...SEX. ELTERNSEX.

Eine Mütterrunde.

„Ich glaub, ich hatte selten so viel Spaß beim Sex wie nach der Geburt.“

„Bitte was?“

„Ja, wahrscheinlich war ich einfach nur irre erleichtert, dass noch alles funktionierte, nachdem ich da so ´ne Honigmelone mit Armen und Beinen rausgepresst hatte…“

„Stimmt, da wird einem vorher ja auch ordentlich Angst gemacht: Save the love channel, lieber einen Kaiserschnitt und so, hört man doch aus Amerika.“

„Jajaja. Aber nix da, der love channel war voll intakt, sogar trotz Geburtsblessuren, ich glaub, ich hab vor Erleichterung sogar zum ersten Mal beim Sex geheult…“

„Krass, ich glaub bei mir war’s ähnlich, ich dachte nur: „Au backe, fühlt sich irgendwie an wie beim ersten Mal!“. Heimlich denkt man „Nicht weh tun, tu mir ja nicht weh du Heini!“…“

„… nur dass man jetzt meist mit Heini, der ja eigentlich nie ein Heini war, verheiratet ist und das ja auch direkt ansprechen kann…“

„… was natürlich so semisexy ist…“

„Schatz, Lust auf Sex? Du, ich hab nur Angst, dass es weh tut…“

„Möööp, da wird die Palme zur Tulpe…“

„Zur Tulpe?!“

„Die hängen doch immer so über den Vasenrand, lassen den Kopf hängen, du weißt schon!“

„Ich find, der wahre Typ behält in dem Moment die Palme!“

„Der bringt einem vorher noch einen Cocktail unter die Palme aufs Laken…“

„Muah!!!“

„Och, so’n Cocktail hätte mir schon geholfen beim ersten Mal nach der Geburt, ich bekam die Kurve ewig nicht, weil ich mir selbst so’n Druck gemacht hab. Und dann ist es doch passiert, mit unrasierten Beinen, unrasierter – einfach allem unrasiert, ungeduscht, oh Gott, ich hatte glaube ich nicht mal die Zähne… – egal! Wir hatten Sex, es war gut und ich war back in business, yes!“

„Herrlich, dass jetzt als Eltern die komplette Show entfällt und man einfach dankbar ist, überhaupt Sex haben zu können, oder?“

„Wobei ich es auch mal wieder cool fänd’, mich sexy zu fühlen, zurecht zu machen und dann Sex zu haben…“

„Wenn er bis dahin nicht eingeschlafen ist… Ich mein – bis man so einen Wald gerodet hat, vergeht Zeit!“

„Ich hab dann auch verstanden, warum viele Neu-Eltern erzählen, sie hätten kaum noch Sex im Bett…“

„Weil einen plötzlich große Glubschaugen aus dem Baby Bay anstarren könnten?“

„Ja, ihhh, neee!“

„Nee, könnt ich auch nicht!“

„Wieso, das Kind kann doch ruhig wissen, wie es entstanden ist!“

„Wo macht ihr’s denn jetzt?“

„Wenn wir das Kind schlafend im Kinderwagen in die Wohnung bekommen haben – im Bett. Ansonsten, ähm, im Wohnzimmer? Auf dem Teppich?“

„Auf dem hier? Ist ja ekelig!!!!“

„Sorry! In der Not…“

„Ich hatte Dank unseres Kindes das erste Mal Sex im Stehen in der Dusche…“

„Ahhh, langsam versteh ich doch, was Frauen meinen, wenn sie sagen: „Als Mutter setzt du einfach andere Prioritäten…“

„… oder: „Ich komme nicht mal mehr zum duschen!“ – wenn die da nur vögeln, kein Wunder?!“

„Brüller!“

„Aber tut ihr’s jetzt alle megaoft? Klingt irgendwie so…“

„Nee, nur megaeffizient! Heißt: wenn schon denn schon! Lass das romantische Geschwafel und leg los, wer weiß wie lang wir haben!!“

„Genau! Wenn schon, dann bitte nicht lang rumfummeln, sondern gleich die richtigen Punkte drücken, dann bitte den Kurzwaschgang mit Happy End!“

„Das muss dann ja erst mal wieder für ein paar Tage, Wochen reichen! Stell dir vor, da stört jemand bevor es ein glückliches Ende gab, ahhh!“

„Sex lohnt sich so sehr…“

„Ist umsonst, lässt einen gut aussehen… – von was kann man das noch sagen? Schokolade? Fast umsonst…

„Schokolade ist so oft mein Sex.“

„Unser Vorspiel ist übrigens das Aufräumen…“

„What?!“

„Aufräumen ist so oft mein Sex…“

„Ja, wenn meine Eltern uns besuchen kommen, gehen sie mit dem Kleinen auf den Spielplatz, weil wir ihnen immer vorbeten, dass wir in einer Stunde Ruhe Zuhause die ganze Bude Klarschiff kriegen und wie toll das wäre, wenn sie uns dabei ab und an helfen könnten, den Kleinen zu bespaßen…“

„Und stattdessen habt ihr Sex? Fragen die dann nicht, warum es bei euch immer noch aussieht wie Sau, wenn sie wiederkommen?“

„Nee, wir schaffen Sex und Aufräumen, nur andersherum. Wir rennen wie bekloppt durch die Wohnung, packen so viel wie möglich an die richtigen Orte zurück, das ist schon megaantörnend so ein bisschen Ordnung zur Abwechslung, und dann ab in die Federn. Und wenn’s richtig geil läuft, schaffen wir noch zu duschen.“

„Duschen ist so oft mein Sex…“

„Vor kurzem hat doch so eine Australierin über Elternsex geschrieben und damit weltweit Klicks kassiert…“

„Ja, ich fand nur komisch, dass sie schrieb, sie und ihr Mann würden beim Sex mit den Füßen die Zimmertür zuhalten, damit die Kinder nicht reinkommen…“

„Da würde ich sofort einen Muskelkrampf kriegen…“

„Vielleicht macht man das so, wenn die Kinder größer sind?“

„Bin ich froh, dass unsere Kinder noch in Gitterbettchen schlafen…“

„Oh man, ich erinnere mich noch, wie meine Eltern früher manchmal „Mittagspause“ gemacht haben und uns Kindern gesagt haben, wir sollen auch eine machen und schön in unseren Zimmern bleiben und dann knarrte es im Haus – eeeew, so ekelig!“

„Oh Gott nein, ich möchte, dass meine Kinder das niemals mitbekommen…“

„Gemeinsame Hotelzimmer im Urlaub….“

„Üahhhhhh!“

„Es gibt doch diese tollen Konzertkopfhörer für Kinder…“

„Neeeeein!!!!!“

„Ein Hoch auf Großeltern, die Kinder zur Übernachtung nehmen…“

„Was man in einer Nacht alles schaffen könnte…“

„Und wie toll es ist, mal nichts zu schaffen. Nicht nach dem Sex aufzuspringen, schnell zu duschen oder zu versuchen die Gesichtsfarbe zu mindern, damit der Babysitter nicht peinlich berührt ist, wenn er einen sieht…“

„Ich glaub, der Babysitter rechnet im Leben nicht damit, dass man gerade noch heimlich irgendwo Sex hatte. Die halten uns doch für steinalt!!“

„Mal wieder nach dem Sex liegen zu bleiben…“

„… einzuschlafen…“

„Noch mal miteinander zu schlafen…“

„Was Leckeres zu essen im Bett, DVDs zu gucken und dabei einzupennen…“

„Essen ist so oft mein Sex…“

„Macht ihr euch Gedanken wie ihr ausseht beim Sex? Von wegen Brüste, Bauch und Co.?“

„Dem coolen Palmenbesitzer ist das glaub ich – Latte!“

„Yeah, darauf stoß ich an!“

„Und mir war’s vorher Gott sei Dank auch schon egal wie ich dabei aussehe…“

„Sonst wird das doch eh nix, oder?“

„Wie willste denn da zum Orgasmus kommen, wenn du ständig denkst „Scheiße, haben meine Brüste früher in dieser Position auch schon das Bettlaken berührt oder schwebten sie da noch weiter oben?““

Text – Stefanie Luxat

25 Comments

  1. Antworten Jules 31. Januar 2016 um 12:43

    Brüller! Aber wahr.

  2. Antworten Olivia 31. Januar 2016 um 12:44

    Der Brüller! Und so wahr. 🙂
    Danke danke danke für deine stets tollen Texte. Ist mir immer wieder eine Freude.

    Herzlichst
    Olivia

  3. Antworten Stephanie 31. Januar 2016 um 13:10

    Ich möchte ja niemanden desillusionieren… Wenn die Kinder so klein sind, geht das doch noch wunderbar. Wenn sie allerdings größer werden und abends plötzlich länger auf sind als man selbst und auch noch eine Vorstellung davon haben, was Eltern aus ihrer Sicht auf gar keinen Fall machen sollten – dann kann man nur noch ins Hotel gehen… Wir haben oft von den guten alten Zeiten geträumt, als die Kinder noch klein waren und abends um halb acht im Bett…

  4. Antworten Alex 31. Januar 2016 um 13:18

    Auweia, das ist zum Brüllen komisch. Werde ich nachher meinem Mann vorlesen….falls unsere Kinder uns lassen…wir haben übrigens 6 ( sechs )….um 21:45 direkt nach dem Tatort dann Sex…..wenn wir nicht eingeschlafen sind….oder die Pubertiere angetrabt kommen für hochwichtige Fragen, wofür vorher keine Zeit war wegen Chillen und so ….ein Gitterbett sollte also solange ausgenutzt werden, wie möglich…. ; )
    Mach weiter so, liebe Stefanie, du schreibst herrlich und dein Wohnbuch ist ne Wucht!
    LG Alex

    • Antworten Steffi 31. Januar 2016 um 14:30

      @Alex: Sechs?? Ihr seid der Knüller! Dann habt ihr doch alle Tricks raus! 🙂 Nach dem Tatort – Respekt! Da ist schlafen mein Sex! 😉 Herzliche Grüße & ganz lieben Dank für deine lieben Worte, freu mich sehr! Steffi

  5. Antworten anne 31. Januar 2016 um 13:34

    einfach nur großartig!!!! ich muss sooo lachen! herrlich erhlich!

  6. Antworten Svenja 31. Januar 2016 um 16:03

    Muss gerade so lachen, erstmal weils so ist und zweiten weil wir den Plan mit Oma und Opa heute auch hatten. Leider stehe ich gerade am Fenster und zeige den Wolken meine Faust anstatt gerade im Bett zu liegen. Ganzen Vormittag Sonnenschein „Kinder, Oma und Opa kommen gleich, dann könnt ihr schön mit Ihnen spazieren gehen!“ Kinder „Jaaaaa“ Mama „Papa und Mama räumen dann auf!“ (Mama und Papa grinsen sich heimlich zu) Endlich Oma und Opa kommen, sind ganz begeistert von der Idee einen Spaziergang zu machen. Kurz rein ins Haus, großes Hallo zur Toilette (ich steh schon mit den Jacken der Kinder an der Tür) … Dann in Windeseile, dunkle Wolken, Regen und Sturm Der Orgasmusgott mag mich nicht! Wir gehen heute Abend Essen und ins Theater. Es ist kalt draußen, ich werde gleich mal die dicken Decken ins Auto schmuggeln

    Liebe Grüße

  7. Antworten Christiane 1. Februar 2016 um 06:38

    In Japan ist es normal das Paare ins Hotel gehen ….
    Eine schöne neue Woche !
    Gruß Christiane

  8. Antworten Glückskind Petra 1. Februar 2016 um 08:51

    Herrlich dieser Text – das ist so wahr und toll geschrieben…

  9. Antworten Sophie 1. Februar 2016 um 09:39

    Haha, das erinnert mich auch an Charlottes hysterische Schreie, bei Sex and the Baby ähh City. Das wäre allerdings auch mein persönlicher Alptraum. Wobei ich glaube, dass die Eltern mehr Schaden nehmen, als das Baby. Genauso amüsant ist das Thema übrigens aber auch schon während der Schwangerschaft. Da drehen ja die Hormone bekanntlich noch mal so richtig auf. Das ist dann wie auf der Kirmes: „Noch, eine Runde, noch eine Runde. Klingeling!“

  10. Antworten Dani 1. Februar 2016 um 10:23

    =) ich musste so lachen. SO gut geschrieben und einfach wahr.
    Unser Kleiner ist jetzt bald 2 Monate alt und beim 1. Sex nach der Entbindung war es echt fast wie beim ersten Mal 😉 total aufregend und man denkt ständig „bitte wach jetzt nicht auf – schlaf einfach weiter“
    puhhh und dass hat er zum Glück auch gemacht 😉
    danke für den Text, einfach herrlich!

    gruß Dani

  11. Antworten Kristina 1. Februar 2016 um 12:53

    Da gewinnt die Redewendung „auf die Palme bringen“ eine ganz neue Bedeutung und plötzlich wünscht man sich als Eltern nichts mehr als „Bring mich auf die Palme“ 🙂

  12. Antworten Steffi 1. Februar 2016 um 22:43

    Mir wird gerade klar warum die Samtcouch weg muss. Wegen der Kinder. Ist ja auch nicht gelogen, ne? 😛

  13. Antworten Stefanie Schiestl 2. Februar 2016 um 00:08

    Herrlich!!! Meine Eltern wohnen gleich nebenan und falls es uns einfach überkommt geben wir unser Töchterchen einfach ab, mit der bitte sie doch mal gaaaaanz schnell zu nehmen weil wir im Dachboden was machen müssen usw usw…..
    Letztes Mal hat mein Mann angerufen und gesagt „Schwiegermutti, wenn du noch a Enkerl willst dann musst jetzt auf die Andere aufpassen, er beeilt sich auch :)“ Wir üben nämlich grad für ein Zweites 🙂 Und kein Witz das hat er wirklich gesagt 🙂
    Mach weiter so…ich les so gern von dir!!
    LG Steffi

  14. Antworten Planet Hibbel 2. Februar 2016 um 10:17

    Danke! You made my day. Mir sagte eine Freundin nach dem ersten Mal Sex übrigens mal: Das ist so, als würdest Du ein Bockwürstchen in ein Scheunentor schmeißen. ;))

    • Antworten Steffi 2. Februar 2016 um 14:03

      @Planet Hibbel: Muahhhhhh!!! Haha! Brüller! Und Gott sei Dank ja so gar nicht wahr!! (das sei nur zur Sicherheit gesagt, falls eine (Nochnicht-) Schwangere das grad hier liest!!) Danke für den herrlichen Satz!!

  15. Antworten Julia 2. Februar 2016 um 12:30

    Hahaaaaa, sehr gelacht! Mein Kommentar dazu: wenn man die Tiefschlafphasen der Kinder nutzt, alles kein Problem! Auch wenn sie im gleichen Zimmer schlafen… 😉

  16. Antworten Séverine 2. Februar 2016 um 20:41

    schon lange nicht mehr so gelacht. Treffend und super geschrieben! DANKE!

  17. Antworten Rebecca 22. Juni 2016 um 16:57

    Okay, ich bin zwar keine Mama, aber die Unterhaltung ist der BRÜLLER!

    Mein persönliches Highlight: Das immer wiederkehrende “ … ist so oft mein Sex“ – genial!

    :DDD

    Danke für diese nachmittägliche Erheiterung!

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