Komm se rein, die Haustour:

Heute zeigt uns Julie Heitmann ihre Wohnung – ein begehbares Märchenbuch.

Essecke Haustour

Immer wenn meine Freundin Carolin Samson in Hamburg zu Besuch ist, warte ich darauf, dass in ihrem Instagram-Account ein Bild aus Julie Heitmanns Wohnung auftaucht. Die beiden sind seit ihrem Studium befreundet und Carolin besucht Julie so oft es geht. Wenn man durch ihre Wohnung läuft, fühlt man sich wie in einem begehbaren Märchenbuch. Zu allen Gegenständen gibt es kleine Geschichten. Und es gibt keine klassische Küche, Wohn- und Arbeitszimmer-Aufteilung, irgendwie ist alles Atelier und das macht es sehr spannend.

Ich habe Julie noch nie getroffen, bin aber verliebt in ihre Sammelleidenschaft für Spielsachen, Kunstwerke, Erinnerungen an Kindertage – ach, einfach in ihren Stil, Humor und ihre Kreativität. Seit langem habe ich mir gewünscht, dass Carolin Julie für meine Komm se rein-Haustour gewinnt. Jetzt hat es endlich geklappt. Die schönen Bilder stammen vom Fashion-und People-Fotograf Ralf Bernert und Carolin hat Julie ein paar spannende Fragen gestellt.

Regal Haustour

Pommes Haustour

Ach so, bevor’s losgeht noch dies: Carolin hat hier schon öfter von ihren Reisen berichtet – über ihre dreimonatige Weltreise, ihren Ski-Urlaub in Kanada, hat ihre eigene Wohnung gezeigt und viele von euch haben sich in ihre wunderschönen Mieder-Collagen verliebt und jetzt sogar welche selbst Zuhause hängen. Seit ein paar Monaten betreibt Carolin zusammen mit ihrer Freundin Jantra das Lifestyle-Online-Magazin The Why Not. Dort zeigen sie Trends aus Beauty, Fashion und Interior, und ergänzen diese Meldungen mit der Rubrik Kunst. Plus Carolins Hotel- und Reiseempfehlungen zu ihren Lieblingsorten. Schaut doch mal da vorbei, es lohnt sich!

Und jetzt ab zu Julie. Julie Heitmann ist 40, lebt im Hamburger Karoviertel seit 12 Jahren und ist Lehrerin an einer Stadtteilschule, mit großer Leidenschaft für Kunst und Theater. Carolin hat sie für uns interviewt:

Hasenpuppe Haustour

Julie Haustour

Wenn man dich in deiner Wohnung besucht, fühlt man sich ein bisschen wie in einer rosa Seifenblase. Wo der Blick auch hinfällt entdeckt man hübsche kleine Dinge. Püppchen, Kinderschuhe, Kinderscheren und Spielzeug oder Kissen. Dabei wohnt hier nicht mal ein Kind. 

Meine Wohnung ist eine Ansammlung aller Gegenstände, die mich seit Beginn meines Lebens begleiten, jeder einzelne ist mit einer Erinnerung, einer Emotion oder einer kleinen Anekdote verbunden. All das ist ein Teil von mir und von mir nicht trennbar.

Da ich schon seit zwölf Jahren in dieser Wohnung lebe, hat sich sehr viel angehäuft. Zunächst waren die Wände ganz leer und immer ,wenn eine neue Kleinigkeit in mein Leben tritt, wird sie an eine Wand geklebt oder in einen Kasten gesteckt.

Ich selber liebe es, Collagen zu machen. Ein Teil nach dem anderen fügt sich ins Ganze ein und wird zu einem wichtigen Puzzleteil im Gesamtbild. Multiples von Künstlern, Spielsachen aus meiner Kindheit, Zuckerwatte vom Jahrmarkt, Hanteln die ich für meine Gymnastikübungen verwende, aber auch Plastikblumen, Kunstwerke von einer Reise aus Polen, alles ist gleichberechtigt und hat seinen Platz. Meine Wohnung ist vielleicht so etwas wie eine begehbare Collage, die nicht aufhört, sich zu verändern.

Eine Freundin sagte mal, sie habe den Eindruck, in mir zu sein, als sie meine Wohnung betrat.

Julie Arbeitsecke Haustour

Pinnwand Julie Blogpost

Wann hat diese Sammelleidenschaft begonnen?

Einen klaren Zeitpunkt kann ich nicht definieren, da ich mich noch nie gerne von Dingen getrennt habe. Schon als Kind wollte ich nichts wegschmeißen, daher habe ich auch in meiner Wohnung noch Gegenstände aus meiner Kindheit, an denen ich besonders hänge.

Wo findest du all diese Dinge?

Ich suche nicht nach ihnen, sondern sie begegnen mir in meinem alltäglichen Leben. Die silbernen PomPoms zum Beispiel, die habe ich im letzten Jahr mit Freunden auf einem Jahrmarkt gewonnen. Teilweise sind es aber auch Geschenke oder kleine Kunstwerke von meinen Patenkindern und Schülern.

Lampe Regal Haustour

Buecherregal Haustour

Ist dein Zuhause für dich wie ein Zufluchtsort, in dem du noch Kind sein kannst? Unbekümmert und voller Leichtigkeit, weil dein Berufsleben als Lehrerin in einer Stadtteilschule so knallhart ist?

Ich habe den Eindruck, dass ich gar nicht richtig erwachsen geworden bin, dass ich immer noch ein Mädchen bin. Zum Glück muss ich aber auch in meinem Beruf gar nicht richtig erwachsen sein oder mich gar behaupten. Da ich unter anderem Kunst- und Theaterlehrerin bin, habe ich in meinem Beruf mit Jugendlichen zu tun. Ich verstehe mich durch meine verspielte Art gut mit meinen Schülern, auch wenn ich viel von ihnen fordere.

Regal Pudel Blogpost

Du bist gerade 40 geworden, aber so alt fühlst du dich noch nicht oder?

Ich fühle mich in keinerlei als sei ich 40 Jahre alt, die letzten Jahre sind wie im Flug vergangen. Um mir wirklich klar zu werden, dass ich 40 geworden bin habe ich 40 Freunde gebeten, eine kleine Geburtstagparty für mich zu organisieren. Ich hab aber trotz der 40 Aktionen die dann stattfanden, immer noch nicht richtig realisiert wie alt ich wirklich bin.

Ich nehme mein Leben auch gar nicht so ernst. Ich trage kaum Verantwortung, ich tanze immer noch wie ein Kind leichtfüßig und unbekümmert durch das Leben.

Ich achte darauf, jeden Tag etwas zu tun, was mir Freude bereitet und womit ich das Kindliche in mir ausleben kann.

Teegedeck Blogpost

Das ist großartig. Henri Matisse hat schon gesagt: “Man darf nie aufhören die Welt mit Kinderaugen zu sehen“.

Ja, das ist richtig. Kinder haben einen neugierigen Blick, erforschen ihre Umwelt und können Dinge entdecken, an denen andere vorbeigehen würden. Auch ich schaue meine Realität genauer an, ich bin extrem begeisterungsfähig und kann mich auch über ganz kleine Dinge freuen. Manchmal reicht mir ein schönes Produkt, eine interessante Farbzusammenstellung oder ein lustiger Sticker irgendwo auf den Straßen St. Paulis, um mich für einen Moment sehr zu freuen. Ich lasse mich vor allem schnell von visuellen Impulsen begeistern.

Schwul Blogpost

Schluessel Blogpost

Wie hast du es geschafft, dir dein kindliches Ich so zu bewahren? Und warum denkst du, ist es so wichtig ein Stück weit noch Kind oder im speziellen Mädchen zu sein, egal wie alt man ist?

Meine kindliche Begeisterungsfähigkeit, die Leichtigkeit und Verspieltheit, sind nach wie vor große Teile meiner Persönlichkeit. Sie sind nicht einer erwachsenen Vernunft und Sorgen gewichen. Ich musste bisher keine Verantwortung übernehmen, wurde vom Leben nicht gefordert, habe keine Schicksalsschläge erlitten, daher konnte ich mir mein kindliches Wesen bewahren.

Diese kindliche Sorglosigkeit finde ich wunderbar. Kinder sehen noch keine Probleme und Schwierigkeiten, sie tun einfach das, wonach ihnen gerade ist. Sie machen sich keine Gedanken darüber, was andere über sie denken könnten. Ihnen geht es darum ihre Bedürfnisse zu erfüllen und dabei möglichst viel Spaß zu haben. Sie sind große Vorbilder für mich.

Vielen Dank für das Interview, liebe Julie!

Gute Nacht Haustour

Interview – Carolin Samson

Fotos – Ralf Bernert

10 Comments

  1. Antworten Salon Stories 28. August 2016 um 11:29

    Eine zauberhafte Wohnung, in der man sicherlich stundenlang staunen kann (so lassen es die Fotos vermuten). Und Julie hat recht, manchmal sollte man sich einfach ein bisschen weniger Sorgen und sich seine Lust auf`s Leben und Neugierde bewahren. Eine sehr inspirierende Frau.

    Liebe Grüße aus Frankfurt
    Anna

  2. Antworten Julia 28. August 2016 um 13:52

    Wie großartigst!
    Danke für dieses Interview und die wunderbaren Fotos dazu. 🙂
    LG Julia

  3. Antworten Lilli 28. August 2016 um 18:44

    Liebe Steffi, danke für die inspirierende Haustour. Freut mich besonders, da ich auch eine alte Sammlerin bin…und die Kinderaugen, die müssen wir uns wirklich bewahren. Schönen Sonntag noch! Alles Liebe, Lilli

  4. Antworten Caroline 30. August 2016 um 14:35

    Wow was für eine inspirierende Frau!
    Liebe Grüße, Caroline

    https://carolinespassion.wordpress.com

  5. Antworten Fräulein Zuckerbäckerin 31. August 2016 um 08:31

    Halli hallo !

    So eine zuckersüße Wohnung habe ich ja noch nieeee gesehen mit soviel Liebe zum Detail. So freundlich und verträumt haaaach 🙂 Ich würde am liebsten selbst da einziehen 🙂

    Danke für das tolle Interview und die schönen Bilder! Sehr inspirierend.

    Zuckersüße Grüße
    und eine schöne sonnige Restwoche noch!

    Tuba

    http://fraeulein-zuckerbaeckerin.blogspot.de/

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