Wonach ist dir heute?
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Ich feiere kein Weihnachten und auch kein Ostern. Schon seit vielen Jahren nicht. Denn ich bin Jüdin. Während viele aktuell aufgeregt durch die Einkaufspassagen oder das Internet jagen, um Geschenke zu besorgen, liege ich auf meiner Couch und tue nichts. Ich tue auch nichts an Heiligabend und den darauffolgenden Feiertagen. Rein gar nichts. Meistens bin ich zuhause und genieße diese unglaubliche Ruhe. Denn niemand ruft mich an oder schreibt mir eine E-Mail. Alle haben sich gemeinsam darauf geeinigt, dass in dieser Zeit Stille herrschen darf. Und das liebe ich sehr. Die Woche zwischen dem 24. und dem 31. Dezember ist die schönste des gesamten Jahres für mich. Früher bin ich mit anderen jüdischen Freunden an Heiligabend Essen gewesen. Traditionell geht man bei uns ins chinesische Restaurant, weil die meistens aufhaben, denn die meisten Chinesen feiern auch kein Weihnachten. Und mit ihnen noch sehr viel mehr Kulturen und Religionen in Deutschland. Leider wird von vielen diese Tatsache ignoriert. Mit einer Vehemenz, die mich oft zum Staunen bringt.

Wir, also Personen, die nicht Teil der Mehrheitsgesellschaft sind und deshalb auch die Mehrheitsgesellschaftsfeiertage nicht feiern, kennen das: Uns wird viel zu häufig ungefragt alles Mögliche gewünscht: frohe Ostern, frohe Weihnachten und gerne auch mal einen super Nikolaus.

Da wird per se von sich auf andere geschlossen, obwohl wir doch schon früh lernen sollen, das gerade nicht zu tun.

Dabei wäre es so einfach, uns glücklich zu machen. Uns komische Minderheiten mit unseren Spezialfeiertagen. Zum Beispiel, indem man uns einfach eine Frage stellt wie: „Hey, was machst du eigentlich während der kommenden christlichen Feiertage?“

Denn vielleicht kommt dann raus, dass die befragte Person allein zuhause sitzt und das gar nicht so lustig findet wie ich zum Beispiel? Denn die Stille, die sich in dieser Zeit über das gesamte Land legt, kann sich für Nichtfeiernde auch bedrohlich oder beängstigend anfühlen. Und vielleicht würden sie sich sehr freuen, eingeladen zu werden, zu diesem hyperexklusiven Weihnachtsspaß, der da immer hinter den eigenen vier Wänden in der Nuklearfamilie gefeiert wird. Aber das ist nur so ein Gedanke!

Ich habe das große Glück, dass mich meine engen Freunde, die Weihnachten feiern, immer wieder aufs Neue einladen, auch wenn ich oft nein sage. Aber manchmal sage ich eben auch ja. Alle paar Jahre wieder. Auch weil Ente, Klöße und Rotkohl schon richtig krass mein Ding sind.

Vielleicht wollen sie aber gar nicht mitessen so wie ich, sondern einfach erzählen, was sie in dieser Zeit vorhaben: ein Buch lesen, sich die Nägel lackieren, mal so richtig ausschlafen. Wenn ihr nicht fragt, werdet ihr es nicht erfahren.

Der einzige Ort, an dem man mir in den nächsten Wochen nicht ungefragt frohe Weihnachten wünschen wird, ist die Kita meiner Tochter. Denn da werden nicht nur die jüdischen Feiertage geachtet, sondern man erinnert mich und alle anderen Eltern per App auch an wirklich jeden einzelnen Feiertag der über 40 verschiedenen Nationen, die in Form von Kindern im Kindergarten vertreten sind. Und nicht nur das. Die Kinder feiern auch alle möglichen Feiertage einfach mit. Because, why not? Während des chinesischen Neujahrs, um nur ein Beispiel zu nennen, wird ein Neujahrsbaum im Foyer aufgestellt, an den dann alle Kinder des Kindergartens einen Neujahrswunsch hängen, wie es eben Tradition ist. An Chanukka wird eine Chanukkiah, also ein neunarmiger Leuchter, aufgestellt. Für Thanksgiving schreiben die Kinder auf große Zettel, wofür sie dankbar sind.

Ein außergewöhnliches Idyll, könnte man meinen. Aber eigentlich ist es das gar nicht. Eigentlich ist diese Vorgehensweise nur die Anerkennung von Realitäten. Wahrscheinlich werden auch in der Kita oder Schule eurer Kinder Menschen sein, die aus anderen Kulturräumen stammen oder eine andere Religion haben.

Vielleicht fragt ihr bei der nächsten Begegnung mal nach ihren Traditionen, falls ihr es nicht eh schon habt?

Nicht weil man jetzt auf supermultikulti machen muss, sondern weil es der gesunde Menschenverstand gebiert. Nämlich zu verstehen, dass wir längst in einer transkulturellen Gesellschaft leben und einer globalisierten Welt.

Besonders Kinder profitieren davon, mit den Traditionen und Ritualen unterschiedlicher Kulturen aufzuwachsen. Denn wenn etwas gegen Rassismus, Antisemitismus oder eine andere Form des Menschenhasses hilft, dann ist es die Normalität des anderen, also die völlig selbstverständliche Integration von anderen Lebensweisen. Was ich kenne, muss ich nicht fürchten und deshalb auch nicht wie einen Feind bekämpfen.

Also, lasst euch diesen Dezember auf ein Experiment ein: Die Personen, denen ihr begegnet, werden nach ihren Plänen und ihrer Beziehung zu den christlichen Feiertagen befragt, bevor man ihnen einfach so frohe Weihnachten wünscht. Wer weiß, was ihr dabei noch alles Spannendes dazulernen werdet.

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Anna Wille 10. Dezember 2020 um 09:19 Uhr

    Super Artikel !! Diese Realität übersieht man oft!

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  3. Anna 10. Dezember 2020 um 09:21 Uhr

    Ich habe es bei der Vorbereitung der virtuellen – ja – Weihnachtsfeier für die Kolleg*innen versucht. Ich habe Gesprächsöffnerkarten mit Fragen/Satzanfängen formuliert und eine davon war zum Beispiel: Statt Weihnachten feier ich (lieber)…

    Und auch andere Sachen habe ich versucht, neutral zu formulieren. Danke für den neuerlichen Gedankenanstoß, ich zumindest brauche die einfach, um noch Mal ein bisschen mehr um die Ecke zu denken und nicht immer nur in meinen ausgetretenen Pfaden 🙂

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  4. Tine 10. Dezember 2020 um 09:31 Uhr

    So ein schöner Beitrag! Vor einigen Jahren lebten wir in Kalifornien, meine engste Freundin dort war Jüdin und mit ihrer Familie kamen wir in den Genuss vieler Traditionen, die wir nicht kannten. Wir durften bei ihr Thanksgiving feiern und lernten wenig später Chanukka kennen. Acht Tage! Wie cool war das für die Kinder 😉

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    • Louisa 15. Dezember 2020 um 12:32 Uhr

      Und war diese Freundin auch eine so extreme Egozentrikerin, dass sie von fremden erstmal interviewt werden wollte, bevor diese ihr etwas wünschen? Oder sollen wir einfach grundsätzlich niemandem mehr „frohe Weihnachten“ wünschen?

      Für viele hat Weihnachten doch nicht mal mehr mit Religion zu tun, kann man sich dann nicht einfach nett bedanken und sich nichts sauertöperisches denken? Ist das nicht auch eine großzügige Form der Höflichkeit?

      Ja, wir sollten eine bessere Geschichte schaffen, als die in der Minderheiten diskriminiert (!) wurden. Aber dieses „ weg von Kollektivität hin zu Individualismus um jeden Preis und meine Bedürfnisse First“ empfinde ich als keinen guten Weg.

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  5. bea clark 10. Dezember 2020 um 09:38 Uhr

    das eine schließt doch das andere nicht aus. natürlich sind wir anderen bräuchen, kulturen und traditionen offen gegenüber und gerne fragt man auch nach, wie diese menschen die vorweihnachtszeit verbringen und wie sie den 24. am liebsten verbringen werden. das bietet gelegenheit zu einem spannenden austausch. allerdings laufen wir auch gefahr, wenn wir uns gar nicht mehr trauen, unsere bräuche auszuleben und ein gut gemeintes „frohe weihnachten“ zu wünschen, unsere eigene, wirklich schöne weihnachtliche tradition zu verwässern und in eine breiige political correctness abzurutschen, bei der niemand mehr stellung uu irgendwas beziehen darf, denn man könnte dem anderen ja auf die füße treten. die kulturelle vielfalt macht doch gerade das leben aus und wunderschön, gestatten wir doch einfach mal, dass wir das weihnachtsfest feiern und unsere bräuche auch anderen näher bringen. im gegenzug lernen wir gerne jüdische gebräuche kennen und lieben oder erfahren mehr über chinese new year. weiterhin werde ich tatsächlich auch allen, ob muslim, jüdin, chinese oder ein lila alien, von herzen frohe weihnachten wünschen, denn dieses fest bedeutet mir sehr viel.

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    • theodor 10. Dezember 2020 um 10:22 Uhr

      Lies den Artikel nochmal und nochmal. Bis du es verstanden hast. Du bist du riesige verdammte Mehrheitsgesellschaft bei der gar nichts verwässert wird. Sei mal respektvoller und reflektier mal deine Privilegien.
      Niemand, wirklich niemand wird dir Weihnachten weg nehmen!

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      • Steffi 10. Dezember 2020 um 11:57 Uhr

        @theodor: Lieber Theodor, genau: wir wünschen uns mehr Respekt und deshalb gehen wir hier auch alle respektvoll miteinander um. Daher bitte auch niemanden beschimpfen. Das würde die Diskussion gleich wieder im Keim ersticken. Herzlichen Dank, Steffi

    • Mirna Funk 10. Dezember 2020 um 13:20 Uhr

      Es geht nicht darum, Traditionen zu verwässern, sondern daran zu denken, dass in diesem Land sehr viele Menschen leben, die andere Traditionen haben und deshalb andere Feste feiern. Es geht nicht um “ein weniger”, sondern “ein mehr”.

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      • Verena 10. Dezember 2020 um 14:33 Uhr

        Ich verstehe irgendwie nicht, wie man Deinen Text so missverstehen kann…es ist ja kein Aufruf Weihnachten zu verunglimpfen, sondern sich zu vergegenwertigen, dass in unserer Gesellschaft eben nicht nur Menschen leben, die Weihnachten feiern und das zu bedenken (….).
        Ich mag Deine klugen, weltoffenen Gedanken, liebe Mirna Funk.
        Und ich finde, dass Interesse an Menschen, die einem anderen Glauben, einer anderen Kultur angehören generell mehr gefördert werden müsste. Wir reisen um die ganze Welt, machen Selfies vor den Heiligtümern anderer Glaubenskulturen, aber schaffen es im zwischenmenschlichen Miteinander nicht, mehr vom Anderen zu erfahren. Das ist doch verrückt und daher finde ich es so toll, dass es Kindergörten gibt, die genau dabei unterstützen, dieses Interesse zu fördern, und die Vielfalt der Menschen feiern!

      • Steffi 10. Dezember 2020 um 15:07 Uhr

        @Verena: Bin ich völlig bei dir, liebe Verena. Herzlich, Steffi

      • Bea Clark 11. Dezember 2020 um 12:40 Uhr

        Niemand hat gesagt, dass es um ein “weniger” geht. Es wurde gesagt, dass ein “mehr” gewünscht ist: das eine schließt das andere nicht aus. Bitte gehe immer in den Austausch und halte ihn aufrecht, und zwar auf eine aufgeschlossene, proaktive Weise, die dir ermöglicht, dass alle viele weitere Feste zusammen feiern können. Kulturelle Vielfalt ist niemals eine einseitige Sache.

    • Katrin Riedel 10. Dezember 2020 um 15:39 Uhr

      Danke, ich kann das nicht mehr nachvollziehen. Warum ist es unfreundlich oder übergriffig in einem christlich geprägtem Land “Frohe Weihnachten” zu wünschen? Die Realität hat größere Probleme die mir Sorge bereiten.

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      • Steffi 10. Dezember 2020 um 15:47 Uhr

        @Katrin Riedel: Liebe Katrin, das überrascht mich. Ich hab dich hier als sehr offenen Menschen kennengelernt. Warum erschlägst du denn Mirnas Vorschlag nach mehr Toleranz und Offenheit für andere Kulturen mit der “Es gibt noch viel größere Probleme”-Keule? Herzlich, Steffi

      • Kaya 11. Dezember 2020 um 06:35 Uhr

        Ich muss Katrin da recht geben, in Deutschland überwiegt nun einmal immer noch das Christentum und da ist es ganz normal, dass man anderen Frohe Weihnachten oder schöne Feiertage wünscht. Wenn ich in Israel bin, wo ich (als Christin) längere Zeit gelebt habe, dann wünscht man mir dort zu den jüdischen Feiertagen auch “chag sameach”. Da bin ich aber nicht beleidigt und mache ein Fass auf, sondern freue mich. Im Grunde zeigt das ja, dass ich dazugehöre. Aber wenn man will, dann kann man sich natürlich über alles aufregen.

  6. Katja 10. Dezember 2020 um 09:40 Uhr

    Kluge Gedanken. Danke!

    Antworten
    • Julia 10. Dezember 2020 um 10:29 Uhr

      Da kann ich Dir nur zustimmen

      Antworten
      • Katrin Borchers 11. Dezember 2020 um 00:08 Uhr

        Ich habe in unserer Kita viele Jahre versucht dafür zu werben, entweder keine religiösen Bräuche zu praktizieren und eben alle der betreuten Kinder. Das waren größtenteils wohlwollende, zustimmende Diskussionen wie Mensch es denn machen könnte. Daraus geworden ist leider: nichts. Bis auf, dass einige Erzieherinnen das Zuckerfest (weil es ihre Religion ist) mit ihrer Gruppe feiern, sehr schade. Ich mache die Erfahrung, dass es der Mehrheitsgesellschaft zu mühsam ist, der Wert wird nicht erkannt.
        Liebe Grüße
        Katrin

  7. Pia 10. Dezember 2020 um 10:25 Uhr

    Vielen Dank für deine offenen Gedanken. Ich bin gerade dabei meinen Bias aufzuräumen, da helfen klare Worte.
    Für mich persönlich mit Wurzeln im Judentum und Christentum ist Weihnachten immer eine total schöne Zeit, meine konvertierte muslimische Schwester kommt mit ihrem Mann und Kindern und wir spielen mit dem Dreidel unterm Baum. Auch ein Freund meines Mannes der keine Lust auf seine Familie hat kommt seit zwei Jahren zu uns, bei uns gilt: wer Lust auf Weihnachten und keinen „eigenen“ Ort hat zum feiern ist eingeladen. Meinen zumeist muslimischen SchülerInnen wünsche ich besinnliche Ferien aber auch manchmal fröhliche Weihnachten. Ich hab sie letztes Jahr gefragt ob es sie stört und sie sagten Nein, denn sie würden zu Hause auch feiern, zwar anders aber sie fänden die Tradition aus Familie, Lichtern und essen super. Ich glaube für mich ist es der richtige Weg einen Mischmasch zu finden, denn Weihnachten ist das Fest der Liebe, keiner sollte ausgeschlossen sein!

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    • Sarah Holtz 10. Dezember 2020 um 17:11 Uhr

      Vielen Dank für euren Artikel.

      Ich arbeite in einem großem internationalen Konzern und habe mir schon vor einigen Jahren angewöhnt, meine Emails ab Mitte Dezember nicht mehr einfach mit „Merry Christmas“ zu beenden sondern „Happy Holidays“ schreiben. Frei haben die meisten tatsächlich an den Feiertagen, aber vielleicht feiern die einfach nicht.

      Auch bei der Verabschiedung vor den Kita-Ferien oder im Supermarkt sage ich mittlerweile einfach „Schöne Feiertage“. Da bricht man sich ja keinen Zacken aus der Krone und mein Weihnachtsfest ist ja nicht weniger christlich dadurch.

      Ich werde aber sicherlich das aktivere Nachfragen, was mein gegenüber ab 24.12 so macht, aus diesem Artikel mitnehmen.

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  8. Sabine 10. Dezember 2020 um 10:35 Uhr

    Liebe Mirna, … „Weil es der gesunde Menschenverstand gebiert? Oder gebietet?“ darauf bin ich hängen geblieben … Und warum klingt „Nuklearfamilie“ so verächtlich für mich? Es gibt sie doch kaum noch… Wo doch dieses Weihnachten eh alles anders ist … ich freu mich, wenn meine jüdischen Freunde mir als Freizeit-Christin happy Chanukkah wünschen und werde nächstes Jahr hoffentlich wieder mit allen Weihnukkah feiern können. Und Chinesisches Neujahr, russische, griechisch-orthodoxe, indische, amerikanische Feiertage, ALLES! Und wo krieg ich diesen Kalender wo alle diese Feiertage drin stehen?? Liebe Grüße, deine Gerne-Leserin Sabine

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    • Petra 10. Dezember 2020 um 10:58 Uhr

      An diesem Begriff bin auch ich hängen geblieben. Nuklearfamilie. Irgendwie ein toxisch klingender Begriff…

      Antworten
      • Anna 10. Dezember 2020 um 11:37 Uhr

        In der Übersetzung heißt es ja ganz einfach Kernfamilie. Den Begriff als solches empfinde ich überhaupt nicht als toxisch. Dass eine Kernfamilienweihnacht eventuell andere ausgrenzt (wenn vielleicht meist auch nicht bewusst), das ist nicht unbedingt schön, aber doch durchaus wahrscheinlich.

    • Mirna Funk 10. Dezember 2020 um 13:23 Uhr

      Die Begriffe Kern- oder Nuklearfamilie werden vor allem im wissenschaftlichen Kontext benutzt. Da ich selbst wissenschaftlich arbeite, neige ich dazu auf solche Termini zurückzugreifen. Ganz ohne irgendeinen Hintergedanken.

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    • Heidi 10. Dezember 2020 um 22:40 Uhr

      Gebiert? Korrekte Sprache hätte für mich Prio vor Fachbegriffen wie der Nuklearfamilie.

      Vielleicht geht es den meisten Menschen darum, schöne Weihnachtsfeiertage zu wünschen. Denn es sind halt gesetzliche Feiertage. Für alle. Die wenigsten haben so einen religiösen Bezug, in erster Linie steht für viele Menschen doch ein Fest der Familie.

      Ich komme immer noch nicht über den Podcast und das Thema Callboy hinweg. Ich stelle mir einfach mal vor wie es wäre, wenn ein Mann in Steffis Interview so unbeschwert über seine dates mit Prostituierten geplaudert hätte. Eigentlich schätze ich diese Seite, das war aber einfach nur grotesk unkritisch und daneben.

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  9. Petra 10. Dezember 2020 um 10:57 Uhr

    Vorab – ich wünsche, nicht zuletzt weil ich international tätig war – grundsätzlich nur eine “very mery festive season”.

    Damit ist nicht nur alles “abgefrühstückt”, ich trete auch niemandem auf den Schlips und meine es trotzdem herzlich und gut, so, wie ich es nämlich meine.

    Ich schätze Vielfalt, mag aber nicht zwingend mit jedem Kontakt, egal ob eng oder fern, religiöse (oder weltanschauliche) Themen diskutieren, mich erklären, warum und warum nicht und warum doch, weil doch… Ich mag nicht von jedem gefragt werden, ob ich glaube und falls ja, an wen oder was und so tue ich das auch bei meinem Gegenüber nicht.

    Ergibt es sich, gut, wenn nicht, dann nicht und so weiß man mitunter gar nicht, dass das in Deutschland nun einmal kulturell verankerte Weihnachten andernorts aufstößt. Und genau das wundert mich…dass es offensichtlich aufstößt. Warum denn? In einer toleranten Welt??

    Ich sags mal so – wenn ich als Katholikin in China lebe, fühle ich mich von frohen Wünschen zum chinesischen Neujahr nicht falsch angesprochen. Wenn mir ein frohes Zuckerfest gewünscht wird (passierte mir als blonder Frau nicht nur im Arabischen Raum, sondern auch hier im Mietshaus von einer dunkelhaarigeren… Mitbewohnerin), dann finde ich das grundsätzlich nett und nicht falsch. Und als ich in Jordanien feststellen musste oder besser gesagt durfte, dass Mohammeds Himmelfahrt in diesem Jahr just auf den gleichen Tag fiel wie Christi Himmelfahrt, so wie Channuka in 2014 auf das christliche Weihnachten fiel und vor der Alten Oper in Frankfurt alle Kerzen des Leuchters erstrahlten just an dem Abend, als ich in die Christmette ging – dann geht mir das Herz auf und ich freue mich, in einer Welt zu leben, in der das nebeneinander möglich ist und die Unterschiede gar nicht so groß wie man glaubt. Nur dass es eben meist andere Tage des Kalenders sind, aber das, was dahinter steckt, sehr sehr ähnlich. Ob es nun 4 Kerzen sind oder 9, viele oder wenige Kugeln an einer Gebetskette und ob da noch ein Kreuz dran baumelt oder was man dazu murmelt.

    Die Unterschiede sind nicht so groß wie man meint, dahinter stecken Menschen, gläubige und weniger gläubige sondern vor allem menschliche Menschen.

    Darauf sollten wir uns besinnen und darauf verständigen, dass es auch der, der einer Jüdin ein “frohes Weihnachten” wünscht, es grundsätzlich erstmal gut und herzlich meint und nicht anders.

    LG
    P.

    Antworten
    • Mimi 10. Dezember 2020 um 11:30 Uhr

      Finde den Text irgendwie arrogant und auch nicht nachvollziehbar… Man kann sich ja mal etwas mit dem Christentum auseinandersetzen.. Schließlich sind Juden ein großer Teil von der Weihnachtsgeschichte, abgesehen mal von der Hauptperson und seinen Eltern. Bei einer christlich – jüdischen Weihnachtsfeier gäb es so viel Gemeinsamkeiten zu entdecken, außer der Gans…

      Antworten
      • Mimi 10. Dezember 2020 um 11:32 Uhr

        Wollte nicht unter @Petra schreiben, den Text finde ich sehr gut! – sondern allgemein, sorry <3

      • Anne 10. Dezember 2020 um 17:14 Uhr

        Hallo Mimi, kannst du noch sagen, was genau du mit dem Satz meinst, dass Juden ein großer Teil der Weihnachtsgeschichte sind, außer der Hauptperson und seinen Eltern?
        Soweit ich informiert bin, waren sowohl Jesus als auch seine Eltern Juden!

      • Mimi 10. Dezember 2020 um 18:45 Uhr

        Liebe Anne, habe nicht-Außer- geschrieben, sondern -Abgesehen davon- . Ich meinte damit, das Christentum ist aus dem Judentum entstanden. LG

    • Mirna Funk 10. Dezember 2020 um 13:29 Uhr

      Ich finde Unterschiede sehr schön, auch wenn sie groß sind und muss nicht überall Parallelen suchen oder finden. In Bezug auf die jüdischen Feiertage sind die Unterschiede zu den christlichen nämlich sehr groß.

      Antworten
    • Mirna Funk 10. Dezember 2020 um 13:33 Uhr

      Ich mag Unterschiede und muss nicht überall Parallelen suchen oder finden. Betrachtet man die jüdischen Feiertage, so sieht man, dass sie sich von den christlichen völlig unterscheiden. Und das ist doch auch total okay.

      Antworten
    • Judith 10. Dezember 2020 um 14:27 Uhr

      Ja , toll geschrieben,
      das wichtigste ist menschlich zu sein , da spielt die Religion gar keine Rolle … die vielen Gemeinsamkeiten werden so selten genauer betrachtet
      Schöne Feiertage ✌️

      Antworten
    • Katrin Riedel 10. Dezember 2020 um 20:03 Uhr

      @Petra, danke für deine klugen Gedanken die es besser erklären, als meine.
      @Steffi, der Gedanke an sich ist richtig und bei den meisten Menschen doch auch klar, aber für mich schwingt in dem Artikel eben auch ein Unterton von Scham bzw. Vorwurf mit. Toleranz kann doch hier nicht enden. Überschwängliche Freude ist doch kein wirkliches Problem.

      Antworten
      • Steffi 10. Dezember 2020 um 20:10 Uhr

        @Katrin Riedel: verstehe ich das richtig, dass du dich angegriffen fühlst? Stichwort “Vorwurf” und dich deshalb dem Thema nicht öffnen magst? Es geht ja nicht um “überschwängliche Freude”, sondern Ignoranz des Gegenübers. Ich habe das heute bei Instagram schon geschrieben. Mir kommt da das Bild in den Kopf, dass ich einfach allen “Happy Birthday” wünsche, obwohl sie gar nicht Geburtstag haben. Alles, was Mirna erklärt, ist, dass wir das omnipräsente “Frohe Weihnachten” mal zu überdenken. Und es eben nicht jedem überschwänglich an den Kopf knallen. Was dahinter steckt: die anderen und ihre Wünsche, Traditionen etc. zu sehen und zu respektieren. Ich mag den Ansatz und hab für mich was dazu gelernt, was ich einfach in meinem Alltag üben kann ohne großen Aufwand, für andere aber mit großer, positiver Wirkung. Das ist doch schön. Liebe Grüße, Steffi

    • Katrin Riedel 10. Dezember 2020 um 20:24 Uhr

      @Petra, danke für deine klugen Gedanken die es besser erklären als meine Worte.
      @Steffi, der Gedanke ist doch richtig und bei den Allermeisten gelebte Realität. In dem Artikel schwingt für mich aber auch ein gewisses “schäm dich dafür” mit. Toleranz kann hier doch nicht enden.

      Antworten
  10. Katha 10. Dezember 2020 um 11:09 Uhr

    Ich muss ehrlich sagen, ich hätte auch nichts dagegen, wenn mir jemand ein schönes Zuckerfest oder Chanukkah oder sonst einen Feiertag wünscht, den ich persönlich nicht feiere. Es hat für mich nichts mit Übersehen oder Ignorieren einer Kultur oder Religion zu tun, jemandem ein schönes Weihnachten zu wünschen, wenn Weihnachten vor der Tür steht. Damit meint man doch auch gar nicht (behaupte ich mal, in der Mehrheit der Fälle), dass der andere gefälligst ein schönes christliches Fest feiern soll. Sondern es ist einfach Ausdruck des Wunsches, der andere möge diese(n) Tag(e) schön verbringen.

    Antworten
    • Mirna Funk 10. Dezember 2020 um 13:40 Uhr

      Da sind wir unterschiedlich. Ich würde niemandem Chag Chanukka Sameach wünschen, wenn ich wüsste, diese Person ist weder Jüdin noch feiert sie Chanukka. Ich wünsche auch einem Freund der Katholik ist, kein schönes chinesisches Neujahr. Aber probier das doch mal aus, wenn es für dich Sinn macht. Heute zum Beispiel. Mit Sonnenuntergang beginnt Chanukka. Mal sehen, wie die Leute reagieren.

      Antworten
      • Petra Blum 22. Dezember 2020 um 18:47 Uhr

        Ich bin gerade wieder einmal in diesem Thema gelandet und lese nach, welche Gedanken dazu noch ausgetauscht wurden und stolpere über Deinen Kommentar, liebe Mirna. Du widersprichst Dir meiner Auffassung nach selbst – Du meinst, niemandem etwas zu wünschen, was angeblich nicht auf ihn zutrifft. Also vorweg – auch als Katholikin und Europäerin in China beginnt ein neues Jahr am chinesischen Neujahrstag. Mir wäre neu, dass die Staatsangehörigkeit relevant ist, um einen solchen Gruß zum Jahreswechsel auszusprechen. Aber nun…in Deinem Beitrag sagst Du folgendes – ich zitiere “Denn da werden nicht nur die jüdischen Feiertage geachtet, sondern man erinnert mich und alle anderen Eltern per App auch an wirklich jeden einzelnen Feiertag der über 40 verschiedenen Nationen, die in Form von Kindern im Kindergarten vertreten sind. Und nicht nur das. Die Kinder feiern auch alle möglichen Feiertage einfach mit. Because, why not?” Die Kinder feiern alle möglichen Feiertage einfach mit. Also. Mach Dich locker und feiere Weihnachten einfach mit. Und ich Channuka. Und Du das chinesische Neujahr. Machen wir uns locker. ALLE. Und nicht nur manche…

  11. Meike 10. Dezember 2020 um 11:31 Uhr

    Oh, ich liebe wie mich dieser Text herausfordert. Es stimmt, ich mache mir, wenn ich Frohe Weihnachten wünsche selten einen Kopf darum, ob der andere überhaupt Weihnachten feiert. Und das ist typisches Mehrheitsdenken. Und das werde ich die nächsten Tage und Wochen hinterfragen und reflektieren. Und nachfragen!!!
    Danke für’s Bewusst machen.

    Antworten
  12. Anne 10. Dezember 2020 um 11:39 Uhr

    Dieses Jahr tatsächlich das erste Mal, dass ich bewusst daran denke.
    Finde es auch einfach super spannend, was andere Familien, Kulturen, Religionen für Feiertage haben und ob und wie sie diese feiern!
    Danke für deinen Artikel liebe Mirna!:)

    Antworten
  13. Ilka Arndt 10. Dezember 2020 um 13:12 Uhr

    Oups, da ist er wieder, dieser Gedanke, dass wir, also in diesem Fall mal meine Familie, offenbar nicht normal sind. Selbstverständlich haben alle Kinder im Kindergarten und in der Grundschule alle Feste gefeiert aller Kulturen, die gerade dort betreut wurden (also nicht wie bei euch alle, aber zumindest alle anwesenden). Klar sind wir im Austausch mit den Nachbarn gewesen, wer macht wann was und macht man etwas gemeinsam. In meiner Realitätsblase im Ruhrpott, wo eh alles durcheinander ist, war das normal. Dein Text suggeriert, dass dem nicht so ist. Und wenn ich mich in meinem homogenen Herkunfts-Dorf umschaue, ist da auch noch nie jemand auf den Gedanken gekommen, irgendein Mensch auf der Welt könnte NICHT Weihnachten feiern – und zwar egal welcher Religion man sich verbunden fühlt und ob überhaupt einer.

    Wie immer ist es auch in diesem Fall hilfreich, sich selbst nicht so bitterernst zu nehmen, mal einen Schritt zurück zu treten und die Augen, Ohren und Sinne offen zu halten.

    Ich wünsche dir ein erholsames Jahresende!

    Antworten
  14. Luisa 10. Dezember 2020 um 13:21 Uhr

    Selten einen Beitrag bei euch gelesen, dem ich weniger zustimmen konnte. Meine beste Freundin ist Jüdin, die Frau meines Lieblingsdönerladens Muslimin und beide wünschen mir schneller “Fröhliche Weihnachten” als ich, weil es in der Vorweihnachtszeit einfach dazu gehört. Muss ich mir in Zukunft das “Grüß Gott” verkneifen, wenn ich zum Bäcker gehe? Weil sich ein anwesender Atheist möglicherweise auf den Schlips getreten fühlen könnte?

    Sich immer gleich persönlich betroffen fühlen und andere belehren wollen, warum? Sonst propagiert ihr doch auch immer “nachsichtig mit sich zu sein”. Wie wär’s mal mit Nachsicht für andere? Die verschwenden nämlich im Gegensatz zu euch keinen Gedanken an einen simplen Weihnachtswunsch.

    Antworten
    • Steffi 10. Dezember 2020 um 13:33 Uhr

      @Luisa: Liebe Luisa, genau, es geht uns hier ums nachsichtig sein mit anderen und uns selbst. Wir möchten unsere Leser*innen ermutigen mit uns zu wachsen. Sich weiterzubilden, neue Perspektiven anzueignen und das eigene Verhalten zu überdenken (siehe auch mein “Ich? Rassistin?-Text). Manche sind dafür bereit, andere nicht. Liebe Grüße, Steffi

      Antworten
      • Katharina Pollok 10. Dezember 2020 um 23:16 Uhr

        Puh, am schlimmsten an dieser Diskussion sind deine teilweise beleidigenden Antworten auf Kommentare, Steffi. Das möchte ich nicht mit 6,90€ monatlich unterstützen und habe mein Abo gekündigt.

    • Mirna Funk 10. Dezember 2020 um 13:46 Uhr

      Aber das ist doch cool, dass die beiden das so machen. Das heißt, aber dennoch nicht, dass es allen Muslimen oder Juden so geht, wie deiner Freundin. Der Text möchte ja nur die Augen dafür öffnen, dass es lohnt, erstmal zu fragen, was der andere sich wünscht und feiert usw.

      Antworten
  15. Mirjam 10. Dezember 2020 um 14:32 Uhr

    Also, puh… noch viel mehr als der Artikel selbst haben mich diese unterschiedlichen Reaktionen darauf, auch in ihrer Heftigkeit, bewegt. Ich mag es, von mir selbst einmal weg zu gucken, hin zum anderen. Und ich mag auch die Idee, Weihnachten nicht allzu ernst zu nehmen, weil es nur eine Möglichkeit neben anderen ist. Das wurde so nicht gesagt, nein, aber das hat mein Kopf daraus gemacht.

    Antworten
  16. Katharina 10. Dezember 2020 um 15:44 Uhr

    Vielen Dank für deinen Text, liebe Mirna. Ich finde es ehrlicherweise schwer nachzuvollziehen, warum manche Leser*innen derart persönlich angegriffen reagieren. Genau so wie ihnen niemand das Weihnachten feiern abspricht, genau so wenig kann man einer anderen Person absprechen, sich davon nicht umfasst zu fühlen. Erst Recht, wenn deren/dessen Perspektive bislang in Mehrheitsgesellschaft/-medien eine wirklich kleine Rolle zugestanden wird. Ich finde, du triffst es genau auf den Punkt, wenn du sagst: Es geht um ein “mehr”, nicht um ein”weniger”. Chag Chanukka Sameach dir und deiner Familie, Mirna.

    Antworten
    • Katharina 10. Dezember 2020 um 15:50 Uhr

      PS: Es muss wohl ein soziologisches Phänomen sein, diese “fragility”, mit der in allen Kontexten von Benachteiligung/Diskriminierung/”Anders”artigkeit von der entgegenstehenden Mehrheit oÄ eine Defensive eingenommen wird? Die Argumentationsmuster sind ja bei Rassismus, Gleichberechtigung, etc. bekannt.

      Antworten
      • Steffi 10. Dezember 2020 um 16:02 Uhr

        @Katharina: Total! Daran muss ich auch die ganze Zeit denken. Ich hatte gehofft, dass noch mehr der Rassismus-Diskurs dieses Jahr da weitergebracht hätte. Anstatt sich angegriffen zu fühlen, panisch zu schützen, was einem angeblich weggenommen wird, statt zu sehen: da reicht einem gerade jemand etwas rüber – eine spannende neue Sichtweise, die eine Bereicherung und keine Bedrohung ist. Puh.

  17. Anna 10. Dezember 2020 um 16:07 Uhr

    Der Text hakt an den Stellen, an denen er von Weihnachten als christliche Feiertage ausgeht. Ist es im Ursprung natürlich, ich behaupte jetzt aber mal, dass dies bei vielen so gut wie überhaupt keine Rolle mehr spielt bzw. interessiert und es eher um einen Mix aus “Liebe, Essen, Geschenke” geht.

    Antworten
    • ChristinaInAustralien 10. Dezember 2020 um 22:19 Uhr

      Es gibt aber verschiedene Arten, “Liebe, Essen, Geschenke” zu feiern, eben je nach kulturellem oder religiösen Hintergrund. Und dafür wollte der Text die Augen öffnen. ❤️

      Antworten
  18. Heide 10. Dezember 2020 um 16:40 Uhr

    So ein schöner Text!
    Und die Vorstellung, es könnte überall so sein wie im Kindergarten deiner Tochter erfüllt mich mit sehr viel Begeisterung, das würde mir als Atheistin, die dennoch die Weihnachtstraditionen sehr liebt, wahnsinnig gefallen, noch mehr solcher Feste und Anlässe auf ihre Art und Weise zu feiern (sofern das nicht unsensibel gegenüber der Bräuche anderer ist). Danke für diesen Text. Auf die Kommentare hab ich gar keine Lust zu lesen, wer da das Bedürfnis hat zu diskutieren, der sollte bei sich nochmal kurz nachchecken, was da so abgeht, mit dem Text hat es vermutlich wenig zu tun.

    Herzliche Grüße und eine schöne Zeit über die christlichen Feiertage dir!
    Heide

    Antworten
  19. Anne 10. Dezember 2020 um 17:10 Uhr

    Super Artikel! Vielen Dank!!
    Ich finde es nicht zuletzt in der aktuellen politischen Diskussion sehr befremdlich, dass kein Politiker mal erwähnt, dass ja nicht jeder Bundesbürger jetzt Weihnachten feiern wird und will. Dass es ständig nur darum geht, ob wir (???) nun wieder Weihnachten feiern können wie immer.

    Ich durfte zweimal an Pessach Sedern (nicht sicher ob der Plural korrekt ist) teilnehmen , einmal in Israel und einmal in einem Kleingarten in Brandenburg und eine neue Welt hat sich mir eröffnet ! Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und finde es insgesamt sehr schade, dass andere Religionen in Deutschland immer noch so wenig selbstverständlich Raum haben. Aber lasst uns alle daran teilhaben, das zu ändern!

    Antworten
  20. Katherine 10. Dezember 2020 um 17:20 Uhr

    Danke für diesen wichtigen Denkanstoß in meine Blase! <3

    Antworten
  21. Ramona Klügl 10. Dezember 2020 um 19:45 Uhr

    Ein großartiger Text, der wunderbar in die eigenen Gehirnwindungen pustet und mir die ein oder andere staubige Ecke meines Denkens aufwirbelt. Danke dafür!
    Ganz wundervoll finde ich aber auch die vielen unterschiedlichen Kommentare dazu – und ich feiere jeden einzelnen davon! Denn es zeigt mir, dass wir in einer vielfältigen Welt leben in der eben niemand die Wahrheit gepachtet hat und uns der gemeinsame Diskurs einander näher bringen kann.

    Antworten
  22. Franziska 10. Dezember 2020 um 19:49 Uhr

    Danke für diesen Text! Ich bin ein bisschen verwirrt über die panischen Reaktionen von manchen hier. Keiner nimmt euch eure Weihnachtszeit, nur weil man anerkennt, dass es auch andere Lebensrealitäten gibt!
    Man merkt, dass hier vor allem die Leute überreagieren, die wohl selbst keiner Minderheit angehören. Als Minderheiten ordnen wir uns sowieso permanent unter und müssen uns und unsere “Absonderlichkeiten” erklären. Viele der Kommentierenden kennen dieses Gefühl anscheinend nicht und fühlen sich gleich in ihrer Existzenz bedroht.
    Und: Es kommt auch immer drauf an, wer aus welcher (Macht)Position heraus spricht: Natürlich stört sich niemand dran, wenn die Muslimin vom Dönerladen (WTF) frohe Weihnachten wünscht…
    Aber die gute Nachricht ist: Es ist genug für alle da! Keiner hat weniger, nur weil man anderen einen Platz anbietet <3

    Antworten
  23. Doro 10. Dezember 2020 um 21:21 Uhr

    Was wäre denn ein Äquivalent zu happy holiday?
    Schöne Ferien passt ja nicht. Hat ja nicht jeder frei. Und jeden zu seinen Plänen zu befragen, ist ja auch nicht immer passend. Zum Beispiel an der Supermarktkasse. Dann lieber gar nichts Spezielles sagen, wenn man es nicht weiß?
    Danke für deinen Artikel, Mirna. Immer wieder gut und anstoßend, was du schreibst!

    Antworten
    • Sarah 11. Dezember 2020 um 03:01 Uhr

      Hallo Doro,
      sag doch einfach “Schöne Feiertage!”. Das finde ich neutral, weil es ja nun einmal gesetzliche Feiertage sind.
      Liebe Grüße,
      Sarah
      P.S.: Ich bin auch noch dabei das zu verinnerlich.

      Antworten
  24. Julia Englert 10. Dezember 2020 um 21:51 Uhr

    Hatte ich mir vorher noch nie so richtig Gedanken drüber gemacht, muss ich gestehen… Ein toller Denkanstoß, vielen Dank dafür!

    Antworten
  25. Katja 10. Dezember 2020 um 21:51 Uhr

    Danke für diese wichtige Perspektive! Ich habe darüber tatsächlich noch nie nachgedacht… Nur ist mir in der Corona-Lockerungsdebatte die Panik mancher Menschen aufgefallen, Weihnachten falle nun aus. Das verwirrt mich; gerade als gläubige Christin. Weihnachten ist doch inzwischen ein total säkulares Fest! Von daher sind Debatten über die Feste anderer Religionen mehr als überfällig!

    Antworten
  26. Hauptstadtgarten 10. Dezember 2020 um 22:11 Uhr

    Liebe Mirna,
    wie klug geschrieben. Danke für diesen berührenden und liebevollen Text, von dem ich mich eingeladen fühle, einfach immer mal wieder die Perspektive zu wechseln. Ich mag die Zeit zwischen den Jahren übrigens auch sehr dafür, dass da mal wirklich niemand was will. In vielen Jahren der Selbständigkeit habe ich sie als Insel der Ruhe sehr zu schätzen gelernt.
    Herzliche Grüße und eine gute „stade Zeit“ Dir.
    Caro

    Antworten
  27. Katrin Schulz 10. Dezember 2020 um 22:14 Uhr

    Liebe Mirna,
    vielen Dank für deinen Text! Beim Lesen hat es mehrmals Klick gemacht bei mir:
    Ich habe dich schön öfter in der Kita gesehen, wenn ich meinen Sohn gebracht habe und mich immer gefragt, warum du mir so bekannt vorkommst. Jetzt weiß ich es 🙂
    Und natürlich hat mich dein Text auch zum Nachdenken gebracht. Ich habe „Frohe Weihnachten“ immer als netten Gruß gesehen, ohne dabei an die christlichen Hintergründe zu denken. Ich bin absolut nicht religiös, empfinde Weihnachten aber als Zeit des In-sich-Kehrens und an andere denken. Daher wünschte ich das bisher von Herzen und auch Freunde von uns, die nicht mit der Tradition aufgewachsen sind (Hindus und Muslime) haben das immer so empfunden und benutzen die Grußformel auch, ohne selbst Weihnachten zu feiern. Trotzdem werde ich ab sofort darauf achten, nicht automatisch davon auszugehen, dass das jeder so sieht.

    Was ich etwas schwierig finde, ist der Ansatz, andere direkt nach ihren Vorstellungen zu fragen. Klar, wenn man denjenigen etwas kennt, geht das. Aber bei Fremden finde ich das schwierig und oft auch sehr persönlich. Das ist wie alles im Leben immer eine Gratwanderung, die ich aber versuche, ab sofort im Hinterkopf zu behalten.

    Vielen Dank nochmal!

    Und eine Frage habe ich: Wie machst du das mit deiner Tochter, wenn ihr nicht Weihnachten feierst? Versteht sie das, dass ihr es anders macht, als viele ihrer Freunde?

    Viele Grüße
    Katrin

    Antworten
    • Eva 10. Dezember 2020 um 22:58 Uhr

      Danke für die Anregung.
      Ich selbst halte es seit Jahren so: Ich wünsche grundsätzlich an gesetzlichen Feiertagen, die uns freie Tage bescheren, einfach schöne Feiertage. Denn selbst der Mehrheitsgesellschaft ist vermutlich die christliche Bedeutung vieler Feiertage (Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt, Allerheiligen, Allerseelen, Buß- und Bettag …) wenig parat, aber wahrscheinlich sehr willkommen als kurze Verschnauf-Völlerei-Besinnungs-Zusammenrottungs-Verwöhn-oder-was-auch-immer-Gelegenheit. Und das sei jedem*r gegönnt.
      Was und woran wer glaubt oder nicht, ist für mich privat.
      Deshalb: Allen schöne Feiertage.

      Antworten
  28. Johanna 10. Dezember 2020 um 23:01 Uhr

    Hallo Steffi,
    auf Instagram hatte ich heute schon ein paar Gedanken gepostet und da ich in deinen Stories gelesen habe, dass statt DM’s lieber ein Post auf dem Blog vorzuziehen ist, hier noch ein Kommentar. Wie du merkst, lässt mich das Thema nicht los 🙂
    Genau wie du möchte ich ein einer Gesellschaft leben, in der sich jeder, ob Minderheit oder Mehrheit, gesehen und gehört fühlt. Ich gebe mein Bestes, das auch umzusetzen und ich gebe mein Bestes, selbstkritisch und reflektiert dabei zu sein – mich in andere hineinzuversetzen, einen Perspektivwechsel zuzulassen und alte Verhaltensmuster zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren. Dazu ist dieser Artikel Gold wert – auch wenn ich ihn an manchen Stellen nicht zu 100% mitgehen kann.

    Was mich allerdings irritiert ist die Art, wie ihr mit Kritik und anderen Meinungen umgeht. Für Applaus und Zustimmung von Lesern gibt es likes und Herzchen, bei anderen Ansichten nehmt ihr die Nutzer zu zweit „in die Zange“ und werdet schon nach kurzem Austausch recht ungeduldig, harsch im Ton und streckenweise ziemlich belehrend. Soweit ich das alles überfliegen konnte, wurden andere Meinungen stets respektvoll geäußert, das selbe hätte ich mir auch von euch gewünscht.

    Ich fänd es toll, wenn der Austausch im Vordergrund stehen würde und nicht das „unbedingte Belehren wollen“ Man kann durchaus auch Meinungen stehen lassen und feststellen: das sehe ich anders. Man kann Meinungen auch richtig blöd finden. Aber wenn einer anfängt, sich moralisch über den anderen zu stellen, dann verlieren beide.

    liebe Grüße, Johanna

    Antworten
    • Eva 11. Dezember 2020 um 10:13 Uhr

      Vielen lieben Dank, Johanna, für deinen Kommentar! Damit bringst du es für mich genau auf den Punkt!

      Ich habe tatsächlich heute Nacht mehrere Stunden wach gelegen und versucht zu verstehen, warum dieser Blogpost inklusive Kommentare bei mir ein so ungutes Gefühl hinterlässt.

      Inzwischen bekomme ich zunehmend das Gefühl, dass ich mir als Nicht-Minderheitenangehörige keine Meinung mehr erlauben darf, weil dann sofort das Totschlagargument kommt, dass ich das ja gar nicht nachvollziehen kann, weil ich nicht betroffen bin. Dabei ist es doch so, dass man gerade als Nicht-Betroffener einen neutraleren Blick auf die Dinge haben kann.

      Ich bin der Meinung, dass es unheimlich wichtig ist, dass man versteht, dass nicht alle ticken wie man selbst und dass Menschen unterschiedliche kulturelle, religiöse, familiäre, soziologische Hintergründe haben – und diese nicht nur akzeptiert, sondern auch respektiert. Aber so, wie ich die Meinung anderer respektiere, respektiert doch bitte auch die meine.

      Viele Grüße
      Eva

      Antworten
    • Claudia 11. Dezember 2020 um 11:15 Uhr

      Danke, liebe Johanna.
      Auch mich hat das Thema gestern Abend nicht losgelassen und ein ungutes Gefühl hinterlassen.
      Was bleibt, ist bei mir nicht mehr der – natürlich unbequeme und auch kontroverse – Inhalt des Textes, sondern der bittere Beigeschmack, wie mit kritischen Äußerungen umgegangen wurde.
      Vielleicht ist es dem rein schriftlichen Austausch geschuldet, der oftmals – das kennen wir alle – so viel mehr Spielraum für Interpretation lässt. Ohne Gestik, Mimik, Tonalität werden nett gemeinte Kommentare zu Waffen.
      Mich ganz persönlich hat erschrocken, was aus den kritischen Kommentaren in Storys etc. gemacht wurde (Stichwort „teilweise absurd“).
      Es ist toll, kontrovers zu diskutieren fernab von all den Filtern und Blasen hier auf Instagram. Manchmal hilft es aber auch, wenn alle Seiten erst einmal einen Schritt zurückgehen, Ärger verfliegen lassen, und dann eine Antwort auf einen vielleicht sehr emotionalen Post formulieren.
      Das wünsche ich uns allen für die anstehenden Tage. Sehr.
      Von Herzen, Claudia

      Antworten
      • Katharina 11. Dezember 2020 um 11:28 Uhr

        Ich kann das total nachvollziehen. Trotzdem finde ich, dass es ein wichtiger Unterschied ist, ob man wirklich eine eigene Meinung wiedergibt, oder ob man als Meinung angehaucht die individuelle Wahrnehmung einer anderen Person hinterfragt. Fiktives Beispiel: “Für mich ist Weihnachten das wichtigste Fest des Jahres und ich finde nichts schöner, als es mit meiner Familie und Freunden zu zelebrieren” vs. “Dass du dich angegriffen oder unangenehm berührt findest, damit überall unhinterfragt konfrontiert und einbezogen zu werden, ist unberechtigt. Deshalb ist auch deine Forderung, dir nicht mehr frohe Weihnachten zu wünschen, maßlos.”

    • Anna 11. Dezember 2020 um 12:53 Uhr

      Liebe Steffi,

      ich bin eigentlich stille Leserin des Blogs. Im Verlauf der Diskussion über Mirnas wichtige Perspektive und im Anschluss an Johannas Kommentar musste ich aber an diesen Ted-Talk denken, den ich unglaublich gut fand und daher hier teilen möchte. Inhaltlich beschäftigt er sich mit der Debattenkultur zwischen Demokraten und Republikanern in den USA. Im Kern trifft er aber überall zu, wo Meinungen sich unversöhnlich gegenüber stehen.

      https://www.ted.com/talks/robb_willer_how_to_have_better_political_conversations#t-71426

      Herzliche Grüße
      Anna

      Antworten
  29. Anne 11. Dezember 2020 um 07:44 Uhr

    Liebe Johanna,

    bis jetzt habe ich mich gescheut, etwas zu dieser Diskussion zu posten, da ich mich zugegebenermaßen dafür zu unsicher fühle. Aber dein Kommentar bringt meine Meinung so perfekt auf den Punkt! Danke dafür!

    Antworten
  30. Anja 11. Dezember 2020 um 09:55 Uhr

    Auch ich sage: Danke, Johanna! Ich habe lange überlegt zu schreiben, aber der Text wäre sehr lang geworden, daher bin ich dankbar, dass du das in meinem Sinn so auf den Punkt gebracht hast.

    Antworten
  31. Julia 11. Dezember 2020 um 10:12 Uhr

    Liebe Mirna, liebe Steffi,

    tausend Dank für diesen Artikel, der mich ebenso wie die diesjährige Rasissmusdebatte sehr nachdenklich gestimmt hat.

    Nur zu von sich zu glauben, man sei tolerant und weltoffen (so wie ich das zugegebenermaßen von mir denke), reicht oft nicht. Und sich aktiv darüber zu informieren, was andere Menschen bewegt, die in unserem Umfeld leben, ist meiner Meinung nach definitiv als Bereicherung zu sehen.

    Ich habe mir direkt einen Kalender der Fest- und Feiertage aller Weltreligionen ausgedruckt und werde ihn bei uns aufhängen.

    Danke für den Denkanstoß und schöne Feiertage für Euch!

    Liebe Grüße,
    Julia

    Antworten
  32. Ellen 11. Dezember 2020 um 10:52 Uhr

    Ich mag Menschen, die zu einem Perspektivenwechsel anregen – Danke dafür Mirna!

    Ich mag auch Menschen, die offen sind für andere Traditionen, und dennoch sich und ihrer Art treu bleiben.

    Ich finde es fein, dass es so viele unterschiedliche Traditionen gibt, persönlich kann damit allerdings gar nichts anfangen. Und habe kein Bedürfnis es zu zelebrieren. Doch meine Familie mag das, fein, dann have it.
    Auch meinte eine wundervolle Freundin von mir, als ich alleine lebte – ich kann doch Weihnachten nicht alleine verbringen und lud mich zu sich ein – wollte nicht – ging dennoch hin – hab einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen – sie haben sich gefreut, nicht über den Strafzettel, sondern dass ich da war – schön und wir lachen heute noch darüber.

    Für mich ist es viel interessanter und wichtiger, mit welcher “Energie” und Intension mir jemand etwas wünscht und sagt. Wenn mir jemand etwas “reflektiert” wünscht – egal aus welcher Tradition – dann freu ich mich – sehr. Denn Freude vermehrt sich einfach, wenn sie mitgeteilt wird.

    Wenn es einfach nur so “rausgebrüllt” oder runtergespult wird, weil es gerade alle machen – mhhh – denk ich mir, echt jetzt? Brauch ich nicht. Berührt mich nicht. Das habe ich in knapp 2 Jahrzehnten Fliegerei mehr als genug erlebt, Hauptsache mit der Freundlichkeits-Gießkanne und “Smile ist Style” oder beim Einkaufen, egal…

    DAS passiert (allerdings) tagtäglich und die Feiertage sind für mich immer nur die Höhepunkte von häufig (nein, nicht immer!) so daher Gesagtem und schenken mir persönliche eine wundervolle Spielwiese zum Experimentieren. Mit Denkweisen, mit der Sprache, mit meinem Verhalten.

    Ich wünsche meinen Gegenüber – egal ob beim Einkaufen oder auf der Straße – Habt eine “Feine Zeit” oder auch mal in diesen Tagen “konsumfreie Weihnachten” (mag nicht jedeR hören – auch ok;-) oder “eine stressfreie Zeit” – “schönen Jahresausklang” – “besinnliche Zeit” – Viel Freude etc…

    Ich wünsche das ganze Jahr über – egal wo ich gerade bin oder mit wem ich gerade kommuniziere – das was es aus meinem Empfinden gerade “braucht” oder das was aus der Situation entsteht.
    Die Dame vom Finanzamt, die mir völlig geduldig etwas erklärt, der wünsche ich weiterhin “starke Nerven, doch am allerliebsten eine clevere und verständnisvolle Kundschaft”. Der Kassiererin im Einkaufsladen, die vor mir evtl. eine komplizierte Kundin hatte, der wünsch ich einfach “noch viel mehr nette Kunden”… oder auch “Gute Geschäfte”… Oder bedanke mich einfach für den Augenblick.

    Das ist meine “persönliche Tradition” , da bin ich mir treu, da entstehen kurze Augenblicke, von Innehalten, von was auch immer.

    In diesem Sinne einen kosmisch schönen Paradigma-Wandel, von wie etwas zu “Sein” hat und wie es auch sein könnte. Jupiter und Saturn stupsen uns ja schon ordentlich an. Finden das manche “Humbug” oder was auch immer – ganz bestimmt – so wie ich (teilweise) Traditionen, oder Dahingesagtes oder oder als “hm” empfinde. Da hilft bei mir nur eines:

    “Wie gut bin ich im Aushalten dessen, was andere für ein Weltbild haben?”

    In diesem Sinne – auf unsere “Individualität” und unser Feingefühl und unsere Art das Leben zu feiern – so lange ich nicht überall mitmachen muß, ist ja alles gut;-)

    Antworten
  33. Arnika 11. Dezember 2020 um 11:05 Uhr

    Danke für diesesn schönen Bericht, und ja, diese Themen sind leider immer irgendwie auch explosiv… ich schaff es gar nicht alle Kommentare zu lesen, deswegen muss ich hier fragen ohne sicher zu wissen ob die Antwort schon irgendwo steht:
    Ich möchte die App und die Feiertage-Liste innclusive der Bräuche gerne wissen.
    Ich arbeite selbst in einem Kindergarten und gebe (ohne Corona) viele Workshops in Kitas und Schulen.
    Und Mirnas Kita scheint da ein tolles Beispiel zu sein.
    Ich würde gerne von ihnen lernen und derne Wissen weitertragen 🙂
    Kinder lieben Feiertage! Ist doch herrlich, wenn sie noch viel mehr davon in ihrem Alltag haben!

    Antworten
  34. Manuela 11. Dezember 2020 um 11:09 Uhr

    Sehr schön geschrieben und stimme da vollkommen zu. Aber bitte nehmt es den Leuten nicht böse, wenn sie “Frohe Weihnachten” wünschen. Sie meinen es ja nur nett. Und im Gegenzug könnte man uns Christen ja auch mal zu einem anderen Fest einladen. Respekt auf beiden Seiten ist wichtig.

    Und nicht vergessen, es ist nicht überall so. Ich wohne in einem kleinen Dorf in der Schweiz. Die exotischste Person kommt vielleicht aus Deutschland. Der Alltag zwischen Dorf und Stadt klafft hier sehr weit auseinander.

    Antworten
  35. Lola 11. Dezember 2020 um 13:19 Uhr

    Ich kommentiere nie oder sehr selten – aber irgendwas triggert mich hier.

    Erstmal bin ich grundsätzlich der Meinung, dass man als Mehrheit der Minderheit nicht sagen darf, wie sie zu fühlen hat und generell allem was in diese Richtung geht (Diversität, Gleichberechtigung usw.) sehr, sehr offen. Ich selber bin nicht gläubig und nicht in der Kirche. Ich bin im katholischen Bayern aufgewachsen und weiß dass meine nicht-katholischen Eltern da auch mit manchen Dingen zu beißen hatten bzw. sich dadurch einfach nie so ganz wohl gefühlt haben. U.a. auch Feiertage, in denen wir keinen Sinn gesehen haben. Hier aber auch die Anmerkung: Bei den meisten in Deutschland geht es nicht um die religiöse Bedeutung eines Tages sondern sie mögen Traditionen, denn die geben Geborgenheit und erinnern an Kindheit – das ist etwas sehr schönes und wichtiges für die Gesellschaft insgesamt. Es geht um Kultur, nicht Religion!

    Ich finde der Artikel ist schlecht strukturiert, weil er erstmal provoziert, dass man bitte seinen Weihnachtsgruß ändern soll (wenn man zur coolen Gruppe gehören möchte!) und zumindest bei mir bleibt auch ein Belächeln von unserem Weihnachtsfest hängen. Damit kann man keine Debatte führen, denn viele (va Ältere) werden erstmal in den Defensivmodus gehen.

    Den zweiten Teil finde ich super und möchte dem 100% zustimmen. Warum können wir statt ändern/wegnehmen nicht was hinzufügen? Ich für meinen Teil fände es super wenn wir on top noch Chanukkah feiern oder das ganze zumindest mehr Präsenz hat. Ich muss dabei an USA denken, die es doch besser schaffen, die verschiedenen Kulturen ko-existieren und einander ausleben zu lassen. Dann feiern wir eben zweimal Neujahr oder Weihnachten oder oder oder. Vielleicht ist für einen persönlich das eine wichtiger als das andere, aber wem macht ein zusätzlicher chinesischer Umzug nach “unserem” Neujahr keinen Spaß? Je mehr es zu feiern gibt, desto besser und desto bereichernder für alle.

    Für mich passt es leider nicht ganz zusammen, sich erst über den “super Nikolaus” zu beschweren und dann die Kita zu loben, die einfach mal alles feiert!!!

    Außerdem muss man sich die Gesellschaft an sich genauer angucken: Wir haben auf der einen Seite eine Gruppe die sehr gerne cherry picking aus verschiedenen Kulturen und Ländern macht. Die vietnamesische Pho Suppe in dem und dem Laden ist die beste. Endlich gibt es die und die Sache aus USA auch in Deutschland. Das beste Rind kommt aus Argentinien. Hygge Lifestyle aus Dänemark. Quasi die Vorteile der Globalisierung komplett ausschöpfen. Zu dieser Gruppe gehören die meisten, die diesen Blog lesen. Die andere Gruppe ist Verlierer der Globalisierung. Ihre Jobs wandern ab, der wirtschaftliche Aufstieg fällt geringer aus bzw. kommt gar nicht, die Zukuntsperspektiven sind recht ernüchternd. Hier stehen häufig traditionelle Werte und Beständigkeit im Vordergrund, denn das gibt Stabilität. Noch mehr, noch schnellere Veränderung schreckt ab. Darum ist all das was wir hier schreiben für uns als Teil der ersten Gruppe sehr einleuchtend, spaltet aber das Land uU weiter.

    Antworten
  36. Luisa 11. Dezember 2020 um 13:42 Uhr

    Also die Idee ist ja nett gemeint und ich verstehe die Intention. Aber wenn ich in einem anderen Land wäre und mir niemand mehr zu deren Festen gratuliert sondern nur so schwammig allgemein hätte ich erst recht das Gefühl nicht dazu zugehören.
    Hier in Deutschland würd ich mich eher darüber freuen wenn wir die anderen Kulturen bestärken ihre Traditionen auch mit uns zu teilen. Das ist ein Mehr für alle!
    Denn wenn alle ihre Traditionen nicht mehr nach außen bringen um keinem nahe zu treten – haben wir dann nicht ein Weniger?

    (Nur eine Anmerkung: Ich hatte den Drang zunächst mit einem Pseudonym zu schreiben, aus Furcht, weil einige die Kritik äußern so böse zurück kommentiert werden. Und auch in dieser Diskussion sollte Respekt auf beiden Seiten herrschen)

    Antworten
  37. Annie 11. Dezember 2020 um 13:50 Uhr

    Liebe Alle 🙂

    Das wichtigste an Mirna´s Text sind für mich eure Beiträge und die Diskussion die dadurch entstanden ist. Vielen Dank dafür, dass ihr eure so unterschiedlichen Meinungen teilt und mir so die Möglichkeit gebt das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Alle Kommentare – auch diejenigen die persönlich wurden – zeigen, dass wir weder mit der Holzhammermethode noch mit Ignoranz am Ziel ankommen sondern wir uns gegenseitig abholen müssen, da wo wir gerade sind im Thema. Auch kleine Schritte sind gute Schritte.

    Steffi du brennst für das Thema Rassismus, davon profitieren wir Leserinnen denn du sorgst dafür dass es aktuell bleibt und nicht im Corona-Wahnsinn untergeht.

    In einer perfekten Welt muss Mirna nicht von “Uns komischen Minderheiten mit unseren Spezialfeiertagen” schreiben.

    Euch allen wünsche ich von Herzen eine gute Zeit.

    Antworten
  38. Silvi 11. Dezember 2020 um 13:51 Uhr

    Auch nur mal so ein Gedanke : wie wäre es, wenn ich auf ein gut gemeintes, von Herzen kommendes “Frohe Weihnachten” einfach “Ich feiere zwar Weihnachten nicht, aber danke!” antworte?
    Dann ergibt sich vielleicht daraus ein Gespräch, was, wie und warum der andere feiert… oder es ergibt sich eben keins. Und das wäre doch auch, ok?
    Es war ein anstrengendes Jahr, viele von uns freuen sich auf Weihnachten, ob es nun aus religiösen Gründen oder einfach nur Tradition (wie bei uns) gefeiert wird.
    Ihr habt mich durch das Jahr begleitet, ich hab mit euch versucht, auf Alkohol, Zucker und alles Tierische sowieso zu verzichten, abends nach Job (bleib unabhängig und hab deine Finanzen im Griff!) und Kindern nicht auf dem Sofa einzuschlafen, sondern noch ne Yoga-Einheit einzuschieben, mich nur noch mit organic make-up zu schminken und schön aufs gendern zu achten. Die Frauenquote natürlich gefeiert, obwohl ich keine Sau kenne, die davon jemals profitieren könnte und selbst nach der Elternzeit erst mal die Karriereleiter runtergepurzelt bin (“du arbeitest ja nur noch 75%”). Hab eure Rezepte nachgekocht, statt Schokolade kackbällchen gegessen und manchmal hat es mir im Bioladen an der Kasse die Tränen in die Augen getrieben (jetzt mal ehrlich: sind getrocknete Himbeeren ne Geldanlage?)…. ich brauch ne Pause. Und vielleicht leg ich mich ins Bett mit Rotwein, echter Schokolade und ner Tüte Chips. Und Gwyneth Paltrow und ihr ganzer Kram können mir auch gestohlen bleiben. Ich freu mich, wenn mir in den nächsten Wochen jmd. frohe Weihnachten oder was auch immer (von mir aus auch “happy Birthday” , “schönen Mumeltiertag” oder “bleib gesund!”) wünscht und feier gerne mit meiner spiessigen “Nuklearfamilie” (ist ein wissenschaftlicher Terminus, du Provinzdepp!). Und wenn ich ganz gut drauf bin, bekommen die Kinder sogar mehr Spielzeug als in einen Schuhkarton passt und müssen dafür auch gar nichts altes in Tüten an den Straßenrand stellen, um jmd. anderen eine Freude zu machen (oder für alle außerhalb Berlins: nicht ordnungsgemäß entsorgen….). 2021 startet für mich ohne endlich ich-Abo, euch eine gute Zeit (keine Angst, das böse W*- Wort schreib ich nicht nochmal) und alles Gute!

    Antworten
    • Katrin 11. Dezember 2020 um 17:07 Uhr

      Herrlich! Hat gut getan, am Schluss dieser intensiven und augenöffnenden Diskussion befreit lachen zu können! (Letztendlich segeln wir alle doch einfach nur auf einer gigantisch großen Kugel durch den Weltraum und keiner hat eine Ahnung warum).
      Ich merke mal wieder wie viele verschiedene Ichs in mir drin stecken, denn ich kann viele Positionen verstehen und nachvollziehen.
      Im Endeffekt geht es doch darum, dass man sich verständnis- und liebevoll in sein Gegenüber versetzt und dessen „Realität“ mit berücksichtigt. Je öfter, desto besser!
      Vor allem in dieser Zeit, in der so viele Narzissten das Ruder in der Hand haben und ihre Egozentrik schon fast zur Normalität wird.
      @Mirna: sehr guter, herausfordernder Text. Ich feiere deine erfrischende, selbstbewusste Direktheit – da kann man sich als Frau immer was davon abschneiden – und angenehme Intellektualität. Danke für den wichtigen Denkanstoß.
      @Steffi: Danke für das viele Herzblut, das du in diese Plattform steckst. (weil manche ein Unbehagen geäußert haben: Vielleicht braucht Mirna die Rückendeckung von deiner Seite aus gar nicht?)
      @Silvi: Danke fürs daran Erinnern, dass Humor so immens wichtig ist (das ist ja auch eine Stärke dieses Blogs). Lachen verbindet zutiefst und nimmt so viel Druck raus.
      @die einzelnen Kündiger: wenn mich etwas triggert, dann ist das doch der beste Anstoß, um das “Warum?” zu erforschen, mehr über mich selbst zu erfahren und mich weiter zu entwickeln. Spricht also für das Endlich Ich-Abo 😉

      Antworten
    • Judith 12. Dezember 2020 um 01:58 Uhr

      Liebe Silvi,
      du sprichst mir aus der Seele!

      Antworten
  39. Sabine 11. Dezember 2020 um 15:11 Uhr

    Danke Johanna, gut auf den Punkt gebracht.

    Antworten
  40. Meike 11. Dezember 2020 um 15:48 Uhr

    Großartig!! Im übrigen bin ich (Protestantin seit 39 Jahren und gern kirchensteuerpflichtig) dafür, dass Menschen, die in keiner christlichen Kirche sind, einfach überhaupt kein Weihnachten mehr feiern! Wie lautet denn eure (ja genau ihr, die alle reihenweise aus der Kirche ausgetreten sind!) Begründung dafür das Weihnachtsfest zu feiern??? Das würde mich ja jetzt echt mal interessieren. Wisst ihr überhaupt, was wir da feiern? Und wie passt das in euer aller Nachhaltigkeits- und Anti-Kommerzkiste? Und übrigens sollten für diese Leute meines Erachtens auch die Feiertage nicht gelten…

    Ich hoffe, es konnten alle den Sarkasmus zwischen den Zeilen lesen und haben verstanden, was ich wirklich sagen möchte. Frohe Weihnachten!

    Antworten
  41. Stephy 11. Dezember 2020 um 17:32 Uhr

    Vielen Dank für diesen wirklich wichtigen Gedankenanstoss!!!
    Ich wünsche Dir schöne freie und friedvolle Tage in dieser besonderen Zeit!
    Lieben Gruß Stephy

    Antworten
  42. Johanna Köhler 11. Dezember 2020 um 20:53 Uhr

    Liebe Johanna,

    danke für deine Worte/deinen Beitrag. Das Ganze hat mich ziemlich beschäftigt und ich bin seit gestern Abend etwas aufgewühlt und ehrlich gesagt auch ein wenig traurig.
    Vielleicht, weil ich überrascht war, weil ich mir gedacht habe “so etwas” könnte “hier” nicht passieren. Hier, wo soviele selbstreflektierte, tolle Frauen unterwegs sind. Hier, wo wir uns aktiv und gerne mit solchen Themen auseinandersetzen und Wertschätzung ein zentrales Thema ist. Hier, wo wir uns gegenseitig zuhören.

    Ich habe auch lange überlegt, ob ich etwas schreiben soll, da ich mich auch ungerne einer weiteren Kritik aussetzen möchte, aber ich muss die ganze Zeit an das denken, was ich meinen Kindern immer sage, wenn sie sich über die Meinung anderer beschweren/ärgern: “Hört zu” und “setzt euch an einen Tisch und redet darüber”. Und das würde ich mir jetzt auch wünschen.

    Hören wir zu und setzen wir uns an einen (gemeinsamen) Tisch und reden wir darüber.

    Ich weiß, dass oft vieles der Emotion geschuldet ist, aber lasst uns offen und respektvoll miteinander reden, denn nur so können wir einander verstehen.
    Ich mag Mirnas Texte immer sehr, weil sie direkt sagt was sie denkt – ungeschönt und klar. Manchmal ist das auch notwendig, um wachzurütteln.
    Aber auch ich muss das Gesagte oft erst mal verdauen und auch Irritation und/oder andere Gefühle dürfen und sollen einen Platz haben.

    Danke und liebe Grüße,
    Johanna

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  43. Fabienne 11. Dezember 2020 um 21:27 Uhr

    Liebe Mirna, liebe Steffi, vielen Dank euch für den tollen Artikel. Für mich war das ein sehr wichtiger Denkanstoß, ich habe mich wieder gefunden und dachte mir ‘hui, gut dass mich da mal jemand drauf aufmerksam macht!’. Bin euch so sehr dankbar, dass ihr auch kontroverse Themen teilt, die so so wichtig sind. Das Ausmaß, in dem manche sich davon getriggert fühlen, hätte ich dennoch nicht erwartet. Ich hatte auch direkt Assoziationen zur White Fragility Debatte. Das zeigt uns, was da noch für ein weiter, weiter Weg vor uns liegt an Gesellschaft. Daher umso wichtiger, dass ihr mit dem Thema raus geht und eurem Standpunkt trotz starkem Gegenwind treu bleibt. Unfassbar mutig und stark, inspiriert mich sehr, vielen vielen Dank!

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  44. Antonia 12. Dezember 2020 um 13:25 Uhr

    Ich muss zugeben, dass mich der Text anfänglich kurz genervt hat. Jemanden frohe Weihnachten zu wünschen, ist doch nur nett gemeint. Aber beim Lesen der teilweise heftigen Reaktionen darauf muss ich mich korrigieren: Egal, wie nett etwas gemeint ist – wenn ich darauf die Rückmeldung kriege, das es eben nicht so nett ankommt, reflektiere ich doch mal kurz und passe mein Verhalten entsprechend an. Und kriege keinen Wutanfall und erkläre der anderen Person, dass das jetzt aber ihr Problem sei. Man muss es ja nur umdrehen: Jemand tut etwas, was mich stört. Ich weise die Person darauf hin und kriege – eine virtuelle Ohrfeige. Wie würde ich mich dabei fühlen? Wir wollen doch alle in einer rücksichtsvollen Gesellschaft leben – da sollten wir mal anfangen, uns auch entsprechend zu verhalten. In diesem Sinne: Was habt Ihr an den anstehenden christlichen Feiertagen so vor?

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  45. Lena 12. Dezember 2020 um 20:14 Uhr

    ich weiß, ich bin etwas spät dran, aber eine Erfahrung möchte ich noch in den Raum werfen: Ich lebe als schwarze Frau in Hamburg, bin hier geboren und feiere, obwohl nicht gläubig, mit Herzblut Weihnachten (mein Papa war Katholik aus Ghana). In dem Milieu, in dem ich mich bewege (ich würde es als linke Akademikerblase bezeichnen, in der schon ganz viel Tolles passiert), ist es so, dass allen in der Schlange an der Kasse vor mir ein schöner dritter Advent gewünscht wird . So heute im Bio-supermarkt.Die Verkäuferin mustert mich kurz und wünscht mir dann ein schönes Wochenende. Auch das ist nett gemeint, doch ich fühle mich ausgeschlossen. Natürlich muss das nicht mit meiner Hautfarbe zusammenhängen, aber es passiert zu allen Feiertagen in so schöner Regelmäßigkeit, dass nicht mehr von Zufall zu sprechen ist. (Ich werde zum Beispiel auch vor Schweinefleisch im Essen gewarnt…)
    Dein Text, Mirna, ist für alle,die darüber noch nie nachgedacht haben, ein wichtiger Denkanstoß(und ui, wie erschreckend viele das sind!)
    Doch nun steh ich da, ich armer Thor….

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    • Lena 12. Dezember 2020 um 20:18 Uhr

      PS
      ich möchte meinen Text nicht als Plädoyer dafür verstanden wissen, nun niemandem fröhliche Weihnachten zu wünschen, nur weil es mir nicht gewünscht wird. Ich freue mich immer darüber, wenn man es mir wünscht. Denn ich feier es ja.

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      • Nadine 12. Dezember 2020 um 23:01 Uhr

        Danke Lena für diese tolle Ergänzung!

        Ich habe den Text gelesen, und gerade obwohl ich sonst nicht immer mit Mirna Funk einer Meinung bin, und manchmal auch den Ton der Texte gar nicht so mag – ich finde diesen obrigen Text wirklich gut geschrieben. Er ruft v.a. auf sich Gedanken zu machen, Vorurteile zu prüfen und einfach nicht nach Schema F zu agieren. Ich arbeite in einer Kita, unsere Kinder und deren Familien haben unterschiedlichste kulturelle und/oder religöse Hintergründe, es ist für mich einfach normal zu überlegen und mir zu merken, wer welche Religion ausübt, überhaupt religiös ist oder eben nicht. Wenn ich es nicht weiß (meist im ersten Jahr), frage ich freundlich nach. Es gibt muslimische Familie, die die Weihnachtsfeiertage ebenso dazu nutzen sich mit ihren Familien zu treffen, ohne das sie Weihnachten feiern. Es gibt eben Familien aus Ghana, Guinea und anderen afrikanischen Ländern, die oft sehr religiös sind und eben Weihnachten feiern. Für mich ist das einfach mein Zeichen von Respekt und Wertschätzung mir Gedanken zu machen. Natürlich kann mir sowas wie der Kassiererin auch mal passieren, weil man ja nicht immer Zeit hat nachzufragen.

        Ich bin erschrocken wie viele diesen Text scheinbar einfach mit einer Art Brille lesen, ihn nicht verstehen zu wollen. Und zur deutschen Mehrheitsgesellschaft: mir ist es genauso wichtig zu wissen, welche meiner “deutschen” Freunde überhaupt Weihnachten feiern und wie. Es gibt welche, die sind sehr christlich und denen ist es ein wichtiges Fest. Für andere hat es mit der christlichen Bedeutung nichts mehr zu tun… Auch ich selbst feiere das nur der Familie zuliebe.

  46. Nadine 12. Dezember 2020 um 23:03 Uhr

    Ach so: Das “Und jetzt kündige ich das Abo!” erinnert mich übrigens sehr an das “Ich bin buh mit dir!” in der Kita plus Daumen runter 🙂

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  47. Gerhild 12. Dezember 2020 um 23:04 Uhr

    Hey liebe Mirna und vielen Dank für den interessanten Text! Von dir (und vielen anderen auch) kann man wunderbar dazulernen. Du hast mich auch dazu gebracht, den Text auf meinen (privaten) Weihnachtskarten noch schnell von “Merry Christmas” auf “Happy holidays” zu ändern! Vielen Dank für den Input und alles Liebe!

    Antworten
  48. Ronja 12. Dezember 2020 um 23:24 Uhr

    Danke erst mal für euren tollen Blog, den Newsletter und auch diesen Beitrag, liebe Mirna Funk! Ich finde den Grundansatz wirklich total gut. Aber den Vorschlag, keine ,,Frohe Weihnachten” mehr zu wünschen, finde ich nicht gut. Es liegt ja schon im Satz an sich, ich wünsche dem anderen etwas. Und zwar etwas Gutes. Denn ,,Frohe Weihnachten” heißt ja nicht “Ich wünsche mir, dass du Christ bist und das genauso zelebrierst wie ich”, was ja in Deutschland inzwischen wirklich wenige Leute sind, sondern eher, dass man dem anderen wünscht, die Feiertage froh zu verbringen. Ich wünsche meinem gegenüber auch immer einen ,,Guten Morgen”, auch wenn sie vielleicht gerade aus einer Nachtschicht kommt und auf dem Weg ins Bett ist.

    Andere Bräuche und Kulturen zu feiern und zu integrieren, finde ich aber total super! Jedes Jahr schicken wir ein Paket mit Geschenken zu unseren Kollegen nach China an Chinese New Year. Meine Freundinnen in Japan wünschten mir auch ,,Merry Christmas” und feierten dann mit Erdbeeren und ihren Freunden, auch wenn sie alle Buddhisten und Shintoisten sind. Vor großen Klausuren ging ich immer mit ihnen zusammen zum Tempel, um ein Bändchen in den Baum zu binden.

    Wenn man nichts mehr wünscht, sondern stattdessen fragt, wie derjenige die Feiertage verbringt, bringt man sein Gegenüber vielleicht in Bedrängnis. Gerade Menschen, die allein und einsam sind, wollen das vielleicht nicht mit jedem teilen.

    Trotzdem: Ich wünsche mir, noch viel mehr als jedem anderen eine frohe Weihnachten, dass alle Kitas so ein Konzept hätten! Dass wir alle Feiertage kennen, nicht nur das Datum, sondern auch die Bedeutung dahinter. Dass mein Sohn Jom Kippur, das Zuckerfest und auch Vesakh kennt. Und auch, dass wir in einem Land leben, in dem jeder dem anderen etwas Gutes wünschen kann, ohne dass sich das Gegenüber ausgeschlossen fühlt, weil hoffentlich eines Tages klar ist, dass wir alle dazu gehören.

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  49. Chantal 13. Dezember 2020 um 00:15 Uhr

    Eine Kita mit 40 Nationen und eigener App. Die ist wahrscheinlich in Berlin, Mitte, PB oder FH?
    Ich verstehe den Wunsch der Autorin und praktiziere neutrale Wünsche auf Arbeitsebene seit Jahren. Realität ist in D aber auch, dass es in vielen Regionen eben nur eine Nationalität gibt und häufig die Religion bei Weihnachten kaum noch eine Rolle spielt. Deshalb hätte ich mir auch ein bisschen Reflektiertheit oder Offenheit gegenüber den anderen gewünscht, denn das sollte ja in beide Richtungen gelten. Das Beispiel von Lena zeigt ja, dass das Thema viele Facetten hat.
    Ich finde auch, dass sie sich im Text selbst widerspricht, denn einerseits sagt sie, man wünsche ihr ungefragt etwas (Ist das nicht logisch, ich frage auch nicht jeden, ob ich ihm ein schönes Wochenende wünschen darf?) und dass ihr das in der Kita nicht passieren würde, andererseits werden dort ja viele internationale Feiertage gefeiert, da wünscht einem doch ständig irgendeiner etwas. Gerade Thanksgiving ist mit Blick auf die Ureinwohner ja auch ein hochproblematisches Fest, hier wäre es – bei allen Festen – schön, wenn einfach ein bisschen reflektiert würde.
    Die Lehrerinnen an unserer Schule wünschen übrigens auch allen Kindern ein schönes Zuckerfest und feiern es mit der ganzen Klasse, genauso wie Weihnachten. Das finde ich positiv-inklusiv – anders als die Äußerung des Wunsches, eingeladen zu werden zu dem “hyperexklusiven Weihnachtsspaß, der da immer hinter den eigenen vier Wänden in der Nuklearfamilie gefeiert wird.” – Übrigens noch so ein Widerspruch, erst ist es zu inklusiv, dann zu exklusiv…
    Kurzum, ein spannendes Thema, ein Anliegen, das ich nachvollziehen kann, aber ein Text der zu Widerspruch anregt.

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  50. Nela Riehl 13. Dezember 2020 um 15:27 Uhr

    Liebe Gerhild,
    magst du das erläutern? Denn sollten die Empfänger*innen deiner Karten Weihnachten feiern, spricht doch nichts dagegen, ihnen frohe Weihnachten zu wünschen. Oder steh ich auf dem Schlauch?

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  51. Franziska 14. Dezember 2020 um 08:16 Uhr

    Mir hat der Artikel sehr gut gefallen, manche Kommentare aber eher nicht. Ich habe mein Weihnachtsgrußverhalten auch vor einigen Jahren umgestellt, als ich im Büro mein kleines, neu zusammengewürfeltes Team zu einem Weihnachtsessen eingeladen habe und dann dann während des Essens feststellte, dass drei (von uns sechs) aus religiösen Gründen gar kein Weihnachten feiern. Natürlich war niemand gekränkt, zum Essen eingeladen worden zu sein, dennoch empfand ich meinen Zugang als wenig empathisch.
    Zugleich war ich viele Jahre mit einem Mann nicht-christlichen Glaubens zusammen, der zutiefst getroffen gewesen wäre, hätte man ihm an der Kasse nicht „Frohe Weihnachten“ gewünscht. Er hat Weihnachten nicht gefeiert, wollte aber selbst darüber entscheiden, dabei zu sein und nicht nur wegen seines Aussehens von dritter Seite automatisch ausgeschlossen werden. Auch „schöner Nikolaus“ und vermutlich sogar „Happy Heilige Drei Könige“ waren sehr willkommen.

    Offenbar sind die Menschen also verschieden und es ist immer eine gute Idee, sie einfach zu fragen, was sie mögen. Daran in diesen etwas hektischen Wochen erinnert zu werden, hat mir gutgetan.

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  52. Lina 14. Dezember 2020 um 21:53 Uhr

    Liebe Stefanie, vielen Dank an dich und Mirna Funk für den großartigen Gedankenanstoß! Als bald Lehrerin (u.a. für das Fach ev. Religion, in dem Feiertage allgemein ja eine große Rolle spielen) nehme ich für mich ganz wertvolle Gedanken daraus mit, wie ich mich noch aufmerksamer auf die Heterogenität im Klassenraum (hier bzgl. der Bedeutung und Wahrnehmung verschiedener Feiertage) einstellen kann.
    Wenn ich im neuen Jahr nur halb so viele tolle Anregungen durch euch erhalte wie in diesem, dann: Danke!!

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  53. Heike 15. Dezember 2020 um 11:13 Uhr

    Was für ein wunderbarer Artikel. Wir haben dieses Jahr spontan 2 wunderbare Menschen zu uns an Weihnachten eingeladen – gute Freunde.
    Aufgrund der neuen Corona Bestimmungen dürfen sie jetzt aber gar nicht kommen. Ich bin sprachlos. Nur die engsten Verwandten. Ist es nicht traurig genug, dass diese Menschen einsam sind? Jetzt darf man sie nicht mal mehr einladen. Ich bin sprachloser denn je.

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