Kann das was?

Keramik ist wieder Kult. Es wird wie wild getöpfert. Macht das wirklich Spaß? Und was bringt es einem? Wir haben es getestet. An einem sehr wilden Tag.

Es war kein guter Tag. Es war einer, den man sich merkt, weil er besonders schlimm war. Eine für einen sehr wichtigen Job gebuchte Person ließ uns im letzten Moment hängen. Das erfuhr ich, als wir gerade das Atelier von Tina Kami betraten. Mir wurde schwindelig, ich musste mich setzen und konnte nur noch “Scheiße, Scheiße, Scheiße” sagen.

“Oh das kenn ich”, erzählt Tina Kami mit ganz ruhiger Stimme. “An solchen Tagen muss ich erstmal etwas drehen, das hilft, probier es aus!”. Mit drehen meint Tina sich an die Töpfer-Drehscheibe zu setzen. Genau, so wie man es vor Augen hat, seit Demi Moore in dem Film “Ghost”. Nur eben ohne Patrick Swazye im Nacken.

Ich habe noch nie getöpfert. Nina auch nicht. Tina Kami haben wir über ihren Instagram-Account und kleinen Shop uglydugly gefunden. Dort stand, dass sie auch Kurse gibt. Also haben wir einen bei ihr gebucht.

Als wir an der von ihr vorgegebenen Adresse vorfahren in Hamburg Billbrook, ein gutes Stück von der Innenstadt entfernt, eher eine Art Trucker- und Industriegebiet, gucken wir von Hochglanzbildern verwöhnten Instagram-Gören erstmal komisch. In dem Industriegebäude im Hinterhof gibt es innen in den Lagerhallen kleine abgesteckte Bereiche für die Mieter. Abgesperrt durch Gitterdraht.

Es ist nicht glamourös, dafür fühlt es sich sehr echt an.

Es ist kein aufstrebendes Start-Up mit gepumpter Kohle, das schon im Empfangsbereich auf dicke macht. Tina Kami ist eine Frau, die das Töpfern für sich entdeckt hat, es gern ausübt, sehr gut kann und eben ab und an Kurse gibt. Ihren zugewiesenen Bereich teilt sich Tina mit einer Malerin.

Nina ist schon voll im Gange, als ich mich auch endlich etwas beruhigt habe, mit dem Fotografieren fertig bin und auch an die Drehscheibe setze. Allein das Handy weit weglegen müssen, weil es sonst im nassen Tonmatsch zu Grunde gehen würde, entspannt mich bereits. Jetzt gibt es nur noch diese Scheibe, einen Kloß Ton und mich. Plus Tinas angenehme Stimme, die von rechts sanft erklärt, was zu tun ist.

Ich dachte, man bräuchte Stunden, um überhaupt zu verstehen, wie Töpfern funktioniert. Ich dachte, am Anfang würde alles schlimm hässlich werden, man nur kantige Klumpen hinbekommen. Aber es flutscht gleich. Es hat ganz viel mit loslassen und hin fühlen zu tun. Es braucht nur ganz wenig Druck hier und da und schon entsteht eine Form.

Natürlich kann man die dollsten Dinge töpfern und dafür braucht es bestimmt sehr viel Können und Geduld, Nina und mir reicht es schon, unsere kleinen Schälchen hinzubekommen. Nina hat parallel sogar noch ohne Scheibe eine geformt und die außen verziert. Dabei hat sie immer wieder “Gott, ist das entspannend…” vor sich hingemurmelt und breit gegrinst.

Drei Termine braucht es, wenn man auch noch Lust hat, sein Werk selbst zu glasieren oder noch weiter zu verzieren. Bei uns war die Zeit etwas knapp, deshalb hat Tina das Brennen und Glasieren für uns übernommen und Nina hat die Schälchen später abgeholt. Jetzt haben sie ein stolzes Plätzchen bei uns im Büro.

Wir wären aber irre gern noch mal hingefahren zu Tina. Weil mit so wenig Mitteln aus einem schlimmen Tag, dann doch noch ein guter wurde.

Text & Fotos – Stefanie Luxat

10 Comments

  1. Antworten Lia 25. Juni 2018 um 10:01 Uhr

    Ach wie herrlich- gerade habe ich zum Mann gesagt, dass ich einen Töpferkurs machen möchte und zack dieser Beitrag 😉
    Merci und ich werde es in Angriff nehmen.

  2. Antworten Lena 25. Juni 2018 um 12:43 Uhr

    Toll, das möchte ich auch unbedingt mal machen! Aber wie sehen eure fertigen Werke denn jetzt aus? Foto bitte 🙂
    Und: was kostet so ein Kurs und wo kann man sich anmelden? Liebe Grüße lena

    • Antworten Tina Kami 25. Juni 2018 um 23:32 Uhr

      Liebe Lena, 2 Stunden Einzelunterricht an der Drehscheibe und/oder für Aufbautechniken kosten 40€. Meld‘ dich gerne via Kontaktformular auf meiner Internetseite. Herzliche Grüße Tina

      • Lena Krämer 26. Juni 2018 um 09:44 Uhr

        Prima das klingt super
        Ich melde mich demnächst, möchte gerne meine Freundin noch dabei haben
        Liebe Grüße
        Lena

    • Antworten Steffi 26. Juni 2018 um 16:04 Uhr

      @Lena: Liebe Lena, das zeig ich dir supergern die Tage via InstaStories. Wir hatten gestern unseren ersten großen Event im neuen Büro und hatten alles, was zu Bruch gehen kann, sicher verstaut! 🙂 Herzlich, Steffi

  3. Antworten Tina Kami 25. Juni 2018 um 13:12 Uhr

    Hi Steffi und Nina! Der Artikel ist wunderbar! Ich danke euch vom Herzen! Alles Liebe Tina

  4. Antworten Ariane Reichardt 25. Juni 2018 um 13:29 Uhr

    I love Tina Kami/ugly duckly! 🙂

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