Wonach ist dir heute?

Wenn du das hier liest, habe ich mich etwas Großes getraut: Nicht perfekt zu sein.

Hier sollte der schönste Text zum Mutter sein stehen, den ich je geschrieben habe. Ein Zwischenbericht nach fünf Jahren.

Ein Text, der dich berührt, dich abholt in deiner Welt, mit in meine nimmt, dir haufenweise gute Gefühle gibt und glücklich zurücklässt. So, wie wir es hier schon öfter gemeinsam gemacht haben.

Ich wollte dir so gern zeigen: Ich kann sie noch diese Art Texte, die du so liebst. Die ich so liebe, für die viele diesen Blog so lieben.

Wenn nicht jetzt am Relaunch-Tag, wann dann sollte genau so ein Text hier stehen?

Die Wahrheit ist: Ich bekam ihn nicht hin. Ich setzte mich dran. Doch kein Anfang war gut genug, kein Satz schlau genug. Ich löschte, löschte und löschte. Die Uhr tickte, tickte und tickte. Noch 20 Stunden bis zum Relaunch, 19, 18 und so viel anderes zu tun. Das alles in meinem Nacken. In meinem Hirn Nebel, von all den Nachtschichten.

Und dann begriff ich, dass der Text übers Mutter sein nicht klappte, weil ich zuerst einen anderen schreiben musste: Den über den Druck.

Den Druck, den andere auf uns ausüben, aber den wir uns auch so oft selbst machen. Was davon ist eigentlich wirklich nötig?

Die Frage ist genau mein Thema dieses Jahr. Vor ein paar Wochen schrieb ich den Text Warum es manchmal gut ist, so zu tun, als habe man bereits ein Burnout. Darin erzählte ich, dass ich so viele Projekte wie möglich absagen musste, um wieder mehr Luft zu bekommen für die wichtigsten. Und weniger Druck. Weil ich nicht auf allen Vieren zum Weihnachtsmann kriechen möchte oder gar Schlimmeres. Weil ich mir treu bleiben muss und nur so das Gefühl habe, Arbeit abzuliefern, auf die ich stolz bin.

Auf mein Nein sagen, die Absagen bekam ich ganz unterschiedliche Reaktionen: Verständnis, Unmut und Gleichgültigkeit. Es zeigte mir: Wie die anderen darauf reagieren, ist völlig egal. Was zählt, ist nur das eigene Gefühl. Und das war gut. Ich stand für mich selbst ein. Es fühlte sich an, wie sich hoffentlich meine Kinder fühlen, wenn sie nach meiner Hand greifen, weil ihnen etwas Angst macht – bestärkt und beschützt.

Und: es setzte neue Energie frei. So wie gestern. Als ich beschloss, mich nicht weiter zu quälen mit dem Text übers Mutter sein, sondern mir stattdessen selbst eine Mama zu sein: etwas Gutes zu essen zu holen und erstmal die wichtigsten Dinge fertig zu machen. Alles andere würde schon kommen, ganz von alleine wie immer, wenn die Zeit dafür reif ist.

Wenn du das hier liest, habe ich mich also getraut, nicht perfekt zu sein. Aber glücklich.

 

Herzlich, 

 

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Jana 11. November 2019 um 20:45 Uhr

    Einfach super, weil es so ehrlich und authentisch ist. Genau das, was wir in dieser digitalen Welt mehr brauchen. Es gehören eben alle Seiten im Leben dazu, nicht nur die schönen und perfekten.
    Danke dafür, liebe Steffi!!!

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