Cacao ist mir begegnet, als mich die Perimenopause kalt erwischte. Mein perfekter 28-Tage-Zyklus war von einem auf den anderen Tag Geschichte. Neben einem plötzlich erratischen Zyklus hatte ich mit weiteren Symptomen eines veränderten Hormonsystems zu tun: schlechter Schlaf, Gewichtszunahme, Energiemangel und Konzentrationsprobleme. Ich fühlte mich fremd in meinem Körper und wollte unbedingt verstehen, was da mit mir passiert.
Meine Frauenärztin, die ich eigentlich sehr schätze und die mich durch zwei Schwangerschaften begleitet hat, hatte zum Thema Wechseljahre erschreckend wenig zu sagen und bot mir als Unterstützung nur künstliche Hormone an. Also habe ich mich selbst auf die Suche gemacht, etliche Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen aufgesucht, wahnsinnig viel gelesen und mich mit Themen wie Stoffwechsel, Nervensystem oder Insulinresistenz auseinandergesetzt und dabei gelernt: Wir Frauen sind, anders als Männer, zyklische Wesen, und zwar auf allen Ebenen.
Unsere Hormone unterliegen großen Schwankungen, einerseits monatlich, solange wir unsere Tage bekommen, aber auch über den Lauf unseres Lebens, vom Mädchen zur fruchtbaren Frau, in der Perimenopause und schließlich der Menopause. Diese Veränderungen können in zahlreichen körperlichen und seelischen Beschwerden ihren Ausdruck finden. Und die sind für Körper und Seele eine große Herausforderung.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse auf meiner Forschungsreise war:
„Stress, genauer gesagt, Stresshormone sind Gift für ein ausgeglichenes Hormonsystem. Das vertrug sich ganz schlecht mit meinem bisherigen Lieblingsgetränk: Kaffee.“ -
Der tut Hormonen nämlich gar nicht gut. Koffein pusht das Nervensystem und erhöht die Ausschüttung von Stresshormonen, ganz besonders Cortisol, deren Abbau die Leber so beschäftigt, dass sie kaum noch Zeit dafür hat zu sorgen, dass Östrogen und Progesteron in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander bleiben. Dieses ausgewogene Verhältnis ist für Frauen fast jeden Alters wesentlich, sei es für den Zyklus ohne Schmerzen und PMS, ihre Fruchtbarkeit, mühelose Wechseljahre oder eine gute Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte.
Alles gute Gründe, Kaffee wegzulassen, aber hallo? Ich liebe meinen Morgenkaffee. Beziehungsweise: Ich liebte ihn. Und genau hier kommt Cacao ins Spiel.
„Als absolutes Wundermittel, das nicht nur geschmacklich mein Kaffeeritual ersetzen konnte, sondern auch ähnlich wie Kaffee wirkt – nur ohne schädliche Nebenwirkungen für das Hormonsystem.“ -
Denn er macht wach und präsent, ohne dass dabei die Cortisolausschüttung stimuliert wird. Es gibt keinen Crash und auch keinen Jitter, wie man ihn bekommt, wenn man zu viel Kaffee getrunken hat. Und damit nicht genug: Cacao kann Stress mindern, die Ausschüttung von Botenstoffen und Glückshormonen fördern, mit seiner Nährstoffdichte den Körper wirklich in der Tiefe nähren, den Blutzuckerspiegel regulieren, Krankheiten entgegenwirken und einen Anti-Aging-Effekt haben. Ja, wirklich! All das kann Cacao.
Allerdings nicht der aus dem Supermarkt und schon gar nicht der in Form von industrieller Schokolade. Sondern der Cacao, der aus der ursprünglichen Cacaobohne stammt und nur minimal verarbeitet wird.
„Cacao ist nämlich nicht gleich Kakao.“ -
Kakao, wie wir ihn kennen, erhält nur noch einen Bruchteil der über 300 wertvollen Inhaltsstoffe und zu Schokoladen verarbeitet, macht die Zugabe von Zucker und Fett alle vielleicht noch enthaltenen gesundheitlichen Benefits zunichte.
Der Cacao, um den es hier geht, wird meist Ritual-Cacao oder auch zeremonieller Cacao genannt. Er wird aus dem Ur-Cacao, der Criollo-Bohne, hergestellt, die vorwiegend in Süd- und Mittelamerika wächst und nur noch fünf Prozent der weltweiten Cacao-Ernte ausmacht. Dieser Cacao wird nach der Ernte nur minimal verarbeitet, deshalb wird er als Roh-Cacao oder Raw Cacao bezeichnet.
Das ist aber nicht ganz richtig, weil die maximal 42 Grad, über die Lebensmittel meist nicht erhitzt werden dürfen, um als Rohkost zu gelten, meist schon bei der Fermentation der Bohnen überstiegen werden. Dennoch ist dieser Cacao roh im Sinne von pur. Die Bohnen werden in der Sonne fermentiert und anschließend getrocknet, geschält, oft noch bei ganz niedrigen Temperaturen geröstet und anschließend gemahlen. Da die Kakaobutter nicht entfernt wird, entsteht eine cremige Masse, die dann in Blocks, in Stücken oder gerieben als Pulver ohne Zusätze abgepackt wird.
„Cacao ist fantastisch, weil er den Körper essentiell nährt, den Geist wach macht und gleichzeitig die Nerven entspannt und unsere Stimmung hebt.“ -
Denn Cacao enthält sehr hohe Mengen an Antioxidantien, insbesondere Flavonide. Diese wirken Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems entgegen. Cacao enthält zudem eine Vielzahl an wichtigen Nährstoffen und Spurenelementen. Ganz besonders hoch ist der Anteil an Magnesium, Kalium, Zink, Kupfer und Eisen.
Warum Cacao Kaffee so gut ersetzen kann, liegt am Theobromin. Theobromin kommt auch in Mate, Guarana oder dem Kolabaum vor, aber nirgends in so hoher Konzentration wie bei Cacao. Theobromin gilt als stimulierend und entspannt zugleich – und entfaltet seine Effekte vor allem auf das Nervensystem, die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System. Wir fühlen uns präsent und wach, aber ohne aufputschende Wirkung. Es wirkt langanhaltend, erhöht die Aufmerksamkeit und kann die Stimmung heben. Ein kleines bisschen Koffein ist allerdings auch in Cacao enthalten. Eine Tasse Cacao enthält in der Regel so viel Koffein wie eine Tasse entkoffeinierter Kaffee.
Dazu kommen die Neurotransmitter Anandamid und PEA (Phenylethylamin), die unsere Stimmung und unser Wohlbefinden steigern. Anandamid leitet sich vom Wort „Ananda“ ab, welches im Sanskrit „Glückseligkeit“ bedeutet. Es ist ein körpereigenes Canaboid (yes, wie bei Canabis). PEA wird wegen seiner Wirkung oft auch als Glücks- oder Liebesmolekül bezeichnet. Beide Stoffe regen die Ausschüttung von Glückshormonen wie Serotonin und Dopamin an. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, oder?
Zusätzlich enthält Cacao noch viele ungesättigte Fettsäuren, die das schlechte LDL-Cholesterin senken und das gute HDL-Cholesterin erhöhen. Leider ist Cacao kein Low-Calorie-Getränk, aber das wäre auch zu viel des Guten.
Drei Dinge solltest du berücksichtigen, wenn du anfängst, auch größere Mengen von Cacao zu verzehren:
1. Theobromin entzieht dem Körper, wie auch Koffein, Wasser. Also trinke genug zu deinem Cacao.
2. Das enthaltende Magnesium kann in hohen Dosen leicht abführend wirken.
3. Achte beim Kauf von Cacao darauf, dass es sich um minimal verarbeiteten Cacao handelt. Du erkennst es an drei Faktoren: Er wird aus der Criollo-Bohne gewonnen. Er hat keinerlei Zusätze und enthält noch die Kakaobutter. Er wird als Ritual-Cacao, zeremonieller Cacao oder Roh-Cacao bezeichnet.
Und wenn du schwanger bist oder stillst, solltest du ähnlich wie bei Kaffee sehr achtsam mit dem Verzehren von Cacao sein.
Cacao schmeckt herber, bitterer und sehr anders, als wir es von Kakao aus dem Supermarkt gewöhnt sind. Ich musste mich erstmal daran gewöhnen. Zum Glück gibt es viele Tipps und Tricks, wie wir lernen können, Cacao in seiner Urform zu lieben. So kennt auch die Criollo-Bohne viele Geschmacksvarianten, je nachdem, woher sie stammt und wie sie verarbeitet wurde. Teste dich also ruhig durch verschiedene Cacaos und finde heraus, was dir schmeckt.
Im zeremoniellen Kontext wird Cacao oft pur, nur mit Wasser und vielleicht ein paar Gewürzen, getrunken. Als tägliches Getränk am Morgen kannst du es dir, gerade zu Beginn, leicht mit Pflanzenmilch machen. Kuhmilch dockt sich nämlich an die Antioxidantien an, dein Körper kann sie dann nicht mehr aufnehmen. Weißer Zucker mindert ebenfalls die positive Wirkung. Wenn du deinen Drink süßen möchtest, nimm lieber Honig, Kokosblütenzucker, Ahornsirup oder eine pürierte Dattel.
Und:
„Cacao sollte nicht gekocht werden.“ -
Am besten erhitzt du ihn nicht über 60 Grad, so bleibt das Maximum an kostbaren Inhaltsstoffen erhalten.
Fang mit 10 bis 15 Gramm Cacao auf 200 ml Flüssigkeit an. Zum Vergleich: In Zeremonien werden meist 25 bis 45 Gramm genommen. Du kannst auch gern verschiedene Gewürze wie Zimt, Kardamom, Vanille, Chili, Orangenschalen oder auch Mischungen wie Chai-Gewürz hinzufügen.
Mein Fazit: Ich trinke Cacao jetzt seit gut anderthalb Jahren fast täglich und habe dafür den Kaffee bis auf ganz wenige Ausnahmen vollständig weggelassen. Fällt mir das schwer? Nein, im Gegenteil. Ich fühle mich mit Cacao so gut, dass ich ihn nicht mehr missen möchte: wach, präsent und genährt.
Kein Nachmittagstief mehr, kein Nervenflattern und vor allem einen deutlich stabilisierten Blutzuckerspiegel. Damit war er auch ein ganz wichtiger Baustein, um mein Hormonchaos wieder in den Griff zu bekommen. Spirituell begleitet mich Cacao schon länger, da trinke ich ihn ganz pur, nur mit Wasser und ziemlich hochdosiert. Für meinen morgendlichen Cacao mische ich ca. 15 g Cacao mit Hafermilch und Wasser (50/50-Verhältnis), meist ganz pur oder mit ein wenig Kardamom oder Zimt verfeinert. Soooo gut!
Meine Lieblingscacaos sind von „Keith‘s Cacao“, der „Flow Cacao“ von Cacaoloves.me und wenn ich Lust auf einen Schlummertrunk habe, der „Lavender Cacao“ mit Reishi und Lucuma von Cosmic Dealer.
Ich würde sagen: Es ist höchste Zeit für eine Tasse leckeren Cacao.
Eure Hanna
Hanna Lipp ist eine der Gründerinnen der
Prana Station. Auch hier könnt ihr verschiedene Cacaos, Kristalle, Pflanzen und vieles mehr entdecken sowie an Workshops (u.a. zum Thema Cacao) teilnehmen, falls ihr noch tiefer in die Materie einsteigen möchtet.
P.S.: Steffis liebster Kakao ist
dieser.