Wonach ist dir heute?

A wie… Ampeln

Meine Raststätten. Selten habe ich mich so über Ampeln gefreut. Top zum Luftholen und um den Schweiß in Ruhe den Rücken entlangrinnen zu lassen.

B wie… Bitte lass mich das überleben

In den Dokumentationen über die Klimakrise sahen die Fahrradwege in den fortschrittlichen Städten irgendwie breiter aus. In Hamburg hören die an ganz vielen Stellen einfach so auf. Einfach so! Oh goddogod.

C wie… CO2

Das ist schon geil: Die Luftzufuhr. Sonst kommste aus der Wohnung, ins Auto, ins Büro und abends denkste: Hab ich heute eigentlich schon mal richtig frische Luft eingeatmet? Na klar, an den Tagen mit den Kindern ist das anders. Nur kommt man da ja manchmal auch kaum zum Atmen. Hehe.

D wie… Du A%$“!?*

Autofahrer*innen können ja solche Arschlöcher sein. Fahrradfahrer*innen auch. Man sagt doch: Im Auto reagieren sich viele ab, lassen die Wut raus, die sie sonst unterdrücken. Ist das auf dem Rad das Gleiche? Hui.

E wie… Elektrofahrräder

Die Droge. Haste ein Mal davon gekostet, ist es schwierig, wieder Runterzukommen. Wie einfach das ist, sogar mit großem Vorbau und Kindern drin. Wie elegant man aussieht und alle so: Krass, die schwitzt ja gar nicht. Schwitzt sie wohl, wenn sie den Preis für das Elektrorad sieht.

F wie… Fahrradhelm

Mit meinem sehe ich aus wie eine Playmobilfigur. Komm mir jetzt nicht mit diesem Nackenschutzding, das sich aufbläst beim Unfall. Damit siehste auch aus wie von Playmobil. Ich sag nur: Halskrause bei den Ritterfiguren.

G wie… Getier

Ich bin doch jetzt Vegetarierin. Aber nicht mehr, seitdem ich Fahrrad fahre. Ständig esse ich kleine Tierchen. Weil ich vor lauter schwer Atmen natürlich den Mund auf hab.

H wie… Herrlich

Na gut: Vieles fühlt sich beim Radfahren auch herrlich an. Kein Stress bei der Parkplatzsuche. Das sich so sportlich fühlen. Das lässige Grüßen oder sagen wir mal Zunicken anderer Radfahrer – oder nick nur ich denen zu?

I wie… Ihhhh

Regen. Soweit bin ich noch nicht. Bisher bin ich Schönwetterfahrerin. Regen ist was für Fortgeschrittene. Das hat mit meinem Kindheitstrauma zu tun. Wir mussten bei Regen und Wind in Ostfriesland jeden Tag mehrere Kilometer mit dem Rad zur Schule. Ich hab mir damals geschworen: Wenn ich groß bin, muss ich das nicht mehr. Na toll, und jetzt ist es wichtiger denn je, Rad zu fahren.

J wie… die Jugend

Das sieht so gut aus, wie die jungen Mädels (oh Gott, hab ich das wirklich geschrieben? Bin ich schon so alt?) auf ihren Rennrädern sitzen. In den High-Waist-Jeans mit weißen Shirts. Der Hit! Nur: Bekommen die nicht Rücken davon? Oder Niere?

K wie… Kinder & Kastenfahrräder

Wer eine autofreie Stadt möchte, wird früher oder später auch ein Kastenfahrrad haben. Oder einen Anhänger. Weil, wie sollen wir sonst Kinder, Einkäufe und und und transportieren? Bisher sind die Kastenfahrräder leider preislich noch Ferraries. Wir haben einen Anhänger für die Kinder. Den häng ich mir jetzt hinters Rad. Meine einzige Sorge: Das ihn mir jemand samt Kinder abfährt.

L wie… Lange Zeit

… war mein Fahrrad in der Hecke eingewachsen. Vier Jahre. Dann hat mein Mann es daraus befreit, wir haben es angesprüht und mit lustigen Punkten beklebt. Das ist schon wieder sechs Jahre her. Es funktioniert nur noch ein Gang in der Schaltung. Und auf Punkte steh ich gar nicht mehr so. Aber ich bleib ihm treu. Wir haben schon so viel zusammen durchgemacht.

M wie… Muschibrand

Die Wahl der richtigen Unterhose ist kriegsentscheidend beim Fahrrad fahren. Hab ich schmerzlich gelernt. Mein Mutter jagt Touristen in Ostfriesland (mit ihrem E-Bike) die Küste hoch und runter. Dabei trägt sie eine Art gefütterte Radlerhose unter ihren Sachen. Da ist soetwas wie eine dicke Binde drin. Gibt’s im Fachhandel. Ich zieh das nicht an, aber ich träum davon. Heimlich.

N wie… Noch mehr sehen

Irgendwie sehe ich mehr, seitdem ich Fahrrad fahre. Neue Geschäfte, lustige Plakate, andere Menschen. Es gibt so viel zu gucken. Nicht alles ist schön, aber vieles sehr spannend.

O wie… Och, nun gebt mal nicht so an!

Ich bin die Langsamste. Mich überholen sogar Kinder. Das ist okay. Ich tue so, als sei das Konzept. Bin ich halt besonders achtsam, weißte? Alles eine einzige Meditation.

P wie… Platten

Wo und wie pumpt man heute eigentlich noch Reifen auf? Tankstelle? Nope. Fahrradpumpe? Hab ich nicht (mehr). Lohnt sich die Anschaffung? Oder lieber in ein Fahrradgeschäft, nett lächeln und um etwas Luft aus diesen tollen automatischen Dingern bitten?

Q wie… Querulanten

Das ist kein Fahrradweg!!!!! Geht’s noch langsamer, Uschi?!?!?!? Mensch, Uschi übt doch noch!!!

R wie… Richtig fahren

Uschi übt doch noch!!! Immerhin hat mich der Busfahrer heute früh keine 50 Meter mehr angehupt, das ich gefälligst von seiner Spur verschwinden soll. Sondern nur drei. Das ist doch schon mal was.

S wie… Sitzbeinhöcker

Aua.

T wie… Training

Vom Gefühl her hab ich bald mega durchtrainierte Beine. Vom Gefühl her.

U wie… Umweltschutz

Ich mache beim Retten der Welt mit – dieses Gefühl ist die große Belohnung beim Fahrradfahren (neben den irre durchtrainierten Beinen und der frischen Luft). Und wollen wir das nicht gerade alle?

V wie… Verheddern

Entweder sitze ich halb nackt auf dem Rad, wenn das Kleid zu kurz ist zum Fahren (oder hochweht). Oder es ist zu lang und verheddert sich in den Pedalen. Also mach ich jetzt Knoten. In die Kleider. Bevor sie welche in meine Beine machen.

W wie… Warnweste

Hahahahahahaha. Nein.

X wie… das Xte Mal

Dann überhol mich doch!!!!!!!!!!!

Y wie Youtube

Max Raabe hat ein sehr niedliches Lied zum Thema Fahrradfahren eingesungen. Hier klicken.

Z wie… Zukunft

Kindern lernen durch Abgucken. Wenn ich nicht Fahrrad fahre, werden sie es nicht als total normal empfinden. Also fahr ich, auch mit ihnen. Immer mehr. Und sie juchzen vor Freude. Und vielleicht ihr ja auch bald. Lasst uns Neues ausprobieren & unsere Zukunft mitgestalten.

 

Herzlich,

Steffi

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Micha 21. Juli 2019 um 20:03 Uhr

    Bonjour Steffi,

    lesen hier nur Frauen, oder habe ich nur das Gefühl? Vielleicht trauen sich ja auch die vielen mitlesenden Männern nicht, auf einen dieser tollen Beiträge zu antworten? Andererseits bin ich als (männliche) Krankenschwester ja auch wieder nicht so DER Mann. Hach, wäre auch noch schöner, hier jetzt weitere Klischees zu bedienen. Dieser Fahrradfahrbeitrag war einfach klasse und erfrischend zu lesen. Danke. Ich fahre ja auch jeden Tag mit meinem Rad zur Arbeit und zurück. Naja, außer vielleicht bei absolut extremen Schneesturm. Aber Regen und so machen mir nüscht mehr aus. Dementsprechend funktionell sieht manchmal auch meine Bekleidung aus, was mir aber nicht immer gefällt. Liebe Grüße sagt der

    Mischkabär!

    Antworten
    • Steffi 22. Juli 2019 um 10:37 Uhr

      @Micha: Lieber Micha, was für ein schöner Kommentar! Wir freuen uns riesig, dass du hier liest und du bist ganz bestimmt nicht der einzige Mann! 🙂 Du inspirierst uns dazu, unsere zweite geplante Fahrrad-Geschichte bald zu machen. Herzlich, Steffi

      Antworten
Mehr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
* Erforderliche Felder sind markiert