Wonach ist dir heute?

Draußen ist es kalt, windig und verschneit wie lange nicht mehr. Hier neben meinem Schreibtisch hingegen ist es hell und grün, denn dort wachsen seit dem Lockdown im Frühling verschiedene Kräuter, Süßkartoffeln, Kapuzinerkresse und Blattsalate. Ich weiß die grünen Mitbewohner in diesem grauen Berliner Winter gerade sehr zu schätzen! Vielleicht sogar etwas mehr als im Sommer im Garten. Viele meiner Blog-Leser*innen juckt es schon im Januar in den Fingern, die ersten Gartenpflanzen vorzuziehen, und ich mahne immer: „Lasst euch Zeit – frostempfindliche Pflanzen können erst Ende Mai nach den Eisheiligen ins Freiland und wenn man zu früh aussät, muss man die Pflänzchen viel zu lange in der Wohnung durchbringen.“

Was wäre aber, wenn draußen Sturm und Pandemie toben, man das Rauspflanzen einfach weglässt, den Salat direkt in der Küche anbaut und aufisst, sobald er groß genug ist?

Genau zu dieser Frage habe ich während des Lockdowns im März ein neues Buch geschrieben, auch mit dem Gedanken an Menschen, die keinen Garten haben, aber dennoch Lust verspüren, das Gärtnern mal auszuprobieren. Hier bekommt ihr jetzt ein Best-of meiner Tipps fürs Indoorgärtnern:

Falls ihr auch in den letzten Monaten schon alles entrümpelt habt, das Wohnzimmer nicht zum dritten Mal neu streichen möchtet und alle Bücher bereits gelesen sind oder ihr mit euren Kindern nicht das drölfzigste Puzzle zusammensetzen wollt, dann pflanzt doch einfach auch etwas an. Man braucht nicht viel, um einen Indoorgarten zu starten, und auch Kindern kann es Spaß machen, zu entdecken, dass Möhren und Salat nicht im Gemüseregal wachsen.

Denkt jedoch daran:

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht, es dauert einfach eine Weile bis zur Ernte.

Ich habe uns aber einen kleinen Fahrplan zusammengestellt, mit dem wir schon ganz bald den ersten Salat für eine Bowl zum Mittagessen oder für einen leckeren grünen Smoothie ernten können. Die Wartezeit überbrücken wir mit schnell wachsenden, knackig-frischen Keimsprossen und leckeren Erbsen als Microgreens.

Hier ein zeitlicher Ablauf für die Indoorbepflanzung:

1. Woche: Keimsprossen-Mix starten und täglich spülen. Erbsen einweichen und in die Erde stecken. Pflücksalat und Radieschen aussäen.
2. Woche: Keimsprossen essen, z.B. auf einem Frischkäsebrot. Aussaaten regelmäßig gießen.
3. Woche: Erbsensprossen ernten, Salat und Radieschen regelmäßig gießen.
4. Woche: abwarten und Tee trinken oder noch mehr Keimsprossen ziehen.
5. bis 7. Woche: Salat und Radieschen ernten und zu einem leckeren Salat verarbeiten. Das Radieschengrün kann man übrigens mitessen und ich finde es köstlich!

Fürs Indoorgärtnern benötigt ihr kein spezielles Saatgut. In vielen Bioläden stehen gerade Aufsteller mit Samentütchen und Mischungen für Keimsprossen findet ihr im Getreideregal. Falls ihr noch eine Packung mit getrockneten braunen Linsen oder Erbsen im Vorratsschrank habt, könnt ihr auch die benutzen. Für alle, die ohne Kopfzerbrechen Verschiedenes ausprobieren möchten, habe ich ein Saatgut-Set mit meinen Lieblingssorten zusammengestellt – es heißt „Super Greens“ und ihr bekommt es bei mir im Shop.

 

 

1. Keimsprossen:

Folgendes Material benötigt ihr dafür: 

  • leeres Vorratsglas oder Weckglas
  • ein Stück Fliegengitter oder Gaze
  • Haushaltsgummi
  • Sprossenmix, z.B. aus dem Bioladen
  • Trinkglas mit großem Durchmesser

 

So wird’s gemacht: 

  • 2 EL Sprossenmix in das Vorratsglas geben.
  • mit lauwarmem Wasser auffüllen und über Nacht einweichen lassen.
  • am nächsten Tag mit Fliegengitter oder Gaze abdecken und diese mit dem Gummiband befestigen.
  • überschüssiges Wasser abgießen.
  • Sprossen 1- bis 2-mal pro Tag mit frischem Wasser spülen und das Sprossenglas danach schräg auf einem Trinkglas parken, damit das Wasser komplett ablaufen kann.

 

Bitte beachtet dabei diese Hygieneregeln:

Achtet bitte unbedingt auf Sauberkeit und spült die Gläser vorher mit kochendem Wasser aus. Fertige Sprossen kann man zwei bis drei Tage im Kühlschrank aufbewahren. Muffige oder schimmelige Sprossen solltet ihr auf keinen Fall essen.

 

 

2. Erbsensprossen:

Folgendes Material benötigt ihr dafür: 

  • Keramikschälchen oder Blumentopf
  • Anzucht- oder Blumenerde
  • Erbsensaatgut oder getrocknete Erbsen aus dem Vorratsschrank
  • Anzuchtgewächshaus oder Plastiktüte

 

So wird’s gemacht: 

  • Erbsen über Nacht in lauwarmem Wasser einweichen.
  • Schälchen mit feuchter Erde befüllen, Erbsensamen darauf verteilen und mit der Tüte abdecken.
  • Sobald die Erbsen nach einigen Tagen keimen, kann die Tüte entfernt werden.
  • Sobald die Sprossen 7–10 cm groß sind, können sie zum Ernten einfach mit einer Schere abgeschnitten werden. Sie schmecken nach Erbsen und sind toll, um ein Eiersandwich aufzupeppen, als Zutat für ein Omelett oder im grünen Smoothie, z.B. mit Minze und Beeren.

 

3. Pflücksalat:

Folgendes Material benötigt ihr dafür: 

  • Blumentopf
  • Anzucht- und Blumenerde
  • Einmachglas oder Plastiktüte
  • Saatgut
  • Gießkanne mit feiner Brause

 

So wird’s gemacht: 

Da Salat nur ein wenig Licht braucht, könnt ihr ihn auch auf dem Fensterbrett anbauen. Dazu einfach einen Blumentopf mit Erde befüllen, einige Saatsamen daraufstreuen (Salate sind Lichtkeimer – also nicht mit Erde überdecken), vorsichtig angießen und für die Zeit der Keimung z.B. mit einem Einmachglas oder einer Plastiktüte abdecken. So ein Salat-Blumentopf ist auch ein tolles Mitbringsel für Menschen, denen ihr eine Freude machen möchtet.

 

4. Radieschen:

Folgendes Material benötigt ihr dafür: 

  • Blumentopf
  • Anzucht- und Blumenerde
  • Einmachglas oder Plastiktüte
  • Saatgut
  • Gießkanne mit feiner Brause

 

So wird’s gemacht: 

Auch Radieschen sind pflegeleicht und wachsen schnell im Blumentopf. Samen mit mindestens 1 cm Abstand säen und leicht mit Erde überdecken. Angießen und für die Zeit der Keimung z.B. mit einem Einmachglas abdecken.

 

Hier noch ein paar Tipps für gutes Gelingen:

  • Stellt eure Saatgut möglichst hell, aber idealerweise nicht auf ein Fensterbrett über einer Heizung, da sie sonst ggf. vertrocknet oder die Jungpflanzen durch die Wärme lang und dünn werden.
  • Ein Minigarten in der Küche ist super, da man dort ans Gießen denkt, Wasser vorhanden ist und man direkt auf den Teller ernten kann.
  • Falls ihr in eurer Wohnung keinen hellen Ort für den Indoorgarten habt, könnt ihr mit LED-Pflanzenleuchten nachhelfen. Die gibt es sogar als Glühbirne, die man in eine normale Tischlampe schrauben kann.
  • Erde am besten vor der Aussaat anfeuchten und etwas durchkneten. So spart ihr euch das erste Gießen und die feinen Samen werden nicht versehentlich in eine Ecke geschwemmt.

 

Und wer jetzt richtig Spaß am Indoorgärtnern bekommen hat – für den*die haben wir noch einen Extratipp: Süßkartoffel-Pflanzen ziehen.

Dazu eine Süßkartoffel (am besten vom Markt oder aus dem Bioladen) halbieren, auf drei Zahnstochern aufspießen, in ein Glas setzen und mit frischem Wasser füllen. Tipp: erst die Kartoffel einsetzen und dann das Wasser einfüllen. So schwappt nichts über. Das Wasser täglich wechseln und geduldig abwarten. Da manche Knollen keimschutzbehandelt sind, kann es einige Wochen dauern. Es bilden sich aber irgendwann Wurzeln und kurz danach treibt auch das erste Grün aus. Und genau um das geht es uns: Das kann man nämlich wie Spinat oder Mangold essen. Beispielsweise für Pfannengerichte oder als Quichefüllung. Köstlich!

Sobald die Stecklinge ca. 5 bis 8 cm lang sind und einige Blätter bekommen haben, dreht man die Blätter vorsichtig von der Knolle ab und lässt einige Tage in einem weiteren Glas mit Wasser Wurzeln wachsen. Das geht meist fix – dann die kleinen Pflänzchen in Erde setzen. Süßkartoffeln sind sehr pflegeleicht. Regelmäßig gießen und alle zwei bis drei Wochen mit einem flüssigen Biodünger versorgen reicht aus. Zum Ernten schneidet man die Ranken zurück, pflückt die Blätter und verwendet sie roh oder gekocht wie Spinat. Die Pflanze verzweigt sich dann und wächst immer wieder nach.

So, jetzt wünsche ich euch viel Freude beim Loslegen! Und dann: guten Appetit!

Caro

 

Weitere tolle Tipps findet ihr in Caros neuem, großartigen Buch „Indoor-Ernte – es geht auch einfach!“, das gerade im Kosmos Verlag erschienen ist, sowie auf ihrem Blog „Hauptstadtgarten“. Tagtägliche Inspirationen gibt’s zusätzlich auf ihrem Instagram-Account. Und hier bei uns im Abo hat Caro verraten, wie man seinen Garten oder Balkon im Frühling richtig gut bepflanzt.

 

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Kristin 27. Februar 2021 um 08:07 Uhr

    Liebe Caro,
    tolle Tipps! Pflücksalat und Radieschen werden bald zu Hause einziehen. Und das mit der Süsskartoffel muss ich unbedingt probieren!
    Liebe Grüße
    Kristin

    Antworten
  3. Barbara 26. Februar 2021 um 11:37 Uhr

    Liebe Caro,
    wir haben Sprossen gezogen und die am Samstag ausgesäten Radieschen keimen nun auch. Meine Töchter sind super interessiert und stolz. Vielen Dank für die Anregung. Dill und Koriander keimen leider noch nicht, hast du hier Tipps für uns?

    Antworten
    • Caro | Hauptstadtgarten 27. Februar 2021 um 14:25 Uhr

      Liebe Barbara,
      das klingt wunderbar. Freue mich so, dass Ihr Eure Projekte hier mit uns teilt! Viele Kräuter brauchen relativ lange bis sie keimen. Petersilie und Schnittlauch z.B. bis zu 3 Wochen. Daher nicht verzagen! Ich habe Radieschen, Erbsen und Pflücksalat u.a. auch für Euch ausgewählt, weil sie besonders schnell keimen.
      Das mit euren Kräutern ist alles alles bei weitem noch im Rahmen! Tipp wäre daher: Aussaat nicht austrocknen lassen und einfach noch eine Weile abwarten.
      Ich drücke Euch meine grünen Daumen!

      Antworten
  4. Anna 25. Februar 2021 um 09:10 Uhr

    Liebe Caro, unsere Tochter Rosa (9) hat mit bester Laune gestern Pflücksalat und Süßkartoffel angesetzt – und möchte nun aber gerne wissen, wie OFT sie den Salattopf gießen muss. Kannst Du ihr helfen? Danke Dir ud Grüße! Anna

    Antworten
    • Caro | Hauptstadtgarten 27. Februar 2021 um 14:19 Uhr

      Liebe Anna,
      wie toll, das zu lesen! Den Pflücksalat anfangs am besten mit einer Tüte oder Glasschüssel abdecken. Dann muss man (außer dem ersten Angießen) in den ersten Tagen eigentlich garnicht nachwässern. Sonst ca. 1 x pro Tag wenig gießen, so dass die Erde feucht, aber nicht nass ist. Viel Freude und Erfolg Euch!
      Herzliche grüne Grüße,
      Caro

      Antworten
  5. Olga 12. Februar 2021 um 08:33 Uhr

    Vielen lieben Dank für den Artikel, jetzt habe ich auch richtig Lust bekommen wieder ein paar Pflanzen zu ziehen. Darf ich fragen woher dieser Pflanzenständer ist, so was ähnliches suche ich schon länger. Vielen Dank

    Antworten
  6. Carolin 11. Februar 2021 um 18:22 Uhr

    Was für ein toller Artikel! Schon lange habe ich, ohne Balkon oder Garten, überlegt, ob man auch auf dem Fensterbrett gärtnern kann. Jetzt habe ich das Buch und einige Samen gekauft und mein Freund doktert gerade an verschiedenen mehrstöckigen Bepflanzungslösungen herum. Vielen Dank für den neuen Input im Lockdown! Liebe Grüße, Carolin

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
* Erforderliche Felder sind markiert