Ich startete wie die meisten eigentlich: mit diesen Softpornofilmen auf RTL und Sat1 im Samstagnachtprogramm. Das war in den Neunzigern. Als ich dann mit 17 Jahren zu meinem ersten Freund zog, schlenderten wir jeden Freitag in die Videothek und schlichen heimlich in die Schmuddelecke, um hinter dem grauen Vorhang nach einem Film zu suchen, dessen Cover für uns Sinn machte. Es gab kein Internet zu dieser Zeit und der Konsument hatte nicht die Macht, die er heute glücklicherweise besitzt. Pornos wurden von Männern für Männer gedreht. Der maskuline Blick dominierte das Geschehen und so verlief eigentlich jeder Film nach demselben Schema: sehr viel Blasen, sehr viel Point of view-Shots – also die Kamera in der Hand –, ziemlich kurze schnelle Szenen und eine übertrieben geschminkte Darstellerin, die nie kam oder einen einzigen Orgasmus fakte, weil die Verantwortlichen noch nicht von der Möglichkeit echter multipler Orgasmen gehört hatten.
Give it to me, motherfucker.
Das ging so eine ganze Weile, bis Sasha Grey die Bühne der adult industry betrat und den Porno nachhaltig und eigentlich für immer veränderte. Sie war nicht blondiert, hatte keine gemachten, sondern natürlich kleine Brüste, kein gebleachtes Poloch und Schamhaare. Ziemlich viele sogar. Sasha drehte die krassesten Hardcoreszenen mit einer Würde, über die sich nicht nur ihre männlichen Kollegen wunderten, sondern auch die Zuschauer – sollte die Frau doch lediglich als Objekt für ihre eigene Lustbefriedigung dienen und nicht selbst Bedürfnisse äußern. Aber Sasha machte da nicht mit.
„Sie bewies ihre Subjekthaftigkeit, während zehn Schwänze vor ihrem Gesicht baumelten.“ -
Sie beschimpfte die männlichen Performer beim Sex, forderte aggressiv erniedrigende Behandlungen ein und drehte den Spieß einfach um: Sie sagte: „I love to get fucked motherfucker, so do it good!“
Mehr sie, weniger er.
Es ist sicher nicht übertrieben, zu behaupten, dass diese zierliche brünette Fischi-Frau (ihr Sternzeichen!!!) dem, was wir heute als FemPorn bezeichnen, den Weg ebnete. Also feministischen Pornos, in denen Frauen sehr wohl Lust empfinden dürfen und ihre eigene Befriedigung einfordern. Pornos, in denen sie nicht als Objekt, sondern als Subjekt mit Wünschen, Bedürfnissen und eigenen Phantasien eine zentrale Rolle spielen. Wenn nicht sogar die zentralste.
Selbstverständlich gibt es heute immer noch den klassischen Porno, der aus dem männlichen Blick heraus konzipiert und gedreht wird – aber Filmemacherinnen wie Erika Lust oder Plattformen wie
Kink.com und
Bellesa.co haben die Industrie bunter gemacht und einen Raum für alle Geschlechtsidentitäten, Rollenvorstellungen und Phantasien geschaffen.
Seit vielen Jahren schaue ich eigentlich nur noch FemPorn. Das liegt besonders daran, dass mich nichts mehr abturnt, als einer Frau dabei zuzuschauen, wie sie Sex hat, obwohl sie viel lieber netflixen würde. Es turnt mich auch nichts mehr ab, als mir 17 Minuten lang anschauen zu müssen, wie ein Schwanz geblasen wird, um dann einer dreiminütigen Penetration beizuwohnen, ohne dass die Frau einmal kommt. Da kriege ich Hass. Da mache ich aus. Und weil es gar nicht so einfach ist, gute Filme zu finden, stelle ich hier an dieser Stelle meine Top 3 vor:
1. Owen Gray und Honey
Okay, ganz ehrlich, ich halte
diesen Film für einen der besten, den ich je gesehen habe. Allerdings wurde er auch erst vor drei Wochen hochgeladen und ich habe ihn am Sonntag entdeckt. Das ist also aktuell mein Lieblingsfilm, was in besonders an Owen Gray liegt. Eigentlich ist er überhaupt nicht mein Typ, aber seine Performance hat mich so dermaßen beeindruckt, dass ich mir direkt nach diesem Film noch fünf andere mit ihm angeguckt habe, die alle richtig gut sind. Was Owen kann, und was die meisten FemPorn-Filme mittlerweile tun, ist auf die Darstellerin einzugehen.
„Was will sie eigentlich? Worauf steht sie? Was sind ihre Kinks? “ -
Als Kinks bezeichnet man mittlerweile Phantasien. Jedem Film, in dem Owen Darsteller ist, merkt man an, dass die Frau und ihre Befriedigung im Zentrum stehen. Er legt dabei eine Menge Respekt und Sensibilität an den Tag, egal, ob die Performerin möglicherweise dominiert werden will. Das heißt, er ist einfühlsam in control. Bei einem solchen Ansatz kommen selbstverständlich gute Pornos bei raus, in denen, so wie in diesem hier auch, die Darstellerin multiple Orgasmen hat und einfach gefickt wird, bis sie Sterne sieht. Und nichts anderes wollen wir Frauen doch eigentlich, oder?
2. Sasha Grey und Some Nobody
Das ist an sich ein
super konventioneller Porno – aber Sasha ist dabei und ich wollte sie gerne mit in meiner Auswahl haben. Sie hat allerdings vor fast zehn Jahren die Pornoindustrie verlassen, deswegen müssen wir uns quasi mit einem Pre-FemPorn zufriedengeben. Mein Tipps: einfach den Anfang skippen und ab Minute 10:00 einsteigen, um Sasha magic machen zu sehen. Egal, wie sehr der männliche Darsteller versucht sie zu dominieren, sie schafft es, die Oberhand zu behalten, bestimmt, was getan werden darf und was getan werden muss. Er dient ihr zur Lustbefriedigung und nicht andersrum, und das ist, was Sasha von anderen Performerinnen radikal unterscheidet. Mit ihren Ansagen, die eindeutig klarmachen, was der Mann wie zu tun hat, bringt sie sich als Subjekt ein.
„Die Freiheit, die sich Sasha den Typen gegenüber nimmt, würde ich vielen Frauen wünschen.“ -
3. Riley Reid und Manuel Ferrara
Ich liebe Riley. Sie ist eine ziemlich bekannte Performerin und hat in den letzten Jahren eine Menge Preise in der adult industry abgeräumt. Ähnlich wie bei Sasha in den Neunzigern merkt man ihr an, dass sie ihre Subjekthaftigkeit nicht aufgibt, egal, welche Szene sie dreht. Sie liebt Sex, I mean, she really does. Und das merkt man. Sie hat auch keine gemachten Brüste, keine krasse Fake-Tan oder blondierte Haare.
„Nicht nur ihr Look ist authentisch, sondern auch ihre Performance.“ -
Diesen Film hat sie mit einer Porno-Ikone gedreht. Manuel Ferrara ist ein alter Hase und dafür bekannt, die Darstellerinnen mit richtig gutem Dirty Talk komplett wahnsinnig zu machen. Das sieht man immer wieder auch in diesem Video. Die beiden haben ziemlich echten Sex, ohne viel Shabang, ohne krasse Hardcore-Momente und ohne BDSM. Wer es also lieber soft und sinnlich mag, ist hier richtig.
Und jetzt: ganz viel Spaß beim Gucken!
Eure Mirna
Mirna hat uns ihren Artikel auch als Audio-Version eingesprochen. Wenn ihr euch den Artikel anhören und/oder downloaden möchtet, klickt einfach
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Foto: Shai Levy