Dass Gedichte keinesfalls uncool oder gar ein Ding vergangener Zeiten sind, sondern tatsächlich etwas bewegen können, hat Amanda Gorman mit ihrem Werk „The Hill We Climb“ gerade eindrücklich bei der Amtseinführung von Kamala Harris und Joe Biden bewiesen. Genau wie
Rupi Kaur bereits 2015, als sie mit einem Gedicht und dessen Bebilderung sogar einen Skandal auf Instagram auslöste. Die damals 23-Jährige postete auf ihrem Account ein Foto einer menstruierenden Frau mit Blut auf ihrem Bettlaken und in ihrer Hose inklusive lyrischer Zeilen. Eigentlich das Normalste der Welt, doch Instagram löschte das Foto – woraufhin ein Shitstorm ausbrach. Tausende Menschen teilten den Post und veröffentlichten zur Unterstützung selbst eigene Menstruationsbilder. Und das Ende der Geschichte? Instagram entschuldigte sich bei Rupi und machte ihren Account mit Gedichten und selbst gemalten Illustrationen über Nacht sehr bekannt.

Gleich der erste Gedichtband „
milk and honey“ der heute 28-Jährigen landete auf Platz eins der New-York-Times-Bestsellerliste. Dass sie 3,5 Millionen Exemplare verkaufte, lag eben nicht nur an dem eben beschriebenen Skandal. Rupi trifft mit ihren ehrlichen Gedichten über Selbstliebe, Feminismus, Immigration, Patriarchat, sexuelle Gewalt und Depression den Nerv der Zeit. Aktuell wird sie sogar als die derzeit erfolgreichste Dichterin der Welt und als einflussreichste Instagram-Poetin bezeichnet.
Ihr dritter Band „
home body“ ist Ende November 2020 auch hier in Deutschland im Fischer Verlag erschienen. Die kurzen Gedichte haben mich oft sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Weil aktuell eher die Muße für dicke Schmöker fehlt, haben wir Rupi Kaurs Gedichtband genau für die jetzige Zeit ausgesucht. So kann man sich zwischendurch schlauen, kurzen Input holen.
„„Es ist mir wichtig, Themen wie Depressionen oder sexuelle Gewalt ehrlich zu behandeln. Aber am Ende möchte ich meine Leser*innen mit Macht und Hoffnung zurücklassen“,“ -
sagt die Autorin, die als Kind sexuell missbraucht wurde und dadurch lange mit Selbstzweifeln und Schüchternheit zu kämpfen hatte. In ihren Gedichten nimmt sie uns Leser*innen mit in ihre Welt, zeigt ihre Entwicklung, ihren Umgang mit Sexualität und erklärt, wie sie zu sich selbst gefunden hat.
Neben sehr emotionalen Themen geht es auch darum, wie man seine eigene Kraft finden kann. Die Gedichte sind nicht nur ermutigend, sondern auch mitfühlend – und ja, sogar humorvoll. Außerdem dreht es sich in dem Buch thematisch viel um die Definition von dem Wort „Zuhause“, das während der Coronapandemie für die meisten von uns eine neue Bedeutung bekommen hat. So auch für Rupi, die zu Beginn der Pandemie von New York wieder zu ihren Eltern nach Brampton, einem Vorort von Toronto, gezogen ist und sich beim Schreiben ihres Buches noch einmal intensiver mit ihren Wurzeln auseinandergesetzt hat.
Statt lange herumzuphilosophieren, bringt Rupi ihre Texte kurz und knackig auf den Punkt. Ihr Markenzeichen ist, dass sie alles ausschließlich kleinschreibt. So wie in der Gurmukhi-Schrift, die zum Schreiben ihrer Muttersprache Panjabi verwendet wird, was Rupi dazu inspirierte, diesen Stil beizubehalten. Zwar wurde sie dafür schon oft kritisiert, doch die Schriftstellerin findet, dass alle Buchstaben genau wie wir Menschen gleich behandelt werden sollten.
Für mich ist Rupi aktuell eine der spannendsten Frauen der Literaturbranche und ich bin jetzt sehr gespannt, wie euch die Gedichte gefallen, welche euch am meisten berühren, was euch bewegt und nachhaltig begleitet.
Falls ihr ein Exemplar gewonnen habt, bitte seid so lieb und hinterlasst dann eure Meinung zum Buch hier im Buchclub in Form eines Kommentars. Natürlich können wie immer auch alle sehr, sehr gern mitmachen, die keins der Freiexemplare gewonnen haben, sondern es sich einfach kaufen. Und wie immer stelle ich euch hier in diesem Beitrag zum Ende des Monats drei Fragen zum Buch und freue mich, die dann im Kommentarbereich mit euch zu diskutieren.
Herzlich