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Übers Rummachen. Warum das eine verdammt gute Sache ist.

Aufmacher Rummachen Blogpost

Es ist wie mit dem Ausgehen. Nimmt man sich vor, die Nacht durchzumachen, auf den Tischen zu tanzen, das beste aller Feste zu haben, wird es meist mau. Oder man kommt erst gar nicht hoch von der Couch. Ach, jetzt was anziehen? Wohlmöglich duschen, oh Gott, mit Haare waschen? Es netflixt sich doch gerade so schön. Jetzt raus?

So ist es manchmal auch mit dem Sex. Wenn man sehr lange zusammen ist. Oder sehr, sehr müde. Vom Job. Vom Kinder haben. Ach, sich jetzt ausziehen? Wohlmöglich duschen, oh Gott, mit Haare entfernen? Es netflixt sich doch gerade so schön. Jetzt ins Bett?

Es ist der Aufwand, der einem vom Ziel fernhält, egal wie gern man es erreichen würde. Es sind so viele Hürden, es wirkt so anstrengend darüber zu steigen, ach, lass mal lieber. Dabei gibt es einen wunderbaren Trick: Rummachen. So richtig schön rummachen.

Alles, was man dafür braucht, ist der erste Kuss. Ohne jegliche Vorbereitung, Nachdenken, einfach auf der Couch, in der Küche, wo man gerade ist. Es darf nicht so ein aufgedrückter, schneller, keiner dieser Abhak-Küsse sein, bei denen man in Gedanken eigentlich woanders ist. Es muss einer dieser verdammt guten sein, bei dem man alles vergisst oder zumindest großes Interesse bekommt. Einer dieser vielversprechenden. Bei dem man den zweiten nicht abwarten kann, denkt:

„Alter, was war denn das? Warum nicht so, all day long?“

Gut, jetzt keine Panik und schon gar nicht Druck verspüren, sonst wird das wieder nichts. Einfach losküssen und den Kopf kurz ausschalten. Nicht noch an die Spülmaschine denken, den Job, losküssen, noch mal küssen, so ganz in Ruhe, das Gesicht in die Hände nehmen, dem Hals mal wieder einen Besuch abstatten, ahhh, na, geht doch! Schön weitermachen. Ja, klar, anfassen ist erlaubt. Rummachen und rumfummeln gehören eh zusammen. Ohhh, okay, das auch, ja, dann macht man, heieiei, Tschüss!

Es hat etwas mit sich selbst austricksen zu tun. Den Scheiß Perfektionswahn erst gar nicht herein zu lassen. Erst gar nicht zu überlegen, warum das gerade nicht gehen könnte und ob es ein Ziel gibt oder nicht, einfach losknutschen. Sich nähern. Dann interessieren die Haare in der Nase, an den Beinen und sonst wo doch eh nicht mehr. Dann erklingt irgendwann eher so etwas Kitschiges wie „Your body is a Wonderland“ im Kopf und kommen die Gedanken: „Warum tun wir das nicht öfter? Wir haben doch quasi unsere eigenen Freizeitparks immer für lau dabei!“

Ehe man es merkt, geht es beim Rummachen irgendwann ganz leicht und locker Richtung Zielgerade, läuft man da gemeinsam strahlend ein. Muss aber nicht. Es kann auch vorher gestoppt werden. Einfach nur rummachen. Dann bleibt man so herrlich angeknipst für die nächsten Tage, macht hier und da ein bisschen weiter. Fühlt es sich an, als habe man da so ein kleines Geheimnis am Laufen. Na ja, es läuft wieder was. Etwas Wunderbares. Und es ist nicht Netflix.

Text & Bild – Stefanie Luxat

12 Comments

  1. Antworten Louisa 30. April 2017 um 08:52

    Thanks a lot, liebe Steffi!!
    Überhaupt – toll, dass du wieder da bist – und gerne mehr von dieser miniserie!
    Es ist manchmal verblüffend wie bequem man doch ist, sogar zu bequem oder mit zu viel Selbstzweifel und Perfektion behaftet für dieses tolle Erlebnis.
    Hier hapert es auch am „einfach machen“…leider schon nach nicht so langer Beziehung aber dafür schon zu viel gemeinsamer Problembewältigung.
    Danke für die motivierenden Zeilen!
    Cheers, Louisa

    • Antworten Steffi 30. April 2017 um 10:19

      @Louisa: Liebe Louisa, schön, dass du wieder da bist! Es ist wie Rad fahren, sagt man doch immer. Erst ist es etwas ungewohnt und bald will man einfach nicht mehr ohne, weil man sich dran erinnert hat, wie viel Spaß und gute Gefühle es macht. Ich werde heute mein Rad (keine Metapher, das echte!) endlich wieder herauskramen und freu mich schon auf das gute Gefühl! Und dir wünsch ich von Herzen eine große Portion Leichtigkeit für eure Beziehung. Herzliche Grüße, Steffi

  2. Antworten Stephanie 30. April 2017 um 08:53

    Ganz genau so! Ich habe oft den Eindruck, dass viele Menschen jenseits der 35 spontanes heißes Knutschen verlernt haben. Ich überfalle meinen Mann nach 20 Ehejahren immer noch und gerne mit leidenschaftlichen Küssen oder anderem Gedöns (hach!)! Nicht nur zu Hause sondern immer und überall… ganz selbstverständlich, weil ich ihn genau so heiß liebe heute mit fast 45 wie damals mit 19! Leider scheint das für die meisten in unserem Alter fremd geworden zu sein…wenn die wüssten, wie viel schöner es das Leben macht!

    • Antworten Steffi 30. April 2017 um 10:23

      @Stephanie: Liebe Stephanie, ich glaub, nicht nur wir „Alten“ sind da etwas versteift (oder auch nicht, höhö), auch die Jungen, die haben ja noch mehr vermeintliche optische Vorbilder im Kopf und selten ein gutes Gefühl für ihren Körper. Das ist in unserem Alter ja alles schon viel einfacher, finde ich. Wir brauchen dann einfach nur den Mut und Antrieb der Jungen! 😉 Bei dir klingt es ganz wunderbar, 20 Ehejahre und noch so verliebt, großartig! Die erste Hälfte davon hab ich schon, ich geb Gas für die zweite! Herzlichste Grüße & auf das schöne Leben! Steffi

  3. Antworten Kerstin 30. April 2017 um 09:43

    Du hast so recht!! Je älter man wird (hööö, hätte ich auch nicht gedacht, dass ich so was mal schreibe…) um so mehr Kopf ist dabei und der genau hindert oder macht die Sache kompliziert!!
    Danke für den Text!!
    Liebe Grüße Kerstin

  4. Antworten Dorthe 30. April 2017 um 19:58

    Ach Steffi … Haaaaammer … der letzte Satz! Großartig:-)
    Danke dafür!
    Liebe Grüße ausm Bett … aber wir sind zu dritt … haaaa … Moment … ich meine, dass die Lütte mit hier liegt und wir TV gucken 🙂 ohmanohman …

  5. Antworten Eva 4. Mai 2017 um 09:14

    Liebe Steffi – wie recht Du hast… Wo wir vor einigen Jahren Kuschelrock & Co. brauchten, gehen heute auch Kinderkassetten als „Background-Musik“. Hauptsache die Kleinen sind zufrieden in Ihren Zimmern „parkiert“ – wenns auch nur für 10 Minuten ist… und los 🙂

    • Antworten Steffi 4. Mai 2017 um 09:26

      @Eva: Liebe Eva, you make my day! Danke für den lustigen Kommentar, genau so ist es! Und los! 🙂 Herzliche Grüße & happy day! Steffi

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