Komm se rein, die Haustour:

Zu Besuch bei Innenarchitektin Gwen Dubois in der Nähe von Brüssel. Ein kreativer Haushalt mit simplen DIY-Ideen und einem der beliebtesten Kinderzimmer bei Pinterest.

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Das Kinderzimmer, das Gwen Dubois für ihre Tochter Rosie designt hat, ist ein Pinterest-Star. 3000 Mal wurde es bereits abgespeichert. Kein Wunder, die Farbwahl Schwarz-Weiß-Gold ist eine erfrischend moderne Alternative zu Klassikern in Rosa und Hellblau. Aber auch abseits vom Kinderzimmer findet man in der Wohnung der Belgierin Gwen Dubios simple, aber besondere Dekoideen. Da wäre zum Beispiel der Fettspritzschutz in Weiß mit dem Wort „happy“ drauf. Die praktisch denkenden Leserinnen bekommen jetzt wahrscheinlich große Schweißperlen auf der Stirn. Ein Fettspritzschutz in Weiß? Das ist ja wie Kinder bei Regen in Weiß auf den Spielplatz schicken!

Gwen kocht einfach nicht. So ist das bei Interior-Liebhabern. Hauptsache es sieht schick aus, dann geht man eben täglich ins Restaurant.

War doch nur Spaß. Gwen liebt es zu kochen. Das Material des Fettspritzschutzes ist aus PVC und leicht abwischbar. Natürlich sollte man es mit etwas Abstand zum Herd anbringen. Sie hat es in einem Copy-Shop anfertigen lassen. Ich Spießerin hab natürlich längst nachgefragt. Das Küchenregal aus dem Baumarkt mit etwas Farbe dahinter und einer Kordel für die Papiertücherrolle – auch so eine simple Idee auf den Punkt.

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Gwen Dubois hat Innenarchitektur und Möbeldesign studiert,  in diversen Firmen gearbeitet, bis sie vor fünf Jahren ihre Tochter Rosie bekam. Seitdem arbeitet sie als Freelancerin, entwirft Produkte, hat gerade ein Online-Magazin für Eltern entworfen (www.maisonslash.be  – leider bisher nur auf Holländisch) und arbeitet an einer Kinderzimmerberatung, die sie demnächst international anbieten möchte. Wir haben über das Thema Ideen haben, auch unter großem Zeitstress, gesprochen:

Liebe Gwen, dein Job ist es, rund  um die Uhr Ideen zu haben. Wie schaffst du es, die ständig abzuliefern und dich dabei nicht zu verzetteln als Selbstständige und Mutter?

Früher habe ich mich in den Ideen tatsächlich verloren. Aber seitdem ich Mutter bin, habe ich viel gelernt. Zum Beispiel mich gut zu organisieren. Ich schreibe meine Ideen sofort auf, zeichne sie, erstelle Boards bei Pinterest und spreche viel über meine Einfälle, das verankert sie ebenfalls im Gehirn. Und ich weiß mittlerweile, dass jede Idee, die ich habe, irgendwann zum Einsatz kommen kann. Vielleicht nicht jetzt sofort für die aktuelle Aufgabenstellung, aber dann eben später bei einem anderen Kunden, wenn die Zeit reif dafür ist. Diese Erfahrung hat meinen Kopf sehr beruhigt. Plus ein sogenanntes bullet journal. Google das mal, das ist eine Welt für sich. Es ist eine Technik, wie man sich am besten selbst organisiert, um maximal produktiv zu sein. Ich mache das jetzt seit drei Monaten und es funktioniert fantastisch.

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Findest du es auch so inspirierend, ein Kind zu haben?

Oh ja! Meine Tochter hat mir schon so viel beigebracht. Sie hat mir gezeigt, einfach im Moment zu leben. Es ist so ein Klischee, aber Eltern verstehen glaub ich was ich meine. Ich liebe auch, wie egal es ihr ist, was andere über ihre Zeichnungen denken. Manchmal kritzelt sie einfach nur herum und dann plötzlich kreiert sie die schönsten Bilder, die ich je gesehen habe und die ich heimlich aufhebe, weil sie mich sehr inspirieren für Drucke und Grafiken. Aber keine Sorge, sie bekommt den Credit.

Super, Ideenklau beim eigenen Kind! Wir sind die Copycats unserer Kids! Ich komm tatsächlich auch oft auf neue Ideen, wenn ich mit meinen Kindern spiele oder auch beim Duschen. Wahrscheinlich, weil man dann einfach loslässt, an etwas anderes denkt…

Genau, wenn ich eine Denkblockade habe, nicht weiter komme mit Projekten, dann hilft am ehesten etwas ganz anderes zu machen. Auch wenn es zuerst schwer fällt, weil ein gewisser Zeitdruck dahinter ist. Ich gehe dann kochen, Auto fahren oder laufen. Meist kombinieren sich dann irgendwelche Gedanken. Man muss einfach vertrauen, dass die Idee schon zu einem kommt. Und Geduld haben, was mir natürlich auch nicht leicht fällt.

Ich habe fest gestellt, je mehr ich mag, was ich tue, umso leichter fällt es mir, dafür Ideen zu haben.

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Oh das kenne ich gut! Heißt das im Umkehrschluss, dass du auch versuchst, nur noch das zu tun, was du wirklich liebst?

Ich versuche es, auch wenn es nicht immer einfach ist. Ich glaube, dadurch bekommt man so viel Extra-Energie, dass man in Summe mehr schafft, es sich also wirklich lohnt. Ich nehme mir auch gern Zeit für Pro-Bono-Projekte. Zusammen mit anderen Freiwilligen haben wir gerade ein Zuhause für Kinder redesignt, die ohne ihre Eltern nach Belgien geflüchtet sind. Es ist das mindeste, wofür ich meine Talente einsetzen kann. Davon würde ich in der Zukunft gern noch mehr tun.

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Du arbeitest auch viel von Zuhause aus. Dein Trick, dass du wirklich zum Arbeiten kommst und nicht nur aufräumst und anderen Kram machst?

Manchmal schaffe ich es nicht die Bohne! Es ist immer noch eine große Übung, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und alles andere zu ignorieren. Ich habe mein Büro ins Dachgeschoss verlegt, damit ich die dreckigen Teller in der Spüle und die andere Hausarbeit tagsüber nicht sehe.

Wir haben keine Putzfrau, unser Trick ist: Freunde einladen. So müssen wir aufräumen und haben gleichzeitig noch eine gute Zeit.

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Deine Tochter Rosie hat eins der coolsten Kinderzimmer, die ich je gesehen habe, wie bist du auf die Idee mit dem schwarzen Bett gekommen?

Wir wollten das Dachgeschoss nicht in unterschiedliche Bereiche oder Zimmer aufteilen, sondern es in einem großen Stück lassen. Gleichzeitig wollten wir Rosie aber eine gemütliche Ecke zum schlafen bieten, so kamen wir auf die Idee mit dem Kajütenbett. Wir haben verschiedene Versionen ausprobiert und lieben diese jetzt sehr. Als sie anfing ganz alleine in dem Raum zu schlafen, haben wir ihn ihr noch ein bisschen bunter gemacht mit der Schaukel und den farbenfrohen Spielsachen.

Plus ein paar Erinnerungsstücke. Der Teppich ist zum Beispiel von meinen Eltern, als sie in Südafrika gelebt haben als junge Leute, die Mickey Mouse und Reh-Lampe sind vom Patenonkel und der Tiger-Kopf ist aus Papier, aus dem fantastischen Shop Papier Tigre aus Paris. Es ist ein Download for free von deren Website. Sie haben mittlerweile auch Geschäfte in Berlin und Japan. Ich mag es, wenn man in einem Raum eine zeitlose Atmosphäre als Basis schafft und dann mit Accessoires spielt, die einen gewissen „taste of the moment“ schaffen. Und ich liebe es, mit Papier zu arbeiten. Das ist einfach und sehr günstig. Bei der Ikea-Lampe habe ich angefangen, die Papierblumen in Pompons umzuwandeln, habe es bis heute nur leider noch nicht fertig gestellt.

 

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Die hübschen Kleiderbügel aus Holz hast du entworfen. Wie können Interessierte sie kaufen?

Ich habe nur noch ein paar davon über und verkaufe sie für 3 Stück zu 25 Euro plus Versandkosten. Wer sie gern kaufen würde, kann mir gern einfach eine Email an gwen@gwendubois.com schreiben. Dann freu ich mich!

Hast du einen Traum für dein Job- und Privatleben? Ich träume gerade davon, an den Wochenenden nicht mehr zu arbeiten, sie nur noch zur Inspiration und Erholung zu nutzen…

Mein Traum ist es, alles zu kombinieren, das mir neue Energie gibt. Wie zum Beispiel backen, neue Sachen kreieren, Brainstorming. Es macht mir nichts aus zu arbeiten, weil es sich für mich nicht wie Arbeit anfühlt. Aber weil ich Mutter bin, kann ich natürlich nicht ununterbrochen arbeiten. Ich habe aber noch einen kleinen Trick: Ich erzähle Rosie einfach, an welchem Projekt ich gerade arbeite. So dass sie versteht, woran ich arbeite und warum ich das tue. Ich hoffe, das ist inspirierend für sie.

Liebe Gwen, herzlichen Dank für den schönen Einblick in dein sehr inspirierendes Leben!

Text – Stefanie Luxat

Bilder – Jonah Samyn

6 Comments

  1. Antworten Salon Stories 26. Oktober 2016 um 09:34

    Was mich wirklich wirklich begeistert ist die Lösung mit dem Kinderbettchen an der Wandschräge! Der Platz ist optimal und kreativ ausgenutzt und die kleine Dame hat eine kleine Kuschelhöhle. Da wünscht man sich für die eigenen Racker fast, man könnte den flachen Dachboden ausbauen 😉

    Liebe Grüße aus Frankfurt sendet Anna

  2. Antworten Lilli 26. Oktober 2016 um 09:40

    Danke für die Haustour bei den Dubois, ein schöner Einblick. Ich möchte gerne Rosie Dubois sein und mich in diesem Kinderzimmer austoben. Wir haben auch keine Putzfrau und laden uns für einen normalen Sauberkeitsgrad auch Freunde ein, wenn Fenster geputzt werden müssen, brauchen wir mehr Druck und wir laden die Mutter meines Mannes ein, dann putzen wir vorher ganz geschwind 😉
    Schönen Tag wünscht Lilli

  3. Antworten Kathrin 26. Oktober 2016 um 18:08

    Ach wie schön , endlich mal seit langem wieder eine Hometour und dann auch noch eine mit wirklich tollen Ideen, der Spritzschutz, das einfache Regal in der Küche, prima zum nachmachen und sieht toll aus. Das Kinderzimmer mit dem Bett ist natürlich der Knüller, da wünscht man sich der Sohn wäre noch im passenden Alter. Das „Somebunny loves you“ Poster muss ich unbedingt haben , das perfekte Geschenk für meinen Freund (bei meinem Kosenamen). Ein bullet journal führe ich übrigens auch schon seit ewigen Zeiten (habe aber erst vor kurzem erfahren das man das so nennt) allerdings lasse ich die ganzen Malereien und Klebereien weg , denn das kostet einfach zu viel Zeit. Aber es hilft einem wirklich, vor allem wenn viele kleine Dinge gleichzeitig zu erledigen sind verliert man sonst schnell den Überblick.

    • Antworten Steffi 2. November 2016 um 13:36

      @Kathrin: Liebe Kathrin, ich freu mich, dass dir die Tour auch so gut gefällt. Bei dem Poster war ich auch sofort hin und weg. Vielleicht bauen wir uns einfach selbst so ein Bett? 😉 Herzlich, Steffi

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