Du Frau Niechzial...

… was passiert eigentlich, wenn man ein Kind zu früh einschult? Die neue Kolumne zum Thema Schule von Lehrerin Saskia Niechzial.

Vor einem Monat konntet ihr hier die Beispielwoche von Zweifachmama und Grundschullehrerin Saskia Niechzial lesen. Wow, was für eine beeindruckende Frau und was für spannende Einblicke in den Schulbetrieb, hörten wir auf allen Kanälen als Feedback. Und: Kann die bitte hier öfter was schreiben zum Thema Schule?

Das war auch mein Gedanke und deshalb habe ich Saskia als unsere neue Kolumnistin für Schulthemen engagiert. Alle zwei Monate schreibt sie uns ab jetzt ihre Einschätzung zu gewissen Themen auf. Diesen Monat geht es um die Frage: Was passiert, wenn man ein Kind zu früh einschult? In unserem Leben gerade ein großes Thema, da wir ein Kann-Kind haben. Wir hören die wildesten Theorien dazu und es gibt zu recht diverse Meinungen zu dem Thema.

Meine Schwester, Grundschullehrerin und Mutter eines früh eingeschulten Kann-Kindes findet, dass es funktioniert, wenn die Eltern die Situation mit auffangen (Hausaufgabenbetreuung, Reflexion des Geschehenen etc.) und die Verantwortung nicht an die Lehrer abgeben, weil die ebenfalls schon viel zu meistern haben.

Und hier kommt Saskias Meinung zu dem Thema, die zwei Freundinnen von mir (auch beide Lehrerinnen) kommentierten mit “das spricht mir (leider) voll aus dem Herzen!”. Ich bin sehr gespannt, wie ihr zu der Frage steht.

Wenn ihr für die nächste Kolumnen-Ausgabe Fragen habt, die ihr gern von Saskia in ihrer Kolumne beantwortet hättet – immer her damit an erzaehlsmir@ohhhmhhh.de.

Und jetzt: Viel Freude mit Ausgabe eins von “Du, Frau Niechzial…”.

Herzlich,

Steffi

 

++++

 

Irgendwann wachst du morgens auf, hast vielleicht ein- bis zweimal geblinzelt und zackbumm, dein Kind wird schulpflichtig. Und während du dich noch wunderst, schließlich hast du doch gerade noch Babybrei vom Fußboden gewischt, müssen Entscheidungen getroffen, wahnwichtige Termine mit profunden Titeln wie „Schuleingangsprüfung“ wahrgenommen und Schauergeschichten anderer schulerfahrener Eltern ausgeblendet werden. Ein Abenteuer.

Aber von vorne. Schulpflichtig wird dein Kind genau dann, wenn es vor dem in deinem Bundesland geltenden Stichtag das 6. Lebensjahr vollendet hat, also seinen 6. Geburtstag feiert. Den Stichtag bestimmt jedes Bundesland selbst und so ist in Deutschland vom 30.06. bis zum 30.09. alles dabei. Und das bedeutet, dass in manchen Bundesländern nahezu alle schulpflichtigen ErstklässlerInnen bei der Einschulung 6 Jahre alt sind, während in anderen Bundesländern ein deutlicher Prozentsatz an Kindern zum Schulbeginn noch 5 Jahre alt ist.

Wird dein Kind nun schulpflichtig, stellt erstmal ein fachexpertliches Gremium aus Kinderarzt/-ärztin, ErzieherInnen und LehrerInnen rechtzeitig fest, ob dein Kind auch schulreif ist. Etwas, das das deutsche Bildungssystem im Übrigen besonders gut kann: Beurteilen, kategorisieren, Listen abhaken, einsortieren.

Bei der sagenumwobenenen Schuleingangsprüfung stellt zunächst mal ein Arzt oder eine Ärztin fest, wie es um die Schulreife deines Kindes steht. Es werden dabei die allgemeine körperliche Entwicklung, die motorischen Fertigkeiten sowie der sprachliche Entwicklungsstand deines Kindes überprüft.

Ein besonderes Augenmerk liegt außerdem auf den kognitiven Fähigkeiten. Hat dein Kind eine angemessene Merkfähigkeit? Kann es Dinge vergleichen und Zusammenhänge verstehen? Manchmal wird auch noch ein Gespräch mit euch Eltern über die sozialen Kompetenzen eures Kindes geführt. Kann es abwarten? Ist es selbstständig? In den meisten Fällen wird sich von ärztlicher Seite dann für eine Einschulung nach Plan entschieden. Denn die meisten Kinder sind mit 5-6 Jahren kognitiv, sprachlich und körperlich prinzipiell so gut entwickelt, dass einer Einschulung nach diesen Parametern wenig im Weg stehen würde. Und selbst, wenn hier und da ein Häkchen auf der Liste fehlt.

Ein bisschen Logopädie hier, ein bisschen Ergo da und wir schaukeln das Kind schon zur Schultüte.

Im Übrigen ist dieses inflationäre Förderungsverhalten oft ein Schlag für all jene, die wirklich auf diese wertvolle Unterstützung angewiesen sind. So weit. So sarkastisch. So gut. Würde es denn nur um das Kognitive gehen. Aber Schule verlangt unseren Kindern so viel mehr ab als Buchstaben und Zahlen. So viel mehr als Ausschneiden und Fibel. So viel mehr als Schwungübungen und Pausenbrot. Denn mit der Türschwelle zum Schulgebäude betritt dein Kind im schnödeklassischen Fall eine Welt von Vorgaben, Strukturen, Kompromissen, Erwartungshaltungen, Plänen und Zielsetzungen, die hohe Ansprüche an ihre emotionalen, sozialen und persönlichkeitsbezogenen Kompetenzen stellt.

Konkret – Mit dem Moment der Einschulung verbringt dein Kind einen deutlichen Teil seiner Zeit an einem Ort, an dem ihm vorgeschrieben ist, wann der Tag beginnt. Wann es essen und im schlechtesten Fall, wann es trinken darf. Wann es sich anstrengen muss und wann es Pause machen soll. Wann es sprechen darf, wann es schweigen muss. Wann es auf die Toilette geht. Wann es sich bewegen soll. Wann es sitzen soll. Wie es sitzen soll. Neben wem es sitzen soll. Wann es singt. Wann es bastelt. Wann es schreibt. Wann es rechnet. Wann es sich streitet, wann es keine Lust oder einen schlechten Tag haben darf (im Ernstfall nämlich am besten überhaupt nicht). Zu welchem Zeitpunkt es was können muss. Für was es sich interessieren muss. Auf welchem Weg es zu Ergebnissen kommt. Wann…, nun ja, ich könnte weitermachen, aber ich denke der Punkt ist klar.

Vielleicht ein wenig überspitzt? Übertrieben? Ein bisschen. Und eigentlich auch nicht. Denn, sobald wir nicht von Alternativschulen wie Montessori und Co sprechen, dann sehen die Strukturen grundlegend einfach so aus. Stundenpläne nach Fächern gegliedert, feste Pausenzeiten, Sitzordnungen, Lehrpläne, zeitgleiche Tests und der Wunsch nach einem bestimmten Arbeits- und Sozialverhalten. Ihr wisst schon, das mit dem Stillsitzen, Melden, Leise sein und so. Nein, natürlich nicht mehr überall. Aber noch immer überall genug.

„Ja, aber so ist das Leben nun mal. Das müssen Kinder lernen. Man kann nicht immer, wie man will.“ – Möglich. Aber man stelle sich eine Jobausschreibung mit den oben genannten doch recht eng gefassten Vorgaben vor. Würdest du dich bewerben? #denkimpuls

Und nun die Kurve. Um in diesem Regel- und Anforderungssystem zu bestehen, braucht es neben jedem klugen Köpfchen vor allem eine klare emotionale Reife. Es braucht eine gewisse Ich-Stärke, um seine eigenen Bedürfnisse zu kennen, sie auszusprechen und sie in Einklang zu bringen, mit dem was von außen erwartet wird. Und was braucht das Reifen als Prozess ganz besonders? Genau – Zeit, Zeit, Zeit.

Ich erlebe seit meinem Berufsstart so viele Kinder, die körperlich und fachlich fit sind und doch schulisch so schnell ins Straucheln geraten, weil sie den Herausforderungen nicht gewachsen sind. Weil die Konzentration noch nicht reicht. Der Bewegungsdrang gewinnt. Weil sie den rasanten Phasenwechseln nicht hinterherkommen. Weil sie schlichtweg noch nicht so weit sind. Und dann rennen sie immer wieder gegen Wände. Stoßen auf Widerstand. Merken, was sie laut Vorgabe alles noch nicht können. Spüren, wie sie permanent Erwartungen enttäuschen. Und Stück für Stück bröckelt das Selbstbewusstsein. Stück für Stück versiegt die Lernfreude. Stück für Stück wächst das Bauchweh, vielleicht sogar Angst. Stück für Stück verschwindet eine Forscherseele. Und an ihre Stelle treten Diagnosen und Fördergespräche und Erklärungsversuche. Und Sorgenfalten auf der elterlichen Stirn. Ich weiß, das klingt dramatisch. Ist es auch. Leider. Ich habe es gesehen. So oft.

„Aber was, wenn sich mein Kind langweilt, wenn ich es später in die Schule schicke?“

Hattet ihr schon mal Langweile? Kann nerven. Ja. Oder kreativ machen.

Aber so oder so bringt es dich nicht fundamental ins Wanken. „Hey, das ist ja alles einfach. Das kann ich schon“ gegen „Ich schaffe das alles nicht. Ich kann gar nichts. Alle anderen sind viel schneller.“ Ihr versteht. Und damit will ich nicht sagen, dass es für uns nicht auch eine große Herausforderung ist, UNTERforderten Kindern gerecht zu werden. Nein, das braucht viel pädagogisches Geschick.

Trotzdem gab es bisher meinerseits sehr kindorientierte Wege, damit umzugehen. Aber die Zahl der Kinder, die sich wirklich ernsthaft problematisch langweilen, wenn sie in die Schule kommen (also so wirklich ernsthaft an Probleme durch Langweile stoßen und nicht als Erklärungsmöglichkeit für alles), die ist überschaubar und sollte nicht als allgemeiner Angstverbreiter oder generelle Entscheidungsgrundlage für die Einschulungsfrage dienen. Denn die Zahl der Kinder, die zu früh kommen, an den Anforderungen zerbrechen, weil sie einfach noch nicht so weit sind, sich auf diese Kompromissparty einzulassen, die ist um ein Vielfaches höher und die Folgen oft ein Kampf für alle Beteiligten.

Und darum leider die klare Antwort. Ja, eine zu frühe Einschulung ist kein Zuckerschlecken. Sie kann Schaden anrichten. Ich saß in erster Reihe dabei. Kann-Kinder können. Ich verstehe die elterliche Unsicherheit. Ich habe selbst zwei September-Exemplare zu Hause. Aber Kann-Kinder können…auch gut noch ein Jahr Unbeschwertheit genießen. Wachsen und reifen. Und dann etwas müheloser starten. Es ist kein Allgemeinrezept. Es gibt auch Raketenkinder. Aber im Zweifel ist Zeit meine Antwort.

Und nun?

In vielen Bundesländern liegt der Stichtag mittlerweile (wieder) auf dem 30.06. und da die Schule meist nach diesem Termin im Sommer wieder startet, sind dort viele Kinder einfach 6 Jahre alt. Und ja, jeder Monat ist kostbar. Darum wünsche ich mir von Herzen, dieser Stichtag wäre in allen Bundesländern die Norm. Denn für die betreffenden Kinder (und Eltern) kann er die Welt bedeuten. Petitionen laufen und ich kann nur dazu ermuntern, sie zu unterstützen.
Eine engere Verzahnung von KiTa und Schule wäre außerdem hilfreich. Und eine schulische Eingewöhnungszeit. Um diesen krassen Bruch aufzufangen und einen guten Übergang zu schaffen. Da sind uns andere Länder (again) voraus.

Tja und ganz eigentlich ist es das Schulsystem, das zu wenig Vielfalt zulässt. Das „zu“ schnell oder „zu“ langsam nicht toleriert. Das sich öffnen und ändern muss. Nicht die Kinder. Und nicht wir, die schweren Herzens an den kleinen Seelen herumdoktorn, damit sie irgendwie passen. Da wären wir beim Henne-Ei- Problem. Aber ich tue mein bestes, um die bequeme Henne ein wenig in Gang zu bringen.

 

Alles Liebe,

Saskia

43 Comments

  1. Antworten Nadine 7. Oktober 2019 um 08:33 Uhr

    Liebe Saskia,
    ein interessanter Artikel!
    Unsere Tochter ist auch ein Kann-Kind, ist ein paar Tage drüber zum “Muss-Kind”. Und wir können ein Lied davon singen, was es bedeutet die Entscheidung zu treffen. Weiter zur Kita oder ab zur Schule??? Man wird ziemlich alleine gelassen und alle mischen sich ein: “habt ihr schon eine Entscheidung getroffen” oder “sie ist doch schon so weit”….. usw…. Diese Welle, die uns mitgenommen hat eine Zeitlang, war verwirrend. Irgendwann kam der Punkt, wo wir STOP gesagt haben zu uns und auch nach außen hin!
    Wir haben uns versucht mit unserer Tochter zu dem Thema zu beraten, auch wenn es mit 5 Jahren nicht nachvollziehbar ist, was die Entscheidung für die Zukunft heißen wird. Trotzdem wollte wir versuchen sie mit einzubeziehen und sie möchte zur Schule gehen. Unser Bauchgefühl stimmt dem auch zu! Die Erzieherinnen sagen:”wartet noch das Jahr, gibt ihr die Zeit zum Spielen”….. Die Schulleiterin sagt:”worauf warten? Sie möchte und ist definitiv soweit.”
    Und schon stehen wir wieder alleine da, ich bin der Meinung, dass viel zu wenig Information fließen innerhalb der Kita und der Schule. Außerdem finde ich das System sehr grenzwertig einfach nur nach Schema XY zu entscheiden! Es gibt soviele Muss-Kinder, die nicht zur Schule wollen, aber müssen…. Warum??? In der heutigen Zeit muss es doch auch andere Entscheidungskriterien geben oder nicht??
    So, letzten Endes haben wir am Ende auf unser Bauchgefühl gehört, welches JA zur Schule sagt..ob richtig oder falsch, weiß man eh erst mittendrin oder hinterher..Nächstes Jahr wird spannend und aufregend für die Maus! Sie möchte es so gerne und wir begleiten sie.

  2. Antworten Lisa 7. Oktober 2019 um 08:34 Uhr

    Liebe Steffi, liebe Saskia.
    Meine älteste Tochter war ein Kann-Kind. Und genau wie du Steffi, haben wir uns die wildesten Geschichten angehört. Jeder schien eine Meinung und Erfahrung dazu zu haben. Die meisten Erzählungen waren Horror-Stories- in beiden Varianten!
    Wir sind bald durchgedreht.
    Unsere Alva ist ein sehr schlaues (vor allem im Lesen und Sprechen!!)und sehr fittes Kind. Dazu kommt, dass sie auch körperlich und seelisch stark ist und nie Probleme hatte, ihre Meinung zu vertreten. Nach tatsächlich schlaflosen Nächten hat mir eine Freundin die entscheidende Frage gestellt: „Was siehst du, wenn du dir Alva als Schulkind vorstellst?“ Von Herzen konnte ich sagen: „Ein fröhliches Kind!“ Daraufhin haben wir sie an einer kleinen (zwei-zügig), puscheligen (aber städtischen) Schule angemeldet.
    Es war eine gute Entscheidung. Alva ist manchmal genervt, weil sie die Jüngste ist. Aber weil sie daheim die älteste ist, gleicht sich das aus. Sie kommt hervorragend klar.
    Worauf ich hinauswill: Es kommt aufs Kind an! Freunde von uns haben sich dagegen entschieden, ihr Kann-Kind einzuschulen und das war total super!!!
    Ich würde nie rigoros für das eine oder andere plädieren.
    Sondern immer für den genauen und liebevollen Blick auf eigene Kind.

    Danke für deinen Text, Saskia. Kurz habe ich mich angegriffen gefühlt, (alter Reflex bei dem Thema, wir sind so hart angegangen worden für unsere Entscheidung)habe aber dann verstanden, dass es uns um genau das gleiche geht: Das System muss FÜR die Kinder funktionieren und nicht umgekehrt!
    Einen guten Start euch allen in die Woche!

  3. Antworten Michaela 7. Oktober 2019 um 09:21 Uhr

    Mutter. Raketenkind. Lehrerin. Bei uns war es ein Abwägen der Frage, ob wir lieber eine kognitive Unterforderung oder soziale Überforderung verantworten können. Wir haben uns dann für eine vorzeitige Einschulung entschieden (gegen den Rat der Kita – die sagen IMMER, dass man das Kind noch dort lassen soll und das nicht immer ganz uneigennützig .)

    Für uns war das SOOOO richtig! Wenn du sozial überfordert bist, MUSST du lernen, ob du willst oder nicht. Wenn du kognitiv dauerhaft unterfordert bist, geht deine Neugier und dein Lernwille aus. Das Lernfenster geht einfach zu. Das habe ich nämlich bei vielen Schülern gesehen (Ich unterrichte am Gymnasium). Da kommen Kinder, die jahrelang kurz gehalten werden, die immer Rücksicht nehmen müssen auf die anderen. Das sieht nur auf den ersten Blick gut aus.

    Deswegen: Bauchgefühl! Und sich nichts einreden lassen!

  4. Antworten Christina 7. Oktober 2019 um 10:34 Uhr

    Hallo Saskia,
    Danke für den tollen Artikel! Wir hatten auch ein Kann-Kind und haben es erst jetzt regulär eingeschult, und das war für uns die absolut richtige Entscheidung, ein Jahr länger spielen, ein Jahr weniger in ein strenges Korsett gepackt sein, ein Jahr ohne Regeln für alles! Wir -die ganze Familie-haben das sehr genossen und auch wenn der Schuleintritt nicht problemlos war, die Umgewöhnung ist nicht einfach, so geht Anton gerne und entspannt dorthin!
    Liebe Grüße
    Christina

  5. Antworten Sabrina 7. Oktober 2019 um 10:37 Uhr

    Vielen Dank Saskia, für diesen wunderbaren Text, der gerade jetzt so gut tut. Ich habe ein Oktoberkind und für mich war schnell klar, dass ich eine Einschulung mit 5 Jahren nicht machen werde. Aus den oben so gut beschriebenen Gründen. Und die Entscheidung fällt nicht leicht, gerade wenn Freunde die (eigentlich) im selben Alter sind ziemlich sicher nächstes Jahr eingeschult werden. Aber wir versuchen uns davon zu distanzieren. In unserm Bekanntenkreis kenne ich viel, die ebenfalls noch ein Jahr gewartet haben und die Entscheidung keine Sekunde bereut haben. Auch wenn das letzte halbe Jahr im Kindergarten anstrengend wurde, so war es doch am Ende (für diese Kinder) das Richtige.
    Wir fragten uns also, würde unser Kind es wohl schaffen? Vermutlich, aber wozu die Eile? Irgendwo habe ich kürzlich gelesen: ” Kindheit sollte eine Reise sein, kein Rennen.” Daher gebe ich meinem Kind mit Freude dieses eine kostbare Jahr. Zum Spielen, frei sein, sich entwickeln. Denn ich persönlich stimme dem zu was Saskia sagt: eine möglich Unterforderung im Kindergarten im letzten Jahr kann ich sicher leichter auffangen, als eine mögliche Überforderung in der Schule.
    Daher fühlt sich eine Einschulung mit knapp 7 für uns persönlich richtig an.

  6. Antworten Laura 7. Oktober 2019 um 10:42 Uhr

    Ihr Lieben!
    Dieser Artikel spricht auch mir aus der Seele. Wir haben in Ba-Wü momentan ein Musskind ab dem kommenden Schuljahr, da die erfolgreiche Petition (Vorverlegung des Stichtags auf den 30.6.) zwar umgesetzt werden soll, aber noch nicht klar ist wie und wann.
    So haben wir nun die absurde Konstellation, dass unsere fitte und schulhofreife, aber sprunghafte und ungeduldige Tochter momentan zu den Vorschulkindern gehört, aber evt. im Laufe des Jahres doch zum Kannkind wird. Sie will natürlich in die Schule gehen, hat aber keine Idee, was da auf sie zukommt. Ich würde ihr gerne das Jahr Zeit geben, stehe damit aber ziemlich alleine da. Ich selbst bin mit knapp 7 regulär eingeschult worden und fand es immer toll, zu den ältesten zu gehören.
    Danke für diesen Artikel!
    Schöne Grüße!
    Laura

  7. Antworten Dana 7. Oktober 2019 um 10:50 Uhr

    Danke für diesen ehrlichen Text, sehr interessant zu lesen.

    Bis vor einigen Jahren galt in Berlin weder der Stichtag 30.06. noch 30.09., sondern der 31.12. Mein Sohn, Mitte November geboren, musste also mit 5 eingeschult werden. Mir war selbst recht mulmig dabei, aber da es sich praktisch um einen Normalfall handelte, waren die Schulen recht gut darauf eingestellt, und seine Grundschulzeit verlief problemlos. Von befreundeten Lehrern an Gymnasien habe ich dann allerdings öfter gehört, dass den Schülern in der Sekundarstufe II die Reife fehlt – Goethes “Willkommen und Abschied” bespricht man eben lieber mit 17jährigen als mit 15jährigen, und da machen dann eins, zwei Jahre schon wieder einen Unterschied. Das lässt sich dann auch weiter fortführen bis an die Universitäten, wo sich Professoren über die minderjährigen Studenten beklagen, die unselbständig sind und wenig belastbar. Was mich an der Sache traurig macht, ist dass Kinder so vielen Experimenten ausgesetzt sind – frühe Einschulung, gemischte Klassen, Abitur in 13 Jahren, dann wieder in 12, ständig ändert sich etwas und Langzeiterfahrungen scheinen nicht in die Entscheidungen einzufließen.

  8. Antworten Mia 7. Oktober 2019 um 10:55 Uhr

    Liebe Saskia, vielen Dank für deinen klugen und abwägenden Text. Unsere Tochter war auch ein Kannkind und weil sie groß gewachsen ist, sprachlich und kognitiv extrem fit, haben Eltern, Freunde etc. geraten: Gebt sie ruhig in die Schule. Wir dachten anfangs: Machen wir. Sie konnte auch schon lesen und schreiben. Als es dann endgültig ans Entscheiden ging, haben wir nochmal mit den Erzieherinnen und Erziehern gesprochen und unsere Meinung danach geändert. Und jetzt, wo unsere Tochter in der zweiten Klasse ist, bin ich darüber sehr froh, denn Schule ist wirklich eine ganz andere Nummer als der Kindergarten. Und ich würde deshalb jeder und jedem raten, nicht nur auf das eigene Bauchgefühl zu hören, sondern auch stark den Rat von Erzieherinnen und Erziehern einzubeziehen. Warum? Wir als Eltern erleben unsere Kinder ja immer nur, wenn wir dabei sind – und eben diese Anwesenheit gibt ihnen Sicherheit, genau wie die von Großeltern etc. Die Pädagogen dagegen sehen, wie die Kinder sich verhalten, wenn keine ganz enge Bezugsperson da ist, wenn sie mit 20 bis 25 anderen Kindern zusammen sind, wenn sie sich durchsetzen und in dieser großen Gruppe folgen müssen. Das sind komplett andere Umstände, die wir Eltern nie mitbekommen. Ich habe da von Pädagogen schon auch mal anderes über meine Tochter gehört, als ich vermutet hätte. Und das fand ich extrem aufschluss- und hilfreich. Allerdings hatte ich auch nie das Gefühl, dass die ErzieherInnen da eigennützig urteilen. Mein Eindruck war eher: Pädagogen sind sehr froh, wenn schulreife Kinder den Kindergarten verlassen, weil sie sich nicht besonders gut zwischen 3- bis 5-Jährigen einfügen und ihre Betreuung eher Extra-Arbeit bedeutet. Am Ende müssen die Eltern das natürlich selbst entscheiden, aber ich würde auf den Rat der Pädagogen einiges geben und den Satz „Lass ihn/sie noch ein Jahr spielen“ nicht unterschätzen. Die erste Klasse ist zwar noch nett und sanft, aber jetzt in der zweiten merken wir schon nach ein paar Wochen, wie das Tempo anzieht und die Ansprüche steigen. Ab der dritten Klasse kommt dann das Thema Übertritt näher – da kannst du als Mutter/Vater noch so entspannt sein und dein Kind davon feenhaften wollen: Der Druck drumherum durch andere Eltern/Kinder und die Lehrerinnen und Lehrer ist enorm. Je stabiler die Kinder dann sind, desto besser kommen sie damit klar. Deshalb: eigenes Bauchgefühl plus Pädagogenrat nicht unterschätzen, würde ich sagen. Und zur Not kann/muss/darf man ja auch Klassen wiederholen. Haben zwei Kann-Kinder in der Klasse meiner Tochter nach der ersten auch gemacht. Ist für die Kinder oft nicht schön, aber auch kein Drama, wenn man selbst draus keins macht. Das ist sowieso das Wichtigste, hat mir eine Freundin mit einem Acht- und einem Viertklässler mal gesagt: Die Schule und das Drumherum nie zwischen sich und das Kind kommen lassen, denn das passiert so viel schneller als man meint – am Ende wolle halt nämlich doch jeder, dass das Kind gut im System Schule besteht, nicht weil man selbst so ehrgeizig ist, sondern weil das Kind es selbst schaffen will.

  9. Antworten Yvonne 7. Oktober 2019 um 11:05 Uhr

    Danke für den Artikel…ach ja es gibt nie die Lösung und vieles kommt zusammen…meine große Tochter ist ein September Kind und nun mit gerade 7 in der 2. Klasse. Ich habe die Anforderungen unterschätzt. Vor allem mit einer sehr fordernden Lehrerin, die vieles anders macht als meine Förderschulseele sich wünschen würde. Dennoch gab es keine wirkliche Alternative auch wenn ich sie jetzt erst als schulreif wahrnehme . Aber alle Freundinnen meiner Tochter sind letztes Jahr zur Schule gekommen und die Kita war auch aus anderen Gründen nicht mehr der richtige Ort. Eine Vorschulklasse wäre vielleicht hilfreich Aber es wird in ihrem Leben noch viele nicht Ideale Vorraussetzungen geben und es liegt an uns Eltern sie dabei zu begleiten und zu stärken sie selbstbewusst zu meistern. Ich erlebe Sie trotz allem als ausgeglichener und zufriedener als in der Kita und sehr stolz über das was sie leistet als großes Schulmädchen 🙂

  10. Antworten Sabrina 7. Oktober 2019 um 11:13 Uhr

    Hallo Zusammen,

    tatsächlich löst dieser Artikel in mir ein richtig mulmiges Gefühl aus. Daher vielleicht ein Thema für die nächsten Monate: Wie bereite ich mein MUSS-Kind optimal auf die Schule vor?

    Hier geht es um KANN-Kinder. Da ist es natürlich eine Entscheidung die man abwägen muss aber man hat die Wahl. MUSS-Kinder sind wie beschrieben in vielen Fällen erst 5 bei der Einschulung. Was mache ich denn um meinen 5-Jährigen optimal auf die Schule vorzubereiten. Natürlich möchte ich nicht das er in kurzer Zeit Probleme bekommt und sein Selbstbewusstsein bröckelt. Muss ich ihn mit psychologischen und kinderärztlichen Gutachten zurückstufen lassen um ihm die Chance auf einen guten Schulstart nicht zu verwehren? Oder anders: Mache ich mit zurück stufen lassen nicht auch was kaputt? Was macht das mit dem Selbstbewusstsein wenn die KiTa-Freunde (geboren im Mai/Juni) eingeschult werden und er nicht? Ich glaube das das auch nicht gerade förderlich fürs Selbstbewusstsein ist. Daher würde ich mich über Tipps freuen wie man junge Kinder optimal beim Schulstart begleitet.
    Viele Grüße, Sabrina

  11. Antworten Valerie 7. Oktober 2019 um 11:13 Uhr

    Das Kann-Kind.
    Ich selbst war ein Kann-Kind. Es muss ein paar Tage vor meinem 6. Geburtstag gewesen sein, als ich eingeschult wurde. Und meine Eltern haben damals für mich die richtige Entscheidung getroffen. Dabei liegt die Betonung auf für MICH. Für andere Kinder mag das nicht gelten, ich bin meinen Eltern aber sehr dankbar dafür. Ich hatte immer riesigen Spaß in der Schule und am Lernen, hatte nie große Probleme. Während der Schulzeit fand ich es manchmal blöd, immer die jüngste zu sein. Heute freue ich mich, dass ich in den Genuss von 13 Jahren Schule kommen durfte (12 Jahre sind eine Frechheit!!) und trotzdem „schon“ mit 18 Jahren mit Abi in der Tasche hatte. Irgendwie war der Druck nach dem Abi dadurch nicht allzu groß, jetzt und sofort entscheiden zu müssen, wohin die Reise geht. Habe ich ja eh ein Jahr Vorsprung.

    Die Logopädin.
    Die Reise ging zur Logopädie. (Und das erklärt auch, wieso ich den Artikel direkt lesen musste, als ich deinen Post auf Instagram gelesen habe.) Und daher kenne ich diese Diskussion auch aus der Praxis ganz gut. Muss mein Kind das SCH schon richtig aussprechen können? Ist es ok, dass es noch lispelt? Der grobe Richtwert lautet: „Spätestens zum Schuleintritt sollte das Kind alle Laute korrekt bilden können.“ Macht ja auch Sinn. Durch die Logopädie sollen u. a. Schwierigkeiten im Lese-Rechtschreib-Erwerb verhindert werden. Wenn das Kind statt „Schaukel“ auch beim Schuleintritt noch „Saukel“ sagt – wie soll es dann verstehen, wann man SCH und wann S schreibt? „Das ist die Tasse von meiner Swester.“ – die „Tasse“ oder die „Tasche“? Es ist eine individuelle Entscheidung und ich rate den Eltern – trotz meiner persönlichen Erfahrung – meistens zu einem zusätzlichen Kita-Jahr. Vor allem, wenn noch Unsicherheiten im Sprachsystem bestehen. Logopädie sollte nicht dazu genutzt werden, ein Kind in Richtung Schule zu „optimieren“. Dafür sind die Wartelisten zu lang und die Kindheit zu kostbar.

    Die Mutter.
    Nun bin ich seit gut einem Jahr selbst Mama. „Ein Jahr erst?“ Ja. Aber in diesem einen Jahr hat sich mein Blick auf Normwerte und Schubladen grundlegend verändert. Und ich kann die Verunsicherung von den Eltern so gut verstehen! Ich bin gespannt, ob sich an dieser ganzen Kann-Kind-Geschichte etwas verändert.

    Danke in jedem Fall für diesen Artikel, der mich mal wieder sehr zum Nachdenken angeregt hat. Und entschuldige diesen ewiglangen Kommentar.

    Liebe Grüße!
    Valerie

  12. Antworten Marion 7. Oktober 2019 um 11:24 Uhr

    Liebe Saskia, liebe Steffi, ich habe zwar keine „Kann Kinder“…, allerdings 2 Bundesländer zum Vergleich. Die Große Mme (Dez.) hat in HH in ihrem letzten Kindergartenjahr die Vorschule in der Grundschule besucht. Ich fand das eine tolle Sache, SIE fand es großartig! Es hat ihr so viel Freude bereitet, spielerisch auf die Schule vorbereitet zu werden. Sie konnte sich an den „Ernst des Lebens“ gewöhnen und zwar langsam… (Es war aber auch eine tolle Erzieherin als ‚Klassenlehrerin‘)„Unterricht“, Pausen mit den Großen, alleine Essen gehen, wo finde ich die wichtigen Anlaufstellen, kurz: klar kommen! Es war ein tolles Jahr, für sie und für uns. Das Jahr hat ihr den Schulstart sehr leicht gemacht, wenn auch ein Umzug nach Leipzig eine neue Schule bedeutete. Jetzt kommt die kleine Mme (April) in die Schule, also nächstes Jahr, sie ist dann 6,4Jahre. Hier in Sachsen gibt es keine Vorschule an Grundschulen, hier wird sie ausschließlich in den Kindergärten gemacht. Klar, wir werden den kleinen Ableger schicken, aber ich sehe die Unterschiede zu der Großen… Für Nummer 2 wird es schwieriger…(ich hoffe auf eine Lehrkraft mit nicht zu dünnen Nerven…), aber sie wird es wuppen, is‘ ja die Zweite, die laufen ja bekanntlich ‚nebenher‘…
    Liebe Grüße in die Heimat!

  13. Antworten Katja 7. Oktober 2019 um 11:33 Uhr

    Genau so ist es, der Artikel spricht mir aus dem Herzen, liebe Saskia! Genau so habe ich es bei vielen Kindern beobachtet (Ausnahmen bestätigen die Regel!) und auch beim eigenen Kind erlebt.

    Mein Sohn, Kann-Kind, wurde später eingeschult, er konnte in den Sommerferien davor bereits ganze Bücher alleine lesen und im 100er-Raum rechnen und das war auch Monate davor schon absehbar. Dennoch haben wir uns auf Rat unserer Kinderärztin und befreundeter Lehrer bewusst dagegen entschieden – weil wir wussten, dass seine Herausforderungen in der Grundschule nicht das Kognitive sein werden, sondern dass seine emotionalen Fähigkeiten noch reifen müssen, um all das, was sein kluges Köpfchen verstehen kann, auch emotional zu verarbeiten. Von Frustrationstoleranz, Willen zur Pünktlichkeit und zur Schnelligkeit und manch anderem ganz zu schweigen.

    Und hat er sich gelangweilt? Nein! Er bekam, wie einige andere auch, Extraaufgaben und war damit sehr zufrieden. Das letzte Kindergartenjahr war etwas zäh, das stimmt, aber das haben wir genutzt, um Instrumentenunterricht zu beginnen und ihn eine Sportart die ihm Freude macht finden zu lassen. Naja und nebenbei hat er sich halt das Lesen beigebracht und komplizierte Lego-Bauwerke gebastelt, hat auch nicht geschadet.

    Viel wichtiger finde ich aber auch, über die Grundschule hinaus zu denken – ist denn allen klar, was in der weiterführenden Schule alles abverlangt wird, fachlich? Wie die Gruppendynamik dort ist? Wie es sich anfühlt, einen 18jährigen Abiturienten zu Hause sitzen zu haben, der nicht weiß, was er mit der neuen Freiheit anfangen soll? Auch da ist das eine Jahr Wartezeit sehr, sehr gut investiert.

    Man sollte also viel mehr auf die emotionale Reife eines Kindes achten, denn die ist entscheidend für den Schulerfolg und auch fürs weitere Leben – bis Weihnachten können eh fast alle Erstklässler lesen, egal wie sie gestartet sind. Und wenn sich daran alle halten, dann können sich die Lehrer auch um die Kinder kümmern, die echte Frühstarter sind, emotional und kognitiv.

  14. Antworten Kerstin 7. Oktober 2019 um 11:43 Uhr

    Liebe Saskia,
    Danke für den tollen Artikel.
    Mir geht es beim Lesen so wie Sabrina: ich frage mich, wie meine 5-jährige Tochter, die kurz vor dem Stichtag geboren ist, den Schuleintritt nächstes Jahr meistern wird. Wie die meisten Eltern sehe auch ich bei der ganzen Diskussion um die „Muss- und Kann-Kinder“ nicht das Kognitive, sondern Soziale und Emotionale als Knackpunkt. Wäre also wirklich toll, wenn du uns in deiner nächsten Kolumne ein paar Tipps dazu geben könntest, wie wir unsere Kinder dahingehend optimal begleiten können.
    Alles Liebe,
    Kerstin

  15. Antworten Steffi 7. Oktober 2019 um 11:45 Uhr

    @Mia
    Was das “Klasse wiederholen” betrifft, da habe ich erleben müssen dass die klassische “Ehrenrunde” anscheinend überhaupt nicht mehr in Mode ist. *Ironie off*
    Meine Tochter ist im Gymnasium und der Wechsel von der Grundschule in eben dieses war nicht ganz einfach. Lange Rede kurzer Sinn: Noten sind ok, sie ist nicht versetzungsgefährdet. Trotzdem empfahl man uns, sie vom Gymnasium zu nehmen. Man befürchte, sie würde den Anforderungen nicht gerecht, sie drifte manchmal in ihre eigene Welt ab. Träumer sind also nicht mehr erwünscht in unserer Gesellschaft, interpretiere ich da enttäuscht hinein. Sie wurde mit 6 eingeschult, sie musste damals. Es gab nicht die Wahl zwischen KANN und MUSS. Liebe Grüße!

  16. Antworten Yvonne 7. Oktober 2019 um 12:09 Uhr

    Hallo in die Runde,

    die Entscheidung, ein Kann-Kind früh einzuschulen fällt absolut nicht leicht. Wir haben drei Kinder und sind sehr reflektierte Eltern, sodass wir lange das Für und Wider abgewägt haben.
    Schlussendlich haben wir uns für eine frühe Einschulung entschieden, und an dieser Stelle sei erwähnt, es war die richtige Entscheidung.
    Allerdings habe ich stets das Gefühl, dass wir uns für diese Entscheidung, und damit gegen die Meinung vermeintlicher Experten aus Kindergarten und Schule, rechtfertigen müssen. Dass alles an ein gewisses Datum festgemacht wird und man dabei versäumt, individuell auf das Kind zu achten ärgert mich.
    Unser Januar-Kind ist nach Experten-Sicht genau richtig “alt”, aus unsere Eltern-Sicht war er noch unglaublich verspielt und hätte es vermutlich noch gut und gerne länger im Kindergarten ausgehalten. Unser August-Kind hingegen hatte schon nach drei Tagen Kindergarten genug und wollte zu seiner Schwester in die Schule. Entsprechend zäh und tränenreich gestalteten sich die drei Jahre Kindergartenzeit. Aus Sicht unseres Sohnes war es im Kindergarten “schrecklich, weil ich nichts zu tun hatte”. Nun hat der Tag endlich Struktur und der Geist ist gefordert.
    Die Kindergartenzeit war auch für uns “schrecklich”. Jeden morgen gab es Tränen, er war viel krank und erst nachdem die Entscheidung getroffen war, dass es in die Schule geht, konnte unser Sohn es “aushalten”, in den Kindergarten zu gehen.
    Da wir natürlich nicht einschätzen konnten, wie lange der Zauber des Neuen anhalten wird und wie das sich Lösen von mir funktioniert (bislang hat es ja nicht gut funktioniert), habe ich drei Monate Elternzeit genommen, um so die ersten Wochen bis zu den Herbstferien eng begleiten zu können. Das hat viel Ruhe in den Alltag gebracht und ich konnte entspannt auf etwaige Gefühlsschwankungen am Nachmittag reagieren.
    Unser Fazit, für unseren Sohn war es die richtige Entscheidung. Er ist gut in der Schule angekommen und ist emotional sehr gewachsen.

  17. Antworten Heike 7. Oktober 2019 um 12:50 Uhr

    Super Artikel, auf den Punkt gebracht. Mir fehlt bei diesen Überlegungen oft der Gedanke an die höheren Klassen. Wenn der Großteil der Klasse in der Pubertät ist, du aber nicht. Sondern die pubertäre Hirnentleerung zu einer Zeit stattfindet, wo dringend Leistung notwendig ist. Von Lehrererwartung an 8.und 9. Klässler brauchen wir gar nicht mehr reden.
    Es kann gut gehen, meiner Erfahrung eher bei Mädchen. Wir Girls haben einfach früher raus, wie der Laden funktioniert. LG

  18. Antworten Mia 7. Oktober 2019 um 13:09 Uhr

    @Steffi: Liebe Steffi, dass Klasse-Wiederholen nicht mehr oft gemacht wird, erlebe ich bei den weiterführenden Schulen bzw. bei den älteren Kindern in unserem Freundeskreis ähnlich wie du. Da wird dann sehr schnell zur Realschule oder zu Waldorf geraten. In der Grundschule gibt es diese Alternativen ja nicht, deshalb geht es nur mit Wiederholen, und das kommt an der Schule meiner Tochter öfter vor. Bei einem Infoelternabend vor der Einschulung hat eine Lehrerin, die schon lange dort ist, erklärt, das liege nur zum Teil an “zu früh” eingeschulten Kindern. Schule habe sich auch einfach verändert. Einerseits ist die Pädagogik zwar weiter: viel Gruppenarbeit, viel Lernen mit allen Sinnen und im eigenen Tempo mit Lernleitern etc. – bei uns war das ja noch viel mehr Frontalunterricht. Andererseits sind die Lehrpläne wegen der Umstellung auf das G12 heute viel dichter. Kinder, die früher ganz gut mitgekommen sind, tun sich deshalb schon mal schwer. Und die, die früher gerade noch so mitkamen, scheitern jetzt am Zu-Viel in zu kurzer Zeit. Ich finde das wahnsinnig schade und kann verstehen, dass hier in Bayern deshalb immer mehr Eltern versuchen, ihre Kinder zurückstellen zu lassen bzw. dass die Anmeldungen bei Privatschulen zunehmen, auch wenn ich beides für keine gute Lösung halte. Die müsste woanders herkommen, was aber nicht passiert. Also fühlt man mit all diesen Entscheidungen rund um Einschulung, weiterführende Schule usw. manchmal ganz schön allein und versucht, irgendwie einen guten Weg fürs Kind zu finden. Ich wünsche dir, deiner Tochter und euch als Familie, dass euch das gelingt. Meine Eltern haben damals übrigens eine ähnliche Ansage von der Schule bekommen, als ich in der 7. Klasse plötzlich lauter 4en, 5en und 6en geschrieben hab, weil ich = Träumerin (immer schon gewesen, auch heute noch). Es ist wie du sagst: Für Träumer ist in dieser Welt nicht mehr so viel Platz, und man kommt damit im herkömmlichen Sinne vielleicht auch nicht “weit”, aber das muss ja auch gar nicht sein. Ich bin – eh klar – froh um jede/n andere/n TräumerIn. In diesem Sinne: ein Hoch auf deine nicht 1er-Schülerin aber trotzdem garantiert tolle Tochter. Und jetzt höre ich auf rumzuküchenpsychologisieren, weil ich meine eigene Träumerin aus der Schule abholen muss. Alles Liebe! Mia

  19. Antworten Angela Bollig 7. Oktober 2019 um 13:16 Uhr

    Hallo!
    Mein Sohn – Oktoberkind- wurde mit 5 Jahren eingeschult. Das ist jetzt eine ganze Weile her, er ist nun in der 10 Klasse eines Gymnasiums in München. Obwohl ich selber Grundschullehrerin bin, tat ich mich damals schwer mit der Entscheidung, zumal es mein erstes Kind war/ist. Letztlich habe ich den wunderbaren Service der Caritas und ihren hervorragend ausgebildeten Psychologen genutzt und auf ihren Rat gehört, der insgeheim auch meine Einschätzung war. Bis heute eine richtige Entscheidung. Beruflich kann ich beobachten, dass die Zahl der Früheinschuler abnimmt. Die Eltern informieren sich gut und hören auf die Ratschläge der Experten. Den Ehrgeiz, sein Kind besonders früh einschulen zu lassen, haben hier nur noch wenige Eltern. Das bayerische Schulsystem kennt keine Gnade- das hat sich einfach herumgesprochen.
    An kognitiven Fähigkeiten scheitert es selten, vielmehr belasten die Kinder andere Faktoren, wie Stressbewältigung, soziale Stresssituationen etc.
    Toller Artikel, Saskia und beste Grüße aus München

  20. Antworten Steffi 7. Oktober 2019 um 13:58 Uhr

    @Mia
    Liebe Mia, ganz kurz: vielen Dank für Deine Rückmeldung und deine wärmenden Worte ♥. Ich muss in dem Kontext noch mitteilen dass meine Tochter in G9 ist – darum habe ich es als doppelten Nackenschlag empfunden!! Um die Sahnetorte zu vollenden: dies wurde uns 5 Tage vor Sommerferienbeginn mitgeteilt. Ich war fertig.. aber jetzt mit Abstand und Würde: ich werde einen Teufel tun innerhalb kürzester Zeit ihre Schullaufbahn umzuschmeißen. Sie wird sich durchbeißen, sie will ja auch dort bleiben weil sie die Schule toll findet und sich wohl fühlt in der Klasse und mit ihren Freunden. In meinen Augen ein großer Faktor.
    Abschließend möchte ich sagen wie toll ich die Berichte, Kommentare und generell den Austausch hier finde. Weiter so, Frau Luxat 🙂
    Virtueller Drücker

  21. Antworten Sabine 7. Oktober 2019 um 14:18 Uhr

    Liebe Saskia und liebe Steffi, vielen Dank für diesen tollen Artikel! Ich habe selbst ein kann-Kind (November) zuhause und wir saßen vor ziemlich genau einem Jahr zwischen allen Stühlen. Die wirklich tollen Erzieherinnen im Kindergarten haben uns gesagt, dass er sich noch ein Jahr dort furchtbar langweilen würde. Sie hatten Recht, haben aber gleichzeitig (wie übrigens auch unser Bauchgefühl) gesagt, dass er emotional noch kein Schulkind ist. Wir hatten riesiges Glück, dass es in unserer Nähe eine Vorschule gibt, in der er ein Jahr lang Projekte, Theater, etc. machen konnte und noch sehr viel Zeit zum Spielen hatte. Leider natürlich mit deutlich kürzeren Betreuungszeiten und über die Kosten will ich gar nicht reden.. Es hat uns als Familie viel abverlangt und trotzdem war es für unser Kind genau die richtige Entscheidung. Ich bin jeden Tag froh, dass wir nicht nur die Erzieherinnen im Kindergarten hatten, die unser Kind ganz genau gesehen haben, sondern dass ich auch bei der Schulberatung wirklich tolle und engagierte Gesprächspartner hatte.

  22. Antworten Regine 7. Oktober 2019 um 14:20 Uhr

    Liebe Saskia,

    erst einmal Glückwunsch zu deiner Kolumne. Ich freue mich darauf, hier öfter von dir zu lesen.

    Ich habe letztes Jahr mit schlechtem Gewissen ein Muss-Kind in Baden-Württemberg eingeschult. Sie war Ende Juli sechs Jahre alt geworden. Ich hätte ihr so gerne mehr Zeit gegeben, aber aus Sicht des „Systems“ gab es keinen Grund. Körperliche und kognitive Fitness konnten wir vorweisen. Mein Mutterherz hatte dennoch ein schlechtes Gefühl dabei und wir hatten einen echt schwierigen Start. Auch wenn sich inzwischen alles eingependelt hat, denke ich oft daran, dass ich ihr dieses Jahr Unbeschwertheit so gerne noch gegönnt hätte.

    Danke daher für diesen Text .

    Liebe Grüße

    Regine

  23. Antworten Maria-Theresia Svejda 7. Oktober 2019 um 14:33 Uhr

    Liebe Steffi, liebe Saskia,
    sehr interessanter Artikel!
    Ich musste gerade über den Einstieg schmunzeln… Meine Tochter hat gerade zu essen begonnen und ich lese den Artikel direkt nachdem ich einen der ersten Babybreis vom Boden aufgewischt habe. Ich war selbst ein Kann-Kind und meine Eltern haben mir damals ein Jahr “geschenkt” und mich später eingeschult, im Nachhinein bin ich Ihnen sehr, sehr dankbar dafür und würde mir für andere Kann-Kinder genau das wünschen.

  24. Antworten Isabella 7. Oktober 2019 um 14:42 Uhr

    Danke für deinen Artikel. Wenn es doch nur so einfach wäre.
    Unsere Kiga-Erzieher sprechen seit zwei Jahren davon, unseren Sohn frühzeitig einzuschulen. Wir haben das Thema weit von uns geschoben. Aber jetzt muss eine Entscheidung getroffen werden. Und die fällt uns nicht leicht, raubt sie uns doch manchmal sogar den Schlaf. Die Experten sagen: Kind ist jetzt schon unterfordert, unglücklich weil seine Freunde nun alle weg und schon in der Schule sind und brauch dringend mehr Futter als sie es im Kiga anbieten können. Viele Außenstehende verpönen diesen Gedanken und raten uns das bloß sein zu lassen.
    Wir wollen die richtige Entscheidung für unser Kind und sind wirklich etwas hilflos…

  25. Antworten rose 7. Oktober 2019 um 16:15 Uhr

    Toll geschrieben.
    Mochte auch den ersten Saskia “Artikel” schon so gern. Bitte mehr solche Lehrerinnen und Lehrer. Liebe grüße, rose

  26. Antworten Sabine Nicole 7. Oktober 2019 um 17:16 Uhr

    Der Artikel ist soooo gut geschrieben! Und all die, die Ihr ein „Kann-Kind“ habt, seid doch froh, dass es kein knappes „Muss-Kind“ ist. Mein Sohn war 10 Tage vor dem Stichtag geboren. Bei einem „ Muss-Kind“ ist der Bürokratieweg noch viel schwieriger, wenn man eine Zurückstellung für besser hält!

  27. Antworten Lisa 7. Oktober 2019 um 18:03 Uhr

    Liebe Isabella,

    ich stelle dir die Frage, die mir geholfen hat: “Was siehst du, wenn du dir dein Kind als Schulkind vorstellst?”

    Liebe Grüße, ihr werdet eine liebevolle und bewusste Entscheidung treffen.

  28. Antworten Susanne 7. Oktober 2019 um 18:13 Uhr

    Liebe Saskia,

    ich bin auch seit 20 Jahren Grundschullehrerin (Ba-Wü.), immer Klasse 1/2 und bin inhaltlich voll auf deiner Seite – ich habe schon so viele Kinder gesehen, die zu früh kamen, noch viel zu verspielt waren und denen ein Jahr länger so viel besser getan hätte…

    Sehr traurig macht mich allerdings deine Darstellung ‘unseres’ Schulsystems (auch schon im ersten Artikel) – fast mochte ich nicht mehr weiter lesen… Ich kenne kaum eine Kollegin/Kollegen, die einen solchen Unterricht abhalten, wie du es in jedem Satz schwarzmalst, im Gegenteil, viele deiner tollen Ideen (aus deinem ersten Artikel) sind bei uns selbstverständlich.

    Und ich möchte gerne auch gegenfragen: Was ist denn so schlimm daran, wenn ein Kind z.B. lernt mal 20 Minuten in einem Stuhlkreis anderen zuzuhören, Gesprächsregeln einzuhalten, sich anderen gegenüber rücksichtsvoll zu verhalten, indem es eben nicht immer seinen aktuellen Befindlichkeiten ad hoc nachkommt. Und das auch im Hinblick auf deine ‘Jobausschreibung’ – welcher Erwachsene kann und möchte das ? Ich sehe mittlerweile auch viele ‘Muss-Kinder’, die die von dir genannten Probleme mitbringen – kaum Konzentration, Impulskontrolle, Einlassen auf Neues… Natürlich muss bei uns niemand gleichzeitig auf’s Klo, aber gleichzeitig Singen ist doch etwas Wunderbares ! Gemeinschaft ist etwas so Wertvolles und hat nichts mit Gleichmacherei zu tun !

    Liebe Grüße, Susanne

  29. Antworten Lisa 7. Oktober 2019 um 18:40 Uhr

    Liebe Saskia & Steffi,
    da habt ihr ja ein ganz schönes Fass geöffnet..!
    Ich habe nach mittlerweile 3 Einschulungen, darunter 2 früh eingeschulte Hamburger Kannkinder, noch einen ganz anderen Aspekt für diese Diskussion.
    Meine Erfahrung zeigt, dass für eine glückliche & gelungene Schulzeit ein toller (Klassen-) Lehrer/-in viel entscheidender ist als der richtige Zeitpunkt der Einschulung. Vielleicht nimmt das den Druck für manche etwas raus, denn die Lehrerlotterie können wir nicht beeinflussen.
    Herzlich,
    Lisa

  30. Antworten Julia 7. Oktober 2019 um 19:42 Uhr

    Liebe Saskia (und Steffi), danke für diese tolle Kolumnen-Idee!! Ich verfolge Saskia auch schon so lange bei Instagram und auf ihrem Blog.
    Ich wäre noch neugierig über ihre Meinung zum Thema hochbegabte Kinder bzw. Unterforderung…
    Meine Tochter liest schon seit einem halben Jahr flüssig (also richtige Bücher, nicht “nur” Großbuchstaben) und sie kann auch schon bis in den 20er Raum rechnen…
    Sie hat sich alles selber beigebracht, bzw. z.T. vom großen Bruder abgeguckt. Ich vermute eine Hochbegabung, weil sie schon mit 2 Puzzles für 4jährige gemacht hat etc.etc.
    Diese Vermutung ist auch von Erziehern bestätigt..
    Nun fürchte ich etwas, dass sie sich total langweilen wird nächstes Jahr in der 1. Klasse (sie wird im März 6). Sozial/emotional ist sie auch recht fit eigentlich, aber wir wollten sie trotzdem noch mit ihren Freundinnen in der Kita lassen, sie ist eine zarte Seele.

    Wie geht Ihr mit sowas um in der normalen Grundschule?
    Liebe Grüße, Julia

  31. Antworten Danni 7. Oktober 2019 um 19:56 Uhr

    Ich habe 3 Kann-Kinder, davon 2 als Kann-Kinder eingeschult. Bei meiner Tochter fiel mir diese Entscheidung extrem schwer, da klar war, dass ihr Zwillingsbruder auf jeden Fall noch ein Jahr Kita brauchen würde. Sie zu trennen, war hart – aber aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung. Meine Tochter ist jetzt in der 9. Klasse Gymnasium, eine sehr gute Schülerin und vor allem echt glücklich. Genauso wie mein Sohn, ein Jahrgang unter ihr. Wichtig war für mich damals die Meinung der Erzieherinnen, die sie ja jeden Tag im Zusammensein mit anderen Kindern beobachten konnten.
    Mein „Kleiner“ ist jetzt in der 6. und auch seine frühzeitige Einschulung haben wir nicht bereut. Übrigens sind beide Kann-Kinder noch heute engst mit ihren Kitafreunden verbunden – sicher auch, weil da eine Vertrautheit vorhanden ist, die sie bis heute in Schwierigkeiten in der Schule (Streit mit anderen oä) stützt und schützt. Für mich ist das so viel mehr wert als ein Jahr mehr Zeit- natürlich vorausgesetzt, dass die grundsätzlichen Fähigkeiten vorliegen.

  32. Antworten Nadine 7. Oktober 2019 um 21:15 Uhr

    Hallo,
    einmal möchte ich der pauschalen Aussage widersprechen, dass Kitas immer sagen, dass Kind muss länger bleiben. Da habe ich privat sowie beruflich (arbeite selbst in einer) andere Erfahrungen gemacht. Für uns gibt es auch intern keinen Grund weswegen das Kind noch länger bleiben sollte. Das schwang da auch mit. Das mag in einer anderen Kita woanders so sein, ist aber nicht grundsätzlich so. Ich selbst entscheide mit meiner Empfehlung nach meinen Beobachtungen des jeweiligen Kindes.

    Was ich noch ergänzen möchte: Eltern sollten sich selbst einmal prüfen und überlegen, welchen Wert sie Kita und welchen Wert sie Schule beimessen und wie wichtig ihnen persönlich die frühzeitige Einschulung ist. Geht es wirklich ums Kind oder geht es darum, dass es z.B. das letzte Kind ist und es leichter ist, alle Kinder in die Schule zu fahren, statt noch eins in den Kindergarten?
    Meine Erfahrung ist teilweise, dass die Eltern gar nicht wissen, welche Lernerfahrungen ihre Kinder eigentlich den ganzen Tag in der Kita machen und wie wichtig das vermeintlich einfache Spielen ist. Kinder auch im letzten Kitajahr noch bei Laune zu halten, sehe ich ganz klar, als Aufgabe der Erzieher*innen… Das sollte eigentlich auch kein Argument sein.
    Ich bin gespannt auf die weiteren Kolumnen,
    liebe Grüße Nadine

  33. Antworten Katrin Riedel 7. Oktober 2019 um 21:36 Uhr

    Einfach nur Danke, nach einem miesem Tag und Ergotherapie für den Jungen. Er ist nicht DIN A 4 und findet malen, basteln, schneiden öde. Dafür erklärt er mir sämtliche Spezial-Baufahrzeuge, nutzt Akkuschrauber und Stichsäge vom Papa akkurat, erklärt mir das”Schönheit und Hässlichkeit gar nicht wichtig sind im Leben”, oder sagt so was wie: “Mamma ich hab Dich lieb und das ist doch schon Alles”.
    Nach Kind Nummer 1, ein DIN A 4 Mädchen was toll “funktioniert” und alles optimal bekam, habe ich Angst diesen kleinen Freigeist zu formen.

  34. Antworten Sassi 7. Oktober 2019 um 21:48 Uhr

    Hallo liebe Alle,

    erst einmal tausend Dank für eure Meinungen, Erfahrungen, Berichte und den konstruktiven Austausch hier. Als Lehrerin und auch als Mama kann ich so verstehen, dass dieses Thema Emotionen freilegt und dass die Ansichten hier auseinandergehen.

    Oder eigentlich auch nicht. Denn unser aller Ziel ist gleich: Das Beste für mein Kind. Den richtigen Zeitpunkt finden. Und meine Empfehlung ist tatsächlich kein Patentrezept. Ich bin, so würde ich behaupten, von Allgemeinrezepten für die Vielfältigkeit von Kindern so weit entfernt wie von einem dreifachen Rückwärtssalto. Jedes Kind ist anders. Zum Glück. Und ich wünsche jedem Kind von Herzen, gut in der Schule anzukommen. Denn ein guter Start ist ein verdammt wichtiges Fundament.

    Es gab hier einige Berichte von Eltern, deren Kind zum früheren Zeitpunkt eingeschult wurden und das ohne weitere Probleme. @Lisa schrieb sogar, sie war kurz in Gefahr, sich angegriffen zu fühlen, weil sie für ihre Entscheidung, ihr Kind frühzeitig einschulen zu lassen so viel Gegenwind bekam. Das glaube ich. Denn als Mama/Eltern hat man ja dauernd das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, weil immer jemand die eigenen Lebenswege beurteilen will.

    All die Kinder, die früh eingeschult wurden und bestens klarkommen, haben aber etwas gemeinsam. Sie fallen nicht unter meine Problematik. Denn sie wurden ja eben nicht ZU früh eingeschult. Sondern nur früh. Aber entwicklungsgerecht. Und das ist der Unterschied. Es geht um “zu früh”. Das kann mit 5 Jahren sein. Genauso gut mit 6. Und egal, wie alt ein Kind ist. Ein zu frühes Einschulen ist eine große Bürde für alle Beteiligten. Ein frühes Einschulen, wenn es für das Kind richtig ist, aber nicht. Im Gegenteil. Es ist richtig.

    Und apropos richtig. Liebe Eltern, die ihr mir eure Geschichten anvertraut habt (danke dafür, das Vertrauen finde ich toll), ihr habt etwas sehr, sehr richtig gemacht. Nämlich auf euer Kind und euer Gefühl gehört. Und ich verspreche euch: Nie, nie, niemals würde ich Eltern, die sich sicher sind, dass ihr Kind soweit ist, die Schule ausreden. Ihr seid die Experten für eure Kinder. Und wenn ihr Kann-Kinder habt, dann ist es für euch ja zum Glück gut möglich, das Kind auch einschulen zu lassen. Weil, liegt ja eh in der möglichen Frist. Der Meinungsgegenwind, der ist natürlich doof und weht uns Eltern ja leider in so vielen Themen immer um die Ohren. Ob Stillen, Windeln, Adventskalender oder Schule. Kann man es anderen recht machen?
    In jedem Fall freue ich mich von Herzen für euch und eure Kinder, die so gut angekommen sind. Die Eltern haben, die ihre Bedürfnisse und ihre Entwicklung gesehen haben und eine gute Entscheidung treffen konnten.

    Mir geht es um die vielen Seelen, die ich schon begleiten musste, die nicht reif waren (eine leider vielfaches höhere Zahl). Und die kommen mussten, aufgrund eines Datums. Deren Eltern haben auch genau gewusst, was das Beste wäre, nämlich in ihrem Fall der spätere Zeitpunkt, aber sie konnten nichts tun. Konnten das nicht so leicht entscheiden. Denn Rückstellungen werden nur noch selten und oft nur nach Attestmarathon genehmigt. Nicht jedes Bundesland ist da schon flexibel. Und dafür setze ich mich ein. Dass dieses Zahlengepoche aufhört. Dass Eltern mehr Flexibilität in die Hand bekommen.

    Wir haben alle eigene Geschichten. Und eigene Kinder. Die so einzigartig sind, wie sie sind. Und sie sollten kommen dürfen, wenn sie so weit sind. Mit 5, 6 oder auch 7 Jahren. Die Zeit bekommen, wenn sie sie brauchen. Damit es “zu früh” nicht mehr gibt. Denn das ist und bleibt eine große Anstrengung.

    Ich freue mich auf weitere Wortwechsel mit euch und die nächste Kolumne. Es macht wirklich Spaß.

    Danke.

    Eure Saskia

  35. Antworten Christina 7. Oktober 2019 um 23:14 Uhr

    Hach! So wunderbar hast du den schulischen (Wahnsinn?) Alltag beschrieben.
    Gut, dass es viele LehrerInnen gibt, die es den Kindern trotzdem nett machen!
    Es macht Spaß deine Beiträge zu lesen. Ich freue mich auf mehr!!
    Grüße

  36. Antworten Nika 8. Oktober 2019 um 00:09 Uhr

    Welch ein großartiger Text, mit ausgereiften Gedanken und wertvollen Erfahrungen. Und auch wir haben uns für das ‚Reifen‘ entschieden. Ein Jahr in der Hamburger Montessori Vorschule, bevor dann das ‚pralle‘ Leben in einer Hamburger Regelschule startete.

  37. Antworten Insa 8. Oktober 2019 um 00:37 Uhr

    Ich bin Kann- Kind-Mutter, Erzieherin in einer KiTa und habe im Anschluss an deinen wirklich tollen Artikel einige Kommentare überflogen und oft das gelesen was ich auch als Erzieherin höre. „Er/ sie ist schon so weit, kann lesen/rechnen/schreiben, es wird jetzt Zeit für die Schule“, dahinter steckt meiner Meinung nach, dass sich mittlerweile viele Eltern nicht mehr damit zufrieden geben mögen ein völlig normal bzw durchschnittlich entwickeltes Kind zu haben. Und die vermeintlichen Überflieger sitzen dann in den ersten Klassen und sind aber in vielerlei Hinsicht noch nicht bereit dazu. Somit kommt der Druck nicht nur vom System sondern auch oftmals aus der Familie selbst.
    Das gilt natürlich nicht für alle Familien die früh einschulen und teilweise rate ich auch Familien dazu, aber das sind sehr große Ausnahmefälle. Die Kinder stecken noch so lange in dem System Schule, da darf man den meisten-wie ich finde- noch ein Jahr KiTa oder Vorschule gönnen.

  38. Antworten Caddy 8. Oktober 2019 um 07:10 Uhr

    Vielen Dank für den Artikel,
    als mein Großer (in NDS) eingeschult wurde, gab es noch kein Mitspracherecht der Eltern, also keine Flexi-Kinder. Die Einschulungsuntersuchung sagte, er ist fit, der Kiga sagte er ist fit, die kleine einzügige Dorfschule sagte er ist fit. Also haben wir eingeschult. Mit noch fünf. Kognitiv kam er immer gut mit. Aber emotional hätte er definitiv noch ein Jahr gebraucht. Inzwischen ist er in der 7. klasse einer Oberschule. Der Schulwechsel war eine ganz schöne Herausforderung für uns. Hätte ihn am liebsten die vierte Klasse wiederholen lassen, aber er wollte es nicht. Es geht immer noch ganz gut, aber ich finde die Reife fehlt ihm immer noch.
    Mein Jüngster ist ein Septemberkind und Gott sei Dank gibt es jetzt diese Flexibilität für Eltern. Er wäre dieses Jahr eingeschult worden, das wäre definitiv zu früh gewesen. Jetzt hat er noch ein Jahr Zeit sich zu entwickeln. Kognitiv ist er auch wieder fit. Er kann schreiben und rechnen, hat eine gute Merkfähigkeit, aber er ist einfach noch unheimlich klein und dem Druck noch nicht gewachsen. Das Jahr wird ihm gut tun.
    Beim vierten Kind kann man aber glaub ich als Eltern auch schon besser entscheiden, weil man weiß was auf die Kinder zukommt.

  39. Antworten Charlotte 8. Oktober 2019 um 09:20 Uhr

    Liebe Saskia, was ein toller Text!!! Mit soviel Ironie und Humor an dieses Thema ran- chapeau!
    Ich war selbst Ein Kann-Kind und rein schulisch trotzdem schnell unterfordert. Ich habe mich in allen Fächern (außer BK, da war definitiv viel Luft nach oben…) furchtbar gelangweilt und dann irgendwann in der 8. Klasse das Problem, keine Lust mehr auf das langweilige Zeug zu haben. ABER sozial war ich eigentlich überfordert. Klar, ich konnte das gut kompensieren, weil ich kognitiv fit war, aber habe mich mit meinen Sportmädels, die mein Jahrgang und alle eine Klasse unter mir waren, besser gefühlt als mit den teilweise mehr als 1 Jahr älteren Mädels aus meiner Klasse. So war ich immer irgendwie zerrissen und habe dann auch einiges gemacht, was noch nicht altersgemäß war….man will ja dazugehören und so… Bei meinen Kindern bin ich jetzt klar für Zeit lassen! Einen Aspekt, den viele nicht beachten, finde ich dabei auch, dass früh eingeschulte Kinder wegen G8 in die Oberstufe eintreten, wenn sie teilweise noch voll in der Pubertät sind und einfach noch nicht wieder ganz bei sich sind…..und nebenbei…was will man, wenn in der Klasse viele schon einen Freund haben, natürlich ?!?!? Auch so ein Etwas, obwohl man ein Jahr jünger ist und sich auch noch gut Zeit hätte lassen können.
    Und mit dieser Grundeinstellung, lieber Zeit lassen, habe ich jetzt das Problem mit meiner Mittleren, die zwar Mai-Kind ist, sich in der Schule aber trotzdem furchtbar langweilt, sozial eine Klasse drüber aber nicht reinpassen würde….und das ist mein Ansatz- ich glaube, fitte Kinder werden zu wenig gefördert. Und vielleicht wäre es einfach am besten, wenn gute Kinder besser gefördert würden. Dann hätten deren Eltern vielleicht auch weniger Angst, etwas zu verpassen und könnten sich vielleicht besser zurücklehnen und ihren Kindern ein Jahr mehr Zeit lassen, weil sie wüssten, mein Kind wird auch optimal gefördert, wenn es ein ein Jahr später in die Schule kommt….

  40. Antworten Larissa Jochheim 8. Oktober 2019 um 12:42 Uhr

    Danke für den tollen Artikel Saskia. Der hat mich voll ins Herz getroffen.
    @Steffi: mich würde deine Meinung zum Thema auch noch interessieren. Habt ihr euch bereits entschieden und wird es eine “besondere” Schulform (Waldorf, Montessori o.ä.) oder geht Ruby auf die “normale” Schule in der Nachbarschaft? Weißt du wie meine Frage gemeint ist?

    Alles Liebe und danke für die stets tolle Qualität der Artikel, egal ob auf dem Blog oder im Abo. Ich bin ein großer Fan

  41. Antworten anne 9. Oktober 2019 um 12:03 Uhr

    hallo, beim “gewünschtesten wunschkind”- podcast gab es 2 folgen zum thema schulhofreife, die mir gut gefallen haben. das buch dazu heißt “Topfit für die Schule” von Rupert Dernick.

  42. Antworten Shirin Marquart 9. Oktober 2019 um 13:45 Uhr

    Hallo Ihr Lieben,

    so nun fühle ich mich seit Jahren des Nicht-Kommentierens auch einmal angeregt hier meinen Senf dazu zugeben. Also…als Mama eines Kann-Kindes oder was auch immer das heissen soll, also eines Mädchens, dass im letzten Kita-Jahr total gelangweilt war und mich zu Hause mit Fragen nach Buchstaben und Zahlen gelöchert hat, haben wir unsere Tochter mit 5 Jahren und 9 Monaten eingeschult hatten damit nie Probleme. Sie wäre ein Jahr lang als ältestes Mädchen alleine in der Kita rumgehangen und es gibt häufig auch kein anderes Programm für ältere Kinder in der Kita.
    Sie wurde von den anderen Kindern oft mal geärgert sie sei die Jüngste, aber das konnte sie gut aushalten und sie geht super gerne in die Schule. Sie ist weder `die Kleinste`noch hat sie schulische Probleme. Es hängt einfach von den Kinder ab und wie bei allen Themen entwickeln sie sich unterschiedlich man kann es einfach nicht pauschalisieren ob es für die Kinder gut oder schlecht ist – für uns wäre eine Einschulung mit fast 7 möglich gewesen, ich glaube es wäre dann eben anders gewesen aber nicht unbedingt besser. In anderen Ländern werden die Kinder auch früher eingeschult und da wird auch nicht so ein Theater gemacht wie hier in Deutschland wo man sehr dazu tangiert alles als Problem zu sehen. Man sollte die Kinder lieber positiv unterstützen.
    Liebe Grüsse S.M.

  43. Antworten Johanna 11. Oktober 2019 um 07:01 Uhr

    Liebe Saskia,
    der Artikel ist sehr interessant und das Thema hat noch weitere Aspekte. Mein Sohn war Muss-Kind, da kurz vor dem 30.06. geboren. Kognitiv unterfordert, Konzentrationsfähigkeit zu niedrig, sozial noch nicht gereift. Seit der Grundschule (jetzt 7. Klasse) liegt die Diagnose bei leichter Form von ADS und es zeigt sich, dass er einfach nur im Vergleich zu den Mitschülern 6-9 Monate mit der Entwicklung hinterher ist. Eine spätere Einschulung hätte uns die andauernden Schulprobleme erspart.

Schreibe einen kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
* Erforderliche Felder sind markiert


Werbung
  • spoon Werbung
    Zuckerschnuerl
    Lillibell
    Nordliebe
  • … was passiert eigentlich, wenn man ein Kind zu früh einschult? Die neue Kolumne zum Thema Schule von Lehrerin Saskia Niechzial.

Das könnte dir auch gefallen

Werbung

Mal was Neues:

09. Oktober 2019

Werbung:

ENDLICH ICH:

01. Oktober 2019

Ach, guck an:

30. September 2019

Alles im Archiv anschauen

Werbung

Von wegen Zicken:

25. September 2019

Werbung

Alles fürs Klima:

19. September 2019