Wonach ist dir heute?

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Liebe Sabine, wie heißt noch mal der Typ aus der Sesamstraße, der heimlich Buchstaben verkauft aus seinem Mantel raus? Ist der einer deiner Kindheitsidole oder wie kam es zu eurer Geschäftsidee?

Du meinst Schlemihl. Der hat nicht nur Buchstaben verkauft, sondern auch, und das fand ich früher noch viel besser, auch ein unsichtbares Eis!

Bei unserer Geschäftsidee haben wir uns allerdings nicht von der Sesamstraße inspirieren lassen, sondern vielmehr von den Dingen, die wir schön finden. Als wir freundts vor 10 Jahren gegründet haben waren das schon schöne Vintage-Funde, besondere Einzelstücke mit Geschichte. Und eben auch Buchstaben. Die hatten wir damals schon selbst zu Hause, wie die beiden gusseisernen Buchstaben S und Y, die wir vor vielen Jahren in der Ravnsborggade in Kopenhagen entdeckt hatten.

Kurz vor der Eröffnung des Online-Shops hatten wir erst mit dem Gedanken gespielt einen Laden aufzumachen. Für die Fassade hatte Yves einen wunderschönen alten Schriftzug aus roten, ausgeblichenen Blechbuchstaben gefunden. Es war dann relativ schnell klar, dass wir so schnell keinen Laden eröffnen werden und deshalb haben wir die Buchstaben in den Online-Shop gestellt bei den Raritäten. Das war 2004.

Wir hatten uns ein – damals noch sehr überschaubares – Sortiment mit Produkten, die uns gut gefallen, zusammengestellt. Vor 10 Jahren gab es Dawanda und etsy noch nicht. Und auch die Shopsysteme waren noch sperrig und teuer. Wir haben uns selber einen Shop programmieren lassen nach unseren Vorstellungen und haben einfach losgelegt. Die Nachfrage nach den Buchstaben hat dann nach und nach Fahrt aufgenommen. Anfangs haben wir noch hier und da gehört „Ach, alte Buchstaben? Und was macht man damit …?“ Inzwischen fragt das keiner mehr.

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Dein Mann Yves und du ihr betreibt euren Online-Shop für Wohnaccessoires Freundts zusammen. Wie ist das, mit seinem Mann zusammen zu arbeiten? Ich glaub’, so sehr ich meinen Mann auch liebe, das würde bei uns nicht funktionieren. Wie macht ihr das?

Wir sind ein richtiges Familienunternehmen. Das Team von freundts wird noch von meinem Schwager ergänzt. Vielleicht ist es diese Konstellation, die es stabilisiert. Wir sind zu dritt und es gibt eine klare Aufgabenteilung. Jeder hat sein Ressort. Wichtige Entscheidungen fällen wir gemeinsam. Da gab es bisher keine Probleme. Wir alle betreiben freundts neben unseren Jobs. Das erfordert eine gute Organisation. Die Zusammenarbeit klappt sehr gut. Wir sind da mit den Jahren inzwischen sehr gut eingespielt.

 

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Ihr lebt was ihr verkauft, wohnt mit vielen Vintage-Accessoires und Buchstaben in eurem Haus. Was ist das besondere an diesem Wohnstil, warum bist du nach fast 10 Jahren immer noch nicht gelangweilt davon, obwohl du täglich damit zu tun hast?

Gerade die Mischung aus alt und neu, vintage und modern ist doch spannend und nicht langweilig. Das Besondere ist das Besondere. Vintage-Stücke sind einzigartig. Das hat so kein anderer. Wie  z.B. unseren GUT-Schrifzug in der Küche. Der ist aus massiven Eisenguss-Buchstaben, belegt mit Blattgold. Die Buchstaben, eine Sonderanfertigung aus den 50ern, hingen in Hamburg an der Fassade eines Industriebetriebs. Jetzt bringen sie unsere Küche zum Strahlen und erinnern uns täglich daran, sich auf das Positive zu konzentrierenVintage-Accessoires mit Charme sind Hingucker, echte Statement-Pieces. Genau wie in der Mode. Gemischt mit Erbstücken und modernen Neuanschaffungen wird der eigene Stil draus. Langweilig finde ich da eher die Wohnaccessoires der üblichen Verdächtigen.

 

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Falls du jemals davon genervt sein solltest, welchen anderen Wohnstil könntest du dir noch vorstellen?

Sicherlich wird sich der Wohnstil noch verändern und weiterentwickeln, so wie wir ja auch. Unser Haus ist ziemlich dunkel, dadurch sind wir an manchen Stellen etwas eingeschränkt und verzichten zum Beispiel auf Farbe an den Wänden zu Gunsten von weiß. In der letzten Zeit werden wir ein wenig bunter bei Accessoires und Möbeln. Einen roten Stuhl zum Beispiel wie den TrippTrapp in der Küche hätte es vor ein paar Jahren bei uns noch nicht gegeben! Da war der Wohnstil noch viel natürlicher mit Holz und Shabby Chic in natürlichen Farben. Ich mag die frische des skandinavischen Wohnstils, aber immer gepaart mit besonderen Einzelstücken und auch Industriecharme.

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Was glaubst du, warum stellen und hängen sich so viele Menschen gern Buchstaben in die Wohnung? Woher kommt der Trend und wie wird er sich noch weiter entwickeln?

Den Buchstabentrend kann man sehr gut einordnen in den Trend nach mehr Individualisierung. Wir wollen uns mit persönlichen Dingen umgeben, unserer eigenen Ästhetik. Wir wollen unsere Persönlichkeit ausdrücken und nicht eine Wohnung haben, die von anderen nicht zu unterscheiden ist.

Bei den Buchstaben kommt, wie bei allen Vintage-Dingen, die Geschichte dazu. Die Geschichten sind für mich immer noch das A und O. Sie lösen so ein ganz bestimmtest Kribbeln aus. Wir haben zum Beispiel eine alte Schreibtischlampe von Kaiser Idell. Die hat unten am Fuß immer noch die Archiv-Marke vom Auswärtigen Amt in Bonn, wo sie früher auf dem Schreibtisch stand. Oder unsere Kinobuchstaben. Mit denen wurden im Hamburger Passagekino die Filme angekündigt. Wir werden ganz oft nach der Herkunft der Buchstaben gefragt. In den meisten Fällen wissen wir die auch noch.

 

 

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Vintage-Wohnaccessoires und Buchstaben sind sehr angesagt, aber es gibt auch viele Konkurrenzgeschäfte. Wie behält man da die Nerven und behauptet sich in dem Markt bzw. motiviert sich immer wieder, sich nicht von anderen unterkriegen zu lassen?

Wie sagt man so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft. Vintage-Buchstaben sind gerade Trend. Natürlich sind wir nicht die einzigen geblieben.

Wir machen das seit 10 Jahren und haben einen riesengroßen Fundus aufgebaut. In unserem Lager in Hamburg haben wir über 1000 Buchstaben. Von ganz klein bis ganz groß. Wir haben über 100 Jahre alte Zinkblechbuchstaben von der Berliner Schultheissbrauerei, der heutigen Kulturbrauerei und über einen Meter große Kirmesbuchstaben mit lauter kleinen bunten Glühbirnchen unter Kappen. Im vergangenen Jahr haben wir uns einen Traum erfüllt und unsere eigene Buchstaben-Kollektion herausgebracht. Wir sind da also ganz entspannt. Und mit vielen anderen Geschäften pflegen wir ein gutes Verhältnis. Bei größeren Buchstabenprojekten, gerade auch in der Objektausstattung, werden wir auch von der Konkurrenz angefragt.

 

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Habt ihr einen Traum, wie euer Geschäft eines Tages aussehen könnte? Wenn alles so richtig dufte läuft?

Die schönen roten Buchstaben damals sind zwar im Shop gelandet und inzwischen in der ganzen Republik verteilt. Manchmal kommt aber noch der Gedanke auf, wie es wäre, einen Shop zu haben. Bis das soweit ist haben wir noch viele andere Ziele. Wir arbeiten gerade am Relaunch. Nach 10 Jahren muss das sein. Wir wollen noch mehr eigene Produkte entwickeln. Aber auf dieses Kribbeln, wenn man einen ganz besonders schönen Buchstaben entdeckt hat, oder Vintage-Turngerät mit wunderschöner Patina, auf das wollen wir auch weiterhin nicht verzichten.

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Herzlichen Dank, dass wir uns bei euch umschauen durften!

[herz steffi mitte]

 

WOHER IST WAS?

Küche:

Kalender: Philuko

Lampen: Pendelleuchte FlowerPot von Verner Panton

Tisch: Eigenbau

Stühle: Eames Plastic Side Chair von Vitra

Hochstuhl: TrippTrapp von Stokke

Küchenmaschine: KitchenAid

Buchstabenbecher von Designletters,Emailledosen von Riess, Holzbretter und Drucklettern Vintage – über freundts

Tablett: Kaleido über Kalason

Waage: Vintage

Sideboard: Vintage über Lieblingszimmer

 

 

Schlafzimmer:

Sekretär: Erbstück

Buchstaben: Vintage

Medizinbälle: Vintage über freundts

Rautentablett:: Kaleido über Kalason

Blechdose: Flohmarkt

 

Flur

Turnpferd: Vintage über freundts

Wandteppich/Kirgisische Hochzeitsdecke: Erbstück

 

Wohnzimmer:

Buchtaben-Poster: YNY www.yeahnoyeah.co.uk

Sofa und Kissen: Mags und Dots von Hay über Lys Vintage

Kissen „Paradise is Now“: Philuko

Tische: Alte Stahlrohrgestelle aus den 70ern mit neuen Eichenplatten

Lampe: Pendelleuchte George von Tobias Grau

 

Karlottas Zimmer:

Lampe: Pendelleuchte Norm 06 von Normann Kopenhagen

Buchstaben: Vintage über freundts

Kinderstuhl: Vintage

Stifte-Bus: Werkhaus

 

Schlafzimmer:

Schiebetürenschrank: Spezialanfertigung vom Tischler

Lampe: Norm 69 von Normann Copenhagen über Lys Vintage

Individuelle Kinderporträts: Philuko

Letterpress-Print: Small Caps Berlin

Lampe: Artemide Tolomeo

 

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Julia 15. Juli 2014 um 12:50 Uhr

    Ein wunderschönes Zuhause! Ich liebe jede Ecke – und bin stolz darin vertreten zu sein. Liebe Grüße an Steffi und Sabine!

    Antworten
  3. Britta bloggt 15. Juli 2014 um 20:35 Uhr

    Wunderbar! Danke für diesen tollen Tip!
    Liebe Grüße
    Britta

    Antworten
  4. HELLO MiME! 15. Juli 2014 um 22:01 Uhr

    Oh wie schön!!! Was für eine wunderschöne Wohnung und welch großartige Möbel bzw. Fundstücke! Ich mag einfach deine Haustouren!!! Liebe Grüße und schönes Wohnen… Michaela 🙂

    Antworten
  5. Mathilde 17. Juli 2014 um 09:57 Uhr

    g u t
    So wie die ersten Buchstaben es vorgeben, denke ich jetzt darüber nach, welches Wort ich in meiner Wohnung legen möchte.

    Antworten
  6. Anke 17. Juli 2014 um 15:27 Uhr

    Lieb Steffi,
    ich finde deine Interviews toll, weil man so einen interessanten Einblick hinter die Kulissen bekommt. Ich bin gespannt, wie lange der Buchstaben-Trend noch anhält. Mir gefällt er zwar immer noch, aber manchmal finde ich es schon etwas zu viel mit den Buchstaben. Aber: Schöne Vintage-Buchstaben überstehen glaube ich jeden Trend!
    LG Anke

    Antworten
  7. Heike 19. Juli 2014 um 08:30 Uhr

    Liebe Steffi,
    ich freue mich auf jede Haustour von und mit dir!
    Lustig fand ich, dass ich an dem Tag als du freundts vorgestellt hast selber grad auf Buchstabenjagd war. Ein Traditionscafe mit wunderschönem Schriftzug an der Hauswand hat bei uns geschlossen und schwupp hab ich mit Augenaufschlag versucht die Buchstaben zu ergattern – sie überlegen noch!
    Drück dir und deinem Mann ganz fest die Daumen, dass es bald los geht und ihr eure Disco Queen bald begrüßen dürft – ich selber habe nächste Woche Geburtstag und finde Juli ist einfach der Knüllermonat!
    Alles, alles Liebe,
    Heike

    Antworten

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