Wonach ist dir heute?

Wie ist das so, wenn man sich entschließt, früh Mutter zu werden und für die Kinder Zuhause zu bleiben? Auf ein zweites Gehalt zu verzichten, sich finanziell einzuschränken und seinen Tag zwischen Kindern, Küche und Haushalt zu bestreiten? Pepper Schmidt und ihre Familie haben diesen Schritt gewagt – und bislang nicht bereut. Wie ihr Tag als Vollzeitmutter aussieht, was sie daran besonders schätzt und wie sie sich finanziell abgesichert hat – all das erzählt sie in ihrer Beispielwoche.

Ich freue mich riesig, dass Pepper uns so einen detaillierten Blick in ihr Leben und ihre Gedanken gibt, deshalb bitte beim Kommentieren immer freundlich und friedlich bleiben, egal was es mit einem macht, von anderen Lebensmodellen zu lesen. Jeder findet sein eigenes und diese Rubrik ist einfach nur zur Inspiration durch das Aufzeigen vieler unterschiedlicher Lebensmodelle gedacht. Es gibt kein richtiges oder falsches, wir geben alle unser Bestes. Das nur als kleine Erinnerung, da in dieser neuen Rubrik gern leidenschaftlich kommentiert wird, was ich toll finde. Nur ist es mir sehr wichtig, dass respektvoll mit den Frauen umgegangen wird, die uns hier in ihr Leben schauen lassen.

Wer gern noch mehr zu dem Lebensmodell lesen mag, wie Pepper es führt, dem könnte das Buch Das Nacheinander-Prinzip – vom gelassenen Umgang mit Familie und Beruf  (*Affiliate Link) von Eva Corino gefallen. Ich lese es auch gerade und obwohl ich ein ganz anderes Leben führe, finde ich es doch spannend und ziehe mir gute Gedanken heraus.

So, jetzt viel Spaß mit Peppers Beispielwoche & herzliche Grüße,

Steffi

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Hallo, ich bin Pepper, 32, und lebe mit meinem Mann und unseren beiden Kindern in Süddeutschland. Unsere Tochter, genannt Waldmöwe, wird in diesem Monat fünf. Unser Sohn, den wir Jedi nennen, ist eineinhalb Jahre alt. Als unsere Tochter geboren wurde, haben wir unser Berufsleben so gestaltet, dass uns viel Zeit für die Familie bleibt. Das bedeutet zwar auch deutlich weniger Geld, aber auch weniger Stress und das ist uns sehr wichtig. Inzwischen haben wir zwei Kinder und ich habe bei beiden drei Jahre Elternzeit genommen. Ich bin festangestellt als Industriekauffrau und kann nach der Elternzeit in Teilzeit in den Job zurückkehren. Langfristig wollen wir uns finanziell so aufstellen, dass auch mein Mann seine Stelle reduzieren kann. Dank einer privaten sowie einer betrieblichen Altersvorsorge ist für die Rente alles geregelt. Mit dem Thema habe ich mich vorher ausgiebig beschäftigt.

Montag.

Wir starten die Woche mit einem Ausflug zum Kinderarzt: Der Kleine hat am ganzen Körper rote Flecken und die Große bellt wie ein Seehund. Wir verbringen zwei Stunden im Wartezimmer und wenn die Kinder vorher noch nicht ernsthaft krank waren, dann bestimmt jetzt. Von November bis März ist immer jemand krank und ich bin froh, dass die Waldmöwe einfach daheimbleiben kann, ohne, dass ich dadurch Stress bei der Arbeit habe.

Gegen 12 Uhr ist eigentlich für den Kleinen schon längst Zeit für den Mittagsschlaf, aber ich muss erst die Waldmöwe zu meiner Mutter bringen, Montag ist Oma-Tag für die Große. Zuhause dauert es dann noch eine ganze Weile, bis der Jedi endlich zur Ruhe kommt. Er schläft mittags nur auf meinem Bauch, weshalb ich versuche, die Zeit sinnvoll zu nutzen, indem ich lese oder mich weiterbilde zu verschiedenen Themen.

Als gegen halb vier mein Mann nach Hause kommt, beginnt einer unserer liebsten Momente: Wir trinken gemeinsam Kaffee und sprechen über den Tag, die Kinder und die Arbeit. Dann gehen wir in den Garten, wo Michael am Gartenhaus arbeitet und ich mit dem Kleinen im Sand buddle.

Als meine Mutter die Große abends bei uns wieder abgibt, essen wir zu Abend. Danach bringt mein Mann den Jedi ins Bett. Die Große darf noch spielen, während ich die Küche aufräume. Nach einer Gute-Nacht-Geschichte liegt endlich auch die Waldmöwe im Bett.

Michael hat inzwischen die Wäsche abgehängt und neue aufgehängt. Wir schauen eine Serie und spätestens um 22 Uhr ist Schluss. Meist wacht der Kleine sowieso um diese Zeit auf und braucht die Nähe von einem von uns. Meist legt Michael sich zu ihm, da er eh um 5 Uhr aufstehen muss, um früh bei bei der Arbeit zu sein und so schon nachmittags nach Hause kommen kann.

Dienstag.

Heute werde ich gegen 7 Uhr von einem lauten „Maaamaaa!“ geweckt. Der Jedi zeigt auf einen Fleck auf dem Laken. Durchfall! Ich dusche ihn ab, wechsle das Bettzeug, dann gibt es Frühstück. Wir holen das Nachbarmädchen ab und fahren in den Kindergarten.

Wieder Zuhause gibt es für mich um 9 Uhr endlich den ersten Kaffee. Der Jedi wirft mit Kirschkernen um sich. Es macht ihm Spaß, er trainiert seine motorischen Fähigkeiten und ich kann in Ruhe Kaffee trinken. Eine pädagogisch wertvolle win-win-Situation. Das Aufräumen danach? Nehme ich dafür in Kauf.

Der Kleine hat schon wieder Hunger. Wir sitzen am Küchenfenster, beobachten die Vögel und füttern uns gegenseitig mit Mangostücken. Ich liebe diese Zeit, die wir morgens zu zweit verbringen. Es macht so viel Spaß, dabei zu sein, wenn er Neues entdeckt und lernt. Ich werde oft gefragt, ob ich mich nicht dabei langweile, mit den Kindern nur zuhause zu sein. Die klare Antwort lautet: Nein. Die ersten Worte, die ersten Dance-Moves zu bescheuerter Kindermusik, die ganzen Ticks und Eigenheiten – ich will das einfach miterleben. Ich habe noch 40 Jahre Arbeitsleben vor mir. Was sind dagegen drei wertvolle und intensive Jahre mit jedem meiner Kinder?

Diese Zeit kommt nie wieder. Die hab ich schon mal sicher.

Heute muss ich noch ein Foto für eine Kooperation auf meinem Blog machen. Mein Blog Heimatbaum ist eher ein Hobby für mich. Ich poste nur nach Lust und Laune. Das, was ich mit dem Blog verdiene, ist unser Urlaubsgeld. Einmal pro Jahr fahren wir in einen Urlaub mit Ferienhaus und Selbstversorgung. Irgendwann würde ich gern auch mal wieder so richtig All-inclusive-Urlaub machen, dafür fehlt uns nur gerade das Geld, aber irgendwann ist das wieder möglich.

Während ich fotografiere, übergibt sich der Jedi ins Wohnzimmer. Das ist also das Mitbringsel aus dem Wartezimmer. Ich nehme es mit Humor: Zum Glück habe ich die Kirschkerne vorher eingesammelt und ich wollte diese Woche sowieso unbedingt den Boden wischen.

Wir holen die Große ab, wir machen Seifenblasen im Wohnzimmer, wir bespannen mit der Waldmöwe einen Webrahmen neu. Nach fünf Minuten Weben hat sie keine Lust mehr und wir gehen raus. Manchmal denke ich darüber nach, wie das wird, wenn die Große nächstes Jahr zur Schule geht, der Kleine irgendwann auch und ich zurück in meiner Teilzeitstelle bin. Wird dann alles stressiger? Habe ich dann noch genügend Geduld? Ich sehe unser jetziges Leben manchmal als entspanntes Trainingslager für später. Mein Ziel ist es, uns jetzt schon gut aufzustellen, um später vieles besser abfangen zu können. Mal sehen, ob das klappt.

Mittwoch.

Ich werde von einem Kuss geweckt. Von einem richtigen Kuss, ohne Geschlabber! Zum ersten Mal hat der Jedi zum Küssen die Lippen gespitzt. Die Waldmöwe ist auch schon da. Sie wacht immer sehr früh auf, kommt dann hoch zu mir und legt sich auf Michaels Bettseite – mein Mann ist schon los. Oft liegen die Kinder dort dann Arm in Arm und die Waldmöwe sagt „Schau mal Mama, wie lieb wir uns haben!“

Frühstück. Die Große zum Kindergarten bringen. Auf dem Rückweg spaziere ich mit dem Jedi noch ein bisschen am Feld entlang und wir beobachten die Krähen, seine Lieblingstiere. Wir verbringen den Vormittag mit Bauen und Tanzen und ich schaffe es, zwischendurch zu duschen. Ich versuche, Pilates zu machen, aber der Jedi findet Turnen besser. Das Turngerät bin ich.

Wir holen die Große ab und gehen direkt zum Spielplatz. Das Wetter ist fantastisch und während der Jedi im Sand buddelt, fahre ich mit der Waldmöwe Seilbahn. Das macht einfach glücklich! Manchmal macht es mich aber auch nachdenklich: Wenn eine Mutter ihre eigenen Kinder betreut und erzieht, wird es nicht als richtige Arbeit betrachtet. Betreut jemand aber fremde Kinder und bekommt Geld dafür, ist es ein Job. Über das Thema gesellschaftliche Anerkennung von Müttern könnte ich Bücher füllen.

Ich wollte immer Mutter werden, das war früh klar.

Aber Mutter wird man doch zwischendurch! Das sei keine Lebensplanung.

Das musste ich mir früher oft anhören. Für mich ist es das schon. Ich mag meinen Beruf, aber ich muss da nicht die Welt retten. Und während ich nicht dort bin, sondern in Elternzeit, verändert sich mein Job auch nicht so sehr, dass ich nach einer kurzen Einarbeitung nicht gleich wieder rein käme. Das ist wie Fahrrad fahren.

Zum Abendessen sind wieder alle zusammen: Wir essen, mein Mann spielt mit den Kindern. Ich mache die Wäsche und verpacke ein paar Sachen, die ich online verkauft habe – unter anderem aussortierte Kindersachen über heimatbaum_sale bei Instagram.

Als beide Kinder im Bett sind, treffen mein Mann und ich uns auf dem Sofa, schauen eine Serie, trinken einen Radler. Der Kleine wacht um halb zehn schon wieder auf und schreit. Es dauert lange, bis er wieder einschläft. In Ruhe weiterschauen ist nicht mehr. Wir resignieren und machen uns beide bettfertig. Nur kurz später hören wir auch die Große durchs Babyphone weinen. Ich gehe mit ihr zur Toilette, beruhige sie und sitze dann am Fußende des Hochbettes. Die Nacht bleibt unruhig. Gegen 3 Uhr morgen ist der Jedi wieder wach und jammert lange, bis er endlich auf Michaels Bauch einschläft.

Donnerstag.

6 Uhr: Die Waldmöwe schleicht nach oben, legt sich zu uns und schläft wieder ein. Gegen kurz nach sieben dann ein lauter Ruf: „Wach auf, du Landratte!“ Ich fasse es einfach nicht! Die Waldmöwe hat ihren Bruder mal wieder aus Langeweile geweckt. Die Nacht war für die Tonne und ich bin ziemlich sauer.

Beim Frühstück verkündet meine Tochter, dass sie heute Zuhause bleiben und einen Bananenladen eröffnen möchte. Ich bin einverstanden, allerdings muss sie selbst im Kindergarten anrufen. Als die Leiterin ihr erklärt, dass heute ein Puppentheater kommt, ist der Bananenladen vergessen. Wir beeilen uns, holen das Nachbarmädchen ab und sind gerade noch pünktlich im Kindergarten.

Wieder Zuhause. Kaffee. Rutschfahrzeugtraining. Erste Versuche auf dem Töpfchen. Mittagsschlaf für den Kleinen. Niederländisch Sprachkurs für mich. Als Vorbereitung für den Wiedereinstieg in meinen Teilzeitjob. Und einfach so für den nächsten Urlaub.

Der Tag läuft wie gewohnt. Wir holen die Waldmöve ab, sie darf Paw Patrol schauen, während der Jedi und ich mit Fingerfarben malen. Kaffeezeit mit Papa. Danach laufen wir alle zusammen zur Bücherei und gehen noch ein Eis essen. Zubettbringritual wie immer.

Freitag.

Freitags muss mein Mann nur bis mittags arbeiten und holt auf dem Nachhauseweg die Waldmöwe vom Kindergarten ab. Fast zeitgleich kommt meine Mutter und wir fahren zusammen zur Kirche, um dort zu putzen. Unser Glaube ist uns sehr wichtig. Unsere Kirchengemeinde ist für uns wie eine große Familie und jeder hat bestimmte Aufgaben, die wir alle ehrenamtlich machen.

Zur Kaffeezeit sind wir zurück. Die Waldmöwe und ich sitzen im Kinderzimmer und machen eine Beauty Session. Wir lackieren uns die Nägel, kämmen uns gegenseitig die Haare und massieren uns die Hände. Heute ist außerdem ein besonderer Abend: Die Große darf etwas länger wach bleiben und mit uns Spiele spielen, bei denen der Jedi stören würde.

Samstag.

Kinder kennen kein Wochenende. Aber samstags läuft auch bei uns alles noch langsamer.

Wir frühstücken, dann streiche ich den Kleiderschrank der Kinder. Michael spielt mit den Kids. Als Michael mit dem Kleinen Mittagsschlaf macht, kommt die Waldmöwe zu mir ins Zimmer. Wir hören Connie, ich streiche, sie richtet ein Puppen-Picknick für meine nächste Pause her.

Kaffee für uns, Snacks für die Kinder. Ich streiche weiter, höre Podcasts und Michael geht mit den Kindern Schuhe kaufen.

Abends gibt es einen romantischen Abend zu zweit: Film. Bier. Chips.

Sonntag.

Michael und die Waldmöwe stehen heute früh auf und fahren in die Kirchengemeinde. Da er für Beamer und Sound beim Gottesdienst zuständig ist, muss er schon morgens dort sein.

Der Kleine schläft heute fast bis halb neun. Wir kuscheln noch ein bisschen und nach dem Frühstück geht es auch für uns zum Gottesdienst.

Heute kommen noch Freunde mit zu uns. Eigentlich war nach dem Essen geplant, auf den Spielplatz zu gehen. Aber da es regnet, verkrümeln sich die Kinder zum Spielen oben im Kinderzimmer und wir Eltern können uns entspannt unterhalten.

Am Sonntagabend ziehen mein Mann und ich auf der Couch ein Fazit der Woche und schauen, was demnächst bei uns so ansteht. Dann schauen wir eine Serie über atemberaubende Häuser in Neuseeland, unterhalten uns darüber, was wir an den Häusern mögen und was nicht. Schwelgen in Erinnerungen an unseren Urlaub dort. Wenn die Kinder größer sind, werden wir unsere Freunde dort wieder besuchen. Wir sparen schon dafür.

Auch, wenn wir uns das derzeit nicht leisten können und finanzielle Abstriche machen müssen: Wir sind jeden Tag aufs Neue dankbar für dieses Familienleben, mit dem wir sehr zufrieden und glücklich sind. Die Entscheidungen, die wir getroffen haben, waren für uns genau die Richtigen, nämlich den Alltag bewusst als Familie zu erleben. Und wir würden es jederzeit wieder so machen. Das Leben ist uns zu kurz, um nur von Wochenende zu Wochenende, von Urlaub zu Urlaub zu leben.

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Anna 23. Mai 2019 um 13:01 Uhr

    Vielen Dank für den tollen Artikel! Mein Mann und ich haben uns auch entschieden, dass wir (und das bedeutet bei unserer derzeitigen Arbeitsteilung, mit der wir beide glücklich sind, in erster Linie: ich) unsere Kinder bis zum Kindergarteneintritt selbst betreuen wollen. Ein Kommentar, der mir häufig begegnet, und der auch hier in den Kommentaren durchklingt, ist: “Toll, wenn ihr euch das leisten könnt.” Doch ab wann kann man sich das eigentlich leisten? Und vor allem, wer legt das fest?
    Wir leben zur Miete, haben kaum Ersparnisse, wirtschaften ziemlich sparsam und werden nach heutigem Stand (beide!) eine niedrige Rente haben.
    Trotzdem hadern wir nicht mit unserer Entscheidung. Wir sind dankbar für das Geschenk, dass wir so viel Zeit miteinander haben können, dass wir die Kinder so intensiv mitbekommen, und dass wir den Alltag mit viel Ruhe und Spontaneität gestalten können.
    Ich möchte denen Mut, die dieses Modell gerne wählen würden, aber glauben, dass sie es sich nicht leisten können. Es geht! Man darf auch materiell “arm” und trotzdem glücklich sein 🙂

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  3. Heidy 26. Mai 2019 um 08:26 Uhr

    Hallo Steffi, danke für diese Serie.
    Hallo Pepper, danke für diesen Einblick. Ich kenne deinen Blog und finde es ganz wunderbar, mal zu sehen, dass auch bei den Bloggerinnen die Kinder ins Wohnzimmer kotzen. Dass Mütter übermüdet sind, zweifeln und versuchen, die eigenen Rentenansprüche, die Urlaubskasse und die Ehe irgendwie im Blick zu behalten. Das ist auch bei Steffis Blog oft wirklich erfrischend. Danke für so offene Blogposts.
    Euch und euren Familien einen wunderbaren Sommer!
    Grüße von H. aus A.

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