Die neue Serie:

Das Tolle am Mama sein, das Toughe und was gut tut. Heute mit Bellapelle-Besitzerin und Dreifachmama Katja Radtke. Sie erzählt über den Versuch, nicht mehr alles schaffen zu müssen.

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Das Tolle am Mama sein….

… ist für mich immer wieder, dass mich meine drei Kinder Nick (6), Hanna & Tom (2) daran erinnern, dass es Wichtigeres gibt, als beruflichen Stress, Tage, an denen man gehetzt und angespannt durch die Gegend läuft oder sich unglaublich über Dinge ärgert, die man schon eine Woche später gar nicht mehr wichtig nimmt. In den Stunden, die wir gemeinsam verbringen, habe ich mit der Zeit gelernt, mich zu entschleunigen, das Telefon mal klingeln zu lassen und mich beim Vorlesen oder Spielen ganz auf sie zu konzentrieren.

Ich wusste schon als ich klein war, dass ich mal viele Kinder haben möchte. Allerdings habe ich mich in der Zukunft immer eher als Hausfrau gesehen.

Meine Kinder bringen mich immer wieder zum Lachen, wenn sie das dritte Mal hintereinander Ihren Babybel-Käse ein- und auspacken und mit ihren Windelpopos durch die Wohnung wackeln und dabei einen Mix aus allen Kinderliedern dieser Welt singen. Letzte Woche hat mir mein Sohn gesagt, dass ich mich nicht jeden Tag schminken soll, da ich ja ohne viel besser aussehen würde und mit Schminke nach Waldmeisterpopel rieche. Sie lieben einen einfach so wie man ist. Es ist unglaublich schön zu wissen, dass man sie immer an seiner Seite haben wird und mir wird mit ihnen nie langweilig. Außerdem kenne ich niemanden, der sich so über mein Erscheinen freut wie meine Kinder, wenn ich sie vom Kindergarten abhole.

Wenn ich sie nicht hätte, würde ich mich wahrscheinlich dumm und dusselig arbeiten, aber so habe ich die Zeit gefunden, mich selbst zurück zu nehmen und mit ihnen, besonders nachmittags nach dem Kindergarten, einfach mal für uns da zu sein.

Letztens waren alle drei Kinder nacheinander krank. Eine Woche lang lag immer ein Kind auf meinem Bauch – und was soll ich sagen…das war irgendwie unglaublich schön. Ich habe (fast) alle Termine abgesagt und lag mit jedem einzelnen kuschelnd im Bett. Wenn man drei Kinder hat – und gerade auch Zwillinge – ist es unglaublich schwierig, es allen gleichzeitig recht zu machen und vor allem alle gleichzeitig zu bekuscheln. Deshalb sind auch manchmal solche Zwangspausen ganz heilsam für uns alle.

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Das Toughe…

…als ich mich vor fünf Jahren mit meinem ersten Kosmetikstudio Bellapelle selbständig gemacht habe, war mein Sohn gerade ein Jahr alt. Ich habe mit der Geburt gemerkt, dass ich meinen Kindern etwas bieten möchte, finanziell unabhängig sein. Ein Jahr später habe ich meinen zweiten Laden eröffnet, zudem den Onlineshop und die eigene Schwangerschaftslinie ins Leben gerufen. Dann bin ich mit den Zwillingen Hanna und Tom schwanger geworden – eineinhalb Jahre später kam dann das dritte Geschäft. Das war eine sehr spannende Zeit, die mich aber auch viel Kraft gekostet und die mich sehr verändert hat.

In meiner ersten Schwangerschaft und Elternzeit hatte ich so viel Zeit mit meinem Sohn Nick, das habe ich unheimlich genossen. Ich hatte keine Verpflichtungen und konnte nur für ihn da sein. Mit dem ersten Geschäft wurde ich unruhiger – bin beim Vorlesen aufgesprungen, wenn jemand aus dem Laden angerufen hat, habe auf dem Spielplatz immer telefoniert. Bei Hannas und Toms Geburt hatte ich eine Stunde später schon ein Fernsehteam im Zimmer (darüber schüttele ich heute noch nachträglich den Kopf) und meinen ersten Präsentationsjob, da waren sie gerade zwei Monate alt.

Mein Mann hat mir trotzdem im ersten Jahr viel mit unseren Geschäften abgenommen, aber seit ich wieder mitten drin bin, habe ich gemerkt, dass mich das ganze Alltagskarussell schwindelig macht. Ich hatte irgendwie meine Leichtigkeit verloren, war angestrengt und abgehetzt. Ich wollte nicht mehr die Mutter sein, die im Stechschritt Ihre Kinder einsammelt und an die Decke geht, wenn es zuhause hektisch wird. Ich habe den Anspruch, Mutter von drei Kindern zu sein, einfach unterschätzt – gedacht, ich kann alles – aber es war alles schwieriger als ich dachte.

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Was gut tut …

Als ich mit meinem Mann zusammen saß und ich versucht habe, meine alltäglichen Dinge in gleich große Kuchenteile zu stückeln, fiel mir auf, dass immer ein Kuchenteil zu wenig für mich da war bzw. gar nicht da war. Bei dem Versuch also, mein Leben vierteln zu wollen, waren alle vorhanden: Haushalt, Kinder, Mann, Firma, Freunde …. aber ich hatte mich immer ausgespart.

Das versuche ich nun zu ändern und habe auch schon viel geändert. Weniger Termindruck, auch mal Nein sagen, besser delegieren, auch mal abgeben und einfach mal etwas für mich tun, was nicht an den Job gekoppelt ist. Nur beim Sport muss ich noch ran.

Mein Mann und ich waren schon einige Male alleine weg, ein paar Tage Paris, Berlin oder Mallorca. Das war toll und wichtig! Denn das verliert man auch gerne aus den Augen.

Außerdem haben wir jetzt eine Babysitterin. Dadurch gehen wir einmal in der Woche gemeinsam essen oder nur mal einen Wein trinken und versuchen dann auch mal nicht über die Firma zu reden. Und was soll ich sagen: wir werden immer besser.

 

Anmerkung von Steffi: Den Muttitask-Becher gibt’s hier: http://www.uniquelove-shop.de/o-n-l-i-n-e-s-h-o-p/becher/

19 Comments

  1. Antworten Bianca 31. März 2015 um 10:00 Uhr

    Liebe Steffi, Danke dass Du uns diese tollen, inspirierenden Frauen vorstellst! Dann glaubt man doch gleich noch einmal mehr, dass wir alles schaffen können: Kinder, Karriere, ein tolles Haus? Kein Problem für uns!

    Sag mal, wo bitte bekomme ich diese GENIALE Mutti-task-Tasse her? ich wüsste so ein paar Super-Heldinnen, denen ich diese schenken wollen würde… Danke!!

  2. Antworten Coco 31. März 2015 um 10:53 Uhr

    Liebe Katja, es ist als ob ich aus meinem Leben lesen würde! Danke für die Offenheit. Hast Du denn nun tatsächlich wieder die Ruhe und kannst Dich ganz auf Deine Kinder konzentrieren? Auch gerade in Grenzsituationen (alle sind krank, der Kindergarten hat zu etc.)? Ich habe mich jetzt entschieden wirklich ein “Kuchenstück” wegzulassen, weil alles andere doch nur immer Flickschusterei ist und bin sehr froh mit dieser Entscheidung und sicher, dass danach alles besser wird. Grüße, Coco

    • Antworten Steffi 31. März 2015 um 12:40 Uhr

      @Coco: Liebe Coco, Katja meldet sich heute Nachmittag, sie düst gerade noch durch die Gegend! 🙂

    • Antworten Katja 31. März 2015 um 14:55 Uhr

      Liebe Coco, es freut mich sehr, dass Du Dich in meinem Bericht wieder findest und es ist irgendwie beruhigend wenn es einem nicht alleine so geht. Das ich mir und meinen Kindern mehr Zeit und Ruhe gönne ,ist ein Prozess den ich nicht sofort umsetzen konnte und der Zeit brauchte. Wir mussten gerade eines der drei Geschäfte schließen da der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Ich habe mich entschlossen trotzdem nicht wieder ein neues Studios aufzumachen – und es geht mir mit der Entscheidung mehr als gut;) …Die Arbeit läuft nicht weg – ich bin jetzt 38 Jahre alt und kann mir bis ich Mitte 60 bin noch eine Menge aufbauen, aber meine Kinder sind jetzt klein und das möchte ich einfach intensiv miterleben und genießen 🙂 Liebe Grüße *Katja

  3. Antworten Inga 31. März 2015 um 12:04 Uhr

    Liebe Steffi,
    ich liebe deine Geschichten über tolle Frauen und lese sie ALLE! Ich selbst arbeite in einem großen Unternehmen und habe die Frage, ob das der richtige Ort für mich ist, für den Moment (ich denke auch für länger) mit JA beantwortet. Es macht mir viel Spaß dort zu arbeiten und ich glaube was wichtig ist, ist dass man nicht immer nur träumt, sondern sich ernsthaft fragt welche Vor- und Nachteile welche Option hat und dann ehrlich für sich beantwortet was zu einem passt. Ui, klingt das schlau… Dabei Frage ich mich ständig wieder, ob ich immernoch bei meiner Entscheidung bleiben will…
    Wir auch immer. Was mir wirklich fehlt, sind tolle Frauen, die einen ähnlichen Job haben wie ich und denen Familie wichtig ist. Die ich ein bisschen toll finden kann, von denen ich mir eine Scheibe abschneiden kann und die mir in meinen Sinnkrisen vielleicht auch den wieder geben.
    Kennst du auch solche Beispiele? Planst du vielleicht sogar, sie in deine Kategorie aufzunehmen? Gibt es solche Frauen überhaupt? Oder steigen die tollen Exemplare alle irgendwann aus?
    Vielleicht ist unter deinen Leserinnen ja auch ein solches Exemplar? 🙂
    Ich würde mich sehr über Inspirstion freuen.

    Viele liebe Grüße
    Inga

    • Antworten Steffi 31. März 2015 um 12:40 Uhr

      @Inga: Das freut mich sehr, liebe Inga. Versteh ich das richtig – du würdest gern von einer Mama in Festanstellung lesen, wie die das gebacken bekommt? Herzliche Grüße, Steffi

      • Dorthe 31. März 2015 um 14:46 Uhr

        Liebe Steffi, liebe Inga,
        ich habe eine Mischung aus beidem: 3 Tage/Woche Festangestellt in der Redaktion, die anderen 2 Tage zu Hause am eigenen Schreibtisch eigene Projekte. Und ich muss sagen: Nur Chaos! Ich arbeite gerade an meinem Zeitmanagement 🙂 Aber das war vor der Festanstellung auch schon so. Die Arbeitszeit ist immer durch den KiGa begrenzt und alles andere muss ich hinterher machen…neben der Lütten…
        Ich fände deine Antworten zu dieser Serie auch spannend, Steffi 🙂
        Liebe Grüße,
        Dorthe

      • Inga 1. April 2015 um 20:29 Uhr

        Liebe Steffi,

        Ja, genau das meinte ich. Frauen, die Lust auf einen ambitionierten Job in Festanstellung haben und gleichzeitig eine Familie schaukeln, die ihnen wichtig ist.
        @Dorte und Katrin: Danke für eure Kommentare!

  4. Antworten Tina 31. März 2015 um 16:26 Uhr

    Schön, endlich wieder mal so einen realistischen Mama-Bericht zu lesen, der nicht auf Perfektion sondern auf Entschleunigung ausgelegt ist.
    Ich als 1-Kindmama finde es erstaunlich, was du alles unter einen Hut bringst. Und ja, Zeit zu Zweit ist unerlässlich für die Beziehung und sehr wertvoll!
    lg tina

  5. Antworten Katrin 1. April 2015 um 08:50 Uhr

    Ehrlich, sympathisch, beruhigend, realistisch, echt, uninszeniert…
    Und Inga, beides 100% geht nicht. Egal welches “Baby” man gerade schaukelt, irgendwann kommt der Moment der Abstriche und Zweifel. Wirklich erfüllte, durchströmte, tiefe Glückseligkeit wirst Du nur vom echten Baby erfahren. Ich hatte es auch anders geplant und vergessen, bis sich unter meiner ganz persönlichen Käseglocke vor Glückseligkeit weinte.

    • Antworten Anne 3. April 2015 um 14:28 Uhr

      @Katrin: Ich möchte nicht widersprechen, sondern anhand meines eigenen Beispiels belegen, dass Gefühle bei jeder Frau anders sein können. Ich liebe mein Kind auch über alles und bin gerne Mutter. Aber auch vor dem Kind haben mich manche Dinge mit tiefem Glück erfüllt. Und seit ich Mutter bin, gibt es sowohl beruflich auch auch in meinem Sport immer wieder Momente des tiefen Glücks und der totalen Euphorie. Mein Sohn wird bald 2, und ich habe gerade in München den Halbmarathon gelaufen. Dafür haben wir ihn 6 Tage bei meiner Schwägerin und seiner Oma gelassen, da sein Vater auch mitgelaufen ist. Ich habe diese sechs kindfreien Tage genossen und kann nicht sagen, dass diese Form des Glücks geringer wiegt. Für mich ist die Liebe zu meinem Kind das stärkste Gefühl, aber Glück und Erfüllung finde ich gleichermaßen auch in anderen Bereichen. Für mich gibt es auch ohne Baby/Kind große Glücksmomente. Ich persönlich würde es meinem Kind nicht zumuten wollen, dass es meine einzig wahre Glücksquelle wäre.

      LG,
      Anne

      • Katrin 3. April 2015 um 23:15 Uhr

        Hallo Anne,
        ich sehe die Grenzen allein im Berufsleben. Glück ist im Privaten generell vielschichtiger,dass steht außer Frage. Da bin ich ganz bei Dir. Aber allzuoft sind die gestellten Erwartungen oder Vorstellungen im beruflichen Umfeld unrealistisch. Ich gehe allerdings vom normalen Durschnitts Broterwerb aus und nicht der erfüllten Selbstständigkeit. Die Inszenierung der Superfrau, Supermutter

      • Katrin 3. April 2015 um 23:24 Uhr

        weiter zum Text unten:

        stört mich manchmal, weil es den Preis verharmlost, der dafür gezahlt wird. Das Mama sein allein als Selbstzweck, habe ich nicht gemeint.

  6. Antworten Michele Decho 1. April 2015 um 11:13 Uhr

    KommentarIch bin auch Mama von drei kleinen Männern und habe gelernt dass man definitiv nicht alles gleichzeitig schaffen kann. Deswegen überlege ich mir jeden Morgen, was an dem Tag wirklich wichtig ist. Das hilft mir gelassen zu bleiben, Stress machen wir uns in der Regel selbst.

  7. Antworten julia I mintlametta 1. April 2015 um 22:21 Uhr

    so toll, so ehrlich, so bewundernswert! danke für diese tollen einblicke – ich hoffe als neumutter mir da einen teil abgucken zu können, liebe grüße – julia

  8. Antworten Tania 3. April 2015 um 15:58 Uhr

    Die Frauen, die trotz Kinder eine Karriere machen sind in meinen Augen Multitalente!!!
    LG Tania

  9. Antworten Jenny 7. April 2016 um 13:55 Uhr

    Ich bin auch 3-fach Mama mit Job – klappt alles irgendwie auch wenn schonmal viel liegen bleibt.

    Es wird das wichtigste erledigt – der Rest ist später dran 😉

    LG Jenny

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