Mein DaWanda-Darling des Monats: Designerin JR Sewing, die weiß, wann man sagen sollte: "Ist mir egal, ich lass das jetzt so"

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Im Februar habe ich die Serie über meine DaWanda-Darlings gestartet. Mit Darling Nummer eins: Marga.Marina von Tine Pagenberg. Diesen Monat ist Jana Reiche, 28, aus Berlin mit ihrem Label JR Sewing mein DaWanda Darling. Ihre T-Shirts mit dem Spruch “Is’ mir egal, ich lass das jetzt so” haben mich schwer begeistert.

Jana ist nach dem Abi auf die Modeschule Berlin gegangen, hat anschließend ein Jahr in New York als Assistenz-Designerin und Mädchen für Alles bei zwei kleinen Designerlabels gearbeitet und sich zurück in Berlin vor zwei Jahren mit JR Sewing selbstständig gemacht.

Ich habe mit ihr über Perfektionismus und den Zeitpunkt gesprochen, an dem man loslassen sollte…

Liebe Jana, bist du eine geheilte Perfektionistin?

Nein, ich habe nur gelernt meinen Perfektionismus mit Humor zu nehmen. Wenn man zu hohe Ansprüche an sich selbst hat, kann man meiner Meinung nach auf Dauer nicht glücklich werden.

… und hast deine neue Lebens-Einstellung in einen T-Shirt-Spruch verwandelt.

Die Idee zu diesem Spruchshirt kam mir schon zu Zeiten meines Modedesign-Studiums. Damals saß ich häufiger bis spät nachts über meinen Designarbeiten an der Nähmaschine oder am Schreibtisch. Irgendwo muss ja auch mal Schluss sein, dachte ich, denn ohne Schlaf kriegt man ja am nächsten Tag auch nichts Vernünftiges zustande. Gegenüber meinen Kommilitonen witzelte ich damals schon, dass wir uns zum Diplom „Is mir egal, ich lass das jetzt so!“-T-Shirts machen sollten. Aber erst vor kurz einem Jahr, als ich wieder im Stress war für eine Modemesse, entschied ich mich, ganz authentisch zu dieser Situation zu stehen und mein Statement nach außen zu tragen. Dass ich so vielen Leuten aus der Seele spreche, habe ich nicht gerechnet.

Klingt, als würdest du den Zeitpunkt gut kennen, an dem man Sachen loslassen, sie einfach mal für beendet erklären muss.

Wenn man unter Zeitdruck steht, hilft es nichts sich nervös zu machen. Solange man trotzdem noch das Gefühl behält, man hätte sein Bestes gegeben, ist der Punkt gekommen sich dazu zu entscheiden, aufzuhören.  Ich finde das zeugt von Selbstbewusstsein. Man sollte eine Balance zwischen Arbeit und der Zeit finden, die man für sich selbst braucht. Bei kreativen Arbeiten sind zudem Pausen sehr wichtig. Wenn  man stundenlang auf Nähte oder eine Illustration schaut, kann man diese nicht mehr objektiv beurteilen und das Gesamtbild leidet.

Die hübsche blonde Frau, siehe oben, ist Jana Reiche, Inhaberin von JR Sewing

Und was kannst du anderen, die sich vielleicht noch sehr stressen, alles perfekt machen zu wollen raten?

Man sollte versuchen die Sache durch etwas Abstand reflektiert zu betrachten. Man könnte sich fragen, warum man sich überhaupt soviel Druck macht. Kommt er von außen, oder von einem selbst? Was könnte denn so Schlimmes passieren, wenn man den Erwartungen nicht stand hält? Man sollte sich Alleinzeit schaffen um diese Dinge mit sich selbst zu klären. Ich gehe zum Beispiel dann joggen, oder in die Badewanne.

Wie oft sagst du denn pro Tag „Is mir egal, ich lass das jetzt so“?

In letzter Zeit häufiger, habe nämlich gerade erst meinen Laden renoviert. Altbau hat so viele Tücken…und Stuckstreichen sucks übrigens!

Wird man ein glücklicherer Mensch mit deinem T-Shirt? Auch ein schnellerer Entscheider?

Leute die mein T-Shirt kaufen, haben Situationen erlebt, in denen sie genau das gesagt oder gedacht haben, was mein Shirt ausdrückt. Ich weiß von Kunden, die das Shirt bei Abgabe der Magisterarbeit, beim Abi, beim Vorstellungsgespräch (dann unterm Jackett), oder der Vorstellung von Projekten trugen. Ich verkaufe viel an Leute mit kreativen Berufen.  Bei Marketing-und Werbeagenturen steht der Spruch hoch im Kurs, da kauft sich auch gern mal ein Grüppchen im Büro das Shirt im Kollektiv. Super fand ich auch, dass eine Berliner Staatssekretärin das Shirt extra in rot bei mir bestellt hat.

Gibt es nur T-Shirts mit dem Spruch oder auch noch andere Mode-Artikel?

In meinem Laden in Berlin-Neukölln (Foto siehe unten, Anmerk. Steffi) habe ich immer auch andere Designs von mir hängen. Der Plan ist, alle drei Monate eine kleine Kollektion zu einem Thema zu erstellen, dass sich dann auch in der Deko des Ladens widerspiegelt. Letzte Woche habe ich meinen Laden das erste Mal mit diesem neuen Konzept eröffnet. Es gibt, passend zum neusten Tim Burton Film, „ Alice“-Kleider, Röcke, Blusen und selbstverständlich T-Shirts mit Motiven zum Wunderland. Mein Laden ist grad ein bisschen psychodelisch verzaubert.

Und wer hat sich da mit dem „Naked Cowboy aus New York“ fotografieren lassen?

Die junge Dame links im Bild ist Johanna, die Schwester meiner Freundin Nina, die ich seit der Modeschule kenne. (Nina verkauft übrigens ab jetzt ihren Schmuck und ihre Accessoires bei mir im Laden.) Ich habe alle Freunde und Kunden angesprochen, ob sie mir nicht Fotos schicken können von ihnen in dem T-Shirt. Ich finde es toll zu sehen, wo mein Shirt auf der Welt getragen wird und finde jede authentische Person besser als ein Model.

Das heißt, die auf deinen Fotos hier sind alles Freunde von dir?

Das sind meine Freunde, die ich teilweise stark überreden musste sich überhaupt fotografieren zu lassen. Johanna zum Beispiel (dunkle kurze Haare) war meine Nähschülerin und mein Freund ist auch eins der Models (könnt ihr raten wer).

Und wer ist dein DaWanda-Darling?

Ohne meine zwei Lieblings-Praktikantinnen Lale und Sarah, die gute Freundinnen von mir geworden sind, hätte ich gerade die Aufgaben der letzten Zeit nicht so gut bewältigen können. Deshalb sind ihre Dawanda-Shops meine Darlings:

http://de.dawanda.com/shop/LaleLuu

http://de.dawanda.com/shop/BenSuSu

Liebe Jana, vielen Dank für das hübsche Gespräch!  Ich wünsche dir einen schicken Mhhhittwoch!

Fotos: JR Sewing

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