Wonach ist dir heute?
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Es ist Freitag, der 13. um 11.02 Uhr. Ich sitze im Lehrerinnenzimmer meiner kleinen Grundschule und starre auf einen Laptop. Meine Kolleginnen starren mit. Und viele Eltern anderswo. Und so starren wir vor uns hin, als unser Kultusminister vor Kameras und Mikros tritt und mit ernster Miene und bedeutungsträchtigen Atempausen die Schulen in Niedersachsen für 5 Wochen schließt. Unerlässliche Maßnahmen zur Eindämmung des Virus‘, dessen Name aus allen Kanälen des Landes schallt.

Und in der Sekunde dieser Nachricht um 11.02 Uhr am Freitag, den 13. werden aus unzähligen Eltern plötzlich Lehrkräfte auf Zeit.

Da ist er. Der Salat.

Man hat sich gesammelt. Mehr oder weniger. Die eigene häusliche Anwesenheit sichergestellt. Home-Office. Zwangspausen. Der Sorgen sind da einige. Na gut, aber Schularbeiten sind ja wichtig. Dann sind die Kinder wenigstens beschäftigt, wenn man selbst am Rechner sitzt und versucht, seiner Arbeit nachzugehen. Und dann schüttelt man die übervollen Ranzen aus. Die übervollen Wochenpläne. Öffnet Mails mit übervollen Aufgaben. Oder trifft im Gegenteil auf gähnende Leere. Und beginnt so oder so kurz zu schlucken.

„Gleichzeitig Home-Officing, Home-Schooling, Home-Haushalting und Home-Bespaßungsclowning. Ergibt Home-Nervenzusammenbruching.“ Marlene Hellene

Das bringt es auf den Punkt. Bereits nach den ersten Tagen quellen sämtliche meiner digitalen Postfächer über. Nachrichten und Hilferufe von unzähligen verzweifelten Eltern, deren Nerven blank liegen. Weil sie sich in Grund und Boden diskutieren, um den Nachwuchs zum Lernen zu bewegen. Oder auch, weil sie so gar nichts an die Hand bekommen haben. Weil das Abarbeiten umfangreicher Lernlisten in dieser neuen Situation und Umgebung Stress erzeugt. Weil manche Schulen Fristen setzen, Ergebnisse sehen oder sogar weiter Noten geben wollen und das unfassbaren Druck ausübt. Weil das (häusliche) Unterrichten Skills braucht, die gerade jetzt von Eltern gar nicht so leicht aufzubringen sind – Geduld, Ruhe.

Muss das alles denn sein?

Ich hab Verständnis. Uns Lehrkräften sitzt so viel im Nacken. Dienstpflichten. Die Lehrpläne. Die Hoheit des fachlichen Lerninhalts. Unsere eigentliche Unentbehrlichkeit. Und wir jetzt getrennt von unseren Klassen und dem Kerngeschäft. Der digitale Unterricht noch in den Kinderschuhen und bisher nur sehr bedingt eine Hilfe. Also wenigstens raus mit dem Material. Viel verschickt ist halb unterrichtet. Ich hab in der Eile auch erst so reagiert. Und unter den Bundesländern keine einheitliche Regelung. Nicht mal IN den Bundesländern. Viel hängt an den Entscheidungen der Schulleiter:innen.

Es gibt sicherlich Familien, da flutscht es. Die sind vielleicht auch froh um diese Aufgaben, weil ihre Kinder dieses Futter fordern und brauchen. Das ist ok. Lernen ist weiterhin erlaubt. Aber vielerorts sieht es eben ganz anders aus. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Oder der Tafelschwamm im Waschbecken.

Ich halte es für fatal, die reguläre Beschulung nun einfach so nach Hause zu verlagern.

Denn wer kann es in diesem Umfang wirklich leisten? Was ist mit Sprachbarrieren? Was ist mit Wissensbarrieren? Was ist mit Eltern, die weiterhin arbeiten müssen? Was ist mit kinderreichen Familien? Was ist mit Eltern, deren finanzielle Sorgen gerade übergroß werden? Was mit denen, die bereits jetzt vor den Trümmern ihrer beruflichen Existenz stehen? Was ist mit Eltern, die (psychisch) erkrankt sind? Was ist mit all denen? Das sind nicht nur ein paar. Viele stoßen an ihre Grenzen. Können ihre Kinder nicht im geforderten Maß begleiten. Der Lernstoff bleibt liegen. Oh, Bildungsungerechtigkeit, ick hör dir trapsen.

Und wenn man mich fragt – und wie sehr wünschte ich, man würde uns mehr fragen – dann ist jetzt nicht die Zeit, um sich von Lehrplänen und klausurbedingten Noten geißeln zu lassen. Abschlussjahrgänge klammere ich hier aus. Das sind besondere Umstände. Aber für alle anderen: Wir sind im Ausnahmezustand. Alle. Und dürfen, müssen Prioritäten setzen. Wir müssen flexibel sein. Und umdenken. Und mit dem Brustton der Überzeugung Dinge streichen. Ich bin überzeugt – Wir verbauen durch diesen zeitlich begrenzten Ausfall langfristig keine Bildungswege. Keine Karrieren. Aber wenn wir jetzt am regulären Stoff und Klausurmengen festhalten und die Vorbereitung in Elternhäuser schieben, die das nicht leisten können und sollten, dann vielleicht schon. Also Druck raus, Kreativität rein. Und ich würde jetzt gerne ‚Amen‘ sagen.

 

Na, aber ich hätte schon ein bisschen Zeit! Also her mit den Insidern! Her mit den Ideen! Her mit dem Kaffee!

Schritt 1 – gleich mal das erste Schlückchen Kaffee nehmen. Und dann wollen wir mal. Weil Vertiefung, Wiederholung und Beschäftigung mit schulischen Dingen sind ja trotzdem erlaubt. Und wenn man sich da die Sahneschnittchen raussucht, dann gibt es die Chance als Eltern im nennenswerten Besitz seines Nervenkostüms zu bleiben. Für die folgenden Ideen gilt: Da ich Grundschullehrerin bin, richten sie sich eher an jüngere Kinder. Die Impulse begleiten und stützen den schulischen Lernstoff, rennen ihm nicht voraus. Es ist eine Sammlung. Nimm dir, was du brauchst. Egal wie viel oder wenig.

So, jetzt gleich nochmal ein Schlückchen Kaffee.

Struktur und Vorbereitung

Ob nun mit einem Stundenplan oder einfach durch wiederkehrende Tagesabläufe. Struktur hilft jetzt allen. Und hier gleich der erste Tipp: Nutzt für Schularbeiten den Biorhythmus eures Kindes. Schulzeiten sind fix. Beginn 8.00 Uhr. Dein Kind hat aber um 10.00 Uhr seine Hochphase? Oder um 12.00 Uhr? Oder abends um 19.00 Uhr? Beachtet das ruhig, wenn ihr Tagespläne erstellt.

Achtet auf Übergänge. Auch ihr könnt nicht von 0 auf Arbeit in Sekunden. Unbewusst haben viele von uns Rituale, die Arbeitsphasen einläuten. Sich einen Kaffee machen. Oder nochmal Pipi. Oder sich die Hände eincremen. Oder sich an einen bestimmten Arbeitsplatz setzen.

Findet ein Ritual mit euren Kindern. Es erleichtert den Übergang.

Das kann eine kleine Sportübung sein. Das kann das Einrichten des Lernplatzes sein, indem man zum Beispiel Kakao und Knabberzeug bereitstellt. Das kann ein akustisches Signal sein. Zum Einleiten von Lernphasen kann man wunderbar die Löwenzahn-Musik laufen lassen. Und wenn man die Musik immer leiser dreht, bis sie schließlich nicht mehr zu hören ist, muss jeder startklar auf seinem Platz sein. Gerade jüngere Kinder sind noch sehr empfänglich für so spielerische Startsignale.

Wenn ihr ins Arbeiten gefunden habt, vereinbart verlässlich ein Pensum. „Was willst du heute schaffen?“ Ihr könnt euch zeitlich einteilen (z.B. 30 Minuten arbeiten unabhängig davon, wie viel geschafft wird) oder auch anhand der Aufgaben (z.b. zwei bestimmte Aufgaben fertigstellen unabhängig davon, wie lang es dauert). Es hilft einfach sehr, vorher zu vereinbaren, wann man fertig ist. Also die Phase nicht nur einzuleiten, sondern auch zu begrenzen. Und dabei zu bleiben. Selbst wenn man im Eifer denkt „Och, das ging ja fix und stressfrei, dann können wir ja doch noch mehr machen…“ Man kann mit den Kindern auch zu Beginn noch besprechen, was nach der Lernphase kommen soll. „Worauf freust du dich, wenn du die Schularbeit geschafft hast?“

Mathe

Da in Mathe die Automatisierung und somit die Wiederholung eine große Rolle spielt, kann nun die Zeit, sofern passend, wunderbar genutzt werden, um das ein oder andere wieder aufzufrischen. Besonders Kinder, die mit dem Schultempo oft hadern, haben jetzt Ruhe sicherer zu werden ohne dass sofort das nächste Thema an die Tür klopft.

Dafür kann ich im Besonderen die ANTON-App empfehlen. Aufgaben von Klasse 1 – 8, in kleinen Themenhäppchen überschaubar serviert und mit nettem Motivationsprinzip.

Wer es etwas informatischer mag, dem sei die Seite „Programmieren mit der Maus“ empfohlen. Ein toller Einstieg in das Prinzip von Programmiersprachen für Kinder ab Klasse 3.

Auf der Seite www.mathemonsterchen.de findet ihr jede Menge Bastelmaterial für nahezu allen grundschulrelevanten Themen der Mathematik.

 


Deutsch

Lesen geht immer. Schreiben auch.

Briefe sind gerade wieder schwer angesagt. Briefwechsel mit der besten Freundin. Eine Mail an die Klassenlehrkraft. Eine Kurznachricht an Oma.

Quatschgeschichten machen Spaß. Lustige Wörter überlegen, auf kleine Zettel schreiben, dann 5 Zettel ziehen (Mama und Papa gerne auch) und sich damit eine Geschichte ausdenken. Geht auch nur mündlich. Auch das fördert wichtige Kompetenzen.

Bücher lesen. Welch abgenutzt schnödlangweiliger Rat. Aber wie wär‘s mit ein paar kreativen Aufgaben dazu? Man kann zum Beispiel ein Werbeplakat zum Lieblingsbuch gestalten lassen. Und vielleicht sogar im Hausflur aufhängen als Tipp für andere Parteien im Haus.

Hörspiele und -bücher eigenen sich auch für das Fördern literarischer Kompetenzen.

An dieser Stelle empfehle ich euch (tatsächlich eher für ältere Kinder) „Die 13½  Leben des Käpt‘n Blaubär“. Eine fesselnde Geschichte zum Abtauchen. Dirk Bach liest fantastisch. Und das Beste. Sie geht viele, viele, wirklich sehr viele Stunden.

Viele Kinder beschäftigen beim Zuhören übrigens gern ihre Hände. Also einen Kritzelblock, Knete, einen Stressball, Murmeln etc. bereitlegen. Das hilft beim konzentrieren Zuhören.

Sachunterricht

Endlich Zeit für eigene Interessen. Oder das tägliche, sachunterrichtliche Leben. Den Garten oder Balkon bepflanzen. Und sich durch die Löwenzahn-Mediathek schauen und weiterforschen. Ein Wettertagebuch führen.

Kleine Projekte

Das eigene Traumzimmer aus Krimskrams-Resten in einen Schuhkarton bauen, mit Kresse, einer Schüssel und bemalten Steinen einen Feengarten pflanzen, ein Tagebuch für diese Zeit gestalten (was für ein historisches Dokument), aus einem alten Karton einen Fernseher bauen und sich selber ein Programm ausdenken, ein eigenes Kochbuch anlegen und Pinterest auf die Kurzwahltaste.

Freiraum

Und wenn mein Kind nicht möchte? Oder ich?

Die Krux unserer Leistungsgesellschaft ist, dass sie viel zu früh denkt, man würde im Spielen nichts mehr lernen.

Irgendwann hat man beschlossen, dass man ab einem bestimmten Alter besser aus Heften lernt. Dass man in klar getrennten Fächern denken muss. Und dass Kinder augenblicklich gedanklich verkümmern, wenn sie nicht in einem Klassenzimmer sitzen und fein säuberlich Arbeitsblatt nach Arbeitsblatt und Thema nach Thema beackern. Es gibt diese Kinder. Die das Futter brauchen. Aber es gibt auch ganz viele andere.

Und wir wissen – Gelernt wird immer. Wenn ihr zu den glücklichen Eltern gehört, deren Kinder sich durchaus zu beschäftigen wissen. Dann erstens bitte Tipps an mich, wie zur Hölle ihr das hinbekommen habt und zweitens –  Rührt nicht dran! Seiner eigenen Muße nachzugehen ist etwas Wunderbares. Und darf gerne auch mal wichtiger sein als der schulische Wochenplan.

Beziehung schützen

Prinzipiell gilt – macht euch die Lernzeit so schön wie möglich. Und seid milde. Gebt euch Zeit herauszufinden, wie ihr alle so halbwegs unter einen Hut passt. Wie viel ist überhaupt möglich? Wo sind die Grenzen? Und wenn ihr sie kennt, bleibt deutlich davor stehen. Nichts ist für Kinder in dieser Unsicherheit gerade wichtiger als die Beziehung zu euch. Lasst Lernfrust nicht daran rütteln. Und nichts ist für euch Eltern gerade wichtiger, als halbwegs stabil zu bleiben und klare Prioritäten zu setzen. Nehmt Kontakt mit euren Schulen auf, und sagt offen, dass ihr das Lernpensum nicht erfüllen könnt (oder wollt). Ich empfinde es als die Aufgabe von uns Bildungsmenschen, nach der Krise einen kompetenten Weg zu finden, die vergangenen Wochen vernünftig aufzuarbeiten.

Apropos nach der Krise…

Danach nutzen wir hoffentlich die jetzige Erkenntnis, dass wir es gerade viel leichter haben könnten, wäre unsere Bildungslandschaft digital anders aufgestellt, wären Schüler:innen eine größere Mitverantwortung für ihr Lernen gewöhnt, würden wir noch mehr auf Kompetenzen schauen, als immer nur dem Lehrplan hinterherrennen zu müssen und würde Selbstständigkeit kompetenter angebahnt und ehrlich gelernt, nicht nur verlangt.

Ich werde derzeit bombardiert mit Bitten um Interviews. Und meine liebste Interviewfrage war „Wie soll es den Lehrkräften gelingen, mit den möglichen unterschiedlichen Lernständen von Schüler:innen nach der Coronakrise umzugehen?“ Und jetzt höre ich jede Lehrkraft, die das hier liest, vermutlich mal kurz laut lachen.

Unterschiedliche Lernstände sind – Überraschung – unser täglich Brot. Die Vorstellung, dass 30 Kinder das gleiche wissen, nur weil sie eben in der gleichen Unterrichtsstunde gesessen haben, ist eine Utopie, an die man sich sogar noch heute bis in die Lehrer:innenausbildung klammert. In unseren Klassen sitzen 30 unterschiedliche Lebensumstände. 30 unterschiedliche Geschichten. 30 unterschiedliche Persönlichkeiten. Und 30 unterschiedliche Lernstände. Und wir können nur auf unsere Verantwortung schauen, diese jetzt nicht noch weiter auseinander driften zu lassen. Jetzt ist nicht die Zeit für Schularbeiten. Jetzt ist die Zeit für Miteinander. Für Kommunikation und Anrufe. Für Langeweile und Ideen. Für Zusammenwachsen. Fürs Kennenlernen. Für das Anerkennen von Grenzen. Für Selbstwirksamkeit. Und für sehr viel Kaffee und Kakao.

 

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Mareike Burghardt 23. März 2020 um 07:29 Uhr

    Danke! Einfach nur ein riesiges, großes, fettes DANKESCHÖN für diesen wundervollen, beruhigenden, dennoch motivierende Text! Das ist mir eine echte Hilfe!!!
    Die liebsten Grüße von Mareike

    Antworten
  3. Bettina 23. März 2020 um 09:02 Uhr

    Vielen lieben Dank für den schönen Text, die Tipps und vor allem die „gesunde“ Einstellung zu dem Thema!

    Antworten
  4. Kerstin Maier 23. März 2020 um 11:54 Uhr

    Hallo, ach ja, das trifft es.
    Und die Realität übertrifft es:
    Einen Grundschüler zu Hause haben, der nach den Sommerferien ins Gymnasium gehen darf, und fürchterlich unmotiviert ist, weil von der Grundschule nur ein handgeschriebenes Blatt mit Aufgabenbergen für 3 Wochen kamen und seither nix mehr kommt. Eine 6. Klässlerin, die sich via E-Mail und Lernplattform super selbst organisiert, aber doch immer wieder Erklärungen braucht und Dank super Disziplin schnell fertig ist und der Bruder kein bisschen versteht, warum er noch was tun soll. Plus einen Papa, der als Niederlassungsleiter vor Ort sein muss. Also nichts mit abwechseln in “Du betreust, ich mache Home-Office und dann tauschen wir”. Plus eine Mama, die nächste Woche einen neuen Job beginnt und dadurch auch nicht im Homeoffice sein kann, sondern täglich 6h weg ist. Großeltern, die zu den Risikogruppen gehören und als Betreuung ausfallen. Plus 2 Nachbarskinder, die 2 Tage die Woche dazukommen mangels eigener Betreuung und mit denen natürlich gespielt werden kann und somit nachmittags keiner mehr irgendwas für die Schule machen will??
    Wie soll das gehen??
    Ich sehe dunkelschwarz… dem kann kein Mensch gerecht werden.
    Ich schreibe jetzt erst mal an die Lehrerin der Grundschule, denn so kann das nicht bleiben.
    Es wird werden. Die Gesundheit zählt. Und jeder Tag ist ein kleiner Neustart. Mein Mantra derzeit…
    Liebe Grüße und gute Nerven für alle, Kerstin

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  5. Petra von FrauGenial 23. März 2020 um 12:38 Uhr

    Ich passe zur Zeit auf meinen Neffen auf, und hab wirklich gedacht, dass ich jetzt Ersatz Lehrerin spielen sollte. Den Gedanken habe ich abgetan. Stattdessen begeistert er sich schon selber. Beim Aufräumen fragt er dreimal nach, warum wir das so machen, wieso wir dieses Mittel zum Reinigen benutzen, wieso wir das so kochen und nicht anders…ein Ritual haben wir jetzt schon, wenn abends eine Freundin via Whatsapp ein Video uns schickt, wo sie Instrument spielt und am nächsten Morgen, der kleine über eine App auf meinem Handy gerne das gleiche Stück spielen möchte. Es ist schön anzusehen, wie aus Interessen, kleine Wissensfrage: wirkliches Interesse besteht. Und daran möchte ich ihn gar nicht hindern. Denn Lernen soll Spaß machen. Sei es aus einem Lehrbuch oder aus den alltäglichen Aufgaben ist ja egal.

    Antworten
  6. Katjakaba 23. März 2020 um 12:46 Uhr

    Bei uns ist es genauso, das Mädchen sehr organisiert und fleißig, der Junge (Klasse 6) hat wenig Lust. Mit sehr viel Geduld und „anfeuern„ klappt es dann 2 Stunden. Mehr ist nicht drin und das akzeptiere ich jetzt einfach. Wir machen immer 20 min dann kleine Pause und dann wieder 20 min. Ihm fehlt der Sport und seine Freunde so sehr.
    Habt ihr noch Tipps für unmotivierte Jungs? Danke.
    Viel Kraft an alle…

    Antworten
  7. Juuli 23. März 2020 um 14:02 Uhr

    Vielen vielen Dank! Ich bin gerade gerührt und dankbar und glücklich – alles auf einmal. Toller Artikel!

    Antworten
  8. Anna 23. März 2020 um 16:20 Uhr

    Hallo und danke für deinen Artikel. Ich bin selber Lehrerin (an einem Gymnasium) und musste laut lachen, über die Zeile mit den 30 Kindern, die an unterschiedlichen Lernständen stehen. Ja das ist unser Alltag bei uns läuft das für die Schüler*innen strukturiert und entspannt. Wir sind in den regulären Unterrichtszeiten per Webinar oder Live-Chat zugeschaltet und besprechen mit den Schülern das (z.B. per Padlet) zugeschaltete Material. Dabei versuchen wir hauptsächlich die Eltern zu entlasten, indem wir den Alltag ihrer Kinder (sofern sie über digitale Möglichkeiten verfügen) zu strukturieren. So kommt (hoffentlich) weniger Langeweile und Streit auf. Uns ist vollkommen klar, dass wir die Ergebnisse nicht bewerten oder abprüfen dürfen (Was an mancher Stelle echt schade ist, denn es sind z. T. echt tolle Ergebnisse). Das ist aber auch nicht schlimm, wir vertiefen und üben einfach und versuchen so ein Stück „Normalität“ in diesen Zeiten herzustellen.

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  9. Katja 23. März 2020 um 19:08 Uhr

    Hallo,
    Tips für unmotivierte Jungs, die Bewegung brauchen (und alle Mädels dazu): YouTube Sport Clips von Alba Berlin, Fitness Apps (FitKids etc), Instagram Clips von TG Bornheim. Mein Sohn fährt derzeit voll darauf ab, weil ihm offensichtlich die Bewegung fehlt… Ansonsten bin ich heilfroh, dass ich vor kurzem (versehentlich, da ich das Ablaufen der Testphase übersehen hatte) Sofatutor abonniert habe. Hilft, den Stoff zu vertiefen und gibt mir immer wieder Auszeit für das Homeoffice. Was habt ihr für Tips?

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  10. Wiebke 23. März 2020 um 23:30 Uhr

    Vielen Dank für den interessanten Artikel!

    Für den Moment mag es zu spät sein, aber ich finde: bei der nächsten Pandemie kann man den öffentlich-rechtlichen Sendern zur Entlastung von Eltern und Lehrern durchaus vorschlagen, dieses Format aus den GEZ-Gebühren zu generieren -> https://www.radio.cz/de/rubrik/tagesecho/fernseh-schule-statt-corona-ferien

    Antworten
  11. Claudia 24. März 2020 um 07:59 Uhr

    Das hast du wunderbar geschrieben und ich hoffe, dass ganz viele sich einen Kaffee machen und das hier lesen.
    Und auf deine Frage, wie man es schafft, dass die Kids sich selbst beschäftigen kann ich nur sagen, dass man dem ganzen nicht so viel Bedeutung geben darf und einfach mal ein bisschen aushalten muss. Wenn sie sich lange genug gelangweilt haben- und das darf man schließlich auch mal -, dann erwacht die Kreativität und dann wachsen sie da rein.
    Da wir jahrelang an allen Wochenenden und in den Ferien an unserer alten Reetdachkate gebaut haben mussten unsere Kids sich selber bespaßen. Immer in unserer Nähe, aber eben für sich. Und das können sie echt gut.
    So haltet alle die Ohren steif
    Claudia

    Antworten
  12. Annabelle 24. März 2020 um 09:40 Uhr

    Danke!! Das war eine schöne Erinnerung an meine Werte als Lehrerin und Mutter! Jetzt starte ich entspannt in unseren nächsten Tag 🙂

    Antworten
  13. Nicole 24. März 2020 um 10:09 Uhr

    Liebe Saskia,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel!
    Ich übe gerade selbst den Spagat zwischen home teaching meiner Gymnasiasten und Betreuung meines Sohnes ohne Tagesmutter, Großeltern oder Spielkameraden.

    Darf ich deinen Artikel teilen? Wir als Schule versuchen ebenfalls so gut wie möglich mit der Situation umzugehen. Aber auch da gibt es so große Unterschiede. In den Elternhäusern, unter den Kolleg*innen, zwischen Geschwistern… Alle versuchen irgendwie ihr bestes zu geben, und ich würde deine Impulse so gerne teilen. Mit den Eltern, die mir besorgt schreiben, weil der Sohn erst vor wenigen Tagen das Passwort zur Lernplattform erhalten hat. Mit den Kolleg*innen, die nicht wissen, wie sie die neue Lektion im Fremdsprachenunterricht zuhause erarbeiten lassen sollen (am besten gar nicht). Mit der Schulleitung, die alle paar Tage neues Mails mit den aktuellen Vorgaben des Ministeriums verschickt, versucht, das Abitur irgendwie zu gewährleisten und alle beruhigen muss, obwohl es für sie auch alles neu ist. Mit befreundeten Eltern, die gefühlt allein vor dieser neuen Herausforderung stehen.
    Ich weiß, dass der Artikel im Abo-Bereich veröffentlicht wurde und somit paycontent ist.
    Aber liebe Saskia, liebe Steffi und liebes Team, diese Botschaft würde ich wirklich sehr gerne mit meiner Welt teilen.

    Danke, dass ihr in dieser Ausnahmesituation weiterhin das macht, was man jetzt am meisten braucht: Positive Gedanken und Gelassenheit teilen.

    Danke und bleibt gesund!

    Antworten
  14. Lena 24. März 2020 um 22:41 Uhr

    Ein toller Text, mit sehr viel Herz und pädagogischem Feingefühl! Macht auch für die weiterführenden Schulen Sinn!

    Antworten
  15. Nicole 25. März 2020 um 11:16 Uhr

    … gerade festgestellt, dass der Artikel ja im offenen Teil zu finden ist und fleißig geteilt.

    Sorry, der Kopf ist auch im Ausnahmezustand.

    Antworten
  16. Eugenia 26. März 2020 um 10:01 Uhr

    Was für ein toller Artikel. Super, vielen Dank.

    Antworten
  17. susanne 27. März 2020 um 12:27 Uhr

    BITTE BITTE druckt diesen Artikel GAAAANZ GROSS in einer überregionalen ZEITUNG ab!
    Diese mutmachenden und zurechtrückenden Worte sollte jede Mutter, jeder Vater, jede Lehrkraft und auch jeder Chef lesen.
    Vielen lieben Dank dafür!

    Antworten
  18. Heike 29. März 2020 um 09:06 Uhr

    Ich habe mich sehr über diesen Artikel gefreut, wenn gleich ich einen 7. Klässler am Gymnasium habe, der sich so schlecht strukturieren kann und sowas von hinterher hängt. In der ersten Woche kamen also die Aufgaben, eigentlich über mebis, aber das hat bekanntlich nicht funktioniert bei uns in Bayern, dann also über Mail. Ich arbeite in der Klinik, war jeden Tag angeschlagener und hatte am Abend keine Kraft mehr für Schule, kümmern, …Mein Mann musste seinen kleinen Radladen schließen und existenzielle Ängste kamen dazu. In dieser Situation musste nun ein 13jähriger alleine zurecht kommen. Keine Geschwister, keine Freunde, keine Großeltern, nur verstörte Eltern, die ja selber überfordert waren. Seitdem versuche ich Frieden mit dieser Situation zu schließen und stelle fest, es gelingt mir nicht gut. Ich scheitere und fühle mich so schlecht. Ich fühle mich so unter Druck gesetzt und gerade in diesen Zeiten fühlt sich das noch schlimmer an. Soviele Eltern sind zuhause und können tatsächlich helfen. Wir nicht. Ich merke wie ich zwischen Wut und Hilflosigkeit schwanke. Mein Sohn arbeitet noch immer am Wochenplan von vorletzter Woche. Die Nebenfächer hat er noch nicht mal angeschaut. Traurig für mich, dass ich oft schimpfe, weil er zu langsam ist, weil es ihm so schwer fällt alleine zu arbeiten ,weil… Anstatt sich in den Arm zu nehmen und zu sagen: Egal, davon geht die Welt nicht unter, bin ich dann oft auch noch entnervt und sage gemeine Sätze wie: Andere kriegen das doch auch hin! Grund: Dieser Druck, dieses Gefühl mithalten zu müssen um jeden Preis. Dabei weiß doch gerade ICH, die an der Klinik in einem Leukämie Labor arbeitet, dass genau diese Dinge nicht wichtig sind. Jetzt nicht und überhaupt nie und trotzdem scheitere ich. Ich kann nur versuchen besser zu werden. Jeden Tag ein bischen. Der Artikel hat mir sehr gut getan. Danke!

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  19. Ilona 29. März 2020 um 21:04 Uhr

    Danke für diesen tollen Text, der mich so sehr bestärkt.

    Antworten

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