Wonach ist dir heute?

1. Die Politik-Newcomerin: Aminata Touré, Jahrgang 1992

Politik betrifft zwar alle Menschen, doch die, die sie machen, sind meist männlich, älter und weiß. Nicht nur in Amerika rütteln Frauen wie die 30-jährige Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez gerade heftig an diesem System, wie wir in der Netflix-Doku „Knock Down the House“ gesehen haben. Auch in Deutschland tut sich etwas.

Eine, die deutsche Politik anders machen möchte, ist Aminata Touré. Sie ist für die Partei Bündnis 90/Die Grünen nicht nur die erste afrodeutsche Parlamentarierin in Schleswig-Holstein, eine von sieben in ganz Deutschland, sondern auch die jüngste Vizepräsidentin, die der deutsche Landtag je hatte. Die Politik der 26-Jährigen wird als nahbar, direkt und persönlich beschrieben. Aminata spricht Missstände direkt an – auch mit persönlichen Erfahrungen. In einer Landtags-Rede über Rassismus erzählte sie davon, dass sie eine Wohnung nicht bekam, weil der Vermieter schwarze Personen in seinem Haus ablehnte.

„Ich habe keine Lust in mitleidige Gesichter zu gucken, denn die verändern nichts. Es sind politische Maßnahmen, die etwas bewegen“, sagt die Tochter malischer Flüchtlinge, die in Schleswig-Holstein geboren wurde und aufwuchs.

Statt den Status quo so hin zu nehmen wie er ist, kämpft Aminata für Themen wie Migration, Antirassismus, Frauen und Gleichstellung, Kinder und Jugend sowie für Queerpolitik – und zwar da, wo sie Veränderungen mitgestalten kann. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass jeder in der Gesellschaft etwas bewegen kann – es hilft schon, bei sich und seinem Umfeld anzufangen.

 
 
 
 
 
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2. Die Polarisierende: Margarete Stokowski, Jahrgang 1986

Im Juni 2019 widmete das SZ-Magazin der Autorin („Die letzten Tage des Patriarchats“) und Kolumnistin Margarete Stokowski eine Titelgeschichte auf siebeneinhalb Seiten, die – na, sieh’ mal einer an – von einem männlichen Kollegen geschrieben wurde. Margaretes Antwort darauf: „Puh, heute im SZ Magazin großes Porträt von Tobias Haberl über mich, man erfährt wenig über Feminismus, aber viel darüber, dass ich zwar irgendwie schreiben kann, aber auch ein abgehobener Roboter bin, der nicht so gern diskutiert.”

Sie ist es gewohnt, dass ihre Aussagen als unbequem empfunden werden – vor allem von Männern. Aber auch mit Alice Schwarzer, immerhin die Pionierin der deutschen Frauenbewegung, geriet sie in einem Interview aneinander. Ihr Vorwurf: Schwarzer sei rassistisch. Denn Margarete Stokowski fordert konsequent eine gerechte Gesellschaft. Mit ihrer lauten, scharfen, oft aber auch herrlich selbst ironischen Schreibe regt sie generationsübergreifend zu Diskussionen an, die lange nur hinter vorgehaltener Hand stattfanden.

Auf Instagram wird sie dafür von ihren über 50 Tsd. Abonnenten als Feminismus-Idol gefeiert. Auch wenn man nicht mit jeder Meinung übereinstimmt, regt die gebürtige Polin zum Nachdenken an. An ihr kommt keiner vorbei: Dieses Jahr gewinnt sie den Kurt-Tucholsky-Preis und den Luise-Büchner-Preis für Publizistik.

 
 
 
 
 
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3. Die Feminismus-Komikerin: Sophie Passmann, Jahrgang 1994

Was diese Frau schreibt, bewegt: 1.000 Zuschauer waren es, als Sophie Passmann vergangenen Sonntag im Hamburger Schauspielhaus aus ihrem Buch („Alte Weiße Männer – Ein Schlichtungsversuch) vorlas.

„Die Medienbranche belohnt gerade auf einem sehr schmalen Tanzbereich junge, laute Frauen. Das geht natürlich niemals so weit, dass sie wirklich Machtpositionen bekommen. Zum Teil findet man gut, was wir machen – zum anderen meinen die Medien aber auch, dass ihnen das jetzt gut steht“, so die Autorin, Radio-Moderatorin und Komikerin im BOOM-Podcast unseres November-Abos.

Die 25-Jährige weiß die Aufmerksamkeit zu nutzen, denn es ist für beide eine Win-Win-Situation. Die Medien erhalten eine Verjüngungskur, während Feministinnen eine Plattform für ihre Inhalte bekommen. Ein unausgesprochenes Tauschgeschäft, dem sich Sophie Passmann bewusst ist – und im nächsten Atemzug gleich formuliert, dass sie mehr will.

Denn was wäre, wenn es eine dieser Frauen nicht nur zur Kolumnistin schaffen, sondern gar in eine Führungsposition aufsteigen würde? Wir hören das Publikum schon euphorisch applaudieren, genau wie bei Passmanns Lesung im Hamburger Schauspielhaus. Und wer da nicht mitmacht, ist wahrscheinlich ein alter weißer Mann. 

 
 
 
 
 
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„Ihre zuverlässige Finanzberaterin im Raum Köln-Sülz“ (außerdem: guter-Augenbrauen-Tag)

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4. Die Gründerin: Pia Frey, Jahrgang 1988

Wird Trump wieder als Präsident gewählt – und ist das sein letztes Wahljahr? Wie lange hält das Rekordhoch des DAX? Wer wird nach dem Kovač-Aus der neue Trainer vom FC Bayern? Diese Fragen beantwortet das Meinungstool Opinary.

Der Boss des 60-köpfigen Teams ist Pia Frey, die mit 30 Jahren Co-Gründerin des Berliner Tech-Start-up ist. Als junge Frau in der Tech-Branche gilt die Journalistin immer noch als Ausnahme. So belegt eine aktuelle Studie des Beratungskonzerns BCG, dass nur vier Prozent der Startups in Deutschland allein von Frauen gegründet werden. Auch der Anteil der gemischtgeschlechtlichen Gründungsteams liegt bei gerade mal zehn Prozent.

Der Grund? Unter anderem das Geld! Denn die Studie belegt auch, dass Women-only-Startups eine um rund 20 Prozent geringere Aussicht auf Venture-Capital als von Männern oder gemischten Teams gegründete Firmen haben.

Diese Balance zwischen Unabhängigkeit auf der einen Seite und Verpflichtungen gegenüber Investoren auf der anderen Seite sei für sie als Gründerin immer wieder eine Herausforderung, bestätigt Pia. Doch sie beweist, dass sich immer mehr Frauen in männerdominierten Branchen behaupten können. Sie müssen sich nur trauen. „Ich stimme zu, dass wir definitiv auf eine Zukunft ansteuern, in der Frauen mindestens genauso viel Gestaltungsraum haben wie Männer.” So Pia.

Nebenbei stellt Pia als Host im OMR Media Podcast führenden Köpfen aus der Verlags-Branche die richtigen Fragen und erklärt z.B. welche Trends es im digitalen Journalismus gibt und ob Print wirklich tot ist. Was Pia durch den Podcast gelernt hat? Auch über Fragen kann man eine Haltung einnehmen und sich positionieren. Also lohnt es sich in Zukunft noch mal genauer nachzufragen. Ganz egal, wer einem gegenübersitzt.

 
 
 
 
 
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5. Die Ehrliche: Ronja von Rönne, Jahrgang 1992

Ronja von Rönne ist vielen als Buchautorin („Heute ist leider schlecht – Beschwerden ans Leben“), Kolumnistin für verschiedene Zeitungen, sowie als Bloggerin von „Sudelheft“ bekannt, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Eher zerfetzt sie es.

Als sie 2015 für den Meinungsbeitrag „Warum mich der Feminismus anekelt“ mit einem Journalistenpreis auszeichnet werden soll, lehnte Ronja von Rönne ab. Der Text sei aus dem Kontext genommen worden und sie müsse sich selbst treu zu bleiben, erklärte sie damals der baffen Jury. Ob auf ihrem Wohnzimmerregal ein Preis steht oder nicht, ist ziemlich egal: Aufgrund ihrer besonderen Sprache bleibt Ronja von Rönne ein Ausnahmetalent, das niemand nur auf das hübsche Äußere reduzieren sollte. „Nie Ideologie, meistens Haltung. I like tabasco“ schreibt sie in ihrer Bio auf Instagram. Anfang des Jahres gab die 27-Jährige auf der Plattform noch eine andere Seite von sich preis. Ronja leidet unter Depressionen und ließ ihre Follower auch an diesem Kapitel ihres Lebens teilhaben.

„Mutig“ sei die Veröffentlichung nach Ronjas Auffassung jedoch nicht gewesen, stattdessen möchte sie online mit Tabuthemen brechen und neben „Fitnesstipps und Pandamemes“ eine andere Art der Identifikation in den Sozialen Medien bieten. In ihren Stories gibt es die Rubrik „Angst“, in der sie ihre Spinnenphobie thematisiert und unter „My dark past“ veröffentlicht sie Fotos einer jugendlichen Emo-Phase, die anderen Promis vermutlich viel zu peinlich wären.

Sich seiner Vergangenheit und seinen Ängsten zu stellen und diese mit anderen zu teilen, ist unserer Meinung nach ziemlich mutig. Vor allem, weil Ronja von Rönne voranschreitet und anderen Betroffenen in einer perfekt scheinenden Welt das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein.

 
 
 
 
 
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