Wonach ist dir heute?

Wie sag ich es meinem Mann? Vorrennen ohhhmhhh.de

Wenn mein Mann und ich irgendwo gemeinsam hingehen, kommt es fast immer zu einem Dialog dieser Art:

Ich: „Schatz, nun warte doch mal auf mich, jetzt lauf doch nicht so schnell!“

Er: „Ich lauf doch ganz normal!“

Ich: „Tust du nicht! Dann würden wir ja nebeneinander laufen und du nicht zwei Meter vor mir.“

Er: „Ich habe halt eine gewisse Grundgeschwindigkeit, die höher ist als deine. Es gibt Menschen, die schlendern. Und dann gibt es welche, die lieber schnell gehen. Ich bin eher der schnelle Typ. Du schlenderst lieber.“

Ich: „Wir sind doch nicht auf der Flucht! Es gibt einen Unterschied zwischen Spazier- und Shoppinggeschwindigkeit! Und jetzt gerade spazieren wir eher…“

Er: „Nix da, wir sind dabei, etwas zu erledigen, spazieren gehen wir im Wald. Und überhaupt: Der Mensch hat nur eine Geschwindigkeit.“

Ich: „So ein Quatsch, du kannst ja auch rennen.“

Er: „So wie du in London?“

Ich: „Argh, nicht schon wieder die Geschichte.“

Er: „Ja aber stimmt doch! Wenn du im Shoppingwahn bist, kannst du plötzlich auch ganz schnell laufen. Nur wenn dich irgendwas nicht interessiert, dann kriechst du wie `ne Schnecke! Du passt deine Geschwindigkeit deinen Interessen an! Ich laufe immer gleich schnell!“

Ich: „Wenn du so vorrennst, fühle ich mich diskriminiert!“

Er: „Bitte was?“

Ich: „Ja, das erinnert mich an die Länder, in denen Frauen kaum Rechte haben und immer mehrere Meter hinter ihren Männern laufen müssen.“

Er: „Aber da leben wir ja nicht.“

Ich: „Warum machst du das denn dann?“

Er: „Um dich zu beschützen.“

Ich: „Vor was das denn hier in der Großstadt? Vor den bösen Schaufenstern?“

Er: „Das sind noch Reste aus der Steinzeit in mir. Mein Unterbewusstsein denkt, ich müsste dir noch mit meiner selbst gebastelten Machete den Weg frei machen und dich vor bösen Tieren beschützen.“

Ich: „Müsst ihr immer die ersten sein? Ist es das? Kathrin hat mir erzählt, dass ihr Mann sogar beim Joggen immer zwei Meter vor ihr laufen muss. Holt sie auf, legt er nach!“

Er: „Der will sie nur beschützen oder abschirmen, weil sie so hübsch ist.“

Ich: „Man könnte auch denken, er wolle sich alle Optionen freihalten und den anderen Frauen signalisieren: „Ich flinker Hase bin noch zu haben!“ und falls keine hübschen Häschen auf der Bahn sind, hat er seins ja noch im Schlepptau.“

Er: „Frauen!“

Ich: „Ist es meine Frisur? Willst du nicht mit mir gesehen werden?“

Er: „Du warst beim Friseur?

Ich: „Xenia sagt, dass Paddy einen drei Meter Sicherheitsabstand zu ihr hält. Habt ihr Schiss, dass wir rumnörgeln, wenn ihr neben uns lauft und geht deshalb lieber außer Hörweite?“

Er: „Was hast du gesagt?“

Ich: „Jetzt lauf doch mal neben mir!“

Er: „Tu ich doch!“

Ich: „Tust du nicht! Du läufst vor mir wie ein Pferd vor seinem Kutscher!“

Er: „Guck, ich zieh dich. Ist doch super angenehm!“

Ich: „Nein, das ist anstrengend. Ich muss ständig alles wiederholen, was ich sage, weil du die Hälfte nicht hörst.“

Er: „Was hast du gesagt?“

Ich: „Und ich fühl mich so gehetzt, weil ich ständig denke, ich sei so langsam.“

Er: „Bist du ja auch!“

Ich: „Ich trage ja auch noch unser ungeborenes Kind im Bauch.“

Er: „Das hat mit dem Baby gar nichts zu tun, das war schon immer so.“

Ich: „Aber ich seh selbst aus wie ein trotziges Kind, dass von seinem Vater, der in Eile ist, hinter sich hergeschleift wird.“

Er: „Jetzt hack nicht wieder auf meinem Alter rum!“

Ich: „Schatz?“

Er: „Ja?“

Ich: „Ich hätte nachher total Lust auf Sex. Du kannst dir alles wünschen, was du willst. Heute geht es mal nur um dich. Du brauchst nur „Ja“ sagen.“

Er: „Was hast du gesagt?“

Ich: „Ach, war nicht so wichtig.“

 

Na, kommt euch da was bekannt vor? Rennt euer Mann auch immer vor?

[herz steffi mitte]

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Aus dieser Kolumne wird gerade ein Buch, das im September 2014  erscheint und es ist jetzt sogar schon vorbestellbar: Wie sag ich’s meinem Mann? Über das Zusammenleben mit einer anderen Spezies (Eden Verlag, 256 Seiten, 12,95 Euro). Ich freu mich wie Bolle über jeden, der es liest und bin so gespannt, was ihr dazu sagen werdet!

Hier noch mal als Übersicht die bisher erschienenen Kolumnen:

1.) Wie schafft man seine nicht so hübschen Möbel raus aus der Wohnung?

2.) Mein Mann macht Häufchen. Über das Phänomen, dass Männer alles liegen lassen.

3.) Wir brauchen mehr Haltung. Das Ende des Lümmelsofas.

4.) Warum Männer sich keine zwei Meter etwas merken können. 

5.) Mein Auto, seine Müllhalde

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Schnin's Kitchen 17. Juli 2014 um 17:32 Uhr

    Sehr schön.
    Ich lieg grad mal wieder unterm Tisch vor Lachen.
    Das kommt mir immer alles so bekannt vor & ich freu mich jedesmal, daß es anscheinend bei anderen genauso ist.

    Liebe Grüße (mit Lach-Tränchen in den Augen), Schnin

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  3. Sandra 12. Juli 2014 um 23:34 Uhr

    Aaaaahahahahahahaha genau so ist es! Hahaha!
    Herrlich! Ich liebe deine Kolumne! Sobald dein Buch rauskommt, wandert es auf dem direkten Weg in mein Bücherregal. Der Hammer! =D

    Antworten
  4. Nicole Schmidt 11. Juli 2014 um 06:06 Uhr

    Guten Morgen,
    You made my day!
    Herrlich, ich hab Tränen gelacht. Wie wahr!
    Und der Dialog hat was von Loriot!
    Liebste Grüße von der Nickes

    Antworten
  5. milena 10. Juli 2014 um 21:51 Uhr

    Ha ha, kenne ich wirklich genau so! Und das Diskriminierungsargument habe ich auch schon oft rausgeholt – hat nichts bewirkt…

    Antworten
  6. Ronja 10. Juli 2014 um 21:18 Uhr

    Haha genial! Zum schlapp lachen! Und so wahr. Mir kommt es definitiv bekannt vor. Hab da auch so einen Typ Mann zu Hause : )
    Liebe Grüße, Rona

    Antworten
  7. Claudia von il mondo di selezione 10. Juli 2014 um 16:14 Uhr

    Pruust, mal wieder super geschrieben. Auch wenn es bei uns anders rum ist, er immer hinter mir läuft. Und manchmal plötzlich weg ist, alles schon passiert 😉

    Herrlich. Er hat im Oktober Geburtstag, ich glaube, das Buch schenke ich ihm. Muß immer wieder an die ‘Häufchen’ denken… so wahr!

    Liebste Grüße, Claudia

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  8. Sandra 10. Juli 2014 um 16:13 Uhr

    Vielleicht ist da wirklich noch was in den Genen: irgendwo in den Tiefen der männlichen Veranlagung ist alles um uns herum noch Urwald, in dem die liebenden Männer ihren Frauen noch den Pfad ebnen müssen – ihr wisst schon: Schlangen verscheuchen, mit der Machete die Schlingpflanzen aus dem Weg räumen, den Weg auf Fallen absuchen usw. Diese Notwendigkeit steckt tief tief drinnen im fürsorglich liebenden Mann. 🙂 🙂 🙂
    ♡ Sandra

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  9. eva 10. Juli 2014 um 15:03 Uhr

    Herrlich!!! genau diesen dialog kenn ich! ich laufe auch meist 2m hinterher – die begründung ist hier diesselbe! alles liebe, eva

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  10. Isabel 10. Juli 2014 um 14:52 Uhr

    Sehr schön. Das hat mir den Nachmittag versüsst und ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
    LG
    Isabel

    Antworten
  11. Dorthe 10. Juli 2014 um 12:18 Uhr

    Liebe Steffi,
    wie genial! Ich muss meinem Mann immer erklären, dass er einen Schritt macht und ich muss zwei machen, um mitzuhalten … mit einem Kleinkind wird das übrigens nicht besser. Wenn es nach ihm ginge, hätten wir noch immer den Buggy mit und er würde fragen: Willst du nicht mal einsteigen? (also die Lütte, nicht ich…)
    Aber selbst, wenn er mal neben mir läuft, bekommt er nichts mit, weil er dann mit dem Handy beschäftigt ist – was auch der Grund für das “langsam” und “neben mir” ist …
    Sonnige Grüße,
    Dorthe

    Antworten
  12. Julie 10. Juli 2014 um 12:03 Uhr

    Hahaha, wieder erkannt! Herrlich, Steffi!!!

    Antworten
  13. et von roundaboutme (@nail_swatch) 10. Juli 2014 um 11:53 Uhr

    Jap. Er rennt vor. Meist nur einen Meter, besonders im Laden. Wir gehen einkaufen. Er rennt vor. Ist schon an der nächsten Regalseite. Ist schon an der Kasse. Sagt zu mir “Du trödelst. Du guckst immer nur.”. Er macht mich irre damit!
    Dafür ist er brav wenn wir wirklich nur so bummeln, shoppen, gucken gehen. Oder irgendwo fremd sind. Dann ist er neben mir oder hält sogar Händchen. 😉

    Antworten
  14. Tina 10. Juli 2014 um 11:08 Uhr

    Ohh Ja! Er rennt immer vorne weg und wenn er dann irgendetwas erzählt, verstehe ich nur die Hälfte. Das bringt mich zur Weißglut!!.
    Mein Freund ist Physiker, aber ich muss Ihm die Sache mit dem Schall und das ich Ihn hinten nicht verstehen kann immer wieder neu erklären.
    Es ist einfach keine Besserung in Sicht. Manchmal bleibe ich einfach demonstrativ stehen und schaue wann er es merkt 🙂

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    • Steffi 10. Juli 2014 um 14:39 Uhr

      @Tina: Haha, ja, das hab ich auch schon mal versucht! Aber es dauert lange bis sie das schnallen, oder? Und dann muss man den ganzen Weg auch noch alleine aufholen! 😉

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  15. Nessy 10. Juli 2014 um 10:51 Uhr

    Haha, das kommt mir in der Tat auch bekannt vor. Männer und Frauen sind einfach in so ziemlich allen Lebenslagen eine sehr unterschiedliche Spezies. Herrlich geschrieben Steffi!

    Liebe Grüße

    Nessy

    Antworten
  16. Jane 10. Juli 2014 um 10:20 Uhr

    Haha, bei uns ist es genau andersrum. Ich gehe voran und er schlendert hinterher.

    Er: “You’re running!”
    Ich: “No. You’re just slow.”
    Er: “I am enjoying the walk.”
    Ich: “So do I.”
    Er: “Then why are you running?”

    Argh. Loriot live. Auf jeden Fall macht es einen genauso wahnsinnig 😉

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  17. Olga 10. Juli 2014 um 09:42 Uhr

    Oh Gott, muss ich mir jetzt Gedanken machen, weil es bei uns genau andersrum läuft ???
    Ich bin diejenige mit dem Stechschritt und der Mann schlendert träumend hinterher ( und das obwohl in allen anderen Lebenssituationen so ganz und gar nicht träumerisch)….Allerdings empfinden wohl die meisten in meinem Umfeld mein Tempo als zu rasant; Speedy und General sind nur zwei der Bezeichnungen, die ich mir anhören musste;-)
    Somit muss ich leider die Schellläufer-Lanze seeehr hochhalten und alle Vorläufer in Schutz nehmen.
    liebe Grüße
    Olga

    Antworten
    • Steffi 10. Juli 2014 um 14:38 Uhr

      @Olga: Nein, keine Sorge!! Manchmal sind eben die Männer die Frauen in der Beziehung und andersherum! 🙂 Für mein Buch habe ich einen Test von einem großartigen Psychologen dafür machen lassen. Der ist nur bedingt ernst gemeint, aber du hättest sicher deine Freude dran! Don’t worry Mrs Speedy!! Herzliche Grüße!! Steffi

      Antworten
  18. Angela - designhaus no.9 10. Juli 2014 um 09:20 Uhr

    Was für ein Knaller, Steffi! Ich liebe diesen Dialog. LG

    Antworten
  19. Mailis 10. Juli 2014 um 09:12 Uhr

    Hand in Hand laufen! – geht natürlich schlecht, wenn andauernd irgendein Gedöns am Smartphone zu erledigen ist. Dem Menschen wachsen einfach zu wenig Hände, um noch welche zum Halten frei zu haben ;o)))))

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  20. Uta 10. Juli 2014 um 08:54 Uhr

    Bei uns ist es andersrum, da lauf ich total oft zwei meter weiter vorne. Wenn mir das auffällt, bleib ich stehen, warte und häng mich bei ihm ein – dann kann niemand mehr aus. 😉
    Aber frag mich jetzt bitte nicht, warum das so ist, ich wunder mich selber auch immer…
    Liebe Grüße!

    Antworten
  21. miri 10. Juli 2014 um 08:50 Uhr

    Ha! Bei uns auch so! Meiner schiebt das ja immer darauf, dass er viel größer ist als ich… Aber daran scheint’s ja nicht zu liegen.

    Lass Dich nicht hetzen. 🙂 Liebe Grüße!

    Antworten
  22. Julia 10. Juli 2014 um 08:50 Uhr

    Bei meinem ehemaligen Freund und mir war es immer andersherum. Ich war im ‘normaltempo’ unterwegs, er schlich im Schneckentempo. Mein Arm hing also immer einen Meter hinter mir her und wurde langsam taub. Seine Begründung: ich bin doch auf dem Fahrrad immer schon so schnell. Wenn ich laufe, hab ich Urlaub!

    Antworten
  23. Larissa 10. Juli 2014 um 08:42 Uhr

    Das kenne ich total! Besonders, wenn wir gemütlich spazieren gehen wollen, rennt mein Freund wie ein Marathonläufer (seine Schwester allerdings auch). Besonders schön ist das auch, wenn wir zusammen einkaufen und ich mal wieder Probleme mit dem Sprunggelenk hab und nur humpeln kann … Dafür ist er furchtbar langsam, wenn wir es eilig haben … :p

    Antworten
  24. kleine Schwester 10. Juli 2014 um 08:15 Uhr

    Herrlich, kenn ich irgendwoher…. jedoch muss ich zugeben, dass ich auf einer Shopping-Tour wirklich immer zu Höchstformen auflaufe… da ist dann plötzlich auch das Hungergefühl wie ausgelöscht… woher wir das wohl haben..

    Antworten
    • Steffi 10. Juli 2014 um 14:35 Uhr

      @kleine Schwester: Ja, ist bei mir doch auch so, I know. Komm, wir reden uns irgendwas total wichtig biologisches ein. Beim Shopping müssen wir sicherstellen, dass die Familie genügend zu essen und zum anziehen hat oder so. Wobei, den Einkauf macht mein Mann – ach egal! Wir machen trotzdem so weiter, gell? Herzliche Grüße!!

      Antworten
  25. Bettina 10. Juli 2014 um 07:53 Uhr

    Perfekt getroffen! So geht das bei uns auch immer…:-D

    Antworten
  26. Queen Liz 10. Juli 2014 um 07:47 Uhr

    Hahaha!! Ich hab’ den Frühstückstee über den Tisch geprustet!! 😀 Mein Otter geht zwar nicht vor mir her (ich hab’ die längeren Beine, gehe also eher schneller als er!), schiebt mich aber immer auf die Seite vom Bürgersteig, die nicht an der Straße liegt. Wenn ich an der Straßenseite gehe, werde ich da weggezogen! Echt! Und die Begründung: “Das Weibchen darf nicht an der Straße gehen!”. Ahja. 😀
    Liebe Grüße, Liz

    Antworten
    • Steffi 10. Juli 2014 um 07:50 Uhr

      @Queen Liz: Guten Morgen!! Das ist doch ein lieber Otter, ein Bodyguard-Otter! 🙂 Ich hab auch die längeren Beine – aber es hilft einfach nichts!!! 🙂 Herzliche Grüße, Steffi

      Antworten

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