Oldie but Goldie:

Ist er der Richtige? Auf meiner Suche nach der großen Liebe, traf ich oft die Falschen.

Kurz vorweg: Beim Aufräumen und Aussortieren habe ich einen Ordner mit Geschichten gefunden, die ich mit Mitte zwanzig über die Suche nach der großen Liebe geschrieben habe. Unter anderem für die Zeitschrift Maxi, wie diesen Artikel von vor mehr als zehn Jahren. Ich lese sie immer wieder gern, die Texte über meine Suche nach dem richtigen Partner. Weil die Zeit aufregend, anstrengend und irgendwann zu ende war. Vielleicht habt ihr ja Lust, mitzukommen, auf eine kleine Zeitreise zurück ins Single-Leben. Oder ihr seid eh gerade Single und die Geschichten zeigen euch: Das haben wir alles schon mal erlebt, es bleibt nicht für immer so!

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IST ER DER RICHTIGE?

Wird er es? Oder möchte ich nur, dass er es wird? Ohne Mann an der Seite ist das Leben oft anstrengend, findet Stefanie Luxat, 26. Ständig fragt sie sich, in wem sich der Richtige versteckt, während sie die Falschen trifft.

Der da zum Beispiel. Auf dem Foto. Genau, der, der es sich mit dem Mädchen im Bett gemütlich macht. Den habe ich letztes Jahr während eines Fotoshootings kennen gelernt. Ich interviewte die Models, er passte auf das Kind der Fotografin auf. Und in der Pause schoben wir zusammen den Kinderwagen um den Block. Währenddessen bastelte ich uns klammheimlich eine kleine gemeinsame Zukunft: eine gemütliche Wohnung, zwei süße Kinder, ganze Sonntage in Pyjamas und große Portionen Spaß. Bis er mir von seiner bezaubernden Freundin erzählte. „Puff“ sagte die Zukunft. Dass er auch modelt und deshalb jetzt diese Geschichte verziert, wusste ich nicht, ehrlich nicht. Sonst würde ich wohl kaum seit fünf Minuten so seltsam grinsen. Aber schön, dich wiederzusehen, Florian. Hallo.

Genau so ist es oft.

Entweder sind die Männer, die ich kennen lerne, vergeben oder verkorkst.

Natürlich, ich frage mich auch, ob es vielleicht an mir liegt, ich zu hohe Ansprüche habe. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, mit jemandem zusammen sein zu wollen, der einen fasziniert? Statt sich einen Beschützer vor dem Alleinsein zu suchen?

Egal, ob ich an der Ampel, im Supermarkt oder in einer Kneipe stehe, sobald ich warten muss, schaue ich mich um und wecke damit eine nervige Frage in meinem Kopf: Ist es der da, der im Auto gähnt? Oder der da, der bei den Tütensuppen steht? Oder der da, der am Kicker dreht? Kopfkino hat mein Exfreund das genannt. Aber der war im Kopf eh mehr in Hollywood als bei mir. Der Liebe begegnet man meistens dann, wenn man nicht mit ihr rechnet, erklärt mir meine Großmutter immer wieder gerne.

Und an guten Tagen versuche ich, daran zu glauben. Dass irgendwann jemand kommt und plötzlich der ganze Unsinn der Vergangenheit Sinn macht. Aber wie stellt man das an, mit etwas nicht zu rechnen? Zum Geburtstag erwartet man doch auch Geschenke. An schlechten Tagen denke ich, ich wurde von der Regie vor der kaputten „Herzblatt“-Wand vergessen und muss mir auf ewig „Und hier kommt ihr, und hier kommt ihr, und hier kommt ihr…“ anhören, während die Rosen in meiner Hand vertrocknen.

Wenn mein Gehirn die Frage meines Herzens irgendwann nerven, schicke ich es beim Anblick des nächsten Mannes eine große Portion Endorphine durch mein Blut. Dann mag ich plötzlich kleine Männer, finde BWL interessant und 3er BMWs schön. So wie bei Hannes. Wir gingen essen, und ich dachte, ich bin Statistin in einem schlechten Film, in dem gerade jemand gestorben ist und wo der Regisseur dem Publikum mit allen Mitteln deutlich machen möchte, dass sich jetzt die Seele Richtung Himmel bewegt. Der Hannes, in den ich mich verguckt geglaubt hatte, löst sich während des Essens durch das, was er erzählte, langsam von dem Hannes, der tatsächlich vor mir saß, und verließ das Restaurant. Ich habe ihn nie wiedergesehen. Dafür traf ich Jan. Jan. Er sagte das Beruhigendste, was ich seit langem gehört habe: „Keine Sorge, du bist doch ’ne Traumfrau. Dich kriegen wir auch noch wech!“ Seine Freundin ist eine glückliche Frau.

Text – Stefanie Luxat

Originalfoto – Veronika Faustmann

6 Comments

  1. Antworten Katharina 21. August 2018 um 09:05 Uhr

    Herrlich! Genau so ging es mir auch. Und ich glaube meinen Single Freundinnen damals auch…. Wir Frauen haben aber auch manchmal die Herausforderung unsere Fantasie im Zaum zu halten. Toll das du den Text mit uns teilst. Ich habe ‚meinen Mann‘ gefunden, auch wenn wir nicht verheiratet sind. Das kommt bestimmt noch Schließlich träumen wir davon ja auch, alle, die einen stehen dazu, andere nicht. Aber egal, ich behaupte fast jede Frau (bis auf ein paar wenige) möchten gerne ‚ihren Mann‘ auch heiraten, und nicht ‚nur‘ mit ihm zusammen sein. Ui ui ui, jetzt hab ich mich aber weit aus dem Fenster gelehnt
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Antworten Steffi 21. August 2018 um 09:41 Uhr

      @Katharina: Haha! Manche Männer (meiner) brauchen leider etwas länger bis zu der entscheidenen Frage. Es war nicht so, dass er nicht wollte. Er hatte nur einen bestimmten Moment dafür im Kopf, während mir ein Bart wuchs. 😉 Also Geduld! Auch das kennen glaub ich SEHR viele Frauen! Herzlichste Grüße, Steffi

  2. Antworten Vicky 21. August 2018 um 11:28 Uhr

    Danke für diesen tollen Text Steffi! “Aber wie stellt man das an, mit etwas nicht zu rechnen? ” – genau diese Frage stelle ich mir immer wieder, seitdem ich nun seit knapp 1.5 Jahren wieder auf dem Singlemarkt bin. Glücklicherweise gibt es auch ein paar Jans bzw. Janinas in meinem Leben, die mich immer wieder daran erinnern, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Und wenn ich mal einen ganz schlechten Tag habe, dann hilft oft folgendes Mantra: What’s meant for you won’t pass by you 🙂

    • Antworten Steffi 22. August 2018 um 12:03 Uhr

      @Vicky: Liebe Vicky, ich hab den Gedanken nie abgestellt bekommen als Single. Ich hab es so sehr versucht, weil ich dachte, na dann passierts und wenn du drüber nachdenkst eben nicht. Argh, das war doof. Mir hat es irgendwann geholfen einfach sehr fest daran zu glauben, dass er schon kommen wird, der Richtige. Und ich mich bis dahin jetzt einfach mal locker mache. So ging’s besser und tatsächlich stand er ein paar Monate später vor mir. Also passt dein Mantra da doch perfekt! Ich drücke dir alle Daumen – und ich habe mittlerweile acht! 😉 Alles wird gut!! Herzlich, Steffi

  3. Antworten Nina 21. August 2018 um 19:39 Uhr

    Schöner Text. Kenne ich auch, diese Gedanken. Was ich allerdings skurril finde: warum warten eigentlich so viele Frauen auf einen Heiratsantrag? Wenn man “den” Mann gerne heiraten möchte, warum fragt man dann nicht einfach selbst?

    • Antworten Steffi 22. August 2018 um 12:00 Uhr

      @Nina: Liebe Nina, ich weiß, was du meinst, aber Emanzipation hin oder her, irgendwie ist das Bild vom fragenden Mann so tief in uns verankert, oder? Ich hätte es fast irgendwann getan, weil er nicht zu potte kam, aber es war dann doch schöner als er fragte. Wer weiß, vielleicht machen unsere Töchter das dann schon wieder ganz anders und nennen uns dann “altbacken” und “spießig”. Herzlich, Steffi

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