Emotional Detox:

Zwei Tage den Kopf aufräumen mit Psychologin Laura Ritthaler. Was das mit einem macht? Ich hab’s ausprobiert.

Am Ende bin ich high. Alles in mir fühlt sich so leicht an. Als wäre um mein Herz ein riesiger Luftballon gebunden, der es schweben lässt. Mein Hirn reckt und streckt sich, atmet immer wieder tief ein und fühlt sich ganz frisch an. Meine Augen strahlen, mein Mund kann nicht aufhören zu lächeln. Ich bin so irre glücklich, voller neuer Ideen, habe diverse Lösungen im Gepäck für Themen, die mich beschäftigten, bei denen ich mich seit längerem im Kreis drehte und nicht weiter kam. Ich kann es kaum abwarten, nach Hause zu fahren und mir die schönste To-Do-Liste, die ich je hatte, vorzunehmen.

Aber der Reihe nach.

Was ist passiert? Welche Droge habe ich genommen? Und wo bitte gibt es die völlig legal?

Eine Freundin erzählte mir von Laura Ritthaler. Die sei Diplom-Psychologin, praktiziere seit über zehn Jahren in Berlin und habe dieses neue Konzept – Emotional Detox. Man könne sie für ein Wochenende buchen. An zwei Tagen gäbe es insgesamt drei Sessions, ein gemeinsames Mittagessen und anschließend würde man breit grinsend nach Hause fahren.

Wie jetzt grinsen, dachte ich, erzählten Freundinnen, die bei Psychologen waren, nicht immer, dass sie ein Taschentuch nach dem anderen füllten?

Laura Ritthaler ist anders als alle Therapeuten, die ich bisher kennenlernte. Und als (Frauenzeitschrifts-) Journalistin habe ich eine Menge davon kennengelernt. Sie erfüllt keins der Psychologen-Klischees, die man aus Filmen und Erzählungen kennt. Ihre Praxis ist eine kleine, moderne, hübsche, helle Wohnung im Berliner Hinterhof. Keine Räucherkerzen, Rattanmöbel, keine dramatischen Blicke, kein schweres Ausatmen, kein Zurückgeben der Fragen, die man sich selbst stellt, aber für die man eigentlich gern Antworten hätte und nicht stundenlang selbst danach suchen möchte.

Natürlich behandelt Laura Ritthaler auch Patienten, die mit schwerwiegenderen Problemen zu kämpfen haben. Zwangs-und Angststörungen, Depressionen und vieles mehr. Dafür eignen sich die Langzeittherapien. Das Emotional Detox-Wochenende ist gedacht für alle, die noch mehr in ihren Flow kommen möchten, für Themen wie die Jobausrichtung, Zeit für sich, die Entscheidungen treffen möchten (von Jobwechsel bis hin zur Scheidung), wie sie ihr Leben gern gestalten würden.

Die 36-Jährige, die sehr gut gebucht ist, ist superpragmatisch. Schon auf dem Weg in ihre Praxis finden wir in fünf Minuten eine Lösung für etwas, das seit einem Jahr in meinem Kopf festsitzt. Ich bin baff. Und muss ihr vor Freude einen High Five geben.

Vor unserem Treffen sollte ich ein Thema definieren, über das ich an diesem Wochenende gern mit Laura besprechen würde und es ihr schicken. So könne sie sich besser vorbereiten und für mich begänne Teil eins der Übung. Teil zwei der Vorbereitung: aufschreiben, woran ich merken würde, dass das von mir definierte Thema einen neuen, für mich besseren Weg gehen würde nach unseren Gesprächen.

Ich schicke ihr für unser Wochenende unter anderem das Thema Selbstbewusstsein und schreibe dazu, dass sie das bestimmt überraschen würde. Aber sie antwortet: „Nicht wirklich, so geht es vielen, die in der Öffentlichkeit stehen.“

Das Thema Selbstbewusstsein hat für mich zur Zeit viele Facetten. Zum einen mir selbst bewusst zu sein, was ich möchte (und was nicht), bei mir zu bleiben, auch wenn Freundinnen/Kunden/wer auch immer meine Ideen, Wünsche und Entscheidungen mal anzweifeln. Ich habe mich in der Auszeit daran erinnert, wie schön das Gefühl ist, ganz bei mir zu sein, wie kreativ und glücklich mich das macht und von dem Punkt möchte ich nie wieder abrücken. Im Gegenteil – ich möchte mich noch mehr entfalten und wer oder was mich daran hindert, bekommt einfach keinen Platz in meinem Leben.

In Lauras Praxis angekommen setzen wir uns jeder in einen der gemütlichen Sessel und ich darf einfach machen was ich möchte. Losplappern, ich packe gefühlt alles auf den Tisch zwischen uns, erzähle, erzähle, erzähle, Laura macht sich Notizen, stellt schlaue Fragen, die mich Zusammenhänge und Lösungssätze schon fast von allein klar und deutlich erkennen lassen. Zwischendurch wirft sie ihre Profi-Sicht der Dinge mit auf den Tisch und wir spielen Memory. Suchen passendes zusammen, drehen die Themen um und schauen, was man damit anfängt.

Nach zwei Tagen habe ich das Gefühl der Tisch sei leer. Ich habe alles, was mir in den Sinn kam, drauf gelegt, mir mit ihr zusammen angeschaut und dahin gepackt wo es hingehört: auf die To Do-Liste, nur jetzt eben mit einer schlau durchdachten Lösung, die ich Schritt für Schritt mit viel Spaß umsetzen kann oder direkt in den Mülleimer, weil das Thema plötzlich für mich geklärt und frei von negativen Emotionen war.

Bevor wir losgelegt haben, hat Laura mir ein kleines Notizbuch geschenkt. Eins, das in jede Tasche passt, und ich jetzt immer dabei haben kann. Zusammen mit einem schönen Stift. Darin habe ich mir besonders schöne Bilder oder Sätze, die ich in meinem Kopf hatte, als wir über meine Themen und die dazu passenden Lösungsansätze sprachen, notiert. Ich trage es seit der ersten Minute wie einen großen Schatz stolz bei mir und schaue immer wieder gern hinein.  Es einfach nur dabei zu haben, ist schon beruhigend und motivierend.

Geholfen hat bei dem schnellen, effizienten Vorgehen sicher auch, dass ich raus gegangen bin aus meinem Alltag für die zwei Tage und mich nur auf mich besinnt habe. Ich habe mir ein wunderschönes Hotelzimmer in Berlin gebucht und mich nur um mich gekümmert, was sich verdammt gut angefühlt hat. Die Kraft, die mir diese zwei Tage gegeben haben, wird noch lange vorhalten, das spüre ich jetzt, eine sehr wilde Woche später, schon. Die Gespräche mit Laura gingen viel tiefer rein als nur eine Wellness-Massage.

1.200 Euro kostet das Emotional Detox-Wochenende. Klingt zuerst viel. Nur dann fiel mir der Artikel ein, den ich letztens las und in dem stand, dass die Deutschen im Durchschnitt 28.000 Euro für die Reparatur ihres Autos ausgeben. Und ich überlegte, was ich eigentlich in meine Instandhaltung investiere.

Bevor ich nach Berlin fuhr, musste ich oft an die Geschichte einer Freundin denken. Sie hatte nach Jahren des sich Quälens den Entschluss getroffen, sich scheiden zu lassen. Wir Freundinnen bestärkten sie darin und rieten ihr dazu, sich professionelle Hilfe zu suchen, um gut durch die ihr bevorstehende harte Zeit zu kommen. Sie suchte sich einen Psychologen, erklärte ihr Vorhaben und der begann in ihrer Kindheit herumzustochern. Sie sagte immer wieder: „Aber mein Thema ist doch, dass ich mich scheiden lassen möchte!“ Doch der Psychologe meinte, es müsste nun erst ein Mal in sehr vielen, sehr langen Sitzungen ihre Kindheit aufgearbeitet werden. Meine Freundin verließ völlig verunsichert und weinend die Praxis. Sie ist noch immer nicht geschieden, quält sich weiter.

Für mich klang das, als wäre sie in ein Blumengeschäft gegangen und man habe ihr ein Fahrrad verkaufen wollen. Dabei wollte sie einfach nur Blumen, weil sie wusste, die würden sie glücklich machen.

Natürlich werden wir alle durch unsere Kindheit geprägt, durch alles, was wir in unserem bisherigen Leben durchgemacht haben. Auch ich habe meine Erlebnisse und Muster, die ich kenne, weil ich sie mal für mich aufgearbeitet habe. Und auch in den Gesprächen mit Laura kamen wir oft schneller zum Ziel, weil ich sehr genau weiß, warum ich manchmal wie ticke.

Irgendwann übernimmt man die Verantwortung für sein eigenes Leben und hat die Möglichkeit, es sich zu gestalten. Es gibt Wege, mit denen man sich sehr gut anfühlende Entscheidungen treffen kann. Für kleine und große Themen. Raus aus dem Leiden, rein ins Lieben. Wenn man sich das traut, dann ist es zum Greifen nah, das noch schönere, sich leicht anfühlende Leben, das jeder von uns so sehr verdient hat.

High five!

Text & Video – Stefanie Luxat, Fotos – Livia Ritthaler

18 Comments

  1. Antworten Katrin 21. Mai 2017 um 09:11

    High five! UND Ghettofaust! Großartiger Artikel, großartige Frauen und eine tolle Idee. Ich habe deine Freiheit und Losgelöstheit gerade quasi beim Lesen mitgefühlt.

    • Antworten Steffi 21. Mai 2017 um 09:53

      @Katrin: High five!!! Danke für deinen lieben Kommentar und Freiheit und Losgelöstheit – irre, die Wörter treffen es so gut! Genau so ist es! Schönen Sonntag dir!!! Herzlich, Steffi

  2. Antworten Katrin 21. Mai 2017 um 10:53

    Hi Steffi,

    ich lese Deine Zeilen und bin neudeutsch geflasht 😉 Es klingt wunderbar, so leicht, obwohl es darum ging ein wichtiges Lebensthema zu bearbeiten … wie oft wünsche ich mir das… einen Menschen zu haben, der in mein gefühltes Gedankenkarussell Licht bringt und die Verwirrungen entwirrt, allein dadurch, dass ich sie selber ausspreche…..Freudinnen sind dafür manchmal zu nah an einem dran.
    Behalte dieses Lächeln, hüte das Büchlein wie einen großen Schatz und lebe die Klarheit, die Du für Dich gewonnen hast – Frau Ritthaler muss wirklich gut sein!
    Und Dein Video unterstreicht das Erzählte auf wunderbare Weise 😉

    Dir einen wunderbar beschwingten und sonnige Sonntag – LG Katrin

    • Antworten Steffi 21. Mai 2017 um 13:49

      @Katrin: Liebe Katrin, genau das hat mich auch am meisten an Laura und diesem Wochenende überrascht – diese Leichtigkeit. Das Erinnern daran, dass es für alles eine Lösung gibt und man sich zack besser fühlen kann. Und genau das macht Laura, sie räumt den Kopf mit einem auf. Stück für Stück und dann beginnt man zu fliegen. Wir haben uns auch darüber unterhalten, dass der Partner und die geliebten Freundinnen einen eben so gut kennen und manchmal es einfach hilft, wenn jemand anderes einen aus einem anderen Blickwinkel beobachtet und neue Ideen und Ansichten mit rein bringt. Dafür gibt es eben Profis, so wie wir es in unseren Jobs auch sind. Und stimmt, Frau Ritthaler ist einfach verdammt gut in ihrem Job! 🙂 Ich freu mich sehr, dass du so gut erkannt hast, worum es mir in diesem Beitrag hin und wünsche dir, dass du auch bald Hilfe für dein Gedankenkarussell findest. Dann fährt es sich noch so viel beschwingter! Herzliche Grüße & dir auch einen ganz wunderbaren Sonntag! Steffi

  3. Antworten Katharina 21. Mai 2017 um 17:59

    Toller Artikel! Das Wochenende klingt super spannend, es reizt mich auch direkt 😉

  4. Antworten Dorthe 21. Mai 2017 um 18:40

    Liebe Steffi,
    erst einmal: Ich finde sooo toll, was du uns seit deiner Rückkehr hier zeigst und erzählst. Ich kann es gar nicht genau beschreiben … es ist irgendwie wieder so echt …
    So wie dein Beitrag jetzt. Leider merken meine Familie und ich immer wieder, dass eine psychische Erkrankung nicht als eben diese anerkannt wird. Hast du ein gebrochenes Bein, ist es offensichtlich: du bist krank. Aber deine Seele ist krank bzw dein Körper badet aus, dass deine Seele ihn ewig benutzt hat: du spinnst.
    Um so schöner, dass du ganz offen darüber schreibst, wie wichtig es ist, sich beraten zu lassn (auch wenn es bei dir ja keine regelrechte Erkrankung war). Dieses Wochenende kling so schön … Danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.
    Liebe Grüße,
    Dorthe

    • Antworten Steffi 23. Mai 2017 um 09:35

      @Dorthe: Liebe Dorthe, ich ahne, was du meinst, so geht es mir auch! Hab auch schon den passenden Blogpost dazu im Kopf. 😉 Ich wünsche dir und deiner Familie alles Liebe, dass ihr auch die passenden Berater an eurer Seite habt. Herzlichste Grüße, Steffi

  5. Antworten Kirsten 21. Mai 2017 um 22:08

    Hallo Steffi, das klingt ziemlich toll, was du schreibst… ich habe auch schon eine Therapie gemacht und es hat mich extrem gestört, das jedesmal wenn ich mich warm geredet hatte, die 50 min. um waren und man gehen musste, und das ganze dann ja auch erst eine Woche später fortgesetzt wird. Und ich hab mir auch oft gewünscht, wenigstens für eines der Probleme mal eine konkrete Hilfestellung zu bekommen, da ich mich auch mit vielen Gedanken permanent im Kreis drehe.
    Ich befürchte nur, die Laura wird nach deinem Bericht monatelang ausgebucht sein 🙂

    • Antworten Steffi 23. Mai 2017 um 09:37

      @Kirsten: Liebe Kirsten, Danke, dass du hier von dir schreibst. Wer weiß, wem das Mut macht, auch eine Therapie zu machen! Laura war schon vor diesem Beitrag sehr, sehr gut gebucht, weil sie einfach irre gut ist. Aber wenn die passenden Menschen kommen, macht sie sofort Platz in ihrem Kalender. Also wenn das etwas für dich ist, dann schreib ihr und ihr findet bestimmt zusammen! Herzliche Grüße, Steffi

  6. Antworten Inken 22. Mai 2017 um 11:40

    Liebe Steffi, ich finde es schön und mutig, dass du auch über solche Themen schreibst! Du bist für mich wirklich eine große Inspiration und ich freu mich jedes Mal wieder, wenn es Post von dir gibt.

    • Antworten Steffi 23. Mai 2017 um 09:01

      @Inken: Liebe Inken, herzlichen Dank! Ich freu mich über jeden Kommentar von dir! Es ist schön zu sehen, für wen man schreibt, das motiviert sehr! 🙂 Herzliche Grüße, Steffi

  7. Antworten Daniela 22. Mai 2017 um 13:43

    Oooooohhhh….im schönen Friedrichshain-Park. Dieser Park war 11 Jahre lang meine SOS-Rettung im trubeligen Berlin! Erst mit Hund und später noch dazu mit Kind, blieb jedes Mal wenn ich unter den Bäumen ankam, beziehungsweise spätestens wenn ich auf dem Berg beschützt vom Blätterdach meine Runden schlenderte, aller Stress draußen auf der Kreuzung vor dem Park. Ein sehr guter Ort zum Sortieren und Klären und Auftanken!

    Und ganz wichtig für dein „wunderschöne-Gedanken-Büchlein“: deine klitzekleinen und riesengroßen Erfolge auf deinem neuausgerichteten Weg festhalten!!! Dann hast du sie schnell parat, sollten sich die verwirrenden Stressstürme wieder in die Selbstwahrnehmung schleichen und für Chaos sorgen! Wirkt Wunder!

    Stay clear = stay strong!
    Liebste Grüße, Daniela

    • Antworten Steffi 23. Mai 2017 um 09:03

      @Daniela: Wow, was für ein schöner Park! Und was da los war – diese Blüten (Löwenzahn?!), die durch die Gegend flogen, so poetisch, irre! Und Danke für deinen Tipp, lustiger Weise hatte Laura einen ähnlichen, ist also schon voll im Gange! 😉 Herzliche Grüße, Steffi

  8. Antworten Melanie 23. Mai 2017 um 11:23

    Das ist ein toller Beitrag und es hört sich nach einem wirklich hilfreichen Wochenende an. Ich bin nur innerlich zusammengezuckt wegen der Psychologen-Klischees, auch wenn ich Dir absolut glaube, dass das Deine Erfahrungen sind – und die Erfahrung Deiner Freundin macht mich richtig traurig (es gibt wirklich ein paar Dösbaddel). Alles Gute weiterhin und liebe Grüße, Melanie

    • Antworten Steffi 23. Mai 2017 um 11:33

      @Melanie: Liebe Melanie, ja, ich weiß was du meinst, ich zucke bei den Stories von Freundinnen, Bekannten und befreundeten Psychologen auch manchmal zusammen. Es ist wie in jedem Beruf, es gibt immer schwarze Schafe. Deshalb ist es ja so wichtig, die guten Leute nicht für sich allein zu behalten, sondern anderen davon zu erzählen, damit sie ebenfalls davon profitieren können. Herzliche Grüße & dir auch alles Liebe, Steffi

  9. Antworten Juliane 30. Mai 2017 um 22:31

    Das hört sich sehr interessant an, aber ich bin sicher: sowas gibts auch bei uns im schönen Hamburg. Vielleicht steht nur nicht „Emotional Detox“ dran… Und ich geb auch gern zu: eine Reise samt Auszeit ist als therapeutische Maßnahme nicht zu verachten.

    Trotzdem: nicht jeder Therapeut kann regelmäßig ganze Wochenenden freischaufeln, denn es gibt doch auch den ein- oder anderen, der Familie hat und auf diese Weise NICHT sein Geld verdienen kann. Und die meisten vermeiden so viele Sitzungen kurz nacheinander, weil nicht alle Menschen mit so schnellen Veränderungen gut zurecht kommen. Es besteht die Gefahr, dass es so „vorbeirauscht“ und die Menschen es nicht wirklich in ihren Alltag integrieren können. Es ist also eine bedenkenswerte, aber sicher nicht jedermanns Sache!

    Das große Problem in Sachen Therapeutensuche ist, dass es so sehr viele verschiedene Methoden gibt, mit deren Hilfe man Hilfe leisten kann – und dass die Krankenkassen leider vor allem das bezahlen, was lange dauert. Zum Beispiel Verhaltenstherapien oder tiefenpyschologische Methoden. Letztere beschäftigen sich in der Tat mit allem, was in der Tiefe (oft der Kindheit) schlummert – und die Oberfläche bietet „nur“ den Zugang dazu. Das ist sehr hilfreich, wenn man langfristig aus der Bahn gerät und gar nicht mehr auf die Füße kommt. Aber wenn man jetzt gerade mit etwas weiterkommen will, ist das nicht das richtige.

    Darum kann ich an dieser Stelle nur dringend raten: wer Hilfe braucht, sein Leben JETZT besser in den Griff zu bekommen oder ein spezielles Thema zu bearbeiten, der halte Ausschau nach kurztherapeutischen Methoden. Die sollten mit maximal (!) 10 Sitzungen genau den Effekt erzielen, den Du, liebe Steffi, in Berlin erlebt hast.

    Man darf übrigens vor Vereinbarung des ersten Termins nachfragen, mit wie vielen Sitzungen man so rechnen muss und nach welcher Methode der Therapeut arbeitet – dann kann man sich vorher schlau machen. Und es ist auch durchaus erlaubt, einen Termin (rechtzeitig) wieder abzusagen, wenn man das Gefühl hat, dass es nicht passt!
    Ganz wichtig außerden: sich tatsächlich auf EIN Thema beschränken, das man vorher ruhig schon ein bisschen sortiert haben darf. Dann kann nämlich auch der Therapeut viel gezielter arbeiten! Und außerdem ist es meist eh egal, wo man das Loch ins Strickstück macht – es ribbelt dann sozusagen von ganz allein weiter.

    Ich finde es ganz gruslig, dass in einer Zeit, wo so viele Menschen sich durch die Vielfalt der Lebensentwürfe verunsichert fühlen und Orientierungshilfe brauchen, noch immer so wenig über die vielen Methoden bekannt ist, die Therapeuten zur Verfügung stehen. Dann schimpfen die Leute über den ersten Therapeuten, den sie ausprobiert haben und gehen nie wieder woanders hin, dabei war es möglicherweise einfach nur der falsche… Wir gehen doch mit Rückenschmerzen auch nicht zum HNO-Arzt und beklagen hinterher seine Unfähigkeit…

    Nur Mut. Die Suche nach dem richtigen Begleiter dauert manchmal ein bisschen, aber wenn man den richtigen gefunden hat, dann ist es genau das, was Du hier beschreibst, Steffi:
    Emotionales Detox.

    Ich schreib das hier nicht hin, um zu klugscheißern – ich denke nur: hier lesen viele Frauen. Und viele von ihnen können sich eine Reise zu so einem speziellen und kostspieligen Angebot nicht leisten.
    Gutes gibts aber eben auch vor der Tür. Das kostet trotzdem meist Einiges, aber die Idee mit den Instandhaltungskosten von Autos finde ich sehr lustig und passend. Wie war das noch mit dem „es sich wert sein“… 😉

    Liebe Grüße aus Hamburg nach Hamburg
    Juliane

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