Wie schafft die das alles?

Sie tut es nicht. Sie schafft nicht alles. Und wenn sie das angeblich tut, dann hör lieber dem Tuten der Schiffe zu als ihr.

Niemand schafft alles. Die Frage ist, warum wir das so gern möchten. Das jemand alles schafft. Warum wir jemanden diese Frage stellen und ob die eigentliche Frage dahinter nicht ist: Müsste ich nicht noch mehr schaffen?

Ich höre diese Frage ganz oft: „Wie schaffst du das bloß alles?“ Und ich mag sie nicht, die Frage, auch wenn sie manche vielleicht aus einer Art Bewunderung stellen oder als Kompliment meinen. Ich kann sie nicht leiden, weil sie mich in eine Ecke drückt, in der ich nicht stehen möchte. Ecke Superwoman. Da ist es zugig und ungemütlich. Da steht man allein. Weil es sie nicht gibt, diese Frau, also kann man sich auch nicht an ihr wärmen.

Höre ich diese Frage, fühlt es sich für mich an, als richte jemand den Scheinwerfer auf mich, als würde jemand die Seziernadel auspacken und alles, was ich dann denke ist: Siehst du denn meine blauen Flecken nicht? Vom Hinfallen. Siehst du denn meine Schürfwunden nicht? Vom es gerade noch so irgendwie hinbekommen. Glaubst du wirklich, dass ich alles geschenkt bekomme und nicht für vieles teuer bezahle? Das ist nicht als Vorwurf gemeint. Nur als: schau mal genauer hin. Warum sollte mein Leben so groß anders sein als deins? Warum möchtest du das so gern?

Wenn ich einen Menschen sehe, der bei mir Neid erzeugt oder das Gefühl, da hätte jemand das Leben besser im Griff als ich, was auch immer diese Frage in unser Gehirn lockt, dann übe ich mit mir und meinem Gegenüber milde zu sein. Dann denke ich daran, wie ich selbst schon gescheitert bin und die Person ganz bestimmt auch. Niemand gewinnt am laufenden Band: im Job, der Beziehung, mit seinen Kindern, Nachbarn, Kollegen – das schafft keiner.

„Warum müssen wir eigentlich so viel schaffen? Warum ist das lobenswert und nicht das Nicht-alles-schaffen, vielleicht sogar das Nichtstun oder gar Scheitern?“

Mir imponieren Menschen mehr, die zugeben, dass sie nicht alles hinbekommen. Die sich Freiräume einrichten. Die bewusst verzichten auf Dinge, um Zeit zu haben für das, was sie glücklich macht. Das beeindruckt mich mehr als das Klagelied des so viel zu tun haben’s. Das kann ich auch geigen, den ganzen Tag. Aber während ich das Lied spiele, wird alles um mich herum Grau, rennt die Zeit, wird mein Herz nervös, mein Magen, schaltet mein Körper in den Überlebensmodus, kommt Stress auf.

Spannender finde ich, wie man diese Spirale erst gar nicht betritt. Wie man dem sich immer schneller drehenden Karussell einfach nur zusieht, während man draußen auf der Parkbank sitzt und in Ruhe an einem Liebesapfel knabbert. Oder besser noch: beim Knabbern seinen Blick auf etwas Schönes statt so Stressiges richtet.

Ich übe das Nicht-alles-schaffen. Zum Beispiel, wenn die Kita anruft: das Kind ist krank. Ich dann krank bin. Der Mann, wir alle. Das Telefon klingelt, ein schöner Job hereinkommt, ein Auftrag stressig wird. Beim Mann das gleiche passiert. Und wenn man glaubt, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, sich einfach noch ein Virus, noch ein Problem auftürmt. Ich nicht mehr weiter weiß, weil egal wie wir es anstellen, gerade keiner von uns gewinnen kann. Keine Hilfe in Sicht ist. Die Tränen laufen, die Frage kommt, ob wir denn alles falsch machen. Dann hilft es nicht, sich zu fragen, wie schaffen das bloß alle anderen. Da hilft nur, mich zu fragen: Wie habe ich es beim letzten Mal geschafft, als ich an diesem Punkt war? Ach ja: Schritt für Schritt. Eins nach dem anderen angehen, eben nicht alles auf ein Mal. Weil das keiner schafft.

Also lasst uns doch diese doofe Frage gemeinsam über Bord werfen. Wir brauchen sie nicht. Wir schaffen das auch so.

Text – Stefanie Luxat

49 Comments

  1. Antworten eva 14. Dezember 2015 um 09:31

    liebe stefanie luxat,
    besser kann man/ frau es nicht ausdrücken. vielen dank für die erfrischenden sätze.
    und da ich ehrlich gesagt mit drei kindern und oft abwesenden gatten eine frau ohne zeit und nerven bin und mir (typisch weiblich) immer selber vorgerechnet habe, was ich am tag oder in der woche nicht geschafft habe, versuche ich nun das gegenteil. ich zähle mir abends auf, was ich alles geschafft habe und mir geht es viel besser.
    in diesem sinne, courage zur blamage, mut zum unfertigen und unperfekten…..

    lieben gruss
    eva

    • Antworten Steffi 14. Dezember 2015 um 09:36

      @eva: Liebe Eva, das klingt fantastisch, wie du das machst. Einfach das Biest umdrehen und etwas Schönes aus ihm machen – tolle Idee. Und wie großartig ist bitte der Spruch „Courage zur Blamage“? GROSSARTIG! Der wird jetzt mein ständiger Begleiter, lieben Dank dafür! Herzliche Grüße, Steffi

  2. Antworten Claire 14. Dezember 2015 um 09:46

    Vielen Dank Steffi! Der Text trifft’s. Und er kommt zur richtigen Zeit. Bei uns ist gerade Hochsaison. Aber ich geh einfach Schritt für Schritt den Berg hoch und geniess dann die Aussicht :-)

    Auf geht’s- Alles Gute für Euch!
    Liebe Grüße aus der Weihnachtsbäckerei

  3. Antworten Sabine Flicker 14. Dezember 2015 um 09:49

    Wow. So ein schöner Text. Mein liebster aus deiner Feder…. Danke Steffi!

    Grau in graue Grüße mit Sonne aus dem Herzen sende ich aus Wien,
    Sabine

  4. Antworten Angela - designhaus no.9 14. Dezember 2015 um 09:55

    Liebe Steffi, jetzt hast du so richtig meinen selbst gemachten Stress verpuffen lassen. Habe heute noch einiges vor und sitze selbst vor meinem nächsten Blogbeitrag, den ich unbedingt heute früh raushauen wollte. Ändere die ganze Zeit am Text und denke, ist der mal blöd geworden. Dann kommt deine Mail und ich entscheide mich dafür erst mal Steffis neuen Post zu lesen, und alles ist nun viel besser. Schaue gerade die ganze Zeit aus dem Fenster und denke „was soll’s, dann halt später“. Viele Grüße und allen einen entspannteren Tag!

  5. Antworten Carla 14. Dezember 2015 um 09:58

    Super!
    Mich fragen immer alle, wie ich es neben Vollzeitjob und 2 kleinen Kindern noch schaffe, so viel zu nähen und zu stricken… Ganz einfach, ich mache alles andere nur in absolut notwendigen Mengen.
    Mag sein, dass Putzen immer wichtig ist, aber was habe ich mal gelesen… bei uns kann man vom Boden essen und wird satt.
    Die Kinder dürfen ihre Zimmer selbst aufräumen oder es lassen, Papierkram mache ich immer dann, wenn die Steuererklärung ansteht, Bügeln haben wir abgeschafft und das einzige, was echt noch Prio hat, ist das leckere Abendessen.
    So schaffe ich mir jeden Abend ein paar Stunden, die meine sind!
    Man muss nicht alles schaffen, die Kindern dürfen auch lernen, dass Zeit wichtig ist und nicht für Unsinn verschwendet werden muss… und was Unsinn ist, dass muss jeder ganz für sich alleine entscheiden. Vor allem sollte man immer erst nach sich schauen und womit man in sich ruhen kann, nicht nach dem, was anderen von einem für ein Bild bekommen sollen.

    • Antworten Steffi 14. Dezember 2015 um 11:13

      @Carla: Genau so ist es! Ich werde oft gefragt, wie ich es noch schaffe, Bücher zu lesen und Filme zu gucken. Aber wie du so schön sagst: dann herrscht eben drumherum totales Chaos, aber ich habe wenigstens eine gute Zeit. Darauf ein ganz lautes hohoho! Herzliche Grüße, Steffi

  6. Antworten Eclectic Hamilton 14. Dezember 2015 um 09:59

    Ein wundervoller Post zu einem aktuellen Trend, der mir so auch gar nicht gefällt.
    Und Hut ab vor deiner Ehrlichkeit.
    Ich wurde heute morgen gefragt: „Und, was hast du so am Wochenende gemacht?“ – Musste erstmal kurz überlegen und dann „3 Kränze gebunden, davon 2 für dich!“ – Große Freude!
    Und nun ganz ehrlich, ausser diesen 3 Kränzen und einen neuen Blogpost habe ich nichts gemacht – und es war toll und es war relaxt und ich starte tiefenentspannt in die neue Woche (auch ohne Wochenendabenteuer oder abgehakten To-Do-Listen!).

    Greetings & Love
    Ines

  7. Antworten ina 14. Dezember 2015 um 10:01

    …aaaah solche WOHLTUENDEN Sätze an einem Montag!!
    Herrlich, da schaltet sich gleich der „Relaxter Modus“ ein – denn ich will auch keine Superwoman sein!! 😉

    • Antworten Steffi 14. Dezember 2015 um 11:11

      @ina: Wie schön, dass das die Wirkung auf dich hat. Superwoman hat glaub ich ein echt stressiges Leben und dann noch dieser hautenge Gummianzug, wo man jedes Kekspolster sieht – neeeee, lieber nicht! 😉 Herzliche Grüße, Steffi

  8. Antworten Feindbildunterleib 14. Dezember 2015 um 10:06

    Ach…. Wie wahr.
    Toll geschrieben. Tut richtig gut das zu lesen .
    Danke

  9. Antworten Kaddi 14. Dezember 2015 um 10:20

    Liebe Steffi,
    ein ganz toller Text, der mir aus der Seele spricht. Ich kann so gut verstehen, dass du diesen Satz so hasst. Er ist auch wirklich blöd!
    Aber er ist auch irgendwie symptomatisch für unsere Zeit, in der alle alles nur noch optimieren und immer wieder besser und nochmal besser machen wollen. Niederlagen, Misserfolge werden nicht eingestanden, zumindest nicht öffentlich. Es wird lieber das Bild gewahrt von einer super Mutter, die alles hinbekommt, von einem tollen Paar, das trotz Zwillingen jedes WE superhübsch weggeht etc. Einfach alles super und natürlich absolut perfekt. Mich widert diese Perfektion an! Das tut sie schon seit Jahren, weil doch eigentlich jeder weiß, dass niemand perfekt ist. Belügt man sich dann lieber selber, als sich einzugestehen, dass mal etwas nicht klappt oder dass man vielleicht nicht mehr das super aufregende Paar ist, dass man vor x Jahren war, weil man jetzt einen Sofaabend auch ganz angenehm findet, wenn die Kinder endlich schlafen?
    Ich hoffe, dass dein Text Viele erreicht und für ein bisschen mehr Entspannung, wenigstens bei ein paar Leuten, sorgt. Das wäre ganz toll!

    Liebe Grüße von Kaddi

  10. Antworten Gigi 14. Dezember 2015 um 10:44

    Genau das hab ich gerade gebraucht, danke :)

  11. Antworten sternenglück 14. Dezember 2015 um 11:00

    Liebe Steffi,
    so ein toller Text, ich danke dir dafür! Bin gerade zufällig vom Katzenklo-Blog hier gelandet und bin sehr froh darüber. Versuche ich doch gerade mehr zu genießen statt zu hetzen, um „alles“ zu schaffen. Und so schicke ich dir unbekannterweise liebe Grüße vom Sofa – das kleine Kind schläft gerade :) ich komme wieder mal vorbei!
    Alles Liebe
    Sternie

  12. Antworten Susn 14. Dezember 2015 um 11:49

    Soooooo ein super Beitrag :)
    Danke dafür!

  13. Antworten Judith 14. Dezember 2015 um 12:03

    Liebe Stefanie,

    das hast du sehr schön geschrieben und zusammengefasst. Ich glaube, so gut wie Du hat das noch niemand auf den Punkt gebracht. Wie viele Jahre hab ich selbst ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ich neben Uni und Job kaum dazu gekommen bin, nebenbei noch andere Sachen zu machen. Während sich andere scheinbar spielend noch engagiert haben und Hobbies hatten. Es hat lange gedauert, aus dieser Schleife aus „sich schlecht fühlen“ rauszukommen und manchmal kommt das Gefühl trotzdem noch zurück. Daher danke für Deinen ehrlichen Text. LG und schöne Weihnachten. Judith

  14. Antworten Yvonne 14. Dezember 2015 um 12:11

    Liebe Steffi,
    wow, einen besseren Text hätte ich zum Wochenstart kaum lesen können. Danke dafür. Seit einigen Wochen planen wir mit unseren zwei kleinen Mäusen immer einen freien Tag am Wochenende ein. Wie gut das tut ist kaum in Worte zu fassen. Mal nicht hetzen, keine Haare die noch für die Einladung gebürstet werden müssen, keine Kinder die sich schnell anziehen müssen, weil wir los wollen. Dafür einfach mal spontan das machen wozu alle Lust haben (meistens ist es im Pyjama bleiben – am besten den ganzen Tag). Komischerweise haben alle Freunde und Bekannte Verständnis dafür – man muss sich nur trauen!
    Ich wünsche dir und deiner Familie noch eine tolle, unperfekte, entspannte Vorweihnachtszeit.
    Liebe Grüße aus dem Ruhrpott
    Yvonne (die hier seit Jahren ihren ersten Kommentar schreibt;-))

  15. Antworten Amy @apidaecandles.de 14. Dezember 2015 um 12:37

    Liebe Steffi,
    das war gerade richtig für ein Montag. Als mein Mann heute morgen aus dem Haus ging, hat er mich gefragt was ich alles heute vor habe. Ich habe gleich gesagt, daß ich nicht alles schaffen werde was ich vor habe. Eins nach dem anderen…Wir haben alle nur 24 Stunden geschenkt pro Tag.

  16. Antworten Anne 14. Dezember 2015 um 12:50

    … wie Recht du hast! Woran ich vor allem merke, dass ich mich durch’s Leben hetze, um alles und am besten noch mehr zu schaffen: liegen gebliebene Bücher, die es nicht verdient haben, ignoriert zu werden.. eine verstaubte Nähmaschine und jede Menge schöner Stoff.. latent schlechte Laune, die immer dann aufpoppt, wenn man merkt, dass man doch kein Tausendsassa ist und der Tag nur 24 Stunden hat.. schon früh morgens die Kinder beim Anziehen hetzen und „Beeil dich“-sagen (ganz doof). Die Welt geht allerdings nicht unter, weil ich meine To-Do-Liste noch nicht abgearbeitet habe oder der Bügelkorb überquillt. Ich übe mich darin, die wichtigen Dinge des Lebens wichtig zu nehmen und der Rest kommt danach. Klappt mal, mal nicht. Aber immer öfter. Und die Advents-/Weihnachtszeit eignet sich doch eigentlich auch dazu, etwas langsamer zu machen.. Die Frage ist doch: Was MUSS man wirklich schaffen und was ist selbst auferlegter Stress, den man sich eigentlich auch sparen könnte? Fünf Plätzchensorten? Bei uns gibt’s dieses Jahr gekaufte, auch lecker.. In diesem Sinne, entspannte Feiertage!

  17. Antworten Judith 14. Dezember 2015 um 12:53

    Das hat gerade so gut getan, sowas am Montag Mittag zu lesen <3

  18. Antworten Simone Beck 14. Dezember 2015 um 13:17

    Liebe Steffi,
    viel besser hätte man es nicht beschreiben können – gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit höre ich diesen Satz auch sehr oft. Problem ist, diese Leute, die den Satz verwenden, sehen an einem nur das was man tatsächlich geschafft hat und nicht das große Ganze. Außerdem sind alle Menschen soooooo unterschiedlich (Gott sei Dank), dass man eigentlich fragen sollte: Wie schafft er/sie es, so glücklich auszusehen? Und dann sollte man sich selbst betrachten und dankbar sein, für das was man täglich selbst schafft und stolz sein, was man täglich alles leistet, auch wenn es nur das „Faul auf der Couch lümmeln“ war – denn DAS ist in der heutigen Zeit auch schon eine große Leistung! Toller Beitrag, wirklich! Lebenslustige Grüße, Simone

  19. Antworten Sandra 14. Dezember 2015 um 13:52

    Liebe Steffi, einfach nur „DANKE“ für Deinen wunderbaren Text! Mehr Kommentar geht gerade nicht, muss noch so viel schaffen heute…Zum Glück auch ganz viel Schönes!

  20. Antworten Martina 14. Dezember 2015 um 14:14

    Liebe Steffi,
    Du sprichst mir aus dem Herzen – vielen lieben Dank für diesen grossartigen Text!
    Ich habe die letzten 4 Jahre gebraucht eine gewisse „Lässigkeit“ und „Entspanntheit“ nun für mich in Anspruch zu nehmen.
    Ich wünsche Dir, dass Du alles weiterhin so „entspannt“ und herrlich managst (…oder eben auch mal nicht – die Welt dreht sich trotzdem weiter ;-)!)
    Liebe Grüße,
    Martina

  21. Antworten Dorthe 14. Dezember 2015 um 15:20

    Liebe Steffi,
    ich übe das noch sehr. Das ganze Jahr über schon. Hat nicht so richtig geklappt. Wie auch, wenn meine Einstellung sich nicht ändert? Ich arbeite weiter dran…dein Text hilft sehr! Danke!
    Liebe Grüße, Dorthe

  22. Antworten Jenny 14. Dezember 2015 um 17:19

    Liebe Steffi – mal wieder direkt aus meinem Herzen gesprochen. Perfekte 5 Minuten Pause an diesem anstrengenden Tag. Und endlich eine wunderbare Antwort auf Komplimente & E-Mails. Bisher beantworte ich die immer mit: „Ach, weißte, alles nicht so wild, was ich da mache.“ Dabei will ich das gar nicht. Ich will schon sagen: Ja, das ist anstrengend und alles, aber irgendwie mache ich es halt. Schritt für Schritt. Und nicht mich dabei schlecht und klein machen. Danke!

  23. Antworten Tina 14. Dezember 2015 um 18:09

    Liebe Steffi,
    Dein Text berührt mich sehr und ich werde mich hoffentlich noch lange an ihn erinnern. Unperfekt zu sein, nicht alles schaffen zu müssen, auch mal einen Fehler zu machen – das ist menschlich und normal und obwohl ich das weiß, muss ich es neu) lernen und mir immer wieder vor Augen führen. Ich übe das gerade fleißig, denn gerade in der Weihnachtszeit und am Jahresende möchte ich auch Zeit und Ruhe zum Genießen, Entspannen, Zurück blicken haben und nicht von einem Termin zum anderen hetzen, Geschenke für Hinz und Kunz und Kunz und Hinz besorgen, noch schnell einen Blog-Post schreiben, weil doch alle gerade Gift Guides und Rezepte und Deko-Ideen veröffentlichen. Kein einfacher Prozess, aber es geht!
    Vielen Dank für Deine ehrlichen Worte und Dir und Deinen Lieben eine schön unperfekte Weihnachtszeit!
    Tina

  24. Antworten Susanne 14. Dezember 2015 um 18:13

    Ich habe heute WIEDER nicht alles geschafft, aber ich bin GLÜCKLICH!!!
    Ist seit diesem Monat eh schon mein neues Mantra!!!!
    Ich fühle mich auch immer wahnsinnig in eine Ecke gedrückt, wenn jeder sagt, bei Dir ist immer so ordentlich auf den Fotos! Ne, man darf nur den Ausschnitt keine 5 cm verrücken…..na ist doch egal. Ich wollte tatsächlich jahrelang perfekt sein…..nun nicht mehr und ich habe wieder Zeit für mich und meine Familie….was gibt es SCHÖNERES!!! (auch wenn ich tatsächlich gerne aufräume, weil ich zu faul bin Berge weg zu räumen :-))))
    Liebe Grüße,
    Susanne

  25. Antworten Irene 14. Dezember 2015 um 21:18

    Genau, Schritt-für-Schritt wie Beppo der Straßenkehrer aus dem wunderbaren Buch Momo. Mein Trick für fast alles: Die 80/20-Regel von Pareto. Die besagt: Mit 20% Aufwand erreichst du bereits 80% der gewünschten Wirkung. Genial einfach. Und der Rest der Zeit bleibt zum Spaßhaben und Glückgenießen…

  26. Antworten Sophie 14. Dezember 2015 um 21:50

    Super Text, Steffi!
    Wenn bei mir mal Neid aufkommt, weil eine andere scheinbar alles spitzenmäßig schafft, dann stelle ich mir immer die Frage: Wenn Du könntest, würdest Du Dein Leben mit allem Drum und Dran mit ihrem Leben mit allem Drum und Dran (Schwiegermutter, Job, Gesundheit, Aussehen, Mann, Kinder, Sorgen,…) tauschen wollen? Und noch nie hätte ich getauscht. Denn wenn man alles zusammennimmt und nicht nur das sieht, was einem erstmal ins Auge springt, dann kommt man zum Schluss, dass man selbst es doch besser hat/macht/schafft oder auch mal nicht schafft…
    LG

  27. Antworten Stephanie Hoffmann 14. Dezember 2015 um 22:09

    Liebe Steffi, ich war viele Jahre lang Superwoman und selbst der Perfektionismus war mir nie gut genug, immer besser und mehr sollte es sein, den Ansprüchen und Anforderungen der anderen genügen, immer die ganze Hand geben müssen statt auch einmal nur einen Finger, den ganz kleinen…. Und dann, der große Absturz, die tiefsten Täler des Lebens kennengelernt zu haben, auf einmal verletzlich und antastbar zu sein UND einsehen zu müssen, dass die Rolle der Superwoman eigentlich ganz schön beschissen ist. Mich hat das Leben auf sehr unangenehme Weise lernen lassen, dass man nicht immer alles schaffen muss, dass es auch mal krumm und schief sein darf und dass manches einfach warten muss. Im Endeffekt wartet so und so immer alles auf einen… zwei Jahre lang habe ich mein Leben Schritt für Schritt zurückerobern müssen und dieses Tempo möchte ich nicht mehr ändern. Was habe ich gelernt? Auch wenn es mal wieder viel zu viel ist, sich das Karussell wieder viel zu schnell dreht, sich kurz besinnen, in sich hineinhorchen und mindestens drei Gänge zurückschalten UND auch mal NEIN sagen! alles wird gut…. Und in einem langsameren Tempo eigentlich noch besser! Ich hoffe, dass das unsere Gesellschaft auch mal kapieren wird!

  28. Antworten Elisabeth 15. Dezember 2015 um 08:04

    Ganz toll und wahr geschrieben! Danke, danke, liebe Steffi! Du sprichst mir aus der Seele…
    Ich bin gerade dabei, den Fokus noch ein bisschen anders zu setzen, weg vom „ich muss nicht alles schaffen“ hin zur aktiven Faulheit (tönt widersprüchlich, ist es aber nicht. Es ist amüsant, welche Reaktionen man bekommt, wenn man beispielsweise nach 10 Uhr im Büro aufkreuzt, alle vermuten, man hätte zuhause Stress mit der Wäsche oder den Kindern gehabt oder womöglich schon gearbeitet, man aber dann erzählt, man habe genüsslich Kaffee getrunken, Nussnougat-Brötchen gegessen, die hinter dem Nebelschleier aufgehende Sonne angestaunt und auf ohhhmhhh gelesen – wie ich heute ;-).
    Nochmals grössten Dank für die schönen Momente und Gedanken, du machst das einfach nur super!
    Elisabeth

  29. Antworten Eva 15. Dezember 2015 um 12:58

    Danke! Ich kenne das gut. Schlechtes Gewissen, wenn man früher vom Job weg muss, schlechtes Gewissen, weil man nicht früher beim Kind ist. So macht man schnell alles mit einem schlechten Gefühl (denn man sollte ja eigentlich gerade woanders sein oder sich um was anderes kümmern). Dabei verzeiht der Alltag viel mehr als man denkt. Mir hilft es vor allem, mich regelmäßig zu fragen, für wen ich denn eigentlich so perfekt sein will? Ob meiner Tochter die superkreative Brotdose, die zusammenpassende Kindergartenklamotte und die frühe Abholzeit nicht vielleicht viel weniger wichtig ist als mir? Und ob sie nicht lieber eine coole & manchmal chaotische Mutter als eine perfekt abgehetzte hat. Bestimmt. Also Mut zu mehr Lässigkeit und Improvisation. Frohe Weihnachten!

  30. Antworten Nike 15. Dezember 2015 um 22:19

    Liebe Elisabeth, dein Kommentar ist so herrlich, ich musste eben laut lachen auf der Couch! Ich bewundere deinen Mut. Ich war schon immer Verfechterin des „nicht perfekt sein zu müssen“. Schon mit einem Abi-Schnitt von 3,3 war meine Durchschnittlichkeit besiegelt. Aber das ist doch großartig… Denn nix ist doch anstrengender als ewig perfekt in jeglicher Hinsicht sein zu müssen. Im Job wird mir häufig gesagt „Verkauf dich besser, preise dich mehr an“… Ich denk nur „ohhh neee, lasst mich. Ich weiß was ich kann und was nicht so gut und das ist auch schon mal was wert“ ;). Auf xing war neulich ein Artikel über die „unperfekte Bewerbung“, dh jemand der herausgestellt hat was er NICHT kann. Damit hat er sich sooo sehr von dem Einheitsbrei der anderen abgehoben und viel positive Resonanz erhalten! In diesem Sinne allen eine entspannte Weihnachtszeit!

  31. Antworten Jana 16. Dezember 2015 um 23:04

    Ein paar Tränen und ein ganz großes DANKE – Ich kann Deine Worte gerade so gut gebrauchen!❤️

  32. Antworten Barbara 17. Dezember 2015 um 10:08

    Ich danke Dir für so schöne Worte. Genau zur richtigen Zeit :-)
    Liebe Grüße
    Barbara

  33. Antworten Tina 21. Dezember 2015 um 23:21

    Liebe Steffi,
    mir haben Deine Worte auch sehr gut gefallen. Ich backe viel und gerne, dafür sind manche unserer Möbel 20 Jahre alt und umdekoriert wird alle 5 😉
    Aber mir ist auch der Gedanke gekommen, dass blogs wie Deiner (persönlich aber nicht privat) zu diesem Trend beitragen, denn er verbreitet eine solche „Tschaka-Stimmung“ und zeigt z.B. Deinen perfekt designten Flur und eben viel seltener das Keksback-Chaos in der Küche mit Baby wie im letzten Jahr.
    LeserInnen vergessen, dass dies Dein Job ist und Dein blog und Deine Wohnung auch Dein Aushängeschild. Derjenige, bei dem das Kind auch mit fast Drei mangels Alternativen noch im Elternschlafzimmer untergebracht ist (keine Tränendrüse – Hausbaubedingt) postet eher kein Kinderzimmer – Makeover! Ich denke, hier fehlt es auch an Medienkompetenz, die hülfe, den Neid zu vermeiden.
    Viele Grüße
    Tina

    • Antworten Silvia Schüßler 6. Januar 2016 um 14:32

      @ Tina und Steffi: Ich möchte Tina insofern zustimmen als ich auch überrascht war, einen solchen Post auf diesen Seiten zu finden, die für mich eher Perfektion vermitteln. Dass ich doch immer wieder reinschaue liegt daran, dass du – Steffi – auf mich sehr unabhängig, ehrlich und aufrichtig wirkst und ich die Beiträge zum Muttersein erfrischend offen fand. Das Dekorieren ist nicht so meins, weil ich sehr viele andere Interessen habe und da habe ich den Mut zum Prioritäten setzen. Trotzdem schaue ich mir deine Ideen gerne an, weil das ein oder andere sich ja doch umsetzen lässt oder ich nutze es als Ausflug mal in ein ganz anderes Wohnzimmer … Insofern geht es für mich nicht um Neidvermeidung. Mir geht es mehr darum, das Ideal der Perfektion zu hinterfragen und freue mich, davon nun mehr bei dir – Steffi – zu lesen. Ich glaube, dass gerade wir Frauen uns gegenseitig stärken können, indem wir einfach menschlich sind und zugeben, dass wir „auch nur mit Wasser kochen“. Miteinander zu konkurrieren um die Position der coolsten, souveränsten und gechilltesten Mama/Frau/Partnerin führt in die Isolation und zur Überforderung. Wir brauchen als Menschen aber vor allem Beziehung und Verbindung, um uns kreativ entfalten und zu einer lebenswerteren Welt ( nicht nur für unsere Kinder) beitragen zu können. Vielen Dank für Eure Beiträge!

  34. Antworten Larissa//No Robots Magazine 23. Dezember 2015 um 11:55

    Vielen Dank für die ehrlichen Worte! Ich habe auch schon lange über einen Artikel nachgedacht, dass wir viel zu viel von uns erwarten – und die Welt uns den Glauben gibt, dass wir auch alles erreichen können/müssen. Dank dir habe ich jetzt endlich den Anstoß gefunden, ihn auch zu schreiben. :)

  35. Antworten Britta 15. Januar 2016 um 16:01

    Liebe Steffi, was für schöne Worte! Wie treffend. Wie wichtig! Ich habe vor gerade zwei Stunden einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben und bin mit Unverständnis und Kopfschütteln überschüttet worden, weil ich nicht die 100%Stelle angenommen habe, sondern nur die 50%Stelle. Was machst du denn den ganzen Tag, wenn du „nur“ so wenig arbeitest?!? Wurde ich gefragt. Zum Beispiel Waffeln backen, mit meinen Kindern rumlümmeln, nähen, bloggen, joggen…. In schönen blogbeiteägen stöbern, dabei Kaffee trinken. Und das Leben genießen! Echt. Für keinen Preis der Welt, würde ich freiwillig mehr arbeiten, solange ich nicht wirklich finanziell darauf angewiesen bin. Merkwürdigerweise stößt das vor allem bei Frauen auf Unverständnis. Und das ist schade! Denn mit heißen Waffeln und den Kindern zusammen schon am Freitag das Wochenende feiern macht sehr viel Spaß! Liebe Grüße! P.S. Courage zur Blamge: supercooler Spruch!!! Britta

  36. Antworten Moni 15. Februar 2016 um 09:09

    Da fällt mir ein Songtext ein:

    „Und plötzlich wachen sie auf und sind 40
    und erschrecken wenn der Schiri HALBZEIT schreit
    und fragen sich wann endlich mal die Zeit kommt
    in der man endlich mal Zeit hat“

    Daran musst ich bei deinem tollen Artikel denken.

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