Wonach ist dir heute?

Na, sitzt ihr schon oder rennt ihr noch? In meiner Traumvorstellung wäre ich diese Woche durch Geschäfte geschlendert, hätte noch ganz entspannt Geschenke gekauft, mich mit Freundinnen zum Essen getroffen und ganz in Ruhe alles fürs Fest vorbereitet. Ähm, ist jetzt noch nicht ganz so, das alles läuft eher im Schnelldurchlauf, aber ab Morgen trete endlich auf die Stopp-Taste. Weil: sonst verpass ich noch Weihnachten. Wie doof wäre denn das?

Die Stopp-Taste ist eine super Überleitung zum heutigen Beitrag: Was ich 2017 gelernt habe. Im Leben, der Liebe. Ich liebe es am Jahresende darüber nachzudenken. Zum einen führt es dazu, dass man merkt, was man alles gerockt hat. Wie oft man vielleicht gedacht hat “Wie soll das werden? Wie soll ich das schaffen?” und zack – geschafft.

Es ist Zeit, sich selbst zu feiern.

Es ist Zeit, zu schauen, was hat gut getan, was nicht so und wie bekomm ich von den guten Gefühlen im nächsten Jahr noch mehr und schmeiß das andere Zeug einfach über Bord. Hier kommt, was ich gelernt habe. Vielleicht inspiriert es dich ja auch zu einer kleinen Liste, ich würde mich sehr freuen, sie zu lesen! Schreib sie doch ins Kommentarfeld oder verlinke unten dorthin.

Was ich 2017 gelernt habe:

1.) Um Hilfe bitten kann man gar nicht oft genug.

Das musste ich auf die etwas brutalere Art gleich Anfang diesen Jahres lernen. Als ich am Bauch operiert wurde und danach drei Monate keins unserer Kinder heben durfte. Wahrscheinlich war es genau das, was ich lernen sollte: auch mal um Hilfe bitten. Nicht erst, wenn schon alles brennt. Schon, wenn man ahnt, da könnte was in Flammen aufgehen. Mittlerweile kann ich es sehr gut und frage mich, warum es mir bloß so schwer fiel. Warum gerade wir Frauen und Mütter denken, wir müssten gewisse Dinge einfach allein wuppen, müssten permanent etwas leisten. Das tun wir doch eh immer. Warum also nicht einfach zwischendurch etwas Hilfe organisieren und wenn es nur zum Puste holen ist.

Bevor wir weiter rennen, auf dem Weg, das entspannte Gehen zu lernen.

2.) Man darf sich auch mal das alte Leben wünschen.

Gegen Jahresende ging uns etwas die Puste aus als Eltern. Unser Sohn ist kein guter Schläfer. Wir haben seit fast zwei Jahren sehr schwierige Nächte. Oft keine Stunde Schlaf am Stück. Näher will ich da gar nicht darauf eingehen, weil wir wirklich alles ausprobiert haben und ich immer noch Hoffnung habe, dass er bald die Kurve bekommt und einfach durchratzt wie unsere Tochter. Wobei er sie dann auch manchmal weckt, ach, ist ja auch egal. Wir waren also ganz schön k.o. und irgendwann wusste ich, was wir brauchten: Eine Woche für uns. Ich traute mich kaum den Wunsch meinen Eltern gegenüber zu formulieren, aber sie machten es tatsächlich möglich. Wir überlegten kurz, war wir mit diesem Riesengeschenk, dieser unfassbar vielen Zeit anstellen sollten: New York, London, Australien?

Wir entschieden uns für eine Woche unseres alten Lebens: schlafen, arbeiten, Essen gehen, Kino.

Uns mal wieder fragen: Wie geht’s dir eigentlich?

Wovon träumst du? Wovor hast du Angst? Uns organisieren, wie wir den alltäglichen Wahnsinn als Berufstätige mit zwei kleinen Kindern entstressen können. Mal wieder knutschen. Händchen halten. Einfach noch kurz abends einen Drink in der Bar nehmen. Etwas Neues übereinander lernen.

Und schnell war klar: wir würden es gar nicht mehr wollen auf Dauer, unser altes Leben. Aber ab und zu darf es uns mal besuchen. Auch, um uns zu zeigen, wie schön das neue ist. Egal wie kacke wir schlafen.

 

3.) Es wird einfacher & noch schöner mit den Kindern. Und noch lustiger.

Was man wirklich erst versteht, wenn man dann Kinder hat, ist: Sie bringen dich vielleicht fast um den Verstand mit Schlafentzug oder was auch immer. Aber sie müssen tatsächlich nur eine besondere Sache tun oder sagen und schon strömt dieser Riesenschwall Liebe durch einen und alles ist nur noch halb so wild. So wie unsere Tochter Ruby (3) nach einer harten Nacht morgens am Frühstückstisch sagte:

“Papa, ich hab gepupst. So ganz leise. Wie Mama das immer macht!”

Genau, so laut haben wir dann auch gelacht. Oder das Wochenende als nur sie und ich zusammen weggefahren sind. Das erste Mal Zug fahren, sie in Ruhe anschauen, ihr zuhören, sehen, was sie schon alles kann, wie stark, selbstbewusst und gleichzeitig schüchtern sie doch ist. So stolz sein, so verliebt in sie. Zurückblicken auf die Herausforderungen, froh sein über alles, was jetzt so viel einfacher schon ist und ihr einfach nur zuschauen und so dankbar sein. Genau wie bei ihm. Jedes Wort, das Geknöter ersetzt. Sein schelmischer Blick. Sein Grinsen, sein sich an mich schmiegen. Seine große Liebe für uns alle, unsere für ihn. Sein Schabernack, sein Lachen, sein Happy Birthday singen, seine Umarmungen. So glücklich sein, sie beide zu haben.

 

4.) Nicht alles und jeden so ernst nehmen.

Das ist einer meiner liebsten Ratschläge, den mir eine Psychologin dieses Jahr gegeben hat. Ich schilderte ihr ein Problem, das ich immer wieder mit einem bestimmten Menschen hatte und mir dafür einfach keine Lösung einfiel, wie ich es ändern könnte. Sie sagte einfach: “Nimm die Person doch nicht so ernst!” Und das war’s. Es klingt so absurd einfach und das ist es auch. Wenn ich mich dabei erwische, dass ich schon wieder viel zu viele Emotionen in etwas stecke, mich in etwas hineinsteigere, dann hol ich mich selbst wieder runter mit dem Satz “nimm es doch einfach nicht so ernst”. Vielleicht hilft dieser Satz euch ja auch über die Feiertage!

 

5.) Fast perfekt ist ganz schön perfekt.

Wenn mich Freundinnen, die zum ersten Mal Mutter werden, fragen, wie sich das Leben mit Kind verändert, erzähle ich gern, was es wunderbares mit einem als Mensch macht. Im besteln Fall. Man wird milder mit sich. Perfektion ist nur noch selten in irgendwas möglich, außer in Unperfektion. Aber daran gewöhnt man sich. Und:

Es holt Overperformerinnen wie mich auf ein angenehmes Level herunter.

Man wird perfekt in Dingen wie spontan umdisponieren, Entscheidungen treffen und Nein sagen. Nein zu 100 Prozent, ja zu 99 Prozent. Und weniger. Und weniger. Und weniger.

 

6.) Gesundes Essen ist nicht die Pest.

Call me Sugar. Call me Nutella-Girl. Wäre Zucker radioaktiv, wäre ich die hellste Leuchte. Ich ernähre mich furchtbar ungesund und liebe alles Süße. Smartie Shots olé. Das Doofe ist nur: ich merke immer öfter, dass mir diese Ernährung kurze Kicks gibt, aber ich mich leider nicht dauerhaft gut damit fühle. Weil wir gerade Richtung Winter toughe Monate hatten, uns eine Erkältung nach der anderen besuchte, begann ich etwas gesünder zu kochen. Stichwort meine neue Kochbuch-Bibel aus Schweden. Und wir fühlten uns überraschend schnell überraschend besser. Jetzt habe ich es ein paar Wochen (nicht alle, aber die meisten davon) geschafft, zwei, drei wirklich gesunde Gerichte die Woche zu kochen, mit vorheriger Planung am Sonntagabend und es fühlt sich saugut an. So gut, dass ich mir sogar das Goodbye Zucker-Buch von Sarah Wilson gekauft habe. Aber wir wollen mal nicht durchdrehen. Mal sehen. Unvorstellbar, aber wer weiß was 2018 bringt.

 

7.) Struktur macht ja doch Sinn.

Früher habe ich immer belächelt, dass meine älteren Schwestern ihre Küchen genau so organisiert haben wie unsere Mutter. Ihr Spießer, dachte ich heimlich. In der Woche unseres alten Lebens (siehe Punkt 2) habe ich unsere Küche entrümpelt und so organisiert, dass ich genau weiß wo alles ist und es mit einem Griff habe. Es gibt kein Entgegenfallen mehr aus den Türen. Es ist irre durchorganisiert und spart mir superviel Generve täglich.

Ich bin jetzt die größte Spießerin von allen und das ist gut so.

Nächste Woche ist der nächste Raum dran, dann bekommt der das Spießer-Treatment.

 

8.) Maximal viele Bunny-Momente.

Wenn ich mich über etwas freue, mache ich den Bunny. Erinnert optisch an den Duracell-Hasen. Ich klatsche wie wild in die Hände und manchmal hüpfe ich sogar. Das ist mein Auswahlkriterium für dieses Jahr gewesen und wird es auch fürs nächste Jahr. Löst die Job-Anfrage oder auch der private Event/ ein einfaches Treffen in mir Vorfreude aus – bin ich dabei. Nicht? Dann nicht. Dann muss vielleicht noch dran geschraubt werden, bis der Bunny zum Vorschein kommt. Weil ganz ehrlich, bei allem Geld verdienen müssen/ Miete zahlen müssen/ in die Rente einzahlen müssen/ vernünftig sein müssen – wir haben doch nur dieses eine Leben.

 

9.) Zeit ist immer die Antwort.

Oft fehlt mir die Zeit, Dinge in Ruhe zu durchdenken. So habe ich die ein oder andere Entscheidung 2017 getroffen, die ich gern anders entschieden hätte. Also habe ich mir angewöhnt, nicht immer sofort Ja oder Nein zu sagen. Es sei denn, ich wusste sofort, dass ich es wirklich zu Hundertprozent wollte. Ich habe mir Entscheidungszeit eingeräumt. Weil ich mittlerweile weiß, dass mein Urteilsvermögen manchmal getrübt ist. Durch den krassen Schlafentzug. Durch Gefühlsschwankungen, die man als Frau jeden Monat so durchmacht, hormonell bedingt. Durch was auch immer. Also gebe ich mir für Entscheidungen, bei denen ich mir unsicher bin, einfach etwas mehr Zeit. Das ist immer die beste Antwort. Die hat die besten Ideen im Gepäck.

 

10.) Aufmerksamkeit ist das schönste Geschenk.

Wir können alle so irre busy sein, wenn wir wollen. Permanent am Handy rumfummeln, Emails checken, SMS, What’s App. Likes zählen. Kommentieren. Gähn. Kann jeder. Was aber nicht mehr jeder kann und das schönste Geschenk und viel cooler als alles andere ist, wenn man sich verabredet oder auch einfach nur der Partner nach Hause kommt – das Handy weglegen, so dass man auch das Aufblinken von Nachrichten nicht mehr sieht und auf lautlos schalten. Und sich voll und ganz auf das Gegenüber konzentrieren. Nicht heimlich hinluschern. Wir sind doch keine Notärzte. Die meisten von uns retten doch keine Leben. Und falls doch: dann bitte diesen Punkt so was von ignorieren!

 

In diesem Sinne wünsche ich euch jetzt von Herzen fröhliche Weihnachten! Dass sich die Verwandten benehmen und wenn nicht, ihr einfach laut lachen könnt! Alles Liebe für euch und tausend Dank für eure Unterstützung dieses Jahr und überhaupt! Ich freu mich auf 2018 mit euch und bin am 8. Januar hier zurück.

Macht es euch hübsch!

Herzlich,

Steffi

  1. Kommentare zu diesem Artikel
  2. Julia 21. Dezember 2017 um 15:19 Uhr

    Liebe Steffi, ich lese Deinen Blog schon viele Jahre und freue mich immer wieder über Deine inspirierenden Posts. Gerade der letzte Punkt ist so wichtig. Meinen Kollegen habe ich immer gesagt: “Leute, wir transplantieren doch keine Organe! Das hat auch Zeit bis morgen/heute Abend/später…” Leider nehmen wir uns manchmal viel zu wichtig (s. Punkt 4).
    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben von Herzen frohe Feiertage und (wichtig!) GAAAAANZ viel Schlaf.
    Deine Julia

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  3. Steffi 21. Dezember 2017 um 22:07 Uhr

    Zum Thema Spießer kann ich nur sagen: mit Kind wird man glaub ich automatisch ein Spießer (und findet es gut so ;-)). Mein Mann meinte neulich “Gott, sind wir spießig geworden. Wir essen MITTAG und gucken Tatort!!” 😀 😀
    (ich fühl mich viel besser, seit ich Mittag esse statt tagsüber so durch zu snacken und mich abends voll zu stopfen… und beim Tatort kann ich wunderbar abschalten)

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  4. Steffi 22. Dezember 2017 um 08:46 Uhr

    Ein toller Post. Es hat so viel Spaß gemacht, ihn zu lesen und ich werde ihn bestimmt noch mehrmals lesen.
    Alles Gute für dich und Frohes Fest! Auf 2018!
    Liebe Grüße, Steffi

    Antworten
  5. Dana 22. Dezember 2017 um 08:50 Uhr

    Perfekt! So schön geschrieben und mal wieder so passend. Auch für mich der einzige Blog, in dem jeder Text ausnahmslos gelesen wird. Vielen Dank für die tollen Inspirationen & Motivationen 2017. Happy Weihnachten

    Antworten
  6. Sabine 22. Dezember 2017 um 10:48 Uhr

    vielen Dank für deine ganz persönlichen, ehrlichen Tipps – so frei von der Leber weg…das gefällt mir, liebe Steffi. Du bist authentisch, das gefällt mir. Ich wünsche euch ganz viiiiiel Schlaf, wunderbare Festtage & einen fulminanten (oder auch spiessigen :-)) Start ins 2018! Herzlichst, Sabine

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  7. Uda 22. Dezember 2017 um 20:01 Uhr

    Liebe Steffi!
    Ja, du hast Recht… Kinder haben ist besonders und wunderschön. Aber das mit dem Schlafentzug macht mich auch mürbe. Kind 1 schlief nachts immer schon gut. Kind 2 ist nachts oft eine Katastrophe- morgens weiß ich dann oft nicht wie ich über den Tag kommen soll… aber dann sagt sie „Runa Mama lieb“ und ich könnte heulen vor Glück. Danke, dass Du mich mit dem Beitrag daran erinnert hast, dass Kinder haben nicht nur anstrengend ist.
    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben wunderschöne, gesegnete Weihnachten mit leckerem Essen, lieben Menschen und vor allem fröhlichen Kindern, die vor Aufregung kaum noch schlafen können.
    Liebe Grüße
    Uda

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  8. Simone 22. Dezember 2017 um 20:47 Uhr

    Liebe Steffi, das ist ein so saumäßig cooler Post!!! Ich konnte bei jedem Punkt immer nur“ja genau“ oder „find ich auch“ oder „das wünsch ich mir auch“ denken!!! Großartig, dass du das geteilt hast, vielen Dank!!!! Meine zwei kleineren Buben sind 3,5 und 6,5… lass dir versichern es wird alles besser, das was jetzt schon gut ist und auch das was jetzt schwer ist!! Alles Liebe!!

    Antworten
  9. Eva 26. Dezember 2017 um 21:41 Uhr

    Liebe Steffi
    Ich habe mir deinen Post tatsächlich bis heute aufgespart – für die Ferien mit Schwiegerfamilie und Kinderhüte inklusive (Kinder fast 3und fast 5, also fast aus dem Gröbsten raus :-). Dankedankdanke!! Dein Blog ist mir der allerliebste und der einzige, den ich regelmässig und vollständig lese. Selbstwenn ich mir eine mehrwöchige Internetgoogleversumpfpause auferlege, ist dein Blog ausgeschlossen, das ist schliesslich nie ein Versumpfen. Du hast so eine motivierende Art, ich freue mich über jeden Beitrag, du triffst bei mir auch die Themen immer genau richtig: mehr Zeit, mehr me-Time, mehr wir-Zeit, mehr Achtsamkeit, weniger Zucker (ich musste so lachen), tolles Leben mit Kindern, unfassbares Glück, noch besser mit ab und an Pausen ;-).
    Alles, alles Liebe dir und danke und bitterste mach einfach genau so weiter :-)!!
    Eva

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