Der Comeback-Check:

Hier kommt die neue Mode-Kolumne mit Cathrin Wißmann. Erste Frage: Kann man den Radlerhosentrend mitmachen, ohne wie ein Kim Kardashian-Double auszusehen?

Text – Cathrin Wißmann

Neulich rauschte eine Kollegin in mein Büro und sagte voller Entsetzen: „Käthe, man trägt ja wieder Radlerhosen! Seid ihr verrückt geworden?!“ Mit „ihr“ meinte sie mich, die Moderedakteurin beim Stern Magazin, und meine – zugegebenermaßen – manchmal merkwürdige Branche. Es ist in der Tat nur schwer nachvollziehbar, warum die Modewelt Trends, die sie einst begraben hat, mit viel Tamtam wieder aufleben lässt. So wie aktuell die Radlerhose.

In den Einkaufsstraßen findet man sie plötzlich überall. Nicht nur in den Modeketten, sondern auch in Luxusläden. Es gibt sie für 5 Euro bei C&A, ebenso für stolze 550 Euro bei Chanel. Ein Mikrotrend? Von wegen. Vor uns liegt der Sommer der Pellwursthosen.

Eine Mitschuld daran trägt Kim Kardashian. Im letzten Jahr tauchte der Reality-Star in einer hautfarbenen Kombi aus Top, Radlerhose und Highheels auf – und öffnete die Büchse der Pandora. Ihr Gatte Kanye West, der nicht nur Rapper sondern auch Modedesigner ist, hatte ihr das Outfit auf die ausladenden Körperpartien geschneidert. Pralles Ding, dachte ich. Zwar gab es in den letzten Saisons immer wieder Marken wie Chanel, Off-White oder Saint Laurent, die Radlerhosen auf den Laufsteg zeigten. Doch ein Comeback lösten sie nicht aus. Das gelang nur Kim Kardashian. Dem TV-Star folgen bei Instagram 138 Millionen Fans. Damit erreicht sie so viele Menschen, wie wahrscheinlich alle Modezeitschriften der Welt zusammen.

Doch wie trägt man einen Look, den man eigentlich schon längst überwunden hat? Mir fällt der Ratschlag meines Vaters wieder ein: Mach Fehler, aber jeden nur einmal. Gilt das auch bei Mode-Comebacks?

Für die Generation der Millennials mögen die Hosen neu und der ganz heiße Scheiß sein. Für mich – 39, modeinteressiert, aber noch nicht wahnsinnig – ist es eine Frage der Haltung. Will ich den Trend noch einmal mitmachen, weil ihn gerade alle tragen? Oder lieber ignorieren?

Ich habe es ausprobiert. Die wichtigste Erkenntnis: Wer sich wie Kim Kardashian anzieht, sieht auch so aus. Erschrocken starre ich in mein Spiegelbild. Da stehe ich in Top und Radlerhose, aufgebockt auf Highheels – und muss schallend lachen. Ich sehe unmöglich aus! Ich habe zwar etwas an, aber ich fühle mich nackt. Niemals würde ich in diesem Aufzug auf die Straße gehen. Dann lieber blank ziehen. Es wäre zwar DAS Gesprächsthema in meiner Nachbarschaft, aber zumindest macht es den Anschein, als wäre mir etwas Peinliches, vielleicht auch Lustiges passiert. Der Kardashian-Look hingegen schreit nur nach einem: Sex.

Auch wenn es der ein oder andere noch nicht mitbekommen hat:

In der Mode geht es längst nicht mehr nur um Verführung.

Frauen haben gelernt, sich mit ihrer Kleidung auszudrücken. Sie unterstreicht, wer und was sie sind.

Ich werfe einen Blazer über. Der ist Oversize geschnitten und geht weit über den Po. Ich fühle mich gleich wohler. Tatsächlich sieht die Kombination aus sportlicher Hose und strengem Blazer gar nicht schlecht aus. Lässig wird es mit Sneakern. Je mehr Gegensätze, desto besser. Im Alltag würde ich einen Hoodie oder ein Oversize-Shirt – oder Pulli dazu kombinieren. Denn wer sich für eine Radlerhose entscheidet, sollte wissen: Je kürzer das Oberteil, desto mehr Blicke kleben an deinem Körper.

In diesem Fall bin ich eher Adele als Kim Kardashian. Die britische Sängerin trägt unter ihren Bühnenoutfits stets mehrere Shapewear-Pants, die kleinen Schwestern der Radlerhose. Auch ich trage gern eines dieser hautengen Modelle unterm Kleid, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Nichts rutscht, nichts zwickt, alles sitzt da, wo es hin soll. Fürs Auffallen sind die Formbuchsen nicht gemacht. Aber sie haben einen entscheidenden Vorteil: Sie werden nie auf ein Comeback warten müssen. Ganz anders die Radlerhose. Ihr Hype wird irgendwann vergehen. Denn: Jede Mode stirbt an ihrer Übertreibung.

Text – Cathrin Wißmann

Foto – Erik Cesla

19 Comments

  1. Antworten Helene Schwab 27. Mai 2019 um 08:11 Uhr

    Super toll jedoch habe ich nicht immer den Mut, mich der Mode oder dem Extra anzupassen.Gruss hs

  2. Antworten Silvana Presti 27. Mai 2019 um 08:59 Uhr

    Ok, ich glaube das Comeback findet ohne mich statt….

  3. Antworten Cathrin 27. Mai 2019 um 09:44 Uhr

    Liebe Helene, danke für dein Feedback! Genau den gleichen Gedanken hatten auch Steffi und ich: Ständig feiert die Mode ein Comeback, Modezeitschriften sagen uns: Das ist jetzt Trend. Aber: Passt das eigentlich zu uns? Genau dieser Frage gehe ich mit der Kolumne nun nach. Ich hoffe, ich habe dich trotzdem ein bisschen unterhalten. Viele Grüße, Cathrin

  4. Antworten Cathrin 27. Mai 2019 um 09:46 Uhr

    Liebe Silvana, mir geht es ähnlich: Ich liebe Radlerhosen, aber ich trage sie nur dann, wenn man sie nicht sieht… 🙂 Danke für dein Feedback! Viele liebe Grüße, Cathrin

  5. Antworten Tabea 27. Mai 2019 um 11:05 Uhr

    Du hast mich super unterhalten und auch die Fotos sehen gut aus. Hier haben gerade die 90er angerufen und wollen die Radierhose zurück. Also muss der Trend wohl ohne mich statt finden. Einen schönen Tag dir, ich freu mich auf das nächste Comeback!
    lg,
    Tabea

  6. Antworten Iris 27. Mai 2019 um 12:05 Uhr

    Toller Beitrag…
    Ich denke ich kann gut ohne Radlerhose auskommen. 🙂
    Interessieren tut mich aber, was Du für einen super Cardigan in Bild 1 trägst und was für eine tolle Bluse in Bild 3.
    Insofern kann ich nur sagen: Gekonnt gezeigt!
    Vielen Dank dafür und herzliche Grüße von Steffi – und Cathrin-Fan
    Iris

  7. Antworten Cathrin 27. Mai 2019 um 13:47 Uhr

    Liebe Iris, danke für deinen Post. Schön, dass dir die Kolumne gefallen hat. Das freut mich wirklich sehr! Den Cardigan habe ich meinem Mann geklaut. Der ist von Closed, die Bluse ist von Stella McCartney. Viele Grüße, Cathrin

  8. Antworten Cathrin 27. Mai 2019 um 14:14 Uhr

    Liebe Tabea, Trend mit Retourschein – auch keine schlechte Idee! :-))) Darüber werde ich gleich mal für die nächste Kolumne nachdenken… Viele liebe Grüße, Cathrin

  9. Antworten Dani 27. Mai 2019 um 14:36 Uhr

    Liebe Cathrin,

    danke für diesen kleinen geistigen Ausflug zurück in die Jahre 1991/1992. Oder besser gesagt, die Sommer dieser Jahre. Als ich Radlerhosen trug. Mode-Runde Teil 1.
    Sehe meine Modelle heute noch vor mir …und musste herzhaft lachen. Aktuell kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, mich an Mode-Runde 2 zu beteiligen. Aber wer weiß – sag niemals nie. Vielleicht haben die neue Modelle je wenigstens diese nervigen Abdrücke an den unteren Beinenden nicht mehr.

    Auf jeden Fall danke für die hervorgekramten Erinnerungen und den Dive in meine Jugendjahre 🙂

    Alles Liebe
    Dani

  10. Antworten Sabine 27. Mai 2019 um 17:47 Uhr

    Liebe Cathrin, ein wirklich toller Text und coole Outfits, allerdings trotz und nicht wegen der Radlerhose. Ich werde das also auch aussitzen, würde mich aber sehr freuen, in Zukunft mehr von Dir zu lesen. Viele Grüße Sabine

  11. Antworten Lena 27. Mai 2019 um 19:14 Uhr

    Toller erster Artikel! Für mich sind die Hosen auch nichts, aber ich habe auch nicht so tolle Beine wie Cathrin. Wichtig ist ja, dass jeder seine eigene Stilrichtung gefunden hat. Passt dann der “alte neue Scheiß” dazu, why not?!
    Bitte mehr von Cathrin Wißmann, gerne auch mehr als die Modekolumne.
    Liebe Grüße
    Lena

  12. Antworten Lisa 27. Mai 2019 um 21:15 Uhr

    Liebe Cathrin,
    gehen als große Schwester der Radlerhose meine Yogapants durch?
    in denen fühle ich mich deutlich wohler-
    Lieben Gruß,
    Lisa

  13. Antworten Cathrin 28. Mai 2019 um 21:49 Uhr

    Liebe Lisa,
    ich finde, deine Yoga-Pants sind eine würdige Alternative! :-))))
    Viele Grüße,
    Cathrin

  14. Antworten Cathrin 28. Mai 2019 um 21:52 Uhr

    Liebe Lena,
    danke für deinen Post, ich habe mich sehr über dein Feedback gefreut! Danke!
    Viele liebe Grüße,
    Cathrin

  15. Antworten Cathrin 28. Mai 2019 um 21:59 Uhr

    Liebe Dani,
    danke für deinen Post, ich habe mich sehr über dein Feedback gefreut! Und ich habe gute Nachrichten: Die “Ich trage sie nur unterm Rock”-Shapewearhosen haben keine Gummis mehr! Aber lustig, dass du dich an die erinnert hast! :-)))))
    Viele Grüße,
    Cathrin

  16. Antworten Cathrin 28. Mai 2019 um 22:02 Uhr

    Liebe Sabine, ich habe sehr über deinen Post gelacht und mich gefreut, dass ich dich TROTZ der Radierbuchsen gut unterhalten konnte! :-))))) Viele liebe Grüße, Cathrin

  17. Antworten krishi 30. Mai 2019 um 11:16 Uhr

    …aufgebockt auf HighHeels

  18. Antworten Michaela 31. Mai 2019 um 10:43 Uhr

    Diese neue Kolumne liebe ich jetzt schon! Die Radlerhose allerdings immer noch nicht. Ich glaube, eine Radlerhose trug ich das letzte Mal im zarten Alter von 11 Jahren. Weil meine Mutter Radlerhosen und Leggings damals so irre praktisch für mich fand. Mein Schrank war voll davon! Doch dann fing ich an, mich dafür zu interessieren, was ich anziehe. Tja, das war das Ende der kurzen Liaison mit den Radlerhosen. Ich trage sie seither nicht einmal zum Radfahren :-).

  19. Antworten Cathrin 5. Juni 2019 um 11:15 Uhr

    Liebe Michaela, danke für dein Feedback! Ich freue mich sehr, dass dir die Kolumne gefällt! Vielleicht hast du recht und Radlerhosen sind eher etwas, dass man nur im Kinderalter tragen sollte. So wie Zöpfe und Latzhosen… Zum Glück muss man ja nicht alles mitmachen! Viele Grüße, Cathrin

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