufgegeben.
    Bis zu diesem Zeitpunkt hab ich immer mit der vollsten Überzeugung gesagt, dass ich Kinder will. Am besten zwei, aber vll auch drei.
    Nach der Trennung wollt ich dann keine mehr, bis zu dem Zeitpunkt als mein dritter Neffe auf die Welt kam. So klein, so unschuldig, so süß – klar sind dann da meine Muttergefühle wohl wieder aufgetaucht.
    Das ist jetzt aber über ein Jahr her, und mittlerweile bin ich wieder so weit, dass ich es mir nicht vorstellen kann, Kinder zu bekommen.
    Ich bin in einer Beziehung mit jemanden, der schon zwei Kinder hat, und sich aber vorstellen könnte, nochmal welche mit mir zu bekommen. Und ich bin mir überhaupt nicht mehr sicher.
    Gut, rein vom Alter her, hätt ich ja noch Zeit.
    Aber es sind dann immer wieder unterschiedliche Gedankengänge: Eigentlich kann ich es mir nicht vorstellen, in den nächsten 5 oder auch 10 Jahren Mama zu werden. Aber andererseits macht mir der Gedanke, im hohen Alter ganz alleine dazustehen, wahnsinnig Angst.

    Es geht mir jetzt auch nicht drum, mords Karriere zu machen. Klar lieb ich meinen Job, und ich könnte den auch eher schlecht in Teilzeit machen, aber der allein hindert mich nicht dran. Es ist einfach, wie oben auch schon öfters genannt, die Freiheit die man hat. Und vor allem die Verantwortung die man nicht für jemanden übernehmen muss. Reich doch ich mir schon 🙂

    Da muss ich für mich wohl noch mal darüber klar werden.
    Aber danke für euren Text. Der zeigt mir erstmal, dass es normal sein kann, wenn man keine Kinder haben möchte.

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  31. Anne K. 14. Mai 2020 um 12:34 Uhr

    Toller Artikel.
    Ich bin 34 und stecke momentan mit meinem Mann (der unbedingt ein Kind will) in der Krise, weil ich keinen Kinderwunsch verspüre und durch die Jahre hat sich das Gefühl bei mir verfestigt.
    In den 20ern als wir geheiratet haben, hatte ich mir nie viele Gedanken um ein Kind gemacht.
    In den 30ern habe ich dann in meinem Umfeld gesehen und überdacht, was ein Kind bedeutet: Fremdsteuerung rund um die Uhr, der Spagat zwischen Job, Haushalt, Mutter-Sein usw
    Eigentlich kenne ich nicht eine einzige glückliche Mutter, sondern viele Frauen, deren Leben und Ehe nach Kindsgeburten
    stetig bergab ging und die immer gestresst und unzufrieden wirken.
    Ich möchte dieses Risiko nicht eingehen und meinem Mann traue ich auch nicht zu, dass er sich sehr viel und ausgiebig um das Kleine kümmern würde. Er schätzt die Aufgabe falsch ein und würde den Hauptteil mir überlassen.

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  32. Kathi 31. Mai 2020 um 11:34 Uhr

    Es ist schön Eure Kommentare zu lesen.
    Für mich war als Kind/Jugend/Anfang 20 immer klar, ich möchte heiraten und 2 Kinder haben.
    Mein Plan war immer erst Schule, Ausbildung, Berufserfahrung, dann den Richtigen heiraten und „irgendwann“ Kinder bekommen.

    Tja, jetzt bin ich 32… und habe alles abgearbeitet. Super tollen Job, 9 Jahre Beziehung und letztes Jahr geheiratet.
    Aber es macht einfach nicht „Klick“.
    Ich frage mich, wann kommt das „irgendwann“.
    Der Wunsch nach einem Kind ist nicht da, mein Inneres sehnt sich nicht danach und ich frage mich oft, was mit mir nicht stimmt.
    Stattdessen liebe so einfache Dinge wie ausschlafen, reisen, shoppen, Sport oder mit Freunden durch die Kneipen ziehen.

    Vielleicht ist mein Freiheitsdrang zu stark und die Verantwortung und Lebensumstellung machen mir Angst.

    Mein Umfeld bekommt ein Kind nach dem Anderen. Ich finde schlafende Babys auch süß aber sobald das Geschrei losgeht, nervt es mich.
    Ich spiele auch super gerne mit meinem Patenkind und Kleinkindern aber bin trotzdem froh, dass ich am Ende des Tages meine Ruhe und Zeit für mich habe.

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  33. Emma 1. Juni 2020 um 18:17 Uhr

    Ich bin so froh auf deinen Artikel gestossen zu sein. Er hat mich beruhigt und das innere Gefühl in mir “Was stimmt nicht mit mir” deutlich gelindert. In der Jungend fand ich Babys immer super süss, ich stellte mir gemeinsam mit meiner Schwester und besten Freundin vor, wie wir zu dritt mit dem Kinderwagen für unsere Babys einkaufen würden, unsere Babys zusammen grosswerden und so wie wir drei später unzertrennlich beste Freunde werden…
    doch als ich ca. 17 war, merkte ich, dass ich innerlich sogar lieber die Vorstellung mochte Tante zu werden und selbst frei zu sein, zu reisen und die Welt zu erkunden (bin Flugbegleiterin) und dann als coole Tante z.B meinen Nichten etwas mitzubringen und spannende Geschichten erzählen zu können. Dies wurde verstärkt, als ich mit 19 Jahren meine Schwester verlor. Sie erkrankte plötzlich an einem bösartigen Hirntumor und verstarb kurz nach ihrem Abitur2014, wo eigentlich ihr weiterer, neuer und spannenderLebensweg hätte beginnen sollen. Ein neuer Abschnitt…Ich war so fertig, dass ich nach meinem eigenem Abi nicht zur Uni wollte, sondern mich ein Jahr lang daheim verkroch. Ich erinnerte mich an meinen Jugendraum Flugbegleiterin zu werden und aus einem geplanten Jahr in der Fliegerei (und danach halt zur Uni wie alle anderen), wurden drei. Ich merkte, ich bin in vielerlei Hinsicht nicht wie “alle anderen”. In mir hat sich viel geändert und Einstellungen zu früheren Themen haben sich gewandelt als aus manifestiert. So wie eben der Kinderwunsch. Es schmerzt mir, dass ich niemals Tante werde. Ich wäre eine super Tante gewesen, die ihre Kinder genauso geliebt hätte, als wären sie meine eigenen, aber dennoch will ich immer noch keine eigenen. Meine Mama hat sich immer um uns gekümmert und trotzdem wurde ihr nach 18 Jahren ein Kind genommen. Dieses Trauma, dieser Schmerz den sie und ich durchmachen, würde mir das mit meinen eigenen Kindern nochmals passieren, das würde ich nicht aushalten und ich halte diesen Schmerz meine Schwester, meine beste Freundin verloren zu haben ja kaum schon aus. Ich habe einen komplett anderen Hintergrund als andere, aber dennoch war die Vorstellung lieber Tante zu sein und kinderfrei zu bleiben ja auch schon vor diesem Schicksal da. Manche sagen, so darfst du das nicht sehen, sie hätte es für dich gewollt und ein Kind gibt dir so viel, aber ich selbst habe erlebt, wie viel Schmerz dies auch bedeuten kann und Nein ich möchte keine Tante der Kinder meiner Freundinnen werden. Das ist einfach nicht dasselbe. Ich finde Kinder immer noch super süss und es schmerzt mir, wenn ich daran denke, wie viele Kinder keine Liebe von ihren Eltern bekommen oder gar geschlagen und misshandelt werden. Ich für mich muss allerdings sagen, dass ich kein Kind als Heilung in die Welt setzen möchte oder damit ich nicht alleine bin. Ich bin mir dieser Verantwortung mehr als bewusst und auch dass ich, wenn ich diesen Wunsch eines Tages doch noch verspüren sollte, aus vollem Herzen zulassen möchte und nicht nur, damit unsere Gene weiter leben .

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