Ach, guck an...

Drei Frauen, deren Stil ich sensationell finde. Und von denen ihr mindestens eine garantiert noch nicht kennt!


Stella von Senger – stilvoll trinken.

Sie hatte Alkohol dabei. Auf dem Spielplatz. Oder war es im Auto vor der Kita? Sie versteckte es im Coffee to go-Becher. Da war es um mich geschehen: ich war verliebt in Stella von Senger.

Was sie da zusammen mit dem Vater ihres Kindes tat, war für mich eine sensationelle Demonstration der Liebe fürs eigene Leben. Ich bin mir zu einhundert Prozent sicher, dass sie auch eine fantastische Mutter ist. Aber darum ging es nicht, als sie den To-Go-Becher in die Handykamera für Instagram hielt, sondern einfach um ein kräftiges Prost auf uns alle und einen Mittelfinger zum „Als Eltern muss man so und so sein.“ Einen Scheiß müssen wir.

Die meisten von uns overperformen und underrelaxen eh. Dafür muss man keinen Helikopter fliegen, um das zu wissen. Das können ab und an ein paar Stinkefinger Richtung Perfektion nicht schaden, sondern nur gut tun. Natürlich halte ich nichts davon, betrunken Kinder zu betreuen, hat die 26-Jährige Make-Up-Artistin aus Berlin auch nicht gemacht. Ich glaub, es war ein Schluck Campari O oder irgendwie so etwas. Es ging einfach nur um ein paar Sekunden altes Leben, eine Mini-Revolution. Damit macht das neue Leben einfach noch mehr Spaß.

Ihren Eltern-Stil mag ich also sehr, ihren Outfit-Stil ebenso. I mean – sie hat eine Take-Out-Food-Box als Halskettenanhänger für Juuls Juuls designt (leider schon ausverkauft) – wie kann man sich da nicht verlieben? Weiter hat sie diese „I don’t give a damn“-Attitüde und kombiniert modisch das wildeste Zeug zu ihren wunderschönen roten Haaren, siehe Bild oben, was ich bewundere und fleißig übe.

Und dann passierte es.

In Berlin beim Closed-Event taucht sie plötzlich auf und kommt auf mich zu. Ich denke noch, ach, die kennt meine Sitznachbarin, wurde aber trotzdem nervös. Und dann spricht sie mich an: „Bist du nicht die Tochter meiner Cousine deren Patentante, die von Louis…“ Ich hatte keine Ahnung was sie genau sagte, meine Antwort war: „Nee, leider nicht.“ Sie guckte mich genauer an. „Ach, du bist doch diese Ohm!“ Wenn du das sagst! Wir haben uns dann noch kurz unterhalten, wie man das so macht auf viel zu lauten Events. Ich glaub, ich schwärmte von ihren Haaren und sie sagte, die seien gefärbt und irgendwas sei nervig daran. Aber dann zuckte sie einfach mit den Schultern, lachte und verabschiedete sich. Und die Herzchen in meinen Augen wurden immer größer.

 

Catrin Wißmann – stilvoll (günstig) shoppen.

Fast drei Jahre waren wir Kolleginnen bei der Zeitschrift Stern im Ressort Stil. Fast drei Jahre wurde der Inhalt meines Kleiderschranks immer schöner. Käthe, so Cathrins Spitzname, lief morgens im Büro auf, sah unbemüht sensationell aus, meine Kinnlade klappte nach unten und irgendwann erbarmte sie sich mir zu verraten, von wem sie das fantastische Outfit hatte. Sie führte mich ein in die härtesten Schlachten, die Mode-Journalistinnen führen: den Press-Sale. Wenn Unternehmen Freunde des Hauses ihre Kollektionen zu Sonderpreisen verkaufen. Black Friday ist dagegen ein braves Mäuschen. Press-Sales sind für Löwinnen und Käthe wusste, wie man sich das Beste griff, während alle anderen sich gerade im Kampf um eine Jeans ineinander festbissen.

Käthe wusste aber auch, wo man gucken muss, ganz unabhängig von (Press-) Sales. Gott sei Dank, weil Press-Sales gibt es heute leider nicht mehr. Heute bekommen ja alles die Influencer geschenkt. Bleibt nichts mehr für die armen Journalistinnen. Deshalb bashen die auch regelmäßig Influencer in Interviews und Artikeln, ist ja klar. Hätten wir das auch mal geklärt. Ich mach nur Spaß! Wobei…

Bald liefen wir gemeinsam in den neuesten Trendteilen in die Kantine und ernteten die seltsamsten Blicke. Warum uns der Schritt der Hose in den Kniekehlen hing? Kaum einer verstand’s, es war mir so egal. Wir hatten großen Spaß in unseren Outfits. Irgendwann wurde Käthe schwanger, irgendwann ging ich zu einer anderen Zeitschrift, irgendwann wurde Instagram erfunden und endlich konnte ich wieder sehen, was Käthe trägt. Und jedes Mal, wenn ich das sehe, möchte ich ihr SOFORT eine Nachricht schreiben, woher denn das Outfit bitte schon wieder ist oder sie einfach nur für ihre simplen Kombinationen feiern – rote Adiletten zu diesem Rot-Weißen-Kleid, das dieses Jahr so viele anhatten, aber niemand so cool wie Käthe? You are my fashion hero! Please keep posting!

 

Claire Beermann – stilvoll alles umdrehen.

Sie macht mich immer wieder sprachlos. Das Bild von ihr da oben ist für mich Perfektion. Ich weiß auch nicht – ich liebe einfach alles daran. Was sie trägt, wie sie es trägt, das ist Stil für mich.

Claire Beermann ist Redakteurin beim Zeit Magazin und betreibt den Blog C’est Clairette, den man sehr gut lesen kann. Was man bei der Masse an (Mode-) Blogs heutzutage ja besser dazuschreibt. Tschuldigung, aber ist doch so. Zum Beispiel die Geschichte über den Auszug ihrer Eltern aus dem Haus ihrer Kindheit hat Claire sehr hübsch aufgeschrieben. Wie gesagt, sie macht mich immer wieder sprachlos. Mit Anfang 20 hat Claire Beermann nicht nur ein Riesentalent für Stil, sondern auch fürs Schreiben und eben nicht nur einen Trend vor sich zu sehen, sondern ihn gesellschaftlich relevant oder einfach auch nur mit einer Riesenportion Humor sehr schlau einzuordnen. Das hat auch die amerikanische Website Man Repeller von der von mir sehr verehrten Leandra Medine Cohen erkannt. Für die schreibt und zeigt sich Beermann regelmäßig. Mit Knaller-Geschichten.

Sie scheint Handbremsen zu hassen, Vollgas ist ihr Motto und es macht so Spaß, ihr dabei zuzuschauen.

Angefangen hat ihre Karriere über Jessica Weiß (Journelles) bei Les Mads damals. Jessie gab ihr ihren ersten Job. Und ich bin mir sicher: es werden noch ganz viele aufregende folgen. Diese Frau ist einfach etwas ganz Besonderes.

 

 

Text – Stefanie Luxat

Aufmacher-Bild von Stella von Senger – Schohaja für Vestiaire Collective

20 Comments

  1. Antworten Heike 13. September 2017 um 07:53 Uhr

    Wow! Was für Frauen! Ich sitze gerade in meiner schon etwas in die Jahre gekommenen Pyama Hose und einem Pulli, den ich irgenwo auf die Schnelle gefunden habe, weil viel zu kalt morgens kurz nach 7Uhr und noch Korsika verwöhnt da und guck mir diese fantastischen Frauen an!
    Das macht richtig gute Laune und Lust mich auf die Herbstmode einzulassen!
    Vielen Dank für den Morgen Kick!
    Herzlichst,
    Heike

    • Antworten Natalie 13. September 2017 um 08:39 Uhr

      Ja, aber so ein alter Pulli kann auch ganz toll sein!!!

    • Antworten Steffi 13. September 2017 um 08:48 Uhr

      @Heike: Guten Morgen!! Wie wunderbar, dann sind wir ja quasi im Partnerlook, so sitz ich hier auch! Herrlich gemütlich! Und später, wenn, ich das Haus verlasse, mach ich’s wie du und lass mich von den drei Frauen inspirieren! Herzlichste Grüße & schön, dass du aus dem Urlaub zurück bis!! Herzlich, Steffi

  2. Antworten Madhavi 13. September 2017 um 08:12 Uhr

    Ich liebe Claire! Sie ist einfach großartig!

    • Antworten Steffi 13. September 2017 um 08:49 Uhr

      @Madhavi: Aber hallo! Und nächstes Mal schaffen wir es ja vielleicht auch endlich mal miteinander zu sprechen auf so einem Event in Berlin! 🙂 Herzlich, Steffi

    • Antworten Claudia 13. September 2017 um 19:14 Uhr

      Ich hab gerade mal deine Instagrambilder durchgeblickt, meine Güte, sehen deine kurzen Haare gut aus! Ich glaube, bei meinem nächsten Friseurbesuch zeig ich meiner Friseurin ein paar Fotos von dir.
      Das musste ich jetzt mal unter einem Post zum Thema Stil schreiben 😉

  3. Antworten Vanessa 13. September 2017 um 13:15 Uhr

    Was ich mich ja schon länger frage – WAS BITTE ist das für ein Spielplatz, auf dem du ständig so tolle Mütter triffst? Ich kann mich an andere Artikel erinnern, da stand auch “auf dem Spielplatz getroffen”. Ich möchte auch so einen Spielplatz.

    • Antworten Steffi 14. September 2017 um 10:01 Uhr

      @Vanessa: Liebe Vanessa, wen hab ich denn aufm Spielplatz cooles getroffen? Ich überleg schon die ganze Zeit, haha! Aber weißte, was hamburgerdeernblog.de gestern bei Instagram geschrieben hat als Kommentar zu meinem Beitrag – “Im ehemaligen Klohaus am Goldbekspielplatz verkaufen sie Prosecco und Weißweinschorle in To-Go-Bechern!” Da müssen wir alle zusammen hin!! Herzlich, Steffi

  4. Antworten Johanna 13. September 2017 um 13:18 Uhr

    Super Artikel und scheinbar tolle Frauen!

  5. Antworten Pia 13. September 2017 um 14:26 Uhr

    Wenn es Dich nicht gäbe… Dankeschön für diese nette Abwechslung, die mir gerade die verspätete Mittagspause rettet. Nachdem ich mich in der letzten halben Stunde (und wie so oft) über unkoordinierte, alles besserwissende Kollegen und unsere unstrukturierte Abteilung aufgeregt habe, entspanne ich mich gerade beim Lesen und Durchschmökern und hole mir mit ganz viel Ohhhmhhh meine Gelassenheit zurück. Magst Du nicht mal was darüber schreiben, wann es Zeit ist, zu gehen – auch und trotz vieler Vorteile, die ein großer Konzern bietet? Oder eine Serie mit Frauen, die irgendwann einfach mal den Schlussstrich gezogen und was anderes begonnen haben? Auch gerne über Menschen, bei denen es nicht so gut funktioniert hat oder die den Schritt auch bereuen. In Zeitschriften liest man ja leider immer nur von den positiven Beispielen. Stürmische Grüße von Pia

    • Antworten Elena Burgwedel 13. September 2017 um 21:06 Uhr

      Pia, großartige Anregungen! So eine Serie oder solche Artikel über solche Frauen würde mich auch sehr interessieren!

    • Antworten Steffi 14. September 2017 um 09:56 Uhr

      @Pia: Liebste Pia, puh, wie ich die Zeiten kenne, die du gerade durchmachst! Was ich mir damals in genau so einem Job, den ich hatte und verlies, gewünscht hätte: einen super Coach an meiner Seite. Und weißte, wer dein Thema da so meeeega gut kann? Laura Ritthaler. Die Psychologin bei der ich das Emotional Detox-Wochenende gemacht habe. Die könnte mit dir zusammen gucken, ob ein paar Tricks helfen, dass dich da niemand mehr aus der Ruhe bringt und du den Spaß an dem Job zurückgewinnst. Oder hilft dir einen Weg da raus zu finden und eine Idee, wie es weitergeht danach, ohne den Schritt zu bereuen. Sie ist dann nur für dich und deine exakte Aufgabenstellung da und, um dir zu helfen. Das fühlt sich so mega an! Aber jetzt hör ich auf zu schwärmen und du schaust einfach, ob das was für dich ist. Ich werde übrigens nicht an Lauras Umsätzen/Buchungen beteiligt, was ich hier mal kurz lieber erwähne, weil ich so schwärme. Ich kenne deine Situation nur so gut und ich kenne Laura und ich glaub ihr wärt ein Perfect Match. Sie ist super ausgebucht, aber vielleicht kommt ihr ja zusammen! Und ganz unabhängig davon denke ich über deine Story-Idee nach, die ist der Hit! Liebste Grüße und ganz viel Gelassenheit heute, deine Steffi

  6. Antworten Anna 13. September 2017 um 14:46 Uhr

    Ich liiiiiiebe Deine Modebeiträge auf deinem Blog total! Cathrin kannte ich wirklich noch nicht. Sie hat einen Hammer-Stil. Erwachsen und cool. Mag ich. Sehr. Und dann Deine lustigen eingebauten Stories:”Black Friday ist ein braves Mäuschen gegen die Press Days”. Ich hab so gelacht. Bitte gerne weiter Style-Inspo.

    • Antworten Steffi 14. September 2017 um 09:47 Uhr

      @Anna: Liebe Anna, das freut mich sehr! Gleich Montag kommt eine große Style-Story mit sehr, sehr lustigen Bildern von mir. Zumindest haben wir laut gelacht beim Shooting. Ich hoffe, du tust es dann auch! Jetzt schick ich erstmal schnell Käthe deinen Kommentar, das wird sie freuen! Herzlichste Grüße, Steffi

  7. Antworten Julia 13. September 2017 um 22:42 Uhr

    Zauberhaft! Ich bin nicht nur von den Outfits beeindruckt, sondern auch vom Trick mit dem versteckten Alkohol. Das dritte (!) Wort, das unser Sohn konnte und lauthals in großer Runde kundtat, war BIER. Da hätte ich mich gerne im Coffee to Go Becher versteckt …

  8. Antworten Ines 15. September 2017 um 09:23 Uhr

    Claire….. so toll! Fan seit das junge Ding ;-)) schreibt. Erfrischend, anders und trifft den Nagel auf den Kopf … und sie schafft es auch immer wieder zu überraschen. Du bist so wunderbar, Clairette!

  9. Antworten Tatiana 15. September 2017 um 13:13 Uhr

    Richtig inspirierende Frauen… tut in der Flut an Beliebigkeit richtig gut, auch mal wirklich Individualität zu sehen! Danke für den schönen Text dazu!
    Tatiana

  10. Antworten Pia 22. September 2017 um 15:44 Uhr

    Liebe Steffi, gerade habe ich erst Deine Antwort gesehen! Danke dafür und auch für den Tipp mit Laura, das könnte wirklich etwas für mich sein. Oft ist ja auch so, dass man sich sehr ohnmächtig fühlt – und um das nicht mehr zu haben, bastele ich gerade hingebungsvoll schon mal an meinen Bewerbungsunterlagen. Damit ich wenigstens bei der nächsten Job-Anzeige, die mich anspricht, gewappnet bin 🙂 Liebe Grüße, Pia

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