Wonach ist dir heute?

Wie ist das so, wenn man sich entschließt, früh Mutter zu werden und für die Kinder Zuhause zu bleiben? Auf ein zweites Gehalt zu verzichten, sich finanziell einzuschränken und seinen Tag zwischen Kindern, Küche und Haushalt zu bestreiten? Pepper Schmidt und ihre Familie haben diesen Schritt gewagt – und bislang nicht bereut. Wie ihr Tag als Vollzeitmutter aussieht, was sie daran besonders schätzt und wie sie sich finanziell abgesichert hat – all das erzählt sie in ihrer Beispielwoche.

Ich freue mich riesig, dass Pepper uns so einen detaillierten Blick in ihr Leben und ihre Gedanken gibt, deshalb bitte beim Kommentieren immer freundlich und friedlich bleiben, egal was es mit einem macht, von anderen Lebensmodellen zu lesen. Jeder findet sein eigenes und diese Rubrik ist einfach nur zur Inspiration durch das Aufzeigen vieler unterschiedlicher Lebensmodelle gedacht. Es gibt kein richtiges oder falsches, wir geben alle unser Bestes. Das nur als kleine Erinnerung, da in dieser neuen Rubrik gern leidenschaftlich kommentiert wird, was ich toll finde. Nur ist es mir sehr wichtig, dass respektvoll mit den Frauen umgegangen wird, die uns hier in ihr Leben schauen lassen.

Wer gern noch mehr zu dem Lebensmodell lesen mag, wie Pepper es führt, dem könnte das Buch Das Nacheinander-Prinzip – vom gelassenen Umgang mit Familie und Beruf  (*Affiliate Link) von Eva Corino gefallen. Ich lese es auch gerade und obwohl ich ein ganz anderes Leben führe, finde ich es doch spannend und ziehe mir gute Gedanken heraus.

So, jetzt viel Spaß mit Peppers Beispielwoche & herzliche Grüße,

Steffi

+++

Hallo, ich bin Pepper, 32, und lebe mit meinem Mann und unseren beiden Kindern in Süddeutschland. Unsere Tochter, genannt Waldmöwe, wird in diesem Monat fünf. Unser Sohn, den wir Jedi nennen, ist eineinhalb Jahre alt. Als unsere Tochter geboren wurde, haben wir unser Berufsleben so gestaltet, dass uns viel Zeit für die Familie bleibt. Das bedeutet zwar auch deutlich weniger Geld, aber auch weniger Stress und das ist uns sehr wichtig. Inzwischen haben wir zwei Kinder und ich habe bei beiden drei Jahre Elternzeit genommen. Ich bin festangestellt als Industriekauffrau und kann nach der Elternzeit in Teilzeit in den Job zurückkehren. Langfristig wollen wir uns finanziell so aufstellen, dass auch mein Mann seine Stelle reduzieren kann. Dank einer privaten sowie einer betrieblichen Altersvorsorge ist für die Rente alles geregelt. Mit dem Thema habe ich mich vorher ausgiebig beschäftigt.

Montag.

Wir starten die Woche mit einem Ausflug zum Kinderarzt: Der Kleine hat am ganzen Körper rote Flecken und die Große bellt wie ein Seehund. Wir verbringen zwei Stunden im Wartezimmer und wenn die Kinder vorher noch nicht ernsthaft krank waren, dann bestimmt jetzt. Von November bis März ist immer jemand krank und ich bin froh, dass die Waldmöwe einfach daheimbleiben kann, ohne, dass ich dadurch Stress bei der Arbeit habe.

Gegen 12 Uhr ist eigentlich für den Kleinen schon längst Zeit für den Mittagsschlaf, aber ich muss erst die Waldmöwe zu meiner Mutter bringen, Montag ist Oma-Tag für die Große. Zuhause dauert es dann noch eine ganze Weile, bis der Jedi endlich zur Ruhe kommt. Er schläft mittags nur auf meinem Bauch, weshalb ich versuche, die Zeit sinnvoll zu nutzen, indem ich lese oder mich weiterbilde zu verschiedenen Themen.

Als gegen halb vier mein Mann nach Hause kommt, beginnt einer unserer liebsten Momente: Wir trinken gemeinsam Kaffee und sprechen über den Tag, die Kinder und die Arbeit. Dann gehen wir in den Garten, wo Michael am Gartenhaus arbeitet und ich mit dem Kleinen im Sand buddle.

Als meine Mutter die Große abends bei uns wieder abgibt, essen wir zu Abend. Danach bringt mein Mann den Jedi ins Bett. Die Große darf noch spielen, während ich die Küche aufräume. Nach einer Gute-Nacht-Geschichte liegt endlich auch die Waldmöwe im Bett.

Michael hat inzwischen die Wäsche abgehängt und neue aufgehängt. Wir schauen eine Serie und spätestens um 22 Uhr ist Schluss. Meist wacht der Kleine sowieso um diese Zeit auf und braucht die Nähe von einem von uns. Meist legt Michael sich zu ihm, da er eh um 5 Uhr aufstehen muss, um früh bei bei der Arbeit zu sein und so schon nachmittags nach Hause kommen kann.

Dienstag.

Heute werde ich gegen 7 Uhr von einem lauten „Maaamaaa!“ geweckt. Der Jedi zeigt auf einen Fleck auf dem Laken. Durchfall! Ich dusche ihn ab, wechsle das Bettzeug, dann gibt es Frühstück. Wir holen das Nachbarmädchen ab und fahren in den Kindergarten.

Wieder Zuhause gibt es für mich um 9 Uhr endlich den ersten Kaffee. Der Jedi wirft mit Kirschkernen um sich. Es macht ihm Spaß, er trainiert seine motorischen Fähigkeiten und ich kann in Ruhe Kaffee trinken. Eine pädagogisch wertvolle win-win-Situation. Das Aufräumen danach? Nehme ich dafür in Kauf.

Der Kleine hat schon wieder Hunger. Wir sitzen am Küchenfenster, beobachten die Vögel und füttern uns gegenseitig mit Mangostücken. Ich liebe diese Zeit, die wir morgens zu zweit verbringen. Es macht so viel Spaß, dabei zu sein, wenn er Neues entdeckt und lernt. Ich werde oft gefragt, ob ich mich nicht dabei langweile, mit den Kindern nur zuhause zu sein. Die klare Antwort lautet: Nein. Die ersten Worte, die ersten Dance-Moves zu bescheuerter Kindermusik, die ganzen Ticks und Eigenheiten – ich will das einfach miterleben. Ich habe noch 40 Jahre Arbeitsleben vor mir. Was sind dagegen drei wertvolle und intensive Jahre mit jedem meiner Kinder?

Diese Zeit kommt nie wieder. Die hab ich schon mal sicher.

Heute muss ich noch ein Foto für eine Kooperation auf meinem Blog machen. Mein Blog Heimatbaum ist eher ein Hobby für mich. Ich poste nur nach Lust und Laune. Das, was ich mit dem Blog verdiene, ist unser Urlaubsgeld. Einmal pro Jahr fahren wir in einen Urlaub mit Ferienhaus und Selbstversorgung. Irgendwann würde ich gern auch mal wieder so richtig All-inclusive-Urlaub machen, dafür fehlt uns nur gerade das Geld, aber irgendwann ist das wieder möglich.

Während ich fotografiere, übergibt sich der Jedi ins Wohnzimmer. Das ist also das Mitbringsel aus dem Wartezimmer. Ich nehme es mit Humor: Zum Glück habe ich die Kirschkerne vorher eingesammelt und ich wollte diese Woche sowieso unbedingt den Boden wischen.

Wir holen die Große ab, wir machen Seifenblasen im Wohnzimmer, wir bespannen mit der Waldmöwe einen Webrahmen neu. Nach fünf Minuten Weben hat sie keine Lust mehr und wir gehen raus. Manchmal denke ich darüber nach, wie das wird, wenn die Große nächstes Jahr zur Schule geht, der Kleine irgendwann auch und ich zurück in meiner Teilzeitstelle bin. Wird dann alles stressiger? Habe ich dann noch genügend Geduld? Ich sehe unser jetziges Leben manchmal als entspanntes Trainingslager für später. Mein Ziel ist es, uns jetzt schon gut aufzustellen, um später vieles besser abfangen zu können. Mal sehen, ob das klappt.

Mittwoch.

Ich werde von einem Kuss geweckt. Von einem richtigen Kuss, ohne Geschlabber! Zum ersten Mal hat der Jedi zum Küssen die Lippen gespitzt. Die Waldmöwe ist auch schon da. Sie wacht immer sehr früh auf, kommt dann hoch zu mir und legt sich auf Michaels Bettseite – mein Mann ist schon los. Oft liegen die Kinder dort dann Arm in Arm und die Waldmöwe sagt „Schau mal Mama, wie lieb wir uns haben!“

Frühstück. Die Große zum Kindergarten bringen. Auf dem Rückweg spaziere ich mit dem Jedi noch ein bisschen am Feld entlang und wir beobachten die Krähen, seine Lieblingstiere. Wir verbringen den Vormittag mit Bauen und Tanzen und ich schaffe es, zwischendurch zu duschen. Ich versuche, Pilates zu machen, aber der Jedi findet Turnen besser. Das Turngerät bin ich.

Wir holen die Große ab und gehen direkt zum Spielplatz. Das Wetter ist fantastisch und während der Jedi im Sand buddelt, fahre ich mit der Waldmöwe Seilbahn. Das macht einfach glücklich! Manchmal macht es mich aber auch nachdenklich: Wenn eine Mutter ihre eigenen Kinder betreut und erzieht, wird es nicht als richtige Arbeit betrachtet. Betreut jemand aber fremde Kinder und bekommt Geld dafür, ist es ein Job. Über das Thema gesellschaftliche Anerkennung von Müttern könnte ich Bücher füllen.

Ich wollte immer Mutter werden, das war früh klar.

Aber Mutter wird man doch zwischendurch! Das sei keine Lebensplanung.

Das musste ich mir früher oft anhören. Für mich ist es das schon. Ich mag meinen Beruf, aber ich muss da nicht die Welt retten. Und während ich nicht dort bin, sondern in Elternzeit, verändert sich mein Job auch nicht so sehr, dass ich nach einer kurzen Einarbeitung nicht gleich wieder rein käme. Das ist wie Fahrrad fahren.

Zum Abendessen sind wieder alle zusammen: Wir essen, mein Mann spielt mit den Kindern. Ich mache die Wäsche und verpacke ein paar Sachen, die ich online verkauft habe – unter anderem aussortierte Kindersachen über heimatbaum_sale bei Instagram.

Als beide Kinder im Bett sind, treffen mein Mann und ich uns auf dem Sofa, schauen eine Serie, trinken einen Radler. Der Kleine wacht um halb zehn schon wieder auf und schreit. Es dauert lange, bis er wieder einschläft. In Ruhe weiterschauen ist nicht mehr. Wir resignieren und machen uns beide bettfertig. Nur kurz später hören wir auch die Große durchs Babyphone weinen. Ich gehe mit ihr zur Toilette, beruhige sie und sitze dann am Fußende des Hochbettes. Die Nacht bleibt unruhig. Gegen 3 Uhr morgen ist der Jedi wieder wach und jammert lange, bis er endlich auf Michaels Bauch einschläft.

Donnerstag.

6 Uhr: Die Waldmöwe schleicht nach oben, legt sich zu uns und schläft wieder ein. Gegen kurz nach sieben dann ein lauter Ruf: „Wach auf, du Landratte!“ Ich fasse es einfach nicht! Die Waldmöwe hat ihren Bruder mal wieder aus Langeweile geweckt. Die Nacht war für die Tonne und ich bin ziemlich sauer.

Beim Frühstück verkündet meine Tochter, dass sie heute Zuhause bleiben und einen Bananenladen eröffnen möchte. Ich bin einverstanden, allerdings muss sie selbst im Kindergarten anrufen. Als die Leiterin ihr erklärt, dass heute ein Puppentheater kommt, ist der Bananenladen vergessen. Wir beeilen uns, holen das Nachbarmädchen ab und sind gerade noch pünktlich im Kindergarten.

Wieder Zuhause. Kaffee. Rutschfahrzeugtraining. Erste Versuche auf dem Töpfchen. Mittagsschlaf für den Kleinen. Niederländisch Sprachkurs für mich. Als Vorbereitung für den Wiedereinstieg in meinen Teilzeitjob. Und einfach so für den nächsten Urlaub.

Der Tag läuft wie gewohnt. Wir holen die Waldmöve ab, sie darf Paw Patrol schauen, während der Jedi und ich mit Fingerfarben malen. Kaffeezeit mit Papa. Danach laufen wir alle zusammen zur Bücherei und gehen noch ein Eis essen. Zubettbringritual wie immer.

Freitag.

Freitags muss mein Mann nur bis mittags arbeiten und holt auf dem Nachhauseweg die Waldmöwe vom Kindergarten ab. Fast zeitgleich kommt meine Mutter und wir fahren zusammen zur Kirche, um dort zu putzen. Unser Glaube ist uns sehr wichtig. Unsere Kirchengemeinde ist für uns wie eine große Familie und jeder hat bestimmte Aufgaben, die wir alle ehrenamtlich machen.

Zur Kaffeezeit sind wir zurück. Die Waldmöwe und ich sitzen im Kinderzimmer und machen eine Beauty Session. Wir lackieren uns die Nägel, kämmen uns gegenseitig die Haare und massieren uns die Hände. Heute ist außerdem ein besonderer Abend: Die Große darf etwas länger wach bleiben und mit uns Spiele spielen, bei denen der Jedi stören würde.

Samstag.

Kinder kennen kein Wochenende. Aber samstags läuft auch bei uns alles noch langsamer.

Wir frühstücken, dann streiche ich den Kleiderschrank der Kinder. Michael spielt mit den Kids. Als Michael mit dem Kleinen Mittagsschlaf macht, kommt die Waldmöwe zu mir ins Zimmer. Wir hören Connie, ich streiche, sie richtet ein Puppen-Picknick für meine nächste Pause her.

Kaffee für uns, Snacks für die Kinder. Ich streiche weiter, höre Podcasts und Michael geht mit den Kindern Schuhe kaufen.

Abends gibt es einen romantischen Abend zu zweit: Film. Bier. Chips.

Sonntag.

Michael und die Waldmöwe stehen heute früh auf und fahren in die Kirchengemeinde. Da er für Beamer und Sound beim Gottesdienst zuständig ist, muss er schon morgens dort sein.

Der Kleine schläft heute fast bis halb neun. Wir kuscheln noch ein bisschen und nach dem Frühstück geht es auch für uns zum Gottesdienst.

Heute kommen noch Freunde mit zu uns. Eigentlich war nach dem Essen geplant, auf den Spielplatz zu gehen. Aber da es regnet, verkrümeln sich die Kinder zum Spielen oben im Kinderzimmer und wir Eltern können uns entspannt unterhalten.

Am Sonntagabend ziehen mein Mann und ich auf der Couch ein Fazit der Woche und schauen, was demnächst bei uns so ansteht. Dann schauen wir eine Serie über atemberaubende Häuser in Neuseeland, unterhalten uns darüber, was wir an den Häusern mögen und was nicht. Schwelgen in Erinnerungen an unseren Urlaub dort. Wenn die Kinder größer sind, werden wir unsere Freunde dort wieder besuchen. Wir sparen schon dafür.

Auch, wenn wir uns das derzeit nicht leisten können und finanzielle Abstriche machen müssen: Wir sind jeden Tag aufs Neue dankbar für dieses Familienleben, mit dem wir sehr zufrieden und glücklich sind. Die Entscheidungen, die wir getroffen haben, waren für uns genau die Richtigen, nämlich den Alltag bewusst als Familie zu erleben. Und wir würden es jederzeit wieder so machen. Das Leben ist uns zu kurz, um nur von Wochenende zu Wochenende, von Urlaub zu Urlaub zu leben.

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. su 22. Mai 2019 um 07:52 Uhr

    Liebe Pepper! <3 lichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung! Zeit, Ruhe und einigermaßen entspannte Eltern sind für Kinder doch das beste Geschenk….
    Sch…. auf All-inklusive-Urlaube! Mach dein Leben zum "Dauerurlaub".

    Wir leben in einer verrückten Welt…. Aber jeder hat die Wahl und muss die Verantwortung für sein Leben selbst übernehmen. Wer inne hält, bekommt Innen Halt….

    Ganz liebe Grüße

    Antworten
  3. Petra Schulz 22. Mai 2019 um 07:57 Uhr

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Einblick in deinen Alltag! Bei mir war es ganz ähnlich (bin inzwischen nur schon etwas älter 😉 ), und ich habe die Zeit sehr genossen und auch dafür genutzt, mich beruflich neu zu orientieren. Heutzutage muss man sich ja fast schon dafür entschuldigen, wenn man nicht gleich wieder arbeiten geht, das finde ich traurig, denn jede Familie muss ihr eigenes Modell leben, wie es eben am besten für alle Beteiligten funktioniert.

    Antworten
  4. Stephanie 22. Mai 2019 um 08:07 Uhr

    Nun, ich finde es eigentlich ziemlich traurig, dass der Artikel schon mit dem Aufruf zu Toleranz gegenüber anderen Lebensmodellen eingeleitet werden muss. Jeder sollte die Freiheit haben in Absprache mit seinem Partner (oder auch ohne) sein für sich passendes Lebensmodell zu entwickeln ohne angefeindet oder – despektierlich – als Hausmutti, faul oder nicht zeitgemäß angesehen zu werden. Frauen, die sich entscheiden zuhause zu bleiben, sind häufig recht starke Frauen. Sie verzichten auf finanzielle Unabhängigkeit, häufig gesellschaftliche Anerkennung und sind häufig dem Unverständnis anderer ausgesetzt! Jede Frau muss die uneingeschränkte Wahl haben.

    Antworten
  5. Kerstin 22. Mai 2019 um 08:41 Uhr

    Liebe Pepper, ich bin allein nach dem Lesen tiefenspannt und freue mich für die Waldmöwe und den Jedi, die ersten Jahre auf dieser Welt so geliebt, gesehen und gehört zu werden. Und für euch freue ich mich, weil ihr den Blick für die sanften Lebensamplituden offenhaltet. Du weißt von deinem Privileg und dem Preis, den zu zahlst, und siehst jeden Tag den Gewinn. Toll. Es ist in der Tat wahnsinnig traurig, dass man dem Muttersein nicht mit derselben Wertschätzung begegnet wie der Nanny. Das können wir alle ändern, langsam, mit der gegenseitigen Anerkennung für jede Form, Mutter, Eltern und Frau zu sein. Dank dir für deine Offenheit.

    Antworten
  6. Sylvia 22. Mai 2019 um 08:43 Uhr

    Liebe Pepper, Hut ab für deine Entscheidung. Ich finde euer Alltag hört sich sehr ruhig und so schön gelassen an. Sich die Zeit zu nehmen, die besonderen Momente zu geniessen, ohne von einer Stresssituation in die nächste zu hetzen (Stichwort krankes Kind).
    Wir haben das Glück in einer freien, demokratischen Gesellschaft zu leben und sollten diese Freiheit nutzen, ein für uns passendes Lebensmodell zu leben. Emanzipation wird oft sehr eindimensional betrachtet als Befreiung aus der (finanziellen) Abhängigkeit, hin zur Selbständigkeit. Für mich heißt Emanzipation aber auch, sich von gesellschaftlichen Zwängen und Vorstellungen frei zu machen und den Weg zu wählen, der für einen selbst der richtige ist. Aber natürlich gibt es auch Familien, die es sich – trotz Verzicht auf Annehmlichkeiten – gar nicht leisten können, diese Frage so frei zu entscheiden. Wo einfach beide Eltern arbeiten müssen.
    Uns wird in den Medien gerne das Rollenmodell der erfolgreichen Working-Mom, die “nebenbei” noch Familie wuppt suggeriert. Ich selbst habe 2 Kinder und bin selbständig und weiß nur zu gut, dass sich die Wirklichkeit gerne auch von einer anderen Seite zeigt. Und ich habe auch eine gute Zeit gebraucht, um meine Rolle zu finden und meine Arbeitszeit stark zu reduzieren, um mehr Zeit für meine Kinder und die ruhigen, ungeplanten und wertvollen Momente zu haben. Und die geniesse ich sehr. Und ja: sie kommen nicht wieder.
    Wie Pepper sagt: was sind ein paar Jahre Elternzeit im Vergleich zu 40 Jahren Arbeitszeit? Ich würde vermuten, dass die emotionale Bilanz ihrer Kinder gut aufgetankt ist für die Achterbahnfahrt des Lebens und finanziell unabhängig ist sie auch, da sie plant wieder in ihren Beruf einzusteigen und auch an Rente gedacht hat.
    Ergo: Applaus, Applaus für ein offensichtlich gelungenes Lebensmodell. Und ganz entschieden auch Applaus für all diejenigen, die sich anders entscheiden, weil es für sie und ihre Familie so besser passt.

    Antworten
  7. Katharina 22. Mai 2019 um 08:49 Uhr

    Mir hilft dieser Artikel gerade, eine für uns anstehende Entscheidung zu treffen und weiter ganz minimal in meinen Job zurück zu gehen. Nicht schon aufzustocken, sondern ganz bewusst noch Zeit für unsere drei Kinder (5,3,1) zu haben. Danke dafür!

    Antworten
  8. Lynna 22. Mai 2019 um 09:11 Uhr

    Liebe Pepper,

    vielen Dank für diese wunderbare Beispielwoche. Auch wenn unsere Wochen sehr bald schon wieder ganz anders aussehen werden (oder vielleicht gerade deswegen), war ich gerade kurz den Tränen nahe. Die Entscheidung hört sich so richtig für euch an.

    Liebe Grüße
    Lynna

    Antworten
  9. Sandra Geissler 22. Mai 2019 um 09:22 Uhr

    Was für eine tolle Rubrik! Ich finde es so wichtig aneinander wahrzunehmen und unterschiedliche Lebensentwürfe kennen und respektieren zu lernen. Ich bin bei meinen fünf Kindern zu Hause, ich käme nie auf die Idee, dass dies der einzig gangbare und richtige Weg ist, aber für uns ist er es. Leider sehen das immer noch viele anders, was zu ganz absurden Rechtfertigungssituationen führt. Umso mehr freue ich mich über solche Plattformen…

    Antworten
  10. Susanne 22. Mai 2019 um 09:27 Uhr

    Liebe Steffi,
    daaaaaaaaanke für DIESE Beispielwoche von Pepper!!
    Bisher habe ich beim Lesen der anderen Beispielwochen schon immer Stressatmzng bekommen und mich gefragt, woher die Frauen bloss die Kraft für dieses Leben nehmen. Bei der Vorstellung von Peppers Alltag habe ich mich richtig mit ihr mitgefreut, wie entspannt und ruhig sie das Leben mit ihren Kindern angehen kann. Schön, dass sie die Möglichkeit hat, ihr Leben in ihrem Tempo zu gestalten.
    Als Logopädin arbeite ich in der Stimm- und Atemtherapie nach der Methode der Terlusologie. Sie geht davon aus, dass es zwei unterschiedliche Atemtypen gibt, die auch auf unterschiedliche Art und Weise zu Kraft und Energie kommen: die Einen über Langsamkeit und Ruhe, die Anderen über Aktivität und Bewegung.
    Ich schätze, Pepper und ich spielen da im selben Team!
    Liebe Grüße,
    Susanne

    Antworten
  11. Anke 22. Mai 2019 um 09:37 Uhr

    Liebe Pepper, Ja, über das Thema gesellschaftliche Anerkennung von Müttern könnte auch ich Bände füllen. Ich habe drei Kinder und mit jedem Kind hat sich die Priorität mehr in Richtung Familie verschoben. Dafür musste ich viel einstecken. Am Ende habe ich die Reißleine gezogen und mache jetzt etwas ganz anderes. Etwas das mir Spaß macht und mir die Flexibilität und Zeit für meine Kinder lässt. Und ich finde wirklich, jeder sollte hier für sich entscheiden können, was für ihn und seine Familie das beste ist. Das ist doch wahre Freiheit! Alles Gute, Anke

    Antworten
  12. Isabel 22. Mai 2019 um 10:30 Uhr

    Liebe Steffi, auch ich finde es super, dass hier alle Modelle Platz finden. Und du hast recht: mit mir macht das was, sowas zu lesen. Ich bin irgendwie neidisch auf die Ruhe und die viele Zeit, die Pepper hat, auf der anderen Seite macht genau das mich irgendwie wuschig. Ich bin mir aber auch sicher, dass der Alltag alleine mit 2 Kindern nicht immer soooo ruhig ist, wie sie das beschreibt. Haushalt und andere Erledigungen kommen in dem Bericht kaum vor, für mich ist alleine das Einkaufen mit 2 Kindern immer eine Herausforderung. Was ich schön finde: dass die beiden trotz klarer Rollenverteilung auf Gleichberechtigung achten, also er auch im Haushalt mit anpackt. Was ich auch wichtig finde: dass das Thema Zukunft und Absicherung angesprochen werden. Wer sich dafür entscheidet, dass ein Elternteil lange nicht arbeitet, muss das einfach bedenken. Was ich schade finde: warum ist es immer die Mutter… Warum können wir nicht über die Anerkennung von ELTERN sprechen, es gehören doch meistens zwei dazu. Modelle, wo ER auch mal ein Jahr länger zuhause bleibt, fehlen mir einfach. Und: Pepper hat natürlich wahnsinnig Glück mit ihrem Job. Bei den meisten ist es einfach nicht so, dass der Job nach drei Jahren noch der Gleiche ist und dass der Wiedereinstieg so smooth ist. Und natürlich auch, dass die beiden das finanziell (zwar mit Abstrichen, aber dennoch) hinbekommen. In ganz vielen Familien müssen einfach nach der Elterngeld-Zeit beide wieder arbeiten, damit es reicht. Also danke für diese Gedanken-Aufwirrung am Morgen. Es tut immer gut, über den Tellerrand zu schauen!!

    Antworten
  13. Lisa 22. Mai 2019 um 11:07 Uhr

    Liebe Pepper,

    vielen Dank für diesen wunderbaren, ehrlichen Einblick in euer Leben! Ich finde es eine tolle Entscheidung und sehne mich hin und wieder auch nach so einem Alltag – vor allem wenn die Kleinen krank sind oder auch einfach mal zu Hause bleiben wollen. Es liest sich so harmonisch, dass man einfach dabei sein möchte.

    Liebe Grüße
    Lisa

    Antworten
  14. Iris 22. Mai 2019 um 12:19 Uhr

    Die Beschreibung des Alltags dieser Familie klingt schön und entspannt. Nicht so ganz nachvollziehen kann ich allerdings die Aussage, dass auch die finanzielle Absicherung in der Rente geplant ist. Denn eine betriebliche Rente und am Ende noch ein Rieserprodukt allein werden nicht ausreichen um die Rentenlücke zu schließen oder gar nach einer Trennung beiden Expartnern eine auskömmliche Rente zu sichern. Vielleicht besteht bei der Familie bereits ein ausreichendes finanzielles Polster, dann sind diese Überlegungen sekundär. Die Aussage, dass an die finanzielle Absicherung gedacht wurde, täuscht dann aber eher.

    Antworten
  15. Catharina 22. Mai 2019 um 13:51 Uhr

    Hallo

    Toller Artikel!!!
    Ich sehe es eig ganz genauso. Es ist toll Zeit mit den Kindern zu verbringen und sie zu begleiten.
    Wir haben uns auch bewusst für solch ein Modell entschieden. Selbst den super bezahlten und Karrierefördernden Job, hat mein Mann den Kindern zuliebe abgesagt, weil er die Kinder nicht nur am Wochenende oder im Urlaub sehen will.

    Lg

    Antworten
  16. Katja 22. Mai 2019 um 14:47 Uhr

    Liebe Pepper,
    du machst einen super Job! Du trägst Verantwortung für deine Kinder. Nämlich „wirklich“ da zu sein wenn es deinen Kindern nicht gut geht.
    Das ist doch wichtiger als jede noch so vermeintlich wichtige andere Berufs-Aufgabe.
    Denn verantwortungsvolle Mutter sein ist kein Zuckerschlecken oder „Dauerurlaub“, sondern man muss seine Bedürfnisse oft zurückstecken und das machen die wenigsten.
    Bravo!
    Liebe Grüße
    Katja

    Antworten
  17. Stefan 22. Mai 2019 um 16:36 Uhr

    Respekt und Hochachtung vor deinen Entscheidungen! Jeder Mensch der bei den Kindern bleibt macht die wichtige, schöne aber manchmal auch sehr anstrengende Familienarbeit. Dabei gewinnen die Kinder und die Partner! Ich selbst kann von dieser Einstellung viel lernen!

    Antworten
  18. Dorthe 22. Mai 2019 um 16:46 Uhr

    Liebe Steffi und liebe Pepper,

    lieben Dank für diesen Beitrag – genau diese Variante hatte ich mir als Beispielwoche gewünscht:–)
    Einige Punkte trafen auch total auf uns zu. Denn es war für uns klar, dass die Lütte „erst“ mit drei in den Kiga gehen sollte … und auch nur fünf Stunden. In den drei Jahren zu Hause durfte ich mir auch immer anhören, ob das nicht langweilig sei. Die Lütte hatte nämlich auch keine Kurse oder so (außer Turnen ab eineinhalb). „Sie muss doch mehr unter Leute … und überhaupt.“ Ich finde es also schön, zu lesen, dass es bei euch, Pepper, wohl auch eher weniger festes Programm gibt und dafür mehr Freiheit.

    Als unsere Lütte dann im Kiga war, hatte ich Glück und habe den für mich perfekten Job gefunden. Drei Vormittage pro Woche. Was mich aber ziemlich genervt hat, war die ständige Diskussion mit meinem Mann darüber, wessen Tag nun anstrengender war (dass „nur“ zu Hause sein mit Kind mega anstrengend sein kann, ist wohl klar?) oder welcher Job wichtiger ist (wer bleibt zu Hause, wenn Kind krank?).
    Dann ging die Schule los und ich wollte aufstocken, mehr verdienen, sozialversicherungspflichtig … ewig Mini–Job wäre natürlich nicht gegangen … doch dann wurde das Magazin eingestellt und ich entlassen. Nun suche ich schon recht lange nach etwas Passendem. Was diesmal viel schwieriger ist. Obwohl mein Mann und ich nun unsere Arbeitsstunden gern etwas aneinander angleichen würden (wenn es vom Gehalt her passt), habe ich das Gefühl, dass es entweder nur Aushilfsjobs gibt oder Ganztag …
    Also, total schön, auch mal von einem Modell zu lesen, das meinen Vorstellungen recht ähnlich ist … da fühle ich mich direkt wieder wohler :–)
    Ach ja, wegen der Rente … ich habe dadurch, dass ich auch vor dem Mamasein trotz viel Arbeit wenig verdient habe, in den drei Jahren Erziehungszeit automatisch mehr in die Rentenkasse eingezahlt, als vorher. Mich würde sehr interessieren, was du, Pepper, da für Überlegungen hattest und für welche Lösung du dich entschieden hast. Falls du es verraten magst.
    Ganz liebe Grüße,
    Dorthe

    Antworten
  19. Melanie 22. Mai 2019 um 20:51 Uhr

    Auch ich finde diese Rubrik sehr gut, aber wie schon Isabel schrieb, fehlt mir da irgendwie die Elternsicht – wann hat der Vater denn mal Zeit mit seinen Kindern alleine und “darf” so entspannte Vormittage genießen, wenn er die ganze finanzielle Verantwortung trägt? Denn auch für die Väter sind doch die ersten Lebensjahre der Kinder genau so wichtig wie die Zeit mit der Mutter. Uns war es deswegen auch sehr wichtig, daß es diese Vormittage/Tage zum Spielen und ganz im Moment sein auch mit Papa gibt.
    Vielleicht magst du auch mal einen Vater hier in der Rubrik vorstellen, der sich die Aufgaben halbe-halbe teilt, liebe Steffi?

    Antworten
  20. Pepper 22. Mai 2019 um 21:37 Uhr

    Vielen Dank für all die lieben Worte zu unserem Lebensmodell!

    Man kann in so einer Beispielwoche nicht die komplette Situation einer Familie abbilden, deshalb versuche ich die beiden Hauptfragen kurz zu beantworten.

    Was meinen Mann angeht: es ist für ihn beruflich bisher nicht möglich gewesen, vormittags zu Hause zu sein, da er Ausbilder ist und die Azubis eben vormittags arbeiten. Dafür kann er um 13 Uhr Feierabend machen und hat noch dazu ein sehr flexibles Gleitzeitmodell. Da bleibt genug Zeit für die Kinder, auch unter der Woche. Momentan arbeiten wir an der Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten und wie im Artikel erwähnt, ist es das Ziel, dass er seine Arbeitszeit auch irgendwann reduziert, wenn sein Job es ermöglicht.

    Was die Altersvorsorge angeht: ich habe seit ich 18 bin nicht nur einen Riestervertrag, in den mein Arbeitgeber mit einbezahlt, sondern auch eine private dynamische Rentenversicherung und dazu noch ein Rentenbausteinsystem des Arbeitgebers. Zusätzlich sparen wir seit Jahren auf ein extra Sparbuch, für die Rente. Außerdem haben wir in jungen Jahren in Immobilien investiert, statt Miete zu bezahlen. Wir besitzen eine Wohnung, die wir vermieten und in der wir selbst im Alter wohnen können. Und bis dahin müsste auch das Haus abbezahlt sein, das wir dann auch verkaufen oder vermieten können. Das Haus hat auch die Möglichkeit, zwei separate Wohnungen daraus zu machen. Wir könnten also im Alter unten wohnen und oben vermieten.

    Mir ist natürlich klar, dass wir sehr gesegnet sind und wir sehen das nicht als selbstverständlich! Wir sind jeden Tag dankbar dafür!

    Antworten
  21. Nina 23. Mai 2019 um 08:03 Uhr

    Danke für den schönen und interessanten Einblick, liebe Pepper!

    Toll fände ich hier auch mal die Beispielwoche einer Frau, die nicht Mutter ist oder deren Kinder bereits aus dem Haus sind. Oder die Woche einer Single-Frau; die Woche einer Frau, die eine/n Angehörigen pflegt oder betreut…
    Das Leben ist vielfältig! 🙂

    Antworten
  22. Anna 23. Mai 2019 um 13:01 Uhr

    Vielen Dank für den tollen Artikel! Mein Mann und ich haben uns auch entschieden, dass wir (und das bedeutet bei unserer derzeitigen Arbeitsteilung, mit der wir beide glücklich sind, in erster Linie: ich) unsere Kinder bis zum Kindergarteneintritt selbst betreuen wollen. Ein Kommentar, der mir häufig begegnet, und der auch hier in den Kommentaren durchklingt, ist: “Toll, wenn ihr euch das leisten könnt.” Doch ab wann kann man sich das eigentlich leisten? Und vor allem, wer legt das fest?
    Wir leben zur Miete, haben kaum Ersparnisse, wirtschaften ziemlich sparsam und werden nach heutigem Stand (beide!) eine niedrige Rente haben.
    Trotzdem hadern wir nicht mit unserer Entscheidung. Wir sind dankbar für das Geschenk, dass wir so viel Zeit miteinander haben können, dass wir die Kinder so intensiv mitbekommen, und dass wir den Alltag mit viel Ruhe und Spontaneität gestalten können.
    Ich möchte denen Mut, die dieses Modell gerne wählen würden, aber glauben, dass sie es sich nicht leisten können. Es geht! Man darf auch materiell “arm” und trotzdem glücklich sein 🙂

    Antworten
  23. Heidy 26. Mai 2019 um 08:26 Uhr

    Hallo Steffi, danke für diese Serie.
    Hallo Pepper, danke für diesen Einblick. Ich kenne deinen Blog und finde es ganz wunderbar, mal zu sehen, dass auch bei den Bloggerinnen die Kinder ins Wohnzimmer kotzen. Dass Mütter übermüdet sind, zweifeln und versuchen, die eigenen Rentenansprüche, die Urlaubskasse und die Ehe irgendwie im Blick zu behalten. Das ist auch bei Steffis Blog oft wirklich erfrischend. Danke für so offene Blogposts.
    Euch und euren Familien einen wunderbaren Sommer!
    Grüße von H. aus A.

    Antworten

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